KenFM-Spotlight: Florian Kirner über die Bedeutung von Links & Rechts

Ausschnitt aus dem Gespräch mit Florian Kirner – in voller Länge hier zu sehen: https://kenfm.de/kenfm-im-gespraech-mit-florian-kirner-a-k-a-prinz-chaos-ii/

Links!

Was bedeutet 2017 das Bekenntnis, „links“ zu sein?

Welchen Ursprung hat die politische Verwirrung „links“? Bedeutet „links“ zu sein, gegen „rechts“ zu sein? Wo fängt „links“ an? Wo hört es auf? Sind Befreiungsbewegungen „links“? Passt „links“ sein, und hinter dem Imperium zu stehen, zusammen?

Sind die Linken in Deutschland nicht längst Teil eines Staates, der klar „rechts“ steht und als Rechtsstaat Linke lokal und global gegeneinander ausspielt?

Einfache Fragen, auf die Ken Jebsen komplexe Antworten erhält. Im Interview mit dem Historiker und Amerika-Kenner Florian Kirner kommt das Gespräch, das im Oktober dieses Jahres aufgezeichnet wurde, auch auf Donald Trump.

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2 Kommentare zu: “KenFM-Spotlight: Florian Kirner über die Bedeutung von Links & Rechts

  1. „Links“ und „Rechts“ sind Begriffe aus der bürgerlichen Revolution und beschreiben die Formen, die bürgerliche Herrschaft annehmen kann.
    Sie kann entweder rechts oder links sein. Damals waren die Begriffe aus dem französischen Parlament übernommen, als es sich gegen Ende der großen französischen Revolution bildete.
    Die Bauern und ärmeren Handwerker waren zu dieser Zeit gegen das Bürgertum am kämpfen. Grund: Die sich in diesen Jahren konstituierende Bourgeoisie hatte ihre Befreiung gar nicht im Sinn.
    Die Leute die mit „links“ und „rechts“ jonglieren meinen IMMER den Machterhalt des Bürgertums über einer arbeitenden, lohnabhängigen Klasse – egal, was sie von sich behaupten. „Links“ impliziert auch immer „rechts“, weil es bereits im Parlament eine Einheit war.
    Aus den jakobinischen Methoden der Revolutionsführung und späteren Ausgestaltung einer „revolutionären“ Diktatur schöpfte auch Karl Marx. Er war links, in dem er die Befreiung der Menschen im Munde führte und rechts, in dem er von dr Diktatur des Proletariats faselte, welches letztendlich in ALL ihren tatsächlichen Ausformungen eine Diktatur ÜBER das Proletariat war.
    Heute müssen wir uns jenseits dr Begriffe des Bürgertums wenden, wenn wir Freiheit für ALLE Menschen wollen.
    Wenn nur das Bürgertum in seiner Machtfülle gepusht werden soll, dann könnt ihr weiter diesen Weg der Ausbeutung der Arbeiterklasse gehen. Unter anderem mit dem Verschweigen ihrer Geschichte!
    Denn hier hört man immer nur übers Bürgertum: Adolf und seine Organisationen, seine militärischen Geldgeber – alles Richtig – Buchtipp: Ian Kershaw „Hitler, 1889-1936“ beschreibt, wie verblichener Adel, Großgrundbesitzer, Bürgertum und kapitalistisches Großbürgertum Hitler und seine Bewegung zu dem machten, was sie wurde. Heute sieht man ja wieder nur die Arbeiter, die sich von denen hinreißen ließen, und deren Knüppelgarde bildeten – aber im Hintergrund liefen die wichtigen Dinge ab – denn ohne Geld….. wären die Arbeiter enttäuscht wieder abgezogen.

    Wer die Geschichte begreifen will, darf sie nicht, wie hier im Video, immmer nur aus der Perspektive der Herrschenden betrachten. Und die reine Erwähnung der Räterevolutionsbewegung in Deutschland, reicht auch nicht aus, um sie zu verstehen. Wichtig ist, dass die lohnabhängigen Menschen dieser Welt, ihre Geschichte wieder erobern, aus ihr lernen und dann die richtigen Schlüsse für die Gegenwart ziehen!

    Buchtipps

    Räterevolution:
    Erich Mühsam „Von Eisner bis Leviné“

    Widerstand gegen den Ersten Weltkrieg
    Aus der Reihe „Kapital braucht Kriege, wir nicht!“:
    Andreas W. Hohmann „Ehern tapfer vergessen Die unbekannte Internationale“
    Helge Döhring „Im Herzen der Bestie – Syndikalismus in Deutschland 1914 – 1918“, „Fritz Oerter – Texte gegen Krieg und Reaktion“

    Widerstand gegen das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg
    Helge Döhring „Anarcho-Syndikalismus in Deutschland 1933-1945“

    Um die Zukunft anders als die Gegenwart zu gestalten, muss man sich fragen, ob die Vergangenheit wirklich ist, was man wiederholen will – der Verrat der Sozialdemokratie, die verrosteten Konzepte des autoritären Marxismus, der linke Einheitsbrei der 68′ Bewegung – all das sind Muster, eines Konzepts, welches nirgendwo hinführt, wie die Geschichte gezeigt hat.
    Man muss einfach begreifen, dass die Linken und die Rechten nicht Alles sind – dass es aus der Arbeiterklasse der Welt heraus eine Bewegung gegeben hat und in belebbaren Resten heute auch noch gibt, die sich jenseits dieses lächerlichen Konzepts eine neue Welt erträumte, die ohne das ewige „Du sollst!“ auskommt und die den Vorurteile des Eigentums, des Staates und die sie transportierende politische Religion keine Kontinuität verleihen.

    Wer heute was machen will, und sich dann für links entscheidet, oder rechts, wird früher oder später unweigerlich in eben diesen festegfahrenen bürgerlichen Lagern landen. Er / sie wird niemals den eigenen Bedürfnisse und dem eigenen Ich nachspüren können, weil da immer der bürgerliche Rahmen erhalten bleibt, der Rest Gehorsam und Sklaventum und der Rest Unterwürfigkeit vor irgendwelchen neuen Autoritäten. Und genau die sind es die bereits den Keim der neuen Diktatur in sich tragen – deshalben haben „linke“ Konzepte auch nie zu einer Revolution geführt, die radikale Veränderungen gebracht hat, sondern die stets in ihr diktatorisches Gegenteil verfiel.

    Also: Selber denken, statt ausgetretene Pfade schleichen. Einen eigenen Standpunkt finden und nicht nachplappern, was man so hört – und einen Klassenstandpunkt einnehmen – und zwar von ganz unten – denn wenn die kommende Veränderung der Gesellschaft (ich nenne das jetzt bewusst nicht Soziale Revolution) die Unterdrückung der Arbeiterklasse nicht beseitigt und damit die Klassen auflöst, dann wird es nichts werden. Dann trägt diese „Veränderung“ bereits die Saat des Absolutismus in sich, den wir auch heute in jener „Demokratie“ erleben, die die wirtschaftliche Diktatur einfach unerkannt weiterleben ließ. Und das rächt sich in unseren Tagen – das ist was wir merken: Das Esratrken der Diktatur der Reichen, weil sie eben nicht beseitigt wurde. Wir glaubten in unserer politischen Religion immer an die sogenannte Sozialpartnerschaft – dass die Reichen den Armen helfen könnten – aber es gibt überhaupt nur Reiche, wenn es auch Arme gibt!
    Und deshalb haben die gar kein Interesse an einem echten Ausgleich, sondern nur am Machterhalt. Das müssen jetzt alle merken. Und dann ist die Folgerung daraus: Keine Widerholung der gemachten Fehler – Arbeitersozialismus ohne Diktatur!
    Anarcho-Syndikalismus! Anarchismus! Weg mit dem bürgerlichen Parlamentarismus, der nur die Unterdrückung der Lohnabhängigen durch die Unternehmer und Banken verewigt hat! Wir brauchen stattdessen Organisationen ohne politische Macht – die nicht die Menschen beherrschen, sondern die Dinge des Bedarfs verwalten! Das Monopol des Eigentums muss verschwinden – Kein Eigentum an Produktionsmitteln! Kein Eigentum an der Erde!
    Aber lest einfach selbst – die Bücher und Konzepte liegen rum und ihr habt jeden Freiraum den ihr euch vorstellen könnt, euch im Miteinander mit euresgleichen zu organisieren und euch so aus der Abhängigkeit der Kaufhäuser und des Staates und der „Arbeitgeber“ zu lösen.

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