KenFM-Spotlight: Prof. Rainer Mausfeld über das Menschenbild des Neoliberalismus

Ausschnitt aus dem Gespräch mit Prof. Rainer Mausfeld – in voller Länge hier zu sehen: https://kenfm.de/rainer-mausfeld/

Wenn es einer sehr kleinen und übersichtlichen Gruppe von Menschen gelingt, die Massen global und über Jahrzehnte für die eigenen Ziele arbeiten zu lassen, kann das nur dann erfolgreich bewerkstelligt werden, wenn diese Eliten die Techniken der Gehirnwäsche auf allen Ebenen konsequent zur Anwendung bringen. Schon der Umstand, dass Völker sich für Krieg begeistern lassen, zeigt die Macht dieser Technik.

Seit dem römischen Prinzip „Teile und Herrsche“ haben sich die Werkzeuge der Gehirnwäsche extrem verfeinert. Ein großer Teil der sogenannten Sozialforschung wurde im Auftrag der Eliten finanziert, um den Menschen als Wesen, das nur im Kollektiv überleben kann, im Anschluss in seine Bestandteile zerlegen zu können, ihn gefügig zu machen.

Der Grad der Manipulation ist viel größer, als die meisten von uns auch nur ahnen. Aber gerade darin liegt die Macht dieser Elitentechnik. Massenmedien sind dabei eines der wichtigsten Werkzeuge, um die Realität zu verschleiern und unsichtbar zu machen. Wer darauf aufmerksam macht, wird vom System gnadenlos attackiert, lächerlich gemacht und ausgegrenzt. Das finale Ziel ist immer die Vernichtung derer, die die Tarnung der Eliten auffliegen lassen.

Der Soziologe Prof. Rainer Mausfeld hat sich intensiv mit den Techniken der Verschleierung und des Gefügigmachens auseinandergesetzt. Seine auch im Netz veröffentlichen Vorträge, u. a. mit dem Titel „Warum schweigen die Lämmer“, wurden zu Blockbustern in Netz.

KenFM sprach mit Rainer Mausfeld über den Status Quo einer auf den neoliberalen Kurs eingeschworenen Gesellschaft, die sich in gegenseitigen Lagerkämpfen an die Gurgel geht, während die Geldeliten weiter die Strippen ziehen. Die Manipulation ist extrem perfide, denn sie beleidigt den Menschen an sich, der nicht wahrhaben will, dass er wie Vieh zur Schlachtbank geführt werden kann und wird, indem man ihn mit den pervertierten Techniken der Demokratie davon abhält zu sehen, in welcher Situation er sich tatsächlich befindet.

Die Zeit des Erwachens steht unmittelbar bevor. Sie wird nicht ohne Schmerzen zu haben sein. Die Medienrevolution ist wie eine Geburt. Wir müssen da durch, um ein autarkes Leben wirklich beginnen zu können.

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22 Kommentare zu: “KenFM-Spotlight: Prof. Rainer Mausfeld über das Menschenbild des Neoliberalismus

  1. Einen ganz guten Überblick über unsere Zivilisation (eine Entwicklung von Gewalt, sag ich immer) bietet auch das Buch: „Das Ende der Megamaschine“ von dem jungen Historiker Fabian Scheidler.
    Da hab ich dann z.B. auch so Sachen erfahren, dass im schönen antiken Griechenland mit den vielen berühmten freien großen Denkern es schlimmste Formen von Sklaverei gab. Sie mussten angekettet in den Bergwerken schuften, bis sie starben und wir kennen ja auch den Begriff der Galeerern der Römer, wo Sklaven angekettet als Rudermaschinen fungieren mussten.
    Und die Idee einer Weltherrschaft wurde meines Wissens schon im alten Ägypten unter der herrschenden Priesterklasse diskutiert, die sich wohl auch die Beschneidung der Knäblein als Domestizierungsmaßnahme ausgedacht hatten.
    Die Geschichte der Kolonialisierungen ist auch an Ungerechtigkeit und Grausamkeit nicht zu überbieten. Die Engländer z.B. sollen in Indien die Zwangsarbeiter vor vollen Kornspeichern verhungern lassen haben, schreibt Scheidler und „Aufsässige“ vor Kanonen gebunden haben und demonstrativ zerfetzen lassen!
    Diese Art Geisteskrankheit ist so alt wie unsere ganze bekannte Geschichte. Hier müssen wir ansetzen mit unserem Denken. Wir sind alle ein Teil der Entwicklung dieser Gewalt(haben alles in unseren Genen) und jeder hat Verantwortung zu tragen und entsprechendes individuelles Bewusstsein auszubilden!

  2. Prähistorische Stammesmodelle können unmöglich als Matrize für heutige Problemlösungsentwürfe dienen.

    1. es weiß einfach keiner, wie es damals wirklich war! Alles zu diesem Thema ist REINE Spekulation, teilweise Wunschdenken, teilweise Interpretationsfreiheit. Es gibt radikal NULL(!) archäologische Beweise für die Art und Qualität von soziologischen Interaktionen!

    2. eine Zeit der Unwissenheit, von mächtigen Ängsten geprägt und technischer Ahnungslosigkeit exformiert andere strukturelle Lösungen für die Alltagsproblematik als das heute der Fall ist. Wir können weder zurück zur Unwissenheit noch zur Techniklosigkeit ohne dafür einen mächtigen Blutzoll zu zahlen – wer ist dafür bereit?

    3. Häufig wird Matrilinearität mit Matriarchat verwechselt – das ist irreführend. Das postulierte Fehlen von Kriegen (nichts genaues weiß man auch hier nicht wirlich!) kann schlciht damit zusammen hängen, dass damals eine minimale Bevölkerung und ausreichende Ressourcen Verteilungskämpfe gar nicht erst nötig machten.

    das einzige Identische, das ich zwischen den Menschen von damals und denen von heute erkennen kann, ist die nach wie vor vorhandene Todesangst – das verbindet uns ungebrochen.
    Thanatophobie, das Mysterium des Todes, die Angst vor dem Unbekannten wie dem Ende sowieso – man braucht keinen Freud, um hier in der Tat einen der obersten Handlungsdeterminatoren zu erkennen.

    Die neoliberalen Auswüchse sind sublimierte Kompensationsmechanismen eben dafür – wer Gott spielen kann, darf sich auch ein Stück weit unsterblich dünken, zumindest aber dem üblichen Ausgeliefertsein durch die Illusion der Macht entrückt sehen.
    Deswegen ist dem ganzen Dreck auch nicht über systematische Analyse oder emotionale Betroffenheitsappelle oder vorgeblich transformatorische Prozesse beizukommen – die Angst bleibt nämlich davon unberührt und bekommt kein brauchbares Alternativangebot der Entängstigung (welchem ja auch vehemente innere Blockaden entgegenstehen, die selbst bei Verfügbarmachung eines solchen Angebotes, dieses verhindern).

    • Ihre These von der Todesangst, die uns als Art alle angeblich eint über zig Jahrtausende hinweg teile ich so nicht. Die Art Angst vor dem Tod, die heute vorherrscht, ist nach meinem Empfinden unnatürlich und hat es in früheren Zeiten nach meiner Vermutung so nicht gegeben. Ich verstehe z.B. nicht, wieso sich so viele Menschen den für mich unvorstellbaren OP- Torturen ausliefern, die diese perverse Apparate-Medizin heute ermöglicht, wodurch ihnen ein unwürdiges Siechtum unter ständier Medikamentengabe ermöglicht wird, nur, um den Zeitpunkt ihres Todes, der angeblich das schlimmste von allem sein soll, noch ein bisschen hinauszuzögern. Ich habe z.B. schon lange diese abstrakte Angst vor dem Sterben nicht mehr. Viel größer ist dagegen meine Angst vor den im Leben drohenden Grausamkeiten dieser gewalttätig geschaffenen Zivilisation.

    • „Prähistorische Stammesmodelle können unmöglich als Matrize für heutige Problemlösungsentwürfe dienen.

      1. es weiß einfach keiner, wie es damals wirklich war! Alles zu diesem Thema ist REINE Spekulation, teilweise Wunschdenken, teilweise Interpretationsfreiheit. Es gibt radikal NULL(!) archäologische Beweise für die Art und Qualität von soziologischen Interaktionen!“

      Aha ,Sie sind mir ja einer .Stellen Sie sich vor ,selbst heute gibt es noch alte Kulturen deren Lebensart sich seit tausenden Jahren kaum verändert hat .Natürlich sterben diese leider immer mehr aus ,aber bekannte Anthropologen wie Stanley Diamond oder Paul Radin haben Feldstudien betrieben und bei diesen uralten Völkern bzw. Stämmen eine gewisse Zeit gelebt.
      Ich habe hier den Eindruck ,dass die Ursachen für unseren heutigen Wahnwitz des Kapitalismus eher verschleiert werden sollen als aufgedeckt. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ist keine Naturkatastrophe sondern menschengemacht . Die Instrumente dafür sind das Zinssystem und militärische Gewalt. Ausgeübt von Menschen die nicht ihre produktiven Kräfte entfalten können und als Ersatz dafür andere Menschen ausbeuten .
      Das ist ein Phänomen der Zivilisation was es so in primitiven Gesellschaften nie gab.
      Und wegmeditieren lässt sich der Kapitalismus leider auch nicht.

    • „Das ist ein Phänomen der Zivilisation was es so in primitiven Gesellschaften nie gab.
      Und wegmeditieren lässt sich der Kapitalismus leider auch nicht.“

      Damit bezeugen Sie selbst, dass die Situation vor 10.000 Jahren+ nicht mit der heutigen vergleichbar ist – was im übrigen wirklich nicht schwer nachzuvollziehen sein sollte 😉
      Keine Ahnung, wer hier den Kapitalismus ‚wegmeditieren‘ will – ich nicht.

      Und ob ein Stamm heute noch so lebt wie vor 10.000 Jahren, das wissen noch nicht mal die Stämme selbst.

      „Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ist keine Naturkatastrophe sondern menschengemacht . Die Instrumente dafür sind das Zinssystem und militärische Gewalt.“

      Yo. das ist wohl so – keine Naturkatastrophe, aber letztlich ein stringentes Ergebnis von aus der Natur des Menschen und seinen natürlichen Bedingungen hervor gegangenes.
      Niemand hat sich irgendwann hingestellt und verfügt: „So, ab jetz isser da, der Kapitalismus.“ – das ist eine AUTARKE Entstehungsgeschichte über tausende von Jahren, bevor die ersten Erscheinungsformen dessen auftrat, was wir heute mit Kapitalismus assoziieren.
      Das, was hier verschleiert wird ist den wahren Ursprung des Kapitalismus zweifelsfrei zu benennen – vermutlich, weil die Antwort den meisten von uns nicht gefällt und Veränderungen ganz anderer Art bedeuten würde als bisher ausnahmslos propagiert wurden zur ‚Überwindung des Neo-Liberalismus‘, weswegen auch der intelligente Prof.Mausfeld zu diesem Thema sehr kleinmütig wird…

    • Sehen Sie ,sie haben keine Ahnung wovon ich spreche.
      Sie haben offensichtlich nie einen Anthropologen gelesen,sonst wüssten Sie wovon ich spreche.
      Die Natur des Menschen ist unveränderbar,-sie wurde geformt über hunderttausend Jahre .Die 500 Jahre ,in denen der Kapitalismus existiert ,sind ein Wimpernschlag in der Geschichte der Menschheit.
      Hunderttausend Jahre haben auch die Menschen gelebt in primitiven Gesellschaften ,wo es selbstverständlich war ,dass die Menschen in solidarischer und verbundener Weise ihr Leben meistern-ansonsten wäre ein Überleben unter den damaligen Bedingungen unmöglich gewesen.Die Menschen mussten solidarisch und helfend miteinander verkehren,-das ist die Natur des Menschen .Der Mensch ist ein soziales Wesen. Das steckt tief und unauslöschlich im Menschen drin.
      Die 10.000 Jahre Zivilisation sind eine kurze Zeit in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Aber mit der Zivilisation begann die Ausbeutung des Menschen ,die Unterdrückung und die Gier ,der Neid und der Zerstörungswahn .All das ist entstanden ,weil Klassengesellschaften entstanden sind ,und eine Elite,die ihre Mitmenschen ausbeutet.
      Aus der Sicht eines Spinoza ,eines Freud oder eines Erich Fromm sind Menschen ,die andere Menschen ausbeuten,die nur an Gewinn denken und nach Macht gieren ,krank .Weil das der Natur des Menschen widerspricht.
      Das kann auch nicht anders sein.
      Genau das sagt der bekannte Hirnforscher Gerald Hüther ja auch ,Er stellt fest ,dass all die psychologischen Probleme unserer heutigen Zeit daherrühren ,weil die Ausbeutung und die Entfremdung des Menschen der heutigen Zeit seiner in tausenden Jahren gelebten Solidarität so dermassen widerspricht .
      Und diese Zustände sind menschengemacht ,-von kranken Menschen ,die krank sind ,weil sie andere Menschen unterdrücken .Die Autoritätshörigkeit und die Manipulation führt dazu ,dass die 99 Prozent sich von kranken Menschen unterdrücken lassen.

    • Und wieder einmal: Geschichte!

      Dies aber ist uns in Fleisch und Blut übergegangen und wir stehen nicht an, diesen Denkmälern Respekt zu zollen und sie zur Bezeugung dieses Respekts auch aufzusuchen. Die sightseeing tour gehört zu den Standardprogrammen der touristischen Unternehmungen und das Bildungsbürgertum besucht aus freien Stücken Innenstädte mit mittelalterlichen Kernen, um Reverenz zu erweisen und sich daran zu beteiligen, die Vergangenheit nicht ruhen zu lassen, sondern als Geschichte sich einzuverleiben. Es ist ein Totenkult sui generis, der da abgefeiert wird. Anstatt die Vorfahren zu ehren, ohne sie zu belästigen und ohne ihnen verbunden zu sein, dafür aber mit Respekt zu bestaunen, was sie in ihrer Welt für sich geleistet zu haben und ohne ihre Hinterlassenschaft in Anspruch zu nehmen geschweige denn ihr Erbe anzutreten, reißen wir an uns, was von ihnen noch vorhanden ist, machen sie zu Wegbereitern unserer eigenen Verhältnisse und zu Vorbereitern unserer Zivilisationen und sind doch weit davon entfernt, so zu leben, wie sie gelebt haben, wofür wir uns auch herzlich bedanken würden. Andrerseits aber zeihen wir sie der Barbarei dafür, dass sie antike Ruinen als Steinbrüche benutzten, mittelalterliche Kathedralen schon nach wenigen Jahrhunderten umbauten und modernisierten und Tempelanlagen der Mayas, Inkas und Azteken vom Urwald überwachsen ließen. Wir sehen schon, sie waren doch in gewisser Weise kulturlos, hatten keine Achtung vor der Geschichte, ganz im Gegensatz zu uns, und so haben sie es auch verdient, dass wir nun an ihrer Stelle ihre nicht erfüllte Arbeit der historischen Achtung verrichten und sie zu unseren Ahnen machen, die erst mit uns wieder in der Vergangenheit verschwinden dürfen.
      Während wird also bewahren und anhäufen, als Messies im planetarischen Maßstab unser Wesen treiben, ist solches Verhalten für die vormoderne, religiöse Formation undenkbar. Die Leute dieser Epochen, der Antike, des feudalen Mittelalters, aber auch asiatischer und indischer Reiche kannten dieses zwanghafte, fetischverfasste Anklammern an die Kontinuität nicht. Wenn es uns erstaunt, dass neue Herrscher neue Hauptstädte und Residenzen gründeten, dann erscheint das in unseren Augen nicht den Notwendigkeiten fürstlicher Repräsentanz geschuldet, die mit neuen Dynastien neue Sitze hervorbrachte. Vielmehr sehen wir hier Maßlosigkeit und Hybris, Verschwendungssucht und Vergeudung am Werk. Wenn wir empört noch im Nachhinein sind, dass alte Foren, Tempel, aber auch Burgen und Paläste von denen dem Verfall preisgegeben wurden, die die Erbschaft der einst hier Wohnenden angetreten hatten, indem sie sich ihrer als Steinbrüche für die nächsten Bauten bedienten, dann deswegen, weil wir hier nur Barbarei am Werk sehen können; Barbarei einer Gesellschaft, die keinen Begriff von historischer Größe hatte, sondern nur vom jeweils eigenen Ruhm, der den aller anderen übertreffen musste. Diese Borniertheit, diese respektlose Beschränkung auf das eigene Zurschaustellen und Übertrumpfen anderer ist unsere Sache nicht.

      Fast meinen wir, es wären diese Leute zu Recht dem Untergang geweiht gewesen als Sühne für ihre Hoffart. Wir können nicht erkennen, dass unsere Manie der Anhäufung und des Wachstums ebenso willkürlich und wohl auch ebenso zerstörerisch sein kann, wenn wir auch dabei uns der Rechtfertigung befleißigen, dass wir im Einklang mit Natur und Vernunft handeln. Wir können nicht erkennen, dass Zerfall ebenso im Einklang mit der Natur sein kann, weil wir es für die Demonstration unserer Größe als notwendig erachten, alles zu bewahren, was die Menschheit – als Menschheit, nicht als empirische Leute einer empirischen, bestimmten Zeit – je hervorgebracht hat, weil wir in unserer historistischen Wahnvorstellung noch jedes kleine behauene Steinstück katalogisieren und aufbewahren, um das Erbe der Menschheit möglichst vollständig zu überliefern. Und während wir so tun, als hätten wir kaum eigene Leistungen, deren Erinnerung sich lohnte, als lebten wir wie Vampire von den eigentlich toten Erzeugnisse früherer Zeiten, die wir nicht zur Ruhe kommen lassen, täuschen wir uns und alle darüber hinweg, dass gerade dies unsere ureigenste Leistung ist, mit der wir die Menschheit beglücken.
      Dies nämlich ist es, was uns und unsere gesellschaftliche Formation des Modernen Ensembles auszeichnet: dass sie nicht für sich selbst spricht, sondern gleich für die ganze Welt. Und dies tut sie auch im Hinblick auf die gesamte Geschichte der so genannten Menschheit, indem sie diese usurpiert und sich zu eigen macht; dies aber nicht aus mangelnden eigenen Fähigkeiten, sondern indem sie, unsere aktuelle Formation, diese Geschichte als Kontinuum, als Fließzeit des Fortschritts, als ewige Entwicklung zum immer Besseren und geradewegs auf uns zu erst erfindet. Mit dieser Erfindung betritt unsere Gesellschaft die Bühne, wobei sie diese Erfindung nicht als ihre Hervorbringung anpreist, sondern verschweigt; wobei sie so tut, als wäre historisches Denken und Ordnen nicht von uns gemacht, um unserer Zeit den Anstrich von Unendlichkeit zu geben, sondern nur durch vernunftgemäßes Denken der Natur abgerungen, um in zähen Anstrengungen die verschütteten und lange zurück liegenden Zeugnisse wieder lebendig zu machen und sie in die natürliche Entwicklung zu integrieren. So erscheint unser eigenes Tun und Lassen, unser eigenes Wesen als etwas, das an der Spitze eines angehäuften Fundus von Erfindungen, Leistungen und Hervorbringungen sich findet, das auf dem Heraustreten der Menschheit aus der so genannten Natur basiert und sich immer mehr und immer schneller linear und historisch zu dem entwickelt hat, was wir heute sind, durch immer bessere Beherrschung der Naturgesetze, durch deren immer gezieltere Anwendung, durch gesteigerte und vervollkommnete Erkenntnisgewinne.
      Historisches Denken wie wir es pflegen aber erlaubt keinen nonchalanten Umgang mit Vergangenheit. Diese muss immer am Leben, immer dienstbar gehalten werde, um „aus ihr zu lernen“, was nichts anderes bedeutet, als dass wir die Rechtfertigung für unsere gesellschaftliche Ordnung und Handlungsweise aus der Existenz der Vorfahren ziehen, aber keineswegs aus ihrer Art, die Welt zu sehen und einzurichten. Diese wird von uns dadurch umgedeutet, dass wir sie aus ihrem Tode zu einem Scheinleben erwecken, das nun seine Erfüllung in unserer Gesellschaft des Modernen Ensembles zu finden hat. Alles, was sie je getan, diente nur diesem einen und letzten Zweck: uns zur Welt zu bringen. Mit diesem teleologischen Taschenspielertrick treiben wir unser Wesen, unabhängig davon, welcher ideologischen Ausrichtung wir subjektiv und interessiert nun anhängen mögen: Halten wir es mehr mit Hegel und Fukuyama oder mehr mit Marx und Engels? Das Ergebnis wird immer dasselbe sein, eine prästabilisierte Historie. Wie aber damit umgehen, dass es Vergangenheit real gegeben hat, dass unser Denken nun geschichtlich geprägt und vorgeformt ist und den Blick auf die Vergangenheit nur geschichtlich werfen kann?
      Wenn wir aber dies einmal akzeptiert haben, dass wir aus der Vergangenheit keine Schlüsse ziehen können, dass wir die Alten nicht loben und nicht kritisieren können, dann können wir uns wenigstens, um unserem historischen Gewissen Genüge zu tun, die Frage stellen, welche Mauern es denn sind, die uns trennen. Und es sind die Mauern, es sind die Epochenbrüche, die aufzeigen, dass eben nicht alles so bleibt wie es ist, sondern etwas anderes kommt, dessen Inhalt wir nicht vorhersagen können.

  3. Irgendwas sträubt sich in mir ganz heftig, mein Heil in der retroromantischen Haltung eines „zurück zu den Stammeskulturen“ zu suchen. Dieses „Zurück“ zu etwas, was wir noch als natürlich und naturverbunden und gewaltfrei und daher gut ansehen, ist damals nicht wirklich so gewaltfrei gewesen. Und die druidischen Vereine, die heute überall aus dem Boden schießen, sind mir, gelinde gesagt, verdächtig. (Vor 75 Jahren hatten wir in Deutschland einen Rückfall in dieses magische Gedankengut der Stammeskultur. Große Teile des Islam gründen immer noch darauf, weshalb ein Imad Karim (in Cicero) mit gutem Recht schreiben kann: „Unsere Eliten warnen uns vor den Rechtsradikalen, die sie anscheinend in 70 Jahren noch nicht integrieren konnten, aber gleichzeitig sind sie sicher, Millionen Menschen, die aus dem Islam mit seinen mittelalterlichen Vorstellungen kommen, integrieren zu können.“
    Mittelalterliche Vorstellungen.
    Wenn uns das selbstbewußte, denkende, rationale Ich zusammen mit dem unendlichen Schmerz der Entfremdung nicht als größtes Problem des Menschseins gegeben worden wäre, würden wir nicht die Einsicht in sein Wesen erlangt haben und die Befreiung und Erlösung daraus suchen. (Aber dazu müßte man aufhören, sich im Mental zu beschäftigen, und damit anfangen, diesen Schmerz zu FÜHLEN.)
    So eine Befreiungsidee kommt einem Primitiven aber erst gar nicht, da er ja, völlig eingebunden, noch gar keine Einsicht in Unfreiheit hat. Die Rückkehr zu den Weltbildern prärationaler primitiver Kulturen halte ich für einen Irrweg unter der Flagge des „Öko“. „Ego“, als gefährlich, ist längst Konsens. Verabsolutierung des „Öko“, leider noch nicht. Ken Wilber hat sich mit dieser Prä- /Trans-Verwechslung, wie er das Dilemma nennt, ausführlich beschäftigt und viele Seiten darüber geschrieben. Sehr empfehlenswert! („Eros. Kosmos, Logos“ z.B.)
    Seine Conclusio besteht in der Empfehlung zur Transrationalität, statt einer Rückkehr zu Ideen und Idealen prärationalen Kulturen.

    (Dieser Kommentar bezieht sich in kaum einer Weise auf die oben stehenden Verlautbarungen.)

    • Der obige Text von Andreas Gesierich ist nicht da erschienen, wo ich ihn gerne posten wollte.
      (Nämlich unter den Texten, die jetzt unten stehen.) Die „oben stehenden Verlautbarungen“ erscheinen leider unten.

    • Prä, möchte ich gern noch hinzufügen, deutet in diesem Kontext auf das menschliche Erdenwesen. Prä deutet auf die (gefangenen, aber verbundenen, also glücklichen? Kinder der Erde, die von einer Befreiung aus dem unendlichen Zyklus der Wiederkehr keine Ahnung haben und immer das immer Gleiche zu wiederholen gezwungen sind. ) Trans, steht, meiner Meinung nach, in diesem Kontext, für das kosmische, für ein göttliches Menschenwesen und die Erkenntnis des Einsseins nicht nur mit Maya und der Erdmutter Natur, sondern mit Gott.

    • Natürlich ist es Blödsinn, jetzt frühere Kulturen noch einmal genau imitieren zu wollen. Aber um für die Zukunft eine neue Welt zu kreieren, müssen wir uns ja erst einmal der bisherigen Kreation des Lebens mit ihren Stärken und Schwächen und Fehlern voll bewusst werden. Und wenn wir nur bis zum Beginn des Patriarchats zurückblicken mit seiner hierarchischen Ordnung, seinen Kriegen, seiner Unterdrückung des Natürlichen, dann genügt das eben nicht. Es ist ja z.B. durchaus nicht erwiesen, dass Ägypten die erste Hochkultur war, nur weil so viele bauliche Reste davon zurückgeblieben sind. Es wird einfach behauptet, vor den Herrschaftskulturen, die kriegerisch waren, habe es nur primitive Kulturen gegeben. Dabei ist den meisten gar nicht bewusst, dass die Matriarchatsforschung systematisch unterdrückt worden ist und immer noch wird.
      Dadurch entstanden solche Statements wie: „Der Mensch ist eben von Natur aus gewalttätig, die Natur an sich ist eben grausam und muss beschnitten und total kontrolliert werden und es gibt die Herrscher-und die Dienernaturen, die Frauen sind das schwächere Geschlecht und können nicht so gut denken und ordnen sich deshalb von Natur aus gern den Männern unter(alles andere sind Mann-Weiber), die Tiere sind nicht beseelt wie wir Menschen und merken es gar nicht so, wenn sie verdinglicht und geschlachtet werden usw. Alle Prägungen, die durch die patriarchalen Herrschaftssysteme entstanden sind, werden dadurch von vielen sogar heute immer noch als „ursprünglich“ oder „typisch menschlich“ angesehen.
      Jetzt ist Mut, Selbstbewusstsein, Phantasie und Vorurteilslosigkeit gefragt bei höchster Achtsamkeit. Ob diese besten aller menschlichen Eigenschaften noch einmal genügend Konjunktur haben werden, wird sich herausstellen. Immerhin haben wir durch das totale Versagen dieser Art zivilisatorischen Konzeptes jetzt die Chance, etwas ganz Neues zu beginnen. Meine größte Sorge ist dabei allerdings die Um-und Innenwelt-Verschmutzung, durch die das gesamte Leben auf dem Planeten ständig auch noch weiter vergiftet wird. Aber so lange wir hier leben, dürfen und sollen wir auch für dieses neue Leben hier hoffen und beten. Das ist unser Schicksal.

    • Tja,dieses böse denkende rationale Ich ,wenn das nicht wär ,dann würde das Zinssystem ,die multinationalen Konzerne und das entstellende Handelsrecht statt Staatsrecht ,welches den Menschen zu einer juristischen Person ohne Rechte macht ,allein verschwinden.
      Endlich haben wir den Schlüssel gefunden -es gilt zwei Tage zu meditieren und der Mensch ist frei .
      Alle anderen Probleme werden nicht erwähnt ,-auch nicht dass der Mensch dank OPPT lange frei ist
      Aber bis hier her hat sich das noch nicht rumgesprochen .Hier wohnt man noch hinter dem Mond und meditiert sein rationales Überich.

    • Seit 19h43 tut mir alles weh.
      Als Fan der Homöopathie empfehle ich „This is the new shit“, von Marilyn Manson, auf you tube.
      Gleiches mit Gleichem heilen. (Und zwar so laut wie möglich anhören.)

      Ist ernst gemeint. Und wohlmeindend. Wenn des Pudels Kern uns übernimmt, müssen wir sehr wachsam sein.

      Es ist ein bißchen so, als würden die zwei Türme in sich zusammenfallen. Und, statt die Chance zum Einhalten und Fühlen zu nutzen, wird augenblicklich mobil gemacht und zurückgeschlagen.

    • Und gegen ihre von ihnen angesprochene Angstfixierung empfehle ich ihnen die Sendung mit der Maus.
      Können sie auch als DVD bestellen.
      Oder ein Wochenende in der Schwarzwaldklinik.

  4. Ja Veganislove,-ich glaube das Entstehen dieser Doppelmoral geht einher mit der Entstehung der ersten Zivilisationen.
    Da ,wo sich erste Staatsgebilde formen und der Mensch gezwungen wird ,Steuern zu zahlen.Diese Steuern stehen oft in keinem Verhältnis zu dem ,was der Bürger dann an Schutz und anderen Vorteilen erhält. Die Steuern dienen viel mehr einer oberen Klasse ,die nicht gezwungen sein will ,für ihr täglich Brot zu arbeiten ,sondern das von den ehemals freien Bauern und Handwerkern abpresst.

    In den primitiven Gesellschaften gab es keinen Besitz ,alles wurde miteinander geteilt. Es gab keine starren Gesetze ,sondern Bräuche ,die sich weiterentwickelten.Jeder einzelne Mensch wurde ganz natürlich in die Gemeinschaft integriert ,auf Grund seiner Eigenschaften und Begabungen.Der geistige Mensch wurde Schamane und der körperliche fing vielleicht Fische.oder bestellte das Feld.

    Der Neoliberalismus ist eine besondere Steigerung von Ausbeutung .Eigentlich möchte ich das Imperialismus nennen. Das ist schon eine Form von Weltregierung-Einer Weltregierung von ca 100 multinationalen Konzernen ,die über Nationen und Staatsgrenzen hinweg frei agieren ohne dass es noch gültige Regel-Mechanismen gäbe .Zu Zeiten von Thatcher wurde emsig daran gearbeitet und begonnen jedwede Regulation-vor allem hinsichtlich des Finanzmarktes-abzuschaffen .
    Heute ist das Ergebnis eine Art gesteigerter Neokolonialismus ,wo arme Länder nicht mit dem Militär ausgebeutet werden sondern über den Finanzmarkt und das Geldsystem.Und weil das ziemlich unsichtbar geschieht ,denken die meisten Menschen ,der Kolonialismus wäre lange abgeschafft. Aber er geschieht ja sogar direkt vor unserer Tür-in Form von Billiglohn usw.

    • Diese Beschreibung ist aber nichts Neues. Sie ist eine Wiederholung dessen, was heute in nahezu allen alternativen sozialen Medien bisher gebracht wurde, so wie auch hier bei KenFM. Ich finde schon lange, dass wir viel tiefer noch schürfen müssen in der Geschichte der Menschheit und der Entstehung des empfindsamen Lebens. Wir müssen uns die Elementarkräfte der Natur ansehen und die, die dem Menschen zur Verfügung stehen.
      Da wird dann die ganze Sache irgendwann so einfach, dass der intellektuell hoch entwickelte menschliche Geist davor die Nase rümpft. Es geht nämlich schlicht um die Frage, was Gewalt wirklich bedeutet und anrichtet. zusammen mit der Lüge(vornehm ausgedrückt als Doppelmoral) und dem Selbstbetrug bzw. der Selbstüberschätzung des Menschen(Stichwort: „Macht Euch die Erde untertan“). Einen großen Sprung in die heutige „Neoliberalität“ hat die westliche Gesellschaft dann von Europa aus tatsächlich mit der Schaffung einer von der Geisteswissenschaft abgetrennten rein materiell orientierten „Grundlagenforschung“ getan, indem damit begonnen wurde, die Erde, ja sogar der ganze Weltraum, als eine von Gott ersonene Maschine betrachtet zu werden, zusammengesetzt aus den letzten kleinsten, vermeintlich festesten Teilchen, den „Gottesteilchen“. Dies war bemerkenswerterweise auch die die Hoch-Zeit der Hexenverfolgung.
      Erst unsere bekannte Physiker (Einstein, Heisenberg&Co) haben diesem Irrsinn ja dann ein wenig Einhalt bieten können mit ihrer Entdeckung des „Innenlebens“ des vermeintlichen letzten reinen Materieteilchens. Trotzdem hat aber die Mainstream-Forschung heute diese Entdeckung nur erst wenig berücksichtigt und scheinbar noch gar nicht richtig begriffen. Im Gegenteil ist die „Entseelung“ des Denkens in der Wissenschaft sogar noch einen Schritt weiter gegangen und hat den angeblichen Schöpfer, nämlich Gott, auch gleich noch mit außen vorgelassen. Wir sehen dieses Abrutschen in das reine materialistisch- mechanistische Denken besonders deutlich(und schmerzhaft) in der heutigen sog. „Humanmedizin“, die zu einer Art Reparationswerkskunde mit Hilfe von Apparaten und künstlich zusammengemixten chemischen Substanzen verkommen ist. Es hat im Denken überall die Trennung stattgefunden. Hier wurde der Körper von der Seele getrennt, die verschiedenen Organe sogar getrennt betrachtet und behandelt, so, als ob eins mit dem anderen gar nichts zu tun habe. Dieser Irrsinn hat so schreckliche Konsequenzen gezeitigt, dass ein Umdenken durch die Anhäufung von Misserfolgen und berechtigten Protesten der Patienten seit einiger Zeit erzwungen worden ist. Aber in der neoliberalen Politik, deren „Lebensblutsystem“ die Geldabläufe sind, wird immer noch unbeirrt weiter daran festgehalten und ausgebaut mit aller aufbietbarer Gewalt. „Das Lügen“, dem wir jetzt in der Welt in allen Bereichen ausgesetzt sind, ist ja nur immer die Verkleidung der nackten, blutigen Gewalt.
      Dass die Gewalt bis jetzt ohne die Lüge gar nicht auskommt, ist ein Indiz dafür, dass in allen Menschen, sogar den gewaltbereitesten, gewissenloseseten, noch ein letzter Rest von Gewissen vorhanden sein muss davon, dass die Gewalt in Wirklichkeit nicht zum Mensch- Sein dazugehört, also „ungehörig“ ist.

    • Ich habe das kurz umrissen ,was mir wichtig erschien-der Abgrund des Menschen der sich auftut ,wenn er von der Stammes-und Familienstruktur übergeht zur Zivilisation .Der Bruch der sich hier auftut und der sich bis heute fortsetzt.
      In den primitiven Gesellschaften ging es um den Menschen selbst -in der Zivilisation geht es um Macht und Gewinn .
      Und weil die ökonomischen Gegebenheiten alles bestimmen ,darum haben wir diese Wissenschaften und diese Medizin ,die nicht dem Menschen dienen sondern ihn nur als Mittel zum Zweck sehen.
      Alles ist auf Gewinn ausgelegt ,-selbst die Physik ist eine reine Erfindung um möglichst viele Resourcen zu verbrauchen -sie beruht auf Explosion -demgegenüber steht die Implosion des Viktor Schauberger ,die aber vom Mainstream verborgen gehalten wird ,weil damit kein Profit zu machen ist .
      Solange diese,unsere Art von Wirtschaft existiert ,solange wird es Gewinnsucht,Egoismus,Ausbeutung und Krieg geben ,weil die sozio-ökonomischen Zwänge den Menschen formen.
      Das ist von mir kurz angeschnitten,weil ich keine Zeit habe.
      Was mir wichtig erscheint ,sind die Gedanken aus dem Buch „Kritik der Zivilisation“von dem Anthropologen Stanley Diamond .Das ist ein wunderbares Buch mit vielen Beispielen aus den Primitiven Gesellschaften.Dieser zeigt auf ,inwieweit es für uns als Menschheit wichtig wäre ,bestimmte Erfahrungen der Primitiven Gesellschaften in unsere Zivilisation zu integrieren -wenn wir überleben möchten .Denn in den Primitiven Gesellschaften liegen unsere wahren Bedürfnisse und Möglichkeiten begründet . Eine Gesellschaft ohne Geld und wo jeder seine Fähigkeiten entfalten könnte -das hat es ja schon gegeben in der Zeit vor 10.000 Jahren mit den ersten Gesellschaften-den sogenannten Primitiven Gesellschaften (Primitiv von Primare -Erste)

  5. Prof Mausfeld:“ Die abendländische Gemeinschaft hat die Doppelmoral wie keine andere Kultur perfektioniert als Grundlage ihres Handelns“
    Hier v.a. gemeint im sog. „Neo-Liberalismus“, der zunächst mit seiner Bezeichnung schon allein irreführend ist, also „doppelmoralisch“. Das „Liberale“ darin , was ja zunächst etwas Positives suggeriert, bedeutet hier in Wirklichkeit die „Freiheit zur Unmoral“.

    Aber gesamtgeschichtlich ist nach meiner Weltsicht die Doppelmoral schon so alt wie das organisierte Kriege-Führen und die Viehzucht. Denn in dem Moment, wo Gewalt als „nützlich“ oder „für gute Zwecke“ deklariert wird, beginnt die Doppelmoral, also der Selbstbetrug, die Lüge. Schon die allererste Domestizierung von Wildtieren, die wir aus der Geschichte kennen, nämlich die der Wildpferde zu „Transport-Sklaven“, enthält diese selbe Doppelmoral, die der Neoliberalismus dann menschenübergreifend perfektioniert hat. Das bedeutet, es wird etwas als gut bzw. als Verbesserung dargestellt oder begriffen, was den einen einen (vermeintlichen)Vorteil bietet, aber den anderen damit einen großen Nachteil bringt.
    Die Doppelmoral hat zusammen mit der Akzeptanz von Gewalt begonnen. Sie (die Lüge und der Selbstbetrug)
    beginnt in dem Moment, wo Gewalt als legitimes Mittel akzeptiert wird. Oder anders herum gesehen beginnt sie in dem Moment, wo die allumfassende Liebe und das ursprünglich angelegte Gerechtigkeitsempfinden als Lebensprinzip aufgegeben wird zugunsten eines vermeintlichen Vorteils einer Gruppe von Lebewesen(Menschen oder Tiere) gegenüber der anderen. Diese Art Doppelmoral wurde also schon seit mindestens 10 000 Jahren in der patriachalischen Hirtenkultur überall auf der Welt entwickelt, in der wir heute noch leben.
    Von den sog. „Matriarchaten“ , Gesellschaften, die mehr auf Gleichheitlichkeit aufgebaut waren, ist das Kriege-Führen bisher nicht bekannt und die 7-10 000 Jahre alte matriarchal geordnete „Drawida-Kultur“ Indiens, die ohne jede Form von Waffen auskam, also auch weder die Jagd noch die Domestikation von Tieren kannte, wurde z.B. von Reiternomaden aus Innerasien überrannt und mit der patriarchal geordneten „Vedischen Kultur“ überlagert mit ihrem streng hierarchischen Kastensystem. Dabei wird diese Kultur und ihre religiösen Philosophien ja hier bei uns im Westen von den meisten im Vergleich zu den anderen Kulturen und Weltreligionen ja noch als besonders tiefsinnig, gerecht und naturverbunden eingestuft.
    Ich behaupte also, dass die Doppelmoral, das nicht mehr Naturgerechte, nicht ein besonderes Privileg des „Neoliberalismus“ ist, sondern eine von uns aus gesehene uralte, vorbiblische Fehlentwicklung zur Überheblichkeit unserer Art über die Gesetze der Natur. Es wurde schon sehr lange damit begonnen, die „Rechnung ohne den Wirt“ zu machen, bzw. ohne die Wirtin, unsere Mutter Erde. Und das Resultat davon trat im Laufe der Zeit immer deutlicher zutage. Wir stehen mit dieser gewalttätigen Überheblichkeit heute vor einem Abgrund, den niemand mehr auszuloten vermag. Deshalb wird er wahrscheinlich von der Mehrzahl auch so konsequent ignoriert.
    Unser „Handwerkskasten“(laut Prof. Mausfeld) , um die Situation zu verbessern, umzubiegen, zu heilen, womit soll der nun eigentlich angesichts all dessen ausgestattet sein?

    • Die pervertierte neoliberale Freiheit als „Freiheit zur Unmoral“, sehr schön, Veganislove!!!

      Zwei Hirnhälften, zweierlei Moral.
      Zwei Intelligenzen (die vorrangig fühlende, die vorrangig denkende) – Dissoziation.
      Zwei Wesenshaltungen: die Empfangende, die Gebende – Geschlechterkampf.
      ….
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      .
      Die Liste ist annähernd unendlich. (Bin aber gerade sehr müde.)

      – – – aus diesem ganzen Dilemma führt uns, meines Erachtens, nur das Integrale. Nennen wir es universelle Liebe (ohne Ausschluß des Schattens), nennen wir es „No-Mind“, nennen wir es Selbstlosigkeit, nennen wir es Gott.
      Bitte bloß kein Philosophisches Quartett in den Positionen! Die Dialektik hat noch niemals irgendjemanden erlöst.
      Wie könnte etwas, das mechanisch ist, die Menschen jemals weise machen?

      (Die akademische Philosphie, sagte mal jemand, ist wie der Versuch eines Blinden, bei Nacht in einem dunklen Haus eine schwarze Katze zu finden, die nicht da ist.
      Oder auch: Wenn es der akademischen Philosphie gelungen ist, Dir eine Frage zu beantworten, dann heißt das nur, daß Deine Frage unwesentlich war.)

      Mein hartnäckig wiederholter Wunsch: eine Positonen-Sendung, in der Vertreter der integralen Philosophie zu Wort kommen, also ganzheitliche Denker und Repräesentanten eines spirituellen Weltbildes.
      Ohne das Integrale sind wir leider, auch die Wohlmeinendsten und Klügsten und Belesendsten unter uns, nicht viel mehr als ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will, doch leider vor allem das Böse schafft.

      Vor dreißig Jahren schrieb ich mal intuitiv in mein Tagebuch, das ganze Problem bestünde in der Tatsache, daß wir in der Lage sind „ich“ zu sagen.

      Dreißig Jahre später: Nicht schlecht, junger Student! (Dabei habe ich damals noch nicht einmal meditiert.)

      Das Ich mit seinen Vorlieben und Abneigungen.
      Das ich mit dem, was es haben möchte und dem, was es nicht will.
      Das Ich mit dem, was es für richtig hält und für falsch.
      ….

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      Heidiwitzka!!!!
      (Geklaut von Michael Klonovsky, Acta diurna)

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