KenFM über: Google-Palestine

Suchet, und ihr werdet finden, oder:

Google greift Staatsgründung Palästinas vor und israelisches Außenministerium schickt Protestbrief an Google-Chef Larry Page.

Eine Tragikkomödie im Zeitalter des Internet.

Wenn Mercedes ein Auto baut und sich der Wagen bei einer Testfahrt seitlich überschlägt, Stichwort Elchtest, oder aber den Crashtest mit Mangelhaft passiert, ist das eine Nachricht, die um die Welt geht.

Warum?

Weil Mercedes nicht irgendein Autobauer ist, sondern ein Premiumhersteller. Mercedes steht für maximale Sicherheit im Automobilbau. Mercedes hat das Auto erfunden. Mercedes ist Weltmarke. Wenn der Stern in den Bereichen, die er seit über 100 Jahren erfolgreich verkauft; Sicherheit, Wertigkeit und große Limousinen, versagt, läuft das nicht unter ferner liefen. Es wird diskutiert. Weltweit.

http://de.wikipedia.org/wiki/Elchtest

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/nach-crashtest-debakel-mercedes-ruft-den-citan-zurueck-a-898379.html

Wenn die NASA ein Shuttle in den Orbit schickt und dieses während der Startphase explodiert, ist das eine Nachricht, die um die Welt geht.

Warum?

Weil die NASA nicht irgend ein Luft- und Raumfahrtkonzern ist, sondern der erste dem es gelang, einen Menschen auf den Mond zu schicken. Und wieder zurück. Die Apollo 11 Mission, seinerzeit, wurde von jedem Menschen gesehen der auch nur in der Nähe eines TV-Gerätes war.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mondlandung

Die NASA ist ein Mythos und kann von sich behaupten, die amerikanische Vorherrschaft auch im Weltraum über Jahrzehnte vorangetrieben zu haben. Mit einem Milliarden-Dollar-Budget, aber vor allem mit Ingenieursleistungen, die immer für das maximal Machbare standen. Wenn der Weltraumkonzern, gegründet unter Kennedy, in den Bereichen versagt, die er seit den 60er Jahren erfolgreich verkauft − Spitzenleistungen in Extrembereichen der Luft und Raumfahrt; Innovationen, die auch in der zivilen Luftfahrt Anwendung finden − versagt, läuft das nicht unter ferner liefen. Es wird diskutiert. Weltweit.

http://de.wikipedia.org/wiki/National_Aeronautics_and_Space_Administration

http://www.flugrevue.de/de/raumfahrt/raumfahrt/vor-25-jahren-explodierte-space-shuttle-challenger.37125.htm

Wenn Google die Entscheidung trifft, einem Territorium den Status Staat zu geben, ist das eine Nachricht, die um die Welt geht.

Warum?

Weil Google nicht irgendeine Suchmaschine im Internet ist. Google ist DIE Suchmaschine. Google ordnet das Web. Damit ist der US Konzern das mächtigste digitale Werkzeug auf diesem Globus.

Google ist mehr als eine digitale Lupe. Überspitz gesagt, nur wen Google findet, existiert überhaupt. Oder anders: Wer im Netz nicht auf der Ersten Seite von Google auftaucht, bekommt zunehmend auch in der analogen Welt Probleme. Sein Bekanntheitsgrad schwindet. Massiv. Google erhält Existenzen, indem es Auffindbarkeit generiert. Wer im Googlekosmos für den User unauffindbar scheint, geht unter.

http://de.wikipedia.org/wiki/Google

Google hat sich Ende letzter Woche entschlossen, dem palästinensichen Volk einen Digitalen Staat zuzusprechen. Palästina.

http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-22395494

Bisher war das Gebiet, auf dem Palästinenser in Palästina am häufigsten zu finden waren, für Google schlicht „ palästinensisches Territorium“.

Das hat sich jetzt geändert. Zumindest für die Menschen, die im Netz aktiv sind, also alle Menschen einer modernen Industriegesellschaft. Es gibt jetzt „Google Palestine“, und was digital existiert, existiert im Kopf. Wer diese Grundsätzliche Erkenntnis lapidar wegwischt, hat etwas wesentliches in der menschlichen Natur nicht verstanden.

Ideen sind er Ursprung von allem.

Auch Israel, der Staat, existierte über Jahrhunderte vor allem als Idee in den Köpfen seiner Anhänger. Diese Idee reifte und wurde vor über 60 Jahren erstmals umgesetzt. Von Zionisten. Zionisten, wie wir sie heute auch zahlreich, aber illegal auf palästinensischem Territorium finden, sind radikale, weiße Siedler, die aus der ganzen Welt kamen und kommen, um das Land der Palästinenser zu okkupieren. Landräuber. Diebe.

Dies größte Besetzung, die 1948 zur Staatsgründung Israels führte, verlief weder im beiderseitigen Einverständnis, also zwischen Einwanderern und Ureinwohnern, noch kam sie ohne brutale Gewalt aus.

Die Staatsgründung, so schön sie für Bürger Israels bis heute sein mag, ging mit Ethnischen Säuberungen und Mord im ganz großen Stil einher. Die Geburt des Staates Israel war für die die Palästinenser vor Ort eine Humanitäre Katastrophe. Die Nakba.

Diese Katastrophe hält bis heute an.

Israel ist eine klassische Besatzungsmacht und verhält sich, wie das vor ihr X andere Besatzungsmächte auf anderen Territorien gemacht haben.

Es tritt permanent das Menschen- und Völkerrecht mit Füßen, während es sich parallel als Opfer stilisiert.

Möglich ist das, ähnlich wie seinerzeit im Apartheidsstaat Südafrika nur, da Israel im Ausland mächtige Verbündete hat, die die rassistische Politik der Regierung einfach ausblenden. Vor allem aus Geopolitischen Interessen.

So etwas geht lange gut. Aber nicht ewig.

Auch Südafrika, den Apartheidsstaat, gibt es so heute nicht mehr. Der größte Teil der Welt ist sehr froh darüber. Südafrika wurde genau wie Israel oder Nordkorea im Jahre 1948 gegründet. Das Regime Südafrika fiel endgültig mit den ersten wirklich freien Wahlen 1994. Aus diesen Wahlen ging der bis dato hinter Gittern sitzende Staatsfeind Nr.1, Nelson Mandela, als Sieger hervor.

http://videokatalog.msn.de/Gesellschaft/Rassismus/video-Nelson-Mandelas-Freiheitskampf-Freiheitskampf-Nelson-Mandela-Freiheit-Kapstadt-46115.html

http://news.de.msn.com/politik/nelson-mandela-sein-leben-in-bildern?page=11

http://en.wikipedia.org/wiki/Apartheid_in_South_Africa

Bis zum Zerfall des rassistischen Südafrikas herrschte eine reiche rechte weiße Minderheit, mit allen Rechten ausgestattet, über eine schwarze arme Mehrheit, die das Establishment als Bürger zweiter Klasse ansah, und, was entscheidend war, auch immer so behandelte. In Südafrika war Rassentrennung die Basis der Ausbeutung, begründet auf Rasse-Gesetzen, die stark an die von Nürnberg erinnerten. Nicht-weiße Bürger galten vor Präsident Mandela als Minderwertig. Als Untermenschen. Für diese Untermenschen gab es eigene Straßen, eigene Schulen, eigene Gesetzte. Der südafrikanische Rassismus war legitimiert. Scheinbar. Durch das Gesetz. Durch das Recht. Doch dieses Recht war nicht gerecht, es verstieß gegen elementare Rechte. Unveräußerliche Rechte. Menschenrechte.

http://www.art-magazin.de/kunst/59226/apartheid_muenchen

Südafrika hatte in all den Jahren seiner Existenz viele Kritiker. Israel gehörte nicht dazu. Im Gegenteil. Israel und Südafrika verstanden sich, zumindest während der Apartheid, als Brüder im Geiste.
Israel hatte sogar vor, dem anderen Apartheidstaat Atomwaffen zu verkaufen. Schlüsselfertig. Das war 1975.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/nukleardeal-mit-suedafrika-israel-soll-apartheid-regime-atombomben-angeboten-haben-a-696467.html

Das Leben der schwarzen Südafrikaner veränderte sich nicht durch Einsicht der südafrikanischen Regierung. Nicht durch plötzlich auftretende Schuldgefühle der herrschenden Kaste. Im Gegenteil: Je länger das Regime, am Kap der Guten Hoffnung, jede Hoffnung auf eine Beendigung des real existieren Rassismus vermissen lies, desto sicher fühlte es sich. Südafrika stütze seine Politik, genau wie das Heilige Land, auf religiöse Grundüberzeugungen. Einen gottgegebenen Auftrag.

Die weißen südafrikanischen Siedler waren klassische Koloniallisten. Sie gingen für sich bis zum Sturz ihres Regimes davon aus, im Auftrag des Herrn unterwegs zu sein. Gott persönlich hatte ihnen Südafrika überreicht, auf dass sie dort über alles und jeden herrschen sollten.

Mach dir die Erde untertan.

Für diese radikal-religiös motivierten weißen Buren am Kap, war Landraub und die Unterdrückung der Ureinwohner eine Form von gelebtem Gottesdienst. Sie glaubten an das, was sie taten. Ihren Untaten war durch das Einfordern humanitärer Grundsätze nicht beizukommen. Was Südafrika im Gegensatz zu Israel dann nie getan hat: Es hat nie seine Townships aus der Luft bombardiert, wie das in Gaza in regelmässigen Abständen geschieht. Mit verheerenden Folgen. Und vor den Augen vor allem jener Staaten, die sich als non plus ultra in Menschenrechtsfragen aufspielen. Allen voran den USA.

http://www.google.de/search?q=israel+bombardiert+gaza&client=safari&rls=en&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ei=4qCHUfjpBsi74ASK8YCwDg&ved=0CIEBELAE&biw=1486&bih=753

Fakt ist, Israel ist ein Staat, wie Südafrika, der sich über seinen Siedler-Kolonialismus definiert. Ihn mit Südafrika zu vergleichen wäre allerdings nicht fair. Nicht fair gegenüber Südafrika. Aus deren Sicht war ihr Apartheidsregime, im Gegensatz zu dem, was man den Palästinensern auf eigenem Grund und Boden, und über Jahrzehnte, wie selbstverständlich antut, ein Picknick.

http://www.mediashop.at/typolight/index.php/buecher/items/petra-wild-apartheid-und-ethnische-saeuberung-in-palaestina

Südafrika fiel dennoch. Durch Boykott.

Auch das rassistische Regime in Israel wird fallen. Boykott beschleunigt diesen Fall nur.

Mit der symbolträchtigen digitalen Staatsgründung, der Schaffung der Domain Google-Palästina durch den US-Internet-Konzern, hat dieser Boykott eine neue Dimension erreicht.

Man kann diesen Impact nicht klein reden. Jeder, des es trotzdem versucht, macht sich lächerlich. Google ist im Netz das, was die Sonne in unserem Planetensystem darstellt. Google ist das Zentrum. Nur durch das Licht der Sonnen sind die Planeten überhaupt zu erkennen. Google macht sichtbar .
Das das keine These ist, sonder als knallharte Realität akzeptiert werden muss, kann leicht bewiesen werden. Wäre Google nicht der Rede wert, hätte vor allem die Israelische Regierung auf Durchzug gestellt.

Das Gegenteil aber ist der Fall. Das Zionistische Regime wertete durch seine harsche Reaktion Google gerade zu auf. Politisch.

So griff der Sprecher des israelischen Außenministeriums die Suchmachine und dessen Schritt offen an. Er sagte:

„Diese Änderung wirft Fragen auf nach den Gründen für diesen überraschenden und kontroversen Eingriff eines privaten Internetunternehmens in die internationale Politik“

Israel bezichtigt Google also, sich in die Weltpolitik einzumischen. Damit bestätigte der Apartheidsstaat Israel, in Google einen Weltpolitischen Player erkannt haben. Sorry, Tel Aviv, aber das war dann wohl ein Eigentor.

Gut, dass die Gründer der erfolgreichsten Suchmaschine der Welt US-Amerikaner ohne arabische Wurzeln sind. Wären sie das, wären sie jetzt auf direktem Weg in die Antisemitismus Charts.
So bleibt nur die Bezeichnung Selbsthass.

Google-Manager Eric Schmidt wäre das aber wohl völlig egal. Er hat mit Google ein viel mächtigeres Tool in der Hand, als die gesamte Israel-Lobby zusammen darstellt. Schmidt ist ein Kind des Netzes. Ein Mathegenie. Sein eigentlicher Wohnsitz ist das Web. Hier haben sektenhafte Riten, wie sie bei fanatischen Zionisten zur Grundausstattung gehören, um im exklusiven Club der kosheren Rassisten aufgenommen zu werden, keinen Platz.

Wie heftig die Google-Entscheidung in Israel selber eingeschlagen hat, bestätigt ganz aktuell ein Protestbrief vom stellvertretenden Außenminister Ze´es Elkin an den Chef von Google, Larry Page, persönlich.

Darin unterstreicht der Vollblutzionist, dass Googles Schritt Israelis und Palästinenser nicht zurück an den Verhandlungstisch bringe, sondern das Gegenteil bewirke.

Merken Sie noch was, werter Herr Elkin?

Der Verhandlungstisch ist längst digital. Digital bestimmt heute öffentliche Meinung. Schon mal davon gehört? Nennt sich Internet! Im Web ist Google der Chef im Ring und Sie, Elkin, Sie sind im Vergleich dazu ein Niemand. Wenn Google beschließen sollte, sich weiter in den Nahostkonflikt einzuklinken, und danach sieht es aus, spielt ihre ganz persönliche Meinung überhaupt keine Rolle. Dass man Sie überhaupt wahrnimmt, Herr Elkin, haben Sie überhaupt nur Google zu verdanken. Ohne Google würde kein Mensch da draußen überhaupt ihren Namen kennen.

http://www.israelheute.com/Nachrichten/Artikel/tabid/179/nid/25653/Default.aspx?hp=popular_posts

Wie wenig die Bundesrepublik Deutschland mit der Google-Entscheidung, der offiziellen Staatsgründung Palästinas vorzugreifen, umgehen kann, lässt sich leicht daran erkennen, wie diese Meldung in den Leitmedien verkauft, oder besser gesagt NICHT-verkauft wird.

Hier wird kollektiv alles dafür getan, um den Google-Schritt klein zu reden oder zu verramschen.

Wenn man sich dann aber den Symbolwert von Googles digitalem Ausruf von Palästina ansieht, muss man zu dem Schluss kommen, auch in Deutschland wolle man nicht wahrhaben, was man nicht wahr zu haben hat. Aus gutem Grund.

Die deutsche Berichterstattung, was die israelische Menschenrechtspolitik angeht, ist alles andere als neutral oder ausgewogen. Sie ist, im Gegenteil, parteiisch und sieht seit Jahrzehnten bewusst weg.

Deutsche Leitmedien hätten jeden Tag reichlich zu tun, wenn sie sich allein auf die Besatzungsschikanen der Israelischen Regierung gegenüber dem palästinensischen Volk konzentrieren würde. Auf die humanitäre Katastrophe. Allein in Gaza.

http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Gaza/cohen.html

Das die deutschen Leitmedien hier vorsätzlich die Augen vor jenen Praktiken verschließen, die in jedem anderen Land schon lange zu einem Einmarsch von Truppen geführt hätten, um den Aggressor aus dem Amt zu fegen, und die Unterdrückten zu befreien, hat mit unterschiedlichen Faktoren zu tun.

Sicher Spielt die deutsche Geschichte eine wesentliche Rolle. Aber eben nicht nur. Entscheidender ist die Machtverteilung in unseren Leitmedien selber. Sie sind zum Großteil zum Sprachrohr von US-Politik verkommen. Von NATO-Politik. Deutschland fehlt das, was man kritische Distanz nennt. Damit ist keiner Seite gedient.

Für westliche Politik, angeführt durch Washington, bedeutete Machterhalt alles. Dann kommt lange nichts und erst dann geht es um Internationales Menschen- und Völkerrecht.

Würde Washington dann aber, von heute auf morgen, die israelische Besatzungspolitik scharf kritisieren, allein wegen der UN-Resolutionen, die Israel bisher gebrochen hat,

http://nahost-k.de/texte/resolutionen/uebersicht.pdf

die deutschen Medien würden ganz spontan einen Reißschwenk bezüglich ihrer Nahost-Berichterstattung vollziehen, und Merkel wie Westerwelle fänden erstaunlich kritische Töne gegenüber den Freunden am Mittelmeer. Von eben auf gleich.

Wie über Nacht würden z.B. die Waffenlieferungen an Israel auf „hold“ geparkt, und würde man den Staat Israel, in Synchronisation mit dem Pressezentrum D.C., dazu aufrufen, dem Volk der Palästinenser endlich das Recht auf Selbstbestimmung zuzugestehen. Damit diese endlich einen eigenen Staat gründen könnten! Man würde die Zwei- oder auch Ein-Staaten-Lösung propagieren. In jedem Fall hätten alle Bürger, völlig unabhängig von der eigenen Ethnie, die selben Demokratischen Rechte. Im ganzen Satz:
Das Ende der Apartheid!

Merke. Wenn D.C seine Töne gegenüber Tel Aviv ändern würde, würde Berlin sofort mit einstimmen.
Auch an der Spree würde man, ganz plötzlich, das Achten der Menschen und Völkerrechte fordern. Das Beenden von Administrativ-Haft. Das Ankurbeln eines Prozesses, den man Versöhnung nennen könnte. Die Umsetzung des Rückkehrrechts. Für alle Palästinenser. Wenn die das denn wollen. Berlin würde eine sich zu erarbeitende Lösung, die, ähnlich wie nach 40 Jahren DDR, Rückgabe vor Entschädigung anstreben würde, bevorzugen.

All das sind Forderungen, die im Kern selbstverständlich sind, zumindest wenn man sich, wie im Westen rund um die Uhr der Fall, auf sogenannte „Westliche Werte“ beruft, für die man ja leider auch immer häufiger bereit ist, militärisch zu intervenieren. All over the World.

Wenn wir einen entsprechenden Sinneswandel bei deutschen Medien und deutschen Politikern erleben wollen, müssen wir, wie mehr als angedeutet aber eben auf die USA warten. Der deutschen medialen Öffentlichkeit, in Politik und Presse, fehlt es vor allem an Rückgrat und Mut. Politische Weitsicht existiert nur noch als Spurenelement.

Wenn z.B. Lügenbaron und EX-Verteidigungminister K.T. zu Guttenberg davon spricht, „Deutschland könne es sich nicht leisten, noch einmal auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen“, sagt das sehr viel über dessen politisches Selbstverständnis, das dem eines Richard von Weizsäcker diametral entgegen läuft.

http://www.themen-der-zeit.de/content/Steiner_Guttenberg_und_die_richtige_Seit.1720.0.html

Weizsäcker stammt aus einer Familie, die unter den Nazis nicht den Schneid hatte, zu Immigrieren. Für die Weizsäckers war Macht und Verantwortung ein sehr sehr schmaler Grat.
Richard von Weizsäckers redete diese Mitschuld in seiner politischen Karriere später nicht schön. Im Gegenteil. Er mahnte. Immer wieder. So fiel in seiner legendären Rede aus dem Jahre 1985, zu 40 Jahren Kriegsende, u.a. der Satz:

„Es gibt keine moralische Vollkommenheit, für niemanden, in keinem Land.“

http://www.hdg.de/lemo/html/dokumente/NeueHerausforderungen_redeVollstaendigRichardVonWeizsaecker8Mai1985/

Das trifft des Pudels Kern. Wenn sich ein Land über Jahre immer weiter von seinem ethischen Grundverständnis, seinem moralischen Ideal, entfernt, wenn es sich in einer Spirale der Gewaltherrschaft über Dritte verrennt, ist jeder, der von sich behauptet, Demokrat und vor allem Humanist zu sein, dazu angehalten, aufzustehen und zu protestieren.

Deutsche Politiker, wie auch deutsche Pressechefs, unterlassen das. Aber eben nicht, da sie die israelische Apartheids- und Besatzungspolitik bejahen. Im Gegenteil. Auf den Fluren, in der Kantinen und wenn sie glauben, unter sich zu sein, lehnen sie diese menschenverachtende Politik genau so ab, wie jeder normale Mensch, der auch nur über ein Funken Gerechtigkeitsgefühl verfügt.

Deutsche Politiker und deutsche Medienvertreter lügen bewusst. Aus Angst, sonst die eigene Karriere zu gefährden. Was bitte schön soll an diesem Verhalten anders sein? Anders, als wir das aus der braunen deutschen Vergangenheit kennen, und zurecht verurteilen.

Wie schizophren muss man sein, öffentlich und permanent auf das verheerende Mitläufertum der eigenen Vorfahren in der Vergangenheit zu verweisen, während man in der Gegenwart ein nahezu identisches Verhalten an den Tag legt. Indem man die Augen verschliesst. Den Mund hält. Wider besseren Wissens.

Die Google-Chefetage hat am Wochenende mehr Mumm bewiesen, als Spitzenpolitiker und Spitzenjournalisten in Washington und Berlin zusammen.

Google-Palestine ist, nach dem Aufritt von Mahmud Abbas vor der UNO, ein weiterer Schritt in Richtung „Freiheit für das Volk der Palästinenser“.

Das Ende der Besatzung. Das Ende der Apartheid.

Die Google-Verkündung ist aber weit mehr. Sie bestätigt die Thesen Marshall McLuhans. Erneut.

Das Internet als neues Medium ist eine Kriegerklärung an den gesamten globalen Machtapparat, mit all seinen Facetten.

Wer die Reaktionen im Netz zu Googles Entscheidung verfolgte, konnte erkennen, wie überwältigend die positive Resonanz war. Googleweit. Also Weltweit. Google hat längt Coca Cola in Sachen Erfolg abgelöst. Google hat das, was Cola Cola eigentlich verkauft, noch erweitert.

Bei Coca Cola geht es weniger um Brause in Flaschen. Es geht auch nicht um den Preis. Cola kann wenige Cent kosten, im Supermarkt von Seattle, oder hunderte von Dollar, wenn man die Kalorienbombe im VIP-Club in Dubai ordert. Aber darum geht es bei Coke nicht. Nicht im Kern.

Coca Cola verkauft vor allem eine Tatsache. Auf die kann sich der Kunde verlassen. Nämlich, wohin du auch kommst, Coca Cola ist schon da. Coca Cola steht für Globale Präsenz!

Google hat Coca Cola auf diesem Gebiet abgelöst.

Nur kann Google eben weit mehr als Coke. Google stillt nicht nur den „klassischen“ Durst. Es bedient den des Geistes nach Neuem. Nach Teilhaben wollen. Nach Community. You can’t beat this lifestyle!

Anders als Coca Cola, ist Google kein Produkt, das auf den schnellen Konsum abzielt. Keine Einbahnstraße, die auf Hardware basiert. Eine Cola-Flasche, die man ausgetrunken hat, ist weniger Wert als eine Volle. Logisch.

Google kann man nicht ausleeren. Im Gegenteil. Jeder der Google „geniest“ , füllt die Google-Speicher weiter auf. Er füllt sie mit seinem Verhalten, aus dem sich, in der Masse, Voraussagen ableiten lassen.

Für Google ist der User das Produkt. Dehalb ist Google kostenlos. Vermeintlich. Google schwimmt mit dem Strom, während es diesen Erzeugt, um sich dann wieder von diesem beeinflussen zu lassen.

Dieses Prinzip hat Google vom Zentralen Nervensystem des Menschen übernommen. Google generiert globales, digitales Bewusstsein.

Google-Palestine hat im digitalen Massenmarkt eingeschlagen, wie die israelischen Bomben jetzt in Damaskus.

http://www.sueddeutsche.de/politik/un-generalsekretaer-ban-besorgt-ueber-lage-zwischen-israel-und-syrien-1.1666038

http://www.fr-online.de/aegypten-syrien-revolution/israel-bombardiert-damaskus-syrien-wertet-angriff-als-kriegserklaerung,7151782,22683320.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/israels-angriff-auf-syrien-angst-vor-dem-gegenschlag-a-898165.html

Nur dass Google effektiver ist. Google hat Relevanz. Dort, wo es darauf ankommt. In der globalen digitalen Welt. Der Welt von heute. Diese Welt kennt kein Morgen. Im Web ist immer high noon.

Das haben die meisten Menschen an den, inzwischen vermeintlichen, Hebeln der Macht noch immer nicht begriffen! Die Welt im Netz ist ein „follow the sun“ Organismus. Dieser Organismus lebt, verändert und organisiert sich neu. Im Millisekunden-Takt. Den Nachrichtenkrieg kann man nicht gewinnen, schon gar nicht, wenn man Google als Gegenspieler gegen sich aufbringt.

Jeder, der über einen DSL-Anschluss und eine politische Meinung verfügt, ist Teil einer ganz persönlichen „electronic Intifada“, die kein Staat der Welt kontrollieren kann.

Die Zeit des Personalausweises, und erst recht des Schlagbaumes, der Grenzkontrolle, ist vorbei. Lange!

Wacht auf, Ladies and Gentlemen in den kalten Fluren der Macht oder den Pressestellen. Eure Drohnen und Kampfjets, Splitterbomben und Haubitzengeschosse, sind tödlich für den Einzelnen, aber sie können die kollektive Erkenntnis über Euch nicht töten.

Der Krieg über die Köpfe ist verloren.

Regierungen, die noch immer keinen anderen Weg gefunden haben, um ein Kommunikationsproblem zu lösen − und Krieg ist im Kern ein Kommunikationsproblem − und die dann, wie unoriginell, zur Waffe greifen, sind von ihrem Amt und der Zeit, in der sie es ausüben, schlicht überfordert.

UND TSCHÜß!

Google ist viel größer und damit viel mächtiger als alle Regierungen, alle Waffensysteme zusammen. Google macht Meinung, indem es Relevanz beschliesst. Sich gegen diese Relevanz wehren zu wollen, ist ähnlich aussichtsreich, wie sich vor die Sonne zu stellen und diese anzubrüllen, sie möge sich entfernen.

Entweder du lebst MIT der Sonne, richtest dich nach IHR, mit all ihren Vor- und Nachteilen, oder aber du wirst gerichtet. Dann überlebst du nicht. Pass dich an oder pass auf dich auf. Wer der Sonne den Kampf ansagt, dem geht sehr schnell das Licht aus.

Google-Palestine hat für Palästina die Sonne aufgehen lassen. Zumindest über dem Digi-Tal. Der Staat Israel wird sich dem, auf kurz oder sehr kurz, beugen. Müssen. Sich anpassen. Oder scheinheilig untergehen.

Südafrika hat die Kurve auch bekommen. Aber eben erst, als man Südafrika durch Boykott dazu zwang, die Zeichen der Zeit zu erkennen, und den Rassismus zu beenden.

Ob Israel in der Lage ist, einen ähnlichen Weg einzuschlagen, kann man nur abwarten. Boykott ist dabei erste Bürgerpflicht. Mehr noch, das israelische Apartheidregime nicht zu boykottieren, grenzt an unterlassene Hilfeleistung. Auch gegenüber den Rassisten in der Regierung. Auch diese Menschen sind ja Gefangene. Gefangen in ihren eigenen abstrusen Denkmuster. Religiöse Käfighaltung.

Herzlichen Glückwunsch, Palästina!

Deine Zeit kommt. Noch hat die UN-Vollversammlung diesem Volk nur den Status eines Beobachterstaates gegeben, aber alle Welt weiß, nicht ihr seid die Gäste in Palästina, sondern jeder Nicht-Palästinenser ist hier Gast. Er wird durch EUCH beobachtet. In und außerhalb Palästinas. Ab sofort auch mit Google Palestine. Unter’m Strich dürften das erheblich mehr Menschen sein, als in allen Regierungen der Welt zusammen zu finden sind.

Palästinenser! Wenn Google auf eurer Seite ist, und das ist so, steht ihr ganz kurz davor, endlich befreit zu werden. Befreit von einem Regime, das auf Rassismus fußt. Haltet durch. Wenn die 750 km lange Mauer der Apartheid, 8 Meter hoch, und flankiert von unzähligen Wachtürmen, gefallen sein wird, wie die Mauer in Berlin, wird Palästina wieder das sein, was es die meiste Zeit seiner Geschichte war. Ein Landstrich, in dem alle Religionen es immer geschafft haben, friedlich zusammenzuleben.
Das war vor der Balfour Deklaration so, und das kann wieder so sein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Balfour-Deklaration

Das rassistische Israel wird zu einer sehr kurzen Episode in der Geschichte der Region zusammenschmelzen. Frieden und Freiheit sind möglich. Auch wenn Zionisten sich das gar nicht vorstellen können oder wollen, da ihnen sonst etwas fehlt.

Wenn wir uns erinnern wollen: Wer in Palästina lebte, verstand sich, über Generationen, vor allem als Palästinenser. Es gab und gibt diverse Gemeinsamkeiten zwischen allen Bewohnern auf diesem Boden. Darauf wird man aufbauen können und müssen.

Anders, als man das jungen Juden, z.B. bei einem Besuch in Auschwitz, immer wieder eintrichtert − „Nie vergessen, nie verzeihen“ − hat Palästina die Chance, einen weniger vergifteten Weg einzuschlagen. Nie vergessen? Richtig! Aber dennoch verzeihen!

Wenn ein Volk, wie das der Palästinenser, es geschafft hat, sich in all den Jahren des Terrors, der Besatzung und der Schikane, seine Würde zu bewahren, wird es ihm auch gelingen, klassischer Rache nicht nur abzuschwören, sondern sie gar nicht erst in Betracht zu ziehen.

Der Palästinenser ist ein stoischer Mensch mit einem extrem ausgeprägten Gefühl für Gerechtigkeit.

„Bleiben bedeutet Widerstand!“,
war immer Teil seiner Strategie.

Man stelle sich vor, Palästina wird ein eigener Staat, oder aber verschmilzt mit Israel zu Israel-Palästina zu einer Art Peacerael, und die Palästinenser laden diejenigen, unter denen sie Jahrzehnte am heftigsten gelitten haben, als erste ein, um mit ihnen die Geburt dieses neuen Staates zu feiern.

Wenn ein kleines Volk diese Größe hat, dann das der Palästinenser. Palästinenser! Beschämt den Noch-Aggressor, in dem ihr auf alles verzichtet, was er EUCH angetan hat. Eine bessere Werbung für dem Islam kann man sich gar nicht vorstellen.

Palästinenser im In- und Ausland, ihr habt es nicht nötig. Weil ihr vor allem eines seid: Cool!

Shalom Aleykum.

Weitere Quellen:

http://www.israelheute.com/Nachrichten/Artikel/tabid/179/nid/25653/Default.aspx?hp=popular_posts

http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-22395494

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/suchmaschine-macht-aussenpolitik-google-erkennt-palaestina-an-a-897976.html

http://www.taz.de/Google-macht-jetzt-auch-Politik/!115692/

http://www.spiegel.de/politik/ausland/israels-luftangriffe-auf-syrien-barack-obama-unter-druck-a-898236.html

Ein Kommentar zu: “KenFM über: Google-Palestine

  1. hoffen wir mal für die menschen, die dort leben, dass es mal klappt mit dem eigenen staat und die gewalt von radikalen fanatischen idioten aufhört! das leben ist zu kurz und kostbar, um es mit soviel wut und hass zu verschwenden! entschuldige mutter natur, dass wir dummen menschen alles zerstören was du aufgebaut hast. leider sind wir dumme tiere die blind vor hass sind!

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