Klassensolidarität mit klaren Regeln

Wer behauptet, es gebe keine kulturellen Konflikte in unserer Gesellschaft, der lügt. Wir müssen sie gemeinsam lösen – ohne die Herrschenden.

Ein Meinungsbeitrag von Susan Bonath.

Dauerstress, Erfolgsdruck, Angst, ein immer schneller rotierendes Hamsterrad: Eine Zeit, in der wir die sozialen Verwerfungen direkt vor der Haustür erleben und ein Land, in dem man nicht einmal unbürokratisch krank werden kann, machen uns zu schaffen. Täglich kämpfen wir mit Veränderungen und Aggressionen – außen und in uns selbst. Eine unsichtbare Gewalt scheint uns im Nacken zu sitzen und bis in die kleinsten Zellen, die Familien, einzudringen. Wir können uns dem nicht entziehen. Wir suchen nach Auswegen.

Suche nach verlorenen Identitäten 

Wo soziale Strukturen erodieren, sucht der Mensch nach neuen Identitäten. Das kann ein Verein sein, eine Partei, eine Religion, oder aber die Nation. Besonders letzteres erleben wir seit einigen Jahren nicht nur in Deutschland. Gerade in abgehängten Regionen verlieren sich immer mehr Menschen in einem Kampf der Kulturen. Sie pochen auf besondere Rechte durch Geburt oder Integration in eine Kultur oder einen Nationalstaat. Die Idee dahinter ist, Homogenität herzustellen. Wer nicht passt, soll weg. Vor zehn Jahren war das größte Feindbild der Deutschen die angeblich »faulen Arbeitslosen«. Heute sind es Flüchtlinge und Migranten. Wir erleben einen Konkurrenzkampf um Identitäten. Doch dahinter steckt mehr.

Zunächst einmal ist die nationale eine fiktive Identität, mit der nicht nur die AfD, sondern auch, zum Beispiel, die Unionsparteien punkten. Sie wissen: Deutschsein ist die letzte Bastion, an die sich Menschen klammern, deren soziales Umfeld sich aufzulösen droht. Es ist der Strohhalm atomisierter Individuen, die selbst Opfer der Ausbeutung sind. Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer sagte kürzlich in einem Interview mit »heise.de«:

»Man kann an vielen Stellen Arbeitsplätze verlieren, man kann politisch nicht gehört werden, die sozialen Beziehungen in Familie und Milieus können zerbrechen, aber das »Deutschsein« kann einem niemand nehmen.«

Die Sache hat Haken: Erstens ist das »deutsche Volk« alles andere als egalitär. Das zeigen schon die sozialen Verwerfungen. Der Hartz-IV-Bezieher hat, ökonomisch betrachtet, mehr mit einem osteuropäischen Arbeitsmigranten gemeinsam, als mit einem gut bezahlten Diätenempfänger im Bundestag. Die Interessen einer alleinerziehenden Supermarktkassiererin oder des Leiharbeiters bei Volkswagen sind weit identischer mit denen einer syrischen Krankenschwester, als mit den Interessen einer deutschen Milliardärsfamilie.

Zweitens ist der Bezug auf den Nationalstaat für Menschen, die nicht als Kapitalbesitzer von diesem unmittelbar profitieren, reichlich schizophren. Ist es doch oftmals dieser Staatsapparat, der uns das Leben schwer macht. Wir verzweifeln am bürokratischen Wahnsinn, müssen hinnehmen, überall gefilmt und kontrolliert zu werden. Nicht zuletzt stellt auf Demonstrationen die Polizei durchaus schon mal das größte Gewaltrisiko dar. Unsere nationale Identifikation ist also vor allem die Identifikation mit unserem Ausbeuter.

Welche Aufgabe hat eigentlich der Staatsapparat? Er sichert in allererster Linie die Eigentumsrechte der Kapitalbesitzer und die bestehenden Ausbeutungsverhältnisse. Nichts zeigt das so deutlich, wie das Hartz-IV-System: Der Staat enteignet erwerbslos gewordene Lohnabhängige nicht nur, er zwingt sie auch mittels harter Sanktionen in den wachsenden Niedriglohnsektor. Noch Beschäftigte halten still aus purer Angst, selbst in Hartz IV abzurutschen. Die Agenda 2010 war ein brutaler Angriff der Herrschenden auf einst hart erkämpfte Arbeitsrechte, um den Profiteuren die Profite in Krisenzeiten zu sichern.

Probleme ernst nehmen

Mit diesem Blick auf den Staat ist klar, dass hinter der viel kritisierten Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Merkel keineswegs humanistische Motive stecken. Der Bundesregierung war einerseits sehr wohl bewusst, dass die ökonomische Ausplünderung der Peripherie durch die imperialistischen Machtzentren in Europa, Asien und Amerika – mit oder ohne Waffengewalt – die gravierendste Ursache für die Flucht von rund 60 Millionen Menschen weltweit ist. Die Ströme der Verzweifelten aufzuhalten, wird angesichts aktueller und zu erwartender Katastrophen nicht möglich sein.

Andererseits benötigt das in der Krise steckende Kapital billigste Arbeitskräfte auch in den hochindustrialisierten Zentren. Die deutsche Politik hat nicht unterdrückte, gepeinigte Menschen willkommen geheißen, sondern Humankapital, das die Wirtschaft in brauchbar und unbrauchbar sortieren soll. Das ist unmenschlich, ernüchternd, verachtenswert. Aber es ist die kapitalistische Wirklichkeit.

Wer nun behauptet, das Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen würde nicht zu gesellschaftlichen Spannungen führen, der lügt. Wenn Politiker der Grünen oder der Linkspartei ostdeutschen Niedriglöhnern unterstellen, ihre Ängste vor verschärfter sozialer Konkurrenz durch Geflüchtete seien irreal, führen sie sie an der Nase herum. Natürlich spielen Politik und Wirtschaft Ausländer gegen Einheimische aus und treiben den ohnehin herrschenden Konkurrenzkampf um Jobs, Wohnungen und Teilhabe auf die Spitze.

Und selbstverständlich sind Menschen aus extrem armen oder islamischen Ländern völlig anders sozialisiert als Mitteleuropäer. Wer etwa zeitlebens nur mit Diebstahl oder aggressivem Verhalten überleben konnte, wird seine Verhaltensmuster nicht von heute auf morgen ändern. Ähnlich sieht es mit gesellschaftlichen Rollenbildern aus, dem Umgang mit der Sexualität, dem Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Das gilt für Einheimische und Flüchtlinge. Wir haben die Konflikte und wir müssen sie ernst nehmen.

Hierarchien und autoritäre Strukturen

Wer eine gleichberechtigte Gesellschaft will, kann es nicht entschuldigen, wenn Männer Frauen abfällig behandeln, sexuell nötigen oder gar missbrauchen. Die Herkunft des Täters spielt dabei keine Rolle. Genauso wenig ist es zu akzeptieren, wenn auf deutschen Straßen Obdachlose erfrieren, wenn Behörden Erwerbslosen das Existenzminimum entziehen oder dass Erziehungsarbeit einer Mutter eben nicht die Existenz sichert. Gleichberechtigung setzt das Anerkennen voraus, dass alle Menschen gleichwertig sind. Das hat nichts mit »Gleichmacherei« zu tun. Eine Gesellschaft ist auf viele Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten angewiesen.

Sicher kennen viele Frauen den Horrortrip vorbei an einer Gruppe betrunkener, obszöne Sprüche klopfender Männer gut. Wenn frau sich abends nicht mehr auf die Straße traut, weil auf der gegenüberliegenden Seite ein Spätverkauf ist, wo ihr selbiges passieren kann, hat nicht nur sie, sondern die Gesellschaft ein Problem. Gleiches gilt, wenn ein Vorgesetzter einer Frau auf ihrer Arbeitsstelle nachstellt.

Wer eine solidarische Gesellschaft will, muss die Unterdrückung von Frauen bekämpfen – in jeder Hinsicht und überall. Auch in Deutschland hat sie nie aufgehört zu existieren. Selbstverständlich wird die Situation nicht besser, wenn Hunderttausende Geflüchtete aus autoritär-patriarchalen Ländern kommen. Unterdrückung allgemein, darunter die der Frau, ist ein hierarchisches Problem der kapitalistischen Gesellschaft. Es gehört auf den Tisch. Eine solidarische Gesellschaft ist nicht hierarchisch, nicht autoritär.

Unterdrückungsmuster erkennen 

Die Frage ist: Auf welchen Tisch gehört das Problem? Dazu müssen wir die Unterdrückungsstrukturen beleuchten. In Kapitalismus steht das Eigentumsrecht im Mittelpunkt, das der Staat verteidigt. Wer in eine reiche Familie geboren wird, und später ein Unternehmen samt Beschäftigten erbt, kann andere für sich arbeiten lassen. Wer das Glück nicht hat – und das sind die meisten – wird zwangsläufig seine Arbeitskraft an erstere verkaufen müssen. Hinter jedem Werkstor endet die viel beschworene Demokratie. Wollten Betroffene sich das nicht antun, müssten sie sich vom Jobcenter knechten lassen – oder aber verhungern.

Doch es gibt mehr Formen der Unterdrückung in der durch und durch hierarchischen Gesellschaftsordnung namens Kapitalismus, zum Beispiel die der Frau. Sie kann eben nicht frei entscheiden, ob sie sich selbst um ihre Kinder kümmern will, wenn sie auf ein Lohneinkommen angewiesen ist. Das wiederum macht viele Frauen finanziell abhängig von ihren Partnern. Das Lohngefüge in typischen Frauenberufen liegt zudem oft weit unter dem der männlich dominierten Branchen. Unterdrückt werden auch Kinder. Staatliche Schulen bereiten sie auf das Leben als Lohnabhängige vor. Wir unterdrücken Tiere und die Natur auf übelste Weise.

Während die Ausbeutung der Lohnarbeit Primat der herrschenden weil besitzenden Klasse ist, finden die anderen Formen der Unterdrückung auch innerhalb der einzelnen Klassen statt. Zum Beispiel kann auch ein armer Mann eine körperlich unterlegene Frau unterdrücken. Das mag Kompensation der eigenen Ausbeutung sein, der er im Job unterworfen ist, oder schlicht erlerntes Verhalten, das zu erwerben im Kapitalismus nicht schwer ist. Fakt ist: Es geschieht, mal versteckt, mal offen.

Nichts den Herrschenden überlassen

Dagegen müssen wir uns wehren. Auf welchen Tisch gehört das Problem also? Keineswegs darf es auf dem Tablett der Herrschenden landen. Wir sollten uns nicht darüber freuen, wenn der Staat für uns entscheidet, welcher Erwerbslose ein Existenzminimum nicht verdient habe, welcher Arme ein Versager sei, und welcher Flüchtling das Land zu verlassen habe. Denn der Staat als Instrument der Herrschenden wird nie in unserem Sinne befinden. Er handelt mit uns wie mit Humankapital, das mal benötigt wird, mal unbrauchbar ist für seine Auftraggeber. Er benutzt uns als Verwertungsmasse. Unser Schicksal ist ihm völlig egal. Überlassen wir den Herrschenden die Entscheidungen über uns, akzeptieren wir die Beherrschung.

Mit »uns« meine ich die lohnabhängige Klasse. Gewiss gehört dazu auch der Kleinunternehmer, der täglich gegen die millionen- und milliardenschwere Konkurrenz ankämpft oder von mickrigen Honoraren kaum leben kann. Ich meine den VW-Beschäftigten, die Putzfrau und den Erwerbslosen gleichermaßen. Sie alle eint: Sie sind abhängig von einem Unternehmer oder dem Staat. Wo die Abhängigkeit beginnt, enden jede Entscheidungsfreiheit und viele Rechte. Auch der Flüchtling, der fast alles verloren hat, gehört folglich dazu.

Miteinander reden und Regeln aufstellen

Das bedeutet: WIR selbst müssen klare Regeln aufstellen, diese kommunizieren und sie als Vorbild einhalten. Wir müssen festlegen, wie wir miteinander umzugehen haben – Männer mit Frauen, Erwachsene mit Kindern, wir mit der Umwelt. Denn ein Problem, das innerhalb unserer Klasse auftritt, muss innerhalb dieser gelöst werden. Nur so kann es zu unseren Gunsten gelöst werden. Das heißt auch: Wir müssen prinzipiell Solidarität untereinander üben, ohne Wenn und Aber. Persönliche Befindlichkeiten dürfen daran nicht rütteln.

Wir können niemandem vorschreiben, an welchen Gott er glauben oder nicht glauben darf. Aber wir können dem deutschen Christen wie dem arabischen Muslim sagen: Wir sind Klassenbrüder und -schwestern, wir sind solidarisch mit dir, helfen dir wo wir können, aber halte dich an die und jene Regel. Weil das gut für uns alle ist. Weil wir sonst nicht miteinander klarkommen. Weil wir sonst nicht gemeinsam gegen den wirklichen Feind kämpfen können. Das sollten wir aber. Das müssen wir.

Solidarisch und klassenbewusst

Das heißt auch, Unterschiede zu akzeptieren und trotzdem diese Solidarität tatsächlich zu praktizieren. Wir müssen in Kontakt treten, auf die Straßen gehen, uns kennen lernen. Wir müssen erkennen, das uns mehr eint als trennt. Das ist anstrengend. Gelänge uns das in größerem Rahmen, wäre sicher nicht jedes Problem gelöst. Aber Menschen, die sich kennen und wertschätzen lernen, die einander vertrauen, sind weniger aggressiv gegeneinander. Freundschaft befördert Solidarität, während Feindseligkeit das Gegenteil bewirkt.

Gelänge es uns also, diese Botschaft auszusenden und zu leben, würde sicher manches Problem innerhalb unserer Klasse gar nicht erst auftauchen. Letztlich können wir zu einer gemeinsamen Identität finden, indem wir uns mit unserer Klasse identifizieren. Mit der unterdrückten Klasse. Nur so könnten wir uns über nationale Grenzen hinaus organisieren. Das ist nötig und möglich – für eine gute Welt für jeden.

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28 Kommentare zu: “Klassensolidarität mit klaren Regeln

    • Ganz genau so ist das. Nach mehr als 15 Jahren Studium ob diese Problems, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, daß es nur einen einzigen (menschlichen) Weg über die Klugschwätzerei hinauszukommen der funktionieren würde – nicht nur könnte.

      Der zweite Weg ist der göttliche. Wenn es Gott gibt und die Bibel recht hat, dann wird es nach Harmageddon eh eine Zukunft ohne jeglichen Kapitalismus geben.

      In dem Fall aber, ist egal was wir tun oder nicht. Nichts würde funktionieren.

  1. Wurzel des Übels ist doch unser Geldsystem.
    Wäre es möglich der großen Masse beizubringen wie sie „übers Ohr gehauen werden“ und würden sie darüber hinaus verstehen wie z.B. Geld geschöpft wird, dass z.B. Staat sich Geld von Privaten „leiht“ und mit Zinsen an diese zurückbezahlen muss (theoretisch…) nur damit ein Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel für die Gesellschaft (hier Volk) zu Verfügung steht, wäre ein großer Schritt schon getan.
    Allein, sie wollen glauben, was sie in der Schule erlernt, dass nämlich der Kreditnehmer von der Bank Mittel zur Verfügung gestellt bekommt, vom Sparer, der diese im Moment nicht benötigt. Ein „kleiner“ Obulus“ für diese Dienstleistung (Zins und Zinseszins) das verteht sich doch von selbst oder?!…
    Dass heute 1/4tel, wohl eher 1/3tel der Steuereinnahmen des Staates vom Bürge/r/n an die wenigen privelegierten Privaten zum Zwecke der Zinsen fließt ist nur ein kleiner Bruchteil des ganzen Bratens.
    Dass die Zinsen bei der Geldschöpfung aus dem Nichts nicht mitgeschöpft werden macht doch nichts…
    Staat kann sich ja einen neuen Kredit nehmen (einzig zum Zwecke dass die Volkswirtschaft ein Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel hat) und somit steigt stetig der Anteil an fälligen Zinsen…
    eine Exponentialfunktion… wobei wir beim Wachstumszwang angekommen sind…
    Es müssen immer mehr Waren, immer kostengünstiger und immer schneller vom Band laufen…
    ohne Rücksicht auf Verluste…
    ein Kondensat aus geplanter Obsoleszenz, Ausbeutung, Raubbau und Vernichtung an / der Natur entsteht,
    Konzentration von ganz viel Geld an einem Punkt, Verknappung desselben bei der Masse…
    Von Economic Hitmans, Schuldenfalle, Trioka, IWF usw.. noch gar nicht gesprochen,
    – ganze Länder werden unter die Schuldenknute gedrückt und anschließend, ganz „legal“ ausgeraubt…
    Und als letzte Konsequenz: Krieg
    All das müsste nicht sein.
    Wir haben längst schon die Möglichkeiten einer nachhaltigen, umwelt- und Tierfreundlichen, friedlichen Gesellschaft, Kultur, Zivilisation. Es müsste niemand Mangel leiden, es gäbe keinen Hunger und keinen Krieg, einzig der unverschämte Reichtum einiger weniger wäre nicht mehr möglich…
    Und dann, ja dann könnte man sich den wahrlich wichtigen und drängenden Fragen unserer Zeit zuwenden.
    „Fiat lux!“ (es werde Licht) (im Geist der Vielen…) statt
    „Fiat Geld“ ….
    in diesem Sinne,
    gehabt Euch wohl!

    • Nein. Die Wurzel des Übels ist nicht das Geldsystem, sonder der Kapitalismus, zu dem dieses Geldsystem gehört.

  2. „Wer behauptet, es gebe keine kulturellen Konflikte in unserer Gesellschaft, der lügt. Wir müssen sie gemeinsam lösen – ohne die Herrschenden.“

    Ganz richtig. Noch richtiger ist; wir können sie NUR GEMEINSAM lösen und NUR OHNE die Herrschenden.

  3. Seven, sicher ein sehr engagierter, idealistischer Mensch, schrieb als Erste/r einen zustimmenden Kommentar zu diesem Text und meinte unter Anderem: „Es geht vielen von uns — …— immer noch zu gut, um sich als die unterdrückte Klasse zu verstehen… Es ist ein schizophrener Zustand: Einerseits fürchte ich mich vor Konsequenzen einer Jamaica-Regierung, andererseits sehne ich genau diese Konsequenzen herbei, um noch mehr Menschen dazu zu veranlassen umzudenken.“ (Zitatende)

    Diese Haltung ist verständlich, wurde jedoch von Albrecht Müller in den NachDenkSeiten (siehe hier http://www.nachdenkseiten.de/?p=40775) näher erklärt und kritisiert:
    „…Es zeigt sich aber, dass diese Diskussion ins Nirgendwo führt. Das liegt nicht nur daran, dass die Kritiker von Lafontaine und Wagenknecht jedes sprachliche Maß für eine vernünftige Diskussion vermissen lassen, sondern ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass in diesen Kreisen „der Kapitalismus“ als solcher am Pranger steht und die Alternativen zur heutigen Politik nur noch in einer vollständigen Überwindung des Systems gesehen werden. Flüchtlinge und/oder Klimawandel sind dabei die Vehikel, von denen man sich die Anstöße für die katastrophalen Entwicklungen erhofft, die dem Kapitalismus endgültig den Garaus machen…“ (Ende Zitat).

    Nun stelle ich die Frage an diejenigen, die sich „katastrophale Entwicklungen“ wünschen, damit endlich ein „Umdenken“ entstünde, die Frage: Und was ist, wenn dieses Umdenken trotzdem nicht entstünde, sondern dafür die katastrophalen Zustände perpetuiert würden? Überlegen wir doch mal, was „katastrophale Entwicklungen,“ die offenbar Sie und andere, sicherlich idealistische junge Linke „erhoffen“, bedeuten würden – strengen wir unsere Phantasie doch mal an: Es gäbe ein paar wenige, bewachte reiche Luxussiedlungen, in die die „normale“ Bevölkerung gar nicht mehr reinkäme, private, von Superreichen bezahlte Wachdienste würden sie beschützen; Ansonsten: Wir hätten 30 % Arbeitslose oder mehr; Obdachlose in jeder Stadt; jede Schule wäre mittlerweile bewacht, sofern es überhaupt noch Schulen gäbe, alles wäre verdreckt, die meisten Leute hätten keine Waffen, einige aber schon – und sie nützten diese beizeiten, um die Unbewaffneten zu unterdrücken – die Polizei käme gar nicht mehr, weil restlos überfordert – kriminelle Gangs würden die Leute erpressen, die Gastronomie, die Ladenbesitzer müssten mit ständigen Diebstählen und Schutzgelderpressungen leben, jedes Kaufhaus wäre bewacht, Schüler würden drogensüchtig gemacht und zunächst würden Mädchen der ärmsten Schichten in die Prostitution gezwungen (was ja teilweise schon geschieht), danach die der Mittelschichten, vielleicht würde man aber sogar gleich die Sklaverei einführen – schon jetzt gibt es Zwangsprostitution und billigste Erntearbeiter die in Slum-ähnlichen Zeltlagern neben südeuropäischen Plantagen leben müssen, das Faustrecht herrschte auf den Straßen…. Und irgendwann käme irgendein „Napoleon“, irgendeine (Para)-Militärorganisation oder ein Warlord daher, der aus dunklen Quellen finanziert würde und der lockte die jungen Männer mit irgendwelchen Geschichten, etwas Sold, blinkenden Waffen und farbigen Beuteversprechen und Lügen in seine Guerilla-artige-Truppe, steckt sie in eine kakifarbene Uniform und ab geht’s – gegen die, die die Propaganda „die Bösen“ nennt – und das könnten widerspenstige Menschengruppen oder ganze Staaten sein, aber auch Privatpersonen, wie Sie, als Idealist, oder ich oder andere sein – weil Sie vielleicht mal ihren Mund zu weit aufgemacht hätten…
    Es gibt nicht wenige Länder, wo es solche Zustände heute schon gibt… Man nennt das, was Sie und andere naive Linke herbeisehnen: „Destabilisierung“. Und die gibt es schon seit Jahren im Nahen Osten – durch die Destabilisierungspolitik der NATO verschuldet, in manchen Regionen Afrikas sogar schon seit Jahrzehnten. Doch ich frage Sie: Wo ist in diesen Regionen, in denen solche Zustände herrschen, die große, marxistische Revolution ausgebrochen? Wo? Sind nicht vielmehr statt der großen, idealistischen „Revolution“ Drogenkartelle, organisierte Kriminalität und Militärdiktaturen entstanden? Oder autoritäre bis totalitäre Staaten? Bestens versorgt mit Waffen korrupter Waffenfirmen?

    Was glauben Sie denn, würde in unserer sogenannten „Zivilisation“, die nun schon seit Jahrzehnten durch Gewaltfilme und Pornographie ins Unterbewusstsein viele schreckliche Vorstellungen eingeprägt bekommen hat – was würde in den Seelen passieren, wenn alles zusammenbräche und die abgründigen Bilder, die in Zeiten der Stabilität am Grund der Seele lauern, hervorbrechen könnten?

    Ich sage Ihnen: Wir müssen froh sein über jedes Jahr, jedes Jahrzehnt, das noch einigermaßen stabil ist. Meiner Ansicht nach gibt es kleine, ultramächtige Gruppen, die gerade mit solchen, von ihnen ersehnten Destabilisierungen und Revolutionen Kriege schaffen – und nützen tut es letztens nur der Machterweiterung dieser kleinen Gruppen.
    Und ich stelle jetzt noch die provokanten Fragen: Geht es den Linken und Grünen, die sich „katastrophale Zustände durch Flüchtlinge und/oder Klima“ wünschen denn wirklich um die Menschen – oder geht es ihnen – tief im Innern – uneingestanden – um die Durchsetzung ihrer eigenen, sozialistischen Träume – also letztendlich auch um egoistische Gruppenziele der Macht? Und inwiefern spielt dabei auch eine nichteingestandene Aversion gegen „das Deutsche“ eine Rolle?

    • Hier gibt es ein paar Mißverständnisse, welche aufgrund der Kürze meiner Ausführungen entstanden sind, die ich aber gern berichtigen möchte.

      Mein Engagement bezüglich der Flüchtlinge hat weniger mit Idealismus zu tun als mit rein humanitärem Pragmatismus.
      Diese Mitmenschen sind JETZT HIER, das gilt es zu verstehen !
      Vom Großteil der Parteienlandschaft und einem guten Teil der Bevölkerung wird so getan, als wären die Flüchtlinge aufgrund ihrer Subsidiarität gar nicht wirklich hier, weil demnächst sowiso wieder weg.
      Mit dieser Einstellung lassen wir Abertausende von Menschen inklusive der benachbarten inländischen Bevölkerung im Regen stehen.
      Sie sind JETZT HIER, also gilt es JETZT mit ausgestreckter Hand auf sie zuzugehen, damit wir in Frieden und Freundschaft zusammenleben können.
      Ob sie morgen oder übermorgen wieder weg sind, ist irrelevant.
      Diese Erkenntnis ist nicht in meinem Schädel geboren, sondern von den Flüchtlingshelfern hier im Ort vorgelebt worden.
      Die zwingende Logik darin siegt über jegliche Berührungsängste und Vorurteile — und darüber hinaus über meinen Zynismus, der sich täglich die heissesten Kloppereien mit meinem Idealismus liefert…

      Den von Ihnen verlinkten Artikel, der aber von Heiner Flassbeck stammt, habe ich auch gelesen.
      Ich stimme seiner Meinung und Ihrem Kommentar zu und zähle mich nicht zu jenen Linken, die den Kapitalismus überwinden wollen, bevor überhaupt eine stimmige Alternative erdacht und an den Mann/die Frau gebracht ist.
      Offen stehe ich allen Überlegungen und Ansätzen, wie man ihn verändern, zähmen und zivilisieren kann. Auch wenn ich durchaus auf der Rechnung habe, dass er unter anderem wegen Zins und Zinseszins gerade dabei ist, sich selbst aufzufressen.

      Die von Ihnen geschilderte Dystopie halte ich für eine sehr wahrscheinliche, nicht mehr weit entfernte Realität.
      Als ich von einem Umdenken schrieb, das nach Konsequenzen von Jamaika stattfinden könnte, meinte ich damit genau das, auf das ich Bezug nahm: Das Realisieren der eigenen Klassenzugehörigkeit inklusive dem Drang aus der Not heraus, die bestehenden Verhältnisse aktiv mit zu verändern.
      Nichts ist den Leuten heiliger als der Status Quo, obwohl er immer nur einen Augenblick währt, also quasi nichtexistent ist.
      Aber ich schwafle schon wieder rum…

      Die Progressiven unter uns müssen sich vernetzen und eine Utopie entwickeln, die den Konservativen dann so lange um die Ohren geklatscht wird, bis sie sie als den neuen Status Quo wahrnehmen.
      Spende an Human Connection jetzt !
      Kopf aus dem Arsch ziehen !
      Mitmenschen durch Voranschreiten motivieren !
      Mehr Fairtrade-Kaffee trinken, weniger kiffen !
      Hands off your cocks, feet in your socks — und ab auf die Straße !
      Und unbedingt weniger mit eigentlich Gleichgesinnten über Detailfragen rumstreiten, bevor überhaupt das Gerüst einer Idee steht !!!

      So, und jetzt harre ich der Steinigung der Vegan-Fraktion, weil ich wieder nichts über die Viecher gesagt habe : ]

    • @A. Eberl / @ Seven
      Keine Marxistischen Revolutionen ausgebrochen?
      Wieviele sind davon blutig niedergeschlagen worden und waren noch nicht mal marxistisch.
      Den Kapitalismus ablösen als die herrschende Gesellschaftsform ist das EINZIG sinnvolle.
      Wenn sie sich mit der Materie beschäftigen, werden sie hoffentlich begreifen, dass die Entwicklungen und auch die von Ihnen beschriebenen Dystopien, dem kapitalistischen System inne wohnen.
      Imperialismus muss zwangläufig Faschismus werden, der tendenzielle Verfall der Profitrate erfordert es.
      Ich würd mir auch wünschen das es anders ginge, nur anders geht es eben nicht.
      Solange Kapitalismus herrscht gelten auch dessen Gesetze.
      Was ist schlimm an sozialistischen Träumen?
      Konstante Demokratische Mitbestimmung, gerechte Verteilung von Mehrwert, gratis Gesundheitsversorgung, Bildung für alle, keine Zukunftsangst, Altern in Würde und Sicherheit, keine Angst vor Krieg oder Flüchtlingen.
      Sozialismus ist immer Internationalismus..jeder Arbeiter und Mitbewohner ist gleichwertig (nicht gleich), deutsch oder nicht ist sowas von uninteressant, wir sind alle Menschen!
      Das einzige was destabilisiert und zu den von Ihnen beschrieben Szenarien führen wird ist der Kapitalismus.
      Wenn Sie das also nicht wollen können sie nicht am Kapitalismus festhalten wollen..ein bischen schwanger geht nicht.

    • A. Eberl / Seven / fpdcb

      und all irh anderen millionen Träumer – sorry dafür.

      Solange ihr nicht versteht, daß der (friedliche) Weg zur Überwindung des Kapitalismus durch/über den Kapitalismus selbst führt, werdet ihr das machen was ihr (schon) immer macht. Debattieren, Lamentieren, Selbstbeweihräucherung und Pseudointellektualität frönen.

      Ihr kennt alle den Spruch von (angeblich) Einstein: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“.

      Fragt euch und überprüft mal wie oft ihr diesen Spruch täglich lebt….

  4. Na Ihr?
    Guten Arbeitstag gehabt?
    Da sind wir ja wieder beieinander, die bekannten Namen, ich fühl mich schon wie beim Stammtisch (den ich nie hatte).
    Die Standpunkte sind nun soweit bekannt und mit Petra haben wir auch Rechtshistorie in unseren Reihen, schön.
    Dir , Liebe Susan herzlichen Dank für wieder eine gute Analyse und das Aufzeigen von Zusammenhängen, Gesetzmässigkeiten.
    Für mich ist die Essenz aus dies allem: Revolution
    Was soll das hier mit der Beschreibung vom System?
    Davon das es in Rumänien und China noch ’ne Arbeiterklasse gibt und hier nicht mehr? (Was an sich grosser Unfug ist) Arbeiter bleibt man auch als Informatiker, man verkauft im Angestelltenverhältnis seine Arbeitskraft, was anderes hat er/sie ja nicht anzubieten.
    Auch die sogenannte Intelligenz, also auch Rechtshistoriker 😉 sind im wissenschaftlichen oder Lehrberuf nur solange verwertbar, wie sie Output generieren der denjenigen, die sie (überwachen) finanzieren passt.
    Solange nicht verbeamtet, natürlich.
    Die heutigen Verhältnisse von Besitzenden und Besitzlosen (Proleten) [wer nur seine Arbeitskraft hat die er verkaufen MUSS, ist besitzlos] wird unweigerlich zu Bürgerkrieg führen.
    Auch Oma’s Häuschen und der Wagen vor der Tür ist kein Besitz.
    Besitz ist nur (mit)- Besitz an Produktionsmitteln und Grund und Boden, dessen Nutzung verwertbar ist.
    Wenn morgen die EZB Blase platzt, weil jemand sagt; der Kaiser ist ja nackt, sind unsere Geldvermögen weg.
    Wir wissen alle, das die ‚Funktionselite‘ der Legislative und Executive die Judikative im Sack hat, die alle kriminellen Auswüchse des imperialen Kapitalismus in ‚Recht‘ gegossen hat.
    Steuerdiebstahl ist legal, das Entziehen des Existenzminimuns von Mitmenschen ist legal, Zwangsarbeit ist legal, das Lohngefüge für gleiche Arbeit gleicher Lohn ist legal ausgehebelt.
    Offensichtlich sind wir aber alle bereit darauf zu warten, das die ersten ihre Kinder verhungern sehen. Tja so sind wir wohl.
    Weil ‚uns‘ geht’s ja noch gut. Gut im Vergleich zu wem? Verglichen mit Frau Klatten geht’s und jetzt schon beschi***.
    Verglichen mit den Obdachlosen leben wir wie Könige.
    Was soll der Unsinn?
    Uns geht es schlecht, wir sind ausgebeutet, seelisch verbraucht und wir haben unsere Emphatie verloren oder auf Lippenbekenntnisse reduziert.
    Nach meiner Auffassung ist die Oktoberrevolution noch nicht vorbei, sie braucht nur neue Impulse, Bereitschaft zur Erkenntnis, dass wir uns entweder in (relativ) kurzer Zeit gegenseitig abschlachten, im Kampf um die Krümel zum Überleben.
    Oder das wir anfangen, an Konzepten zu arbeiten und uns zu verständigen, was ‚danach‘ anders werden soll.
    Die Vorgänge in Katalonien zur Zeit, zeigen eindrucksvoll, wie es demokratischen und sozialen Widerstand geben kann, wenn man mal die Pelle der medialen Berichterstattung abkratzt.
    Ihnen alles Gute

  5. 2 Dinge, die man meines Erachtens genauer betrachten muß:

    1. Die Unterdrückung der Frau ist keine Sache, die dem Kapitalismus eigen ist. Es gibt sie auch in anderen Gesellschaftsformen. Die Unterdrückung der Frau in Deutschland/Westeuropa ist so (ver-)einfach(t) auch nicht mehr darzustellen.

    Dazu fällt mir (völlig unvollständig) ein:

    Sogar der Kanzler ist weiblich. Ähnlich in GB. Natürlich ergibt das keine Gleichberechtigung, wie auch Obama den Rassismus in den USA nicht beseitigt hat. Aber wo liegen die Unterschiede genau? Es gibt Traditionsverhalten. Frauen und Mütter haben weniger Löhne/Rente und sind insofern häufig noch abhängig von ihren Ehemännern. Aber Löhne sind heute häufig geschlechtsgleich (beim Staat heute überhaupt kein Unterschied mehr). Ein großes Problem liegt darin, daß soziale Berufe, in denen Frauen häufiger tätig sind, so schlecht bezahlt werden. Würden soziale Berufe entsprechend ihrer Wertigkeit bezahlt, wäre nicht mehr viel übrig vom sogenannten Gendergap. Auf der anderen Seite zeichnet sich eine neue Ungleichheit für Männer ab. Männer, die nach der Scheidung Ihre Kinder gleichberechtigt betreuen wollen, werden häufig übelst ausgebremst. So wichtig das alles im Einzelfall ist – angesichts der Gesamtsituation im Kapitalismus sollte man das entsprechend der Wertigkeit heute in D und Westeuropa behandeln.

    2. Wer ist die lohnabhängige Klasse? Kein schlechter Begriff für Arbeiter und Angestellte incl. der Arbeitslosen (und den Ich-AGs). Aber das passt so wohl nur richtig in Deutschland alleine. Der Blick über die Grenzen macht die Sache in jeder Hinsicht komplizierter. Schon in Rumänien/Bulgarien sieht es da anders aus. In China, Indien etc. gibt es heute noch eine Arbeiterklasse, wie Marx/Engels sie für den Manchesterkapitalismus beschrieben haben. Demgegenüber geht es der lohnabhängigen Klasse in D noch „gut“. NOCH. Das soll ja geändert werden, auch durch die Migrationswaffe, verschlechterte Bildung etc..

    Und da hat Frau Bonath ja auch die entscheidende Forderung gestellt: „Letztlich können wir zu einer gemeinsamen Identität finden, indem wir uns mit unserer Klasse identifizieren. Mit der unterdrückten Klasse. Nur so könnten wir uns über nationale Grenzen hinaus organisieren.“ Mal abgesehen davon, daß es jetzt die unterdrückte statt der lohnabhängigen Klasse ist: Absolut richtig!

    Aber wie organisieren? Ich habe da auch keine Antwort. Da liegt wohl noch viel Arbeit vor uns.
    Aber erst mal Danke für die Arbeit an diesem hervorragenden Artikel.

  6. Guten Tag Frau Bonath,
    so sehr ich Ihren Ärger über die bestehenden Verhältnisse teile und mir ihre Überwindung wahrscheinlich ebenso sehr wünsche wie Sie, greift mir die Auflösung des Problems in bösartige Kapitalbesitzer und unterdrückte Ausgebeutete doch zu kurz.
    Der von Ihnen verwendete Begriff Kapitalbesitzer transportiert eine individualisierte Verantwortung von empirischen natürlicher Personen, die für sich selbst oder die von ihnen vertretenen juristischen Personen (AG, GmbH etc.) andere empirische Personen ausnutzen und ausbluten Nun ist ja im Kapitalismus das Besitzen nicht gerade der Garant für ein Überleben, was beim Arbeitskraftbesitzer, insofern im Kapitalverhältnis ebenfalls ein „Kapitalist“, immer deutlicher zu Tage tritt, da produktive Arbeitskraft immer weniger nachgefragt wird. Er ist mittlerweile auch gezwungen, sich jeglicher Solidarität zu entschlagen und als Teil variablen Kapitals mit anderen seiner Couleur zu konkurrieren, um mit seiner Unternehmung erfolgreich zu sein. In der Bürgerlichen Moderne konstituiert sich ein jedes als konkurrent (es gibt das Subjekt nur als die Subjekte), als emanzipiert (es gibt ein Subjekt nur in Abgrenzung gegenüber anderen durch Selbstbeherrschung und Selbstermächtigung) und mit eigener Unternehmung. Eigene Unternehmung ist also bezogen auf die Konkurrenz und die Selbstbeherrschung; die Unternehmung ist die Vorleistung, mit der ein Subjekt sich in der Öffentlichkeit vermittelt – und zwar ganz egal, ob als Arbeitskraftbesitzer oder Träger von Eigentumstiteln.

    Bleiben wir gleich beim Ökonomischen, weil das Wort Unternehmung schon diesen ökonomischen haut-gout hat. Diese ökonomische Unternehmung unternimmt ja keins aus Jux und Tollerei, auch nicht aus Liebhaberei oder plaisir, sondern entlang sehr eng gefasster Grenzen der Tätigkeit des Kaufens und Verkaufens. Dieses Kaufen und Verkaufen erscheint aber auch nur auf der Oberfläche des Anscheins und vordergründig als das Getriebe der Unternehmungen. Vielmehr ist das movens all der ökonomischen Unternehmung der Erhalt, oder besser noch, die Vermehrung des im Rahmen der Unternehmung vorgeschossenen Kapitals: also nicht Kaufen und Verkaufen, sondern Vorschießen und Realisieren. Die vorübergehende Aufbewahrung des „Werts“ in einer Ware oder einem verbrieften Recht, also der Besitz, ist dabei der gefährlichste Aggregatzustand, denn findet sich nicht schnelle eine neue Möglichkeit des Vorschießens, findet stattdessen die Verwertungsbewegung ihr Ende bei schließlicher „Wertberichtigung“ bis hin zu Null.
    Eine Änderung dieser unerträglichen und tatsächlich un-menschlichen Verhältnisse lässt sich leider nicht durch die rechtliche Zuweisung aller Eigentumstitel an staatliche Instanzen erreichen, denn es ändert nichts, wie auch im Staatskapitalismus vergangener Jahrzehnte sichtbar geworden, an der Eigendynamik der abstrakten Reichtumsform „Wert“ ihrer Dynamik von Vorschießen und Realisieren unter fortwährender Verdrängung menschlicher bzw. lebendiger Arbeitskraft aus diesem Prozess.
    Der Irrsinn des Bürgerlichen Ensembles ist die ungesellschaftliche Form der Gesellschaftlichkeit: Das Gesellschaftliche an einer ökonomischen Unternehmung fragt nicht nach dem ökonomischen Erfolg, fragt nicht danach, ob alle Beteiligten aus diesem Geschäft angenehm leben können, sondern bloß danach, ob die Regeln eingehalten sind, nach denen die Gesellschaft funktioniert. Zu diesen Regeln mag dann auch gehören, dass nicht jede ökonomische Unternehmung von Glück gesegnet ist. Es geht eben nicht um Bedürfnisse, die befriedigt werden wollen, sondern um Interessen. Die Interessen aber sind eben so abstrakt, wie die Bedürfnisse konkret sind. Interessen sind die Gemeinsamkeiten konkurrierender Subjekte, die Gemeinsamkeiten von ökonomischen Unternehmungen, die einander auf dem Markt auszustechen oder zu vernichten trachten, und so können Verbände von Subjekten wahrgenommen werden, die – mehr oder weniger bewusst, gewollt und geplant – als ihre Unternehmung den Erhalt, die Bewahrung und den Schutz ihrer Interessen definieren. Aber auch diese Konstitution ist schon hinter dem Rücken der einzelnen subjektiven Individuen geschehen, jeder genauer definierten und ausgefeilteren Organisierung vorausgesetzt und selbst subjektiv.

    Vom Staatsapparat hatten wir, soweit ich erinnere, schon einmal unterschiedliche Auffassungen. Er kommt in der Moderne immer als National-Staat daher, wobei der „Staat“ die Abteilung unternehmendes, konkurrentes Subjekt abdeckt und die „Nation“ die entsprechende Privatheit/Abspaltung, das scheinbar Konkrete (die National-Geschichte, die Landschaften, die glücklichen Menschen, die spielenden Kinder, die wissenschaftlichen Erfolge klitter, klitter, klitter …).
    Die Unternehmung des Subjektes höchster Ordnung im Bürgerlichen Ensemble, also des Staats, ist die Verteidigung des Gewaltsmonopols gegen seinesgleichen und der in ihm Kooperierten. Gewaltmonopol bedeutet die Aufrechterhaltung aller gewaltsamen Verhältnisse, die bereits am Anfang bürgerlicher Gesellschaftlichkeit stehen – ursprüngliche Akkumulation. Und so muss denn auch der Fortgang von Wachstum unter vorgeblicher Verwertung von Arbeitskraft trotz Fortfall ihrer Grundlagen auf Verderb und gewaltsam, dem Zahlenwerk nach simulativ, dem individuellen Notleiden nach konkret, durchgesetzt werden. Gleichzeitig rüstet die nationale Abteilung, seit jeher blutiger Ort von Einschluss und Ausschluss von Individuen oder Gruppen von solchen, weiter auf, um im Falle des erklärten Ausnahmezustandes zu verhindern, was niemals geschehen soll: dass sich etwas ändert, wie es das dem Bürger garantierte Widerstandsrecht ja auch formuliert.

    • Man könnte auch einfach sagen, es läuft alles so und nicht anders im diesem System, weil das System nun mal so ist, wie es ist.
      Und auf welcher Position spielen Sie im „Bürgerlichen Ensemble“?
      Oder schauen Sie nur von oben darauf?

      Der Begriff Ensemble suggeriert, dass es sich um eine Gruppe von Künstlern handelt. Interessante Sichtweise.

    • Direkt gefragt, spiele ich auf der Position, die unsere Formation/Epoche mitsamt unserer Welterklärung bereits als vergangen ansieht. Das geht übrigens erst, wenn das Vergehen bzw. Verwesen bereits begonnen hat. Von daher schaue ich nicht „von oben drauf“, was ein sehr Kantianischer Standpunkt wäre, der zur Aufstiegsgeschichte unserer Epoche gehört und als Rechtshistorikerin weiß ich, wovon ich da spreche.
      Ex-Zentrik entsteht dann, wenn das oder die zentrale/n Versprechen einer Epoche – wohlgemerkt solche die das Leben praktikabel machen – nicht mehr verfangen.
      In der religiösen Formation beispielsweise, die auf Verwandtschaft und Alimentation basierte, zerbrach die Praktikabilität des Lebens mit und durch Religion, als das Credo des „liebenden Gottes/der liebenden Götter“ unglaubwürdig wurde und – in einem ersten Schritt – die Leute dann ihrerseits anfingen, „Gott zu lieben“. Die Feierlichkeiten hierzu mitsamt der bereits protobürgerlichen Formulierung der Zwei-Reiche, der damals neuartigen „Freiheit“ und der Hypostase des Abstrakten als neuer Wirklichkeit, haben wir gerade hinter uns gebracht. Vielleicht gibt es immerhin einen neuen Feiertag als konkret relevantes Ergebnis.
      Ansonsten bezeichnet Ensemble nicht nur die Gesamtheit eines Bauwerks in seiner Anordnung der Teile, sondern, was hier relevant ist, die Gesamtheit der mit einander interagierenden Ausformungen gleich relevanter Erscheinungen eines Systems. Kunst wäre da ein anderes Fass, welches zu öffnen wäre. Letztlich nicht so wichtig, weil es „Kunst“ auch nur ausschließlich in der bürgerlichen Moderne gibt.
      Übrigens: Mit Ihrem ersten Satz formulieren Sie – aus meiner Sicht – durchaus zutreffend die Totalität einer noch! intakten Welterklärung/Formation. Wie wäre es aber, wenn die Leute mal drauf kämen, dass die Systeme, von ihnen selbst gemacht wurden, obwohl sie diese, dann jeweils als unhintergehbares Drittes wahrnehmen?

    • Der Arbeiter als Kapitalist, weil Arbeitskraftbesitzer…, also ein gleichwertiges und gleichmächtiges Gegenüber…, ein Schnaps reicht mir da nicht mehr.
      Die Arbeiter werden heute über Niedrigstlöhne, welche die Ketten ersetzen, versklavt.
      Wertvolle, gesunde Bio-Nahrung ist da nicht mehr drin. Das Geld reicht nur für Gen-Füllstoffe.
      Wünschen sie sich die Überwindung der bestehenden Verhältnisse, oder befürchten sie sie??

    • Vom „Vergehen bzw. Verwesen“ des Kapitalismus wurde schon viel geschrieben.
      Da ist wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens.
      Das System erfindet sich immer wieder neu und ist sehr kreativ.
      Die Entscheidungsträger haben viel zu verlieren.
      Ein großes Manko ist, das es keine Vorstellungen (oder sehr verschiedene) gibt, was danach kommen soll.
      Außerdem will die Masse kein anderes System – höchstens Änderungen, je nach eigener Situation, zum Besseren.
      Eine Änderung kommt meiner Meinung eher von außen. Die Gesamtsituation müsste sich so verändern, das keine Antworten mehr auf drängende Fragen kommen.
      Das meinen sie wohl mit „wenn das oder die zentrale/n Versprechen einer Epoche – wohlgemerkt solche die das Leben praktikabel machen – nicht mehr verfangen.“
      Dann würde die weiße Flagge hochgezogen werden. Aber was kommt dann?
      „Wie wäre es aber, wenn die Leute mal drauf kämen, dass die Systeme, von ihnen selbst gemacht wurden, obwohl sie diese, dann jeweils als unhintergehbares Drittes wahrnehmen?“
      Das verstehe ich nicht so richtig.
      Wir wurden in das System hineingeboren oder als Kind der DDR, hereingeworfen.
      Wir dulden mehr oder weniger das System aber gemacht haben wir es nicht.

      dazu:
      Flassbeck-Beitrag „Parteien: Gibt es nur eine Alternative im Nirgendwo?“( 27.10.) + Leserbriefe zum Beitrag (5.11.) gibt es bei den Nachdenkseiten.

    • @ Horst Kietzmann
      Ehrlich gesagt, das ist schon recht heftig, dass Sie mir unterstellen, gegen jene zu sein, die unter den Verhältnissen leiden. Nichts in meinem Beitrag rechtfertigt diese, Ihre antagonistische Sichtweise.
      Der Niedrigstlohn rührt daher, dass die lebendige Arbeit immer mehr stärker überflüssig gemacht und durch tote Arbeit ersetzt wird, obwohl „lebendige Arbeit“ weiterhin der Gradmesser für Wert und Mehrwert bleibt (das Gelaber der Neocons und Liberalen in der Nachfolge von Hayeks wird durch den tagtäglichen Blick auf das anwachsende fiktive Kapital, an der Börse zumalen, konterkariert. Mit der anstehenden industriellen Revolution der Robotik, wird dies noch heftiger durchschlagen als die bereits kahl geschlagene Wüste der mikroelektronischen Revolution, die wir täglich erleben, vermuten lässt. Leider ist dies alles nicht irgend welchen „dingfest“ zu machenden Figuren anzulasten, die bösen Willens sind und deren man auf die eine oder andere Art und Weise ledig werden kann. Das Ganze basiert auf den Eigengesetzlichkeiten und der Dynamik einer Totalität, die auch als das „Kapital-(Verhältnis)“ bekannt ist und dessen zwangsweise Akteure wir alle sind bis hinein in unsere Denkweise, die der olle Karl als „objektive Gedankenformen“ beschrieben hat.
      Eine andere Welt mit Gütern für alle entsprechend ihren jeweiligen Bedürfnissen (besser Not-Wendigkeiten) ist nicht durch Besetzung von Positionen im Klassenkampfszenario, das der abstrakt-universalistischen Weltsicht verhaftet bleibt, zu gewinnen, sondern nur und ausschließlich durch Nutzung der einzigen Kompetenz, die wir als menschliche Wesen wirklich haben, nämlich unsere sozialen Beziehungen selbst zu bestimmen und auszugestalten. Bisher wurde das Ergebnis immer sogleich an eine dritte Instanz verwiesen, seien dies Geister, Götter oder – jetzt aktuell – wesenslogische Wissenschaft und Wert. Der Clou dabei ist, dass es wir es immer selbst waren und sind. Aber es ist doch so etwas von bequem, innerhalb des Gegebenen zu behaupten, es sei nur falsch angewendet, und wenn man denn selbst …
      Ehrlich?, nach nun 400 Jahren (vom Bockelmann-Datum aus gerechnet) des immanenten Versuchs der Besserung und Berichtigung innerhalb der geltenden Welterklärung, beispielsweise durch Ludditen, Maschinensturm und Klassenkampf, die leider schrecklich scheiterten, dürfte klar sein, dass „unsere“ Welterklärung sich zwar vermittels ihrer Legitimationsideologie, der Universalgeschichte, für die beste aller Welten erklärt, aber überall nur verbrannte Erde hinterlässt und nichts weiter bereit hält, letztlich für alle, als ein „verschwindet von dieser Erde“.

      Es geht immer noch und dringlicher denn je um „Nieder mit dem Lohnsystem“ (Marx) anstelle der bürgerlichen Forderung nach dem „gerechten Lohn“ (Proudhon, Lassalle, Gesell und andere Geldpfuscher). Letzterer liegt nach den Maßstäben des stillschweigend vorausgesetzten Systems, das hier in verschiedenen Beiträgen klassenkämpferisch verteidigt wird, heute sehr weit unter dem jetzigen Mindestlohn, der schon seinerseits ein bloßes Vegetieren kaum erlaubt. Also umgekehrt gefragt: Warum klammern Sie sich an diese Welt, die Sie offensichtlich für die einzig möglich halten?

    • @ schwarz ist weiß
      Einverstanden, das war missverständlich ausgedrückt. Die neuen Erklärungen entstehen immer in Bruchzeiten, also dann,wenn das bis dahin Gültige endgültig an sich selbst gescheitert ist. Die religiöse Epoche, beispielsweise, hat ihre Leute an die 6000 Jahre im buchstäblichen Sinne am Leben erhalten, fand aber in der grausigen Zeit, die heute euphemistisch Renaissance genannt wird, ihr Ende in Mitteleuropa – zeitgleich auch in Japan, übrigens, mit dem Shogunat. Il principe von Machiavelli fasst zusammen, was unerhört und bis dato un-erhört war, aber doch schon vorhanden war und nicht etwa aus- oder erdacht.
      Ebenso können wir Heutigen auch nur in dem Maße ex-zentrisch denken und fühlen , als das moderne Glücksversprechen als Erklärung für die Praktikabilität des Lebens immer notleidender wird. Das ist kein persönliches Verdienst und auch keine persönliche Leistung, allenfalls das bisschen Mut auszusprechen, dass der Kaiser nackt ist. Die Erklärung der Epoche, meinetwegen „das System“ (finde ich verkürzend, weil es nie vor unserer Zeit eines gegeben hat) wirkt aber so lange, bis das andere aus der Kontingenz der vielen Möglichkeiten entstanden ist. Auch wenn einige, vielleicht sogar viele, das Gescheiterte bereits sehen und beschreiben können, sind die Erfordernisse des Alten noch gültig, müssen mit allem mentalen Vorbehalt unter Lebensgefahr zumindest minimal bedient werden.
      Nach meinem Dafürhalten leben wir in einer solchen Zeit des Epochenbruchs. Wenn ich nun aber damit anfinge, eine andere Welt zu entwerfen, lande ich sofort im hier und jetzt, im altbekannten Streit über Theorie und Praxis oder, schlimmer, im Entwurf von etwas im Warenregal, das ich „alternativ“ anbiete. Die Jakobiner lassen grüßen, an weiteren Blutströmen bin ich nicht interessiert.
      Das „jenseits“ einer Epoche besteht, in aller Demut und im Bekenntnis dessen, dass man die Altvorderen und deren Welt nie wirklich verstehen, allenfalls respektieren kann, darin, mit den positiven Vorgaben und Voraussetzungen der geltenden Erklärung zur brechen bzw. ihnen andere Inhalte zu verleihen. So wie Freiheit bis zur Renaissance meinte, dass die damit ausgestatteten niemandem alimentationspflichtig waren, so wie Reichtum bis zum Epochenbruch in konkreten und verzehrbaren Gütern bestand, so wie Mann und Frau substantiell verschieden, aber höchst not-wendig keins ohne das andere überleben konnte, so könnten wir unsere moderne abstrakt-universalistische Sicht vom Kopf auf die Füße stellen und Abstraktes und Konkretes so zusammenführen, dass es als menschliche Hervorbringung sichtbar wird – ohne Abmessen, Kausalitätsdenken und Wesenslogik. Auf das, was wirklich geschehen wird, darf eins gespannt sein. Tröstlich ist, dass die Leute zwei Epochenbrüche mit völlig überraschenden Lösungen bewältigt haben … wenn wir jetzt auch diejenigen sind, die sich mit diesen Lösungen herumschlagen müssen, wie ich lächelnd bemerken möchte.

    • „Wie wäre es aber, wenn die Leute mal drauf kämen, dass die Systeme, von ihnen selbst gemacht wurden, obwohl sie diese, dann jeweils als unhintergehbares Drittes wahrnehmen?“

      Wenn es so wäre, kämen die Menschen auch darauf. Gesetze, Regeln, Vorschriften macht aber nicht das Volk, sondern immer nur einige Wenige. Und zwar FÜR das Volk, was bedeutet GEGEN das Volk. Wobei innerhalb des perfiden Systems dafür sorge getragen wird, daß diese gegen das Volk gerichteten Restriktionen weitestgehend nicht für die Urheber gelten.

    • Wurzel des Übels ist doch unser Geldsystem.
      Wäre es möglich der großen Masse beizubringen wie sie „übers Ohr gehauen werden“ und würden sie darüber hinaus verstehen wie z.B. Geld geschöpft wird, dass z.B. Staat sich Geld von Privaten „leiht“ und mit Zinsen an diese zurückbezahlen muss (theoretisch…) nur damit ein Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel für die Gesellschaft (hier Volk) zu Verfügung steht, wäre ein großer Schritt schon getan.
      Allein, sie wollen glauben, was sie in der Schule erlernt, dass nämlich der Kreditnehmer von der Bank Mittel zur Verfügung gestellt bekommt, vom Sparer, der diese im Moment nicht benötigt. Ein „kleiner“ Obulus“ für diese Dienstleistung (Zins und Zinseszins) das verteht sich doch von selbst oder?!…
      Dass heute 1/4tel, wohl eher 1/3tel der Steuereinnahmen des Staates vom Bürge/r/n an die wenigen privelegierten Privaten zum Zwecke der Zinsen fließt ist nur ein kleiner Bruchteil des ganzen Bratens.
      Dass die Zinsen bei der Geldschöpfung aus dem Nichts nicht mitgeschöpft werden macht doch nichts…
      Staat kann sich ja einen neuen Kredit nehmen (einzig zum Zwecke dass die Volkswirtschaft ein Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel hat) und somit steigt stetig der Anteil an fälligen Zinsen…
      eine Exponentialfunktion… wobei wir beim Wachstumszwang angekommen sind…
      Es müssen immer mehr Waren, immer kostengünstiger und immer schneller vom Band laufen…
      ohne Rücksicht auf Verluste…
      ein Kondensat aus geplanter Obsoleszenz, Ausbeutung, Raubbau und Vernichtung an / der Natur entsteht,
      Konzentration von ganz viel Geld an einem Punkt, Verknappung desselben bei der Masse…
      Von Economic Hitmans, Schuldenfalle, Trioka, IWF usw.. noch gar nicht gesprochen,
      – ganze Länder werden unter die Schuldenknute gedrückt und anschließend, ganz „legal“ ausgeraubt…
      Und als letzte Konsequenz: Krieg
      All das müsste nicht sein.
      Wir haben längst schon die Möglichkeiten einer nachhaltigen, umwelt- und Tierfreundlichen, friedlichen Gesellschaft, Kultur, Zivilisation. Es müsste niemand Mangel leiden, es gäbe keinen Hunger und keinen Krieg, einzig der unverschämte Reichtum einiger weniger wäre nicht mehr möglich…
      Und dann, ja dann könnte man sich um die wahrlich wichtigen und drängenden Fragen unserer Zeit zuwenden.
      „Fiat lux!“ (es werde Licht) (im Geist der Vielen…) statt
      „Fiat Geld“ ….
      in diesem Sinne,
      gehabt Euch wohl!

    • @schliemanns
      „Wurzel des Übels ist doch unser Geldsystem.
      Es müsste niemand Mangel leiden, es gäbe keinen Hunger und keinen Krieg, einzig der unverschämte Reichtum einiger weniger wäre nicht mehr möglich…“

      Beide Aussagen sind unstimmig.
      1) Die Wurzel des Übels ist der Mensch
      2) All das ist sehr wohl möglich wenn es einige Megareiche gibt, ja selbst dann, wenn ein Mensch alles Geld und Gold der Welt besitzen würde. Reiche würden auch nicht ärmer, wenn kein Mensch mehr hungern müsste.

    • @schliemanns
      „Wurzel des Übels ist doch unser Geldsystem.
      Es müsste niemand Mangel leiden, es gäbe keinen Hunger und keinen Krieg, einzig der unverschämte Reichtum einiger weniger wäre nicht mehr möglich…“

      Beide Aussagen sind unstimmig.
      1) Die Wurzel des Übels ist der Mensch
      2) All das ist sehr wohl möglich wenn es einige Megareiche gibt, ja selbst dann, wenn ein Mensch alles Geld und Gold der Welt besitzen würde. Reiche würden auch nicht ärmer, wenn kein Mensch mehr hungern müsste.

  7. Ja, die Solidarität .
    In Deutschland verarmen die Menschen und medial arm sind die Zuwanderer/nicht Deutschen ,
    in Schweden spielt ein völkisch-terroristisches Fußballteam von Kurden
    und in Berlin wurden die 3 Busse aus Syrien, Symbol für den IS Terrorismus gegen die syrische Bevölkerung, zentral aufgestellt .

    • Die Busse standen in Dresden. Aber egal. Das Feindbild muss bedient werden.

      Es macht eben einen Unterschied, ob man sich bestimmte Sachen (von Widersachern kommentiert) nur aus der Ferne anschaut, oder ob man, wie Seven, auch Flüchtlinge in seinem Bekanntenkreis hat.

      Die Frage ist nur, wer näher an der Realität ist.

      Che Guevara – Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker.

    • @ schwarz ist weiß
      Gut : work in progress … Berlin will die Busse .

      Wenn sie keine Flüchtlinge unter ihren Bekannten haben, ist das ihre Angelegenheit .

      Sie haben nicht verstanden oder wollen nicht wissen , dass Massenzuwanderung als Migrationswaffe verwendet wird
      und die Zuwanderung mit Asyl im Sinne des Völkerrechts als Schutz für politisch Verfolgte nichts zu tun hat und die Massenzuwanderung in Deutschland über Rechtsbruch stattfindet .
      Es ist der Neue Faschismus, der die Massenzuwanderung will .

    • Jetzt kommt wieder die „Migrationswaffe“!
      Rechtsbruch in Deutschland!
      Na Klasse.
      Was Recht ist, bestimmen doch nicht wir, sondern die Mächtigen.
      Wenn denen das „alte Recht“ nicht mehr passt, dann wird das Recht umgeschrieben.
      Sie berufen sich auf das Recht der Mächtigen.
      Und das soll überzeugen? Ich bin kein Völker- oder Verfassungsrechtler.
      Das können Sie dem um die Ohren hauen oder bei einem AFD‘ ler damit punkten.

      Auch das Völkerrecht wird immer nur dann hoch gehalten, wenn es passt und wenn es dem eigenen Machtinteressen dient!

      Gilt das Völkerrecht nur in der EU? Oder weltweit?

      Für mich geht es da um Menschen.
      Wenn zu Viele zu uns wollen, sollten wir mal schauen „warum“ und was hat das mit uns zu tun?
      Mit unserer Art zu wirtschaften, zu leben, zu rüsten, Handel zu treiben usw.

      PS: „Wenn sie keine Flüchtlinge unter ihren Bekannten haben, ist das ihre Angelegenheit .“
      Wie kommen Sie darauf?

  8. Hallo, Frau Bonath !

    Erst gestern abend haben wir in meinem Freundeskreis, zu dem mittlerweile einige Flüchtlinge zählen, über die von Ihnen dargestellte Palette von Problemen diskutiert.
    Dabei kamen wir oft an eine Grenze des Machbaren.
    Immer wieder kommt es nämlich vor, dass vollständig in unsere Gemeinschaft Integrierte abgeschoben, aus unserer Mitte gerissen werden… und die anderen warten zitternd auf ihre gelben Briefe.
    Da wir Mitmenschen uns hier im Ort aus unterschiedlichster gesellschaftlicher Coleur zusammensetzen, gibt es zwar viel Solidarität, aber kein gemeinsames Klassenbewusstsein.
    Es geht vielen von uns — und da kann ich wohl deutschlandweit sprechen — immer noch zu gut, um sich als die unterdrückte Klasse zu verstehen.
    Auch ich selbst habe mich erst ab dem Zeitpunkt ersthaft mit Gewerkschaftsarbeit auseinandergesetzt, als ich die Stagnation der Reallöhne in meinem eigenen Portemonnaie gesehen habe.
    Es ist ein schizophrener Zustand: Einerseits fürchte ich mich vor Konsequenzen einer Jamaica-Regierung, andererseits sehne ich genau diese Konsequenzen herbei, um noch mehr Menschen dazu zu veranlassen umzudenken.

    Danke für Ihre Texte !
    Das Gefühl, sich im Kreis zu drehen, wird reduziert mit dem Wissen, dass andere sich dieselben Gedanken machen mit denselben Schlussfolgerungen.
    Wahrscheinlich arbeitet die Zeit für uns.

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