Kollegah in Palästina

Von Sean Henschel.

Am 2. Dezember 2016 veröffentlichte der Stern einen Artikel über Felix Blume, besser bekannt als der deutsche Rapper Kollegah. Unter dem Titel „Kollegah erntet heftige Kritik für seine Palästina-Doku“ wurde die persönliche Meinung von Marcus Staiger, ehemaliger Labelbetreiber und Buchautor, dargestellt. Dort heißt es Marcus Staiger würde die Doku gründlich auseinandernehmen. Eine konkrete Stellungnahme in Bezug auf die Dokumentation hat der Stern selbst nicht abgegeben.

Worum geht es überhaupt?

Fangen wir erstmal damit an. Es geht um eine Dokumentation, produziert von StreetCinema UG im Auftrag der Alpha Musik Empire GmbH. Diese wurde am 29. November 2016 auf dem Youtube-Channel BosshaftTV von Kollegah hochgeladen. Dieser 117-minütige Film wurde innerhalb kürzester Zeit über ein 1.000.000 mal aufgerufen. Mit über 65.000 positive Likes kann man von einer nicht unerheblichen Reichweite im Netz sprechen.

In dieser Dokumentation geht es um die Reise von Kollegah in die palästinensischen Autonomiegebiete. Dort besucht er das Flüchtlingslager Al-Amari in der Stadt Ramallah. Mit ca. 30.000 Euro bar kauft Kollegah Computer, Bildschirme, Tische und Stühle und stellt die nötige Infrastruktur her, die für die Neueröffnung einer Schule vor Ort nötig ist. Als Dankeschön wird die Schule „Kollegah Education Center“ genannt. Nebenbei wird ein Besuch des Mausoleums von Jassir Arafat gefilmt, wo Kollegah einen Kranz niederlegt. Im Laufe des Films kommen noch einige Szenen dazu, die sich mit dem Leben direkt an der Mauer befassen. Ein ängstlicher Beduine und Ziegenhirte, der keine hundert Meter von der Mauer wohnt, wird kurz gefilmt. Die israelischen Checkpoints werden auch gezeigt. Die Idee dieser Reise entstand laut den Aussagen von Kollegah mit seinem Freund Malic Bargiel, dessen Vater Rashed in Ramallah wohnt. Der Besuch der Gaza-Stadt war aufgrund der Absperrung nicht möglich.

Was kritisiert denn Marcus Staiger an dem Film?

In einem Artikel für das Online-Magazin „Noisey“ schrieb Marcus Staiger es handele sich weder um eine Dokumentation noch um eine Reportage. Das Video kategorisiert er als „sogenannte Dokumentation“. Marcus Staiger hält das Video für ein verfilmtes Selbstbildnis, wo Kollegah durch das wiederholende Einspielen von dramatischer Musik und zusammengeschnittenen Filmsequenzen, sich selbst in Szene setzt. Vordergründig kam es für Kollegah gar nicht darauf an, den Palästinensern zu helfen oder die Menschen vor Ort zu Wort kommen zu lassen. Staiger spricht von einer Entwicklungshilfe wie im Jahre 1950: „Der weiße Mann packt an und die lila Scheine aus“.

Im Grunde genommen könnte Herr Staiger Recht haben mit dem was er sagt. Es ist seine subjektive Sicht der Dinge. Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung.

Friedrich Wilhelm Nietzsche erkannte in diesem Zusammenhang etwas Wesentliches: Jedes Sehen ist perspektivisches Sehen.

Ob das Video schlussendlich als eine Dokumentation, Reportage oder etwas anderes einzuordnen ist, ist jedoch für das Ereignis an sich nicht wirklich von Relevanz.

Zur Beruhigung könnte man sich darüber einigen, dass es sich lediglich um ein Youtube-Video handelt.

Es stimmt meiner Ansicht nach, dass Kollegah sich in seinem Video „KOLLEGAH IN PALÄSTINA“ als Retter darstellen lässt, als der starke Mann, der nicht redet, sondern handelt. Diese Form der Inszenierung spricht mehr für Entertainment als für eine sachliche gesellschaftspolitische Analyse. Jedoch lassen sich an dieser Stelle einige interessante Punkte hervorheben: Zum einen könnte es möglicherweise naiv und der Sache nicht gerecht werden, wenn man davon ausgeht, dass Herr Blume sich keine vorherigen Gedanken gemacht hätte bezüglich der Wirkung seines Videos. Es sollte jedem Rezipienten des Beitrags bekannt sein, dass Herr Blume als Person des öffentlichen Lebens sein Handwerk als Entertainer beherrscht und das Wesen der Markensoziologie verinnerlicht hat. Ich hoffe keiner der Boss-Fans glaubt ernsthaft, Felix Blume würde privat jeden Tag eine Zigarre rauchen und ständig Selfies von seinem Bizeps machen. In diesem Geschäft wird einem nichts geschenkt.

Warum diese Selbstdarstellung mit dramatischer Rapmusik? Die Antwort ist ganz einfach.

Mit so einem Video kann man bessere Klickzahlen generieren. Gefühle anzusprechen ist immer effektiver als sachliche Kommentare zu geben. Reichweite spielt in den sozialen Netzwerken eine entscheidende Rolle. Unmittelbar nach der Veröffentlichung lässt sich die Reichweite anhand von Klickzahlen, Kommentaren und Teilungen analysieren.

Zum anderen weiß Herr Blume ganz genau, dass sein Image als der Boss/ Kollegah eine schauspielerische Leistung erfordert. Schließlich sind seine Zuschauer auch Kunden seiner Musik. Sie kaufen die Tracks, gehen auf die Konzerte und besuchen seinen Youtube-Channel. Das Video sollte junge Menschen erreichen. Eine Zielgruppe von 15-bis 25-jährigen. Heranwachsende Teenager, denen das Wort „öffentlich-rechtlich“ fremd ist und die sich innerhalb eines Konglomerats von verschiedenen sozialen Netzwerken und Handyapps bestens auskennen. Der Einfluss von einem Kollegah, der den starken und coolen Typen repräsentiert, ist groß.

Nur warum ist das so? Liegt es an Kollegah selbst oder haben wir es mit einer orientierungslosen Generation zu tun, die auf der Suche nach Anerkennung und Halt ist und auf diejenigen Menschen heraufschaut, die ihnen einen potenziellen Zukunftsweg zeigen und langfristig als Mentoren agieren?

Ich denke letzteres trifft zu. Die Suche nach einem Vorbild in Kombination mit der Suche nach eigener Identität innerhalb einer fortschreitend konformistischen Gesellschaft. Diese Beobachtungen können einen doch nicht wirklich verwundern. Wir leben zwar in einer Welt, wo die Informationsdichte und Informationsgeschwindigkeit so hoch ist wie noch nie zuvor. Paradoxerweise ist jedoch eine Dekontextualisierung von Geschehnissen hervorgetreten, die es schlichtweg unmöglich macht sich ein Gesamtbild der heutigen Lage zu verschaffen und langfristig eine eigene Meinung zu bilden. Man wird ständig mit neuen, zusammhanglosen News konfrontiert. Das was heute wichtig und In ist, wird schon morgen in die Schublade anachronistischer Ereignisse verschoben. Heute kann ein Diktator gestürzt werden, morgen ein Fussballspiel stattfinden und übermorgen ein Bail-out als Rettung eines Landes und seiner Bewohner vermarktet werden. Was auf die Titelseite kommt ist wichtig. Alles andere sekundär. Was gar nicht vorkommt, gibt es einfach nicht. Ob ein Auslandseinsatz der Bundeswehr oder die Heirat von zwei deutschen Prominenten als wichtig zu gelten hat, entscheidet nicht der User sondern der Herausgeber von Information. Arno Gruen hatte mit seiner Analyse Recht: Durch die Banalisierung von Ereignissen, kann man sie ebenfalls von den Gefühlen trennen, die möglicherweise entstehen könnten. Dies führt dazu, dass das Töten von tausenden unschuldigen Menschen via General Atomics MQ-1 Predator Drohne offenbar für weniger Empörung sorgt als ein dummer Spruch eines zukünftigen amerikanischen Präsidenten.

Die Folge einer solchen hervorgerufenen Hilflosigkeit, stellt jedes Individuum eines Tages vor eine wichtige Lebensentscheidung. Die Entscheidung sich einer Macht zu unterwerfen, um an ihr zu partizipieren. Sein inneres Leben aufzugeben und die eigene Verantwortung schlussendlich von sich zu weisen. Ob diese Unterwerfung in der Schule, am Arbeitsplatz oder innerhalb eines Staatsapparates stattfindet spielt grundsätzlich keine entscheidende Rolle. Der Selbsthass der durch diese einmal getroffene Entscheidung hervorgerufen wird, ist und bleibt unerträglich. Diese Unerträglichkeit muss einem nicht zwangsläufig bewusst sein. Wie man immer wieder feststellen kann, gehört die Verdrängung zum Wesen des Menschen. Selbst wenn Vieles ins Unterbewusstsein verschwindet, bleibt dieser Hass auf das eigene Selbst dennoch sehr einflussreich.

Die andere Möglichkeit wäre es, zu sich selbst zu finden, heißt Verantwortung für sich zu übernehmen.

An diesem Punkt sind wir erneut bei der Kritik von Herrn Staiger. Es scheint so, als würde Herr Staiger bemängeln, dass die Frage nicht aufgeworfen wurde, warum denn diese Schule nicht von den Hilfszahlungen der EU an die palästinensische Autonomiebehörde profitiert hat. Wenn man darüber nachdenkt ist dies eine durchaus legitime Frage. Um diese Frage sachgerecht zu beantworten, müsste man zwar gerichtsfeste Informationen bezüglich des Geldflusses zwischen der EU und der palästinensischen Autonomiebehörde haben.

Warum die Schule offensichtlich nicht davon profitiert hat, kann sehr viele Gründe haben. Wie viel Geld ist denn überhaupt im Westjordanland angekommen? Wo wurde es denn noch ausgegeben? Wer trägt die Verantwortung?

Aber eines könnte man auch fragen: wäre diese (die im Video nicht gestellte Frage) denn überhaupt nützlich gewesen, wenn man das Ziel hätte mit dem Video, viele Fans zu erreichen?

Diese Frage hätte vielleicht eine sachliche Diskussion ausgelöst, aber wie Gustave LeBon richtigerweise feststellte, gewinnt man die Masse nicht mit sachlichen und vernünftigen Worten, sondern mit Emotionen und Vereinfachung.

Der entscheidende Unterschied zwischen Herrn Staiger und Herrn Blume scheint der folgende zu sein: Beide haben scheinbar eine grundlegend verschiedene Auffassung von Demokratie. Staiger spricht von Institutionen, Blume von Anpacken. Blume als ein „Mann des Volkes“ packt an, weil die staatlichen Institutionen versagt haben. Dies soll laut Staiger die Stoßrichtung der „sogenannten Dokumentation“ gewesen sein. Eine Interpretation des Videos, die vertretbar erscheint.

Mit nüchternem Blick betrachtet, muss man Herrn Blume jedoch recht geben: Die staatlichen Institutionen haben versagt! Dies kann man immer wieder feststellen. Ob in Griechenland, wo die Gesundheitsversorgung teilweise zusammengebrochen ist oder im Nahen Osten, wo mittlerweile fast jeder Staat von nicht UN-mandatierten Kriegen überseht und destabilisiert wurde. Der Begriff „Anpacken“ ist schlichtweg ein synonym für „aktiv werden“. Es ist ein Appel Aktivist zu werden. Es heißt doch so schön: „Alles gelesen, alles durchdacht aber nichts gemacht“.

Kollegah wollte etwas Neues anbahnen. Am Ende des Videos präzisiert und erläutert Blume seine Motive. Es ging um Kontakte knüpfen, ein Netzwerk aufbauen und darum zu zeigen was der einzelne Bürger mit seinen zur Verfügung stehenden Mittel bewegen kann. Man muss nicht besondere Kompetenzen aufweisen, man muss kein Fachmann sein. Es reicht einfach sein Herz am rechten Fleck und den Mut zu haben, selbständig Pläne zu konkretisieren, um etwas Positives in Gang zu setzen. Selbst Obelix verstand, dass der Hinkelstein mit Worten nicht bewegt werden konnte.

Diese Auffassung von Demokratie, wo jeder Bürger aufgerufen wird Aktivist zu werden, unterscheidet sich maßgeblich von einer Auffassung von Demokratie, wo ein Bürger jede 4 Jahre einen Wahlzettel ausfüllt und darauf hofft das Dritte seine Probleme regeln und die für das eigenen Leben wichtigen Entscheidungen treffen. Der Begriff Demokratie lässt sich immer sehr weit auslegen.

Der Begriff „Anpacken“ heißt selbst Verantwortung übernehmen, sich selbst organisieren und keiner Fremdbestimmung unterliegen. Wer sich für die extreme Umsetzung der Idee des „Selbst Anpackens“ interessiert, ist herzlich eingeladen sich mit ehemaligen anarchosyndikalistischen Bewegungen wie in Spanien vertraut zu machen.

Kollegah hat sehr wohl verstanden, dass er als Prominenter eine besondere Verantwortung trägt. Das Video soll eine „positive Kettenreaktion in Gang setzen.“ Dieser Appell richtet sich nicht nur an den User sondern auch an andere Prominente in Deutschland. Blume redet von „falscher Bescheidenheit“. Es ist eine Frage der Abwägung wie viel Karriereschaden man sich erlauben kann oder willens ist einzugehen. Egal was man behaupten mag, eine Reise nach Palästina stellt bedauerlicherweise in Deutschland immer einen Karriereschaden dar.

Und ja!, Herr Staiger hat Recht, wenn er sagt, dass Herr Blume von Anfang an Partei ergreift. In diesem Fall für das palästinensische Volk. Andere würden Einseitigkeit unterstellen.

Aber worum geht es wirklich? Was ist die Grundbotschaft? Geht es nicht vordergründig darum, Unrecht zu benennen und sich gegen Unterdrückung zu wehren, egal wo auf dieser Welt? Kollegah ergreift nicht nur Partei für ein Volk. Kollegah ergreift Partei für die Freiheit und Gleichberechtigung aller Völker und Individuen. Herr Blume ist nicht nur Rapper, sondern studierte parallel auch Rechtswissenschaften. Kollegah muss sich nicht politisch äußern.  Sein Handeln ist Politik.

Wer von sich selbst behauptet ein demokratischer Rechtsstaat zu sein, kann nicht gleichzeitig andere bevölkerte Gebiete nach Gutdünken mit militärischer Überlegenheit besetzen, die Menschenrechte mit Füßen treten und das Völkerrecht als nicht-existent behandeln. Nach einem deutschen Rechtsverständnis gilt das Folterverbot absolut! Das Völkerrecht ist zu beachten und kennt keine Ausnahmen. Die Souveränität anderer Staaten für die Durchsetzung geopolitischer Interessen zu missachten und ständig an einer verdeckten Kriegsführung teilzunehmen, ist verboten. Dies gilt für jede Regierung und für jedes Land auf diesem Planeten. Wer dies als Jurist nicht zu erwähnen vermag, könnte in Erwägung ziehen, sich für eine Nebenrolle bei einer Verfilmung von Kafka’s Prozess als Winkeladvokat zu bewerben.

Es geht um Solidarität, Verantwortung und Aktivismus. Das ist die Grundbotschaft dieses Videos. Sei es durch Selbstdarstellung, sei es eine Win-Win Situation oder emotionalisierte Rapmusik. Verbessertes Image bei den eigenen Fans im Gegenzug für eine für den Anfang zumindest rudimentär funktionsfähige Schule in Al-Amari. Na und? Wir leben doch im Kapitalismus, dort wo die maximale Ausschöpfung der eigenen Möglichkeiten stets gefordert wird.

Es geht darum, dass Prominente sich ihrer Verantwortung bewusst werden. In jeder Branche gibt es Mutige. Nebenbei lässt sich der Bundesrichter Thomas Fischer erwähnen, der immer wieder in seiner Kolumne bei ZEIT-Online kein Problem damit hat, auf Missstände in dieser Gesellschaft aufmerksam zu machen.

Schade, dass Abie Nathan verstorben ist. Es wäre interessant zu hören, was er zu der heutigen Situation gesagt hätte.

„Revolution ist nicht eine Sache von Tagen, wo geschossen wird und Auseinandersetzungen stattfinden. Revolution ist ein langer, lang andauernder Marsch und Prozeß, um die Schaffung von neuen Menschen, die fähig sind, nicht eine Clique durch eine andere zu ersetzen nach der Revolution, sondern massenhaft Demokratisierung von unten, bewußte Produzentendemokratie entgegenzusetzen bürokratischer Herrschaft von oben. An diesem Kampf habt ihr eure Bedürfnisse zu entfalten und in diesem Kampf ist jeder beteiligt, wo er sich auch immer in dieser Welt befinden mag.“ – Rudi Dutschke

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

11 Kommentare zu: “Kollegah in Palästina

  1. Jeder der sich eine Meinung zu Kollegah’s Unterfangen in Palästina bilden möchte, sollte sich eben selbst diese Dokumentation ansehen und sich mit ihr auseinandersetzen. Spätestens wenn ein Artikel Marcus Staiger als sinnvollen und fähigen Analytiker einsetzt, sollte man wohl die gesamte Homepage auf seine persönliche Blacklist packen. Moralische Erkenntnisse in Bezug auf Selbstdarstellung, Entwicklungshilfe und Bestandteile des Nahostkonfliktes, gewinnt man unter anderen über anerkannte Philosophen, Wissenschaftler oder durch die eigene Auseinandersetzung mit den Themen. Seine eigene Meinung zu solchen Themen sollte man nicht durch einen Marcus Staiger gewinnen. Denn das was Staiger noch am meisten Berechtigung und Zuspruch dahingehend erteilen könnte, ist seine Arbeit als Journalist. Schaut man sich seine Artikel an, wird man relativ schnell feststellen können, dass Staiger nichts anderes macht als seine eigene Meinung oder die Meinung seiner Freunde und Bekannte auszuformulieren. Eingängige Wissenschaftliche Recherche wird man nicht finden, selbst wenn man sie sucht. Seine Artikel machen den Eindruck auf mich, als verwechsle er journalistische Arbeit mit dem Schreiben eines Tagebuches.
    Ich will hier Marcus Staiger nicht zu unrecht beschuldigen. Ich will ihn auch nicht durch eine manipulative Wortwahl in eine unberechtigte Kritik stoßen. Und das tue ich auch nicht. Es ist wie es ist.. und so ist es eben. Das nennt man wohl „Realität“. Und in dieser Realität trägt es sich so zu, dass ein Buch existiert. Ein Buch verfasst von Marcus Staiger. Ein Buch, welches sich dem Gonzo-Journalismus ausgezeichnet anschmiegt. Ein Buch das den Namen trägt „Die Hoffnung ist ein Hundesohn“. Darin spiegelt sich so großartig die Tendenz der Stimmung in seinen Aussagen und Artikeln wieder – Pessimismus in subjektiven Meinungen.

    „..in dem Geräusch, das im Niesen erpolterte, verbarg er ein Wort, welches ich nicht ganz verstehen konnte. Es klang wie Opaganda..“

    Woher das Zitat ist? Ich mach es wie Staiger – ich bin Zitat Unabhängig (Zitat: „Unabhängig“), als wär ich der freiste Mensch.
    Der musste jetzt einfach noch sein.. Sorry.

    Haut rein Leute und falls es irgendjemand gelesen hat, bedanke ich mich für Deine Aufmerksamkeit.

  2. „Nur warum ist das so? Liegt es an Kollegah selbst oder haben wir es mit einer orientierungslosen Generation zu tun, die auf der Suche nach Anerkennung und Halt ist und auf diejenigen Menschen heraufschaut, die ihnen einen potenziellen Zukunftsweg zeigen und langfristig als Mentoren agieren? “

    An dieser Stelle bin ich erst mal hängen geblieben und musste lange darüber nachdenken. Ich finde diese These trifft voll und ganz ins Schwarze. Das kann ich so als Teil dieser Generation nur bestätigen. Deswegen wohl auch das wachsende Interesse für meiner Meinung nach charismatische Leute wie Rainer Rothfuß, Daniele Ganser oder Ken selbst.

  3. „Der Einfluss von einem Kollegah, der den starken und coolen Typen repräsentiert, ist groß.

    Nur warum ist das so? Liegt es an Kollegah selbst oder haben wir es mit einer orientierungslosen Generation zu tun, die auf der Suche nach Anerkennung und Halt ist und auf diejenigen Menschen heraufschaut, die ihnen einen potenziellen Zukunftsweg zeigen und langfristig als Mentoren agieren? “

    Jeder der vom System lebt, d.h. von ihm profitiert – und das geschieht immer zu Lasten der Allgemeinheit – wird sich nie wirklich gegen das System stelllten.
    Und wenn er dann doch das System kritisiert (z.B. in Liedern und Texten), dann ist das scheinheilig, unehrlich und amoralisch.
    Das System gibt Erfolg als einzige Messlatte vor.
    Jeder, der Erfolg hat bzw. erfolgreich ist, schafft das nur, wenn er sich dem System anpasst und nach dessen Regeln, also zu seinem persönlichen Vorteil, agiert.
    Er gestaltet seine Handlungen darum so, dass sie immer auf seinen Vorteil ausgerichtet sind.
    Jemand, der es schafft sich beständig persönliche Vorteile zu erwerben, ist auf Dauer erfolgreich und sein Weg (seine Handlungen) wird von den vielen anderen, die ebenfalls erfolgreich sein wollen, interessiert beobachtet und nachgeahmt.
    Das System ist verlockend, da es für die Erfolgreichen (Gewinner) viel Lust verspricht.
    Die Kehrseite/Schattenseite des Systems wird bei der erfolgsorientierten Betrachtung völlig ausgeblendet.
    Nämlich dass es für weinge Gewinner zwangsläufig viele Verlierer geben muss und das je höher der Gewinn auf der einen Seite ist, desto höher auch der Verlust auf der anderen Seite.
    Das System interessiert sich nicht für die Verlierer.
    Die Verlierer werden vom System bzw. den Erfolgreichen für ihren Verlust auch immer selbst verantwortlich gemacht.
    Dabei verstärkt sich das System ständig selbst (siehe USA).
    Je größer der Leidensdruck auf der Verliererseite, desto größer die Anstrengung zu den Gewinnern zu gehören, mit allen legalen und illegalen Mitteln (ja auch illegale und vor allem Mittel, denn die Verlierer sind dann bereit auch dieses Risiko auf sich zu nehmen, wenn der Leidensdruck und die Verlockung, vor diesem auf die Sonnenseite zu entfliehen, nur groß genug ist).
    Der Reichtum wächst ins Unermessliche und ebenso das – durch die dazu diametral entstehende Armut – erzeugte Leid.
    Es ist dem System ebenso immanent, dass es – je länger es existiert – immer schwieriger wird, auf die Gewinnerseite zu kommen.
    Der Leidensdruck wächst weiter und die Anstrengungen werden ebenso immer weiter erhöht.
    Damit wächst auch der soziale Druck.
    Die Agressivität in der Bevölkerung steigt.
    Die Rücksichtslosigkeit in der Bevölkerung steigt.
    Die Achtlosigkeit gegenüber anderen Menschen und der Umwelt steigt.
    Die Feindseligkeit in der Bevölkerung steigt.
    Es werden mehr und mehr Schuldige gesucht, die für das Elend der Armen verantwortlich gemacht werden können.
    Dafür dürfen dann gerne leicht ausgrenzbare Randgruppen oder Minderheiten herhalten.
    Aber das System an sich, darf auf keinen Fall in Frage gestellt werden.
    Denn jeder will sich ja den irrationlen Wunsch, das große Los zu ziehen und die anderen auf der Schattenseite hinter sich lassen zu können, erhalten.
    Das ist die perverse Logik des Systems, die es am Leben erhält und die Menschen zu Feinden macht.
    Denn bei Geld hört die Freundschaft auf und wenn Menschen keine Feunde mehr sind, werden sie ganz schnell zu erbitterten Feinden.
    Ganz im Sinne dessen, der die Menschheit schon immer gehasst hat.
    Leider wollen die meisten Menschen nicht erkennen, dass Geld und sein einziger Zweck, der Reichtum, ins Verderben führen.
    Die Verlockung ist einfach zu groß.
    Das macht mich sehr traurig.

  4. Was die Regierung macht, wird von Banken und Großkonzernen bestimmt, und nicht vom Volk.
    Die Diktatur des Proletariats, kehrt dies um und bedeutet das, was wir eigentlich unter Demokratie verstehen. Ich glaube auch nicht, dass Du eine Diktatur der Wenigen willst.

    Die DDR und Kuba sind für mich auch nur eine Diktatur der Wenigen, also kein Sozialismus.
    Oder warum meinst Du sind diese Diktaturen nicht längst wegradiert worden?

    Es geht darum, zu verstehen, was richtig gelaufen ist und was falsch gelaufen ist, eine breite Diskussion darüber, kann daher nur förderlich sein.

  5. Was viele nicht verstehen, wenn sie Kollegah kritisieren ist, dass er Menschen anspricht, die sonst kaum jemand erreicht. Einige Leute, die sich nie mit politischen Inhalten beschäftigen werden, werden zum ersten Mal in ihrem Leben echte Bilder und Gespräche über den Palästina-Israel-Konflikt sehen. Berufsschüler sind auch Menschen dieser Gesellschaft, auch wenn die intellektuelle, studentische Linke sie als rechtsextreme, sexistische, tiermordende Untermenschen ansieht, sind sie Bestandteil der Gesellschaft und brauchen dieses Bewusstsein, in was für einer Welt sie leben.

    Und es ist schön, dass er das gemacht hat – er ist und bleibt kapitalistischer Geschäftsmann, aber er hat über jeden PR-Verdacht hinaus trotzdem was nach hier geholt, wo halt die staatstragenden Medien versagt haben, weil ihr Blickwinkel und ihr Duktus und Habitus nicht dazu reicht, auch die Arbeiterklasse zu erreichen, unter denen aber viele Kollegah kennen, auch wenn er nicht gerade als emanzipatorischer Klassenkämpfer dargestellt werden kann.

    Gerade die Bildungsinstanzen haben ja in diesem Bereich aus Feigheit und fehlender Authentizität versagt. Deswegen ist es schön, dass solche Leute wie Jebsen und Kollegah und andere auf einmal diese Ungerechtigkeit ansprechen und sie einer anderen Zielgruppe ans Ohr tragen. Prima!
    Ich finde es sowieso wichtig, dass das linke Wachsfigurenkabinett in Deutschland, dieses bürgerliche und szenige Klüngelwirtschaft endlich vom Thron gestoßen wird und Platz zum atmen ist, für neue Bewegungen. Und es ist eben der erste Schritt anderer Sichtweisen und anderer Menschen aus anderen Klassen als der intellektuellen Aristokratie Deutschlands sich erstmal in eigenen Medien Gehör zu verschaffen und Menschen anzuziehen. Schön, dass es solche Selbstläufer gibt und nicht mehr alle auf Vorreiterfiguren warten. Klasse!

    Eigeninitiative ist ja gerade was wichtiges – bei den marxistischen Bürokratiegläubigen gab es sowas selten. Tonernene Kolosse mit Karteileichen waren deren Bewegungen und Organisationen immer – das darf nie wieder groß werden so ein Leichengeist. Lieber mal so eine Doku wie die hier, die halt Ecken und Kanten hat, als dieses politisch korrekte, durchgestylte Gehabe der Herrschenden oder dieser bürgerlichen Linken.

  6. Ich würde mich freuen, wenn die radikalen Linken, also die praktizierenden Kommunisten Israels (z.B. CPI) hier eine Stimme bekommen würden.

    Ohne klassenbewußte Perspektive besteht immer wieder die Gefahr, dass das Volk mit der reaktionären Regierung (egal welchen Landes) verwechselt wird.

    Kriegerische Auseinandersetzungen rücken stets das Volk in die Nähe der Regierung und dies bewirkt einen trügerischen Schein der Einheit nach außen hin.

    Dies ist von den Eliten gewünscht.

    Die klassenbewußtlose Linke nimmt diesen Schein allzugerne als Wahrheit, um die Situation als aussichtlos darzustellen und sich, nach Manier des Stockholm Syndroms, der Politik des Stärkeren zu ergeben und sie zusätzlich zu legitimieren, um sich wohler zu fühlen.

    Hier ist Öffentlichkeit gefragt, um den leisen, aber entscheidenden Differenzen der Opposition eine laute Stimme zu geben.

    • „Ohne klassenbewußte Perspektive besteht immer wieder die Gefahr, dass das Volk mit der reaktionären Regierung (egal welchen Landes) verwechselt wird.“

      Das gilt für jeden Staat – auch die „Diktatur des Proletariats“ ist nichts anderes, als eine Diktatur über das Proletariat.

      Der entscheidende Punkt ist ja, dass Klassenbewusstsein dort eben nicht existiert, wo sich eine neue Aristokratie durch eine Partei o.ä. metastasiert hat. Also ich persönlich ziehe die AATW z.B. den Linken und Partei-„Kommunisten“ aufgrund der historischen Lehren vor.
      Gerade in Israel haben sich jene Vorkommnisse in abgeschwächter Form wiederholt, wie sie in der Sowjetunion schon einmal stattgefunden haben. Die alten Kämpfer unter Nestor Machno bspw, von denen viele Juden waren, weil Machno keinen Antisemitismus in seinen Reihen duldete, waren Pioniere der frühen Kibbuz Bewegung. Diese wurde dann im Verlauf von den staatsgläubigen Kräften unterdrückt.

      Ich habe mal eine Veranstaltung der Anarchists against the wall besucht und die Leute waren gut drauf. Sie kommen öfters mal nach Europa und es wäre interessant, sie hier interviewt zu sehen. Leider sind sie meiner Meinung nach keine waschechten Anarchisten, sondern eher linke ohne Hierarchie, denn ihre gesellschaftlichen Konzepte greifen meines Wissens nach nicht weiter, als „Politik“ gegen die Mauer zu machen. Trotzdem finde ich diesen Schritt gut, keine Frage.

      Aber bitte keine Steinzeitkommunisten mehr – die haben wir hier genug, von wegen Arbeitermacht, MLPD, Linke usw. Kotz – das ist kein Klassenbewusstsein und auch keine Praxis, sondern nur Bürokratie und Dogma, wie in der Kirche eben. Zombies halt. Wenn man sich von denen ein schönes Bild machen will, kann man mal auf die „Linke Literaturmesse Nürnberg“ gehen – es ist Realsatire, DKP-Untote usw. rennen da herum – ganz schlimm und unsympathisch. Man glaubt sich in eine intellektuelle Version von „Das Leben des Brian“ versetzt…

    • (Sorry, die Message ist im falschen Kasten gelandet.)

      Was die Regierung macht, wird von Banken und Großkonzernen bestimmt, und nicht vom Volk.
      Die Diktatur des Proletariats, kehrt dies um und bedeutet das, was wir eigentlich unter Demokratie verstehen. Ich glaube auch nicht, dass Du eine Diktatur der Wenigen willst.

      Die DDR und Kuba sind für mich auch nur eine Diktatur der Wenigen, also kein Sozialismus.
      Oder warum meinst Du sind diese Diktaturen nicht längst wegradiert worden?

      Es geht darum, zu verstehen, was richtig gelaufen ist und was falsch gelaufen ist, eine breite Diskussion darüber, kann daher nur förderlich sein.

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