Krieg oder Bürgerkrieg – das ist hier die Frage

Ein Beitrag von Willy Wimmer.

Die Klage des ehemaligen amerikanischen Kriegsministers, Herrn William Cohen, ständiger Gast der von der Bundesregierung jährlich in München mit Steuermitteln finanzierten „Münchener Kriegskonferenz“, in der Nachrichtensendung der BBC am 14. August 2019 um 20 Uhr, deutscher Zeit, konnte nicht nachdrücklicher ausfallen. Frontal griff er auf die begierig gestellte Frage der britischen Nachrichtensprecherin den amerikanischen Präsidenten, Herrn Donald Trump, wegen dessen „schlapper Vorgehensweise“ in Sachen „Hongkonger Sommer-Revolution“ an. Hatte doch an diesem Tag der US-Präsident Trump, um handelskriegerische Auseinandersetzungen mit dem Reich der Mitte nicht verlegen, die revolutionär wirkende Auseinandersetzung auf den Straßen Hongkongs zur „inneren Angelegenheit Chinas“ erklärt. Das war in den Augen des demokratischen Spitzenpolitikers William Cohen, um keine Talkshow verlegen, geradezu ein Sakrileg. Diese Einstellung hatte nichts, aber auch gar nichts mit den für ihre Rechte tatsächlich oder angeblich sich einsetzenden Bürgerinnen und Bürgern in Hongkong zu tun. Herrn Cohen ging es einzig und allein darum, das globale Einmischungsmodell der USA seit mehr als einem Jahrhundert durch US-Präsident Trump aufgegeben zu sehen. Die USA seien nun einmal das natürliche Sprachrohr für Ereignisse wie die in Hongkong – und wohl bald in Moskau. Nur die USA seien berufen, „Führer der freien Welt“ zu sein und das verlange nach Einmischung in die inneren Angelegenheit eines anderen Staates, wenn die USA dies dafür benötigten, ihre globale Führungsrolle aufrecht zu erhalten. Das scheint allerdings in Hongkong selbst anders gesehen zu werden. Das macht das Hissen britischer Kolonialfahnen im Hongkonger Parlamentsgebäude deutlich.

Die abwiegelnde Haltung von US-Präsident Trump kommt seit langem den Vertretern der Global-Kombinate und damit der Kriegskoalition in Washington aus Demokraten und Republikanern in die Quere. Sind die USA unter Präsident Donald Trump etwa auf dem Weg, sich wie ein Staat unter anderen Staaten zu bewegen und damit auf die global ausgreifende Politik seit dem Bürgerkrieg gegen die amerikanischen Südstaaten zu verzichten? Kaum ein globales Problem ist von einer solchen Dimension wie diese inner-amerikanische Auseinandersetzung. Dabei muß man an alles denken, wie die Erinnerung an die amerikanischen Generale McArthur und Patton uns heute noch zeigt. Bei den ganzen und unverantwortlichen Kriegsspielen jeden Tag entlang der russischen Grenze wird das unter Beweis gestellt. Da hat nicht Washington und ein amerikanischer Präsident das Heft des Handelns in der Hand sondern eine Kombination aus amerikanischen Militärbefehlshabern und mächtigen Gruppen innerhalb der Vereinigten Staaten.

Wie tief der Riß in den Vereinigten Staaten selbst ist, kann die Welt täglich bestaunen. Selbst die erklärten Gegner der Vereinigten Staaten werden durch die „Kampfhähne“ in Washington nicht so beharkt, wie das in den Vereinigten Staaten usus geworden ist. Da kommt es nicht darauf an, zu den Vereinigten Staaten ausgewogene und freundschaftliche Beziehungen von Staat zu Staat zu unterhalten sondern darauf, zu wem man in den USA als ausländische Regierung hält. Für Deutschland ist durch die leider noch im Amt befindliche Bundeskanzlerin, Frau Dr. Merkel, die Frage durch ihre Anführer-Rolle in der aus Clinton, Soros und Obama bestehenden Anti-Trump-Fronde längst entschieden. Man steht in Berlin auf der Seite der amerikanischen Kriegstreiber.

Wenige Tage vor dem Treffen in Warschau anläßlich der Erinnerung an den 1. September 1939 und den Krieg Deutschlands gegen Polen kann einem Betrachter dabei nur schlecht werden. Was sind das für Signale, die von diesem Treffen ausgehen? Warum trifft man sich nur in Warschau und nicht vor wenigen Wochen in Versailles? Warschau gibt doch nur den Nachweis, dass man auf seinem auch in Versailles geplanten Siegeszug auf dem euro-asiatischen Kontinent demnächst sich an ganz andere Gegner heranmachen wird, als dies das Deutsche Reich oder zuvor das kaiserliche Deutschland und Österreich-Ungarn gewesen sind. In dem Buch: “Und immer wieder Versailles“ ist auf die logische Konsequenz von Versailles im Juni 1919 für die europäische Entwicklung bis heute und für die Zukunft hingewiesen worden, was 1914 und vor allem Versailles sowie die angelsächsisch bestimmte Invasion Russlands nach der Oktoberrevolution in Russland mehr als deutlich machen.

Wo sind und bleiben die Konsequenzen aus dem mörderischen Jahrhundert auf dem euro-asiatischen Kontinent und global seit dem von französischen und britischen Kreisen gegen die europäischen Mittelmächte mit dem Ersten Weltkrieg angezettelten Schlachten? Warum greift man nicht mehr das Bild von Michael Gorbatschow von einem „gemeinsamen Haus Europa“ als Zukunftsmodell auf? Warum trifft man sich in Warschau, wenn die sicherheitspolitischen Direktiven für den amerikanischen Präsidenten ihm die Befugnis zum Krieg nach dem Verständnis von Krieg, wie es 1939 gegeben gewesen ist, in die Hände gibt? Warum ist das Verständnis von der Ächtung des Krieges als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges von den USA seit dem Krieg gegen Jugoslawien 1999 derart in „die Tonne“ getreten worden, wie es die heute Lebenden erleben mussten? Es war doch Präsident Clinton, der 1999 den Krieg nach Europa zurückgebracht hatte, als die NATO-Bomben auf das hell erleuchtete Belgrad fielen.

Warum ist der russische Präsident Putin als Vertreter des russischen Volkes nicht zu diesem Tag eingeladen? Es fehlen einem die Worte, wenn man sich die Dimension dieser bodenlosen Frechheit vor Augen hält. Aber das betrifft nicht nur das Treffen in Warschau, wie wir in Deutschland in diesen Tagen zunehmend hören können, da es für die Staatsspitze in Berlin geradezu zwangsläufig ist, sich zu den Ereignissen in Deutschland vor dreißig Jahren äußern zu müssen. Und diese Äußerungen hängen direkt mit der feindseligen Haltung gegenüber Russland zusammen, wie dies beim Warschauer Treffen am 1. September 2019 deutlich wird. Der Herr Bundespräsident lässt sich in diesen Tagen dazu vernehmen, wie die Ereignisse seit dem Herbst 1989 in ganz Deutschland zu bewerten seien. Wo bleibt da das Wort der grenzenlosen Dankbarkeit einem Michael Gorbatschow gegenüber? Dankbarkeit dem heutigen Russland und dem Deutschen Dr. Helmut Kohl gegenüber? Den beiden Staatsmännern gegenüber, die im Sommer 1989 bei Gorbatschows Besuch in Bonn die deutsche Einheit auf den Weg gebracht hatten?

Die von Helmut Kohl so oft beschworene „Dankbarkeit der Herzen“ fehlt der deutschen Staatsführung heute in einem solchen Maße, dass das von Warschau ausgehende Signal gegenüber Russland aus Deutschland verstärkt wird, das am meisten von einer sowjetisch-russischen Entscheidung profitiert hatte, wie in dem Buch: “Die Akte Moskau“ deutlich wird.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildhinweis: Chris E. Heisey/ Shutterstock

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21 Kommentare zu: “Krieg oder Bürgerkrieg – das ist hier die Frage

  1. Da das nicht das erste Mal ist, dass der Erste Weltkrieg samt Entstehungsgeschichte mit der Art Sachlichkeit dargestellt wird, den sachlich durchaus richtigen und belegten Anteil der Briten (und Franzosen usw.) sehr zu betonen und den sachlich durchaus richtigen und belegten Anteil der Deutschen (und Österreich-Ungarn) NICHT zu erwähnen
    (und dass anhand von Versailles versucht wird, die Deutschen als Opfer darzustellen, und zwar bis hin zum Zweiten Weltkrieg(!) , Zitat Willi Wimmer in einem früheren Artikel „ohne Versailles kein Hitler“ … )
    daher entsteht die Frage nach der Motivation für diese Art zu versuchen Geschichte so einseitig darzustellen.
    Beim Artikelautor Willi Wimmer könnte man anhand seiner Artikel und anhand seiner politischen Herkunft aus der CDU eine konservative Einstellung, die an national-konservativ heranreicht, vermuten.
    Wenn es dann auch offen unter der Flagge national-konservativ laufen würde …
    Bei Kommentatoren hat man nichtmal Anhaltspunkte und ist immer wieder erstaunt, aber die Art&Weise den Anteil der Deutschen systematisch auszublenden ist bemerkenswert.

  2. Dass hier in Kommentaren in unsachlicher Weise das Handeln der „konservativen“ Regierung Kohl von 1990 kritisiert wird, und ein Vorwurf im Raum steht, weshalb man denn nicht damals schon aus der NATO ausgetreten wäre … mir scheint dieser Einwurf wenig durchdacht.
    Es ist für mich immer wieder interessant, festzustellen, dass gerade Leute aus der Friedensbewegung oder aus dem Umkreis von SPD und Linken sehr unwirsch und ablenkend reagieren, wenn Fragen zur Entstehungsgeschichte zum Ersten Weltkrieg aufkommen. Sind das nur festgefahrene Reaktionen auf etwas, was sie als Angriff auf ihr marxistisches, sozialistsches oder pazifistisches Weltbild empfinden oder steckt vielleicht noch etwas Anderes dahinter? Oft wird folgendes Schema suggeriert:

    Links = pazifistisch = antifaschistisch = progressiv = gut
    Rechts = konservativ = militaristisch = reaktionär = Wegbereiter für Faschismus.

    Dieses Schema stimmt aber nicht mit der Wirklichkeit überein, denn der CDU-Kanzler Helmut Kohl hätte nämlich beim Jugoslawienkrieg nicht mitgemacht, SPD-Kanzler Gerhard Schröder und der Grüne Joseph Fischer haben aber leider mitgemacht! Und auch früher stimmte diese simple Formel nicht, wie ich anhand von einem Hitlergegner aus der Bayerischen Volkspartei (BVP) nachweisen kann: 1922 wollte der damalige bayrische Innenminister, Frans Xaver Schweyer, BVP, den immer wieder sehr unangenehm auftretenden österreichischen Gefreiten Adolf Hitler ausweisen. Doch der Sozialdemokrat Erhard Auer, Vizepräsident des bayrischen Landtags, setzte sich dafür ein, den Vorschlag von Schweyer abzuschmettern, und so durfte Adolf Hitler in Deutschland bleiben.
    Franz Xaver Schweyer schrieb 1925 das Buch „Geheimbünde“, in dem er vor den Nationalsozialisten warnt. Er wurde nach der Machtergreifung Hitlers von den Nazis im KZ Dachau inhaftiert, und starb kurze Zeit später an den Folgen seiner Haft. Meine sehr linkslastige Geschichtslehrerin von früher hat mir in der Schule nie vom Bayernpartei-Mitglied Frans Schweyer und seinem Mut erzählt, gegen Hitler und die Nazis aufzutreten – für sie gab es offenbar nur „linke“ Bekämpfer der Nazis.

  3. Oh ja die Angelsachsen sind die Bösen und WIR SIND DIE GUTEN, die guten Deutschen.
    Der Kriegseintritt des Deutschen Kaiserreiches wurde nicht von den pöööhsen Angelsachsen erzwungen, sondern die Deutschen schossen als ERSTE und wenn man heute zur Schau stellen will, dass man als deutscher Konservativer noch heute einfach nur ein schlechter Verlierer ist (mimimi Versailles), dann stellt man das eben zur Schau.

    1990 vollständig in der Nato zu bleiben war ein folgenschwerer Fehler.
    Aber das war nicht etwa ein Fehler, dessen Folgen man damals nicht hätte ahnen können, sondern es war 1990 logisch: wenn die „wiedervereinigte“ BRD in der Nato bleibt, dann nutzt USA das um die Vorherrschaft zu festigen – mit allen Folgen, die wir heute bestaunen dürfen.
    Das war glasklar vorherzusehen, außer vielleicht, man hatte eine vollkommen unrealistische Vorstellung von USA.
    Dieser folgenschwere Fehler 1990 wurde von den damaligen deutschen Politikern der Kohl-CDU begangen.

    Die damaligen Politiker folgten alle 100%ig USA und wo war ein gewisser Willi Wimmer damals?!
    Da könnte er doch mal aus dem Nähkästchen plaudern, wie das so war, als auch er mitlief mit den Angelsachsen.

    (zum Verbleib in der Nato vgl. Interview mit Jochen Scholz und die Möglichkeit, in politischen Gremien zu bleiben und militärisch auszusteigen, das wäre m.E. das mindeste und dass die Kohl-CDU-Mannschaft damals diesen unfassbaren Fehler gemacht hat, das bedeutet nicht, dass heute ein Nato-Austritt unmöglich wäre; im Gegenteil angesichts der Kriegsgefahr ist der Austritt nötiger denn je.)

    • Antwort an Andreas:
      Ihre Kritik zur NATO usw. trifft den Falschen. Willy Wimmer war einer der Allerersten, die erkannt haben, wie die NATO sich wandelte und er hat sich damals sofort mit einem eindringlichen Brief an den damaligen Bundeskanzler Schröder gewandt; alles nachzulesen in Wolfgang Effenberger /WillyWimmer: „Wiederkehr der Hasardeure.“

      Zu Ihrem Satz: Die Deutschen schossen als Erste:
      Woher wissen Sie denn so genau, dass die Deutschen als Erste schossen? Ich weiß es nicht so genau – aber ich habe in einem Geschichtswerk, das 1935 von einem Amerikaner verfasst wurde, der meiner Meinung nach sehr um Objektivität und Gerechtigkeit bemüht war, das Folgende gefunden:
      Walter Millis: Road To War – America 1914-1917, S. 65-67, übersetzt von mir – es geht über die deutschen Armeen, die durch Belgien marschieren:
      „…Eine der ersten Gräuelgeschichten war bereits am 6. August 1914 im New Yorker Herald unter der Spitzmarke „Brüssel“ zu finden: „Die Deutschen schossen auf Tragbahren mit Verwundeten, die vom Roten Kreuz in Vise, einer kleinen Stadt nahe der niederländischen Grenze, versorgt wurden.“ Schon am nächsten Tag trug die New Yorker Times auf ihrer Titelseite eine kurze, propagandistische Botschaft der anderen Art aus Antwerpen. Mit glühenden Worten beschrieb sie den Heldenmut, mit dem sich die belgische Zivilbevölkerung den vorrückenden deutschen Armeen widersetzt habe:
      „Die Einwohner von Bernot empfingen sie mit einem heftigen Beschuss von den Dächern und Fenstern. Sogar die Frauen kämpften, und ein achtzehnjähriges Mädchen erschoss einen Offizier mit einer Pistole. Sie wurde gefangen genommen und hingerichtet. “
      In der Aufregung des Augenblicks hatte jemand in Antwerpen einen schweren Fehler begangen. Er hatte vergessen, dass es im Krieg eine Gräueltat ist, wenn Zivilisten Soldaten erschießen und dass dies ein legitimer Grund für Vergeltungsmaßnahmen ist. [Anmerk. d. Übers.: Offenbar galt es zu Zeiten des Ersten Weltkriegs noch als Gräuel, wenn aus dem HINTERHALT auf Soldaten geschossen wurde?? Wie haben sich die Zeiten doch geändert… wenn man an die modernen „Snipers“ denkt, die heute in FIlmen glorifiziert werden.] Als die Deutschen am 18. August 1914 ihren ersten Protest gegen die belgischen Heckenschützen einlegten, waren solche bestätigenden Beweise von belgischer Seite aus unserer Presse verschwunden. Natürlich glaubte niemand den Deutschen.
      Als der schreckliche graue Strom über die belgische Tiefebene flutete, eilte ihm ein gewaltiger Nebel von Gräuelgeschichten voraus und verbreitete sich rasch durch die Länder der Alliierten und über die alliierten Kabel in alle Welt. Schon in den ersten Augenblicken des Krieges hatte unsere Gesandtschaft in Brüssel die schrecklichsten Gerüchte gehört – Geschichten von alten Männern, Frauen und Kindern, die brutal erschossen wurden, von vergewaltigten Nonnen, von den schrecklichsten Grausamkeiten, die verübt wurden. Der amerikanische Botschafter Whitlock hatte natürlich keine Möglichkeit, die Geschichten zu überprüfen, aber er hielt nur ein oder zwei Tage lang an seiner Skepsis fest und gab sich dann ganz der Verurteilung hin. Am 26. und 27. August 1914, nachdem Brüssel gefallen war und Whitlock und seine Gesandtschaft innerhalb der deutschen Linien waren, kam der Bericht über eine schreckliche Tragödie in Löwen. Die Deutschen verbrannten die Stadt mutwillig und ermordeten ihre Bewohner zu Hunderten. Der junge Hugh Gibson, Whitlocks erster Sekretär, eilte am 28. August 1914 mit einigen anderen Diplomaten hin, um zu sehen, was wirklich los war. Der Ort lag in Trümmern – daran bestand kein Zweifel – und die Leichen von Zivilisten und deutschen Soldaten lagen auf der Straße. Die Deutschen erzählten ihnen jedoch alle, dass die Heckenschützen die Katastrophe herbeigeführt hätten. Gibson war mit einer freundlichen Gruppe deutscher Offiziere und Soldaten in der Nähe des Bahnhofs, als „plötzlich mehrere Schüsse knallten…. und der ganze Ort sofort in Aufruhr war… Offenbar hatten eine Reihe von Zivilisten…. entschieden ihr Leben so teuer wie möglich zu verkaufen. Sie hatten sich in den Ruinen der Häuser vor dem Bahnhof versammelt und das Feuer auf uns eröffnet.“ Gibsons vollständiger Bericht ist den Deutschen gegenüber feindlich gesinnt, aber die einzige Schießerei, die er selbst gesehen hatte, war dieser Vorfall, der von den Belgiern begonnen worden war.
      Viel später, als die Zerstörung von Löwen von der Propaganda der Alliierten zu einem der großen Verbrechen der „deutschen Barbarei“ erklärt worden war, versuchten die Deutschen, Gibson bei ihrer amtlichen Untersuchung der Tragödie zur Aussage zu bewegen. Whitlock weigerte sich, etwas so „Unneutrales“ zuzulassen; außerdem konnte Gibson, wie der Minister später treffend bemerkte, nicht wissen, ob die Leute, die in die deutschen Truppen schossen, wirklich Zivilisten oder gar Belgier waren. Es ist bedauerlich, dass die einfachen Beweisregeln nie mit der gleichen Strenge auf die Aussagen von alliierter Seite angewandt wurden. Wäre dies geschehen, hätte es die Tatsache, dass die Invasion Belgiens wild, blutig und schrecklich war, nicht widerlegt – denn der Krieg ist, seinem Wesen nach, wild, blutig und schrecklich – aber es hätte wohl vermuten lassen, dass nicht nur die große Masse der angeblichen Gräueltaten reine Fantasie waren, sondern auch, dass die Brutalität nicht lediglich auf eine, den Deutschen eigene Unmenschlichkeit zurückzuführen war….“

    • A. Eberl
      „Ihre Kritik zur NATO usw. trifft den Falschen. Willy Wimmer war einer der Allerersten, die erkannt haben, wie die NATO sich wandelte und er hat sich damals sofort mit einem eindringlichen Brief an den damaligen Bundeskanzler Schröder gewandt“

      Sie, A.Eberl, versuchen in Ihren hiesigen Kommentaren die Angelsachsen als die Alleinschuldigen seit dem ersten Weltkrieg(!) darzustellen und dann kommen SIE jetzt hier mit “ wie die NATO sich [ wandelte ] “ ?!
      Bei allem Respekt, wenn Sie einen SOLCHEN Widerspruch in Ihren eigenen Aussagen nicht bemerken, dann weiß ich auch nicht …

      Weiterhin:
      Schrieb Willi Wimmer in seiner aktiven Zeit einen solchen eindringlichen Brief an den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl?
      Nein?!
      Auf diese Zeit – und die Zeit um 1990 war für die BRD nicht gerade unwesentlich – bezieht sich meine Kritik.
      Als Willi Wimmer selber im Apparat war, da hätte er vielleicht auch was bewirken können, wenn er gewollt hätte.
      Hinterher, wenn man selber fein raus ist, plötzlich Sachen zu erkennen, die man vorher partout nicht erkennen wollte, obwohl sie offensichtlich waren, das ist wohlfeil und irgendwie auch typisch deutsch-konservativ, woher kommt mir das nur bekannt vor … ? 😀

    • Antwort an Andreas:
      Sie unterstellen mir fälschlicherweise, dass ich „die Angelsachsen als Alleinschuldige“ ansehen würde – doch wenn Sie meine Kommentare richtig und ganz gelesen hätten, dann wüssten Sie, dass ich nicht pauschal „die Angelsachsen“ nannte, sondern das Handeln elitärer, britischer Kreise benannt habe und in einem weiteren Post von gestern das Handeln elitäerer französischer Kreise und zudem noch das Handeln eines russischen Diplomaten und die Aussagen zweier Großfürstinnen. Und ich belege dies anhand historischer Forschungen.

    • @ A.Eberl
      „dann wüssten Sie, dass ich nicht pauschal „die Angelsachsen“ nannte, sondern das Handeln elitärer, britischer Kreise benannt habe und in einem weiteren Post von gestern das Handeln elitäerer französischer Kreise und zudem noch das Handeln eines russischen Diplomaten und die Aussagen zweier Großfürstinnen.“

      Und genau das meine ich, wenn ich verkürzt sage Sie suchen bei „den Angelsachsen“:
      Sie suchen Schuld nur bei den anderen, als ob die Deutschen völlig unschuldig gewesen wären, Sie pflegen eine einseitige Sichtweise.

  4. Willy Wimmer geht in diesem Text auch auf die Vorgehensweisen gewisser Nachrichtensendungen und Talkshows ein, die eine gewisse Botschaft vor ein massenhaftes Publikum bringen wollen. Damit ist auf die Wirkung von Massen-Presse-Organen hingewiesen. Heute ist die Wirkung der Presse-Organe durch Fernsehen, Radio und Internet noch um ein vielfaches größer, als zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als die suggestive Einflussnahme hauptsächlich durch Zeitungen und Literatur geschah.
    Und doch zeigte schon damals eine gewisse Presselandschaft verheerende Wirkung und wieder spielte die Gruppe um Alfred Milner eine entscheidende Rolle dabei (auf Valentin Chirol habe ich unten ja schon hingewiesen), denn die Milner-Gruppe hatte, wie Professor Andrea Bosco in „The Round Table Movement And the Fall of the „Second“ British Empire (1909-1919) beschreibt, Einfluss auf folgende Presse-Organe und Zeitschriften des British Empire: Auf die, im ganzen Empire verbreitete, elitäre Zeitschrift „The Round Table“, die für die Multiplikatoren bestimmt war, auf die, von der Upper-Class gelesene, einflussreiche Zeitung „The Times“ und auf „The Observer“, auf „Review of Reviews“ und noch etliche andere. Leider verbreitete diese Presse eine sehr antideutsche Stimmung, worauf ich unten noch eingehe. Zudem verbreitete auch noch der deutschfeindliche Militär-Historiker Charles à Court Repington (der, wie Alfred Milner, schon beim „Thinktank“ Coefficients dabei war) und der Zeitschriften-Gigant Alfred Harmsworth, 1. Viscount Northcliffe Northcliffe in seinem gigantischen Pressekonzern eine antideutsche Haltung.

    Somit war nicht nur Großbritannien und das Empire entsprechend beeinflusst, sondern auch die englisch-sprachige USA, denn London war, als Pressezentrum, zu Beginn des Ersten Weltkriegs auch für die USA enorm wichtig, war sozusagen die Presse-Hauptstadt, wenn es um Informationen über Europa ging, wie Walter Millis auf S. 42 in „Road To War – America 1914-1917“ schreibt: „London was not only the cultural and social capital of our wealthier and more influential classes; so far as European events were concerned it was our newspaper capital as well.“

    Folgende Infos sind wieder aus Cafferky’s „Lord Milner‘ Second War“, S.71/72
    Um in der britischen Gesellschaft – oder überhaupt in den englisch-sprechenden Gebieten allmählich Feindseligkeit gegen den früheren Freund, Deutschland, zu säen, orchestrierte und schürte die Milner Gruppe eine Reihe von Ängsten durch Pressekampagnen: Ängste vor deutschen Spionen, Ängste vor militärischen Invasionen, Ängste vor fünften Kolonnen, Ängste vor der deutschen Flotte und eine Kampagne für den Wehrdienst. Durch all diese Horrorvisionen waberten die beiden Themen:
    1. Die britische Verteidigungsbereitschaft sei nicht genug organisiert und die
    2. es existiere ein tückischer Feind jenseits des Horizonts. Doch Cafferky schreibt auf S. 71 [übersetzt von mir]:

    „Kein einziger Beweis für die Behauptung einer deutschen fünften Kolonne in Großbritannien ist jemals an der Oberfläche erschienen. Trotzdem beunruhigte die Presse regelmäßig die britische Öffentlichkeit mit Geschichten über deutsche Eindringlinge, die in ganz England marschierten und exerzierten. [S. 72 oben:] Diese fünften Kolonnen der Deutschen hätten Arsenale von Waffen und Sprengstoffen im ganzen Land gelagert und erwarteten angeblich nur den Befehl des deutschen Kaisers, um über ihre friedlichen britischen Gastgeber herzufallen. Obwohl in Großbritannien weniger als fünfzigtausend Männer und Frauen deutscher Nationalität lebten, gab es Schätzungen, die von 100 000 bis 300 000 Männern ausgingen, die deutsche Spione, fünfte Kolonnen oder ausgebildete Saboteure seien. Es überrascht nicht, dass bei so viel Verbreitung von verbalem Gift das historische Wohlwollen der Briten gegenüber Deutschland aufgezehrt wurde. In Deutschland hingegen – UND DIESE ASYMETRIE MÜSSTE EIGENTLICH AUFFALLEN, WIRD ABER GERNE ÜBERSEHEN – gab es keine Panikmache vor britischen Staatsbürgern oder britischen fünften Kolonnen.“ Ende übersetztes Zitat. Die Hervorhebung stammt von mir – ich würde mich freuen, wenn diese Feststellung eines englisch-sprachigen Historkers, wie Cafferky, auch mal wahrgenommen würde von denjenigen, die allzu sehr die Thesen eines Fritz Fischer verinnerlicht haben.

    • Aber die „Menschheit (?)“ hat keine Chance, aus der Geschichte zu lernen! Sie Hat keine Chance gestaltend einzugreifen! Weil wir keine Demokratie haben!

  5. Zweiter Teil der Widerlegung des allerersten Kommentars, in dem angezweifelt wird, dass Willy Wimmers folgender Satz Wahrheitsgehalt hat:
    „…seit dem von französischen und britischen Kreisen gegen die europäischen Mittelmächte mit dem Ersten Weltkrieg angezettelten Schlachten“.

    Es gab aber diese Kreise – Im Folgenden geht es um die „französischen Kreise“
    Zunächst einmal: Dass Napoleon III von den Deutschen besiegt worden war, wurde von einigen französischen Revanchisten wohl als große Schmach empfunden. Bis in die französische Literatur hinein gab es Preußen-und Deutschfeindlichkeit, z.B. Guy de Maupassants Novelle „Mademoiselle Fifi“ und den Roman von Romain Rolland: „Johann Christof“, in dem die Deutschen im Allgemeinen sehr unsympathisch dargestellt werden.
    J. P. Cafferky beschreibt in seinem Buch „Lord Milner’s Second War nicht nur das Verhalten der Milner-Gruppe sondern auch die Vorgehensweisen von Raymond Poincaré, Théophile Delcassé , Maurice Paléologue und Alexander Petrowitsch Iswolski und zwar im Kapitel 12, ab S. 242.
    Inhalt mit meinen eigenen Worten zusammengefasst – Zitate sind von mir übersetzt worden:
    In der Strategie der elitär-imperialistischen Kreise Großbritanniens und Frankreichs galt es seit etwa 1911 als Katastrophe, wenn Russland sie in einem Konflikt mit Deutschland im Stich ließe. Deshalb mussten sie Russland dazu bringen, sich zuerst zu engagieren. Dazu begrüßten und förderten diese bestimmten Briten und Franzosen einen österreichisch-russischen Konflikt auf dem Balkan und dafür brauchten sie Poincaré, der 1912 Ministerpräsident in Frankreich geworden war. Ab 27. Januar 1913 wurde er zum Staatspräsidenten gewählt (im Amt bis 1920). Poincaré verstand sich gut mit dem russischen Botschafter in Frankreich, Alexander Petrowitsch Iswolski. Auf S. 243 wird der Historiker Frederick Schuman zitiert:
    „Sowohl Poincaré als auch Iswolski verfolgten heimlich oder offen diplomatische Ziele, die nur durch einen allgemeinen Krieg zwischen den hochgerüsteten Bündnissystemen erreicht werden konnten…“
    (Mein Einschub: Poincarés Ziel war, Elsass-Lothringen zurückzubekommen und die Ziele der russischen Imperialisten waren, einen Zugang zum Mittelmeer zu bekommen und die Straße der Dardanellen zu kontrollieren und Schutzmacht über dem Balkan zu sein und Konstantinopel zu bekommen.)
    Frankreich unterstützte Russland schon seit längerem mit finanziellen Investitionen.
    Poincaré handelte die anglo-französischen Marinekonventionen aus und inspirierte die Briefe zwischen Sir Edward Grey, dem britischen Außenminister und Paul Cambon, dem französischen Botschafter in Großbritannien – diese Briefe wurden am 22. und 23. November 1912 ausgetauscht. Diese anglo-französischen Militärabsprachen überzeugten Poincaré davon, dass Grey’s Kriegswunsch echt war und dass Großbritannien Frankreich bei Ausbruch einer Krise weder hintergehen noch im Stich lassen würde.
    S. 244:
    Auch Poincaré bekräftigte 1912, während der Balkankrise, seine Bündnisverpflichtungen gegenüber Russland:
    „Ich habe M. Iswolski wiederholt, was ich M. Sasonow in St. Petersburg gesagt hatte, dass wir im Bündnisfall unserer Pflicht treu nachkommen werden… Ich habe auf die Bedingungen des Bündnisvertrags hingewiesen: „Wenn Russland von Deutschland oder von Österreich mit deutscher Unterstützung angegriffen wird, wird Frankreich seine ganze Kraft gegen Deutschland einsetzen.“
    1913 ersetzte Poincaré den pazifistischen Botschafter Louis in St. Petersburg durch den Kriegsfalken Delcassé. Dieser drängte die Russen, eine Mobilmachung innerhalb von 15 Tagen bewerkstelligen zu können und soll an nichts anderes als an Krieg gedacht haben. Dass Poincaré einen solchen Falken für diesen hochsensiblen Botschafterposten aussucht, sagt mehr über die Außenpolitik von Poincaré aus als irgendwelche bereinigten Tagebücher, die nach dem Ersten Weltkrieg erstellt wurden.
    Der Historiker M. B. Hayne in The French Foreign Office And The Origins Of The First World War bestätigt Delcassés Kriegslüsternheit: (S. 245/246, Cafferky:, übersetztes Zitat:
    „In St. Petersburg unterstützte er (Delcassé) die Vorstellung, dass Österreich-Ungarn für alle Probleme im Balkan verantwortlich gemacht werden sollte und er scheint gehofft zu haben, dass die Auflösung der Donaumonarchie bald eintreten würde. …. Delcassé hat dem europäischen Frieden einen großen Bärendienst erwiesen, indem er die russischen Aspirationen im Balkan und in Bezug auf die Meerengen des Bosporus und der Dardanellen unterstützte und vorantrieb…“

    Im August 1914 wurde Delcassé dann französischer Außenminister.
    Zu Beginn des Jahres 1914 wurde Maurice Paléologue, ein enger Freund von Poincaré, französischer Botschafter am Zarenhof, was er bis zur Oktoberrevolution blieb. Auch er war ein Kriegsfalke. Historiker Hayne stellt fest (Caff., S. 246/247
    „Seit seiner Ankunft in St. Petersburg versuchte Paléologue, die Russen davon zu überzeugen, dass Frankreich seine Politik vorbehaltlos unterstützen würde, egal wohin sie führte. In seinem ersten Interview mit dem Zaren im Februar 1914 betonte er den uneingeschränkten Charakter der französischen Unterstützung.“

    Im Mai 1914 gab es eine Parlamentswahl in Frankreich. Das „Gesetz über die dreijährige Militärdienstzeit“ von Poincaré hatte die Wählerschaft polarisiert – denn, das möchte ich betonen: Es war nur eine mächtige Minderheit revanchistisch – große politische Gruppen im Parlament, angeführt von Jean Jaurès und Joseph Caillaux waren, wie mir scheint, kriegsunwillig! Die Gegner von Poincaré gewannen die Wahl. Paléologue war deshalb in Sorge und wandte sich an den neuen Premierminister Viviani und sagte, wenn die Regierung das Gesetz aufhebe, würde er zurücktreten. Paléologue sagte Viviani, dass der Krieg jeden Moment ausbrechen könnte. Als Viviani fragte, wie bald, antwortete Paléologue: „Es ist mir unmöglich, einen Termin zu nennen. Ich würde mich jedoch wundern, wenn der Zustand der elektrischen Spannung, in dem Europa lebt, nicht bald in eine Katastrophe mündet.“ Das Kriegsministerium war offenbar derselben Meinung, denn es entschied, die ausscheidenden Wehrpflichtigen nicht in die Reserve zu schicken, wodurch die französische Armee vorübergehend mit einem zusätzlichen Jahrgang von Rekruten verstärkt wurde! [S.248]

    De Schelking, ein russischer Diplomat, vermerkte, dass während des Besuchs des Königs von Rumänien in Russland am 14. Juni 1914 „Beamte des Außenministeriums offen über die „Entfernung“ von Franz Ferdinand, dem österreichischen Thronfolger, spekulierten. Paléologue sagte dann ein Ereignis von extremer Wichtigkeit voraus und nur zehn Tage später fand die Ermordung von Franz Ferdinand statt. Das Problem für die angloamerikanischen Historiker besteht darin, dass Paléologue von der Ermordung nur dann Kenntnis haben konnte, wenn das russische Außenministerium ihn ins Vertrauen gezogen hatte, aber das führt zur Schlussfolgerung, dass die Russen von der Ermordung im Voraus gewusst haben müssen.“ (S. 248 – übersetzt von mir).
    Nachdem das Attentat stattgefunden hatte:
    Poincaré (!) wollte St. Petersburg am 20. Juli 1914 besuchen. Paléologue hatte nur zwei Telegramme nach Paris geschickt, in denen er die russische Reaktion auf das Attentat schilderte, doch hat er die russische Entscheidung, Serbien vollsten Schutz zu gewähren, nicht näher erläutert – dabei wäre gerade das das zentrale Thema gewesen, denn der russische Schutz Serbiens erhöhte die Wahrscheinlichkeit eines Großmächtekonflikts zwischen Russland und Österreich, der Deutschland und Frankreich mit hineinziehen musste. Als Vertreter Frankreichs wäre Paléologue verpflichtet gewesen, dem französischen Außenministerium alles zu berichten, was er erfuhr. Iswolski jedenfalls reagierte sofort auf die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgers und war schon am 29. Juni nach Russland aufgebrochen.

    Cafferky bringt auf S. 250 ein Zitat aus Paléologues Memoiren, in denen dieser beschreibt, wie er Iswolski am 25. Juli 1914 verabschiedete, als der wieder nach Paris zurückkehrte:
    „Um sieben Uhr heute Abend bin ich zum Warschauer Bahnhof gegangen, um mich von Iswolski zu verabschieden, der in großer Eile auf seinen Posten zurückkehrt. Es herrschte ein großes Treiben auf den Bahnsteigen. Die Züge waren vollgepackt mit Offizieren und Männern. Das sah nach Mobilmachung aus. Wir tauschten schnell Eindrücke aus und kamen zum gleichen Schluss:
    „Diesmal ist es Krieg.“

    Paléologue war also, wie Iswolski, der Überzeugung, dass Russland sich jetzt endgültig auf den Krieg vorbereitete, meldet diese Eindrücke aber nicht nach Paris?? Original Cafferky: “It is inexcusable that Paléologue could agree with Izvolsky that Russia was preparing for war and choose not to report his impressions to Paris.”

    Albertini sagt, dass Poincaré, da Viviani keine Erfahrung hatte, in den kritischen Wochen vor Kriegsausbruch die französische Außenpolitik weiterhin dominierte.
    Diese [französische Außenpolitik] wurde folglich weiterhin von Poincaré dominiert, den die französischen Pazifisten mit Sorge zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren die Reise nach der verbündeten Hauptstadt [St. Petersburg] antreten sahen. Bereits im Mai bat Georges Louis Caillaux, sich dieser Reise zu widersetzen, da sie wahrscheinlich schwerwiegende Folgen haben würde. Nach der Tragödie von Sarajewo wuchs die Gefahr, und Jaurès forderte das Parlament vergeblich auf, die für den Besuch erforderliche Unterstützung zu verweigern.450
    Doch andere erkannten die Gefahr, die in einem Besuch Poincarés in St. Petersburg lag: George Louis wirkte auf Caillaux ein, den Besuch zu verhindern, auch Jean Jaurès forderte das Parlament vergeblich auf, dem Besuch die nötige Unterstützung zu verweigern. Doch Louis galt als „voreingenommen“, Caillaux war in einen Skandal um seine Frau verwickelt und Jaurès wurde ermordet.

    Während seines Aufenthalts in Russland traf Poincaré dann die russischen Staats- und Regierungschefs, doch er machte keine Aufzeichnungen! Angesichts seiner ansonsten umfangreichen Tagebücher kann man nur vermuten, dass diese Unterlassung ganz bewusst war. So bleibt der Verdacht, dass Poincaré umfassende militärische Verpflichtungen eingegangen ist…
    Der Historiker Clive Ponting schreibt in Thirteen Days: The Road To The First World War das Folgende, mit dem Cafferky ihn zitiert (übersetzt):

    „Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die beiden Verbündeten angesichts der in St. Petersburg verfügbaren Informationen nicht darüber diskutiert haben, wie sie auf etwaige Aktionen Österreich-Ungarns gegen Serbien reagieren sollen. Es ist ziemlich sicher, dass der in Lothringen geborene, glühende Nationalist Poincaré deutlich gemacht hat, dass er Russland dabei unterstützen würde, eine harte Linie zu verfolgen. Sie haben vielleicht auch vereinbart, dass eine militärische Reaktion Russlands angemessen wäre.“

    Paléologue führte zwar ein bereinigtes Tagebuch über den Besuch von Poincaré, aber – vermutlich weil er Frauen nicht allzu ernst nahm – finden sich die Kommentare von zwei russischen Großfürstinnen eingetragen am 22. Juli! Er schrieb:
    Ich war einer der ersten, der ankam. Die Großfürstin Anastasia und ihre Schwester, die Großfürstin Militza, begrüßten mich ungestüm. Die beiden Montenegrinerinnen platzten heraus und sprachen beide gleichzeitig: „Ist Ihnen klar, dass wir historische, ja heilige Tage erleben? …. Morgen, bei der Truppenschau werden die Kapellen nichts anderes als La Marche Lorraine und Sambre et Meuse spielen. Ich habe heute von meinem Vater ein Telegramm [in einer chiffrierten Fassung] bekommen. Er sagt mir, dass wir noch vor Ende des Monats Krieg haben werden….“
    Beim Abendessen saß ich links von der Großherzogin Anastasia und die Rhapsodie ging weiter, durchsetzt mit Prophezeiungen. „Es wird Krieg geben…. Von Österreich wird nichts mehr übrigbleiben… Sie werden Elsass-Lothringen zurückbekommen… Unsere Armeen werden sich in Berlin treffen… Deutschland wird zerstört werden…“456
    Diese Großfürstinnen waren die Töchter des Königs Nikola von Montenegro und gehörten der pan-slawischen, kriegsbefürwortenden, russischen Fraktion an. Diese Damen wussten Bescheid und wurden offenbar von ihrem Vater ernst genommen: Er schickte Ihnen ein verschlüsseltes Telegramm, in dem richtig vorausgesagt worden war dass bis Ende des Monats Krieg ausbrechen würde, zu einem Zeitpunkt, an dem die Österreicher ihr Ultimatum an Serbien noch gar nicht übermittelt hatten!

    Laut Historiker Hayne, zitiert auf S. 254:
    In den letzten Tagen der Julikrise schuf er (Paléoloque) einen nahezu vollständigen Kommunikationsausfall. Sein Ziel war es im Wesentlichen, die französische Regierung über die russische Mobilmachung während des 30. und 31. Juli im Unklaren zu halten. Er konnte mit Sicherheit davon ausgehen, dass er, solange Viviani von diesen militärischen Vorbereitungen nichts wusste, keinen konzertierten Versuch unternehmen würde, Russland zurückzuhalten.

    • Geld, Infiltration und Geheimhaltung
      sind auch heute die zentralen Werkzeuge der Machtpolitik .
      Das große Geld der vergangenen Jahrzehnte wurde durch Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer gemacht – daher vermutlich der Widerstand gegen Trump, der diese Cashcow
      mit Zöllen und Rückführung der Produktion eindämmen will.
      Die Infiltration ist mit dem „Gang durch die Institutionen“ allgemein beschrieben
      und vom türkischen Justizsystem(Gülen/Transatlantiker) über die UNO und den IWF und die EU
      bis in die Universitäten von den Globalisten umgesetzt .
      Die Geheimhaltung wird indirekt durch die Verklärung von politisch grundsätzlich relevanten Handlungen als eine Sache des Guten sichtbar und konkret z.B. in einem an die Öffentlichkeit getragenen Vortrages der französischen Ex-Präsidenten Sarkozy bei einer Rede zu Chancengleichheit und Vielfalt :
      „Was ist das Ziel? Das Ziel ist die Rassenvermischung!
      Das ist keine wahl – das ist zwingend ! .. Deshalb müssenwir uns alle wandeln .. Wenn es das Volk nicht freiwillig macht, werden wir zwingende Maßnahmen ergreifen ..“

  6. Zitat:

    „Massaker wurden inszeniert, Untersuchungsberichte nicht veröffentlicht und Verdachtsmomente etwa zu Kriegsverbrechen wurden mit Vermutungen und einer Feindbild-Schablone anstatt mit einer genauen Untersuchung belegt.“

    rubikon.news/artikel/die-kriege-macher

  7. Willy Wimmer: mehr davon!
    Und dann bitte auch wieder so kompetent mit Hintergrundinformationen versehen von A. Eberl und Box (als jedenfalls wertvolle Diskussionsgrundlage auch für diejenigen, die vielleicht nicht jedem der drei immer in jedem Punkt folgen wollen).

  8. Ein Kommentar unten hält folgenden Satz von Herrn Wimmer für „SEHR fragwürdig“:
    „…seit dem von französischen und britischen Kreisen gegen die europäischen Mittelmächte mit dem Ersten Weltkrieg angezettelten Schlachten“.

    Ich halte das für gar nicht fragwürdig, denn es waren tatsächlich sehr elitäre britische und französische Kreise, die den Ersten Weltkrieg wollten und ganz konkret heranlotsten – und ich werde es im Folgenden belegen mit dem Geschichtsbuch von John P. Cafferky: „Lord Milner’s Second War“ und den Forschungen anderer Historiker! Ich beginne mit den britischen Kreisen:
    Über Cecil Rhodes – steinreicher, charismatischer britischer Imperialist – informiert Cafferky auf ab S. 12:
    … Nachdem er am 2. Juni 1877 in eine Loge der Freimaurer eingetreten war, erlebte Rhodes so etwas Ähnliches wie ein religiöses Erweckungserlebnis, das ihn dazu veranlasste, ein Glaubensbekenntnis abzufassen. Es folgt ein Auszug aus seinem „Glaubensbekenntnis“ (1877), übersetzt von mir:
    […..] Ich verfechte, dass wir die vortrefflichste Rasse der Welt sind und dass es für die Menschheit umso besser ist, je mehr wir uns ausbreiten. ….. ….. Hinzu kommt, dass die Aufnahme des größeren Anteils der Welt unter unserer Herrschaft schlicht das Ende aller Kriege bedeutet ……. Gegenwärtig werde ich Mitglied des Freimaurerordens; ich sehe den Reichtum und die Macht, die sie besitzen, den Einfluss, den sie haben, und ich denke über ihre Zeremonien nach, …. … Warum sollte man nicht eine Geheimgesellschaft mit dem einzigen Ziel gründen: Der Förderung und Erweiterung des Britischen Empire und die Unterordnung der gesamten unzivilisierten Welt unter britische Herrschaft und die Rückgewinnung der Vereinigten Staaten für die Herstellung eines Imperiums der angelsächsischen Rasse.
    ……..Eine Gesellschaft, die Mitglieder in jedem Teil des British Empire hat, die an einem Ziel und einer Idee arbeiten sollen…“

    Die Loge, der Cecil Rhodes beitrat, war übrigens die Apollo University Lodge in Oxford. (Info ist aus: Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon, 5. überarbeitete und erweiterte Neuauflage, München, 2006.)

    „Rhodes war Premierminister der Cap-Kolonie; er war Gründer und Leiter der Britischen Südafrika-Gesellschaft, die Rhodesien errichtete; er gründete und leitete die Geschäfte von Goldfields im Transvaal, und er leitete das Diamantenmonopol von De Beers, wodurch er zu einem der Superreichen der Welt wurde. In Südafrika erarbeitete Rhodes sich das Vermögen für die künftige Geheimgesellschaft. In London rekrutierte er deren inneren Kreis, die „Society of the Elect“ (Gesellschaft der Erwählten). Zuerst W. T. Stead, der mit Rhodes Unterstützung die Review of Reviews herausbrachte. 1891 machte Rhodes sein viertes Testament, in dem er Stead und Rothschild beauftragte, seinen Nachlass zu verwalten. Rhodes sandte Stead im Herbst 1891 Anweisungen, in denen er die „Schaffung einer geheimen Gesellschaft“ vorantrieb, die „allmählich den Reichtum der Welt absorbieren sollte“. Er gab im Wesentlichen drei Anweisungen, von denen die dritte die „Sicherstellung des notwendigen Vermögens“ war. Das ist krass: Rhodes hielt seinen persönlichen Reichtum nicht für ausreichend, um die Geheimgesellschaft zu finanzieren – sie mussten den notwendigen Reichtum „sicherstellen“ – das heißt – sie wollten immer noch reicher und noch reicher werden, um ihre Ziele zu erreichen!

    Ende 1891 bestand Rhodes „Society of the Elect“ aus Rhodes, Stead, Reginald Brett (Lord Esher), Arthur Balfour (Neffe und politischer Erbe von Lord Salisbury und eher Ehrenmitglied), Albert Grey (der den Einfluss der Familie Grey in die Gruppe brachte und seine Cousins rekrutierte: Edward Wood, den späteren Lord Halifax und Sir Edward Grey, später britischer Außenminister von 1906 bis 1916), Lord Selborne (Schwiegersohn von Lord Salisbury) und natürlich Alfred Milner.
    Nach dem Tod von Cecil Rhodes 1902 wird Alfred Milner der Kopf dieser Society of the Elect.

    Was hat diese Gruppe nun getan? Unter ttps://kenfm.de/zur-genese-der-entspannungspolitik/#comment-167229 habe ich ja schon – mit angegebener Quelle – mitgeteilt, wie der Milner-Kreis weitere „Unter-Kreise“ bildete, z. B. The Round Table-Group, (der Philip Kerr und Lionel Curtis angehörten), die auch eine gleichnamige Empire-Zeitschrift herausgab und im ganzen Empire an die Multiplikatoren verteilt wurde. Aber Milner sammelte noch weitere Kreise um sich, z. B. Milners Kindergarten – begabte junge Akademiker, meist aus den Oxforder Oriol oder All Souls oder Balliol College (dem, aus dem der gegenwärtige britische Premierminister auch kommt: Boris Johnson!)

    Aber die Milner-Gruppe hat sich auch in die Politik sehr stark eingemischt, sie hat dafür gesorgt, dass um die Jahrhundertwende Großbritannien einen neuen politischen Kurs eingeschlagen hat: 1. Außenpolitische Kontinuität, egal welche Partei regiert (Relugas-Verschwörung), 2. Sie verzichteten auf die „Splendid Isolation“ und gingen eine Allianz mit Japan ein (1902), 3. Sie bildeten die Entente mit Frankreich (1904) und 4. Sie gingen 1907 eine Entente mit Russland ein. Wie hat die Milner-Gruppe das alles allmählich zustande gebracht? Indem sie ihre Leute in die verschiedenen Stellungen einschleuste und praktisch das Außenministerium übernahm: 1899 vertrieben sie durch einen Coup den fairen Leiter der Auslandsabteilung in der Times und ersetzten ihn durch ihren Mann, Valentine Chirol. Chirol wiederum sorgte dafür, dass sein Freund, Sir Charles Hardinge die Position eines ständigen Staatssekretärs im Foreign Office, im Außenministerium bekam und zwar über Lord Esher. Lord Esher, Mitglied des Inneren Kreises der Society of the Elect infiltrierte ab Mitte der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts den inneren Kreis der königlichen Familie und als Edward VII den Thron bestieg, ging er im Palast ein und aus. 1901 wurde Esher stellvertretender Gouverneur von Windsor Castle, wodurch er enormen Einfluss auf britische Eliten bekam. Kronprinz Edward und später, als König Edward VII hörte bei konstitutionellen und politischen Problemen vor allem auf Eshers Rat, so dass der brillante Esher alle politischen Angelegenheiten des Palastes leitete. Esher teilte dem König mit, dass ein konstitutioneller Monarch noch Einfluss hatte dadurch, dass er Botschafter ernannte. Esher folgte dann Chirols Rat und pries dem König Hardinges Verdienste und forderte Hardinge auf, eine Freundschaft mit dem König zu unterhalten. Eshers Strategie ging auf. Mit Rückendeckung durch den König wurde Hardinge zuerst stellvertretender(? – engl: assistant) Staatssekretär im Außenamt, dann Botschafter in St. Petersburg. Also: Die richtigen Leute an den wichtigen Stellen!

    Bis 1905 dominierten Hardinge und seine Verbündeten die wichtigsten europäischen Portfolios. Von besonderer Bedeutung war, dass sie die mächtigen Botschafterposten in Frankreich und Russland beherrschten, von wo aus Sie die britische Außenpolitik beeinflussen wollten. 1906 hatte Hardinge das Außenamt übernommen, indem er die Position eines ständigen Staatssekretärs errang. Er entsandte seinen Mitstreiter, Arthur Nicolson nach St. Petersburg um die dort leergewordene Stelle zu besetzen. Die Milner-Gruppe beendete ihre Übernahme des Außenministeriums schließlich im Dezember 1905 durch die Ernennung von Sir Edward Grey zum Außenminister.
    Der war zwar nicht so sehr akademisch – ich glaube, der hat kein Studium fertig gemacht, aber er hatte bereits im Jahre 1895 gezeigt, dass er die richtige Gesinnung hatte – und dazu soll im Folgenden zitiert werden, was er damals dem liberalen Parlamentsmitglied Sidney Buxton mitgeteilt hatte:

    Grey zum Liberalen Parlamentsmitglied Sidney Buxton im Jahre 1895:

    Tatsache ist, dass der Erfolg der britischen Rasse die Gemüter des Restes der Welt verärgert hat, und nun, da sie aufgehört haben, über die Provinzen in Europa zu streiten und ihre Augen auf ferne Orte gerichtet haben, finden sie uns überall im Weg. Daraus ergibt sich eine allgemeine Tendenz, uns als Ärgernis zu bezeichnen und sich gegen uns zu verbünden. Ich fürchte, wir werden früher oder später kämpfen müssen, es sei denn, ein europäischer Zankapfel fällt unter die kontinentalen Mächte, aber wir haben noch eine gute Karte auszuspielen…. Ich denke, ein kühner und fähiger Außenminister könnte Russland von der Zahl unserer aktiven Feinde abkoppeln, ohne dabei sehr materielle britische Interessen zu opfern. Ich habe mich noch nie besonders für die blauen Augen des Mittelmeers interessiert und wenn Old Sarum (Lord Salisbury) den Mut hat, eine kühne Politik zu betreiben, dann sollte man sich freuen… Wenn Russland nicht darauf aus ist, Persien zu annektieren, könnte man leicht Raum für seine und unsere Wünsche finden, sowohl in Asien als auch in Europa…
    Zitat, übersetzt von mir aus: The Battle for the Truth about the First World War, von Terry Boardman, ab etwa Minute 1:33:10, h ttps://www.youtube.com/watch?v=_Hsb9SQ6Ayw Grey zum Liberalen Parlamentsmitglied Sidney Buxton im Jahre 1895

    • Hier ist eine sehr gute Zusammenfassung der Problematik vom Autor selbst:

      John P. Cafferky: Lord Milners’s Second War, S. 68 Mitte bis S 69 oben, übersetzt von mir:
      „Der Einfluss der Milner-Gruppe auf die britische Außenpolitik war radikal. Innerhalb weniger Jahre orchestrierte die Gruppe eine Neuausrichtung der britischen Diplomatie. Großbritannien gab seine lange Politik der „Splendid Isolation“ oder Blockfreiheit von Kontinentalmächten auf, zugunsten eines militärischen Übereinkommens mit Russland und Frankreich, das gegen Deutschland und Österreich-Ungarn gerichtet war. Was zu kritisieren ist: Die militärische Dimension dieser Störung des Gleichgewichts der Mächte war geheim. Die Geheimhaltung dieser Verpflichtungen, die das europäische Gleichgewicht veränderten, war ein Hauptgrund für den Ersten Weltkrieg.
      Eine grundlegende These des vorliegenden Buches ist, dass französische und russische Staatsmänner ihre schwerwiegenden Entscheidungen während der Julikrise von 1914 deswegen trafen, weil sie auf die militärische Hilfe der Briten zählten. Dagegen trafen die Staatsmänner des deutschen und österreichischen Reiches ihre Entscheidungen ohne Wissen davon, dass Großbritannien Bündnisverpflichtungen hatte und glaubten, dass sie eine reelle Chance hatten, dass Großbritannien neutral bleiben könnte. So förderten Großbritanniens geheime Bündnisverpflichtungen die französische und russische Aggression, während sie nichts taten, um Deutschland oder Österreich von Wagnissen abzuhalten, wobei die Risikobereitschaft der europäischen Staatsmänner effektiv maximiert wurde. Was noch schlimmer ist: Die Geheimhaltung unterband jeden internen politischen Prozess innerhalb Großbritanniens, der womöglich Alternativen zum Konflikt gesucht hätte, denn die Liberalen Radikalen wussten nicht, dass die Liberalen Imperialisten [das waren Grey, Asquith und Haldane – die Drei von „Relugas“- Anmerk. d. Übers.] den Kriegspfad betreten hatten. Das katastrophale Ergebnis war weder zufällig noch unvorhergesehen.“ Ende übersetztes Zitat.

    • Das ist ja durchaus interessant, Frau Eberl. Natürlich war keine mächtige Nation der Welt bisher jemals v.a. am Frieden interessiert, gerade nicht zu dieser militaristisch geprägten Zeit. Auch die Briten tragen sicher einen Teil an der Schuld für den 1. Weltkrieg, sie wollten ja ihr Empire erhalten. Aber Deutschland und Österreich nun gänzlich frei zu sprechen, wäre eben auch völlig verfehlt. Deswegen bleibe ich bei meiner Aussage.

      Die Schuld am nächsten Krieg dürfte eindeutiger festzustellen sein…:
      spiegel.de/politik/ausland/grace-1-us-gericht-ordnet-beschlagnahmung-von-tanker-vor-gibraltar-an-a-1282407.html

    • @ Benjamin Reloaded
      Dass ich nach den bisherigen Meinungsverschiedenheiten einer Ihrer Äußerungen auch mal völlig zustimmen würde, hätte ich gerade bei diesem Thema kaum erwartet, aber bitte:

      „Auch die Briten tragen sicher einen Teil an der Schuld für den 1. Weltkrieg, sie wollten ja ihr Empire erhalten. Aber Deutschland und Österreich nun gänzlich frei zu sprechen, wäre eben auch völlig verfehlt.“

      Das finde ich am „Zungenschlag“ von A.Eberl (und Willi Wimmer in letzter Zeit) auch bedenklich.

      „Die Schuld am nächsten Krieg dürfte eindeutiger festzustellen sein…“

      Krieg ist ja schon; Libyen, Syrien, Irak, Afghanistan, Jemen und seit 50 Jahren Palästina.
      Aber es ist niemand in Sicht, der sich so bereitwillig wie damals die Deutschen (Machthaber) auf einen militärischen Krieg einlässt.
      Selbst die Iraner handeln bei genauerem Hinsehen sehr bedacht.

      Und das hat m.E. durchaus Gemeinsamkeiten; klar wollten zum Ersten Weltkrieg die Briten die militärische Auseinandersetzung – warum leckt sich der Hund den Schwanz – weil die Briten militärisch überlegen waren, deswegen suchten sie den Krieg.
      Aber die Deutschen gingen drauf ein, und zwar ziemlich bereitwillig.
      Jetzt will USA Krieg, aber niemand (adäquates) lässt sich darauf ein.
      Ein Provokateur alleine reicht nicht, es braucht auch immer mindestens einen, der sich provozieren lässt.
      Die militärische Seite ist ja nur die eine, im Grunde ist Krieg aber immer ökonomisch und da ist Militär eigentlich als letztes Mittel schon fast eine Kapitulationserklärung … The Grand Chessboard.
      Soweit meine Meinung dazu.

  9. Das ‚Auge der Vorhersehung‘ symbolisiert perfekt wie es funktioniert und was abgeht:
    h ttps://de.wikipedia.org/wiki/Auge_der_Vorsehung

    Divide et impera – wenn unten sich zwei streiten, freut sich oben der Dritte – symbolisiert durch das Dreieck.
    Beherrsche die die Schnittmenge der Interessen, – symbolisiert durch das ‚Auge‘, das in Wirklichkeit eine ‚vesica piscis‘ darstellt (h ttps://anthrowiki.at/Vesica_Piscis), – und du steuerst das Ganze nach Belieben.

    Der Strahlenkranz ist das ‚luci-ferische‘ (Lichtbringer) Element und verweist auf das Prometheische Prinzip, also die Entwicklung von und Steuerung durch die ‚Technik‘ (beginnend mit der Fähigkeit Feuer zu erzeugen).

    Das Machtwissen dazu (‚Wissen ist Macht‘) wird verschlüsselt, aber keineswegs apokryph dargestellt.
    Wer daraufhin die aktuellen Vorgänge abprüft, wird eben dies genau darin erkennen können.
    sapienti sat est.

  10. Ergänzend:

    Sinowjew sagte oft, dass man nach Gorbatschows Verhalten nicht ausschließen könne, dass er für den Westen arbeite, aber dass es letztendlich nicht wirklich wichtig sei, weil das, was er getan habe, genau den Interessen des Westens diene.
    (…)
    Sinowjew wurde oft als Dissident bezeichnet, aber er hat sich nie als solchen gesehen. Er war ein Kritiker des Sowjetsystems, aber er war nicht sein Feind.
    In seinen späteren Jahren wiederholte er oft, dass er, wenn er gewusst hätte, was für ein schreckliches Schicksal die UdSSR erwartet, kein einziges kritisches Buch oder einen Artikel darüber geschrieben hätte.
    – Alexander Alexandrowitsch Sinowjew (Russischer Philosoph, Autor, Soziologe und Journalist)
    (Quelle: Gorbachev Might as Well Have Been Working for the CIA/Russia Insider)

    Und hier, zur „Wiedervereinigung:“
    Erstens: Die »friedliche Revolution« – sie war keine. Die Abwesenheit physischer Gewalt bedeutete nicht, dass es nicht psychischen Druck und andere Formen der Übernahme oder Konterrevolution gab. Zweitens: Die »Wiedervereinigung« – es war keine. Es haben sich nicht zwei Staaten »vereinigt«, sondern der eine übernahm den anderen. Das nennt man Staatensukzession, also Einrücken des Kernstaates ins Beitrittsgebiet. Drittens: die Wohlstandsversprechen von Helmut Kohl 1990. »Es wird niemandem schlechter gehen als zuvor, dafür vielen besser«, hieß es. Man schaue nur in die Statistik … Viertens: »Wir sind ein Volk« – das ist es nicht! Die Ost- und die Westdeutschen haben aufgrund der komplementären gesellschaftlichen Entwicklungen unterschiedliche Erfahrungen. Eine Vereinigung, die nur in den Narrativen der deutschen Nation und der deutschen Währung stattfindet, dabei das unterschiedliche soziale und kulturelle Erbe negiert, muss – zumindest aus soziologischer Sicht – scheitern. Ich widerspreche der Behauptung von der angeblich erfolgreichen »Transformation des Ostens«.

    Es heißt, Bonn und Berlin standen damals unter zeitlichem Druck, Alternativen zum »Einigungsvertrag« habe es keine gegeben.

    Eile ist kein politisches Argument. Die Ostdeutschen wurden vor dem Beitritt nicht gefragt, ob sie ihre Arbeit und soziale Sicherheit aufgeben wollen, ob sie aus ihrer Heimat vertrieben werden möchten, ob sie ein völlig anderes Werte- und Rechtssystem übergestülpt bekommen möchten. Dieser »Einigungsvertrag« war ein Staatsgesetz zur Abwicklung und Enteignung der Institutionen im Osten. Ein Volksentscheid – wie in der Schweiz gängige demokratische Praxis – wäre angemessen gewesen.
    (…)
    Das war eine Entscheidung, die mit großer Unterstützung des Westens zustande gekommen war. Rund 40 Millionen DM wurden von BRD-Parteien für den Machtwechsel investiert, 100.000 Schallplatten und Kassetten mit drei Reden Kohls verteilt, Wahlkämpfer in Bussen in die DDR gekarrt, Plakate geklebt – zum Beispiel in Erfurt 80.000 allein in einer Nacht durch hessische CDU-Mitglieder. Jens Reich, Mitbegründer des Neuen Forums, sagte zwanzig Jahre später dazu: »Das Bonner Nilpferd ist in einer Massivität gekommen, dass man einfach hilflos war. Im Wahlkampf ist einfach der gesamte Apparatismus des Westens in den Osten gebracht worden. Dem hatten wir nichts entgegenzusetzen. Das waren in die DDR exportierte Westwahlen.« Die 80 Gegenstimmen und eine Enthaltung kamen von den 66 Abgeordneten der PDS, die aus der SED hervorgegangen war und als einzige keine Partei im Westen als Vormund hatte, und von einigen Bürgerbewegten.

    Diese Tatsache bestätigt nicht nur, dass ein anderer Staat, nämlich die BRD, in der DDR, die bis zum Beitritt staatsrechtlich existierte, Wahlkampf führte, sondern auch, dass mit Hilfe der »AfD« mehr Berater der CDU-West in der Volkskammer Einzug hielten als DDR-Minister. Der ganze Wahlkampf bis hin zum Beitritt war völkerrechtswidrig. Das belege ich in meinem Buch »Umbau«.

    Aus: Ausgabe vom 13.07.2019, Seite 1 (Beilage) / Wochenendbeilage
    Politische Soziologie der »Wende«
    »Der Osten wird vom Westen verwaltet und beherrscht«
    Ein Gespräch mit Yana Milev. Über die kulturkoloniale Dominanz der BRD, die Mär von der »Wiedervereinigung« und die Ähnlichkeiten der DDR mit der Schweiz
    Interview: Frank Schumann
    (junge Welt)

    Dann hier:
    Auf 600 Milliarden D-Mark schätzte die Treuhand das Volksvermögen der DDR, als sie ihre Tätigkeit aufnahm. Nach nur fünf Jahren waren daraus 275 Milliarden D-Mark schulden geworden, ganz zu schweigen vom Verlust von 2,5 Millionen Arbeitsplätzen.
    Die Hintermänner dieses beispiellosen Bankrottunternehmens blieben bisher weitgehend im Dunkeln – zwei Schreibtischtäter im Bundesfinanzministerium entwickelten den Plan zur schnellen Wirtschafts- und Währungsunion: Horst Köhler und Thilo Sarrazin.

    Der Hamburger Publizist Otto Köhler, der mit „Die große Enteignung“ bereits 1994 ein Standardwerk zur Treuhandanstalt verfasste, hat sich nun auch den Beitrag der beiden Polit-Größen vorgenommen und liefert eine detaillierte Analyse der fatalen wirtschaftspolitischen Entscheidungen rund um die deutsche Einheit.
    (Otto Köhler, Die Grosse Enteignung-Wie die Treuhand eine Volkswirtschaft liquidierte, Einband/Rückseite)

    Daraus noch diese Episode:
    So schrieb Mundorf vom Handelsblatt. Schoedes Treuhand-Dementi war noch nicht abgehangen, da ließ sich der BASF-Chef von Kali+Salz, Ralf Bethke, aus Kassel vernehmen. Ihn hatte offensichtlich die Schöde-Behauptung nervös gemacht, die Wettbewerbsausschlussklasuel im Fusionsvertrag diene dem Schutz der Ostdeutschen. Die Klasuel verpflichte vielmehr Treuhand und, wie Bethke betonte, beide Kali-Gesellschafter, keine Kali-Aktivitäten außerhalb des geplanten Gemeinschaftskonzerns zu unternehmen. Und das bedeute, erklärte Bethke klar und unmissverständlich: Ein Verkauf der Gruben, die geschlossen werden sollen, an Dritte wird unterbunden. Bischofferode musste sterben.
    (…)
    Die Bonner Volksvertretung, der Deutsche Bundestag, übernahm willig die Rolle, die ihr zugedacht war: Die Mitglieder des Treuhandausschusses im Deutschen Bundestag ließen den Fusionsvertrag passieren, ohne ihn überhaupt zu kennen. Erst als Bischofferode Schlagzeilen machte, forderte die Bundespräsidentin Rita Süssmuth – schöne Gesten hatte sie gern -, den Fusionsvertrag offenzulegen.
    Das setzte für sie sofort einen Tadel aus dem Kanzleramt, den die BASF von Helmut Kohl verlangen konnte wegen – weie er selbst drei Jahre zuvor formulierte – seiner »persönlichen Verbundenheit mit der BASF«. Schließlich stand Helmut Kohl von Kindesbeinen an in einem unverbrüchlichen Treue- und Gefolgschaftsverhältnis zum Ludwigshafener Weltkonzern. Schon im ehemaligen Dritten Reich, als die IG-Tochter in Ausschwitz vom BASF-Betrieb in Ludwigshafen betreut wurde, züchtete der ahnungslose Pimpf Helmut Kohl Seidenraupen für die BASF. Zwanzig Reichsmark gab es für ein Kilo Kokons, denn Fallschirmseide war nötig für den weltweiten Einsatz der damaligen Wehrmacht. Nach dem Währungsschnitt sammelte der Schüler Helmut Kohl aus dem noch nicht völlig verseuchten Rhein Flusskrebse für die BASF-Kantine, das Stück für fünf Pfennig.

    Dann war er drei Jahre als Werkstudent in der BASF tätig, und danach vertrat der junge Referent des Verbandes der Chemischen Industrie als Ludwigshafener Stadtrat so umsichtig und gewissenhaft die örtlichen Grundstücksinteressen der BASF, dass er aus diesem verantwortungsvollen Volksvertreteramt erst sieben Monate nach seiner Übernahme der Ministerpräsidentschaft von Rheinland-Pfalz entlassen werden konnte.
    Und als endlich der Anschluss unmittelbar bevorstand, da trat der getreue Kanzler im April 1990 vor die Jubiläumsversammlung zum 125-jährigen Bestehen der BASF und meldete die bevorstehende Heimholung ins neue Reich: »Und drittens komme ich als Bundeskanzler zu ihnen: Unser Land steht vor den größten Herausforderungen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Jetzt gilt es, die deutsche Einheit zu vollenden.«
    »Unser Land« sei auch ihr Land, wähnten damals die Leute in Bischoffereode und wählten in überwältigender Mehrheit den Kanzler der blühenden Landschaften. Sie hatten sich selbst überwältigt – die einzige Waffe, die ihnen blieb, war bald die noch schnellere Selbstvernichtung durch Hungerstreik.
    (…)
    Hier aber gehe es allein um die »versuchte Eroberung des Weltmarktes im Bereich Mehrnährstoffdünger durch Kali+Salz BASF auf Kosten der ostdeutschen Kali-Industrie«.
    (Otto Köhler, Die Grosse Enteignung-Wie die Treuhand eine Volkswirtschaft liquidierte, S. 72/73 u. 74/75 u. 83)

    Dann ein Abstecher zu „Trumps“ US-Amerika. Der Wirbel um den den Präsidenten mimenden Oligarchen Donald Trump erschließt sich mir nur unter dem Gesichtspunkt, daß es bei der „großen“ Politik und den darauf fokussierenden Medien, doch hauptsächlich um Ablenkung und Augenwischerei geht.
    Es gibt weitaus Reichere und Mächtigere hinter ihm, für die er das tut, was er eben so tut. Eben Politik und Medien als Show für die Demokratiesimulation oder einfach als Preiskampf wie beim Boxen.

    Hier:
    Soziale Ungleichheit

    Der Reichtum der herrschenden Klasse erreicht neue Rekordhöhen. Jeff Bezos, der Chef von Amazon, ist mit einem Vermögen von 131,4 Mrd. Dollar die reichste Person der Welt. Das durchschnittliche jährliche Haushaltseinkommen des obersten 1 Prozent liegt in den USA bei etwa 1,8 Mio. Dollar, das Durchschnittseinkommen des untersten Fünftels hingegen bei mageren 21.000 Dollar. Das durchschnittliche Einkommen der zehn wohlhabendsten Privatpersonen ist 222.530 Mal so hoch wie das Jahreseinkommen eines Arbeiters, der 40 Stunden pro Woche für einen Stundenlohn von 15 US-Dollar arbeitet.

    Aus:
    Zweite TV-Debatte der Demokraten
    Amerika im 21. Jahrhundert: eine soziale Katastrophe
    Demokraten wie Republikaner gleichermaßen verantwortlich
    Von Kate Randall
    5. August 2019
    (wsws)

    Und hier:
    Innerer Verfall
    Genauso verhängnisvoll wie die sichtbare Verrottung ist der Verfall im Innern. In allen Gesellschaftsschichten erleidet die Regierung einen Vertrauensverlust, herrscht weitverbreitete Frustration, ein Gefühl von Stillstand und In-der-Falle-Sitzen, Bitterkeit über unerfüllte Hoffnungen und Versprechen und ein Ineinanderfließen von Fakten und Fiktion, sodass der zivilgesellschaftliche und der politische Diskurs von der Realität losgekoppelt stattfindet.
    Die Isolierung der Nation von ihren traditionellen Verbündeten und ihre Unfähigkeit, insbesondere angesichts der Umweltzerstörung eine rationale und zukunftsweisende Politik zu artikulieren, haben das Mysterium zertrümmert, das unverzichtbar für Machtausübung und Machterhalt ist. „Eine Gesellschaft wird totalitär, wenn ihr Aufbau unverhohlen künstlich wird“, schrieb George Orwell. „Das ist dann der Fall, wenn die herrschende Schicht ihre Funktion verloren hat, aber es schafft, sich an der Macht zu halten durch Gewalt oder Betrug.“ Unsere Eliten haben die Mittel des Betrugs erschöpft. Gewalt ist alles, was ihnen übrigbleibt.

    Aus:
    Donnerstag, 21. März 2019, 16:00 Uhr
    ~11 Minuten Lesezeit
    Dystopia
    Das Ziel der herrschenden Schicht ist, uns zu bespaßen, zu verängstigen und passiv zu machen, während sie drakonische Strukturen der Unterdrückung etabliert.
    von Chris Hedges

    In seiner nüchternen Analyse der US-amerikanischen Gesellschaft im Endstadium des Kapitalismus betätigt sich Star-Journalist Chris Hedges einmal mehr als Meister seines Fachs.
    (Rubikon)

    Aus dem Wenigen hier Aufgezeigten folgt:
    Hierzulande aber kommt das »Zukunftsdenken« nur zu denen, die erwarten können, eine Zukunft zu haben.

    Soll heißen, wer ohnehin keine Zukunft zu erwarten hat, wofür sollte sich Jener/Jene engagieren.

    P.S.: Das natürlich nur für den Fall, daß tatsächlich etwas bewegt, bzw. verändert werden soll. Was nur über eine breite Mobilisierung möglich wäre.

    • Und Willi Wimmer war laut Wiki-Feliks-Kopilot:
      „Von 1976 bis 2009 war er [Willi Wimmer] Mitglied des Bundestages. Zwischen 1985 und 1992 war er erst verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU und dann Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung.“

      Da könnte Willi Wimmer doch aufgrund seiner Erfahrungen aus erster Hand thematisieren, wie während des Prozesses der „Wiedervereinigung“ die gesamte CDU/Kohl-Mannschaft einschließlich Willi Wimmer USA folgte, so dass die „wiedervereinigte“ BRD selbstverständlich in der Nato blieb.
      Aber er thematisiert andere Zeiten und andere Politiker, nun ja.

      In einem Interview hier auf KenFM legte Jochen Scholz dar, dass ein blockfreies Deutschland aus geschichtlichen Gründen Befürchtungen hervorrufen würde und dass es deshalb sinnvoll wäre, dass die BRD in den (politischen) Gremien der Nato bleibt, aber militärisch austritt.
      Die Befürchtungen könnten m.E. ausgeräumt werden, wenn die BRD keine Armee hat, mit der sie andere Staaten überfallen kann.
      Jedenfalls wäre es damals (als Willi Wimmer politisch aktiv war, und zwar in der immerhin regierenden CDU und als Staatssekretär, also kein Hinterbänkler) zur „Wiedervereinigung“ das mindeste gewesen, dass die BRD militärisch aus der Nato austritt.

  11. In diesem Beitrag kommen ein paar berechtigte Punkte zur Sprache, v.a. die Geschichtsvergessenheit im Verhältnis zu Russland.

    Es werden aber auch SEHR fragwürdige Ansichten geäußert, die in dieser pauschalen Form abzulehnen sind, v.a. folgende Formulierung: „…seit dem von französischen und britischen Kreisen gegen die europäischen Mittelmächte mit dem Ersten Weltkrieg angezettelten Schlachten“.

    Dazu noch ein bisschen Helmut-Kohl-Nostalgie – ein typischer Willy-Wimmer-Beitrag eben…

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