Lehren aus den „Pentagon-Panama-Papieren“

Von Bernhard Trautvetter.

Die Panama Papers erinnern in ihrem Namen an die Pentagon Papers, die Snowdens Vorreiter Daniel Elsberg zum Vietnamkrieg vor über vier Jahrzehnten verbreitete. Darin legte Elsberg die Verlogenheit der Legitimation des Krieges der Supermacht USA gegen das damals kleine und kommunistisch orientierte Nordvietnam bloß. Die Pentagon-Papiere veranschaulichten am Beispiel dieses Krieges, einmal mehr die alte Erkenntnis, „dass es den gerechten Krieg nicht gibt …, dass die Völker von den kriegsführenden Regierungen selbst missbraucht werden,“ (Ulrike Meinhof, Konkret 3/1965).

Elsberg sagte später, es sei so, dass die Menschen die Informationen, die „wir“ ihnen zugänglich machen, aufnehmen, verstehen und dann über kurz oder lang wieder vergessen. Das ist dann am ehesten der Fall, wenn die Informationen dem Kampagnen-Charakter der Presse unserer Kultur folgen, lediglich Ereignisse ausschnitthaft veröffentlichen, keine Zusammenhänge und historische Bögen oder gar Bezüge zum Gesellschaftssystem beinhalten, sodass die Menschen nicht begreifen, sondern nur Bäume sehen, aber nicht den Wald.

Das Problem existiert auch im Bereich des Militärischen:
Die NATO verkauft sich in der Öffentlichkeit trotz der vielen kritischen Veröffentlichungen über ihre Führungsmacht und über die Völkerrechtsverstöße ihrer Mitgliedsstaaten sowie des Bündnisses als Gesamtheit (Libyen, Jugoslawien, Afghanistan und Operation Enduring Freedom,…) als Wertegemeinschaft im Sinne der Demokratie und der Menschenrechte. Weil man das Gute verkörpert, kann man auch ohne Rücksicht auf das Recht handeln, nach dem Motto, man kann die Demokratie nur verteidigen, wenn man auch bereit ist, sie zu verletzen.

Mark Laity, Chief of Communications bei der NATO, hielt 2012 einen Vortrag zur “Strategic Communication“, in dem er Einblicke in derartige Denkweisen gab: Die neue Frontlinie sei das Informations-Schlachtfeld. Jede Aktion sende eine Botschaft, aber Aktionen müssen „geformt werden“. Die NATO müsse Information genauso als Waffe benutzen wie Artillerie und Luftwaffe.

Kriege könnten heute nicht ohne Medien gewonnen werden. Es gehe dabei um die Herausforderung, schnell und flexibel zu sein, Personalisierung sei wichtig, und damit der Zugang zu sozialen Medien, um die Menschen direkt ansprechen zu können. Ich ergänze, dass die Personalisierung hilft, von der Systemkritik abzulenken.

Die Ummünzung der Information wandte Laity am Beispiel des Fiaskos an, das die USA im Vietnamkrieg selbst in den Jahren nach den Pentagon-Papieren erlebt hatten: „Wir kämpften den Vietnamkrieg nicht neun Jahre, sondern wir kämpften das Gleiche ein Jahr lang neun Mal.“

Sie haben gelernt, dass sie den Vietnamkrieg nach den Pentagon-Papieren auch wegen der öffentlichen Empörung gegen das Massaker von My Lai, der Napalm-Angriffe auf wehrlose Dörfer und der Lüge in der Affäre von Tonking verloren haben. Die Affäre von Tonking: Die US-Navy ließ ein eigenes Schiff angreifen, schob den Angriff den Kommunisten zu und legitimierte damit den danach einsetzenden Bombenkrieg gegen Nordvietnam.

Die USA haben gelernt, wie Mark Laity zusammenfasst: „Das Schlachtfeld ist nicht mehr notwendigerweise ein Feld. Es ist in den Köpfen der Menschen. Was zählt, ist, was sie für wahr halten.“

Man kann die Gegenseite, heute russische Profiteure von Panama, dämonisieren. Wenn die Öffentlichkeit diese Manipulation schluckt, dann kann man sich so darstellen, dass jedes von den eigenen Kräften eingesetzte Mittel durch den vermeintlich guten Zweck geheiligt wird. Das geht bis zur Drohung mit dem Atomkrieg, wie es Pentagon-Chef Carter am 8.11.2015 unter Verweis auf die Kriegsspannung an der Westgrenze Russlands tat, wo sich die NATO breitmacht und einrichtet, um die Menschen und Staaten vor Ort vor der an die Wand gemalten russischen Aggression mittels atomarer Abschreckung zu schützen.

Die Schlussfolgerung aus den Pentagon-Papieren und den Panama-Papieren kann nur sein: Den Meinungsmachern und den Kräften, die sie bezahlen, ist nichts ungeprüft abzunehmen. Sobald offenbar ist, wo sie nun schon wieder heucheln, lügen und manipulieren, haben wir neue Grundlagen dafür, eine allgemeine Skepsis gegen ihre Meinungsmache als Grundhaltung zu begünstigen.

Dieses Plädoyer wendet sich nicht gegen die sogenannte Lügenpresse. Denn diese Vokabel wenden vor allem Rechtsextreme an, deren Medien um ein Vielfaches krasser das Eigene beschönigen, alles andere anklagen, die Öffentlichkeit manipulieren und durch halbe oder komplett erfundene „Wahrheiten“ Meinung machen… Ihr Hass ist dann die erste Stufe eines neuen Weges zu immer neuen Verbrechen.

Es geht vor allem darum, den Dingen auf den Grund zu gehen. In anderen Worten: …radikal zu denken: Das Übel an der Wurzel packen (das ist die Bedeutung des Wortes) heißt: Über Personen hinweg in die systemische Tiefe zu blicken, seine Analyse nicht auf Verschwörungen reduzieren, sondern auf die Überwindung des Systems hinarbeiten, das solche Strukturen hervorbringt, wie wir sie beklagen. Paul Sethe sagte im Spiegel am 5. Mai 1965: „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“ Sie werden jetzt ein oberflächliches, rein auf Personen und Verschwörer reduziertes Bild der Panama-Papiere produzieren. Dann hat diese Aufklärung ihre aufklärende Wirkung verfehlt.

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Textes.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

9 Kommentare zu: “Lehren aus den „Pentagon-Panama-Papieren“

  1. Politik ist m.E. alles Handeln, das darauf hin zielt, dasZusammenleben der Menschen zu regeln. Wenn 》der kleine Mann 《 sich nicht mit Politik befasst , befasst sie sich mit ihm. Es geht um die Gestaltung einer Gemeinschaft /Gesellschaft , in der die Freiheit des Einzelnen die Bedingung für die Freiheit aller ist. Das ist m.E. Keine kapitalistische – ob es noch Geld gibt , oder nicht, ist da zweitrangig. Hauptsache, die Konkurrenz der Menschen auf der Jagd nach privatem Profit prägt nicht mehr das Zusammenleben. Zumal in einer Zeit, in der die Digitalisierung das Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital revolutioniert.

  2. Lieber Lightbringer, liebe Mitlesende,
    wie schon das Wort ‚Radieschen‘ sagt, haißt >radikal< in der Tat an die Wurzel gehend. Da wachsen Radischen. Jedes ethymologische Wörterbuch sagt das. Wenn ich gerne redikal bin, dann deshalb, und nicht weil ich gerne Steine schmeiße. Das wäre Terror. Terror heißt übrigens: Jee Form ungesetzlicher Gewalt. Das sind auch viele der Nato-Handlungen. Terror ist nicht nur Paris, Brüssel, New York…

    • „Ich sehe den Willen zur Politik als Neurose an, also als Krankheit des Geistes.“

      Ich finde das sehr inflationär, verwässernd. Und immer wieder das Lexikon…

      Terror, der |Terror|
      der Terror; Genitiv: des Terrors
      (französisch terreur <) lateinisch terror = Schrecken (bereitendes Geschehen), zu: terrere = in Schrecken setzen
      1 [systematische] Verbreitung von Angst und Schrecken durch Gewaltaktionen (besonders zur Erreichung politischer Ziele)
      blutiger Terror
      2 Zwang, Druck [durch Gewaltanwendung]
      die Geheimpolizei übte Terror aus
      3 große Angst
      Terror verbreiten

      Ich finde Terror bleibt ausschließlich Staaten/Regierungen vorbehalten. Alle Anderen begehen Verbrechen usw.

    • „Terror heißt übrigens: Jee Form ungesetzlicher Gewalt.“

      Das sollte da oben stehen.

  3. „Es geht vor allem darum, den Dingen auf den Grund zu gehen. In anderen Worten: …radikal zu denken: Das Übel an der Wurzel packen (das ist die Bedeutung des Wortes) heißt: Über Personen hinweg in die systemische Tiefe zu blicken, seine Analyse nicht auf Verschwörungen reduzieren, sondern auf die Überwindung des Systems hinarbeiten, das solche Strukturen hervorbringt, wie wir sie beklagen. Paul Sethe sagte im Spiegel am 5. Mai 1965: „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“

    Radikal ist vielen Menschen in Deutschland zu extrem, obwohl es nur bedeutet das Problem an der Wurzel rausziehen.Es erinnert Sie auch regelmäßig an z.b. Antifa und Recht u.s.w.Da brennt vielleicht auch mal das eigene Auto und das mag man schon gar nicht.
    Wenn im Kern einer Kampagne am Anfang irgendwo Putin auftaucht, dann ist diese „Enthüllung“ nicht dazu da Radikal das Problem zu lösen, sondern dient nur einer weiteren Festigung von einem Feindbild.Dieses Feindbild muß im Gehirn eingebrannt werden auch durch ständige Wiederholung.
    Eine richtige Enthüllung wäre es ,wenn man das ganze System der gesonderten Rechtssubjekte von Landgebieten aufzeigen würde.In der geografischen EU gib es z.B. Isle of Man,Kanalinseln,Liechtenstein,Luxemburg u.s.w.
    „Viele der als Steueroasen geltenden Länder gehören zum Commonwealth; viele von ihnen waren früher britische Kolonien. Die Finanzwirtschaft hat in Großbritannien deutlich mehr Gewicht als in anderen Industrieländern. Sie ist seit etwa 1990 stark gewachsen.
    In der Irischen See und im Ärmelkanal liegen die drei als crown dependencies bezeichneten Inseln: Isle of Man, Jersey und Guernsey (inklusive der kleinen Insel Sark). Dazu kommen 14 Britische Überseegebiete. Großbritannien wurde 1973 Mitglied der EU, sorgte aber über den Beitrittsvertrag dafür, dass beispielsweise seine Inseln Jersey und Guernsey einen Sonderstatus erhielten. Dadurch wurde gewährleistet, dass diese zwar militärisch und außenpolitisch von Großbritannien vertreten werden, im Güterverkehr der EU angeschlossen werden, bei Dienstleistungen aber als Offshore-Gebiete gelten und nicht zur EU gehören. Dadurch konnten diese Inseln Aufsichts- und Regelwerke in Kraft setzen, die nach den Maßstäben der EU unzulänglich waren.
    Allein auf den Britischen Jungferninseln sind eine halbe Million Firmen registriert[34][35] – bei einer Einwohnerzahl von 28.000. Mit Deutschland bestehen seit 2010/2011 allerdings Abkommen über einen Informationsaustausch bei Steuer- und Steuerstrafsachen sowie über die Besteuerung von Zinserträgen.
    Im Mai 2013 forderte der britische Premierminister David Cameron die britischen Überseegebiete und Kronbesitzungen zu stärkerer Zusammenarbeit mit der Regierung und den Ermittlungsbehörden auf. Er verlangte vor allem mehr Transparenz bei den Steuerdaten und den Besitzverhältnissen von Firmen. Die „Trockenlegung der Steueroasen“ bezeichnete er als Hauptziel des G8-Gipfels im Juni 2013.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Steueroase

    Früher mußte man noch Goldkisten hin- und herschieben.
    Da heute alles Digital gemanaget wird ist der Transfer von Lebensenergie zu den „Reichen und Faulen“ noch viel einfacher.

    Das Thema ist halt schon Uralt und nichts besonderes mehr. Schon vor Jahren wußte man davon.Und es wird sich auch diesmal nix verändern.
    LB

    • @Lichtbringer

      Geld ist keine Lebensenergie. Geld ist Symbol. Biologisch gesehen wäre ein Äquivalent zur Lebensenergie die der Zelle innewohnende Energie, der Drang, sich am Leben zu erhalten und sich fortzupflanzen. Wäre Geld Lebensenergie, müßten die Reichen und Superreichen um ein Vielfaches länger leben als ihre Untertanen. Das ist defintiv nicht der Fall. Sie haben auch kein wirklich besseres Leben, sondern erliegen lediglich der Illusion der Macht. Die Macht währt nur so lange, wie die Beherrschten nicht durchschauen, wie man sie zu Untertanen macht und daran hindert, klar zu denken und die Ganzheit ihres Selbst zu erreichen. Die Macht beruht auf List und Heimtücke, nicht auf irgend einer geheimnisvollen Kraft, wie man das z.B. bei Star Wars über Jedi-Ritter oder die dunkle Seite der Macht erzählt bekommt. Da kursieren allerlei seltsame Erfindungen, und die Leute scheinen das klammheilich irgendwie zu glauben. Seltsamerweise fragt kaum jemals einer nach den Geldgebern für all diese Hollywood-Kacke, die man uns ständig vorsetzt, diese mit Millionen von Dollars errichteten Illusionsmachwerke, die uns weit mehr beeinflussen, als uns lieb ist oder gar als wir uns jemals eingestehen würden.

      Im Grunde beruht das ganze System auf der frühkindlichen Indoktrination zum Gehorsam und zur Unterwerfung. Dadurch beraubt man die nachwachsenden Generationen bereits im Vorfeld ihrer Eigenständigkeit und ihres Eigensinns. Das geschieht keineswegs nur mit den Nachkommen der Untertanen, sondern auch mit denen der sogenannten Eliten, die sich im späteren Leben genauso an anderen für die frühkindliche Unterdrückung ihres Selbst rächen, wie das die Untertanen tun. Als Kinder sind wir alle unseren Eltern untertan.

      Man kann das Gesellschaftsspiel als ein So-tun-als-ob beschreiben: Wir tun so, als würde das Geld einen Wert ansich darstellen, und vertrauen darauf, daß alle anderen das auch tun, ohne uns diesen Umstand wirklich bewußt zu machen. Wir nehmen Geld für Leistung, die wir erbringen, und geben Geld für Leistung, die andere erbringen. Die Notwendigkeit von Geld als Tauschmittel setzt jedoch bereits ein gewisses Maß an zwischenmenschlichem Mißtrauen voraus – ein Mißtrauen, dessen Grundstein in der Kindheit gelegt wird. Ohne dieses Mißtrauen bräuchten wir kein Geld, sondern würden einfach geben und nehmen, wie es sich ergibt. Genauso, wie sich heute die meisten Menschen daran halten, nicht zu stehlen, niemanden zu berauben, keine Bank zu überfallen, niemanden umzubringen, um sich sein Hab und Gut anzueignen, würden sich auch ohne Geld die meisten Menschen daran halten, von niemandem etwas zu verlangen oder zu erwarten, das diesen in Not bringen könnte. Das Geld dient der Steuerung der Warenströme und letztlich der Steuerung der Menschen. Es geht nicht wirklich um die Dinge, die man besitzt oder zu besitzen wünscht, sondern es geht um Macht über andere, um die Kontrolle über die anderen, womit man die eigenen Ängste in Schach zu halten vermag.

      Weil wir gewohnt sind, Leistungen nur gegen Geld zu erbringen, uns von Gegenständen nur gegen Geld zu trennen, verweigern wir die Leistung oder die Herausgabe eines Gegenstandes, wenn wir kein Geld dafür erhalten. Ausnahmen sind Tauschbörsen, die bislang jedoch keine nennenswerte Verbreitung erfahren konnten. Was derjenige, der Geld sammelt, der nicht genug davon kriegen kann, wirklich sammelt, ist nicht Geld, sondern die Machtfülle, die mit der Verfügungsgewalt über riesige Geldsummen verbunden ist. Er kann damit andere bestechen (kaufen), die ihm dabei behilflich sind, seine Machtposition zu verteidigen. Die tatsächliche Macht kommt nicht vom Geld, sondern aus den Gewehrläufen, die der Geldgierige seinen nächsten Untertanen kauft und mit denen sie die anderen im Ernstfall zu töten drohen bzw. das auch konkret tun, wo der Gehorsam verweigert wird. Es handelt sich dabei noch immer wie vor Tausenden von Jahren um die Macht des Stärkeren, um die Macht der größten Keule, des stärksten Bizeps, der dicksten Panzerung usw., auch wenn der Geldgierige selbst ein alter, schwacher Multimilliardär ist, den jeder mit einem Schlag von den Beinen reißen könnte.

      Letztlich besticht die geldmächtige Krämerseele alle, die sie sich unterworfen hat, zu einem Verhalten, das die Krämerseele in ihrer Illusion, mächtiger und daher unangreifbarer und unverletzlicher zu sein, bestärkt. Für uns „Normalos“ bleibt das nur deswegen ein Leben lang verborgen, weil wir dieses Untertanenverhalten bereits in vorsprachlichen Entwicklungsphasen eingetrichtert bekamen und über unsere gesamte Kindheit hinweg damit vertraut gemacht wurden. Wir durften uns erst gar nicht zu einem vollständigen Menschen entwickeln und konnten uns daher gar nicht widersetzen. Dennoch bringt jedes Neugeborene noch immer die Voraussetzungen mit, ein empathischer, kooperativer, wacher und autonomer Mensch zu werden. Die Jahrtausende währende Unterdrückung unerwüschster Selbstanteile des heranwachsenden Menschen hat diese Voraussetzungen bis jetzt noch nicht zu zerstören vermocht, denn sie stellen ein grundlegendes Konzept des Lebens dar.

    • @Irwisch

      Meine Lebensenergie bezieht sich nicht so sehr auf das biologische Element. Vielleicht ist der Begriff etwas falsch gewählt. Lebensleistungstransfer von Menschen trifft es genauer.
      Das Geldsymbol verändert das Denken und Handel der Menschen. Es werden immer mehr lebensnotwendige Mittel die der Mensch braucht vom Geld abhängig. Jeder Gedanke der sich bei Menschen äußert wird versucht in Geld zu verwandeln.
      Das bedeutet alles was der Mensch tut, kann über die Verwandlung in Geld einfacher abgesaugt werden.
      Danach kann es an anderer Stelle im Interesse einiger „schöpferisch“ wirken.
      „Jeder Aspekt des täglichen Lebens wird in produktives Kapital verwandelt.
      Das datenzentrierte Modell des Silicon-Valley-Kapitalismus versucht, jeden Aspekt unseres alltäglichen Lebens – was einmal unsere eigene Atempause von den Wechselfällen der Arbeit und den Ängsten des Marktes war – in produktives Kapital zu verwandeln.
      Das geschieht nicht nur durch eine Verwischung der Grenze zwischen Arbeit und Nichtarbeit, sondern auch, indem man uns drängt, stillschweigend zu akzeptieren, dass unser Ruf ein work in progress ist, etwas, an dem wir rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche feilen können und sollen. Deshalb verwandelt man alles in produktives Kapital: unsere Beziehungen, unser Familienleben, unseren Urlaub, unseren Schlaf (inzwischen werden wir sogar zum „sleep-hacking“ aufgefordert, damit wir in der kürzesten Zeit möglichst viel Schlaf finden können). Noch nie hat Fortschritt sich so gut angefühlt: Wer arbeitet nicht lieber sieben Tage die Woche rund um die Uhr als fünf Tage die Woche acht Stunden am Tag?“
      http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/big-data-warum-man-das-silicon-valley-hassen-darf-12656097-p8.html

      Die Dinge die man erwirbt sind oft nur Mittel zum Zweck, weil der „wahre Wert“ nicht im Preis erkennbar ist. Durch ständige Manipulation (z.B.Werbung) wird ein Bedürfniss erzeugt welches nur durch Geld befriedigt werden soll.

      “ Wir nehmen Geld für Leistung, die wir erbringen, und geben Geld für Leistung, die andere erbringen.“

      Und diese Zahlen kann man einfach steuerlich und zinstechnisch belasten. Das fängt beim Einkommen an und hört bei indirekten Steuern auf.Die „wahre Leistung“ ist kaum noch feststellbar,weil Geldzahlen oft gar nichts über den „wahren Wert“ aussagen.
      Z.B.“Dem hohen Werbeaufwand hat Red Bull nicht nur sein Wachstum, sondern auch das besondere Image zu verdanken: Käufer sind bereit, einen extrem hohen Preis für die rot-blauen Dosen zu bezahlen. Das zeigt die Bruttomarge. Nach Abzug der Herstellungskosten bleiben vom Umsatz rund 70 Prozent hängen. Kein Getränkehersteller kommt da heran. Red Bull ist eigentlich kein Getränkehersteller, sondern eine Verkaufsmaschine: Die weltweit 7000 Mitarbeiter in 160 Ländern arbeiten fast ausschließlich im Marketing und im Vertrieb; Produktion, Abfüllung und Logistik erledigen externe Dienstleister.“
      http://www.brandeins.de/archiv/2011/marketingevent/blick-in-die-zahlen-richtig-dosiert/

      Meiner Meinung nach ist es ein zuckersüßes Billigprodukt, welches eine Illusion an die Konsumenten verkauft und für viel sinnlose Arbeit sorgt.Dabei bleiben 70% hängen,wenn man das auf die Dose schreibt: „Ich beschei.. dich um 70% „, dann kauft das keiner mehr. Das ist nur ein Beispiel von vielen.

      MFG LB

    • Es ist nicht mein Fehler, wenn du etwas schreibst, das du gar nicht wirklich meinst. Ich kann keine Gedanken lesen, ich kann deine Mimik und Gestik nicht wahrnehmen und muß mich daher auf die Worte, die du wählst, um darzustellen, was dir am Herzen liegt, verlassen können.

      Du möchtest im Wesentlichen dafür sorgen – vom Wie mal ganz abgesehen, denn du kannst nichts davon umsetzen –, daß Steueroasen ausgetrocknet werden, daß Probleme radikal angegangen werden, verbleibst aber deutlich an der Oberfläche der Problematik, die der Artikel thematisiert. Das Thema lautet eigentlich:

      Es gibt unzählige Steuerbetrüger in allen Ländern, und nun hat man einen angeblichen Leak erfunden, um gewisse, auf der Abschußliste des Westens respektive der USA stehende Länder weiter unter Druck zu setzen.
      Und nun, da der Artikel radikale Aufklärung und Untersuchung fordert, also von der Wurzel her, der letztendlichen Ursache, die ein Mensch überhaupt auszumachen in der Lage ist, zu betrachten verlangt, kommst du mir irgendwelchen Berichten über Zusammenhänge, die sogar deinen eigenen Worten nach ein alter Hut sind. Das mag man als Einführung in die Thematik stehen lassen, aber nach der Einführung kommt nichts mehr außer der Behauptung, daß Geld Lebensenergie sei – ein eher unausgereifter Gedanke, der ohne weitere Vertiefung einfach mal so hingeschrieben wurde.

      Diesem Gedanken liegt zum Zeitpunkt des Niederschreibens offenbar nicht mehr als eine diffuse Ahnung zugrunde. Diese Ahnung habe ich aufgegriffen und richtiggestellt, daß Geld keine Lebensenergie ist, sondern daß die Integration des Geldes in menschliche Denksysteme weitaus komplexer ist, als du sie lediglich andeutest. Das Anliegen meines Kommentars entsprach hier tatsächlich der Forderung im Artikel, die Wurzel des Übels herauszuarbeiten und nicht bereits an der Erdoberfläche Halt zu machen. Und die Wurzel kann nicht sein, Geld als Lebensenergie zu bezeichnen, noch obendrein damit was ganz anderes zu meinen, als der Begriff je vermuten ließe, und diese Eigendefinition nicht einmal zu erläutern.

      Geld ist Teil unseres Wertesystems, das wir gelernt haben. Jedes Wertesystem ist ein erlerntes System. Es gibt kein angeborenes Wertesystem. Symbol Geld verändert nicht das Handeln der Individuen, es konstituiert ihr Denken und Handeln vom Beginn ihrer Existenz an. Es gibt kein vom Geld unabhängiges Denken und Handeln, denn das Geld ist allgegenwärtig, auch wenn wir es nicht ständig auf dem Zettel haben. Wir haben das Messen mit Geld praktisch von Kindesbeinen an eingetrichtert bekommen wie das Zählen oder das Wiegen. Von klein auf werden wir mit dem Geld als dem Maß aller Dinge konfrontiert, auch wenn im Kindergarten noch keine Münze oder ein Geldschein zu sehen ist. Das ganze Denksystem ist – ich wiederhole mich – auf dem Geldsystem aufgebaut, weil das Geld die Lebensumstände und somit das Bewußtsein bestimmt. Niemand muß daher die Leute dazu drängen, sich bei Facebook nackich zu machen oder sein Tagebuch öffentlich zu führen oder umsonst Marketing zu betreiben. Die unerfahrene Jugend sowie die unerfahrenen Erwachsenen tun das freiwillig und wie selbstverständlich, weil ihnen der Geldaspekt gar nicht mehr zu Bewußtsein kommt. Geld erhält immer dann Bedeutung, wenn man keines hat und deshalb in wirtschaftliche Nöte gerät. So lange man genug davon hat, bemerkt man es kaum, man hat sich ja meist schon selbst als das stigmatisiert, was auf der erreichten Position auf der gesellschaftlichen Hühnerleiter möglich ist und wagt es gar nicht, nach mehr zu streben. Jene, auf die das nicht zutrifft, stellen eine Minderheit dar.

      Wir gegen deshalb nichts her, weil wir Geld dafür bezahlt haben. Wir halten eine Leistung, für die wir bezahlt haben, für wertvoller als eine, die wir umsonst erhalten. Das widerspricht nur scheinbar der zu beobachteten Jagd nach Schnäppchen und Geiz-ist-geil-Angeboten, denn dann können wir noch mehr kaufen, wenn wir’s billiger kriegen. Umsonst, da schämt man sich ja richtig: „Oh, die arme Sau, der muß zu den Tafeln gehen, weil er so ein Looser ist, daß es nicht mal für Penny langt, bestimmt versäuft der alles.“ Zu mir kommen ständig irgendwelche ALG-II-Empfänger, um sich Formulare ausfüllen oder sich beraten zu lassen , aber immer mit der Bitte, niemandem davon zu erzählen. Kürzlich meine Nachbarin, die jeden Morgen aus dem Haus geht und erst nachmittags wieder kommt, obwohl sie seit vielen Jahren von ALG-II lebt, aber das darf keiner wissen, daß sie kein Geld hat, vor allem nicht, woher sie das bißchen hat, das sie vor dem Verhungern bewahrt. Was ich damit sagen will: Geld scheint die einzige Geltung zu sein, die gilt. Recht auf Leben? Ja klar, aber nur wenn du auch bezahlen kannst. Man gibt den Leuten ja nicht Hartz-IV aus reiner Menschenliebe, sondern um Unruhen zu vermeiden. Agenda 2010 wurde nicht eingeführt, damit es der Bevölkerung besser geht, sondern damit die Kapitaleigner höhere Profite erwirtschaften können. All das ermöglicht das Geld, und dieses wiederum kann nur diese Wirkung entfalten, weil wir darauf getrimmt wurden.

      Auch wenn ich es jetzt hier zum hundertsten Male schreibe: Wir wurden alle ohne Ausnahmen so gedrillt, daß wir zu absolutem Gehorsam und zu Unterwerfung nach beiden Seiten – hauen auf die Schwächeren, Bücken vor den Stärkeren – neigen. Das Geldsystem ist quasi das Gehorsams-Kontrollsystem. Das Geld sorgt dafür, daß jeder auch weiterhin gehorcht, auch wenn mal die Gehorsamsbereitschaft nachlassen sollte. Geld ist Kontrollmittel, und sonst nichts. Wenn wir ohne Geld alle weiterhin dasselbe machen würden wie vorher – wobei sicher ein paar Jobs oder sogar viele Jobs ohne Geld gar nicht mehr nötig wären, aber das ist ein anderes Thema – müßten wir nicht verhungern, nicht erfrieren, würden nicht in Agonie und Sinnlosigkeit dahinvegetieren, sondern würden uns gegenseitig das geben, was wir zum täglichen Leben brauchen. Und wir hätten vielleicht zum ersten Mal in unserem Leben Freude an unserer Arbeit, weil es eben keinen Vorgesetzten mehr gäbe, der uns antreibt, auf die Pausen beim LKW-Fahren zu verzichten, oder meckert, weil wir an diesem Vormittag schon zum dritten Mal auf der Toilette waren. Was uns davon abhält, ist unsere lediglich rudimentär entwickelte Empathiefähigkeit, was dazu führt, daß wir den anderen, den Mitmenschen nicht wirklich wahrnehmen, sondern ihn lediglich abstrakt verorten. Wir lieben nicht, sondern wir lieben die Illusion, geliebt zu werden, begehrt zu sein, für die anderen einen Wert darzustellen. Ich kann aus meiner Erfahrung mit meinen Mitmenschen bestätigen, daß die allermeisten Probleme, die Menschen miteinader haben, immer irgendwo geldwertbezogen sind. Eifersucht ist nichts anderes als die Angst vor dem Verlust, gerade so, als ob einem der Sexualpartner oder Lebens- oder Liebespartner gehöre. Streitereien um Hausarbeit sind Dominanzkämpfe, sind Kämpfe um darum, wer bestimmt und wer gehorcht. Wenn der Mann arbeitet und die Frau den Haushalt führt, meint der Mann, sich bedienen lassen zu können, weil er ja alles bezahlt, und er weigert sich, das Aufbegehren seiner Frau auch nur zu versuchen zu verstehen. Nix mit Empathie, nix mit Liebe, knallhartes Geldgeschäft, überall. Das ist so tief drin, eben weil das ganze System so früh indoktriniert wurde.

      Es gibt doch überhaupt keine Kräfte oder Bereitschaften, am bestehenden System etwas ändern zu wollen, so lange die allermeisten Menschen im Grunde genau so drauf sind, wie die Leute, denen sie die eigene Verantwortung übergeben, um dann vier Jahre lang zu schweigen und stille zu halten, nur um im Wahljahr wieder die eigene Stimme zu Grabe zu tragen und in die Urne zu legen. Da liegt doch die eigentliche Ursache, in der Psyche des Individuums.

      Blicke doch einfach mal über deinen eigenen Tellerrand, und dann blicke noch ein wenig tiefer, und wenn du da Strukturen entdeckst, dann blicke noch eine Etage tiefer, lege Schicht um Schicht frei und bleib nicht bei irgend einem Symptom wie Red Bull hängen. Ich mache das bereits seit Jahrzehnten und habe aus vielen Sackgassen wieder umkehren müssen. Doch vor allem: Ich habe an mir selbst Veränderungen wahrgenommen, seit ich die meiste Zeit nicht mehr fremdgesteuert verbringen muß, weil es niemandem mehr gibt, der mir täglich vorschreibt, wann ich zu schlafen, zu essen und zu scheißen habe.

      Durch Zeitung, Fernsehen, durch kurze Artikel in irgendwelchen Foren wird sich dir niemals ein zusammenhängendes Bild ergeben. Das erhältst du nur über Bücher, die sich auf ein bestimmtes Thema konzentrieren und dieses Thema dann ausführlich aufarbeiten.

      http://www.irwish.de/bin/Gruen.zip (komplettes Werk)
      http://www.irwish.de/bin/FrommPdf.zip (komplettes Werk)
      http://www.irwish.de/bin/MillerAlice.zip
      http://www.irwish.de/bin/Chomsky.zip (nahezu komplettes Werk)
      http://www.irwish.de/bin/Huether.zip
      http://www.irwish.de/bin/Bornemann.zip (enthält u.a. Die Psychoanalyse des Geldes)
      http://www.irwish.de/bin/Ziegler.zip

    • @ Lightbringer: “ Es werden immer mehr lebensnotwendige Mittel die der Mensch braucht vom Geld abhängig.“

      Was für ein lebensfremder Schwachsinn dahinter steckt, dass wir sogar die Medizin schon dem Gelde untergeordnet haben, lässt sich erkennen, wenn man das Thema vom IDEAL her hinterfragt. Zwar lässt sich das Ideal nicht ganz im Leben verwirklichen, doch es dient doch zur Erkenntnis folgender Zusammenhänge: Wenn wir uns fragen, was denn das IDEAL des Arztes ist, kommen wir zur Antwort: Dass alle immer gesund sind und durch Prophylaxe – gesunde Nahrung und vorbeugende Massnahmen – gesund bleiben, so dass KEINER mehr auf Pillen angewiesen ist.

      Was ist das IDEAL der Pharmalobby ? Am Markt zu expandieren. Das setzt voraus, dass immer MEHR Menschen erkranken und auf Pillen usw. angewiesen sind. Erst bei Massenepedemien knallen bei der Pharmalobby die Champagner – Korken und es regnet Konfetti an der Börse.

      Ist das nicht ein Indiz dafür, dass diese Menschheit, die das duldet, die jeden Idealisten für einen abergläubigen naiven Kindskopf hinstellt, dem kollektiven Irrsinn anheimfiel ?

Hinterlasse eine Antwort