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„Leiharbeit ist moderner Sklavenhandel“ – Ein Interview

Unter den Mechanismen, die besonders effektiv die Verarmung und Verelendung im Lande vorantreiben, ist neben Hartz IV auch und vor allem die sogenannte „Leiharbeit“ zu nennen, mittels derer Menschen wie Waren „verliehen“, in prekäre Lebensverhältnisse gezwungen und mit Armut konfrontiert werden. Trotz klarer Beschlusslage aller DGB-Gewerkschaften, dass für gleiche Arbeit stets gleicher Lohn zu zahlen sei, steht zu befürchten, dass dieselben in der am 29. und 30. November stattfindenden Tarifrunde Leiharbeit 2016/17 der Leiharbeit erneut Tür und Tor öffnen. Dabei könnte alles so einfach sein. Denn die Gewerkschaften könnten diesem „modernen Sklavenhandel“ einen Riegel vorschieben, meint die linke Gewerkschaftsaktivistin Mag Wompel[*] im Gespräch mit Jens Wernicke, und erklärt, welche Maßnahmen möglich und umgehend notwendig sind.

Wernicke: Frau Wompel, von der menschenverachtenden Hartz IV-Ideologie war auf den NachDenkSeiten schon mehrmals die Rede. Und auch davon, dass die Eliten mittels Hartz IV das Dauerfeuer auf Lohnabhängige eröffnet haben. Welche Folgen zeitigt das konkret?

Mag Wompel: Ich spreche lieber von den Hartz-Gesetzen, denn diese arbeitsmarkt- und sozialpolitische Agenda 2010 ging über die weitgehende Entrechtung der Erwerbslosen weit hinaus und beinhaltete unter anderem massive Deregulierungsbestimmungen, beispielsweise bei der Leiharbeit. Das ist deswegen so wichtig, weil die lohnabhängigen Menschen hierdurch gleich mit zwei Zangen unter Druck gesetzt werden konnten: Angst vor der Erwerbslosigkeit auf der einen und vor der Verarmung und Entrechtung in der Erwerbslosigkeit auf der anderen Seite. Etwas, das mittelbar wiederum zur Verarmung und Entrechtung auch ohne Erwerbslosigkeit führte und weiterhin führt.

Ich setze es als bekannt voraus, dass circa 5 Millionen Menschen in unserem Land von ihren Löhnen nicht mehr leben können und daher mit Hartz IV aufstocken müssen. Anders ausgedrückt, und ich halte diese Sichtweise für wichtig, können es sich die Unternehmen inzwischen „leisten“, Löhne zu bezahlen, die nicht mehr existenzsichernd sind. Früher hätten sie in solchen Fällen Insolvenz anmelden müssen, heute machen sie stattdessen Extra-Profite. Warum? Weil wir Lohnabhängigen ihre Personalkosten mittragen. Die Marktwirtschaft funktioniert also wunderbar – für das Kapital vor allem deshalb, weil ihr unternehmerisches Risiko inzwischen von ihren Opfern getragen wird.

Diese massive Steigerung der Lohnabhängigkeit hatten die DGB-Gewerkschaften unter Einfluss des Fetisch Arbeit, wie ich es nenne, mitgetragen, also, weil ihnen „irgendein Arbeitsplatz“ über viele Jahr hinweg stets mehr bedeutete als beispielsweise so etwas wie Lebensqualität. Und erst heute, viele Jahre später, geben sie – als Ausrede für die inzwischen längst geschmolzene Kampfeskraft – überhaupt zu, dass die Hartz-Gesetze Belegschaften und Arbeitnehmervertretungen das Genick gebrochen haben: Lohnverzicht, Armut trotz Arbeit, Arbeitsverdichtung und unbezahlte Arbeitszeitverlängerung, selbst massive Stresserkrankungen – alles erscheint den Menschen inzwischen besser als das Schreckgespenst Hartz IV zu sein.

Und die Lage verschlimmert sich dadurch noch weiter, dass sich eine einmal zugegebene Erpressbarkeit der Lohnabhängigen aus der inzwischen nur noch schwachen Position heraus nicht einfach abschütteln lässt. Und wir dürfen nicht vergessen: In den nun über 10 Jahren der Hartz-Gesetze haben nach neuesten Bilanzen bereits über 10 Millionen Erwachsene und 4 Millionen Kinder die bürokratische Hölle der Arbeitsagentur als „Kunden“ durchlaufen. Abgesehen von geradezu traumatisierenden Folgen des menschenverachtenden Systems, bedeutet das, dass diese Menschen – selbst wenn wieder „in Arbeit“, nachhaltig enteignet wurden und ihren Berufsstand verloren haben, denn dies sind bekanntlich die Voraussetzungen, um dieses Gnadenbrot überhaupt zu erhalten. Da bleibt kein Haus und keine Lebensversicherung stehen – und auch keine Rentenansprüche.

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W: Sie sprachen von der Leiharbeit als einem in diesem Kontext wichtigen zu beachtenden Aspekt. Was genau versteht man unter Leiharbeit – und wie entwickelt sich diese im Land?

MW: Juristisch spricht man gerne von Arbeitnehmerüberlassung – daher auch das AÜG, das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz -, um zu verschleiern, dass hier Menschen wie Waren „verliehen“ werden: von einem verleihenden Arbeitgeber befristet an einen anderen, entleihenden Arbeitgeber. Wir sprechen daher lieber von modernem Sklavenhandel. Und wie bei jedem Handel muss auch hier ein Gewinn abfallen – den die Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer – mit bis zu 40 Prozent niedrigeren Löhnen gegenüber den Stammbelegschaften – bezahlen.

Bei Einführung des AÜG im Jahr 1972 – zuvor war die Leiharbeit in Deutschland verboten – waren die DGB-Gewerkschaften noch für ein Verbot der Leiharbeit, weil diese für sie in die Schmuddelecke gehörte. Doch als sie 2003 an der Umsetzung der Agenda 2010 in der Hartz-Kommission beteiligt waren, ging es vorrangig darum, „Menschen in Arbeit zu bringen“. Dazu diente das Erste Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt, auch „Hartz I“ genannt: es „flexibilisierte“ den Arbeitsmarkt.

Damit begann ein neues Kapitel sowohl für die Branche Leiharbeit als auch für die gewerkschaftliche Tarifpolitik, denn das AÜG bedeutete die ersatzlose Abschaffung aller bisherigen Beschränkungen wie etwa Höchstüberlassungsdauer, Befristungsverbot, Wiedereinstellungsverbot und Synchronisationsverbot. Als Anpassung an das europäische Recht, jedoch als Ausgleich verkauft, erfolgte gleichzeitig die Einführung des sogenannten Gleichbehandlungsgrundsatzes. Da die Aussicht auf gleiche Bezahlung wie im Entleihbetrieb jedoch die Branche bedrohte, wollte der damalige Wirtschaftsminister Wolfgang Clement daher sowohl den Kündigungsschutz lockern als auch die Zeitwirtschaft retten und stellte das neue AÜG unter einen sogenannten Tarifvorbehalt: „Ein Tarifvertrag kann abweichende Regelungen zulassen“.

Dies wurde schnell genutzt: Bereits Ende Februar 2003 erfolgte der erste Tarifabschluss zwischen einer Interessengemeinschaft der Zeitarbeitsunternehmen und der Tarifgemeinschaft der Christlichen Gewerkschaften Zeitarbeit und PSA, kurz CGZP, der ebenso wie alle weiteren schließlich 2011 mangels Tariffähigkeit der CGZP rückwirkend als nichtig erklärt wurde. Um diese Tarifverträge „christlicher Gewerkschaften“ zu verhindern – die in Wirklichkeit in Teilen besser als diejenigen der DGB-Tarifgemeinschaft waren -, unterzeichnet dieselbe Mitte 2003 erstmals Tarifverträge mit den Zeitarbeitsverbänden und setzt diese Praxis seitdem bis heute fort.

Die gewerkschaftliche Veredelung der Niedriglöhne in der Zeitarbeitsbranche führt seitdem zur zunehmenden Praxis, Stammpersonal durch dauerhaften Einsatz von Leiharbeitenden zu ersetzen. Viele Konzerne betreiben inzwischen ihren eigenen „Personalpool“. Die bis 2003 relativ stabile Nischen-Branche – sie hatte 1996 177.935 und 2003 327.789 Beschäftigte – hat sich im Zuge dieser Entwicklungen allein bis 2011 nahezu verdreifacht und wird 2016 sehr wahrscheinlich die Millionen-Marke knacken.

W: Habe ich das richtig verstanden: Ohne das Zutun der Gewerkschaften wäre dank des Gleichbehandlungsgrundsatzes der Boom der Leiharbeit ausgeblieben? Dank tarifvertraglicher Regelungen unserer Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter haben wir nun aber inzwischen einen „modernen Sklavenhandel“, der das Leben und Arbeiten einer immer größer werdenden Zahl von Menschen prekarisiert?

MW: Die einfachste Antwort ist ein einfaches Ja. Aber einerseits muss hinzugefügt werden, dass Leiharbeit leider nicht die einzige Form der Prekarisierung darstellt. Prekarisierung als unsicheres und unplanbares Arbeits- und damit Lebensverhältnis beginnt bei befristeten Arbeitsverträgen, geht über diverse Tariföffnungsklauseln und Standortsicherungsvereinbarungen und endet bei Werkverträgen. Nach neuesten Zahlen arbeiteten 2014 nur noch 45 Prozent der „Beschäftigten“ in tarifgebundenen Betrieben. Doch dank vielfältigster Differenzierungsklauseln in den Tarifverträgen geht es dem Rest auch nicht viel besser.

Und andererseits weiß ich aus Erfahrung, dass viele Leserinnen und Leser es nicht glauben wollen, wenn ich die Gewerkschaftsapparate dafür mitverantwortlich mache. Schließlich besteht die Funktion von Gewerkschaften in der Interessenvertretung der lohnabhängigen Menschen und die Funktion von Tarifverträgen in einer Besserstellung gegenüber dem jeweiligen Gesetz. Meine Theorie lautet, dass es ein falsches Verständnis des zu vertretenden Interesses war, dass die Gewerkschaften seit Ende der siebziger Jahre in eine unsägliche Kollaboration mit dem heimischen Kapital getrieben hat.

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W: Wie erklären Sie diese Kollaboration zwischen Gewerkschaften und „großer Politik“?

MW: Wenn die gewerkschaftlichen Entscheidungsträger in ihrem Menschen- und Gesellschaftsbild davon ausgehen, dass ihre Aufgabe als Interessensvertretung der Arbeitenden darin besteht, sie „in Arbeit zu bringen“ und diese Arbeitsplätze um jeden Preis zu erhalten, müssen sie diesem Fetisch „Arbeitsplatz“ ihre gesamte Politik unterordnen und irgendwann ausblenden, ob dieser Arbeitsplatz die Funktion der Existenzsicherung überhaupt noch erfüllt.

Dies begann in den ersten Zeiten des Sozialabbaus der 1970er Jahre, als die Lebensbedingungen der Erwerbslosen vernachlässigt wurden, anstatt diese zu heben, um diesem heute so massiven Erpressungsdruck durch die Keule Arbeitsplatzverlust vorzubeugen. Dies wurde seit dem Ende der 1980er Jahre dann auf die meisten der „beschäftigten“ Lohnabhängigen ausgeweitet, als die beginnende Globalisierung und Verschlankung die Gewerkschaften zu Abstrichen an Lohn und Arbeitsbedingungen zugunsten einer vermeintlichen „Arbeitsplatzsicherung“ bewog.

Die damit eingeleitete Unterbietungsspirale hat bekanntlich längst die Kernzielgruppe der Gewerkschaften erfasst: Die sogenannten Stammbelegschaften, zu deren Gunsten bisher die entsprechenden Randbelegschaften in vielen Abstufungen bluten mussten. Die aktive Mittäterschaft an der Agenda 2010 war lediglich ein unrühmlicher Höhepunkt täglicher Sozialpartnerschaft mit dem heimischen Kapital. Würde man diese, wie ich es tue, als profane Erpressung bezeichnen, könnte man immerhin versuchen, seine Erpressbarkeit zu minimieren…

W: Was sind die für die Leiharbeitenden schlimmsten Komponenten dieser Praxis?

MW: Leiharbeit ist wie gesagt nur ein Beispiel, wenn auch ein besonders skandalöses. Der Skandal, dass Menschen wie Waren verliehen werden, kann nicht oft genug in Erinnerung gebracht werden. Dies war bis nicht vor allzu langer Zeit die gewerkschaftliche Grundlage dafür, Leiharbeit verbieten zu wollen. Erst die absurde Drohung, Lohnarbeit ginge „uns“ aus, hat die Gewerkschaftsapparate dazu bewogen, Leiharbeit aus der „Schmuddelecke“ zu holen, in die sie aber gehört.

Zunächst tat man allerdings noch geziert:

„Wer die Leiharbeit aus der Schmuddelecke herausholen will, der muss dafür sorgen, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt wird“

Das Pikante an diesem Zitat ist, dass es aus dem Jahre 2013 stammt, vom damaligen DGB-Vorsitzenden Michael Sommer und nur kurz bevor die DGB-Tarifgemeinschaft aus den meisten der DGB-Gewerkschaften zum wiederholten Mal Tarifverträge zur Regulierung der Leiharbeit mit den großen Verbänden des Gewerbes geschlossen hat. Und diese bedeuten bekanntlich, dass damit eben gleicher Lohn für gleiche Arbeit verhindert wird! Meine These dazu lautet, dass den Gewerkschaftsapparaten ihr Motto „Hauptsache mit Tarifvertrag“ wichtiger ist als die geltende Beschlusslage aller DGB-Gewerkschaften nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit. Und es bestätigt meine These, dass eben dieser DGB-Chef Sommer später diesen Tarifvertrag verteidigte: „Jeder Tarif ist besser als keiner“. Denn es geht um die „moralische Verpflichtung“, Menschen „in Arbeit zu bringen“ – existenzsichernd muss sie längst nicht mehr sein…

So wie Erwerbslose – und nun auch Migranten – arbeitsmarkt- und sozialpolitisch gegen die Belegschaften ausgespielt werden, um sie zu weiteren Verzichten an Lohn und Arbeitsqualität zu erpressen, so erfüllen die Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter diese Rolle innerbetrieblich, zudem auch als Streikbrecher.

Leiharbeit hat daher immer noch keinen guten Ruf und das zu Recht. Für die Mehrzahl der Leiharbeitenden ist sie alternativlos, denn die meisten offenen Stellen sind in der Leiharbeit und die Jobcenter vermitteln dahin unter Sanktionsdrohung. Bis zu 40 Prozent weniger Lohn – mit starker Spaltung je nach eingesetzter Branche mit ihren unterschiedlich ausgehandelten Zuschlägen -, meist keine Zusatzleistungen und viel weniger Rechte. Von ihren wenigen Rechten wissen die wenigsten oder verzichten, diese einzuklagen, aus Angst, auch noch diesen Job zu verlieren.

Und im Einsatzbetrieb gelten sie als Lohndrücker, das Symbol der Angst der Stammbelegschaften und zudem auch noch als zusätzliche Belastung, die immer wieder eingearbeitet werden muss. Die Zeitarbeitswirtschaft hingegen lebt von der Lohndifferenz und von der Kunst, ihre Opfer in verleihfreier Zeit mit diversen Tricks um den Lohn zu bringen. An diesen Tricks wird auch das neue Gesetz zur Regulierung von Zeitarbeit und Werkverträgen nichts ändern. Auch hier geht es nicht um die Gleichstellung der Lohnabhängigen, wie es die Beschlusslage aller beteiligten Gewerkschaften erforderte, sondern den Kampf zwischen dem Kapitalinteresse an weiterer Deregulierung und gewerkschaftlicher Forderung nach Eindämmung des „Missbrauchs“ und stärkerer Mitbestimmung beim Einsatz von Leiharbeit und Werkvertrag im Betrieb. Zum Vergleich: In Frankreich gibt es für Leiharbeitende zusätzlich zum gleichen Lohn eine 20prozentige Flexibilitätsprämie als Belastungsausgleich, die dafür sorgt, ihren Einsatz auf die gewerkschaftlich akzeptierten Notfälle einzugrenzen.

Zwischenzeitlich – und nur kurz – hat der krisenbedingte Boom der Zeitarbeit v.a. die IG Metall entdecken lassen: „Leiharbeit setzt die Tarife unter Druck“. Selbst der damalige DGB-Verhandlungsführer Reinhard Dombre entdeckte 2007 die „Zwei-Klassen-Gesellschaft in Betrieben“! Für die LabourNet-Redaktion Grund genug für ein hoffnungsvolles Special: „Kann der Sklavenhändler-Tarifvertrag etwa ein Fehler gewesen sein?“ Doch nun wird aktuell erneut verhandelt!

W: Und, was hoffen und erwarten Sie von diesen Verhandlungen? Werden die Verhandler von sich aus ein Einsehen haben oder tut kritische Intervention not?

MW: Ich kann nur hoffen, dass es zu keinem Tarifabschluss kommt. Namhafte Arbeitsrechtler haben seit Jahren darauf hingewiesen, dass die wirkungsvollste Anhebung der Löhne und Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Leiharbeitenden – neben dem Verbot der Leiharbeit – darin besteht, dass der DGB die entsprechenden Tarifverträge kündigt und seine Absicht mitteilt, keinen neuen Vertrag mehr abzuschließen, um damit Nachwirkung auszuschließen. Diese Gelegenheit bietet sich gerade: Die Tarife in der Leiharbeit sind zum 31. Dezember 2016 kündbar, aber die DGB-Tarifgemeinschaft will weder alle derzeitigen Tarifverträge, noch diese ersatzlos kündigen.

Angesichts der beschriebenen verheerenden Folgen der Leiharbeit sowohl für die gewerkschaftliche Kampfkraft als auch für ihre theoretischen Ansprüche an menschenwürdige Arbeit kann man eigentlich nur das Verbot der Leiharbeit – erneut – fordern. Momentan fehlt hierfür jedoch der notwendige Druck – siehe die oben beschriebene Angst vor den Bedingungen der Erwerbslosigkeit. Nicht nur aus humanitären Gründen, auch zur Minderung der gesteigerten Lohnabhängigkeit und ihrer Folgen müssten die Gewerkschaften die von ihnen mitverursachten Hartz-Gesetze bekämpfen. Auch hierfür fehlt, unverständlicherweise, aber sowohl der notwendige gesellschaftliche als auch innergewerkschaftliche Druck.

Und er fehlt aktuell auch gegen die bereits begonnene und womöglich in der dritten Verhandlungsrunde Ende November abgeschlossene Tarifrunde Leiharbeit 2016/17: Nicht nur der Druck der betroffenen Kolleginnen und Kollegen, sondern der von Betriebsräten und Gewerkschafterinnen sowie Gewerkschaftern. Um diesen Druck aufzubauen, gibt es eine Kampagne mit vor allem einem zu unterschreibenden Offenen Brief an die DGB-Tarifgemeinschaft Zeitarbeit und die beteiligten Gewerkschaften: „Equal Pay für LeiharbeiterInnen, diskriminierende Tarifverträge ersatzlos kündigen!“ Er hat in kürzester Zeit über 500 Unterschriften erhalten – und weitere sind dringend erwünscht.

W: Gibt es – zusätzlich zu Ihrer Kampagne – noch etwas, womit man als Einzelner den Kampf gegen Leiharbeit zu unterstützen vermag? Ggf. auch Formen des zivilen Ungehorsams, die ohne weitere Hürde für jeden leicht in den Alltag zu integrieren sind, oder ähnliches?

MW: Natürlich muss – auch über diese laufende Tarifrunde hinaus – weiterhin ein Verbot der Leiharbeit gefordert werden, wie überhaupt aller Lohnarbeitsformen, die das Gebot gleicher Löhne und Arbeitsbedingungen für gleiche Arbeit verletzen. Mit Kampagnen für – im kapitalistischen System zweifelhafte – „faire“ Löhne und „gute“ Arbeit ist es meines Erachtens nicht getan. In der Tat geht es dabei um unser aller Alltagsverhalten. Wer spricht noch am Arbeitsplatz über die Löhne und interessiert sich für diejenigen der neuen Kollegen? Das notwendige solidarische Interesse darf sich aber nicht auf den Betrieb beschränken!

Mein Lieblingsbeispiel ist ein Facharbeiter, der auf der Maloche vor dem Meister kriecht und sich für den Arbeitsplatzerhalt erniedrigen lässt, und nach Feierabend seine Selbstachtung wiederherzustellen versucht, indem er als „König Kunde“ die Bäckereifachverkäuferin oder den Busfahrer zur Schnecke macht. Wir sind eben nicht nur Kunden, sondern auch Kolleginnen, die sich solidarisch verhalten sollten, auch weil wir ohne die Arbeit anderer weder zu unserer eigenen kommen würden noch für sie qualifiziert wären etc. Und für diese sollten wir ebenso gute Arbeitsbedingungen fordern, wie für uns selbst!

Hierfür muss sich allerdings einiges in unseren Köpfen ändern. Warum akzeptieren – und reproduzieren durch unsere Anerkennung – wir die durch das Kapital durchgesetzte Hierarchisierung des Arbeitsmarktes nach der Nützlichkeit für eben dieses Kapital? Denn nur darauf beruht die leider breit akzeptierte Tatsache, dass ein – womöglich uns gerade entlassender – Manager ein Vielfaches dessen bekommt, was eigentlich die Kindergärtnerin verdient? Doch durch unsere alltäglich manifestierte Hochachtung bzw. Verachtung gesellschaftlich sehr unterschiedlich sinnvoller Berufe betonieren wir diese Ungerechtigkeit. Tagtäglich und unbezahlt. Und am Ende gegen uns selbst.

Ein Interview mit mir zu diesem Thema wurde mit der Überschrift „Vom Grüßen des Busfahrers“ betitelt. Es klingt banal und darf sich natürlich nicht darauf beschränken, wäre aber ein Anfang, der mehr bewirkt als jede Petition, der keine Verhaltensänderung folgt.

W: Noch ein letztes Wort?

MW: Um aus der Erpressbarkeit des Arbeitsplatzargumentes herauszukommen, die schließlich die Gewerkschaften dazu bewegt, Leiharbeit besser als keine Arbeit zu finden, sollten wir unseren Fokus ändern. Der immense Niedriglohnsektor, die sich ausbreitende Armut trotz Arbeit sowie die uns alle lähmende Spaltung und Konkurrenz untereinander beruht auf der immer noch breiten Akzeptanz der Abhängigkeit von einem Lohnarbeitsplatz – um jeden Preis.

Dadurch haben nicht nur die Gewerkschaftsapparate aus den Augen verloren, dass dieser gesellschaftlich nur dann einen Sinn macht, wenn er seine Funktionen der Existenzsicherung und Vergesellschaftung erfüllt und seine Produkte der Gesellschaft nützen. Wir wissen, dass dies in allen Punkten weniger denn je der Fall ist. Warum machen wir nicht die Lebensqualität aller zum Fokus und messen die Arbeitsqualität an ihrer Funktionalität hierfür?

W: Ich bedanke mich für das Gespräch.

Das Interview erschien in den NachDenkSeiten am 28.11.2016.

Hier der Link zum Text: nachdenkseiten.de/?p=36021

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5 Kommentare zu: “„Leiharbeit ist moderner Sklavenhandel“ – Ein Interview

  1. „Wenn die gewerkschaftlichen Entscheidungsträger in ihrem Menschen- und Gesellschaftsbild „davon ausgehen, dass ihre Aufgabe als Interessensvertretung der Arbeitenden darin besteht, sie „in Arbeit zu bringen….“
    ….dann haben sie keine Ahnung von ihrem Job.
    .
    Die Aufgabe der Gewerkschaften war es immer, ist es und wird es immer sein, dass sie die Arbeitsbedingungen der Menschen kontinuierlich und signifikant verbessern.
    Wie anders konnte es ehedem zur gesetzlichen Einführung des 8-Stunden-Arbeitstages anno 1918 kommen (von einem ursprünglichen 16-Stunden-Arbeitstag anno 1850), wenn nicht durch den Druck der Gewerkschaften auf die Besitzer der Fabriken?
    Seit fast 100 Jahren scheint nun diese tägliche Arbeitszeit für Menschen, die sich ihren Lebensunterhalt mit Arbeit verdienen müssen, wie ein 11 Gebot für alle Zeit unveränderbar in Stein gemeißelt.
    Wie kommt es, dass sich die tägliche Arbitszeit nicht weiter alle 50 jahre halbiert?
    Und das bei einem nicht linearen, sondern exponentiellem Fortschreiten der wissenschaftliche Erkenntnisse und der dadurch um ein vielfaches effektiveren Produktionstechniken?
    Allein bei einer Halbierung der täglichen Arbeitszeit nur alle 50 Jahre müsste der Mensch von heute also max. 2 Stunden am Tag arbeiten.
    Warum wurde im Grundgesetz die tägliche Arbeitszeit nicht an die Arbeitslosenzahl gekoppelt?
    Es hätte dei einfache Regelung gelten können, dass bei Erreichen einer Arbeitslosenquote von 1% die tägliche Arbeitszeit um 30 min oder seine Stunde gesenkt werden muss.
    Wann wachen die Menschen endlich auf, und lassen sich nicht mehr mit diesem lächerlichen 8-Stundenarbeitstag verarschen?
    .
    Der 8-Stunden-Arbeitstag ist NICHT das 11 Gebot !!!!!!!!

  2. Ein anschaulicher Text, schön, dass die Arbeiterklasse auf KenFM endlich mit einigen Artikeln und eindeutiger Kritik Erwähnung findet.
    Leider ist es dem obigen Gespräch nicht gelungen, Auswege aufzuzeigen, die aus der Misere konkret herausführen.
    Der Vorschlag am Ende, Aufklärung dahingehend zu betreiben die Menschen von der ökonomischen Religion „Hauptsache Arbeit Amen“ zu heilen, ist nur ein Aspekt, der zwr viel Druck nehmen würde, gelänge es, aber der das Problem letzten Endes nur verschiebt und das hat ja die gesamte Menschheitsgeschichte gezeigt.

    In unserer Geschichte ist es irgendwann vorgekommen, dass wir angenommen haben, Sicherheit sei eine Frage der Führung. Wir haben Staat mit Gesellschaft verwechselt und abstrakte Begriffe wie „nationale Belange“ an die Stelle unserer eigenen Persönlichkeit, Emotionen und Bedürfnisse gestellt.
    Das hat uns über den ganzen Globus viele Schicksalsschläge in allen Jahrhunderten und Epochen erleben lassen.

    Wenn wir eine Gesellschaft wollen, die den Namen wieder verdient, dann müssen wir herstellen, was fehlt und wegnehmen, was stört.

    Gesellschaft und die darin mögliche Lebensqualität, die der Text anspricht, ist nichts anderes als Zwischenmenschlichkeit. Inwiefern können die Menschen am gesellschaftlichen Reichtum teilhaben??? Im Alltag, der tatsächlich stattfindet – nicht in bleiernen Lettern in irgendeinem Buch oder in windscheuen Worten eines sogenannten „Staatsmannes“. Nein – wie sieht die Lebensqualität der Menschen denn tatsächlich aus?
    Gehst du in die Bahn, guckst du den Menschen mal ehrlich und tief ins Gesicht… was sieht man wohl? Genau: Viel Verletzung und Abspaltung der eigenen Persönlichkeit, Trennung vom eigenen Ich und Handlungen gegen die eigenen Bedürfnisse ohne Ende.
    Wir rennen Geld hinterher, weil wir über diesen Mittelsmann Glück erreichen wollen. Wir rennen Politikern und Regierungen hinterher, weil wir über diesen weiteren Mittelsmann politische Stabilität erreichen wollen, wir rennen dem Chef oder Gewerkschaftsbonzen hinterher, weil wir von ihenen wirtschaftliche Wohlfahrt erwarten…. und so ensteht die Herrschaft des Menschen über den Menschen. Und damit auch die Ausbeutung.
    Wir dulden das alles!
    Jeden Tag werden wir verarscht – du putzt dir die Zähne mit Chemiescheiße und da steht was von macht den Zahnschmelz härter drauf, in Wahrheit ist einfach nur Industrieabfall, den wir brauchen, weil wir uns auch nur von Industrieabfall ernähren, dann gehen wir zur Lohnarbeit, wo wir nix zu melden haben – Hauptsache der Eigentümer an den Produktionsmitteln hat den Profit. Dann gehen wir zur Wahl und haben auch hier nichts zu melden, weil wir ja nur sogenannte „Vertreter“ wählen und uns dann wundern, wie sie uns das Leben verzerren… ist doch auch klar – die kennen uns ja nicht mal… wie sollen sie denn dann auf unsere Bedürfnisse reagieren???
    Das System konnte und kann gar nicht funkdtionieren.

    Wir sind es, die aufstehen müssen und unsere Geschicke in die eigenen Hände nehmen müssen.
    Demokratisierung nach diesem Modell ist nichts, weil es nicht vom Geist jedes einzelnen mitgetragen wird und weil nicht jeder daran Anteil haben kann. Denn irgendwer muss für die Milliardenprofite schließlich noch buckeln!

    Wir müsen weitergehen und die täglichen Geschäfte, die ganze Wirtschaft und Politik, die Kultur, das ganze Soziale den Vertretern und Eigentümern entreißen und selber machen!
    Zwischenmenschlichkeit und die Verbindung zwischen den Menschen dürfen nicht durch eine Bürokratie entfremdet und für die Zwecke des Staates, der Kirche, der Reichen oder des Militärs usw. missbraucht werden.
    Aber trotzdem muss es eine Wirtschaft geben und es muss auch eine Versorgung geben, die uns glücklich macht – also nicht nur satt.
    Und deshalb müssen wir diese Versorgung den Besitzern entreißen, denn damit erpressen sie uns ja jeden Tag!
    Wer satt und zufrieden ist, würde sich nicht zum Krieg überreden lassen! Wer in einer guten Atmosphäre mit seinen Nachbarn lebt, würde sich über den Spruch „Konkurrenz belebt das Geschäft“ nur totlachen. „Konkurrenz“ heiß nichts anderes als „Teile und Herrsche!“ Was bedeutet, dass die Herrschenden die Zwischenmenschlichkeit zerstören um uns gegeneinander auszuspielen, da Einigkeit immer die Kraft der Unterdrückten war fürchten die Herrschenden sie am meisten.

    Und warum?

    Weil die Herrschenden nur deshalb die Kraft haben uns an unserer Freiheit zu hindrn, wenn sie unsere Arbeitskraft ausbeuten können! Merkel wäre zu nichts im Stande – sie könnte weder die schönen Solitärgehölze vorm Reichstag pflanzen, noch die Autos herstellen, in denen sie rumfährt. Sie kann nichts! Und auch alle anderen können nichts, sie sind nur mächtig, weil wir ihnen unsere Kraft schenken!
    Angenommen, wir wären uns darüber einig frei sein zu wollen, ohne diese falsche Vorstellung, das ein anderer uns unsere Verantwortung im Leben nehmen könnte, dann wäre es für uns möglich jedes Regime zu brechen. Niemand hätte gegen die Arbeiterklasse eine Chance, weil wir den Schlüssel für Macht in unseren Händen halten. Er war schon immer hier!!!

    Die Arbeitskraft!

    Entziehen wir den Reichen unsere Kauf- und Arbeitskraft, dann sind sie nichts und auch ihre Armeen brauchen immernoch den, der den Knopf drückt und die Maschine tankt.

    Generalstreik weltweit – und Friede weltweit wäre kein Problem. Lasst alles zusammenkrachen! Es ist scheiß egal, denn wir haben ja die Handwerke gelernt um alles wieder aufzubauen, diesmal ganz ohne die Ausbeutung.

    Wie kann eine Gesellschaft ohne Herrschaft bestehen?
    Ganz einfach: Besser als eine mit! Denn wenn man mal bedenkt, dass alle bürokratischen Apparate Kraft und Aufwand kosten, ohne etwas zu produzieren, dann ist klar, dass, falls sie wegfallen, die Menschen zig Stunden pro Woche mehr Zeit haben! Und in dieser Zeit können die eventuell auftretenden Probleme zwischen ihnen in aller Ruhe geklärt werden.

    Es ist doch nur der Stress und der Druck, der uns zu Feinden macht.

    Man wundert sich, dass Flüchtlinge verroht sind und deutsche Frauen angrabbeln… entschuldigung, aber die Regierungen dieser deutschen Frauen überzogen seit Generationen die Länder Flüchtlinge mit Krieg… und Krieg verroht nun mal…. und wenn man sich den Krieg dann noch nach Hause holt, dann hat man eben was man selbst fabriziert hat.
    Aber in dieser Frage ist die Schuld ganz klar aufgeteilt: Sie liegt bei den Herrschenden. Oder meint ihr ohne zentrale Führung und Sklaventum würden Menschen en masse einander töten? Ich denke nein. Konflikte gibt es immer, aber ohne Militär und Polizei sind diese Konflikte persönlicher Art und flammen nicht hoch bis zum „nationalen“ Millionentot.

    Eine Gesellschaft auf Basis einer Selbstverwaltung hätte diese Probleme der Staatsgesellschaften nicht.
    Die Zwischenmenschlichkeit bildet ein Netz um uns, welches uns schützt und einander näher bringt. Die Trennung zwischen uns, bspw. in Klassen, Religionen usw. führt zu Hass und Gewalt und letztendlich zu den ganzen Problemen, die wir weltweit haben.

    Aber wie sähe jetzt so eine Selbstverwaltung aus: Bleiben wir beim Beispiel der Gewerkschaft.
    Natürlich ist der DGB korrumpierbar. Er untersteht einer zantralen Führung von Gewerkschaftsbonzen und er macht nichts, dass die Arbeiter mehr Bewusstsein bekommen und handelt immer nach dem bundesrepublikanischen Prinzip der sogenanten Sozialpartnerschaft – die Beibehaltung der Profite und der Macht bei der Elite und die Stellung als Lohnsklave bei den Arbeitern.
    Wie muss also eine basisdemokratische Gewerkschaft aussehen? Sie muss sich zunächst einmal in jedem Betrieb aus den dort arbeitenden zusammensetzen, die auch konkret Posten übernehmen.
    Die erste Forderung könnte sein: „Arbeitszeitverkürzung und Einstellung der Arbeitslosen bei steigendem Lohn“.
    Damit muss ermöglich werden, dass sie Gewerkschaft für die Leute interessant wird. Aber es kann nicht sein, dass sich eine Aristokratie in der Gewerkschaft herausbildet, die dann die Masse der Arbeiter eines Betriebes an die Reichen verrät und auf deren Schmeicheleien eingeht.
    Es muss so sein, dass die Arbeiter aktiv sich an den Abstimmungen und an den Aktivitäten beteiligen.
    Man muss zunächst im Betrieb die andern erstmal kennenlernen. Gemeinsam Aktivitäten machen. Dann muss man lernen sich gegenseitig zu helfen.
    Dafür kann man Organisationen aufbauen – Beispielsweise Fahrgemeinschaften, Hilfe im Haushalt, Nachhilfe für die Kinder, was weiß ich… alles. Man kann sich überall helfen.
    Über ein solches Miteinander wächst man mit der Perspektive auf eine kämpferische Gewerkschaft zusammen.
    Das Ziel darf nie die Erahltung der eigenen Position sein, sonden muss immer sein, den Betrieb wirtschaftliche abzuwracken und ihn dann als Kollektivbetrieb, Genossenschaft u.ä. ohne Hierarchien selbst zu übernehmen und weiter zu führen.
    Sind die ersten Betriebe von den Arbeitern selbst übernommen und schaffen es die Menschen sich so bessere Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, werden immer mehr Menschen zu solchen freiheitlichen Betrieben abwandern und den Reichen geht die Arbeitskraft flöten.
    Sie werden dann diese Art ohen Chef zu wirtschaften verbieten, politisch. Darauf müssen die Arbeiter dann mit einem ganz anderen Streik regieren, als in der BRD üblich.

    Dem politischen Streik! Sie müssen dann in zig Betrieben streiken, bis die Politiker einknicken und die Verbote und Restriktionen fallen lassen.
    Ob der Chef sich dann immernoch den Urlaub und das Wohnmobil leisten kann, ist uns scheiß egal. Er muss verschwinden und malochen wie alle anderen auch und all anderen müssen genauso viel zu sagen haben, wie der Chef, dort, wo sie auch Ahnung von haben. Und da nicht alle über alles bescheid wissen, der Chef schon gar nicht, müssen wir die Betrieb auf Zwischenmenschlichkeit aufbauen. Man muss miteinander reden, damit es klappt!

    Jetzt haben wir bereits einige Betriebe in unserer Hand und den politischen Streik erprobt. In diesem Stadium sind die Gewerkschafter erprobt und kennen sich aus, sie haben sich die Gesetzesgrundlagen angeeignet und wissen über ihre Rechte bescheid. Sie sind solidarisch und helfen auch Leuten aus anderen Betrieben. Zwischenmenschlichkeit, Vitamin B unter allen Angehörigen der Arbeiterklasse muss das erste Gebot sein – damit das funktioniert, müssen die Führer abgebaut werden, Gewerkschaftsbonzen müssen verschwinden uns Betriebsräte müssen durch basisdemokratische Alternativen ersetzt werden.
    Auf der betriebswirtschaftlichen Seite müssen wir die Betriebe die wir in unserer Hand haben so ausbauen, dass wir die Bevölkerung versorgen können – so dass sie im Ernstfall einer Revolution nicht auf dem Trockenen sitzen, denn dann kann die Revolution schnell in ihr Gegenteil umschlagen. In Diktatur, weil dann wieder alle zu dem rennen, der behauptet er werde das Schlammassel schon regeln…. das ist ja immer bisher schiefgegangen! Und geht grade in den USA aufs Neue schief.
    Naja, also jedenfalls ist der nächste Schritt dann der Generalstreik.
    Für uns bedeutet das keine Zeit der Arbeitslosigkeit, im Gegenteil: Wenn wir nicht mehr in den kapitalistischen Betrieen arbeiten, müssen wir in unseren Betrieben arbeiten, denn die Herrschenden werden versuchen uns damit zur Arbeit zu zwingen, dass sie Nahrung und andere Grundbedürfnisse verknappen und wegschließen.
    Diesen Mangel, den sie jetzt schon künstlich über dritten Welt mit unserer Zustimmung als Gefängnis der Armut errichtet haben, brechen wir durch Selbstorganisation.
    Wir versorgen uns selbst durch Jahre lang vorher errichtete Solidarische Landwirtschaft.
    Die Verteilung der Nahrungsmittel läuft über Börsenstrukturen in der Hand der lokal Ansässigen, bzw. in Kommunikation mit dem Umland.

    Dann haben wir es geschafft – dann können wir sie einfach ignorieren. Wir haben dann gar keine Zeit für Racheakte oder sinnlose Zerstörung denn wir müssen dann alles – alle wirtschaftlichen Geflechte, an denen es bisher mangelt, weil die Reichen sie uns verwehren, neu und frei aufbauen. Ohne den Kapitalismus und ohne den Staat und ohne den ganzen Zentralismus, der unsere Gesellschaft befallen hat.

    Ich denke so könnte es laufen. Wichtig ist, dass der gewerkschaftliche Kampf in kapitalistischen Betrieben parallel läuft mit dem Aufbau nichtkapitalistischer, also Bedarfswirtschaftlicher Ökonomie, damit wir uns darüber ernähren können, wenn wir den ganzen Industriemüll der Kapitalisten über Bord kicken und recyclen werden.

    Alleine die Vorstellung versüßt einem doch das Wochenende! Man weiß endlich, wofür man buckelt.
    Einfach Kollektivbetriebe gründen, anarcho-syndikalistische Gewerkschaften aufbauen, kulturelle Zentren der Aufklärung und gegenseitigen Hilfe errichten…

    Historische Parallelen lassen sich in der Geschichte der Spanischen Revolution und im Spanischen Anarcho-syndikalismus finden. Aber man kann nicht nur in dr Vergangenheit leben – die Zeiten haben sich geändert man muss – Argh ganz schwierig – selber denken! Aber man kann trotzdem aus der Geschichte enorm viel lernen, besonders aus den gemachten Fehlern!

    • „Wir versorgen uns selbst durch Jahre lang vorher errichtete Solidarische Landwirtschaft.
      Die Verteilung der Nahrungsmittel läuft über Börsenstrukturen in der Hand der lokal Ansässigen, bzw. in Kommunikation mit dem Umland.“

      – Wo soll den das Land für eine solidarische Landwirtschaft herkommen?

      – Dazu kommt, das die große Zahl der Menschen abhängig in Lohnarbeit tätig ist.

      – Sie denken doch nicht, dass sich das das Kapital und Ihre Regierung dabei zuschauen?
      Da gibt es unzählige Methoden, das zu verhindern.
      Ganz abgesehen von der Tatsache, das das System vom Großteil der Bevölkerung nicht durchschaut wird.
      Es muss erst Vielen sehr viel schlechter gehen, eh es anders wird.
      Das wird erst passieren, wenn das System von sich aus kippt.
      Das kann auch sehr schnell gehen – z.B. Finanzcrash.

      Sprechen Sie mal mit Leuten (Arbeitskollegen, Verwandten und Bekannten) über das, was Sie für richtig und wünschenswert halten und achten sie auf Ihre Reaktion.
      Ich vermute mal: Die Zeit ist leider noch nicht reif. Leider!

  3. Wer die Datenkrake Google zum Thema bemüht, landet zunächst einmal bei den Apologeten der Leiharbeit, den Firmen und ihren Interessenvertretungen.

    Die Freigabe der Leiharbeit war ein erster Ansatz zur Privatisierung von öffentlichen Aufgaben:

    „Zeitarbeit bzw. Leiharbeit galt in der Bundesrepublik Deutschland lange Zeit als private Arbeitsvermittlung und war verboten, da das Recht zur Arbeitnehmerüberlassung bis 1967 bei der Bundesanstalt für Arbeit (heute: Bundesagentur für Arbeit) monopolisiert war. 1972 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die Einbeziehung der Arbeitnehmerüberlassung in das Arbeitsvermittlungsmonopol der Bundesanstalt für Arbeit ein unzulässiger Eingriff in die Freiheit der Berufswahl war. Damit war das gesetzliche Verbot aufgehoben.“

    http://www.gutefrage.net/frage/leiharbeitzeitarbeit-warum-war-die-bis-1967-in-deutschland-verboten

    Anbei noch ein paar Artikel der NrhZ, der Jahre 2007/2009/2010:

    Zu Lasten der Menschen im Lande:
    Obszöne Politik
    Von Hans-Dieter Hey

    Agenda 2010, Hartz IV und die Liberalisierung des Arbeitsmarktes haben bis heute zu erheblichen Verwerfungen bei den Tarifverträgen, zu ausufernder Leiharbeit, zu Armutslöhnen und zu einer Erosion der sozialen Sicherung bei Arbeitslosigkeit geführt. Die Armut – vor allem bei Kindern – breitet sich aus. Immer mehr Menschen werden zu Hartz IV verdammt. Die Langzeitarbeitslosigkeit verfestigt sich, der Suppenküchen-Staat schreitet fort. Länder und Kommunen können kaum noch ihre Aufgaben wahrnehmen. Die neoliberalen Heilslehren ruinieren weiter unser Land.

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15629

    Leiharbeiter in der Krise
    Hire und fire
    Von Wolfgang Uellenberg-van Dawen

    Wer es lange Zeit nicht wahrnehmen wollte, spätestens jetzt in den schlechten Zeiten der Krise wird das wahr, was Kritiker der Deregulierung der Leiharbeit schon in den guten Zeiten des Aufschwungs prophezeit hatten: Die Leiharbeit ist nichts anderes als eine Amerikanisierung der deutschen Arbeitswelt nach dem Prinzip Hire und fire.

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13571

    Leiharbeit – moderne Sklaverei, die floriert
    Arm und rechtlos trotz Arbeitsvertrag
    Von Edith Bartelmus-Scholich und Hans-Dieter Hey

    Wehren können sich die LeiharbeiterInnen wie Simone K. wenig. Sie berichtet, dass sie froh war, nach Wochen Unsicherheit endlich überhaupt einen Vertrag zu erhalten. Ihr war klar, dass sie keine Möglichkeiten hatte, zu verhandeln, sondern dass sie nehmen musste, was ihr angeboten wurde. Damit ist sie kein Einzelfall. 3,4 Millionen prekär Beschäftigte arbeiten zu Löhnen, die nicht existenzsichernd sind. Tendenz steigend, denn die Leiharbeit steigt bundesweit kräftig. Seit Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 hat sich die Anzahl der LeiharbeiterInnen von 290.000 auf knapp 600.000 mehr als verdoppelt.

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=11567

    Da man sich oft bei Herrn Schröder dafür bedankt, dass er Deutschland aus dem Irakkrieg heraushielt, sollte man nicht vergessen, das System tötet nicht nur mit Bomben.
    Das sind nur die sichtbarsten Opfer.

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