Leserbrief an die Junge Welt

Der nachstehende Leserbrief an die Junge Welt erreichte die KenFM-Redaktion:

 

An die Junge Welt

Liebe Freunde, Genossen, liebe Redaktion,

am Samstag, den 11.06. fuhren wir nach Ramstein, um an der Menschenkette gegen den US/NATO-Drohnenkrieg teilzunehmen, an dem die Merkel-Regierung direkt beteiligt ist, da diese Morde von deutschem Staatsgebiet aus gesteuert werden. Die offizielle Veranstaltung „stop ramstein“ lief vom 10.06-12.06.

In der Samstag/Sonntagsausgabe der JW vom 11./12.06. fand sich zu der Anti-NATO-/Drohnen-Demonstration kein einziges Wort.

Im Nachgang zu der gesamten Veranstaltung, an der mehrere Tausend Menschen teilnahmen, fand sich auf Seite 1 der JW-Ausgabe vom 13.06. der folgende Passus:

„Zeitgleich zu den gegen die Bundeswehr gerichteten Protesten versammelten sich am pfälzischen US-Stützpunkt Ramstein Friedensaktivisten, um gegen den tödlichen Einsatz von Drohnen durch die Vereinigten Staaten zu protestieren. Während die Polizei von 2.000 Menschen sprach, die sich am Sonnabend an einer Menschenkette beteiligten, zählten die Organisatoren 5.000. Zuvor hatten rund 1.500 Demonstranten an einer Kundgebung im nahen Kaiserslautern teilgenommen und die Schließung des US-Militärstützpunktes gefordert. Der saarländische Linksfraktionschef Oskar Lafontaine bezeichnete dort den Drohnenkrieg, den die US-Amerikaner mit Hilfe Ramsteins führten, als ‚völkerrechtswidrig’. Es sei unerträglich, dass die Bundesregierung dazu schweige.“

Das war alles, was die JW-Redaktion zu dieser Veranstaltung medial auf die Beine stellte. Peinlich wäre eine massive Untertreibung. Das war klare Absicht und Nachrichten-unterschlagung der Extraklasse.

Das eigene Motto und damit die Glaubhaftigkeit und Legitimation der JW gegenüber den verlogenen Mainstream-Medien lautet:

„Sie lügen wie gedruckt – wir drucken, wie sie lügen“.

Ich finde dieses Motto großartig und ich habe JW seit Jahren z.T. aktiv im Sinne dieses Mottos bei Aktionen, durch Werbung und auch finanziell durch eigene Abos und Einzahlungen in die Genossenschaft unterstützt.

Da Ihr Euch intern offensichtlich ein anderes Motto gebt, als nach außen verkündet, darf man raten, welches das sein könnte? Hier einige Vorschläge:

„Sie lügen wie gedruckt – wir machen mit“.

„Sie lügen wie gedruckt – wir drucken, was uns passt“.

„Sie lügen wie gedruckt – wir drucken, was Sekten-konform ist“.

„Sie lügen wie gedruckt – wir drucken, was das Wahrheitskollektiv abgesegnet hat“.

Auf die Hintergründe, die der Unterschlagung zu Grunde liegen, gehe ich hier nicht weiter ein. Nur soviel: Es ist dieses penetrante Sektierertum, diese ätzende Rechthaberei und das bis zum Exzess getriebene Verteilen von Ausschluss-Stempeln: Du Antisemit, Du Anti-Amerikaner, Du Verschwörungstheoretiker, Du nimmst an einer Demo teil, da könnten sich auch Rechte untergemischt haben, und weil ich immer Recht habe, kannst Du nur auf der falschen Seite stehen usw..

Euch und uns muss niemand erzählen, wie Medienmanipulation funktioniert. Eine der vielen widerlichen Techniken ist das Weglassen / Unterschlagen von Informationen und Nachrichten. Das ist die Haupttechnik unserer Gegner, die man täglich beweisen kann. Wenn Ihr in Zukunft nach den gleichen verlogenen und verkommenen Standards arbeitet wie die Mainstream-Mafia, dann seid Ihr überflüssig.

Eure Sektenhaltung wird sich aller Voraussicht nach bereits auf mittlere Sicht schädlich auf die Finanzierung von JW auswirken, da das Überleben der JW von der Genossenschaft abhängt. Kritische Köpfe lassen sich Nachrichtenunterdrückung durch Weglassen nicht bieten.

Bitte beschädigt JW nicht weiter. Die Zeitung ist nicht Eure private Spielwiese.

Beste Grüße und Wünsche auf bessere Zustände
Ullrich F.J. Mies

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Vielen Dank an den Verfasser und Absender für das Recht zur Veröffentlichung des Briefes.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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13 Kommentare zu: “Leserbrief an die Junge Welt

  1. Auch die Junge Welt ist differenzierter wahrzunehmen. Diesen Artikel brachte sie in der Mobilisierungsphase: https://www.jungewelt.de/2016/o5-11/072.php

    Wir sind alle Wesen, in denen Programme ablaufen, die sich gegenseitig ausschließen. Insofern ist es angeraten, sich nicht besser als andere zu sehen. Wer ohne … ist, werfe den ersten …

    Die Selbstgerechtigkeit in den Bewegungen für ein soziales, friedliches, menschenfreundliches Leben ist ein Habitus, der die Kräfte des Alten erfreut und mächtiger erhält, als es gut ist.

    • Dein Link führt leider ins Leere.

      Ansonsten volle Zustimmung. Kritik und gut und wichtig, aber wir sollten auch die Gemeinsamkeiten, die wir mit der JW und anderen haben, nicht außer Acht lassen. Nur gemeinsam sind wir stark, auch wenn wir in Detail-Fragen verschiedener Meinung sein können.

    • guter Journalismus kostet viel Geld. Selbst Blogs von guten Journalisten können keine gute Zeitung oder gutes Fernsehen komplett ersetzen.
      Zeitungen brauchen die Unterstützung Ihrer Leser. Sowohl finanziell als auch ideell. Entweder die JW muss weiter verbessert werden oder eine neue Zeitung muss her.

  2. Wem die Ausrichtung der JW nicht gefällt, kann sie ja als Genossenschaftler beeinflussen.

    Dazu folgender Link: https://www.jungewelt.de/unterstuetzen/genossenschaft/

  3. „Bitte beschädigt JW nicht weiter. Die Zeitung ist nicht Eure private Spielwiese.“

    Oh doch, das ist sie sehr wohl. Wie nahezu jede Zeitung, jede Tv Sendung, jedes Internetportal, jedes Buch, jeder Artikel die private Spielwiese eines einzelnen Menschen oder einer Gruppe ist.

    Und wer es schafft sich seine private Spielwiese von Anderen finanzieren zu lassen UND noch davon (gut) Leben kann, der ist einfach – fein raus.

    • Letztlich bestimmen die Leser wem sie Ihr Geld geben.
      Wer gut und gründlich arbeitet hat es auch verdient unterstützt zu werden.

  4. Ich hab früher oft die JW gelesen und lese die außenpolitischen Berichte nach wie vor gern. Was sie allerdings zur Flüchtlingsthematik oder ihre ehemaligen Kollegen wie beispielsweise J.Elsässer (Chefredakteur) schreiben ist einfach nur lächerlich und dumm. Anstatt Schulterschlüsse zu suchen reicht der JW offensichtlich ihre kleiner Marxisten Community aus, wo selbst Leute wie Ken Jebsen oder Demonstrationen wie die Mahnwachen kritisch gesehen werden.
    Typisch Deutsch (leider).
    Gleiches gilt für die ND, TAZ selbstverständlich genauso.

  5. Montag 13.6.2016 in der „Freien Presse“ Chemnitz das gleiche. Über v d Layens(würg)Besuch der BW Kaserne Frankenberg eine ganze Seite Bericht. Über Ramstein ein Microbericht der Friedensbewegung.

    • Aber bei weitem nicht in dem Umfang wie es hätte eigentlich sein sollen. Ich hatte in meinen Kommentar darauf hinweisen wollen das die Kriegstreiberin
      v.d.L. eine ganze Seite bekommt und die Friedensaktion in Ramstein nur einen winzigen Bericht. Müsste doch umgekehrt sein oder??

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