Links und rechts – Notwendige oder überholte Kategorien?

Von Kaveh Ahangar.

In den letzten Jahren wurde vor allem von Leuten aus dem Mahnwachen- und „verschwörungstheoretischen“ Spektrum sowie von rechten Kräften, die aber nicht als solche wahrgenommen werden wollen, immer wieder behauptet, dass die Unterscheidung zwischen links und rechts keinen Sinn mache, da sie die Menschen lediglich spalten würde und sie so dem Teile-und-Herrsche-Prinzip zum Opfer fielen. Es stimmt natürlich, dass die Aufteilung in links und rechts innerhalb der heutigen politischen Parteienlandschaft wenig Sinn macht, da in Deutschland alle Parteien außer DIE LINKE eine neoliberale Politik verfolgen und sowohl die Grünen als auch die SPD sich spätestens seit Ende der 90er Jahre von den Restbeständen linker Ideen und Praktiken verabschiedet haben. Dennoch ist die Forderung das links-rechts-Schema aufzulösen, meines Erachtens nicht nur grundlegend falsch, sondern auch gefährlich, da sie den Rechten in die Hände spielt.

Sowohl die Rechten als auch die Liberalen und die Linken sind äußerst heterogen, und es gibt bedeutende Unterschiede innerhalb ein und derselben Strömung. Die Kategorien links und rechts – die ihren Ursprung in der Sitzordnung der französischen Nationalversammlung von 1789 haben* – erfuhren im Laufe der Geschichte verschiedene Bedeutungswandlungen. Hinzu kommt, dass es innerhalb jeder politischen Strömung auch linke und rechte Flügel gibt. Darüber hinaus gibt es trotz unterschiedlicher Wertevorstellungen manchmal auch gewisse Überlappungen zwischen linken und rechten Regierungen. Z.B. gibt es historisch gesehen methodische Überschneidungen bei den Praktiken der Gewalt-, Herrschafts- und Machtausübung. In der Tat gibt es bekanntlich sowohl linke als auch rechte Diktaturen, die Dissident*innen einsperren und foltern. Im Gegensatz zu faschistischen Regimen, in denen man allein schon wegen der ethnischen Herkunft oder Religion brutaler Willkür ausgesetzt ist, kann man in „realexistierenden“ sozialistischen Diktaturen staatlichen Repressionen in der Regel entgehen, wenn man das Spiel mitspielt, keine Kritik übt und sich anpasst. Rassismus und andere Formen der Diskriminierung sind zwar auch in „realexistierenden“ sozialistischen Staaten anzutreffen, aber im Gegensatz zu faschistischen Regimen widersprechen sie der Staatsdoktrin und dem emanzipatorischen Selbstverständnis dieser Staaten.

Dennoch gibt es grundsätzlich ganz klare Differenzen, die deutlich machen, warum rechte und auch liberale Weltanschauungen in letzter Instanz anti-emanzipatorischer Natur sind. Tatsächlich wird man nicht viele liberale und noch weniger rechte Personen finden – und ich meine damit nicht nur Faschisten und Rechtsradikale, sondern auch Konservative – die in ihrer Denke keine diskriminierenden Elemente aufweisen oder gar die Emanzipation aller unterdrückten Gruppen und Individuen einfordern würden. Natürlich gibt es auch Linke, die diskriminierende Denkmuster aufweisen. Mit den Ideen des Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus hat dies allerdings nichts zutun. Wie menschlich sich Linke und Rechte im Alltag verhalten, steht zwar auf einem anderen Blatt. Den Kampf für eine progressive, postkapitalistische Gesellschaft kann man von rechten Kräften allerdings nicht erwarten.

Rechte und Liberale haben ein Menschenbild, das gesellschaftliche Ungleichheit als notwendig voraussetzt und mit unterschiedlichen Fähigkeiten begründet, die biologisch und/oder kulturell bedingt seien, was wiederum die unterschiedlichen Leistungsergebnisse erklären soll. Dabei werden strukturelle Benachteiligungen, die systemischer und institutioneller Natur sind, in der Regel ausgeblendet. Das Wesen der bestehenden Macht- und Herrschaftsstrukturen bleibt also unangetastet. Im Gegensatz zum Konservatismus der Rechten und dem Marktfundamentalismus der Liberalen, stehen linke Ideologien entweder für die Reform oder Umwälzung bestehender Verhältnisse, um die Voraussetzungen zu schaffen, welche Emanzipation erst möglich machen. Es handelt sich dabei um unterschiedliche Formen der Unterdrückung, von denen sich die subalternen Klassen befreien wollen. Die Lohnarbeiter*innen kämpfen gegen die Ausbeutung und Unterjochung durch das Kapital und dessen Handlanger in der Politik. Die Feminist*innen gegen die Unterdrückung durch patriarchale Strukturen. Die Länder des globalen Südens gegen den Neokolonialismus des Westens, insbesondere gegen die Hegemonie und den Imperialismus der USA, aber auch gegen den russischen und chinesischen Imperialismus. Nicht-Weiße gegen die Dominanz und den Rassismus der weißen Machteliten. Asylsuchende fordern Staatsbürgerrechte ein. Staatsbürger*innen demonstrieren gegen Repression, für die Durchsetzung ihrer Bürgerrechte und für mehr Demokratie und Mitbestimmung. LGBTQs, Menschen mit Behinderung, Umweltaktivist*innen, Tierrechtler*innen, religiöse Minderheiten, Atheist*innen usw. gehen für ihre Belange und Rechte auf die Straße. All diese Kämpfe zählen zu den unterschiedlichen Schlachtfeldern der radikalen Linken, Sozialist*innen, Kommunist*innen und Anarchist*innen. Kurz, die Ausgebeuteten, Unterprivilegierten und Unterdrückten fordern ein menschenwürdiges Leben ein und Linke haben sich historisch gesehen immer schon am stärksten für die Schwachen eingesetzt. Denn wie Marx schon richtig erkannte, sollte es darum gehen, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“

Rechte Ideologien und ihre Vertreter*innen sind gewöhnlich weder für direkte Demokratie noch für die Überwindung des Kapitalismus. Ein Teil der Rechten versucht, die neoliberale Agenda aufrechtzuerhalten, indem er die Arbeitnehmer-, Staatsbürger- und Verbraucherrechte abbaut und die Kluft zwischen Arm und Reich durch Privatisierungen, Entlassungen, Lohnkürzungen und Finanzspekulationen in die Höhe treibt, während ein anderer Teil sich auf Kosten von Asylsuchenden und Migranten mehr Souveränität gegenüber den USA und einen starken Nationalstaat zurückwünscht. Neokonservative Kräfte wiederum reden einen Kampf der Kulturen herbei, um ihre geostrategischen und wirtschaftlichen Interessen durch kriegerische Interventionen durchzusetzen. Rechte Kritik am Wirtschaftssystem geht in der Regel über Zinskritik und personalisierte Kapitalismuskritik nicht hinaus. Linke dagegen machen sich grundsätzlich für die internationale Solidarität stark und bekämpfen die oben beschriebene Politik.

Trotz erheblicher ideologischer Unterschiede zwischen antideutschen und rechtskonservativen oder rechtspopulistischen Strömungen, auf die ich hier aus Platzgründen nicht eingehen kann, streben sie eine Neudefinition politischer Kategorien an. Rassist*innen wie Jürgen Elsässer und kleinbürgerliche Antideutsche profitieren von der Auflösung einer klassischen Definition von links und rechts sowie der traditionellen Einteilung in diese – im wahrsten Sinne des Wortes – antagonistische politische Lager. Denn Erstere beabsichtigen dadurch ihre Macht zu erweitern, indem sie die etablierten Parteien und Ideologien für obsolet erklären. Antideutsche wiederum streben eine Neudefinition dieser Kategorien an, indem sie personalisierte Kapitalismuskritik, Klassenkampf und Antizionismus mit Begriffen behaften, die traditionell den Rechten vorbehalten waren, während eine pro-US- und pro-Israel-Haltung ihr angeblich aufgeklärtes und säkulares Weltbild widerspiegeln soll. Sie neigen also wie ihre neokonservativen Pendants dazu, einen Kampf der Kulturen zwischen „Islamfaschisten“ und einer „aufgeklärten bürgerlichen Gesellschaft“ zu zeichnen. Die Antisemitismuskeule ist dabei vielleicht das beste Beispiel dafür, wie Antideutsche versuchen nicht nur rechte, sondern auch emanzipatorische Kräfte mundtot zu machen und Linke als Rechte zu diffamieren, weil sie die Scharia, den Faschismus und erneute Pogrome gegen Jüd*innen fürchten. Dafür nehmen sie die zunehmende Faschisierung des rassistischen israelischen Kolonialstaates und die Unterdrückung und Ermordung von Millionen von Menschen durch das staatsterroristische US-Regime billigend in Kauf.

Nur eine Linke, die den Klassenkampf mit direkter Demokratie und der Einhaltung universeller Menschenrechte aller Unterdrückten in Einklang bringt sowie die abstrakte und konkrete Kapitalismuskritik dialektisch zusammen denkt, hat es auch verdient, im Namen der Emanzipation zu sprechen und zu handeln. Denn sonst ist sie keine glaubwürdige und vertrauenserweckende Alternative zu den Rechten, Liberalen und verfeindeten linken Strömungen, die sie kritisiert und bekämpft.

*Für die Begriffsgeschichte von links und rechts empfehle ich @Ingar Solty’s Beitrag im „Historisch-Kritisches Wörterbuch des Marxismus“: https://www.academia.edu/12119547/Links_rechts_Left_Right_

Quelle: https://www.facebook.com/kavehtracks/posts/1122142987818529?fref=nf&pnref=story.unseen-section

 

Danke an den Autor für das Recht der Zweitverwertung.

Dieser Artikel erschien zuerst bei: Kaveh Ahangar auf Facebook.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

 

8 Kommentare zu: “Links und rechts – Notwendige oder überholte Kategorien?

  1. Glaubt ihr eine Unterscheidung in „Links“ und „Rechts“ ist wirklich hilfreich, und wenn ja, für wen?
    Ich bin Arbeiter. Also kein „Lohnabhänger~_I/innen“ sondern Arbeiter.
    Wenn ihr mal was kapieren wollt, dann stellt eure ganze Weltsicht auf den Kopf, und seht in die Welt mit euren Augen. Wenn ihr auch Prolet seid, wie ich, dann blickt nicht in die Welt durch die Augen von Studenten, bourgeoisen Machtmenschen, wie Marx und Engels und wie diese Säulenheiligen auch noch heißen mögen. Seht sie mit euren eigenen Augen.
    Und unterteilt sie nicht in „links“ oder „rechts“, oder „jüdisch“ oder „moslemisch“ oder „queer“ oder „hetero“ oder was sie euch auch immer erzählen, die schlauen Herren und Damen von der Uni…
    Das ist alles intellektuelle Identitätspolitik und wenn wir Arbeiter was aus der Geschichte gelernt haben, BESONDERS der Französischen Revolution, in der wir verraten wurden und die Bourgeoisie ihre große Party hatte …. Ja dann ist es doch, dass diese ganze Politiksch… mit uns nichts zu tun hat.
    Das sind die Worte der Herrschenden. Die sind aber keine Arbeitstiere, sondern sie machen uns dazu… dass wir dumm sind und natürlich auch ich mich füge und mich selbst belüge, das steht auf einem anderen Blatt, klären wir wann anders. Der springende Punkt ist, dass diese ganze Politik nichts weiter ist, als Religion. Glaube, Abstraktion.
    Wir Arbeiter sollten es so machen, wie wir es auch im Leben sonst immer machen: Wir halten uns an Fakten, ganz klare Basics.
    Und wenn wir so rational an ein Problem ran gehen, dann muss klar sein, dass solche willkürlichen Sitzordnungen unbedeutend für uns sind – wir müssen außerhalb dieser ganzen Sitzordnung denken, weil schon die französische Revolution nicht unsere Revolution war. Die haben uns damals draußen gelassen, das Wahlrecht war immernoch an Geld gebunden! Sie haben uns rausgeschmissen und deshalb hören wir jetzt endlich auf, uns auf ihr Spiel einzulassen. Wir müssen unser eigenes Spiel spielen. Es war die Party des Bürgertums.
    Sie hat uns später ein neues Joch beschert, das Durchfüttern der kapitalistischen Bourgeoisie, betäubt durch die Beschwichtigungen ihrer Aufstiegsreligion, ihrer Wachstumsreligion, den Reformen und dem Versicherungswesen.
    Nun – um es jetzt abzukürzen:
    Unterscheidet nicht in „links“ oder „rechts“, sondern unterscheidet in Föderalistisch und Zentralistisch.
    Die zwei zentralen Motive unserer menschlichen Kultur-Evolution, die nicht erfunden wurden, um dann die Geschichte um sie herum zu basteln, sondern die von einem der unsrigen anhand des Laufs der menschlichen Organisationsformen in der Vergangenheit herauskristallisiert wurden.
    Gemeint ist Rudolf Rocker. Und hier ist ein Zitat, abgedruckt im „Syndikalist“, dem zentralen Blatt der Freien Arbeiter Union Deutschland von 1922:

    „Ausgehend von der Erkenntnis, dass der Sozialismus dem Volke nicht von oben her durch irgend eine politische Zwangseinrichtung künstlich aufgezwungen werden kann, sondern sich vielmehr organisch aus den schöpferischen Instinkten und Bestrebungen der Allgemeinheit entwickeln muß, vertritt der Kongreß den Standpunkt, dass die sozialistische Arbeiterbewegung organisatorisch schon heute derart gestaltet sein muß, dass sie den Geist der Selbständigkeit und des sozialen Zusammenwirkens im Sinne dieser Bestrebungen in jeder Weise vorantreibt und fördert.
    Aus diesem Grunde ist die dem Staate und der Kirche abgelauschte und geistlos nachgeahmte Form des Zentralismus grundsätzlich zu verwerfen, da dieser im Grunde genommen Bestrebungen verfolgt, welche dem eigentlichen Ziele der Arbeiterbewegung – der Befreiung des Menschen vom Fluche der kapitalistischen Leibeigenschaft und der staatlichen Bevormundung – direkt zuwiderlaufen und notwendigerweise die unentbehrlichen Grundlagen für stets neue Formen der Ausbeutung und der politischen Unterdrückung schaffen hilft. Indem der Zentralismus die Wahrnehmung der allgemeinen Interessen einigen wenigen in Bausch und Bogen überträgt, führt er letzten Endes zur Erdrosselung jeder selbständigen Initiative und jedes persönlichen Verantwortlichkeitsgefühls, deren Ausschaltung in der toten Mechanisierung jeder zentralistisch organisierten Bewegung ihren unvermeidlichen Ausdruck findet.
    Der Kongreß gibt der Meinung Ausdruck, dass die einzig wirksame und zweckmäßige Form einer sozialen Bewegung, die auf die Reorganisation des gesamten gesellschaftlichen Lebens im Sinne des freiheitlichen Sozialismus abzielt, nur im Föderalismus, d.h. in einer organischen Zusammenfassung selbständiger gesellschaftlicher Körperschaften zur Erreichung eines gemeinschaftlichen Zieles auf der Basis freier Vereinbarungen, gefunden werden kann.
    Aus diesem Grunde bedeutet Föderalismus nicht Zersplitterung der Kräfte, sondern planmäßiges und natürliches Zusammenlaufen aller aktiven Bestrebungen, die sich von der gesellschaftlichen Peripherie aus nach gemeinschaftlichen Mittelpunkten bewegen, in denen sich die Gemeinschaftlichkeit der Interessen und der Überzeugungen kristallisiert; im Gegensatz zum Zentralismus, der von einem künstlich geschaffenen Mittelpunkte aus den lokalen und territorialen Gruppierungen dieselben gleich abgestimmten Betätigungsformen aufzwingt und durch diese willkürliche Schablonisierung der Kräfte jede besondere Initiative lähmt und in ihrer natürlichen Entfaltung verhindert.
    Föderalismus ist das gemeinschaftliche Zusammenwirken selbständiger Kräfte, welche durch gemeinsame Interessen und Überzeugungen verbunden sind, wie die einzelnen Glieder eines Körpers, die jedes durch seine besondere Funktion zur Betätigung des allgemeinen Lebensprozesses beitragen, ja diesen bedingen und aufrechterhalten.
    Ebenso wie der Föderalismus jede Form der zentralistischen Mechanisierung von oben nach unten prinzipiell verwirft, weil dieselbe im Namen eines angeblichen Gesamtwohls jede selbständige Regung und Betätigung des einzelnen systematisch ausschaltet, so verwirft er auch alle partikularistischen Bestrebungen, die im Namen einer eingebildeten „Selbständigkeit“ einzelner Glieder die Interessen des Ganzen willkürlich preisgeben und so bewusst oder unbewusst auf die innere Zersetzung des Gesamtorganismus hinarbeiten. Wie der Zentralismus in der Arbeiterbewegung nur eine sklavische Nachahmung staatlicher Mechanisierung ist, so ist der Partikularismus nur eine Karikatur des Föderalismus, der mit diesem nichts gemein hat.
    Der Kongreß ist daher der Meinung, dass Zentralismus und Partikularismus für eine gedeihliche Entwicklung der Arbeiterbewegung gleich schädlich und hinderlich sind und erblickt im Föderalismus die einzige Organisationsform, in welcher der individuelle Betätigungstrieb und das Gefühl der gesellschaftlichen Zusammengehörigkeit sich harmonisch zusammenfinden und gegenseitig ergänzen.“ Rudolf Rocker

    Wie der Autor Kaveh Ahangar des obigen Artikels richtig bemerkt hat, geht es um den Kampf der zur Abschaffung der Klassengesellschaft führt. Wir Arbeiter müssen uns quasi selbst abschaffen, denn das wirtschaftliche „Wir“, die Arbeiterklasse, ist nur eine Scheinexistenz, die man uns aufgezwungen hat. Die „Lohnabhängigkeit“, wie es der Autor ausdrückt, ist uns aufgezwungen, aber eben nur ein Aspekt unter vielen. Der Kampf den wir führen müssen ist gegen alle Ideen und bestehenden Regime gerichtet, die uns wieder irgendwie knechten wollen. Es gibt überall bekloppte – auch bei uns. Das liegt daran, dass die Arbeiterklasse kein Produkt unseres Bewusstseins ist, sondern Produkt des Zwanges und der Entfremdung seit Kindesbeinen an. Wir wurden von unseren Bedürfnissen weggeholt und man hat uns Sch… erzählt. Die Belange der Nation, Religion, des Standortes waren immer wichtiger als unsere Belange. Und wir haben das geglaubt, weil es schon früher so war, als wir noch ganz klein waren. Da mussten die meisten unserer Mütter uns stillhalten, damit sie uns schnell abwickeln konnten, um dann zur Arbeit zu hetzen oder aber den Haushalt zu schmeißen oder was auch immer – wir hatten nicht die Möglichkeit, dass man auf unser Klagen als Babies hörte und spalteten die Emotionen der Trauer von unserem Ich ab.
    Schizophren ja. Und dann später in der Schule hielt man uns die Bilder der „Großen“ vor und sagte uns: Hier, so einer musst du sein und so einer, dann bist du „etwas“. Dabei waren wir schon jemand…
    Und dann ging es so weiter: Wir kamen in eine Wirtschaft in der man uns gegenseitig aufhetzte.
    Wir haben uns gegenseitig verraten und uns selbst verraten, nur aus der Hoffnung, man könnte oben aus dem System herausklettern. Aber erstens kommt man nie von Unten nach Oben, zumindest nicht, dorthin, wo man wirklich souverän wäre und wenn ja dann wäre man einsam, was widerum nicht souverän wäre… und zweitens muss man dazu nach unten treten… man stabilisiert dieses System, wenn man es durch Aufstieg zu überwinden versucht.
    Und das klappt einfach nicht – wir wollen quasi zu den Müttern und Vätern werden, die uns entweder verhätschelt oder gequält haben, um dann … alles genauso zu machen.
    Aber wir werden nie wir selbst – wir rennen immer wieder in die selbe Falle des falschen Systems, das nicht von uns aufgestellt wurde, aber das wir mittragen.
    Und wir müssen es selbst überwinden, denn jeder, der uns scheinbar hilft, selbst getragen von den besten Absichten, würde von uns nur wieder als heiliger Führer verehrt werden und würde automatisch alles wieder zurückwerfen, was oberflächlich betrachtet einer Befreinung ähneln könnte.
    Aber sie muss aus uns kommen… uns sie muss mit viel schlaueren Wörten beschrieben werden, und ein Anfang ist gemacht, wenn wir aufhören, dieses bescheuerte „links“ / „rechts“ Denken aufzugeben, denn mit dieser Politikreligion können sich wirtschaftlich Gefangene nicht befreien. Das hat schon in der Französischen Revolution nicht geklappt und als Karl Marx über die Kommune von Paris triumphierte und später den Geist des Parlamentarismus erfolreich in unsere einst so vielversprechende Organisation der Internationale einpflanzte, da hat dies auch nich geklappt.
    Das Ende vom Lied waren Jahrzehnte später triumphierende Faschisten, weil sie nämlich von den tönernen Füßen, auf denen die kommunistischen und sozialdemokratischen „Massenorganisationen“ ruhten, nicht aufgehalten werden konnten, weil etwas fehlte: Das Ich. Unser persönliches Ich, welches in einer zentralistischen kommunistischen Partei genauso untergeht, wie überall sonst, wo dieser Geist herrscht. Und ohne die persönliche Verantwortung des Einzelnen, erstarrt im Glauben an die Unfehlbarkeit der Parteiaristokratie, haben wir uns vom Faschismus übertölpeln lassen. Andernorts waren es die Stalinisten, die uns ermorden ließen. Und heute sind es theokratische Regime, die uns zusetzen, kapitalistischer Größenwahn, und immernoch dieser Parlamentarismus und diese Religion der vorgetäuschten Sozialpartnerschaft.
    Wo soll man anfangen unser Leid aufzuzeigen? Vielleicht in dem wir die Begriffe „links“ und „rechts“ denen überlassen, die mit dieser Politiksch… ihr Geld machen und mal die Welt durch unsere Augen sehen. Uns trennen Klassen von den Politikern, Richtern, Anwälten, Firmenchefs, Priestern, Päpsten, Henkern. als ob sie unser Leben für uns glücklich gestalten könnten!
    Denkt selbst!

  2. Ich finde den Artikel ganz gut aber leider auch ein bisschen falsch. Ich muss leider auch feststellen das es in Österreich keine Linken mehr gibt!
    Das ist traurig und die „Rechten“ sind die einzigen die noch eine Politik mit Hausverstand betreiben(das geben sie zumindest durch ihre populistische Art vor, das kann aber auch nur dazu dienen um Menschen für sich zu gewinnen). Wo sind die Grünen die noch Prinzipien hatten und sich gegen die neoliberale Politik der Schwarzen gestellt haben. Sie gehören heute auch zu den Kriegstreibern genauso wie die Roten.
    Warum gibt es so wenig Widerstand gegen die Kriegspolitik der USA in ganz Europa? Wenn es die „Linken“ wirklich gebe, dann müsste es vielmehr Widerstand gegen diese Politik geben. Auf der anderen Seite sind es genau diese „Rassisten“ wie Jürgen Elsesser die sich ja massiv gegen diese Kriegspolitik aussprechen. Darum widerspricht sich der Artikel. Ist man ein Rassist nur weil man für eine bessere Familienpolitik ist? Die Grünen betreiben aber massive Hetze gegen Russland. Wenn man 30 % der eigenen Bevölkerung als Nazis bezeichnet, ist man dann kein Rassist? Wenn man „Deutschland verrecke“ schreit dann finde ich das sehr bedenklich. Genauso Wie die Türken auf ihre Kultur stolz sind, sind die Deutschen auf ihre Kultur stolz und die Franzosen auf ihre Kultur und so weiter . Was ist so schlimm daran? Ich finde es schlimm wenn Parolen wie „keine Toleranz den Intoleranten“ ausgegeben werden, welche ja auch ein Widerspruch in sich selbst ist.
    Es wäre gut wenn man sich von diesen links-rechts Schema trennen würde, genauso wie über Parteien generell nachgedacht werden sollte. Es wäre schön wenn sich ein Europa finden würde ohne EU. Wenn ich nach Frankreich fahre, dann möchte ich mich so fühlen als ob ich in Frankreich bin und nicht so als ob ich in der EU bin. Die Menschen sollen ihre Kultur behalten und gleichzeitig keine Angst vor Fremden haben.

  3. Links und rechts sind immanente Kategorien, die zum System (ich bevorzuge „Welterklärung“) gehören, das zu den heutigen Verhältnissen der zunehmenden Barbarisierung geführt hat. Schon die 68-er haben geglaubt, dass (bürgerliche) Demokratie, (abstrakt-)universelle Menschenrechte und bürgerliche Dialektik gut! sind und bloß korrumpiert seien. Leider, wirklich leider, ist diese affirmative Haltung kläglich gescheitert. Man kann die Logik der Verhältnisse nicht gegen die Verhältnisse in Anschlag bringen.

    Die Crux liegt darin, dass der moderne Bürger, ob er sich nun rechts oder links verortet, nicht mehr zwischen Individuum und Subjekt unterscheidet. Immerhin wurde ihm das zumindest 18 Jahre lang qua Bildung und Erziehung nicht nur nahegelegt sondern als unhintergehbare Tatsache introjiziert. An dieser Stelle sollte man sich der Frage unterziehen, wie ein Individuum zum Subjekt wird oder gemacht wird. Diese Frage ist von zentraler Bedeutung für das Verständnis des Modernen Ensembles, da sie direkt an die gesellschaftlichen Bewegungen, Aussagen und Handlungen rührt und die Basis für das Selbstverständnis der Mitglieder der Gesellschaft abgibt. Die Frage ist vor allem insofern virulent, als sie mit dem positiven Selbstverständnis der Gesellschaft und ihrer Mitglieder oder besser Bestandteile kollidiert, da Subjektivität keine Errungenschaft der Leute, sondern ein an ihnen ausgeübtes Gewaltverhältnis ist; Gewaltverhältnis sowohl dort, wo sich Subjekte konstituieren, als auch dort, wo sie durch diese Subjektivität anderer in einen Zustand von Rechtlosigkeit versetzt werden. Aus diesem Zustand können sie sich wieder nur befreien durch Emanzipation, also durch die Konstitution als Subjekt selbst, womit das Gewaltverhältnis nicht aufgehoben, sondern nur affirmativ und zustimmend besetzt wird. Die Gewalt wird nun durch Selbstbeherrschung und Beherrschung seines Metiers auf sich selbst bezogen und positiv gedeutet, also vernünftig. Das geht dann so weit, dass selbst jene, die den Umsturz bestehender Verhältnisse und die radikale gesellschaftliche Neuordnung auf ihre Fahnen geheftet haben, sich dies auch nur als Emanzipation revolutionärer Subjekte vorstellen können.
    So wie die bürgerliche Epoche nicht aus der Vormoderne entstanden ist, sondern gegen sie (auch wenn die Universalgeschichte Gegenteiliges rein legitimatorisch behauptet), werden auch unsere Verhältnisse nur durch den Bruch mit ihnen überstiegen werden können. Das macht links und rechts obsolet.

    • Als Ottonormalleser hat mir dieser Kommentar ein klein wenig Denkmuskelkater bereitet, mich aber auch ein bisschen amüsiert, weil er mich an eine befreundete Philosophin erinnerte, die mir immer wieder Anlass zur Erheiterung gibt. Jedenfalls gebe ich ihm ein „Amen“ und mache einen Kniefall vor der Akrobatin der Geisteswissenschaft. 😉

  4. Der Artikel wirft bei mir mehr Fragen als Antworten auf. U.a. folgende:

    „…und einen starken Nationalstaat zurückwünscht…“

    Mit politisch links und rechts verhält es sich ähnlich wie mit starker und schwacher Staat. Die Begriffe bieten einen großen Interpretationsspielraum. Was ist ein starker Staat im Falle einer Demokratie? Ein Staat, der seine Bürger effizient gegen alles schützen kann, was die Demokratie gefährdet? Oder ist es ein Staat, der seine Bürger effizient unterdrückt? Und was ist ein schwacher Staat? Ein Staat, der zum Spielball der kapitalmächtigsten Gruppe wird?
    Ich glaube und fürchte, dass derart simple Kategorien – gerade in gesellschaftlichen Umbruchphasen – Konflikte eher verstärken als lösen.

    “ … von Leuten aus dem Mahnwachen- und „verschwörungstheoretischen“ Spektrum sowie von rechten Kräften, die aber nicht als solche wahrgenommen werden wollen, …“

    Na, da weiß ich jetzt ja endlich, was ich bin: einer aus dem mahnwachen-verschwörungstheoretischen Spektrum, der rechts ist, aber nicht so wahrgenommen werden will. Wie sagte Volker Pispers? „Wenn man weiß, wo der Feind steht, hat der Tag Struktur.“

    Du links, ich rechts, wir Krieg. So einfach ist das.

    Wenn das, was du da schreibst, der ultimative linke Standpunkt ist, dann steh ich gerne „rechts“.

    „… Es stimmt natürlich, dass die Aufteilung in links und rechts innerhalb der heutigen politischen Parteienlandschaft wenig Sinn macht, … … Dennoch ist die Forderung das links-rechts-Schema aufzulösen, meines Erachtens nicht nur grundlegend falsch, sondern auch gefährlich, …“

    Die Einteilung macht also wenig Sinn, dennoch wäre es falsch, sie auflösen? Versteh ich nicht. Gerade diese Entwicklung zeigt ja, wie fragwürdig diese Einteilung ist. Weil ich „Vollidiot“ jahrelang „linke Parteien“ gewählt habe, habe ich Kräfte unterstützt, die ich heute für totalitär halte. Warum?
    Weil diese Links-Rechts-Etiketten die Eigenschaft haben, länger haften zu bleiben, als es eigentlich angebracht wäre. Und weil die vermeintliche Rotweinflasche mit dem Etikett „Links“ dann eben statt Rotwein unverhofft Urin enthalten kann.

    „…grundlegend falsch, sondern auch gefährlich, da sie den Rechten in die Hände spielt….“

    Wenn sich das Links-Rechts-Schema auflöst, gibt es keine Rechten mehr, denen etwas in die Hände spielen könnte, sondern nur noch Individuen und Gruppen, die mehr oder weniger ähnliche oder unterschiedliche Ziele verfolgen. Das ist der Moment, wo ich mich im Supermarkt der Politik nicht mehr auf derart abstrakte Etiketten wie rechts-links verlassen kann, sondern sämtliche Zutaten des Inhalts prüfen muss, um abzuwägen, ob er – kurz oder langfristig – mehr schadet oder nützt.

    „… Im Gegensatz zu faschistischen Regimen, in denen man allein schon wegen der ethnischen Herkunft …………… und dem emanzipatorischen Selbstverständnis dieser Staaten….“

    Dieser Absatz besagt doch so viel wie:
    Wenn’s rechts dumm läuft, stirbst du an der Spanischen Grippe. Wenn’s links dumm läuft, stirbst du an der Pest. Und es klingt auch ein bisschen so, als sei es verwerflicher, jemanden wegen seiner Hautfarbe zu foltern und zu töten als wegen seiner Weltanschauung.
    Wenn du erst solche Argumente für Links anführen musst, um es schmackhaft zu machen, macht mich das umso sicherer, dass das Links-Rechts-Schema ein Herrschaftsinstrument ist.

    „…Dennoch gibt es grundsätzlich ganz klare Differenzen, die deutlich machen, warum rechte und auch liberale Weltanschauungen in letzter Instanz anti-emanzipatorischer Natur sind….“

    Das Links-Rechts-Schema ist selbst antiemanzipatorisch. Denn es presst mich – als Individuum und als soziales Wesen – in (d)ein Projektionsraster. Wäre ich skrupel- statt mittellos und hätte unverschämt viel Geld statt ethischer Grundsätze, würde ich mich freuen über diese politischen Schubladen.

    „…Tatsächlich wird man nicht viele liberale und noch weniger rechte Personen finden – und ich meine damit nicht nur Faschisten und Rechtsradikale, sondern auch Konservative – die in ihrer Denke keine diskriminierenden Elemente aufweisen…“

    Wenn „diskriminierende Denke“ ein charakteristisches Kennzeichen Liberaler und Rechter sein soll, dann kann ich vermuten, dass du selbst liberal oder rechts bist. Denn dein Artikel fängt schon mit einer Diskriminierung an.

    „…Den Kampf für eine progressive, postkapitalistische Gesellschaft kann man von rechten Kräften allerdings nicht erwarten….“

    Dein Kampf für eine progressive, postkapitalistische Gesellschaft dürfte – sofern er auf demokratischem Weg geführt werden soll – zum Scheitern verurteilt sein, wenn du nur nach Verbündeteten suchst, die in deinen Augen „wahre Linke“ sind. Linke mit Zertifikat sozusagen. Apropos: Was ist progressiv, wenn sich unmittelbar vor deinen Füßen ein Abgrund befindet? Ein Schritt nach vorn oder ein Schritt zurück?

    „…Rechte und Liberale haben ein Menschenbild, das gesellschaftliche Ungleichheit als notwendig voraussetzt…“

    Das scheint auch auf dein Menschenbild zuzutreffen, da es dir so wichtig ist, die Ungleichheit zwischen Linken, Rechten und Liberalen herauszuarbeiten.

    „…Im Gegensatz zum Konservatismus der Rechten und dem Marktfundamentalismus der Liberalen, stehen linke Ideologien entweder für die Reform oder Umwälzung bestehender Verhältnisse, um die Voraussetzungen zu schaffen, welche Emanzipation erst möglich machen…“

    Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, was an einer Ideologie – ob links, rechts oder liberal – emanzipatorisch sein soll.

    „…All diese Kämpfe zählen zu den unterschiedlichen Schlachtfeldern der radikalen Linken, …“

    Ich frage mich, was du hier unter radikal verstehst – und nebenbei auch, wen du auf diesen Schlachtfeldern schlachten willst.
    Geht es um radikale Methoden im Stile von „ich hau dir auf die Fresse“? Oder radikale Systemänderung im Sinne von Reformation des Systems von Grund auf? Ersteres kann ich nicht unterstützen, Letzteres schon.
    Das Problem ist: Da du einen Teil deiner Energie darauf ver(sch)wenden müsstest, mich zu bekämpfen, weil ich deiner Eingangsdefinition nach ein Rechter bin, geht zweimal Energie verloren, die man für die Erreichung ein und desselben Zieles einsetzen könnte.

    Zwischenfrage: Wie ist das eigentlich bei der radikalen Linken? Gibt es dort auch Alphatiere? Oder läuft das gänzlich ohne Hierarchien?

    „…Rechte Ideologien und ihre Vertreter*innen sind gewöhnlich weder für direkte Demokratie …“

    Für gewöhnlich. Dann scheint ja die AfD eher ungewöhnlich zu sein. Die fordert eine Stärkung der Demokratie und der demokratischen Bürgerrechte sowie Volksabstimmungen und Initiativen nach Schweizer Vorbild. Aber gut – versprechen kann man viel. Auch Die Linke.

    „…Rechte Kritik am Wirtschaftssystem geht in der Regel über Zinskritik und personalisierte Kapitalismuskritik nicht hinaus…“

    Verstehe ich dich richtig? Du möchtest eine postkapitalistische Gesellschaft, aber keine Zinskritik. Ebenso verbietest du dir personalisierte Kapitalismuskritik. Das heißt, man darf zwar über die Missstände des Systems schreiben oder einen bestimmten Vorfall, nicht aber über die Personen, die involviert sind. Das hört sich nicht nach Emanzipation an, sondern nach Zensur.
    Apropos personalisiert: Wenn du davon ausgehst, dass alle Rechten kapitalistisch sind, dann ist jeder Faustschlag, den ein Linker gegen einen Rechten austeilt, „personalisierte Kapitalismuskritik“.

    „…Linke dagegen machen sich grundsätzlich für die internationale Solidarität stark und bekämpfen die oben beschriebene Politik…“

    Leider sind aber auch viele von ihnen unfähig, mit ihrem unmittelbaren Nachbarn auszukommen, wenn er ein gänzlich anderes Weltbild hat. Das heißt: Hinter dem Streben nach internationaler Solidarität kann sich auch die Unfähigkeit und/oder die Weigerung verstecken, mit Menschen auszukommen, die einem mental fremd sind. Ist das nicht im Grunde ebenso eine Form der Xenophobie? Die Internationale Solidarität ist im Übrigen kein Alleinstellungsmerkmal der Linken, sondern auch ihrer Gegner.

    Um es abzuschließen:
    Dein Artikel liest sich ein bisschen wie ein Glaubensbekenntnis, was mir wieder einmal vor Augen führt, dass Politik auch eine Form von Religion sein kann. Das Amen muss ich dir aber vorenthalten. Möglicherweise stehen wir uns aber politisch relativ nah. Jedoch: die vielen Worte, Schubladen und Etiketten trennen uns.

  5. Ok aus dem Lehrbuch heraus, mag es stimmen, dass Links „besser“ sprich friedlicher oder weniger auf Unterschiede basiert ist als Rechts, das sehe ich auch so.

    Es ist natürlich eine schwierige Frage, wer überhaupt, nach welchen Kriterien entscheidet wer oder was rechts oder links ist. In der täglichen Gesellschaft und Politik denke ich dass sich die beiden Kategorien schon etwas überholt haben.

    In vielen Bereichen kommt mir vor, dass ein großer Teil der Menschen die sich als Links wahrnehmen, einfach den mathematischen Kehrwert aus dem Gegenüber bildet.

    Parolen wie „Bomber Harris do it again!“ unterscheiden sich in Sinn und Bedeutung nicht wirklich von dem, was Neonazis so von sich geben.
    Die Unart, Veranstaltungen von politisch anders denkenden mit Lärm und auch Gewalt zu stören, bzw. jemanden darin zu hindern seine Meinung auszusprechen, lässt sich auch bei rechten Feinden der Meinungsfreiheit finden, und war beispielsweise in den Anfängen der „Hitlerzeit“ gängige Praxis.
    Eine lange Liste an Menschen die man zur Persona non grata erklärt, oder ihnen Antisemitismus vorwirft, bzw. erklärt mit ihnen dürfe man einfach nicht reden, das ist auch nicht gerade immer die feine Klinge.

    Oft ist es ein Krieg gegen Rechts, gut das schadet manchmal nicht, doch es ist irgendwie schon traurig, dass z.Bsp. in Wien tausende gegen eine FPÖ Demonstrieren, die z.Bsp. mit hirnlosen Plakaten wie „Daham statt Islam“ auftritt, während keiner einen Mux macht, wenn unter einem roten Kanzler die Entwicklungshilfe und Zahlungen an das UNHCR Flüchtlingshilfswerk praktisch gänzlich eingestellt wurden. Die Unterbringung von Flüchtlingen an einen Subunternehmer vergeben wurde, der Leute auf dem Asphalt oder in ausgemusterten Bussen schlafen lässt, weil er zu wenige Betten hat usw. (Googelt mal Traiskirchen)
    Ich will den Rechts Populismus nicht verharmlosen, natürlich birgt es auch Gefahren, wenn Parteien ein Klima schaffen, dass zur Ausgrenzung gewisser Menschengruppen führen kann.
    Warum eine Politik die unweigerlich und nachweislich zum TOD gewisser Menschengruppen FÜHRT, dann aber oft komplett unkommentiert bleibt, das konnte mir noch niemand erklären.

    Mein Empfinden ist auch, dass viele Linke Kräfte Klientel Politik machen, und Vorurteile oder sogar Rassismus im Positiven wie im Negativen genau so praktizieren, wie es andere Bevölkerungen auch machen.

    Wenn wir einmal vergleichen mit welchen Protesten (in Europa) die Kriege von Bush begleitet wurden, während gegen Obama (Snowden, Assange, Drohnenmorde, Abhörskandal, Ramstein, Nato Eskalationspolitik etc.) kaum demonstriert wird.

    Das tut mir wirklich leid, ich glaube dass es eine „wirklich“ Linke Protestbewegung wichtig wäre, in einem Europa dessen Handeln mehr oder weniger das „Leistungslose Einkommen“ (Steuervermeidung, Bankenrettungen, Subventionen) der Großkonzerne fördert, oder die Rüstungsindustrie, da ist wohl eine politische „Marktlücke“ vorhanden.

    Zum Thema „teile und herrsche“, glaube ich schon, dass wir ein Phänomen haben, dass es viele Kräfte gibt die in vielen Fragen zwar das gleiche wollen, aber aus anderen Gründen (wie eben die Einordnung in Links und Rechts) oder persönlicher Feindschaft nicht zusammenarbeiten. Zwar glaub ich auch nicht, dass das alles von außen gesteuert ist, und die Medien uns spielen wie eine Flöte, und irgendwo zwei Bilderberger mit der dicken Zigarre sitzen und die Puppen tanzen lassen. Doch ich denke mal dass es schon Kreise gibt die ganz froh darüber sind, dass die Proteste gegen Ramstein, die Nato Kriegsverbrechen, Uranwaffen und vieles andere noch klein genug sind, um sie totschweigen zu können. Vielleicht hat es auch mit einer gewissen Eigendynamik zu tun, dass sich viele Leute die Demonstrieren gehen über Pegida, Antifa, und andere „Marken“ identifizieren, und nicht groß auf die Themen fixiert sind.

    Es wurde z.Bsp. oben im Artikel Jürgen Elsässer angesprochen, ich teile z.Bsp. Elsässers Ansicht zum Thema Familie bzw. Bedrohung der Gesellschaft durch Homosexualität überhaupt nicht. Auch die Familienpolitik die ein Christoph Hörstel mit seiner Partei vorgeschlagen hat, gefällt mir persönlich nicht. Ich halte auch nichts von Oliver Janichs Ansichten zum freien Markt. Dennoch würde ich mit allen dreien für die Ächtung von URANWAFFEN, oder gegen Rüstungsexporte demonstrieren, weil das Thema im Vordergrund steht.

    Und auch bei Parteien sehe ich schon deren Sinn und Existenzberechtigung im politischen Gestalten und nicht, im Pflegen von Feindschaften.

    Schöne Grüße

  6. Es gibt Rechte, denen es nicht rechts außen genug sein kann.
    Es gibt Rechte, die sich als nicht rechts verstehen.
    Es gibt Rechte, die sind sowohl konservativ als auch liberal.
    Es gibt Rechte, die CDU/CSU wählen, weil sie es für die Mitte halten…

    Es gibt konservative Linke.
    Es gibt progressive Linke.
    Es gibt antideutsche Linke.
    Es gibt Linke, die Israels Außenpolitik faschistoid nennen…

    Dieser Artikel zeichnet in den letzten beiden Absätzen ein Bild vom
    „guten“ Linken (Nur eine Linke, die..) und vom
    „schlechten“ Linken (Die Antisemitismuskeule ist dabei vielleicht das beste Beispiel dafür, wie Antideutsche..)

    Und genau da beist sich meines Erachtens der Artikel: Rechts und Links sind eben keine eindeutigen, und schon gar keine insichstimmige Muster (mehr).
    Genau das offenbart der Artikel im Kern. Also lasst uns weder vom „echten“ Linken, noch von „bösen“ Rechten sprechen, denn es gibt nach diesem viel zu simplen Schema eben auch den „falschen“ Linken und „gute“ Rechte.

    Wenn wir schon in polarisierenden Kategorien denken müssen, reden wir besser von Neocons und Humanisten – da ist die Progammatik global eindeutig.

  7. Rechts und links sind DANN nicht sinnvoll, wenn man die neokonservativen AntiDs als irgendwie „links“ begreifen möchte. Wir sollten nicht vergessen, viele Leute, die durch die Mahnwachen politisiert wurden, haben die Neocons als erste „Linke“ sehr intensiv wahrgenommen. Das prägt natürlich das Bild und führt zu Missverständnissen, die gar nicht vermeidbar sind. Je stärker die Distanzierung der Linken von den Neocons, umso eher wird sich das Missverständnis aufklären lassen. Und zum Glück ist das ja in Teilen auch schon gelungen.

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