Lust auf Russen-Krieg sinkt. Aber Heiko will zum Hindukusch

Von Uli Gellermann.

In den NATO-Ländern wollen nur noch 38 Prozent der Bevölkerung den Kampf gegen die Russen aufnehmen, falls die NATO-Staaten von denen angegriffen würden. Das ermittelte eine Studie des halbwegs renommierten „Pew Research Center“. Das in Washington ansässige Institut hat die Befragung jüngst in 16 wichtigen NATO-Ländern durchgeführt. Und obwohl die durch nichts begründete Frage nach der Reaktion auf einen Angriff der Russen auf die NATO die sachliche Sorgfalt der Umfrage schwer in Zweifel zieht, entspricht die Technik der Erhebung den üblichen Standards. Man bekennt sogar, dass nur 53 Prozent der Befragten das Militärbündnis positiv beurteilen. Obwohl die Russen-Angriffs-Frage natürlich keine Frage ist, sondern der ideologische Hebel zur Meinungsmache. Denn obwohl sich der ursprünglich propagierte Sinn der NATO, den Westen vor den Kommunisten zu schützen, mangels sozialistischer Länder längst aufgelöst hat, haben die Russen den Sozialismus als Erbfeind abgelöst. Diese Behauptung muss immer und immer wieder in das Gehirn westlicher Medienkonsumenten gestanzt werden. Und sei es auch im Gewand einer Frage.

Angesichts schwindender Kriegsbegeisterung in den NATO-Ländern meldet sich der Geistes-Riese Heiko Maas von der Münchner Sicherheitskonferenz mit einem alten Schlager aus der Hitparade der Hysterie: Der frühere SPD-Verteidigungsminister Peter Struck habe zu Beginn des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr gesagt, Deutschlands Sicherheit werde auch am Hindukusch verteidigt. Maas weiter: „Man muss heute hinzufügen – auch im Irak, in Libyen und im Sahel.“ Atemlos wartet die Welt darauf, dass Maas die Bundeswehr zur Abwehr des Corona-Virus nach Wuhan entsenden will, um die deutsche Gesundheit dort zu verteidigen, von wo sie bedroht wird: Aus China. Der Riese Heiko wird solche Kriegsfantasien jedenfalls bis zum letzten Sozialdemokraten in die laue Medienluft blasen.

Deutlich modernere Schlachtplatten liefern in diesen Tagen die GRÜNEN: „Europa trägt eine Verantwortung für seine Nachbarschaft. Jedes Vakuum, das die Europäische Union in der Vergangenheit gelassen hat, haben andere militärisch ausgenutzt“, erklärt Grünen-Chefin Annalena Baerbock feierlich und bewirbt sich mit diesem Satz tapfer um den Joschka-Fischer-Lügenpreis. Das Wort Europa ist die erste Lüge, denn die Dame meint natürlich die kleinere EU, meldet aber mit ihrem Wording mal eben einen imperialen Geländegewinn an. Das nächste Lügenwort ist „Verantwortung“, diese längst zerschlissene Vokabel ist der Tarnmantel, hinter dem die GRÜNEN schon Verantwortung in Jugoslawien übernommen hatten, um einen NATO-Krieg zu rechtfertigen. EU-Staaten wie Frankreich im Verein mit Deutschland lassen allerdings kein Vakuum in ehemaligen Kolonial-Ländern wie Mali aufkommen. Obwohl wirklich niemand außerhalb der EU gedroht hatte, ein mögliches Vakuum dort militärisch zu nutzen. Ob das Vakuum im Gehirn der Frau Baerbock operabel ist, wagt niemand zu sagen.

Bekannt ist allerdings, dass sie mit ihrer Vakuum-Theorie den andauernden Libyenkrieg meint; jedenfalls weiß dies das ZDF, das der Dame zu ihrer Vakuum-These diese Überschrift spendierte: „Baerbock fordert mehr EU-Engagement in Libyen“. Eine härtere Gangart in Libyen fordert auch der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Zwar sagt er „Es müssen nicht gleich Bomben fallen“, aber er spricht mit dem SPIEGEL über das „Versagen europäischer Außenpolitik“. Nicht gleich? Aber doch sicher später. So treffen sich die NATO-Freunde von Regierung und grüner Opposition auf einem Schicksalsdampfer namens Europa, dessen Kapelle gern und immer wieder den Choral „Näher mein Gott zu Dir“ spielt, das letzte Stück, das die Bordkapelle der Titanic intoniert hatte. Von Gott ist bisher keine Stellungnahme bekannt.

Der Schiffseigner, Donald Trump, geht sogar weit über Libyen hinaus: Die Nato solle vergrößert werden und den Nahen Osten aufnehmen, forderte der Mann jüngst. Er habe sogar den neuen Namen „Nato-ME (Middle East)“ dem Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vorgeschlagen. Noch fehlt der Vorschlag von Trump, einen Israeli an die Spitze der NATO zu stellen. – Die Umfrage des „Pew Research Center“ zeigt, dass es in der Bevölkerung der NATO-Länder nicht an Vernunft mangelt. Weiter oben in der NATO-Hierarchie sieht es offenkundig anders aus. Statt Geld für Umfragen auszugeben, sollten die Kosten eher für eine Therapie eingesetzt werden. Dazu allerdings werden die Völker ihre Staatenlenker und jene, die sich dafür halten, zwingen müssen.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildquelle: Alexandros Michailidis/ shutterstock

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Dieser Artikel erschien am  17. Februar 2020 auf dem Blog Rationalgalerie.

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10 Kommentare zu: “Lust auf Russen-Krieg sinkt. Aber Heiko will zum Hindukusch

  1. "Milchgesicht sagt:
    18. Februar 2020 at 08:19
    Ich habe schon länger nicht mehr das Gefühl, dass diese Bühnenfiguren auch das Drehbuch schreiben. Sie sind auch kein Ablenkungsmanöver. Sie sind nur noch nicht entsorgt."

    Das konnte man nicht treffender formulieren!
    Chapeau!

    • ich bin so naiv, ich habe immer gedacht, das wäre witzig gemeint gewesen, wenn Peter Struck zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr zitiert wird: "Deutschlands Sicherheit werde auch am Hindukusch verteidigt" 😉 😉 😉

  2. Ich hab mir mal ein Buch über Märchen der Native Americans ausgeliehen. Darinnen galt der Kojote als listigstes Tier.

    Beim Lesen dieses Artikels fiel mir auch so eine Tierfabel ein:

    Wenn Europa sich gegen Russland und China in Stellung bringen lässt, dann ist das so, wie wenn der Hirsch sich vom listigen Kojoten überreden lässt, allein gegen den Bären und den Tiger zu kämpfen.

    Quiz-Frage: Wie hoch ist wohl der IQ des Hirsches?

    • Ich habe schon länger nicht mehr das Gefühl, dass diese Bühnenfiguren auch das Drehbuch schreiben. Sie sind auch kein Ablenkungsmanöver. Sie sind nur noch nicht entsorgt. Vermutlich auch Zeitmangel.
      Man lässt die verwirrten Sumpfkreaturen weiter so tun, als wäre in D. C. noch immer die alte Kaste am Werk.

      Ich kann es nicht abschätzen, aber rein militärisch so geht das Gerücht muss weder R noch CH vor Europa und / oder der Nato zittern. Man kann sie drohen lassen.

      Andererseits stellt man sich doch immer die Frage, ob die Großen in der Weltpolitik sich nicht längst hinter den Kulissen auf ein Ziel geeinigt haben und dieses oder jenes Schauspiel aufführen, um die Zustimmung der Bevölkerung zu erreichen. Mit etwas Drohung und Angst werden wir neuen Ismen zugeführt.

      Und ob die Herren Putin und Xi sich da einig sind, vielleicht sogar mit Trump, das können wir alle nicht sagen; wenn wir denn ehrlich zu uns selbst sind.

      Die einen glauben, dass Trump deep state ist, Q-Anhänger halten ihn für den Befreier.

      Aber was können wir denn schon mit Gewissheit sagen?

      Wie steht es um die NWO?

      Wir spekulieren uns zu Tode und haben kein belegbares Wissen. Trump war der neue Hitler in Sachen Iran und dem Terrorgeneral, aber ist das so? Will er Krieg? Oder hat er mit der Führung des Iran gemeinsam gehandelt, um genau jenen Krieg zu verhindern? Wo waren Russen dabei, warum sagt Israel fast gar nichts dazu?

      Wir spekulieren, weil es Zeitgeschichte ist, es Propaganda und Gegenpropaganda gibt und wir es nicht auseinanderhalten können.

      Vielleicht sind konstruktive Kräfte am Werk, die die alten Strukturen sich öffentlich selbst zerstören lassen.

      Ich lege mich schon lange nicht mehr fest. Nicht aus Angst, daneben zu liegen. Was soll es schon.

    • Sein IQ dürfte ziemlich hoch sein, aber seine Lebensfähigkeit hat gelitten, wie ist ihm zu helfen denken und handeln wieder in Einklang zu versetzen?
      Er röhrt und röhrt, voller wichtiger Eindrücke, doch seine Handlungen sind beinahe mechanistisch.

    • Wie ich heute las, will nun auch Norbert Röttgen sich für den Parteisitz der CDU bewerben.
      Ich bin strikt dagegen!
      Ich halte diesen Mann ist gefährlich für den Frieden.

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