M-PATHIE – Zu Gast heute: Hans-Joachim Maaz – Die normopathische Gesellschaft

Dr. Hans-Joachim Maaz ist Mediziner, Psychiater, Psychoanalytiker und Autor zahlreicher Bücher. Maaz war Chefarzt einer psychotherapeutischen und psychosomatischen Klinik in Halle. Heute arbeitet er in der Hans-Joachim Maaz – Stiftung für Beziehungskultur. Gerade im Bereich der Gesellschaft weiß Maaz Wichtiges herauszuarbeiten und dies leicht verständlich zu erklären. Maaz ist einer der führenden Gesellschaftskritiker in diesem Land geworden, den auch die Öffentlich-rechtlichen Medien einladen.

In diesem Gespräch geht Hans-Jochim Maaz tief in die Krankheit unserer Konsum- und Wettbewerbsgesellschaft hinein. Er erklärt vom Kleinkind bis hin zum Erwachsenwerden die möglichen Störungen, denen wir alle mehr oder weniger unterliegen könnten und zeigt auf, wie diese Störungen die Identität und Sinnstiftung der Menschen und seine Gesellschaft bilden und auch abbilden. Eines der wichtigen Merkmale gesunder Erwachsener sieht Hans-Joachim Maaz in den Beziehungen, denen wir durch die Zielsetzungen der Gesellschaft selbst unterliegen.

Wenn einem Kind vorgegeben wird, wie es handeln soll, was richtig und was falsch ist, was es zu tun oder zu lassen hat, dann entwickelt sich eine Beziehung oft zeitlebens als eine Subjekt-Objekt-Beziehung, in der das Subjekt als Autorität dem Objekt als Gehorchendem vorschreibt, was es zu tun und was es zu lassen hat. Hier beginnt die Störung, da dem Kind abtrainiert wird, dass es selbst Subjekt, also Akteur seines Lebens ist.

Die sich daraus ergebenden unterschiedlichen Störungsbilder greifen in alle Schichten menschlicher Kultur hinein und bilden sich bis in die Strukturen der Demokratie und können dann destruktive Muster politischen Handelns ausprägen (strukturelle Gewalt). So wird aus dem inneren Störungsbild eine äußere gestörte Welt. Ein Abbild, in der die Projektionen des inneren Zerrissenseins vorherrschen und auf diese Weise nach Kanalisierung streben. Und genau so verhält sich die Gesellschaft und vor allem die Politik. Sie irrationalisiert das humanistische Menschenbild und die Demokratie und hat auch keine wirklichen Antworten auf die Probleme dieser Gesellschaft.

Wer eine andere Meinung hat, wird so zum Bösen gemacht und abgewertet, damit auf diese Abwertung möglichst viel der eigenen inneren negativen Energien abgeladen werden können. Die Gewaltspirale entsteht. Das alles ist zurückzuführen auf eine frühkindliche Bindungsschwäche. An ihr entlang bilden sich im Laufe des Lebens immer weitere Probleme (Kollaterale) zu größeren Konfliktherden aus, die dann in einer Gesellschaft unbewusst das Handeln aller bestimmen. Bindungsschwächen erhöhen angstbindendes Verhalten und es führt dazu, dass die Welt angststiftend aufgefasst wird. Diese überhöhte Angst sucht quasi nach Angstbindungen im Außen, was wiederum die Störungsmuster verhärtet. Ein unsäglicher Kreislauf, aus dem man selbst nur sehr schwer wieder herausfindet.

Auf diese Weise spiegeln sich die soziale Gewalt, die militärische Gewalt und die Gewalt gegen die Umwelt wider. Und exakt hier haben wir das Hauptproblem aller Probleme. Wir stehen kurz vor einem Implodieren unserer Gesellschaft, wenn wir nicht erkennen, dass unsere inneren Störungen die Störungen in der Außenwelt mitproduzieren. Daher braucht es eine völlig neue Beziehungs- und Bindungskultur, die nicht ausgrenzt, sondern eine, die einlädt und einbindet.

Im Herbst erscheint sein neues Buch zu diesem Thema.

Infos zu Hans-Joachim Maaz: https://hans-joachim-maaz-stiftung.de

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

+++

Jetzt kannst Du uns auch mit Bitcoins unterstützen.

BitCoin Adresse: 18FpEnH1Dh83GXXGpRNqSoW5TL1z1PZgZK

22 Kommentare zu: “M-PATHIE – Zu Gast heute: Hans-Joachim Maaz – Die normopathische Gesellschaft

  1. P.S.:

    Dörte v. Drigalski, Ärztin in Hamburg und langjähriges Mitglied bei den "ÄrztInnen für die Verhütung des Atomkriegs" (IPPNW), gibt mit ihrem Buch "Blumen auf Granit" den umfassendsten, erschütternden Einblick in die penetrante Opferbeschuldigung, die sie im Rahmen einer sogenannten "Lehranalyse" (Analyse für diejenigen, die selbst einmal PsychoanalytikerInnen werden wollen) am eigenen Leib erfahren hat.

    Im Vorwort zu ihrem Buch von 1991 schreibt sie: "Ich schreibe dieses Vorwort unter dem Eindruck des Golfkrieges: massenhaftes Getötetwerden, der vermuteten Hölle der Zivilbevölkerung, der Lüge der kriegsbefürwortenden Medien, speziell eines Fotos: George Bush in der Messe, eine Stunde bevor er auf Bagdad losbomben ließ. … Leider lässt sich psychoanalytisches Vokabular und ebensolche Logik jedoch mühelos dazu benutzen, die herrschende Doktrin zu begründen, intellektuell abzusegnen: Widerstände, Widersprüche als persönliche Marotte klein zu analysieren, zugrunde liegende Strukturen zu verschleiern. Reagans Atomkriegfspläne waren ein persönliches Problem (abgewehrte, dann überkompensierte Potenzängste). Bush hat ein Trauma aus dem zweiten Weltkrieg. Also sieht er rot, sieht Hitler in Hussein, der seinerseits mit 'Todesenergie' (SPIEGEL) bzw. 'bösartigem Narzissmus' (STERN) herummanangt. Was auch immer man von solchen Erklärungen halten mag, sie veredeln, lenken ab von realen Motiven wie dem Nord-Süd-Konflikt, Macht, Geld. Ein anderes Beispiel des Abwiegelns: Bei einem gut besuchten Vortrag in Hamburg vertrat ein in Talkshows beliebter DDR-Psychoanalytiker (gemeint ist Hans-Joachim Maaz; K.S.) kurz nach der Grenzöffnung die Meinung, die Existenzängste der Bevölkerung seien psychische Folge früher Hortertziehung in der DDR, die zu mangelndem Urvertrauen geführt habe. Also Psychotherapie statt ökonomischer Problemlösung?" (in: Dörte v. Drigalski: "Blumen auf Granit. Eine Irr- und Lehrfahrt durch die deutsche Psychoanalyse." Vorwort zur Sachbuch-Ausgabe 1991, S. 1).

    Soll also heißen: Nach Maaz wären die Existenz- und Zukunftsängste der Ostdeutschen nach dem Mauerfall nicht aufgetreten, wenn ihnen nur die Horterfahrung erspart geblieben wäre. Es war anscheinend nur reine "Kopfsache", hatte mit dem realem Ausverkauf der Produktionsmittel der ehemaligen DDR nichts zu tun. Psychologisierung in ihrer allerschlechtesten Form.

  2. Ist Maaz vielleicht ein neoliberaler Wolf im Schafspelz?

    Zweifellos ist es sinnvoll, für eine Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte und den diversen Prägungen zu plädieren. Dass mehr oder weniger gute Bindungserfahrungen die Entwicklung eines souveränen Selbstbewusstseins erleichtern bzw. schon in früher Kindheit fördern – keine Frage. Dass es sinnvoll ist, sich seiner eigenen Gefühle bewusst zu sein und sie zum Ausdruck bringen zu können. Dass es wichtig ist, im politischen Bereich Respekt vor anderen Positionen zu haben und – im Sinne einer echten Demokratie – keiner Partei ein Gespräch zu verweigern, findet meine klare Zustimmung. Kritik an Kapitalismus, Wachstum und Neoliberalismus – völlig o.k.

    Aber ist es nicht reaktionär und verwirrend, eine zunehmende Radikalisierung einzig und allein auf die Kinderstube zurückzuführen? Hat es nicht vielleicht auch damit zu tun, dass die realen Verhältnisse die Menschen zunehmend zu ohn-mächtigen, hilf-losen StatistInnen und ZuschauerInnen machen, so dass sie geradezu zwangsläufig eine "ohn-mächtige WUT" entwickeln? Ist dabei nicht auch noch die Rolle von Medien und "Influenzern" ein wenig zu beleuchten, denen – im Dienst der Mächtigen – daran gelegen ist, unsere Gesellschaft zunehmend zu spalten? (So, wie es schon der alte Cäsar verstanden hat: Divide et impoera! Teile und herrsche! Säe Zwietracht unter den "Untergebenen", dann kannst du besser die Zügel in der Hand behalten! Dann lassen sich die einen gegen die anderen ausspielen. Und während sie sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, kannst du die Karre in die Richtung lenken, in die du sie haben willst.

    Hier vielleicht noch ein kleiner Einschub zur Geschichte der Psychotherapie: Wie wichtig und heilsam es ist, sich seiner eigenen Gefühle bewusst zu sein und sie zum Ausdruck zu bringen, das hat bereits in den Jahren 1880-82 der Erfinder der Psych-analyse, der geniale Wiener Arzt Josef Breuer, sehr klar erkannt. Für entsprechende psycho-somatische Symptome – im damaligen Sprachgebrauch hießen sie "Hysterie", wobei kluge Fachleute, z.B. Theodor Meynert (1898) sie lieber "funktionelle Störung" nannten – hat er ein entsprechendes Therapieverfahren entwickelt: Die psychokathartische Methode bzw. Psych-Analyse (ohne "o"). Leider wurde Nreuer mit seinen klugen und differenzierten Ideen von seinem jüngeren Zögling, Siggi Freud, in übelster Weise diskreditiert und aus dem Weg gedrängt. Mit seiner "Psychoanalyse" hat Freud den Ansatz Breuers in sein krasses Gegenteil verkehrt, eine Methode der systematischen Opferbeschuldigung in die Welt gesetzt, die über entsprechende Konzepte – "Ödipuskomplex" oder "Narzissmus" – bis heute transportiert wird

    Rainer Mausfeld hat da in seinem Buch "Warum Schweigen die Lämmer?" eine wirklich kluge Position zum Elend unserer Gesellschaft ausgearbeitet. Er zeigt auf, wie die geballte Kompetentz der Sozialwissenschaft sich in den Dienst der Mächtigen hat stellen lassen, um der Verwirrung und Spaltung zu dienen. (Seit über zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit dieser Thematik und komme immer mehr zu dem Schluss, dass gerade die – völlig bizarre, irrsinnige "Theorie" Sigmund Freuds deswegen so publik werden konnte: weil sie den Interessen der Mächtigen dient und deshalb kräftig gesponsert und propagandistisch ins öffentliche Bewusstsein gepeitscht wurde. (Das beginnt schon mit Freuds Professur, die er nur der Bestechung des damaligen Ministers für Kultus und Unterricht, Wilhelm von Hartel, mit einem Kunstwerk ("Kirche in Auscha" von Emil Orlik) durch eine ebenso wohlhabende wie einflussreiche Patientin, Marie Ferstel, verdankt. Seiene Ernennung erfolgte übrigens zum 1. April (1902) – vermutlich einer der verhängnisvollsten Aprilscherze in der Geschichte der Menschheit.

    Schon Freud also propagiert eine komplett neoliberale Ideologie. Und Maaz hat sich im Kern seiner Posiutionen nicht davon entfernt. Alle Menschen sind an ihrer Unzufriedenheit letztlich selbst schuld. Sie haben eventuell in ihrer Kindheit Prägungen angenommen, die sie halt noch nicht in der Therapie bei Maaz aufgearbeitet haben. Wenn das mal abgeschlossen ist, dann wird es keine Unzufriedenen und Radikalen mehr geben.

    Eienr solchen Position möchte ich energisch widersprechen. Eien ausführlichere Darstellung meiner Position zu einem Maaz-Interview mit KenFM findet sich unter https://oedipus-online.de/wp-content/uploads/2019/05/Maaz-Unbehagen.pdf

  3. @Nevyn
    Lieber/Liebe Nevyn,

    ich möchte Dir ebenfalls sehr danken – für Deinen Denkimpuls! Ich kann i.Ü. auch kein französich! Und lac -die Milch ist Latein. ;).
    Ich habe dadurch für mich persönlich be-griffen, dass die Mutter die ganz persönliche Quelle eines Jeden ist, während diese auch aus ihrer Mutter entsprang usw.
    Mutter und Quelle sind praktisch nur Synonyme oder auch das Gleiche.
    Der Ursprung (= Seele = Bewusstsein) allen Lebens ist das Wasser (das dichte Sonnenwasser) das wir ständig einatmen. Das lässt sich durch Wägung der roten Blutkörperchen vor und nach der Lungenpassage leicht beweisen. Den Sauerstoff atmen wir nur für unsere kleinen Helfer, die Mitochondrien. Diese erzeugen für uns „nur“ die Temperatur um unser an-ziehendes biologisches Vakuum der lebendigen Gewebe (Zellen?) aufrecht erhalten zu können.
    So wie das Wasser schon vor dem Austritt aus der Quelle da war ist auch das dichte Wasser = Bewusstsein = Seele = Ursubstanz schon vor der Geburt da gewesen. Unsere Mutter gibt uns erst die Möglichkeit mit diesem Bewusstsein in Kontakt zu treten. Erst behutsam über die Nabelschnur und dann zur Gänze durch die Geburt.
    Die enge Verbindung zur eigenen Mutter wird für mich dadurch sehr verständlich.
    Erst dadurch kann ich (man?) richtig einordnen, worauf Hans-Joachim Maaz und Rüdiger Lenz uns immer wieder aufmerksam machen.
    Wenn ich die eigene Mutter nicht lieben kann, dann kann ich mich selbst nicht lieben und auch sonst niemanden und nichts!
    Indem die Mutter verachtet wird, wird auch ALLES andere verachtet!
    Das ist natürlich meine ganz persönliche Ableitung, der man nicht folgen muss.
    Ich danke Rüdiger Lenz und Hans-Joachim Maaz für Ihre wertvollen Hinweise!
    Ich glaube auch, dass das Verständnis des (dichten) Wassers auch dazu führen wird, den menschgemachten Anteil an der derzeitigen Klimaveränderung zu verstehen! (http://dichtes-wasser.de/abhandlungen/rettetunserewolken/index.html)

    Herzliche Grüße

    • Wie heißt es so schön: „Wenn du denkst, du seist erwachsen, geh deine Eltern besuchen.“
      Das ist ein sehr guter Anfang, seinen Vater und seine Mutter (wieder) respektieren und lieben zu lernen.
      Wer noch einen Schritt weiter gehen will, der lerne respektieren und lieben, wofür die leiblichen Eltern symbolisch stehen, denn unser Körper kommt zwar von dieser Welt und wurde uns durch unsere Eltern geschenkt, doch die Seele hat Vater und Mutter woanders. Die Alchemie verweist darauf und sie verweist auch auf das kosmische Wasser, die Prima Materia, die Matrix, frz. Gebärmutter, Maria, alles Synonyme für die Weltseele, von der wir ein Teil sind und von der her wir tatsächlich alle geschwisterlich verbunden sind. Finde in dem, was du sehen kannst, das was du nicht sehen kannst. Handle in dem, was du siehst, dem entsprechend, was du nicht siehst.
      Es beginnt im Sichtbaren, aber es endet nicht dort. Mehr ist damit nicht von mir gemeint.

  4. Hallo Herr Lenz,
    ich wollte Ihnen den Vorschlag machen, Jo Conrad im Rahmen der Empathie-Reihe zu Wort kommen zu lassen.
    Ich kenne nicht viele, die den Mut haben, sich vor laufender Kamera NOCH authentischer, empathischer und offener zu zeigen, als Jo Conrad das hier getan hat:

    https://youtu.be/jeJBKqhQlzQ?t=6538

  5. @ Nevyn
    „Wir sind auf Intellekt fixiert. … Unterscheidung schwingend, teilen wir … in … Seele … Kopf … Herz“

    So gesehen – so wie ich das Zitat gestaltet habe – stimme ich voll zu. 🙂

    • Es gibt bei Parzival die Geschichte vom Gralsschwert. Jeder Hieb muss sitzen, sonst zerbricht es und kann an der Wasserquelle „Quell Lac“ wieder geheilt werden. Wer das versteht, der wird im Parzivalmythos reich beschenkt, Andrea. Denke bei Wasser an Seele und bei Quelle an Ursprung.

    • @ Nevyn und alle Anderen

      schöne Sprache(n)!:
      le mer (das Meer = Wasser) – la mère (die Mutter)
      lac (der See = Wasser) – lac (die Milch = Mutter)

    • @ Nevyn
      Einige mögen über Metaphern von Mythen und Elementen an ihr Inneres kommen, mein Weg war und ist ein anderer, und zwar Anwendung des Wissens von Alice Miller, Hans Joachim Maaz, Gerald Hüther … sprich für Parzivalmythos oder „Wasser“ bin ich – im Zusammenhang mit Psychologie der frühen Kindheit – bestimmt ein denkbar ungeeigneter Gesprächspartner.

    • @Andreas
      Es stell eine Vertiefung und Erweiterung zu den von Ihnen angesprochenen Wegen dar, keineswegs einen Gegensatz. Die Psychologie ist eine recht junge Wissenschaft, die Lehre von der Seele dagegen uralt. Mythologie ist wesentlich weiser, wird meist nur nicht einmal im Ansatz verstanden und häufig sogar verachtet weil sie nicht „wissenschaftlich“ ist. Hier bildet doch, exemplarisch gesprochen, eher Dethlefsen als Freud einen Zugang.

      Alles, was Wissenschaft heißt, setzt zudem ein Subjekt (den Forschenden) und ein Objekt (der/das zu Erforschende) voraus. Auch die Psychologie, zumindest die humanistische im Gegensatz zum Behaviourismus, ist da schon lange dran vorbei. Dem Menschen als Mensch in der Beziehung zu ihm zu begegnen, also auf der Subjekt-Subjekt-Ebene ist zwar nicht wissenschaftlich, heilt aber.

  6. An Rüdiger und Hans-Joachim 🙂

    Ich wollte nochmal darauf hinweisen, dass man Geister nicht töten kann. Mehr noch – ich zitiere wieder Ganser – dem Töten gehen 2 wichtige psychologische Prozesse vorraus, die dann die TAT erst möglich machen. Die Reihenfolge ist [T]rennen-[A]bwerten-[T]öten.

    Da ist ein Hitler in mir.
    Der ist ein schwules Schwein. (oder ein Nazi, oder der Teufel, oder ein Massenmörder, oder… )
    Den muss ich töten.

    Nein. Die Antwort ist immer die selbe – sogar für Geister. Von Hitler kann ich etwas über mich lernen. Er hat ein Anliegen, dass eine Berechtigung hat. Was ist dieses Anliegen? Wie kann ich ihm entsprechen? Und gleichbedeutend mit der letzten Frage: Was lindert die Wut?

    Mit einem Wort.

    Versöhnung.

    Übrigens gibt es noch eine Falle, in die heutige Antworten gerne laufen. Und das ist das Befriedungsverbrechen. Man kann Wut als Gefühl zum Beispiel ebenso trennen, abwerten und töten. Da ist eine Wut in mir.
    Die Wut ist schlecht.
    Ich nehme tranquilizer, dann geht sie weg.

    Medikamente nehmen bei Befriedungsverbrechen eine zentrale Stellung ein, sind aber beileibe nicht die einzige Methode.

    Okay, ich glaube das waren meine 50 Pfennig. 🙂

    • Klingt schon nach etwas mehr als 50 Pfennig.
      Zu den okkulten Wurzeln des Faschismus hatte ich eine traumhafte Begegnung mit einem Herrn, der sich mit „Freiherr von Sebottendorf“ vorstellte. Der sah im Traum ziemlich matschig aus und hing in einer Zwischenwelt fest und fragte, ob ich ihm helfen kann. Konnte ich nicht und hab früh erst mal im Rechner nachschauen müssen nach dem Typen. Er war der Gründer der Thule-Gesellschaft und man hat seine Leiche am Ende des WK2 aus dem Bosporus gefischt. Danach kam ich von Hölzchen auf Stöckchen zu Vril usw. Hitler soll in den Thule-Orden(!) eingeweiht worden sein, aber nichts Genaues weiß man nicht. Channelgeschichten und Spielerei mit dunklen okkulten Kräften, das konnte nur böse enden. Jedenfalls hab ich das alles mit in eine Trancereise genommen und kam in Auschwitz raus, als Aufseher für die Krematorien. Nicht als früheres Leben oder so aber als Erfahrung, wie man dort hin kommt, von wegen: „ICH hätte das nie gemacht!“ Ich habe also meinen Hitler in mir entdeckt. Und er hat mir viel sagen können, über innerpsychische Vorgänge.
      Wut kam übrigens gar nicht vor, eher Begeisterung und feste Überzeugung, das Richtige zu tun. Haben wir ja heute auch wieder weit verbreitet.

  7. @Nevyn,

    liebe/lieber Nevyn,
    „die Seele hingegen ist „wässriger Natur“ trifft den Nagel meiner Meinung nach voll auf den Kopf!!
    Hierzu empfehle ich die 1. beiden Ausgaben des Wissenschafftplus Magazins von diesem Jahr.
    Die Texte, auf die ich mich beziehe sind: „Einführung in eine neue Theorie des Lebens“ aus der Ausgabe 1/2019 und „Wie Leben sichtbar wird“ aus der Ausgabe 2/2019.
    Zum besseren Verständnis für „das Wasser“ empfehle ich die Abhandlung „Die Wasseroberfläche“ auf www.dichtes-wasser.de.

    Herzliche Grüße

  8. Lieber Rüdiger, lieber Hans-Joachim,
    ein tolles Gespräch! Nur eine Anmerkung möchte ich machen: Kinder auf Augenhöhe zu begleiten, meint nicht, dass die Eltern sie auf ihre „Augenhöhe“ heben, sondern das den Eltern der Perspektivwechsel gelingt und sie sich auf Augenhöhe der Kinder begeben 🙂 Ein Krabbelkind, das eine Bananenschale in den Videorekorder schieben will, ist am „experimentieren“ und das ist völlig normal – aus Sicht des Kindes. Das wir Erwachsenen damit Schwierigkeiten haben, steht auf einem ganz anderen Blattpapier.
    Es wird auch schwierig werden einem Krabbelkind zu erklären: du, das ist ein Videorekorder, Bananenschalen gehören dort nicht hinein. Auch ein „nein“ versteht ein Krabbelkind noch nicht.
    Also was ist zu tun, um mir wichtige Gegenstände vor neugierigen Krabbelkindern zu schützen: Ich muss das Gerät außer Reichweite stellen. Die Verantwortung liegt immer bei dem Erwachsenen und nicht bei dem Kind…

    Entsprechend des Reifegrades des Kindes können auch wieder vorher sichergestellte Gegenstände ihren Platz in der Wohnung einnehmen – so jedenfalls habe ich das bei meinen Kindern gemacht und bei meinen Enkelkindern auch.

    Leider wird „Beziehung auf Augenhöhe“ immer wieder völlig falsch verstanden, dabei ist damit lediglich ein Perspektivwechsel gemeint und das gilt im Übrigen für alle Beziehungen die wir führen :-).

    • Liebe Mamomi, da hast Du völlig recht. Das Kind wird nicht auf Augenhöhe „gebracht2, sondern die Eltern, Erwachsene „ermöglichen“ dem Kind diese Augenhöhe. In Gesprächen von 60 Minuten kann man nicht auf alles Rücksicht nehmen, was dann zu den Themen auch zu 100 Prozent abgedeckt würde. Hans-Joachim und mir war klar, dass wir hier alles ganz knapp halten müssen. Wir wollten in dem Gespräch eine Brücke schlagen zu der normopathischen Gesellschaft, deren Ursachen und wie sich das auf die Destruktivität einer Gesellschaft auswirkt; im Inneren wie im Äußeren. &0 Minuten sind immer sehr knapp. Liebe Grüße, Rüdiger 🙂

    • Ich verstehe Beziehung auf Augenhöhe als eine Beziehung, bei der wir grundsätzlich die Gleichheit des anderen anerkennen. Das ist für mich die Basis einer Subjekt-Subjekt-Beziehung. Das ist übrigens auch die Basis einer demokratischen Gemeinschaft. Weil es gleichsam bedeutet, davon auszugehen, dass ich von meinem Gegenüber in der Begegnung etwas lernen kann. Ansonsten habe ich dann meinem Kind ’nicht richtig / verständlich genug kommuniziert‘, dass die Bananenschale nicht in den Videorekorder gehört… was gleich bedeutend ist, mit mein Kind hat das nicht richtig gelernt.

    • @ Mamomi
      Kinder machen nach. Ich war manchmal regelrecht erschrocken, wie sogar Nachbarskinder, also die mit mir eher weniger zu tun haben, teilweise 1:1 ziemlich exakt nachmachten, was ich gerade machte.
      U.a. deswegen mag ich auch den Spruch: „Wozu Erziehung?! Die machen Euch doch sowieso alles nach.“ 🙂
      Das fällt mir gerade ein zum Videorecorder; das Kind sieht, dass die „Großen“ da was reinschieben und das Kind macht das ziemlich exakt nach und schiebt da was rein, halt keine Videokassetten sondern Kekse oder Bananschalen, aber im Prinzip macht das Kind, was es bei den „Großen“ gesehen hat.

    • Ein kluges Kind schiebt sich Kekse lieber in den Kopf.
      Aber Bananenschalen im Recorder sind cool. Dann kommt ein lustiger Affenfilm. Den macht der Papa, wenn er das sieht. 🙂

  9. Vielleicht sollte man noch darauf hinweisen, dass man üblicherweise gewohnt ist (oder einem das antrainiert wurde, immer gleich SOFORT können sollen ist auch son Ding), Sachen die man hört oder liest so schnell wie möglich zu verstehen, was ja bei rein Rationalem auch meistens nicht so schwer ist.
    Bei diesen Themen spielt geistiges Verstehen auch eine wesentliche Rolle – aber die Gefühle müssen hinterher kommen und das ist ein Prozess durch viele Lebenssituationen.
    Die Worte des Herrn Maaz kann man sich in einem Jahr, in zwei Jahren, in drei Jahren … nochmal anhören und sich fragen, okay wo stehe ich jetzt?

    • Wir sind auf Intellekt fixiert. Das Schwert der Unterscheidung schwingend, teilen wir blitzschnell die Welt in viele Stücke. Element Luft.
      Die Seele hingegen ist „wässriger Natur“. Sie schwingt im Ganzen, bewegt sich langsamer, dafür nachhaltiger. Man sieht das auch bei Familienaufstellungen. Alles geschieht nahezu in Zeitlupe, als ob man durch Wasser läuft und es braucht auch Zeit, Gefühle zu fühlen, anzunehmen und Veränderung zuzulassen.
      Der Kopf ist ein Kriegsschauplatz und das Herz eine Wüste. Man muss das Schlachtfeld räumen und die Wüste bewässern, wenn man ein Mensch werden will.

Hinterlasse eine Antwort