KenFM im Gespräch mit: Margret Rasfeld („Schulen im Aufbruch“)

„Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir.“ Diese Weisheit stimmt. Sie sagt uns, dass es noch mehr gibt, als das, was uns in über einem Jahrzehnt Schulzeit versucht wird beizubringen. Unser Schulsystem hat mit seinem Lehrauftrag genau das zum Ziel: Jungen Menschen Wissen und Kenntnisse zu vermitteln, die ihnen im Leben weiterhelfen – an Haupt-, Realschulen und Gymnasien.

Und da sind wir schon beim einem Kernproblem: Der „Selektion“. Schon bei der Wahl des Schultyps stellt man Weichen. Bei dieser Vorauswahl können wir bereits erkennen, wer es voraussichtlich im Leben zu etwas bringen und Karriere machen könnte und wem das verwehrt bleibt. In diesem Konkurrenzsystem fallen die Würfel früh. Hinzu kommt, dass der Lehrplan im Mittelpunkt steht und nicht die individuelle Leistungsförderung. Schneller, höher, weiter ist das Gebot der Stunde und mit dem gescheiterten G8 hatte man genau das zum Ziel: die neoliberalen Märkte brauchen gehorsame Arbeiter und Konsumenten, keine Kreativen und Freidenker.

Margret Rasfeld war Leiterin an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum und ist Mitbegründerin der Initiative „Schule im Aufbruch“. Sie hat diese Probleme erkannt und wirbt intensiv für einen grundsätzlichen Wandel im Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Nicht der Lehrplan sollte im Fokus stehen, sondern der Mensch, der lernwillig und wissbegierig ist, mit all seinen Vorlieben, Eigenheiten und besonderen Fähigkeiten. Lernen im Gleichschritt funktioniert nicht.

Von Geburt an sind wir Wesen, die mit dem Turbo-Booster „Neugier“ ausgestattet sind. Er befeuert unser Gehirn derart, dass wir innerhalb kurzer Zeit eine Sprache lernen und höchst komplexe, feinmotorische Bewegungsabläufe beherrschen können – niemand sonst lernt so schnell, wie ein Kleinkind. Und warum? Weil es Freude macht.

Seltsamerweise wird uns diese Freude, und damit die Lust am Lernen, sukzessive abtrainiert, sehr früh und sehr methodisch; mit Frontalunterricht und Ganztagsschulen ohne wirkliche Beziehungspersonen. Zeit für Freizeit? Keine Chance. All die vielen Abenteuer in der Natur sterben heute im Klassenzimmer.

Dass uns aber ein funktionierender, gehorsamer Nachwuchs nicht weiterhilft, ja sogar noch weiter in die Krisen des 21. Jahrhunderts treibt, können oder wollen Bildungspolitiker wohl nicht einsehen.

Alternative Wege gibt es aber schon. Sie müssen nicht delegiert, sie müssen verwirklicht werden; zum Beispiel mit einem Schulfach „Verantwortung“.

Margret Rasfeld beschreibt in ihrem Buch „Schulen im Aufbruch – eine Anstiftung“ einen Weg – gehen müssen wir ihn wohl selbst. Lassen wir uns dazu anstiften!

Inhaltsübersicht:

0:01:50 Warum wird man Lehrerin?

0:12:09 Wir starten alle als Genies

0:17:37 Lernen im Gleichschritt und Selektion – die Schule der Zukunft?

0:26:14 Das Fach „Verantwortung“

0:38:47 Kinder aus anderen Kulturen integrieren

0:53:17 Das Schulgesetz erfüllen, mündige Bürger schaffen

0:56:35 Sugata Mitra: Das Computer-Mauer-Experiment

1:02:47 „Es fehlt der Gesellschaft nicht an Wissen, sondern an Gemeinsinn“

1:12:13 Die Bevölkerung ist schon weiter als die Politik und Großkonzerne

1:20:26 Die Schulzeit der Autorin

1:29:00 Was macht einen guten Lehrer aus?

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32 Kommentare zu: “KenFM im Gespräch mit: Margret Rasfeld („Schulen im Aufbruch“)

  1. ich bin begeistert
    im wortwörtlichen Sinn

    Das ist das Wiederauferstehen der Dreigliederung
    Diesmal klappt es!

    Die Freiheit wird Dir immer im Aussen angeboten, mit immer noch penetranteren Werbung.
    Freiheit kann aber niemals im Aussen sein.
    Zu solcher Verblendung drillt uns das Pisa, Baschteler und Maschteler Vollstopf- auswendig lernen, Bildung- Drill- System!

    Freiheit kann nur in JEDEM von uns drinnen sein. Und dazu braucht es autonome Schulen, wie die von der hier extrem eindrücklich erzählt wird von Frau Margret Rasfeld.

    Dahin gehört der Begriff Freiheit in die Bildung! Von da aus kann mit solchermassen Mensch gebliebenen Menschen der Wirtschaft Brüderlichkeit beigebracht werden. Mit einem Rechtssystem in dem jeder Gleichermassen eben dieses Recht mitgestalten kann. Ganz nach Frau Daniela Dahn ;
    https://kenfm.de/daniela-dahn/
    Wie Gleichheit ins Rechtswesen gehört, kann man bestens lernen von Frau Daniela Dahn.

    Freiheit Gleichheit und Brüderlichkeit wirkt wie schlimmstes Gift, wenn die Begriffe durcheinander gebracht werden und am falschen Ort wirken.

    Mit Menschen wie Margret Rasfeld, Daniela Dahn und vielen anderen Gesprächspartner hier, die zum Beispiel über Brüderlichkeit in der Produktion sprechen, entsteht die Dreigliederung die vor hundert Jahren mit schlimmen Folgen gescheitert war neu!

    • soviel Freiheit muss sein:

      Gibt es innere Freiheit ohne äußere Freiheit?
      Gibt es äußere Freiheit ohne innere Freiheit?
      Ist innere Freiheit anders frei als äußere Freiheit?
      Wo ist Innen? Wo hört Innen auf?
      Wo ist Außen? Wo fängt Außen an?
      Gibt es soviele Freiheiten wie Menschen oder nur eine all-gemeine?
      Macht gerade die Unterscheidung in innere und äußere, meine und deine Freiheit un-frei?
      Wenn diese Unterscheidung wegfällt, was ist dann?

      „Freiheit ist ohne Reaktion; Freiheit ist nicht Wahl.“ (Jiddu Krishnamurti)

    • Hallo zeja

      für mich kann Freiheit nur aus einem Zentrum entstehen, also im Innern. Es sind nicht die Wahlmöglichkeiten, die frei machen, sondern ich bin es der sich entscheiden kann. Selbst wenn mir keine Wahl gelassen wird, kann ich mich dazu immer noch ärgerlich oder gelassen stellen. Gibt man mir noch so viele Wahlmöglichkeiten und ich lasse mich zu einer verführen oder gar drängen war ich nicht frei, ausser natürlich ich wollte mich verführen lassen. Dann aber war die Freiheit wieder bei mir. Äussere Freiheit wird uns von der Werbung nur vorgegaukelt den lieben Tag lang, es gibt sie nicht. Im Aussen ist und bleibt jede scheinbare Freiheit reine Manipulation.

      Den Satz von Jiddu Krishnamurti
      „Freiheit ist ohne Reaktion; Freiheit ist nicht Wahl.“
      ist tiefgründig. Den muss ich erst mal eine Zeit lang mit mir mittragen.
      Ich kann noch nicht verstehen was er damit ansprechen möchte.

      Mir geht es in erster Linie darum, dass Freiheit sein gesunden Platz in der Bildung hat und nicht in der Wirtschaft. Nicht die Wirtschaft macht uns frei, wir dürfen uns viel mehr von den Sachzwängen der Wirtschaft nicht in die Enge treiben lassen. In der Wirtschaft hingegen wirkt Brüderlichkeit gesundend, wenn man bei den drei Begriffen der französischen Revolution einmal bleiben möchte. Die Begriffe sind für mich schon brauchbar und immer noch wichtig, werden aber auf jeweils falschen Gebieten angestrebt. Gleichheit in der Wirtschaft zum Beispiel kann es nicht geben. Im Recht aber muss Gleichheit da sein, sowohl als Recht selber als auch beim gemeinsam das Recht immer wieder demokratisch zu ändern. Heute bestimmen aber Lobbyisten das Recht, so etwas ist ungesund.

      Ich sehe den einzelnen Menschen als sich selbst bestimmend

      das Recht als für alle gleich und von allen gemacht. Alles Abmachungen zwischen Menschen auf Augenhöhe.

      und die Wirtschaft, die rein schon durch Ressourcen Verbrauch immer die Tendenz hat auch destruktiv zu werden, als etwas, das nur durch innerlich gestärkte Menschen zu Brüderlichkeit zurück geholt werden kann.
      Diese heilende Kraft kann in freien Schulen entstehen. Ich finde das kommt in diesem wichtigem Gespräch sehr gut herüber.

      Und ja es gibt so viele Freiheiten wie es Menschen gibt. Wir kommen nicht darum herum jeden einzelnen ernst zu nehmen. Wo könnte man das nicht besser machen als in Schulen, Schulen die keine Lehrpläne übergestülpt bekommen von Konzerninteressen. In Schulen, die für diese Konzerne keine gratis abgreifbaren Abschlüsse produzieren. An Schulen an denen jeder sich bilden kann nach seinem ureigenen Wesen in Gemeinschaft mit allen anderen.

      Autonome Schule sind für mich ein zentrales Anliegen,
      Autonom sowohl vom Staat wie auch von Wirtschaftsinteressen.
      Verpflichtend einzig den beteiligten Eltern, Schülern und Lehrer.
      Freie Schulen ohne Zwecke und Absichten.
      Vielleicht geht ja der für mich nicht einfache von Dir angebrauchte Gedanke von Jiddu Krishnamurti in diese Richtung..

    • „Die schlimmen Feststellungen sind immer noch gültig.“ (Ludwig Marcuse)

      … ich hatte mich weiter unten ja schon ausführlich zum Interview geäußert, habe es mir – mit Mühe – noch einmal angeschaut und ich verstehe die ganze Euphorie immer noch nicht.

      patrick, woher leitet sich dein Eindruck ab, dass diese Schule eine autonome Schule wäre?
      Diese Schule bereitet doch auf die staatlich geforderten Prüfungen vor und arbeit auf Grundlage der Schul-Pflicht.
      Was schon mal bedeutet, dass der einzelne Schüler in keinster Weise autonom ist. Wenn dort Freiheit erwächst, dann allenfalls g e g e n die Schule, nicht durch sie.
      Um noch einmal auf Krishnamurti zu verweisen: „Freiheit ist ohne Motiv. Freiheit an sich hat kein Gegenteil. Freiheit liegt nicht am Ende, sondern kann nur im Anfang liegen.“
      Auch in einer solchen ’netten, freundlichen‘ Schule gibt es weder am Anfang noch am Ende Freiheit – aus Schülersicht gesprochen…

      In dem Gespräch wird erklärt (61.Min.) : „Die(se) Transformation der Schulen ist jetzt offizielles Regierungsprogramm.“
      Warum wird da keiner misstrauisch? ‚Unsere marktkonforme Regierung, der Staat, das Machtinstrument der Herrschenden (Klasse) setzt sich für eine solche vermeintlich ’nur das Beste im Menschen zu fördernde Schule‘ ein?

      Was bedeutet das?

      In der 38.Min. verweist Frau Rasfeld mit leuchtenden Augen darauf, dass ‚ihre‘ Schule quasi die „Lufthansa“-konforme Persönlichkeits(aus)bildung vorauseilend für die ‚liebe‘ Firma übernimmt.
      Und d a r u m geht es hier doch. Die moderne Schule soll endlich den modernen Menschen produzieren, den die moderne Wirtschafts-Gesellschaft benötigt. Die alte Schule bringt’s nicht mehr.
      Diese neue Schule… daraus ließe sich was machen; Idealisten wie Frau Rasfeld, die sollen mal aufbauen mit ihrem Enthusiasmus, später wird das dann übernommen, optimiert und wirtschaftlich gemacht.

      Was für eine Ungeheuerlichkeit: eineinhalb Jahre !!Persönlichkeitsbildung!! bei der „Lufthansa“, nachdem einer seinen ‚kreativen‘ Film abgegeben hat und sich in mehreren firmeninternen Konkurrenz-Assensments als brauchbar erwiesen hat.
      Und wenn diesen Aufwand nun endlich (wieder) die Schulen übernehmen, dann reiben sich die Personalchefs der Firmen die Hände, angesichts des Ersparnisse… und die Auswahl an nützlichen Bewerbern wird auch wieder größer…
      Was ist eigentlich mit all den jungen Menschen, welche sich nicht durchkonkurrieren konnten, wo landen die?…
      Bei den ‚bösen‘ Firmen?…

      Worauf basiert dieser unbeirrbare Glaube, dass aus einer solchen Schule nur noch ‚gute‘ Menschen erwachsen, welche dann in die ‚bösen‘ kapitalistischen Firmen gehen und diese in ‚gute‘ kapitalistische Firmen verwandeln?
      Die Telekom ist eine gute Firma, weil sich dort alle (Selbst-)Ausgebeuteten freundlich anlächeln und Nestlè ist eine böse Firma, weil es dort doch noch offensichtlicher ‚zur Sache‘ geht?…

      Was bedeutet es, wenn in der 69.Min. darauf hingewiesen wird, dass sich ‚die Wirtschaft‘ ja schon durch Meditation ‚zum guten‘ entwickelt. Gibt’s nun auch noch absurderweise das Pflicht-Schulfach Meditation?…
      So wie Yoga im Kindergarten, damit die Kinder lernen mit dem durch den Kindergartenalltag erzeugten Stress besser umgehen zu können?

      Freies Spielen ist des Kindes Yoga… Freies Lernen ist des Menschen Meditation…

      P.S.
      „Kinder an die Macht“? – Da braucht sich mal keiner Sorgen machen, dass die ‚Herrschaften‘ nicht rechtzeitig ihre Nachkommenschaft für die zukünftige Führungselitenschaft ausbilden lassen, sodass die Macht auch in der ‚Familie‘ bleibt…
      Und den anderen, nun, denen erlaubt man gnädigerweise eine Kinder-Kommission, einen Jugend-Rat – dort dürfen sie dann ein bisschen ’spielen’…

      P.P.S.
      Witzig ist auch immer die Ehrfurcht vor der verehrten Frau Bundeskanzlerin, diese sei doch ziemlich klug, weil sie wäre ja eine Physikerin…
      Ich studiere Physik und wenn ich mich so umschaue und umhöre in diesen Kreisen, dann dünkt mich doch, dass nur Nicht-Physiker auf die Idee kommen können, dass Physiker alle klug wären…
      Ich vermute sogar, dass nicht wenige unter ihnen noch nicht einmal die Physik wirklich verstehen, geschweige denn…
      Am schlimmsten sind die Physik-Lehrer…

    • P.P.P.S.
      …natürlich gilt das nicht für meinen Gymnasiallehrer, der war und ist ein guter Lehrer, ohne ihn hätte ich vermutlich nicht mit dem Physikstudium angefangen…

      Noch eine Ergänzung:
      Sollte sich diese ’neue Schule‘ in den nächsten Jahren tatsächlich mehr und mehr durchsetzen, dann gilt es natürlich zu bedenken: Was passiert dann mit der neuen ‚Bologna‘-Universität?
      Die ist mittlerweile dermaßen altertümlich verschult, dass – im erlaubten Rahmen – ‚kreativ‘ denkende Menschen an einer solchen Universität mit ihrem punktesammelnden Bulimielernen arge Probleme bekommen würden. Das passt dann überhaupt nicht mehr zusammen…
      Muss sich die Universität dann wieder ‚zurück’entwickeln?… Oder auch ‚fortschrittlich‘ werden?… oder was?…

    • @Zeja
      Das liegt doch in der Natur der Sache, dass eine öffentliche Schule im Interesse der Machthaber erzieht. Sonst würden die sie nicht finanzieren. Nichtsdestotrotz gab es aber Verbesserungen von den Prügelanstalten des 19ten Jhdts bis zur heutigen Schule.

    • Ja sicherlich, Blechmann, gibt es diese Verbesserungen… genau so, wie sich in den letzten hundert Jahren die ‚artgerechte‘ Tierhaltung in den Zoo’s durchaus gebessert hat… Dennoch gilt: Eingesperrt bleibt eingesperrt…

      Und so wie Jürgen Oelkers feststellte dass: „Zwischen der Schule des Kaiserreichs, der Weimarer Demokratie, der NS-Zeit, der Zeit der Bonner Demokratie und der ‚DDR’ und der Berliner Demokratie nach der Wiedervereinigung, die Kontinuitäten erstaunlich sind.“ , so werden dieselben durch die moderne Schule a la Rasfeld/Hüther mit großer Wahrscheinlichkeit auch keine wesentliche Unterbrechung erfahren, oder?…

    • Hallo Zeja

      Ich habe jetzt lange überlegt, wie ich Dir antworten könnte. Ich habe nun auch gelesen, was Du und andere weiter unten schon diskutiert hattet.
      Mir fiel auf, dass Du nicht die einzige bist, die an der aktuellen Universität ziemlich unglücklich ist. Dass etwas gehen muss im Geistesleben, wenn wir ein solches einmal als im weitesten Sinne aus Schule, Uni, Presse und Kulturleben bestehend bezeichnen wollen, sind wir uns vermutlich einig. Ganz speziell schief steht es mit der Bildung. Sie liegt nicht nur in den Krallen der Lobbyisten, sie bildet auch immer schärfere solche Lobbyisten aus! Das ist vermutlich in unserer allen Augen ein eindeutig extrem krankhafter Zustand heute.
      Eine Autonomisierung des Bildungswesen ist für meine Begriffe der zentrale Schritt Heilung in das Gefüge zu bringen. Ob die von Frau Margret Rasfeld beschriebene Schule nun autonom ist, kann und will ich nicht abschliessend beurteilen müssen. Für mich kamen aber im Gesprächen einen ganzen Strauss von Anregungen wie man den krankmachenden Wirtschaftsinteressen die Türe weisen könnte. Das die Schule auf der anderen Seite NICHT Demokratisch werden darf, ist für mich ebenso klar. Bestimmen dürfen einzig die Schüler, Lehrer und Eltern. In so überschaubaren kleinen Rahmen braucht es meist keine Demokratie, die Probleme können wirklich bis an die Wurzeln ausdiskutiert werden. Es ist in einem so kleinen Rahmen praktisch immer möglich einen Konsens zu finden. Wenn dazu auch ein grosses Engagement aller Beteiligten nötig ist.
      Ich kann auch darum niemals abschliessend beurteilen, ob nun die Schule von Margret Rasfeld autonom ist oder sich zumindest auf einem Weg in eine solche Richtung befindet, weil man Autonomie nicht einfach einführen kann. Es besteht immer eine Gefahr, dass sich die Schule an Forderungen des Staates oder der Wirtschaft erneut erkältet, wenn ich es einmal etwas im übertragenen Sinne formulieren darf. Autonomie ist ein nie endender Weg, ein ständiger Anfang.
      Ich habe mich über dieses Interview so gefreut, weil leider selten das kranke Bildungssystem angesprochen wird, wenn über die Irrwege der heutigen Zeit gesprochen wird. Meist wird die Freiheit nur in Wirtschaftlicher Machterlangung gesucht und übersehen, dass selbst eine kommunistische Machtübernahmen keineswegs gesundende Verhältnisse hin zaubern kann. Wenn ich es mit dem Begründer der Waldorfschulen Rudolf Steiner sagen darf;

      Heilsam ist nur,
      wenn im Spiegel der Menschenseele sich bildet die ganze Gemeinschaft
      und in der Gemeinschaft lebet der Einzelseele Kraft.

      Darin ist für mein Erkennen auch klar der Keim der Freiheit in jeden von uns gelegt. Nur alle zusammen bilden die Gesellschaft.

      Das alles ist für mich wirklich extrem wichtig zu diskutieren. Leben wir doch immer mehr in einer Expertendiktatur. Experten bestimmen heute zum Beispiel was Fake news ist und was nicht. Das ist der grösste denkbare Alptraum, der ich mir vorstellen kann.

      Wenn nun dies Experten wenigstens die zartesten und feinfühligsten wären die man finden könnte….
      Aber unser System ist ja immer mehr so angelegt, dass man nur noch Staatsführer, Experte oder Konzernführer werden kann mit einer ausserordentlich geballter Ladung an krimineller Energie. Das Noten Bestechungssystem treibt uns in die Hände der schlimmst zusammen gewürfelten Mafia, die überhaupt denkbar ist.
      Hier einmal stopp zu rufen tut Not.
      Mit stopp zu rufen ist es selbstverständlich nicht getan.
      Gesund sein als Gesellschaft ist eine nie endende Aufgabe an uns alle.

      Es gibt im Netz einige Beiträge zum Thema Dreigliederung
      Vielleicht hat ja jemand Lust etwas darüber zu stöbern.

  2. Immer mehr wird mir klar wie wertvoll die Zeit bei den Pfadfindern war. Der Weg im Scouting, religiös und politisch frei, inklusiv und basisdemokratisch. Leben in der Natur, mit der Natur, mit wenig bis gar nichts auskommen und keine Spuren hinterlassen. Kleingruppen mit hoher Eigenverantwortlichkeit und Selbstermächtigung, das ständige Erfahren von Eigenwirksamkeit und Entwicklung von Kompetenzen im Annehmen der Herausforderungen in der Gruppe und auf Fahrt, im Draußen sein. Die Übernahme von Verantwortung in der Gemeinschaft, das Ganze eingebettet in einen rudimentären Ritus und einen sehr vielfältigen Stil, der nie dogmatisch war. Von Gruppenwochenende bis zu internationalen Treffen. Etwas was Familie und Schule schwer leisten kann, aber wodurch sie sehr gut ergänzt werden. Und §1 des Schulgesetz trifft die Ausrichtung der Pfadfinderei ziemlich präzise…

  3. Danke für dieses wunderbare Gespräch mit Frau Rasfeld, einer
    beeindruckenden, überzeugenden Persönlichkeit und einem
    Programm, das mitreißt. Also rundum nichts Negatives.
    So der spontane Eindruck nach dem ersten Hören.

    Beim Nachdenken über das genannte Ziel, die Überwindung
    des Neoliberalismus, fiel mir das Video Prof. Immanuel
    Wallerstein im Gespräch mit Fabian Scheidler zum Thema
    ‚Die globale Systemkrise und der Kampf um eine postkapitalistische
    Welt‘ ein:
    https://www.youtube.com/watch?v=l78FopWUxko
    Prof. Wallerstein unterscheidet (Minute 20) zwischen einem Geist
    von Davos und einem Geist von Porto Alegre. Der Geist von Porto
    Alegre ist die Einstellung, die zu einer verhältnismäßig demokratischen
    und egalitären Welt führt, während
    der Geist von Davos die Geisteshaltung beschreibt,
    die nach einer Struktur sucht, in der die Vorteile der privilegierten
    Minderheit des alten Systems mit neuen Mitteln wiederhergestellt
    werden sollen.

    Wo also ist ‚Schulen im Aufbruch‘ anzusiedeln? Frau Rasfeld in
    Min. 59:37 zur Bewegung in Österreich:
    „Die Bewegung kommt von unten und wird von oben gestützt,
    von der Schulaufsicht – von einigen Menschen- und in einigen
    Regionen, z.B. im Mostviertel und in der Steiermark.“
    Und in 1:00 Std. „Mit dem Programm ‚Bildung für nachhaltige
    Entwicklung‘ ist die Transformation der Schulen offizielles
    Regierungsprogramm und wir wollen jetzt in Regionen zeigen,
    wie man eine ganze Region verändern kann und fangen
    jetzt in 2,3 Regionen an.“ (Bildung ist bekanntlich Ländersache).

    Mit einer Zuordnung nach dem Schema Prof. Wallerstein ist dies
    wohl nicht so einfach. Ich vermute, dass es hier ’nur‘ um die Über-
    windung des Neoliberalismus, nicht aber des Kapitalismus als
    solchem, geht.
    Zudem geht es um die Form der Bildungsvermittlung –
    das setzt zwar eine Haltungsänderung voraus. Das soziale Miteinander,
    Beziehung lernen, ist wichtiger als Lernstoff-Vermittlung.

    Nun ist es natürlich so, dass der Geist von Davos sich schon ‚melden
    wird‘, wenn es um Lerninhalte geht.
    Prof. Wallerstein spricht ja von ‚Verführen‘ als der einen Methode und
    Druck und Zwang als der anderen.
    Wir erleben ja zunehmende Zensur im Internet. Das Lernstoff-Angebot
    wird sicherlich so kanalisiert werden, dass mit sanften Methoden (Nuging)
    und der Erreichbarkeit von Faktenwisen, die Schüler in ihrer
    Selbstermächtigung im Lernen schon auf die richtigen Bildungsbrocken stoßen

    Kurz: eine tolle Sache diese neue Herangehensweise in der Bildung.
    Wie das dann mit den Inhalten sein wird, wird man sehen!
    Also wachsam bleiben, aber das ist sowieso immer und überall angesagt.

    Zur Bildung an der Hochschule habe ich mir das
    Video mit dem Vortrag von Prof. Harald Lesch
    „Warum tun wir nicht, was wir tun sollen?“
    im Rahmen der Ringvorlesung ‚Nachhaltige Hochschule‘
    noch einmal angehört:
    https://www.youtube.com/watch?time_continue=9&v=aJfV_aMaqRM

    Ab 1:42:08 Std. geht es um die Frage: Wie können wir
    die Ausbildung an der Hochschule so ändern, dass wir
    eine nachhaltige Wirtschaft schaffen?
    Und in 1:42:48 Std. wird festgestellt, dass wir an der
    Hochschule eine Generation ausbilden, die diesen
    Wahnsinn weiterführt.
    Prof. Lesch darauf:
    Es wäre schön, wenn wir an der Hochschule ein erstes Jahr
    einführten, ganz gleich, was man studiert, in dem diese Frage:
    Was soll ich tun? ganz im Mittelpunkt steht. Also ein Studium
    Generale zu machen, wo es um so grundsätzliche Prinzipen
    geht, wie verhält man sich als Mensch. Erstmal anzuerkennen,
    dass die eigene Herkunft der reine Zufall ist, anzuerkennen,
    dass es keine Rassen gibt auf dieser Welt, sondern anzuerkennen,
    dass wir alle Menschen sind und alle …
    und in 1:46:33 Std. Für mich wäre es wichtig, eine Universitäten
    zu haben… die sich der Persönlichkeitsbildung widmen, ja die
    anerkennen, dass diejenigen, die an die Uni kommen, nicht schon
    fertig sind, sondern dass sie im Werden sind…

    • „Im Mittelalter wird der Begriff (Universität) übertragen auf die ‘autonome, sich selbst verwaltende Gemeinschaft von Lehrern und Schülern’, vgl. mlat. universitas magistrorum et scolarium bzw. studentium (Paris 1213)“ (DWDS)

      … soweit ich weiß hatte damals an der originalen Bologna-Universität jedes Mitglieder dieser Le(h)rngemeinschaft eine Stimme, d.h. auch die Studenten hatten durchaus die Möglichkeit über ihr eigenes Lernen mit zu bestimmen.
      Heutzutage bekomme ich von meinem Professor mitgeteilt, dass in seinem Arbeitsvertrag stehe, dass die Universität eine Dienstleistung anbietet. Der gemeine Student hat auf Form und Inhalt seines eigenen Lernens praktisch keinerlei Einfluss. Seine einzige Verfügungsgewalt darüber besteht darin, dass er ja gehen kann…
      Die einzig ‚Große‘ Frage welche mich im ersten Jahr umtreibt lautet: Brauche ich das für die Prüfung? bzw.: Wie viele Punkte bringt mir das?…
      Dergleichen Persönlichkeits-Bildung gebiert dementsprechende Menschen…

      „<> Die Wirklichkeit – das Schlimmste, was man über die Wahrheit sagen kann.“ (Karlheinz Deschner)

    • den Deschner noch einmal vollständig…

      „<> Die Wirklichkeit – das Schlimmste, was man über die Wahrheit sagen kann.“

    • die Frage scheint wohl ‚verdächtig‘, so setze ich sie anders:

      „Was ist Wahrheit?“ Die Wirklichkeit – das Schlimmste, was man über die Wahrheit sagen kann.

  4. Erst war ich von den Ideen, die Margret Rasfeld verkündet und offenbar auch praktiziert, sehr beeindruckt: Ja prima! Wir bekommen dann viel mehr kreative und verantwortungsbewusste Menschen mit moralischen Einstellungen. Aber wann? Erst in der nächsten Generation.

    Da erinnerte ich mich an die 68er Bewegung, die viel zu wenige Anhänger hatte, um z.B. über die Halb-Ermordung von Rudi Dutschke hinweg zu kommen. Gegen Ende dieser Bewegung übernahmen die Pädagogen das Fähnchen und predigten die antiautoritäre Erziehung. Für die nächste Generation.

    Die autoritären Strukturen aber, gegen welche die 68er rebelliert hatten, blieben erhalten: In den Rundfunk- und Fernsehanstalten. In der SPD. Selbstverständlich auch in der CDU/CSU, in der Verwaltung, im gesamten Staat. Die antiautoritäre Erziehung hat nichts an diesen autoritären Strukturen geändert.

    Das Dilemma jeder Pädagogik ist, dass wir der Illusion nachhängen, die nächste oder übernächste Generation würde es besser machen als wir. Gerade jetzt ist das fatal, weil wir aktuell den Lebensraum der nächsten und übernächsten Generation zugunsten des Gelderwerbs ausplündern.

    Auch die Idee, junge Menschen zur Kreativität zu erziehen erscheint auf den ersten Blick äußerst sympathisch. Aber was ist mit den Kreativen, die jetzt schon trotz der rückständigen Erziehung kreativ sind? Die gibt es ja. Wie werden sie behandelt? Welche Chancen haben sie?

    Sie werden wie Dreck behandelt. Zum Beispiel in den Fernsehanstalten. Kreative werden kurz und projektgebunden beschäftigt, genau so kurz bezahlt und dann weggeworfen, während die fest angestellte Bürokratie, auch die Aufnahmeleiter, Archivare, Redakteure, der ganze feste Apparat mit hohen Gehältern, lockerer Arbeitsmoral und dicken Pensionen zufrieden an ihren zahlreichen Programmen stricken.

    Die Kreativen, ob Musiker, Trickfilmzeichner, Drehbuchautoren oder Grafiker haben nichts von der satten finanziellen Ausstattung der öffentlich-rechtlichen Anstalten, vor allen Dingen haben sie nichts von der beamtenmäßigen, unkündbaren Sicherheit, genau wie im öffentlichen Dienst.

    Brauchen wir in der nächsten Generation mehr Kreative?

    Schön wär’s, wenn wir sie brauchen und versorgen könnten und wenn die Luft voller kreativer Musik wäre, wie wir es manchmal jetzt schon erleben, wenn Zigeunermusiker aus Rumänien in der Fußgängerzone Musik von Weltklasse präsentieren und sich über jede zwei-Euro-Münze in ihrem Geigenkasten freuen. Sie spielen Geige, Accordeon, Klarinette und Saxofon wie die Teufel, vielleicht deshalb weil sie nicht in deutschen Kitas, Grundschulen und Gymnasien erzogen wurden.

    Nichts gegen das Projekt von Frau Rasfeld, vergessen wir darüber nicht den harten Kampf jetzt gegen Autoritäten und Profiteure des neoliberalen Systems.

    Rob Kenius, kritlit.de

    • Lieber Rob Kenius,
      die Kreativen gab es zum Glück schon immer und ich hoffe, dass es immer mehr werden! Ulli Mies sagt in dem Interview, das Jens Wernicke mit ihm führte: „Die andere und sehr viel entscheidendere Frage ist aus meiner Sicht, ob man für fundamentale Umorientierungen in einer Gesellschaft die „schlafenden Schafe“ überhaupt aufwecken muss, oder ob nicht vielmehr eine intelligente Minderheit — „die kritische Masse“, das sind ja unter anderem auch die Leser, an die sich RUBIKON wendet — ausreicht, um das pseudo-demokratische Schmierentheater zum Einsturz zu bringen, zum Beispiel diese unsägliche große Ignoranten-Koalition in Deutschland.“

      Statt intelligente Mehrheit, würde mir kreative Mehrheit besser gefallen. Doch emotionale Intelligenz und Kreativität gehören wohl zusammen 😉
      Hier der ganze Artikel: https://www.rubikon.news/artikel/der-wahnsinn-der-normalitat

      Also auf die nächste Generation zu warten, wäre nicht gerade klug. Doch wenn wir diese unsägliche Idee, Kinder erziehen zu müssen, endlich verabschieden, dann brauchen die Erwachsenen ziemlich viel Kreativität – als Omi weiß ich, wovon ich rede 😉

    • Mamomi,
      Kinder brauchen Feedback von Erwachsenen, damit sie sich in dieser Welt orientieren können.
      „Erziehung“ hat für Dich offenbar einen anderen Stellenwert. Wärest Du so freundlich, das weiter zu erläutern?

    • Mamomi, Deine PM habe ich erhalten, allerdings hat der technische Firlefanz hier so seine Nachteile. Bitte schicke mir von Deiner persönlichen EMail-Adresse eine mail an mail@waldbaer.de , so dass ich Dir auch antworten kann.

    • Mein Kommentar wird gerade geprüft, weil ich meine eigene email-adresse.. also die Technik hier ist wirklich suboptimal. Mamomi, Nachricht ist angekommen, Antwort wird es geben, aber gib mir ein bisschen Zeit. Gute Frage ;o)

  5. Bildung, lernen zu denken.
    Propaganda, lernen was zu denken.
    Ich fürchte das in Deutschland das zweite die Hauptsache ist.
    „Dass uns aber ein funktionierender, gehorsamer Nachwuchs nicht weiterhilft, ja sogar noch weiter in die Krisen des 21. Jahrhunderts treibt, können oder wollen Bildungspolitiker wohl nicht einsehen.“
    Ich fürchte das die Politiker ganz gut wissen was gescheht wenn die Deutschen anfängen zu denken.

  6. Für das Leben lernen wir, hier könnte man sarkastisch feststellen, daß viele Lehrer Nichts mit dem Leben zu tun haben (wollen)
    Leider noch immer ein Unterricht mit Schwerpunkten von 1800Herbst.
    Mir geht es gar nicht um Ausstattung usw. Vielmehr wird das was in Zukunft gebraucht wird nicht annähernd vermittelt.
    Ich denke da an Sachen wieB
    Freundlicher Umgang mit anderen, auch anderen Kulturen.
    Menschen begeistern
    Kreativität
    Sympathisch Beil en auch unter Stress
    Emotionale Intelligenz usw usw.
    Also etwas mehr als Beträgen, Ordnung, Fleiß und Mitarbeit

  7. Was mich fasziniert ist die Koherenz in den Aussagen der Psychologischorientierten. Man kann Gordon B. Peterson, Gad Saad, C.G. Jung, neuerdings auch Stephan Molyneux (und ganz viele mehr), anschauen/lesen, Margret Rasfeld, Mausfeld – es hat einen gemeinsamen, offenbar wissenschaftlichen, Kern.
    Ich hab Abi 86 (St. Augustin, Albert Einstein Gymnasium): Ja, die gute persönliche Beziehung zu meinen – rückblickend betrachtet – verdammt guten Lehrern ist der Grund für meine gute Abinote.
    Was überhaupt keine Koherenz hat, ist diese neue „Soziologie“. Political corretnes, SJW, multibler Geschlerchterwahn.. WTF!?!
    Keine Noten.. nuja, irgendeine Art von Feedback ist ja schon hilfreich? Ohne Noten hätte ich mich ziemlich orientierungslos gefühlt.
    Keine Selektion nach IQ.. wäre das nicht eine.. Wäre eine Selektion nach IQ nicht eine sinvolle Selektion nach Bedürfnissen?
    Diese provokanten Thesen möchte ich gerne zur Diskussion stellen.
    Das man die bisherigen Berufe in Zukunft nicht mehr so brauchen wird, hat Gunther Dueck (Omnisophie.com) ja schon hinreichend ausgeführt.
    schuleimaufbruch, Schneeballprinzip.. LOL .. noch friedlicher kann man die Friedensbewegung nicht gestalten. Bietet mal russisch-kurse an, und.. – gibt es Interessenten?

    • Hi waldbaer
      Zit.: „Keine Noten.. nuja, irgendeine Art von Feedback ist ja schon hilfreich? Ohne Noten hätte ich mich ziemlich orientierungslos gefühlt.“
      Das wäre mir zu meiner Zeit genauso gegangen. das liegt aber daran, dass wir als/zu Konkurrenten ausgebildet/erzogen/hinmaipuliert wurden, dass man uns eingebläut hat: Du musst besser sein als die anderen, schneller, größer, alles messbar in Noten.
      Feedback ist sicher hilfreich, ja notwendig, aber muss es denn in primitiver Notenform sein?
      Selektion nach IQ ist Blödsinn, denn der IQ ist eine fragwürdige Größe, da definiert nach den Maßgaben unseres kapitalistisch orientierten Gewinn(maximierungs)denkens und damit eine ziemlich einseitige Geschichte.

  8. „Was wollt ihr also, kommt!
    Wir wollen nicht, lass uns.“
    (Franz Kafka)

    Was für eine engagierte und begeisterte Schulleiterin, die Frau Rasfeld, und ganz sicher wäre die von ihr beschriebene Art von Schule eine Segen für die allermeisten Schüler dieses Landes, wenn sie die Möglichkeit hätten oder haben werden, wenn dieser Schul-Aufbruch allgemein würde.

    Mein eigener dreijähriger Versuch als Schulsprecherin eine aktive Schüler-Vertretung aufzubauen wäre mit ihr bestimmt nicht so kläglich gescheitert, wie es eben geschah mit dem Schulleiter, den wir so hatten.
    Und ja, das Schulgesetz lässt weitreichende Möglichkeiten zu, wenn da nicht z.B. die Vo-Go wäre. Ein Rechts-Monstrum, gegen welches die Steintafeln des Moses garnichts bedeuten an Unantastbarkeit. Die Bürokratie – wörtlich ‚die Herrschaft des Schreibtisches‘ – jeder kennt es aus seinem eigenen Erleben, nicht wahr…

    Aber ähnlich wie zum Gerald Hüther-Interview habe ich – aus Schülersicht – auch zu diesem Gespräch einige Fragen:

    Heinz-Joachim Heydorn sagt: Bildungsfragen sind Machtfragen!

    Könnte es also sein, dass Frau Rasfeld, während sie sich noch ein wenig darüber wundert, dass bisher Anfeindungen ‚der Mächtigen‘ ausbleiben und sie mit bester Überzeugung glaubt mit ‚ihrer‘ neuen Schule den Neoliberalismus zu überwinden, dieser sie schon längst in seinen Klauen hält und dabei ist sich diese einzuverleiben?
    Trügt meine Ahnung, dass diese neue Schule für alle Bertelsmänner, Firmenchefs und Pateibonzen von grüner und gelber FDP ein gefundenes Fressen sein könnte; dass eine solche (endlich) moderne Schule genau die Sorte Menschen aus-bildet, welche dem 21.Jahrhundert entsprechen dürften, Menschen, welche (endlich) aus tiefster Überzeugung – und der dazugehörigen Begeisterung – genau so sein wollen, wie sie sein sollen?

    Ein Schulfach ‚Herausforderung‘, bereitet es nicht wunderbar den einzelnen Menschen auf die immer unsicherer werdende zukünftige Existenz in unserer Gesellschaft vor, wo Scheitern geübt werden darf, sodass die erforderliche Motivation – nach jedem neuen Tiefschlag des alternativlosen Lebens immer wieder aufzustehen (Stichwort Resilienz) – nicht so schnell verloren geht?

    Spätestens beim Schulfach ‚Verantwortung‘ – da bekommen die Jugendlichen i h r e Lern-Zeit g e s c h e n k t – läuft es mir aber doch kalt den Rücken runter. Mir Schüler wird von der Schule Lern-Zeit geschenkt und so frage ich: Kann es sein, dass hier der alte ‚Geheime Lehrplan‘ durch einen neuen, modernen ‚Geheimen Lehrplan‘ ersetzt wird, welcher Logbücher, selbst gesteckte Wochenziele und unweigerliches Trachten nach Lob und Wertschätzung durch andere enthält; nicht zu vergessen die Schulversammlung, in welcher auch ein wenig Mitgestaltung e r la u b t wird? Welche Menschen-Spezies mag sich wohl in Lob-Runden und Stolz-Ecken entwickeln?
    Was ist, wenn ich als Schüler meine Lern-/LebensZeit garnicht erst an die Pflicht-Schule abtreten will, um dann ein wenig davon zurückgeschenkt zu bekommen, sondern meine gesamte Lern-/LebensZeit für mich beanspruche, mir meine Lernorte, Lernzeiten, Lehrer, Mit-Lernende, vor allem auch Lerninhalte nach meinem Verständnis und Lern-Anspruch aus-suchen möchte?
    Dürfte ich jederzeit in die Schule kommen, wenn es für mich entsprechende Lerngründe gibt und gehen wenn mich meine Lerngründe wo anders hinführen? Oder darf ich das nur in den von der Autorität e r l a u b t e n 10 Wochenstunden selbstorgansierten Lernens?

    Zwar stellt Frau Rasfeld dann im Bezug auf die indischen Kinder fest, dass Kinder ‚natürlich‘ keine Lehrer bräuchten, weil sie sowieso jeden Tag – für sich, aus sich – lernen wollen, aber ähnlich wie bei Herrn Hüther: wo bleibt da nun die einzig logische Konsequenz, d.h. die Abschaffung der Schul-Pflicht, als auch der sogenannten Bildungs-Pflicht?
    So lange diese Pflichten nicht abgeschafft werden, muss ich als Schüler dann nicht davon ausgehen, dass dieses vorgegebene Lernen und sein Inhalt garnicht in meinem Interesse liegen kann, denn warum sollte mich zu ‚meinem Glück‘ jemand zwingen müssen?
    Und wären wir dann somit nicht bei der in der Zwangsschule erlernten ‚Kompetenz‘, dass ich in dieser Gesellschaft/Schule jederzeit gezwungen sein kann gegen mein inneres besseres Wissen zu handeln? Und gilt dieses nicht nur für die Lehrer, sondern genauso für uns Schüler und für so ziemlich jeden Menschen in unserer Gesellschaft, welcher noch irgendwie lebendig ist?
    Und was ist mit den Jugendlichen, deren Ahnung über das-gegen-ihre-eigenen-Interessen-Handeln so stark ausgeprägt ist, dass Sie selbst in einer solchen ‚freundlichen‘ Schule ‚aufmucken‘, wo selbst das Loben nicht mehr hilft?

    Liebe Frau Rasfeld, vermutlich werden Sie dieses kaum jemals lesen, aber wenn, dann frage ich Sie: Als ich vor einem Jahr mit dem Physik-Studium in Adlershof begann, worin bestand der wesentliche Inhalt der ‚feierlichen‘ Eröffnungsrede? Uns Studenten wurde erklärt wann die Prüfungstermine sind, wieviele Punkte wir für was zu sammeln verpflichtet sind mit der Androhung verbunden, dass wenn wir dieses in der vorgegebenen Zeit nicht schaffen, es dann noch bestimmte Nachholtermine gäbe und wenn wir auch dieses nicht einhielten, dann wäre das Studium für den einzelnen ‚Versager‘ erledigt. Allgemein geht die Universität davon aus, dass wenigstens die Hälfte der Leute früher oder später ‚verschwindet‘. Aussortierung durch entsprechende Terminierung…
    Was soll ich also tun in einer solchen Schul-Universität? Ich merke, dass ich unter diesem Druck regelrecht verblöde, von Semester zu Semester etwas mehr…

    • Mir wurde bei meinem Informatikstuduim an der TH Karlsruhe feierlich verkündet, von den Mathematikern: „Wir haben hier eine 80% Durchfallquote“. Das Problem für einen mathemathisch eher durchnittlich begabten Informatiker, in der selben Vorlesung mit echten Mathematikern sitzt: Die haben immer die oberen 20%. Und ich war nicht dabei.

    • Zeja,

      Schöne Fragen.
      Ich mochte meine Schule auch nicht, eigentlich bin ich wegen meiner tollen Freunde dort hingegangen, die ich 18 Jahre später immer noch regelmäßig treffe.

      Aber was hätte man denn statt Schule machen sollen? Ich finde, wenn mein 2 1/2 jähriger Sohn mir demnächst sagt, dass er nicht zu Schule will, wäre das ja ok, wenn er eine sinnstiftende Alternative hätte. Würde er sich für Drogenkonsum oder eine kriminelle Laufbahn entscheiden, würde ich als Elternteil doch lieber erst einmal andere Schulformen testen. Es muss ja irgendwie eine Einigkeit in der Familie herrschen, was das Kind oder der Jugendliche machen will. Meine Eltern haben mich immer selbst entscheiden lassen, wollten die Frage „und was willst Du dann machen“ beantwortet wissen.

      Eine Freundin von mir aus Canada hat sich 1 Jahr Auszeit genommen und ist mit Mann und Tochter im Camper verreist. Sie hat ihre Tochter dann beim Homeschooling die Dinge fürs Leben beigebracht, aber dieses Jahr geht es mit der Schule weiter.

      Bertelsmänner, Firmenchefs und Parteibonzen haben ja nicht alle nur das Schlimmste mit den Leuten vor. Es entsteht ja durchaus durch kreative Köpfe auch etwas ganz neues. Ein Beispiel ist der holländer Bojan Slat? Der zur Greenschool auf Bali ging. Ist auch eher so eine Walldorfschule.

      Dieses Jahr wird er anfangen mit dem Oceancleanup den Pazifik vom Plastik zu befreien. Ist er jetzt ein böser Firmenchef, der 300 Leute ausbeutet? Oder arbeiten die alle an einer tollen Idee, die die Menscheit nach vorne bringt?

      In meiner Firma arbeiten 65 Leute. Depressionen durch familiäre und private Probleme steigen. Ich stelle die These auf, dass Schüler von Walldorfschulen weniger unter Depressionen leiden, als andere Menschen, weil die einfach einen anderen Bezug zu den möglichen Lösungen haben.

      Sinn ist da ein großes Thema. Man fängt sinnlose Dinge vielleicht gar nicht erst an.

      Resilienz kann man sich doch auch antrainieren. Mein Sohn war lange krank- wenn man sich die Frage „was ist das Schlimmste was passieren kann“ vor Augen führt, kommt man mit der Situation besser klar. Im Falle meines Sohnes war es, dass der Heilungsprozess ein Leben lang dauern wird – aber immerhin würde er wohl leben.

      Solche Konzepte muss man aber lernen, oder? Es braucht einige gute Mentoren. Gute Chefs. Gute Lehrer, gute Eltern.

      Würde ich heute auf die Idee kommen eine Doktorarbeit zu schreiben, würde ich es vermutlich an einer Fernuni machen, an der ich meine Mitstudenten gelegentlich treffen kann.

      Das beste an meinem Studium waren die Freunde. Mit einigen davon habe ich noch sehr guten Kontakt, wir tauschen uns aus. Das möchte ich nicht vermissen.

      Ich bin jetzt 37 und glaube, dass es wichtiger ist eine Lernmethode zu lernen als das Studium zu bestehen.

      Wenn Du also zu den 80% dort ausscheidenden Studenten gehörst, geht doch woanders eine andere Tür wieder auf.

      Mein Eindruck von Frau Rasfeld ist, dass Sie zumindest ganz unbewusst eine echte Friedensbewegung anschiebt.

    • Liebe Zeja,
      vielen Dank für deinen tollen Kommentar! Beim Zuhören des Gespräches beschlich mich mehr und mehr ein Unwohlsein – doch das passiert mir erst, seitdem ich mich intensiver mit den Zwangsverbildungsanstalten beschäftigte. Davor hätte ich mich wahrscheinlich sehr gefreut, dass „Schule im Aufbruch“ endlich das marode Bildungssystem – stammend aus dem 20. Jahrhundert – reformieren will.
      Inzwischen ist mir sehr klar, dass „Schule“ nicht reformierbar ist, sondern die Idee von Bildung komplett neugedacht werden müsste – und nicht nur die von jungen Menschen!
      Dazu würde gehören, dass wir unser Menschenbild komplett verändern, weil kleine Menschen niemals nutzloses tun, ja gar nicht auf die Idee kämen.
      Kleine Menschen orientieren sich an großen Menschen, was für Vorbilder geben Eltern eigentlich ab, wenn Ihnen überhaupt der Gedanke kommt – siehe Kommentar von Waldbaer – sein Sohn könne für sich nutzlose Dinge tun? Wie könnte er das überhaupt beurteilen bzw. bewerten? Kleine Menschen, die in Liebe und Geborgenheit aufwachsen dürfen – ohne Erziehung – Schaden sich nicht selbst, weil sie sich wertvoll und geliebt fühlen!

      Die Kritikpunkte, die du nennst, habe ich auch, deshalb muss ich sie hier nicht wiederholen!

      Dennoch kann ich die gute Absicht von Margret Rasfeld erkennen, doch leider hilft die nicht wirklich weiter…Wieder ist die Idee und der Gedanke vorherrschend, junge Menschen auf eine Zukunft vorzubereiten, die niemand kennt und das geht nur mit Erziehung. Wieder soll aus jungen Menschen etwas „gemacht“ werden, weil sie in den Augen ihrer Erzieher unvollkommen sind.

      Für mich ist jegliche Form von Erziehung Gewalt, weil sie immer auf Macht und Ohnmacht aufgebaut ist – egal wie liebevoll sie verpackt wird. Da die meisten Menschen mit irgendeiner Form von Erziehung groß werden mussten, fällt es ihnen so schwer, diese überhaupt in Frage zu stellen. Die Angst vor dem Kind lässt Eltern so handeln und nicht die Liebe!

  9. Hallo! Dieses Schulsystem ist Ausdruck eines zutiefst unnatürlichen und kinderverachtenden Systems, dass Drohnen oder Arbeitsbienen zu produzieren hat. Seelenlose, dumme und von Dünkeln vergiftete Konsumenten sind zu erziehen. Jedwede Aufklärung und Geschichte stirbt hier in der Güllegrube des Profits und Einheitswahns. Kreativität dient allein dem Profit. Die Spaltung der Gesellschaft sitzt schon so tief, dass sie in einer Art Windhundrennen schon im Säuglingsalter beginnt. Da gibt es Normen zu erfüllen. Wer das nicht kann oder will, wird selektiert – auf die Rampe in die Verliererkammer geschoben! Es ist so widerlich und kriminell, was unseren Kindern angetan wird, dass jeder Staatsanwalt, der wahrlich einer ist, einschreiten müsste!
    Ich bin diesem Schulsystem zutiefst im Hass verbunden!

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