KenFM im Gespräch mit: Mathias Bröckers („Freiheit für Julian Assange!“)

Freiheit ist das höchste Gut, das der Mensch auf Erden besitzt. „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren“, wusste schon Benjamin Franklin. Was in diesen Tagen mit Julian Assange, einem Kämpfer für die Meinungsfreiheit, passiert, ist das komplette Gegenteil aller Freiheiten, die sich die zivilisierte Welt des 21. Jahrhunderts erarbeitet hat.

Nach sieben Jahren Asyl und Freiheitsentzug in der ecuadorianischen Botschaft in London wurde Assange durch den neuen Präsidenten Ecuadors das Recht auf Asyl wieder entzogen, worauf er umgehend aus der Botschaft entfernt und in die Hände der britischen Polizei übergeben wurde. Ihm droht nun die Auslieferung an die Vereinigten Staaten. Wie viele Rechtsbrüche allein in den letzten beiden Sätzen stecken, kann man nur erahnen. In seinem neuen Buch „Don’t kill the messenger! Freiheit für Julian Assange“ geht Mathias Bröckers den Anschuldigungen gegen Assange auf den Grund – von der angeblichen Vergewaltigung in Schweden, der Verschwörung mit Chelsea Manning bis hin zur Gefährdung der „nationalen Sicherheit“ der USA und des Geheimnisverrats.

Wie viele Jahre Haft bekommt man in einer Welt, in der die Meinungsfreiheit angeblich ein Grundrecht ist, wenn man Verbrechen aufdeckt? Und wie viele Jahre bekommt derjenige, der sie begeht? Das Messen mit zweierlei Maß hat mittlerweile Ausmaße angenommen, die für den normalen Bürger bei genauerem Hinsehen kaum noch erträglich sind. Was das Exempel Assange für den freien Journalismus bedeutet, sollten sich die Redaktionen von FAZ bis Süddeutsche und Co. eigentlich auch längst fragen, denn dessen Verhaftung ist weit mehr als ein Schuss vor den Bug der Pressefreiheit.

„We must resist…“, waren Assange’s letzte Worte, als er in den britischen Polizeiwagen geschoben wurde. Danach hat man nicht wirklich wieder etwas von ihm gesehen oder gehört. Mathias Bröckers öffnet uns im Gespräch die Augen und zeigt mit aller Deutlichkeit auf eine klaffende Wunde unserer demokratischen Freiheit, die, sollte sie größer werden, uns alle mit vollständiger Lähmung infizieren wird. Desinfizieren wir sie mit Solidarität – für Julian Assange und alle mutigen Bürger.

„Wenn das Aufdecken von Verbrechen wie ein begangenes Verbrechen behandelt wird, werden wir von Verbrechern regiert.“ – Edward Snowden

Inhaltsübersicht:

0:07:29 WikiLeaks und 1,5 Millionen veröffentlichte Dokumente

0:16:56 Unabhängiger Journalismus verliert seine Glaubwürdigkeit

0:26:26 Assange, ein Freund von Donald Trump?

0:40:09 Vergewaltigungsvorwürfe

0:50:46 Ein Leben in der Botschaft

1:10:35 Tatort Virginia: Chelsea Manning soll Assange belasten

1:19:56 Reporter ohne Grenzen? Amnesty International?

1:34:06 Das Ende von Julian Assange

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25 Kommentare zu: “KenFM im Gespräch mit: Mathias Bröckers („Freiheit für Julian Assange!“)

  1. Freiheit für Herrn Assange!

    Ein aufrüttelndes Interview.

    Die leicht durchschaubare Farce -mit krimineller Energie durch die USA betrieben und unterstützt durch UK und Schweden- wird weiter betrieben. Mit allen Mitteln wird gegen Herrn Assange vorgegangen. So kann die USA der Welt zeigen, wie es Menschen ergeht, die Kriegsverbrechen aufdecken. Am Erschüttensten ist das betretene Schweigen der Main-Stream-Medienschaffenden in Deutschland in diesem Fall. Ich sehe richtig die völlig verängstigten Journalisten vor mir. Wer weiter sein Geld „verdienen“ möchte, schweigt betreten. Nur schaufeln sich diese Menschen ihr eigenes Grab.

    Größten Dank an das Portal kenfm.

  2. Ich will es mal ein bißchen pathetisch sagen –

    die einzige Versicherung, die Julian Assange hat sind wir! Er kann auch keine andere abschließen, denn er hat für uns(ere Demokratie) gearbeitet. (nicht für die Konzern- bzw. ms-Medien)

    Das mindeste, was wir also tun könnten, ist den Arsch auf die Straße zu schwingen um wenigstens aufmerksam zu machen. Geeignete Artikel gibt’s genug und vielleicht entstehen so noch weitere Handlungsmöglichkeiten. Die Zeit dafür ist JETZT. Nächste Woche sprechen wir uns wieder.

  3. (Randnotiz: Falls jemand das Buch schon hat oder anderweitig die Quelle kennt – ich wüßte gern woher die Information stammt, daß J.A. kurz vor Verhaftung keine Rasierklingen zur Verfügung hatte)

  4. „Groupie trifft Pop-Star?“ Diese Ansicht halte ich für sträflich naiv (so ähnlich, wie Monica Lewinsky auch immer noch „nur“ als glühende Clinton-Verehrerin gehandelt wird! Merke: Nicht jede – auch dunkelhaarige – Blondine ist auch nur halb so einfältig, wie sie sich stellt…).
    „CIA-Asset trifft Zielobjekt“ scheint mir eher zuzutreffen.
    Siehe: http://wikileaks.moralintelligence.net/julian-assange/rape-prosecution/honeypot_bait_for_the_cia.php
    Zitat: „There are varying degrees of linkage, and it appears that (Anna) Ardin’s connections run wider and deeper than mere casual social acquaintance with an informal intelligence-gatherer. And it is hardly unprecedented in recent history for governments to set “honeypot” traps, using attractive women as bait to compromise and discredit their critics… Ultimately, there is not yet enough evidence on hand to convict (Anna) Ardin of entrapping Assange; nor is there enough to clear her. This is an aspect of WikiLeaks’ travails that will bear watching.“
    Es ist doch wohl höchst unwahrscheinlich, dass ausgerechnet die schwedischen Piraten noch nicht vom schwedischen Geheimdienst unterwandert sind! Und dass die schwedischen Schlapphüte mit den US-Amerikanern zusammenarbeiten, liegt doch auf der Hand…

  5. Ken frägt nach dem Ausblick was Assange passieren wird:
    Die Auslieferung wird statt finden, vielleicht zieht sich das noch Jahre hin, vielleicht gibt der Körper irgendwann auf, aber die USA geben nicht auf, die englische Justiz wird bis zu letzt an der Scharade festhalten.
    Gegen einen Staat kommt man nicht an, nur sehr wenige Bürger verlassen ihre Komfortzone für sowas abstraktes wie Freiheit oder Demokratie. UK und die USA wissen genau, wie weit sie gehen können, bevor eine kritische Masse auf die Straßen gehen, die sind auch Meister der PR.

    Man schaue sich nur den Fall Kimble in Neuseeland an, auch einem 5-eyes Staat, man kann es juristisch in die Länge ziehen, aber mehr auch gar nicht und Kimble hat verglichen zu Assange vermutlich mehr finanzielle Mittel sich zu wehren.

  6. Eine entscheidende Frage lautete, wie die Medien die Geschichte zulassen können, obwohl doch seine Verurteilung an ihrem Fach sägen würde, nämlich zu veröffentlichen, und blieb unbeantwortet, obwohl die Antwort doch auf der Hand liegt:
    * Die Medien geben ihr Fach auf, wollen nur noch Mainstream und Propaganda verbreiten.
    * Da das deshalb vorraning die wenige nicht mainstream-kompatible Konkurrenz betreffen wird, der sich ja immer mehr Konsumenten zuwenden, ist diese damit gleich mal ausgeschaltet,
    * womit praktischerweise eben auch Überprüfungsmöglichkeiten der Konsumenten wegfallen, Mainstream und Propaganda wird Wahrheit.
    Es kommt nicht auf eine absolute Vertauenswürdigkeit der Medien an, sondern nur auf die relative, welche sich mit Wegfall der Konkurrenz angleichen würde.

    • Das ist den Medien doch egal, da sie sich an die Regeln halten und Kollegen je nach Opportunität in den Rücken fallen brauchen Sie sich nicht mit Assange vergleichen – in jeder Hinsicht.

  7. Danke, KenFM, für dieses Video.
    Es ist immer wieder belebend und bereichernd, Herrn Bröckers zu folgen. Dieses Gespräch hat auch dank Ken Jebsen irrsinnigen Spass gemacht, obwohl die Thematik wenig komisch ist. Umso wichtiger, dieses Thema aufzugreifen um am Ball zu bleiben, welches von unseren Qualitätsmedien ja vernachlässigt wird. Dazu noch fundierte Hintergrund-Informationen. Besser geht’s nicht.

  8. Sicher wird Bröckers Buch und dieses Interview dazu beitragen, jedem Journalisten, der (die) es sieht, nochmal die Dimension zu verdeutlichen, die ein ignorieren des Fall Assange für die schreibende Zunft mit sich bringt, nämlich eine weitere Verengung des „Debattenraums“ (nach Mausfeld).
    „Von der Kathedrale zur Hundehütte „, wäre ein Buchtitel, mit dem Untertitel: „Auf dem Weg des Journalismus in die selbst verschuldete Unmündigkeit“.
    Lässt sich die „Schere im Kopf“ noch entfernen?

  9. Im Fall von Herrn Assange und wenn sonstwo Unterdrückung von Information herrscht, geht es im Wesentlichen um Informationsfreiheit bzw. die Abwesenheit davon. Es geht um Informationen auf deren Grundlage man sich eine fundierte Meinung bilden kann.

    Als Ziel geht es um die Kontrolle der öffentlichen Meinung, zur Wahrung der herrschenden Ordnung. Niemand soll wissen auf wieviel krimineller Energie die Herrschaft der Machteliten beruht.
    Und was Herr Assange in diesem Zusammenhang auch verdeutlicht hat, die Herrscher, egal wo auf dem Globus, stehen sich da in Nichts nach.

    Die „Pressefreiheit“ der FAZ bis Süddeutsche und co., also Konzernmedien, inklusive staatlich geförderter Medien, dies da der Staat fest in Hand der jeweiligen Oligarchie ist, ist die Freiheit die jeder Herold hat, nämlich zu verlautbaren was dem Herrscher beliebt. Nicht zu vergessen diverse Anscheinalternativen.
    Nicht zu vergessen die Verquickung mit anderen Industrien. Nicht zu vergessen die Verquickung mit Diensten. Etc. pp.

    Da diese Leute ausgesucht sind, besteht kaum die Gefahr, daß ihnen das widerfährt was Herrn Assange widerfuhr.

    Nun, Solidariät braucht eine Basis, gemeinsame Interessen, gemeinsame Ziele … wohin die Herrschaft der Machteliten und die Fixierung auf Partikularinteressen derweil führen, kann jeder bzw. jede sehen der oder die sehen mag.

    • Ich denke das Schlimmste ist Assanges Gedankenverbrechen.
      Allein schon die Art zu denken – die Verbrechen müssen öffentlich bekannt werden, es gibt überall auch noch Menschen (die es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können und darum Informationen durchgeben) und wie setzt man das technisch um – diese Art zu denken ist ja mit das gefährlichste, was Oligarchen & Tiefem Staat passieren kann.
      Aber als Puderzucker obendrauf hat Assange mit Wikileaks auch noch vorgemacht, wie es geht.

      Einen schweren Fehler hat Assange allerdings gemacht, er hat sich in Staaten aufgehalten, in denen USA fast uneingeschränkte Macht hat, Schweden und UK, da hätte er auch gleich nach USA gehen können.
      Bei Snowden lag die Sache etwas anders, der war CIA-Angestellter (oder Subfirma, egal), Snowden war nicht Journalist, sondern selber Informant, aber wie man sieht spielt juristisches sowieso keine Rolle; wenn der Tiefe Staat jemandem kriegen will, macht er ALLES – und das war Snowden klar und darum war er schon in HongKong, als die anfingen ihn zu jagen.

  10. Vielen Dank an das Ken FM Team, Herr Jebsen und Herr Bröckers für Ihre Ausdauer zur Berichterstattung über Julian Assange und für diesen wichtigen Beitrag.

    Zitat:„We must resist…“, waren Assange’s letzte Worte, als er in den britischen Polizeiwagen geschoben wurde.

    Ein etwa 2500 Jahre altes Zitat von Platon in seinem Dialog der „Apologie“ des Sokrates kam mir beim Anschauen Ihres Beitrags in den Sinn und ich erlaube mir einmal daraus zu zitieren:

    Sokrates sagt: (Zitat) :
    “ Denn nehmt ihr mir das Leben so werdet ihr nicht leicht einen anderen dieser Art finden, der, mag es auch lächerlich klingen, der Stadt geradezu als Zuchtmittel von der Gottheit (Anm. d. Verf.: Apollon) beigegeben ist, als wäre sie ein großes, edles Roß, das aber eben wegen seiner Größe zur Trägheit neigt und der Anregung durch den Sporn…
    (Anm. d. Verf.: oder auch die Stechfliege/Bremse, je nach Deutung des Wortes μύωπός; hier übernommen aus der Übersetzung von Otto Apelt) … bedarf.
    So hat denn der Gott auch mich der Stadt beigegeben als einen Mann, der nicht müde wird euch zu wecken, zu mahnen, zu schelten, kurz der den ganzen Tage überall euch auf dem Nacken sitzt.
    Ein anderer dieser Art wird euch so bald nicht wieder erstehen, meine Mitbürger. Darum, wenn ihr mich hört, werdet ihr meiner schonen. Doch wer weiß!
    Ihr werdet vielleicht ähnlich einem aus dem Schlummer Geweckten, in eurem Ärger auf mich losschlagen und vom Anytos (Anm.d. Verf.: Einer der Mitankläger gegen Sokrates) verleitet mich ohne Bedenken zum Tode verurteilen, um dann euer weiteres Leben zu verschlafen……. „ (Zitatende)

    Ich bin einer der Schlafenden heute, die durch solch einen Geist der in solchen Menschen steckt immer wieder etwas wachgerüttelt wird kurz aufblickt um danach wieder einzuschlummern.
    Ich nehme mir vor etwas aus deren Geist für mich anzunehmen und nach dem Motto: .. „We must resist“ zu leben.
    Wo kann ich beginnen?
    In meinem Mikrokosmos – in meinem direkten Umfeld-… dann werde ich bereits sehr einfach und sehr schnell ähnliche Erlebnisse erfahren dürfen, wie die großen „Bravehearts“.
    Erst dann, wenn es ungemütlich für mich wird, wird es doch erst so richtig interessant.

    In den Grenzerfahrungen meines Lebens und vor allem in der Entscheidung erkenne ich mich erst selbst. (.. im Sinne von Karl Jaspers)

    • „Wo kann ich beginnen?“

      PayPal, Amazon, e-bay, Microsoft, Coca-Cola, Apple, Levis Strauss, Google, Wein aus Californien, Jim Beam, Bacardi, Marlboro, GM/Opel, Ford, Intel, Dell, Acer, HP, WesternDigital, Uncle Bens, Kellogs, McDonalds, JBL …
      … haben nichts mit der Verfolgung Assanges zu tun und nichts mit den Kriegen der USA zu tun (obwohl Microsoft, Intel), außer dass die Firmen Teil der USA-Ökonomie sind.

      Und es gibt kritische USA-Bürger, wird ja auch im Gespräch erwähnt, eine Menge Informationen über USA kommt von diesen kritischen USA-Bürgern und die träfe man indirekt auch mit, wenn man USA-Firmen pauschal boykottieren würde, aber da diese kritischen USA-Bürger offensichtlich eine so kleine Minderheit sind, dass DeepState&Oligarchie in USA nicht zu stoppen sind, so lange sie die ökonomische Grundlage für ihr Tun haben …

      Nur mal eine theoretische Vorstellung:
      Als UK Assange verhaften wollte, flüchtete dieser in die Botschaft.
      Hätten direkt in der Woche (oder auch dem Monat) darauf alle Verbraucherwaren exportierenden britischen Firmen einen Umsatzrückgang von 5% gehabt, das wäre messbar gewesen und damit immerhin ein Signal …
      Hätten die Verbraucherwaren exportierenden britischen Firmen einen Umsatzrückgang von 10% gehabt …
      Ab 20% …
      nur mal rein theoretisch als Überlegung.
      Ja das ist Wunschdenken, ich würde es mir wünschen, aber theoretisch ist es ohne weiteres möglich, dass die Verbraucher/Konsumenten/potentiellen Käufer sagen „Was UK da mit Assange macht, nö, dann kaufe ich nix von UK-Firmen.“
      Und bei entsprechenden Bewusstsein der Menschen wäre das so selbstverständlich, wie es selbstverständlich war, nichts von südafrikanischen Firmen zu kaufen so lange dort Apartheid war.

      (Und ja, letztendlich müsste man auch deutsche Firmen pauschal boykottieren (Deutschlands Waffenlieferungen, Deutschlands Sanktionen gegen Russland und Syrien, deutsche Tornados über Syrien, Airbase Ramstein), nur wird das schwierig, wenn man in D. wohnt, aber auch hier muss man sein Konto nicht unbedingt bei Deutsche Bank oder Commerzbank haben … )

      Ob das ein Tropfen auf den Heißen Stein ist oder ob steter Tropfen den Stein höhlt, das bleibt Ansichtssache.
      Ich persönlich finde, das wenige was man machen kann, das kann man machen.

    • Man verspreche sich nicht zu viel vom Boykott bestimmter Produkte. Nicht nur, weil man kaum wissen kann, wen man alles unterstützt, wenn man stattdessen das Produkt woanders kauft, und ob nicht der Hersteller des Konkurrenzprodukts auch nur wieder auf zweifelhafte Weise mit weiß Gott wem alles unternehmerisch verflochten ist. Sondern weil meistens kaum eine nennenswerte Zahl von Menschen zu einem solchen Boykott zu bewegen ist, geschweige denn genügend für einen Umsatzrückgang von gar 5 %. Man sieht das doch jetzt wieder bei der Demo gegen Ramstein, wo wieder nur etwa 5000 Demonstranten zusammen gekommen sind. Und die hier bei KenFM Anfang Mai ausführlich vorgestellte democracy-App konnte trotzdem in nunmehr zwei Monaten kaum mehr als 2.000 € zusätzlich an Unterstützungsgeldern generieren, wenn ich richtig mitgezählt habe.

      Es stimmt, jeder muss bei sich selbst anfangen. Aber indem er sich z.B. erst einmal fragt, was von alledem er wirklich braucht, womit die Geldelite ihre irrwitzigen Profite macht. Bei einer solchen kritischen Selbstprüfung würde man schon bald erkennen, was man alles gar nicht braucht, welche Profite man ihnen also getrost entziehen kann. Würde ein solcher Bewusstseinswandel um sich greifen, weg vom Konsum hin zu einer neuen Bescheidenheit, könnte tatsächlich etwas bewirkt werden, was die Kapitalisten irritieren würde. „Was, die Leute wollen nicht mehr kaufen? Ja, wo kommen wir denn da hin?“

      Aber wie meinte schon Herbert Grönemeier (zugegeben in nicht nur zeitlichem Abstand von Sokrates): „Wie eine träge Herde Kühe, schau’n wir kurz auf und grasen dann gemütlich weiter.“

    • q citoyen
      „Man verspreche sich nicht zu viel vom Boykott bestimmter Produkte.“

      Sicher; wie ich schrieb:
      Ob das ein Tropfen auf den Heißen Stein ist oder ob steter Tropfen den Stein höhlt, das bleibt Ansichtssache.

      “ z.B. erst einmal fragt, was von alledem er wirklich braucht, womit die Geldelite ihre irrwitzigen Profite macht. Bei einer solchen kritischen Selbstprüfung würde man schon bald erkennen, was man alles gar nicht braucht, welche Profite man ihnen also getrost entziehen kann.“

      Auch ein Ansatz; was der Einzelne jeweils machen kann, ist wenig, aber m.b.M.n. besser als nichts, mehr wollte ich im Prinzip gar nicht sagen.

    • Der Gedanke, Produkte zu boykottieren ist eine Möglichkeit, jedoch muss man sehen, dass man sich hier nur im Rahmen (Frame) der Geldwirtschaft bewegt, in der Annahme, dass man mit Geld auch dieses Problem lösen kann. ABER wir müssen diesen Frame verlassen! Hier geht es um Moral und Anständigkeit und das ist mit Geld nicht bewertbar. Die Ideale selbst müssen Grund und Motivation sein Druck auszuüben und dies in diesem Frame. Ich verstehe natürlich, dass man in der Konsumgesellschaft und wie sie uns dargestellt wird kaum andere Möglichkeiten sieht, etwas zu bewirken, aber genau diesen Weg zu finden, darum geht es.

      Ich hoffe, dies ist verständlich. Dazu konkret: Wenn ich Konzerne in UK boykottiere, die dadurch einen finanziellen Verlust erleiden (besser gesagt weniger Gewinn), und dann die Regierung zum Einlenken bewegen, dann denke ich in genau diesem Schema, welches zur Zeit alles was irgendwie noch demokratisch ist zu zerstören versucht – nämlich, dass Konzerne bestimmen, was politisch gemacht wird.

  11. Wer glaubt das es noch wichtige Reche (außer dem Straßenverkehr oder bei Gerichtsvollzug usw) gibt die beachtet werden, der lebt in einer Wolkenkuckucksheim Demokratie. Siehe Frankreich.

    Willkommen im Krieg vom vernebeltem neoliberalen Faschismus! Der militaristische Staat mit CIA und 15 anderen Diensten aehnlicher Sorte plus dem BND usw bekommt alles hin, von Ramstein Air Base bis Julian.

  12. 1001 Dank! ! !

    Für die sehr ausführliche und eindrückliche Aufbröselung der Tragweite der ganzen Problematik! Auch wenn sicherlich Einigen schon Einiges klar und bekannt war, so finde ich es dennoch super mit diesem Gespräche dem Ganzen einfach wieder und mehr Präsenz zu verschaffen.

    Tausend Dank an Herrn Bröckers für sein irres Engagement, Woh! und tausend Dank an Kenfm für dieses Gespräch!!

  13. USAner!
    Die Equadorianer sind auch Amerikaner …

    Ansonsten ist Bröckers immer auch unterhaltsam, selbst wenn ich die Eckdaten zur Causa Assange schon kenne, das Buch kann nicht verkehrt sein und sei es zum Verschenken. 🙂

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