Meinungsverbrennung

Von Rüdiger Lenz, Nichtkampf-Prinzip.

„In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht.“ Kurt Tucholsky

Das Erstarken der Denunzianten
Ich stelle mir in letzter Zeit sehr häufig die Frage, warum einige Menschen in diesem Land überhaupt nicht wissen, was Demokratie ist, wie sie praktiziert wird und mit welchen Mitteln die Demokratie erhalten und gestärkt wird. Ich nehme derzeit ein Schwinden der Demokratie wie auch ein Zerbrechen der Demokratiefähigkeit gerade intellektueller Kreise wahr. Und auch ganz allgemein, in der ganzen Gesellschaft.

Teile und herrsche wird so intensiv betrieben, wie ich es noch nie erlebt habe. Jeder Mensch, der heute etwas zu sagen hat oder der sich in neuen Parteien oder Organisationen einen Namen macht, muss ungeheuer aufpassen, welche Worte er wie zusammenfügt und was er ganz grundsätzlich sagt oder auszudrücken gedenkt. Es scheint, als ob die Demokratie in diesem Land nichts mehr aushält und jeden verbalen Ausrutscher als Missdeutung seiner Gnaden Befehl missverstehen will.

Bedeutet Lernen nicht auch Fehlermachen dürfen, ja sollen? Mir scheint, das absichtsvoll, quasi en passant solche Fettnäpfchen konstruiert werden, damit die gewohnten und gewachsenen Strukturen der Gesellschaft gar nie einer Veränderung zugeführt werden können. Veränderer müssen stigmatisiert werden.

Denunziantentum ist wieder in. Eine andere Meinung zu haben kann einem schnell zum Vorwurf gemacht und mit rechtem Dünkel gleichgesetzt werden. Pack und rechts zu sein hat Hochkonjunktur und scheint schneller zu wachsen als Chinas Wirtschaft Anfang dieses Jahrtausends. Kann es sein, dass die intellektuelle Elite in diesem Land schläft? Oder gar im Koma verharrt? Oder noch schlimmer, gibt es sie nicht mehr? Ist sie blind, sediert worden, dem Geschehen in Europa gleichgültig zugewandt?

Es gibt zahlreiche Meinungsvertreter. Doch noch zahlreicher sind diejenigen, die deren Meinungen dann verbrennen. Dieser Prozess nimmt seit ungefähr drei Jahren immer mehr Raum in der politischen Öffentlichkeit ein. Ich nutze absichtlich das Wort der Meinungsverbrennung und das des Meinungsverbrenners und nähere mich damit, wohl wissend, dem Begriff der Bücherverbrennung an.

Heute wird beim Verbrennen von Meinungen nicht darauf geachtet, ob sich hinter dem vermeintlichen oder, was viel häufiger vorkommt, dem inszenierten Ausrutscher, ein Mensch steht oder nicht. Ein rechter oder ein linker Extremist ist kein Mensch mehr, sondern ein Extremist, den man mit aller Härte niederzumachen hat. Dieser Prozess, den ich unter dem Begriff des Faustkeil-Prinzips zusammengefasst habe, wertet immer beide Parteien ab. Konfliktlösung und Konsensbildung ist solchen keine Option. Eher Abwertung und Attribution.

Meinungsfindung
Meinungsfreiheit hingegen ist etwas ganz anderes. Ein Dialog der Meinungen sollte in einer Demokratie in einem Diskurs enden. Dazu gibt es die unterschiedlichsten Konzepte. Ich will sie hier nicht aufführen. Eher möchte ich die Frage beantworten, was denn eine Meinung ist, von der ich in diesem Artikel ausgehe? Etwas sehr kurz Gedachtes, mal eben so daher Gesagtes, das meine ich hier keineswegs. Eine Meinung ist für mich etwas länger Durchdachtes, etwas, das einen Prozess durchlaufen hat, dem sich der Mensch, der sich diese Meinung gebildet hat, nach bestem Wissen und Gewissen gestellt hat. Ein solcher Mensch durchforstet zuvor auch die Gegenmeinungen, den exoterischen oder esoterischen Wissensstand.

Je nach Wissensgebiet kann dieser Prozess einfach oder schnell, oder schwierig und langwierig sein. Wichtig dabei ist, dass die so gewonnene eigene Meinung weiterhin nicht starr, sondern flexibel und diskussionsfähig bleibt. Denn: irren ist menschlich. Und, nebenbei bemerkt steckt ja schon im Wort Meinungsbildung das Wort Bildung. Eine Meinung unterliegt also einem Prozess. Dem der Bildung.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt ist, dass die Diskutanten einer Meinung gegenüber offen und respektvoll gegenüberstehen können. Die fatalste Einstellung eines Diskutanten kann sein, sich im Vollbesitz der Wahrheit über das jeweilige Thema zu wähnen. Bildlich gesprochen geht es im Meinungsaustausch auch nicht darum, eine Wahrheit zu verkünden. Sondern eine Bitte zu formulieren, dass alle Diskutanten nun gemeinsam mit feinem Schleifpapier die Meinung des Meinungsvertreters abrunden. Ihm dazu zu verhelfen, seiner Meinung eine reale Grundlage zu bieten und sie gemeinsam abzuwägen. Also mitzumachen bei der Meinungsbildung in einem Dialog.

Diskutanten einer Meinung und oder einer Gegenmeinung dazu, sitzen am Anfang der Diskussion vor einem Laufband, das mit grobem Schleifpapier nun beginnt, die Fransen, die bei jeder Meinung an ihren Rändern vorkommen, abzuschleifen, um ihr zu einem runden und geschmeidigem Konsens zu verhelfen. Bis zur Verfeinerung mit ganz feinem Schleifpapier, damit die Meinung Konsistenz erreicht, also größtmögliche Echtheit. Das wäre in etwa ein demokratischer Prozess, eine echte Meinungsfindung über wahrhaftiges Tun.

Über Meinungsverbrenner
Ein Beispiel über Meinungen und deren Verbrennungsopfer: Ken Jebsen. Als ich am Sonntag, den 6. März 2016, die Medien im Internet durchgeschaut habe, fiel mir auf, dass der Berliner Freidenkerverband (http://www.berlin.freidenker.org) Ken Jebsen zu einem Vortrag einladen wollte. Wenig später hat man Ken Jebsen ausgeladen. Weil man Ausschreitungen befürchtete. Diese hatten sich angekündigt: (https://linksunten.indymedia.org/de/node/170866).

Man wollte Ken Jebsen daran hindern, einen Vortrag zu halten. Das heißt, man hat dort öffentlich erklärt, eine Meinung verbrennen zu wollen. Notfalls mit Gewalt. Denn anders ist so etwas de facto gar nicht möglich. Um es vorwegzunehmen: Niemand muss mit der Meinung eines anderen Menschen übereinstimmen. Jeder darf denken und auch sagen, dass er die Meinung seines Gegenüber nicht teilt oder sogar unmöglich findet. Doch im Fall Ken Jebsen scheint das anders zu liegen.

Man macht ihm permanent einen Vorwurf, den niemand nachweisen kann. Es sind Vermutungen, Nachplappereien und copy-and-paste-Meinungen, Erfindungen, Verdrehungen und Denunziationen, die nicht haltbar sind. Eher steigern sich die Opponenten gegenseitig in einen Meinungsverbrennungsrausch hinein, um eine künstlich herbeigeführte Legitimation von Randale und Angriff gegen eine Person zu bekommen. Wie ist das möglich?

Es ist möglich, da es sich dabei um Weltbildmeinungen handelt, Ideale, um politische Äußerungen und Feststellungen, um Überzeugungen, Werte und wohl auch Pfründe. Und, nicht zu vernachlässigen, um Machtgebahren und Machterhalt (im Kleinen). Oft geht Machtgebahren mit Gewaltverhalten einher. Das ist bei der Flut an Gewaltausbrüchen gegen den vermeintlichen Feind Ken Jebsen sehr offensichtlich. Habe ich einen Feind, so ist er weniger ein Mensch und ich kann unmenschlich mit ihm verfahren. Das ist ein altes Muster und der Sinn von Feindbildern ganz allgemein. Feindbilder sind perfekte Projektionsflächen, an denen man Gewalt massiv abarbeiten darf.

Über die verbale Auseinandersetzung stimuliert sich die Gruppe der Aggressoren (Feinddenken) in ein gewaltbereites Brüll- und Anschreiverhalten hinein. Um Gewalt aber zu übertragen, braucht es immer auch einer a) Legitimationsstrategie und b) einer Rechtfertigungsgrundlage. Es gibt kein Gewaltverhalten, wo ein Gewalttäter auf eines dieser beiden Verhaltensberechtigungen verzichtet. Er wendet immer beide an. Aus für ihn moralischen Gründen. In staatlichen Handlungen gehen dann beide Formen in ethische Verpflichtungen über.

Rechtsstaatlichkeit
Die Legitimationsstrategie soll das gesamte Verhalten der Aggressorgruppe bevollmächtigen. Der Rechtfertigungsgrund soll die moralisch ethische Grundlage der Gewaltabsicht liefern und zur Tat berechtigen. Gewaltverhalten wird somit zur moralischen Pflichthandlung festgesetzt. Jetzt sind wir mitten in der Täterpsychologie.

Die Legitimationsstrategie ist im Falle Ken Jebsen ein erfundener (inszenierter) Antisemitismusvorwurf, der ihm angedichtet wurde und seitdem fleißig weiterhin angedichtet wird. Das Ken Jebsen, fälschlicherweise sehr oft als Moustafa Kashefi benannt wird und oft mit diesem Namen verbal im Netz rassistisch angegangen wird, das findet bei seinen Meinungsverbrennern überhaupt gar kein Interesse. Man glaubt, es sei der echte Name von Ken Jebsen. Was er nicht ist!

Das in der AntiFa, im schwarzen Block, bei den Autonomen, bei den Antideutschen, auch einige linke Rassisten ein willkommenes Zuhause gefunden haben, dass interessiert in der allgemeinen linken Szene nur wenige. Vielleicht spielt ja auch latenter Rassismus gegen Ken Jebsen eine größere Rolle, als sich so manch ein Linker vorzustellen getraut. Vielleicht. Immerhin verteidigen sehr viele Linke die äußerst brutale und rassistische Politik des israelischen Staates.

Die Rechtfertigungsstrategie ist das Warnen vor dem Bösen, welches Ken Jebsen für die Aggressoren repräsentiert: einen Wolf im Schafspelz soll er sein. Ich werde hier auf die Gründe der Aggressoren in Bezug auf Ken Jebsen nicht eingehen, da sie Projektionen und Illusionen sind, und zwar nachweislich (sic!). Denn mehr als Zurücknehmen und sich für einen Fehler (struktureller Antisemitismus via Interview mit Pedram Shahyar (sic!)) zu entschuldigen ist ein Mensch nicht fähig.

Selbst in der Rechtsprechung sieht man eine Zweifachbestrafung wegen einer Tat als nicht vollziehbar an und kann unmöglich de jure eingefordert werden! Dann sollte also eine Entschuldigung Ken Jebsens äquivalent sein mit dem Recht auf die Unantastbarkeit seiner Würde. Eher ist eine Dauer- oder Kettenanschuldigung durch Gruppen der AntiFa oder der Antideutschen inhuman. Unser gesamtes Rechtssystem baut zumindest auf derlei Logik auf. Daher ja auch der Begriff des RECHTSSTAATES. Dass jemand, der einmal einen Fehler gemacht hat, sich dafür entschuldigt, dass dieser Mensch dann nie wieder seinem Beruf und oder seiner Berufung nachgehen darf, das ist unrechtmäßiger Zynismus und erinnert an mittelalterliches Gebaren. Zumal ihm ohnehin etwas nachgesagt wird, das faktisch nicht stimmt. Die Gründe gegen Jebsen zu agieren also erfunden und konstruiert sind.

Täterpsychologie, die (Un)Logik der Fremdaggression
Täterpsychologen wissen, dass Gewalttäter, also Menschen, die Gewalt um jeden Preis umsetzen wollen, seelische Probleme haben und daher regelmäßig Projektionsflächen für Gewalthandlungen konstruieren. Dass solche Menschen sich von logischen Grundsätzen nicht beeindrucken lassen, noch solche verstehen wollen. Sie erschaffen stets eine Vielzahl an Gründen, so genannte Bagatellstrategien, warum sie sich erwehren müssen und warum der andere zerstört werden darf.

Um die Gewalttaten vor sich selbst zu rechtfertigen, müssen sie ihr Opfer klein machen und zum Unmenschen modellieren. Sie müssen den anderen zu ihrer Ultima Ratio erklären, damit sie ihre Taten vor sich selbst als moralisch und gut rechtfertigen können.

Das ist der Grund, warum Täter völlig unlogisch vorgehen und warum die meisten Menschen deren irrationales Verhalten nicht durchschauen und nach logischen Gründen für die Tat suchen. Man findet sie nicht. Denn Täter projizieren ihre innere Konfliktstruktur in einen anderen Menschen hinein und machen ihn dann zu Opfer ihrer Taten. Selbst aber gehen sie immer davon aus, dass sie sich einem Täter bloß erwehren mussten.

Das Muster der Meinungsverbrennung ist Angst beim anderen zu erzeugen und vor allem Angst bei denen zu erzwingen, die die Meinung des Meinungsvertreters, beispielsweise hier die von Ken Jebsen oder speziell von KenFM, für gutheißen. Im Klartext: Man will die Interessenten, User und Follower auf KenFM, You Tube und Facebook (u. a.) ängstlich machen: „Du bist der Nächste, den wir fertigmachen“, oder, „Wenn Du KenFM liest, siehst oder hörst, dann bist Du auch ein Unmensch.“

Das stärkt die Meinung des Meinungsverbrenners und damit die Meinung derer, die den Meinungsverbrenner unterstützen. Paradoxerweise ist der Motor der Meinungsverbrenner auch Angst. Meinungsverbrenner suchen also einen Durchlauferhitzer, um im Opfer noch mehr Angst zu erzeugen, als in ihnen selbst schon vorhanden ist. Gelingt ihnen das, einem Opfer Angst zu übertragen, dann lachen sie im Chor, verhöhnen das Opfer und erniedrigen es auf diese Weise. Sie können dann endlich Macht verspüren und ihre eigene Ohnmacht für kurze Zeit vergessen. Ihre eigene Ohnmacht ist Stein und Mörtel, um ihre Peer Group zu bauen, damit sie das finden, was ein jeder auch alleine finden könnte, wenn er seinen inneren Konfliktmotor, also seinen Antrieb für Fremdaggressivität, einer Lösung zuführen würde. Du bist schuld daran, dass ich jetzt das an Dir vollführen muss! Das ist ihr Credo. Es ist das Credo aller Gewalttäter.

Im Grunde genommen ist dies in unserem Fall hier nichts weiter als ein schäbiges Wettbewerbsverhalten, das den anderen als einen Konkurrenten zur eigenen Meinung betrachtet. Und je interessanter und professioneller zum Beispiel Ken Jebsen oder auch das Portal KenFM seine Meinung vertreten kann und je mehr Leute daran auch Gefallen finden, desto vehementer und negativ aggressiver wird Gewalt als Mittel der Meinungsverbrennung zum Verteidigungsstil modelliert. Wohlgemerkt, der Angreifer wähnt sich in der Rolle eines Verteidigers. Wir nennen das eine Täter-Opfer-Umkehr-Politik. Auch diese Strategie finden wir bei allen Gewalttätern. Egal ob als einfacher Straßenschläger oder als Hooligan oder wie in unserem Beispiel, als Mitglied oder Gruppe der AntiFa, der Antideutschen oder der Autonomen.

Diese Strategie ist Teil ihrer Psyche. Eine Kompensation von Konflikten, die nur deswegen auf eine Projektionsfläche kanalisiert werden, weil die eigenen inneren Konflikte nicht gelöst werden können. Oftmals weiß ein Täter auch gar nicht, dass es sich mit ihm so verhält.

Legitimität erhalten die Meinungsverbrenner auch dadurch, dass sie sich in uniforme Kleidung hüllen, uniform auftreten, uniform in Sprache verfahren und uniform agieren, weil sie politisch uniform denken und handeln. Frei denken geht anders!

Uniforme Menschen wollen das Regeln und Strukturen über dem Menschen stehen. Sie wollen dadurch Gleichheit und Gleichverhalten herstellen. Sie brauchen die Masse, weil sie siegen müssen über andere. In Wahrheit aber wollen sie sich selbst nicht so, wie sie ohne ihre Masken sind. Sie mögen sich selbst nicht, wollen anders sein. Verkleiden sich und geben sich exzessiv ihrer Pose hin. (Siehe dazu: Arno Gruen, Der Fremde in uns, München 2013, oder auch: Arno Gruen, Der Kampf um die Demokratie – Der Extremismus, die Gewalt und der Terror, Stuttgart 2002)

Angst als Motor für Gewalt
Konsensbildung interessiert sie nur bei sich, nicht bei anderen. Gewalt ist die Sprache der Sprachlosen. Gewalt ist nicht ausschließlich die Faust, die den Körper trifft, Hautschichten dabei aufreißt und mit Blutungen oder gar Verstümmelungen endet. Gewalt ist schon das Missachten eines Gegenübers, nur weil ihm Tulpen besser gefallen als Rosen. Nun, im Beispiel Ken Jebsen schreien die Meinungsgegner ja, „Jebsen habe keine Meinung! Denn das, was er sagt, sei ein Verbrechen!“ Das ist die Fabrikation eines Totschlagargumentes mit dem Ziel, ein Feindbild zu kreieren.

Erkennen Sie, was da in Wirklichkeit für ein Spiel gespielt wird? Und dieses Spiel erwartet so gut wie jeden, der eine Meinung hat und diese nach außen vertritt und an ihr zu wachsen gedenkt – in der Öffentlichkeit. Egal ob sich der Mensch für den Frieden einsetzt, eine Partei gründet oder schlicht und einfach bloß versucht, seine Wahrheit zu sagen, öffentlich. Wenn Sie dabei gut sind, dann werden Sie zum Rechten denunziert. Oder, wie in meinem Fall, zum durchgeknallten Reichsbürger.

Die Friedens- und Wahrheitsbewegung, derer Ken Jebsen angehört und der KenFM sehr viele Beiträge zu verdanken hat, hat seine Meinungen in die Gesellschaft transportiert. Viele KenFM-User sind Multiplikatoren von Frieden, Freiheit und Demokratie geworden. Einige sind selbst zu Aufklärern geworden. Und genau das ist es, was die Gruppe derer ängstigt, die über Ken Jebsen Angst zu multiplizieren versucht. Sie wollen verhindern, dass KenFM und auch andere Aufklärer es schaffen, eine große Bewegung zu werden, die die Wichtigkeit derer schmälern könnte, die derzeit im Namen des Antifaschismus unterwegs sind und selbst faschistoides Verhalten an den Tag legen. Gewalt zu verherrlichen und diese als Stilmittel locker zur Anwendung zu bringen, ist ein faschistoides Verhalten.

Es sind nicht alle dieser Gruppierungen der AntiFa so gewaltverliebt. Das sei hier ausdrücklich angemerkt! Jedoch sind es sehr viele, die sich in ihrem eigenen Gehirn vorzumachen verstehen, dass sie im Auftrag des Guten unterwegs sind und dabei das Gute ja bloß verteidigen. Alle Bewegungen oder politischen Gruppen, die mittels Gewalt und Gewaltverherrlichung fronten, sind zutiefst von Menschen durchsetzt, die selbst Probleme mit dem eigenen inneren Frieden haben. Sie können sich nicht mit friedlichen Mitteln einem Menschen stellen, weil das was sie vorgeben zu tun nur ein Mittel zum Zweck ist, eigenes destruktives Verlangen auszuüben.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

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24 Kommentare zu: “Meinungsverbrennung

  1. @ Birgit Assel:“ wann fängt das „Ich“ an ? Erst mit dem Beginn des „Ich-Bewusstsein“?

    Diese Frage wird von einem Anthroposophen gewiss ganz anders beantwortet als von einem Materialisten. Die Anthroposophie geht von einer Ichheit aus, die mal als Frau, mal als Mann inkarniert, die so betrachtet schon im Vorgeburtlichen ein Sein hat, die aber, um sich ihres Seins bewusst werden zu können, die irdische Inkarnation braucht.
    So gesehen sind die biologischen Eltern diejenigen, welche dieser Ichheit die Inkarnation ermöglichen.
    Die „Person“ ist so betrachtet eine von vielen „Masken“, in welchen diese eine Ichheit, dieses eine Individuum auf der Erde erscheint. Gewöhnlich beginnt das Kind erst mit drei oder vier Jahren damit, „ich“ zu sagen. Ab da beginnt es, ein Ichbewusstsein zu entwickeln.

    Für den Materialisten der Weltanschauung ist der Mensch jedoch nichts weiter als ein „höheres Säugetier“, ein Lebewesen, das aus soundsoviel Prozent Wasser, soundsoviel Prozent Eiweiss usw.etc.usf. besteht. Alles Reden von Geist und Seele hält der Materialist für Unsinn. Weder einbezieht er Gott ,Götter in sein Welt-und Menschenbild, noch kann er mit dem Begriff der Ewigkeit anderes gedanklich verbinden, als ein Fortschreiten der Zeit. Der Materialist hält das materielle Gehirn für ein Organ, das Gedanken absondert, wie die Leber die Galle absondert. Von einem „Ich“ darf er gar nicht reden. Statt zu sagen:“Ich denke“ müsste der Materialist eigentlich sagen:“Mein Gehirn denkt“.
    Auf die Idee, dass der Geist es ist, der sich das Gehirn als sein Instrument aufbaut, kommt der Materialist gar nicht.

    In jedem Menschen lebt jedoch ein Potential, das wir als Eltern gefordert sind, zu fördern, dass es sich frei entwickeln kann.
    Anfangs ahmt ein Kind das nach, was wir als Eltern ihm vorleben. Da wäre sinnlos, dem Kind etwas zu „erklären“, weil es dann solches „Erklären“ wiederum selber nachahmt. Ich halte gar nichts davon, den Kindern gewaltsam ein abstraktes „Wissen“ ins „Gehirn“ einzutrichtern. Irgendwann beginnen Kinder,Fragen zu stellen, eigene Interessen zu entwickeln, und da kann man ansetzen, weil da das Kind offen ist für Antworten.

  2. Da ich ja Jasinna erst neu für mich entdeckt habe, möchte ich hier ein älteres Video von ihr verlinken was, aus meiner Sicht gut zu dem Artikel von Rüdiger Lenz passt:
    https://www.youtube.com/watch?v=7kBorZDx2WA
    Ganz viel ist richtig in diesem Video, allerdings fehlt, so meine Sichtweise, etwas Wesentliches: das Krabbelkind, das in seiner Neugier, in seiner Angstlosigkeit, in seiner Entdeckerfreude usw. gezeigt wird, ist eine große, große Ausnahme!
    Die Konditionierung fängt an, sobald ein Kind das Licht der Welt erblickt hat…und ja, aufgrund der gängigen und sehr rentablen pränatalen Diagnostik heute schon sehr viel früher…
    Die pränatalen Untersuchungen während der Schwangerschaft verunsichern sehr viele Mütter und u.U. wird Patient hergestellt, der oftmals nicht zu behandeln ist. Die medizinische Sprache macht aus dem Kind, was in dem Bauch seiner Mutter heranwächst ein Objekt: Es wird als Embryo oder als Fötus bezeichnet.
    Wenn ein „Fötus“ nicht der Norm entspricht, wird der Mutter angeboten, ihn „abtreiben“ zulassen. Das Buch von Monika Hey „Mein gläserner Bauch – Wie die Pränataldiagnositk unser Verhältnis zum Leben verändert“ ist ein sehr lesenswertes Buch…
    Doch zurückkommend auf das neugierige und entdeckungsfreudige Baby in dem Video von Jasinna: Ähm, nein, das durften die meisten Babys nicht, sie wurden in Laufställe gesperrt, in ihrem Bewegungsdrang und ihrer Entdeckerfreude schon sehr früh sehr stark beschnitten…Der Klaps auf die Hände, wenn „verbotenes“ erobert wurde, war Standard…und auch ein Klaps auf dem Po…Die sogenannte „Trotzphase“ musste sanktioniert werden…
    So schön ich das Video von Jasinna finde, doch leider vergisst sie, dass es die Eltern waren, die dieses von ihr genannte „fiktive Ich“ sich entwickeln ließen…
    Heute haben wir ein Heer von verunsicherten Müttern und Vätern…Und ja, ich weiß, wo von ich rede. Einmal bin ich selbst Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Omi von 3jährigen Zwillingsjungs, mit denen ich zu meinem großen Glück ganz oft zusammen sein kann. Und ja, ich bin in einem Forum als Omi aktiv, in dem es nur „Zwillings-Mamis“ gibt…Weil so ein doppeltes Glück auch eine doppelte Herausforderung bedeutet…
    Aufgrund der Doppel-Schwangerschaft meiner Tochter bin ich auch noch einmal in gefühlten Kontakt mit meinen Schwangerschaften gekommen, mit der traumatisierenden Geburt meines Sohnes vor 32 Jahren in einem Krankenhaus und dem wunderbaren Geburtserlebnis mit meiner Tochter, die ich selbstbestimmt zu Hause geboren habe…

    Und auch meine Tochter hat ihre beiden Jungs selbstbestimmt zu Welt gebracht, zwar nicht als Hausgeburt, weil keine Hebamme so eine Geburt begleitet hätte, doch in einem Krankenhaus, was sie nach langem Suchen gefunden hat, dass einer spontanen Geburt zustimmte…Sie hat dafür regelrecht kämpfen müssen!
    Schließlich endet jede 3. Geburt in einem Kaiserschnitt, das Hebammen-Wissen um eine natürliche Geburt geht mehr und mehr verloren und Zwilling werden oftmals persé mit einen Kaiserschnitt geholt…
    Meine Enkelkinder, obwohl sie Zwillinge sind, haben ihren ganz eigenen Geburtstag, weil sie an unterschiedlichen Tagen geboren wurden…Das ist natürlich ein Zufall, weil J. noch vor der „magischen“ 12 das Licht der Welt erblickte, während K. sich noch ein wenig Zeit ließ und sich erst danach entschied, seinem Bruder zu folgen…
    Doch zurückkommend auf das Video von jasinna: Die „Identitätsbildung“ fängt sehr viel früher an, als es in diesem Video vermittelt wird…
    Und es stellt sich die Frage, wann fängt das „Ich“ an? Erst mit Beginn des „Ich-Bewusstsein“?

  3. @Bert: Ich stimme Ihnen im Wesentlichen zu. Ich halte überhaupt nichts von „Versöhnungsritualen“ mit den Tätern oder von irgendwelchen „Heilsversprechungen“
    Ich sehe es so, dass Trauma nicht außerhalb sondern innerhalb der üblichen menschlichen Erfahrung liegt. Dies wird umso klarer, wenn man nicht nur das individuell erlebte Trauma betrachtet, sondern die transgenerationale Weitergabe traumatischer Erfahrungen mit einbezieht. Um das zu erfassen, genügt ein Blick in die Vergangenheit und in die Gegenwart: Kriege, Naturkatastrophen, Diktaturen usw. traumatisieren ganze Bevölkerungsschichten.
    Das bedeutet für mich, dass die Wirkmechanismen von Traumata in unserer Gesellschaft diskutiert werden sollten und halt nicht nur im therapeutischen Kontext.
    Die Definition von einem psychischen Trauma nach Fischer und Riedesser lautet:
    „[…] ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt.“ (Lehrbuch der Psychotraumatologie S. 79)
    Sie schreiben: „Und nicht selten wird mit einem Exkurs über den inflationär gebrauchten Begriff Traumata (jeden Schmerz von Frühbindung bis Dauervergewaltigung oder Kriegserfahrungen in einen Topf werfend und für all das ein Allheilmittel wähnend) die Kanzel betreten, von dort man Kenntnis über Menschenheil predigt und dies mit der konkreten Arbeit verwechselt.“
    Ich kann Ihre Argumentation gut verstehen, dass nicht jeder Schmerz gleich ein Trauma ist. Und selbstverständlich gibt es einen Unterschied, ob es sich z.B. um jahrelang erlebte sexuelle Gewalt handelt oder um ein Bindungstrauma.
    Doch was häufig nicht gesehen wird, dass traumatisierte Eltern ihre Kindern oftmals keine zuverlässigen und schützenden Bezugspersonen sein können, weil sie ständig aufpassen müssen, dass die eigenen Traumaerfahrungen durch ihr Kind nicht „getriggert“ werden.
    Sie müssen Gefühle von Ohnmacht, Angst und Hilflosigkeit vermeiden. Ein schreiender, nicht zu beruhigender Säugling kann so ein Trigger sein…
    Ein Säugling hat kaum individuelle Bewältigungsmöglichkeiten, wenn er schreien gelassen wird oder wenn seine Bedürfnisse nach Nähe, Halt und Geborgenheit nicht adäquat und möglichst unmittelbar befriedigt werden.
    Schon sehr, sehr kleine Kinder müssen sich dann psychisch spalten um überleben zu können, weil sie sehr schnell in Todesangst kommen.
    Auch wenn Arno Gruen in seinen Büchern den Traumabegriff nicht verwendet, so beschreibt er doch sehr genau die Auswirkungen von bindungstraumatisierten Menschen.
    Die Täter-Opfer-Dynamik, so wie ich sie verstehe, bedeutet, dass das Tätersein und das Opfersein verleugnet werden. Das geht u. U. soweit, dass die Opfer zu Tätern gemacht werden.
    Und leider gibt es immer noch Therapeuten, die glauben, wenn sich z. B. ihre Klienten mit ihren Eltern aussöhnen, sie so ihren „inneren“ Frieden bekommen. Doch das funktioniert nicht…
    Und wenn ich schreibe, dass es wichtig ist, aus der Täter-Opfer-Dynamik auszusteigen, dann heißt das, ich muss das System der Täter verlassen.
    Doch es würde hier zu weitführen, diese Dynamik ausführlich zu beschreiben. Von daher verweise ich lieber auf Bücher z.B. das von Michaela Huber „Der Feind im Inneren: Psychotherapie mit Täterintrojekten“ oder auf das Buch von Karl-Heinz Brisch “ Bindung und Trauma: Risiken und Schutzfaktoren für die Entwicklung von Kindern“.
    @David: vielen Dank für das Video! Bisher kannte ich Jasinna noch nicht und ich bin ziemlich beeindruckt von ihrer Recherchearbeit.

    • Dass es die Weitergabe von Gefühls-Komplexen gibt, die weitreichende Folgen für die folgenden Generationen haben können, ist unbestritten, ebenso die Tatsache, dass auch fremdbeobachtete Erlebnisse genauso als bedrohliche Ohnmachtssituation erlebt werden können, mit ebenfalls weitreichenden Folgen.

      Aber gerade hier, bei der Weitergabe von Struktur und von Reaktion und Werten und Ängsten, Hoffnungen, etc. ist es doch die Krönungsaufgabe fremde Gefühle von den eigenen Bedürfnisgefühlen trennen zu lernen. Und was ist das für eine langjährige Arbeit?
      Z.B. perpetuieren Frauen das Bild vom bösen vergewaltigenden Mann von Tochter zu Tochter, und wieviele Frauen/Männer argumentieren mit dem bösen Patriarchat, das weit entfernt ist, und halten dies fremde Leid als beschwörende Anlehnung des bösen Männlichen für einen natürlich wahrhaftig aber auch sogar adäquaten Ausdruck für das eigene diffuse Innenleben. Die vergewaltigte Frau in Indien wird nahezu als eigene potentielle Vergewaltigung erlebt, und die Angst davor unbefragt als adäquate eigene Angst wahrgenommen.

      Nun kann man – bei aller gesellschaftlichen Richtigkeit dessen, was Herr Lenz anspricht – aber nicht einfach zu der Frau sagen, was kümmert dich Köln, lass ab von den Feindbildern, sondern man muss zuallererst garantieren, dass der Selbstschutz der Frau innerlich als gewährleistet zumindest gewusst und geglaubt wird, und zwar auch dann, wenn das Fremdbild, die fremde Angst, allmählich als falsch abgeblättert wird.
      Das ist allerhöchste Anstrengung _gegen_ sich selbst! Vergleichbar mit jemanden der seiner Spinnenphobie begegnet, und die Angst durch den Trigger Spinne annimmt (und in die Hand nimmt), und gleichzeitig die heiligsten und wichtigsten instinktiven Schutzmechanismen zu kontrollieren versucht, und als übertrieben herausfiltert.

      (Und um das zu können bedarf es all der psychischen und willentlichen Kraft, die man gerne missverstanden nur negativ bewertet, nämlich Auf-, Abspaltung, Verdrängung.)

      Und so leid mir es tut, ein Herr Lenz scheint mir bei aller gutmeinenden Richtigkeit im Allgemeinen für diese konkrete Knochenarbeit überhaupt nicht geeignet zu sein, sondern eher schädlich (weil er den Selbstschutz überhaupt nicht berücksichtigt), und deswegen sperre ich mich auch dagegen das Thema Trauma, welches von Ihnen hier zur Diskussion eingeführt wurde, als Unterbau oder Bestätigung oder Erweiterung betrachten zu wollen, denn das Predigen von Friedlichkeit für den Weltfrieden trägt keine Aussage zur Komplexität und Ernsthaftigkeit im Konkreten in sich.

      Ein Feindbild, das per Entschluss und längerem Üben (‚monokausal) ablegbar ist, hat nur entfernt (und zwar als Bildauffüllmaterial) mit Traumastrukturen und der Komplexität zu tun, und die ‚Behandlung‘ und das Ablegen solcher Füllbilder wird dem Thema und Dimension Trauma in keinster Weise gerecht.

      Interessant wäre doch auch einmal für Sie als traumainteressierte Frau, welchen Anteil an Gewalt und welche Lösungsansätz zu denken wären, wenn die Gesellschaftskritik nicht nur männlich konnotierte ‚Psychoeigenschaften‘ projizieren und problematisieren würde?

  4. Lieber Rüdiger Lenz! Bitte verzeih mir, dass ich jetzt erst Deinen Artikel in Ruhe durchgelesen habe! Ich hatte mich gerade hier bei KenFM registriert und angemeldet, weil ich meinen Ärger über die anscheinend von niemandem hier bemerkte Oberflächlichkeit von Jean Ziegler ausdrücken wollte und bin wegen „letzte Kommentare“ hier gelandet. Jetzt zu Deinem Artikel. Ja, er ist mir sympatisch und ich kann Deinen Schlussfolgerungen zu allem ganz gut folgen! Vor allem finde ich gut, dass Du genau dieses Thema anpackst, weil es wirklich sehr wichtig ist! Ein Teil des Wichtigsten zwischen uns Menschen. Ich möchte dazu ergänzen, dass es heute wirklich schwierig ist, von „rechts“ und „links“ zu fabulieren, weil die mit Gewalt unterm Teppich gehaltene lebensverachtende Weltpolitik mit der Zeit Stück um Stück zum Vorschein kommt und diese Begriffe, wie ich finde, zersprengt hat. Um unter gerechtigkeitssensiblen und empathiewilligen Zeitgenossen und Zeitgenossinnen zu einer von allen als gleichwertig wichtig empfundenen Problemdikussion zu kommen, wäre es vielleicht ratsam, sich auf die Besprechung bzw. Beschreibung des Begriffes GEWALT zu einigen und zu konzentrieren. Ich würde schon lange gern ganz frei mit anderen zusammen darüber philosophieren, was das eigentlich ist in unserem menschlichen Dasein: das Phänomen GEWALT. Was ist das? Woraus
    besteht es? Wie ensteht es? Woher kommt es? Ich sag mal so-und das sage ich schon sehr lange: Gewalt ist eine Krankheit am Menschen. Über diese Krankheit würde ich gern diskutieren.

  5. Thema „Freundschaftseinladung“: Jemand sandte mir eine „Freundschaftseinladung“. Bin jedoch technisch nicht versiert genug, um diese Einladung annehmen zu können. Ich nehme das sehr gerne an, weiss aber leider nicht, wie das technisch umsetzbar ist. Auch eine Freundin von mir, die mir schon öfters geholfen hatte, war da überfordert…Bei mir grenzt das schon an so eine Art von Technik – „Legasthenie“. Stehe da “ wie Ochs vor`m Berg“vor „einfachsten“ Sachen…Sorry !

  6. Ich habe mir das Video angesehen. Jedesmal, wenn ich solche schmerzhaft aufklärenden Dokumentationen sehe, wird mir wieder klar, warum sich immer noch so viele dagegen sträuben, in die Abgründe unserer Wirklichkeit hineinzuschauen. Es ist tatsächlich schwer, in dieser Wirklichkeit zu leben. Aber in einer ignoranten, zurechtgelogenen Kitschwelt zu leben ist in meinen Augen das Schlechteste und für einen selbst und die ganze Welt das Schädlichste, wozu man sich bereit erklären kann. Ich fühle mich jedem Menschen von Herzen verbunden, der heute den Mut und die Standfestigkeit aufbringt, den Dingen auf den Grund zu gehen und die Wahrheit zu verkünden. Wahrhaftigkeit, Mut zur Aufrichtigkeit, ist heute das kostbarste Gut und die stärkste unverletzende unverletzliche Waffe!

  7. Weil es gut zu diesem Text passt hier ein YouTube Video, von jemand der sich viel Mühe gemacht hat,
    einige Dinge die in den Mainstream-Medien falsch dargestellt werden, mal aus anderer Perspektive zu betrachten.
    https://www.youtube.com/watch?list=PL9439A3DD50E52520&v=l6AAgdBgf_A

  8. Ein wirklich guter Artikel, weil er auch die psychischen Beweggründe mit einbezieht. In der Regel fehlen die komplett und es geht, wie fast überall, um Symptom-Bekämpfung.
    Aufgrund der Forschung in der Psychotraumatologie wissen wir heute, wie sich frühkindliche Bindungsstörungen/Bindungstraumata psychisch auswirken. Die Kriegskinder, die Nachkriegskinder und auch die heutige Enkelgeneration (s. Bücher von Sabine Bode) tragen die Auswirkungen des 2. Weltkrieges noch in sich.

    Die Traumatisierungen der Kriegsgeneration wirkten sich stark auf die Bindung zu ihren Kindern aus. Häufig waren die Eltern aggressiv und unberechenbar für ihre Kinder. Das Buch „die geprügelte Generation – Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen“ von Ingrid Müller-Münch erzählt von diesen ganz normalen Kindererleben in den 50iger und 60iger Jahren.

    Wenn Rüdiger Lenz von Täterpsychologie schreibt, dann meint das immer auch Trauma. Aufgrund traumatischer Ereignisse, die nicht verarbeitet werden konnten, entstehen Täter-Opfer- Dynamiken.
    Diese Täter-Opferdynamiken zeigen sich in einem maßlosen Machtstreben, im gnadenlosen Konkurrenzverhalten und im ausagieren von hemmungsloser Aggressivität- ob körperlich oder verbal.

    Wenn wir wirklich Lösungen wollen, eine „andere“ Welt anstreben, dann müssen wir bei uns selbst anfangen, wir müssen für uns klären: Wer bin Ich und was will Ich. Das liest sich erst einmal einfach, weil jeder zu wissen glaubt, wer er ist und was er will, doch viel häufiger sind wir in unserer Identität „gespalten“ und das, was wir meinen zu wollen, ist häufig überhaupt kein selbstbestimmter Wille…

    Kein Mensch mit einer „gesunden Psyche“ würde einen Menschen beschimpfen oder verurteilen, den er gar nicht persönlich kennt, mit dem er noch nie ein persönliches Wort gewechselt hat…
    Nun ist natürlich so, dass wir nicht jeden Menschen, dessen Bücher oder Artikel wir lesen, persönlich kennenlernen können. Und dann können wir uns eine Meinung bilden über das, was geschrieben wurde, doch es doch völlig absurd, diesen Menschen zu verurteilen…Und wie Rüdiger Lenz richtig schreibt, Meinungen können sich ändern, sie bilden sich immer wieder neu…

    Wer allerdings aus einer Täter-Opferdynamik heraus agiert, der braucht Täter und Opfer. Aus meiner Sicht hat sich das System dieser Täter-Opferdynamiken verselbstständigt. Das hat zur Folge, dass die wahren Täter nicht mehr erkannt, nicht mehr benannt und nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden.
    Den ersten Tätern, denen wir ausgeliefert waren, waren in der Regel unsere Eltern. Und solange wir uns Illusionen über unsere Eltern machen und unsere Kindheit idealisieren, bleiben wir in dieser Dynamik gefangen.

    In der Diskussion mit Rainer Mausfeld nach seinem Vortrag „Warum schweigen die Lämmer?“ sagte er, wenn wir eine andere Gesellschaft wollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass unsere Kinder eine glückliche Kindheit haben und die fängt schon im Säuglingsalter an:
    https://www.youtube.com/watch?v=KNt8HWY0Eto

    Für uns bedeutet das, dass wir ehrlich mit uns selbst sind, unsere eigene kindliche Vergangenheit erinnern und das kann u. U. sehr, sehr schmerzhaft sein. Doch nur so kann es uns gelingen, empathisch und mitfühlend zu werden, in dem wir auch mit uns selbst ins Mitgefühl kommen. Und Mitgefühl bedeutet nicht Selbstmitleid! Selbstmitleid ist eine Opferhaltung ohne dass wir mit unserem wahren Opfersein überhaupt in Kontakt kommen.

    Solange wir uns nicht darüber im Klaren sind, dass wir denen, auf die wir schimpfen, die wir verurteilen Macht geben und auch noch darauf hoffen das „Die“ sich ändern müssen um uns zu retten, solange wird sich nichts ändern.
    Und das ist das völlig verrückte an einer Täter-Opfer-Dynamik, dass sich die Opfer die Rettung von den Tätern erhoffen.
    Das ist im „Kleinen“ genauso wie im „Großen“: Die vielen Menschen, die nach Europa flüchten, flüchten in die Täterländer und hoffen hier gerettet zu werden…
    Wo das hinführt erleben wir gerade, die Grenzen werden dicht gemacht…
    Erdogan soll die Europäische Lösung sein und Griechenland, von uns kaputt gespart, wird mit den vielen geflüchteten Menschen in Stich gelassen…

    Aus meiner Sicht können wir die Welt wie sie ist nur verstehen und dann auch verändern, wenn wir die menschliche Psyche verstehen und dafür braucht niemand ein Psychologie-Studium, sondern einfach den Mut bei sich selber anzufangen und sich dabei entsprechende Hilfe zu suchen.
    Die Idee, ein Seminar bei Rüdiger Lenz zu besuchen, ist sicherlich nicht die schlechteste!

    • „Aufgrund der Forschung in der Psychotraumatologie wissen wir heute, wie sich frühkindliche Bindungsstörungen/Bindungstraumata psychisch auswirken.“

      Die Auswirkungen kennen, heißt aber nicht die Heilung kennen.
      (Und von Heilung betroffen reden können heißt nicht empathisch sein,
      und Empathie haben, heißt nicht zwangsläufig psychologisch heilend helfen zu können.)

      Das behaupten Sie zwar nicht explizit, doch erfahrungsgemäß wird genau das gedacht.

      Und nicht selten wird mit einem Exkurs über den inflationär gebrauchten Begriff Traumata (jeden Schmerz von Frühbindung bis Dauervergewaltigung oder Kriegserfahrungen in einen Topf werfend und für all das ein Allheilmittel wähnend) die Kanzel betreten, von dort man Kenntnis über Menschenheil predigt und dies mit der konkreten Arbeit verwechselt.

      Dabei wird gerne vergessen, dass Traumata Wunden sind, deren Heilung einem Wachsen unterliegen, deren ‚Parameter‘ und Gründe überwiegend außerhalb eines bewussten Zugriffes liegen, und Heilung nicht einfach gemacht werden kann.

      Ich empfinde – bei aller theoretischer Richtigkeit, zu welch solch krassen Verallgemeinerung in der Lage sind – es sogar als pietätlos und empathielos mit solch einem allgemeinen Heil-‚BlaBla‘ einem konkreten Opfer gegenüber zu treten, weil das allgemeine Heil-‚BlaBla‘ sich völlig mit dem Allgemeinen zufrieden gibt, und das Einzelfallschicksal und die schwere Arbeit der konkreten Opfer völlig unberücksichtigt ausblendet.

      Einem Opfer zu sagen, dass der Schmerz bis zur Hochzeit (erfahrungsgemäß) verheilt sein wird, kommt auch ohne Empathie aus, so sehr die Aussage im Allgemeinen auch richtig sein mag: es nimmt das Opferschicksal und den Schmerz nicht als solches an, sondern ist eher geneigt, sich gerade nicht mit dem eigentlichen Schmerz, der eigentlichen Dreckarbeit auseinandersetzen zu müssen.

    • ich möchte noch ergänzen:

      Für jemand unbetroffenen ist es leicht zu sagen, verzeihet einander, und es ist zudem leicht vom Kopf her zu sagen, jetzt sei es gut. Wenn das willentlich tatsächlich möglich funktioniert, dann kann man das als Maßstab dafür nehmen, dass es sich nicht um ein unbewusstes Problem handelt, das einer Genesung bedarf.
      Viele Gefühlsheiler verwechseln mentales Bewusstmachen und sich ändern, mit psychologisch ungesund gewachsenen Strukturen, und verwechseln Unbewusstes mit Verdrängung.

      Nun aber zum eigentlichen fatalen Problem solcher gutmeinenden Helfer:

      1. Wird die Ursache mit dem Jetztzustand und der Heilung verwechselt. Richtige Erfahrungsaussagen (die dadurch nicht steuerbar werden, wie bereits oben erwähnt) über den Heilprozess werden rücksichtslos bis zur Ursache für gültig gedacht, und daraus entsteht dann implizit eine Mitverantwortung, fast sogar schon Hauptverantwortung für die so gern genannte Opfer-Täter-Dynamik. Das stimmt aber erst ontologisch für den Bereich der Heilung.

      2. Warum das so wichtig ist? Bei ernstzunehmenden, also existenziellen Problemen, also nicht bloße mögliche (mentale) Verhaltensänderungen durch Aufdeckung von ‚Unbewusstem‘, also bei Themen, wo man nicht nur von der Tat her Opfer geworden ist, sondern wo die Psyche und ihren psychologischen Strukturen (also eben nicht den leicht bewusst zu machenden mentalen Strukturen) zu leiden beginnt und verletzt ist, oder durch massive ungesunde Prozesse strukturell komplexhaft wachsen musste, oder da wo wirklich ungesunde durch (an sich zunächst gesunde) Verdrängungsanstrengungen abgespaltene Ressourcen Symptome sich entwickeln und der Aufdeckung und Bearbeitung bedürfen, dort ist es gerade umgekehrt: Nehmen wir das Beispiel einer dauervergewaltigenden oder nur destruktiven familiären Struktur:
      Da gehört es überhaupt erst einmal zu einer existentiellen Notwendigkeit das böse fassbar, objektivierbar nach außen auf den/die Täter zu bringen, und die Ursache/Schuld nicht bei sich oder auch bei sich zu sehen, sondern da gehört es überhaupt einmal zum allerwichtigsten Schritt, sich soweit aus der ‚Täter-Opfer-Dynamik‘ herauszubringen, überhaupt klar und deutlich in diesem Beispiel die geglaubt liebenden Eltern zum Feind werden zu lassen – eine Aufgabe an der viele scheitern (nicht zuletzt wegen falscher gutmeinender Helfer), und da gehört es zum Ausstieg aus der ungesunden und falschen Situation existenziell dazu, die eigene Wahrnehmung von Ungut bis Unrecht mutig soweit eskalieren zu lassen, um die eigene Wahrnehmung adäquat und richtig zu halten, und sie solange für sich und der eigenen Wahrheit und damit den eigenen Bedürfnissen einzustehen, dass niemand mehr Einfluss hat zu sagen: Och komm schon, für ein friedliches Familienleben musst du das Feindbild ablegen und dazu musst du aus der Opfer-Täter-Dynamik austreten.

      Nein. In dieser Phase der Genesung ist die Selbstbehauptung des Opfers, und Eskalation zur die ungeschönte Konfrontation des Täters mit seiner Tat existentell wesentlich, damit nämlich der Täter gezwungen ist die Täter-Opferdynamik zu _beenden_, soweit dies akut nötig ist, vielmehr aber um die Asymmetrie der Opfer-Täter-Beziehung zu durchbrechen.

      Erst ab diesen ontologisch und zeitlichen Punkt, wo das Opfer die schlimme Tat und Verantwortung von sich abgrenzen konnte (und sich das selbst glaubt) kommt der Punkt, ob denn dann der Täter einknickt, die Umgebungsstruktur einknickt und das Schlimme eindeutig in der Verantwortung lokalisiert bleibt oder nicht. Wenn aber trotz der erfolgreichen Emanzipation des Opfer die Umgebungsstruktur der Umwelt sich nicht mitändert, sondern falsch bleibt, ab diesem Punkt zeigt sich, ob das Opfer dann auch noch den Mut aufbringt, die Umgebungsstruktur zu verlassen, weil es das Opfer schafft, diese Struktur eindeutig nach außen verobjektiviert zu verorten, oder eben nicht. Dann bleibt das Opfer in der ungesunden toxischen Umgebung oder nicht.
      Bis zum Zeitpunkt wo ein Mensch sich aus einer (strukturell) ungesunden toxischen Umgebung oder aus der toxischen Beziehung zu einem Täter lösen will – braucht es die Eskalation, den Täter zum offenkundigen Täter zu machen, und für die eigene Wahrheit der eigenen Bedürfnisse einzustehen, und erst dann wenn man dann die Beziehung und das Umfeld bzgl. Verantwortung geklärt hat, und die Beziehung und das Umfeld tatsächlich geklärt und die toxische Wirkung herausgefiltert wäre, erst ab diesen Zeitpunkt könnte Heilung geschehen.

      Und weil nun eben die verantwortlichen und einflussreichen Menschen in Beziehungen und Strukturen oftmals nicht bereit sind ihre Täterschaft zuzugeben oder nicht bereit sind ihre toxische Wirkung als Struktur anzuerkennen und nicht bereit sind sich zugunsten einer gesunden friedvollen Welt zu ändern, oder zu gehen, wird dieser (unnatürliche) Schritt den Opfern zugemutet. Und ja, ab hier kann man von Loslassen sprechen, und davon sich aus einer Abhängigkeit von Tätern zu lösen und unabhängig machen, und selbst das falsche Umfeld zu verlassen.

      Aber an diesem Punkt sollte das ganze Drama hinter solch einem Prozess klar sein, die Ambivalenz, die Zumutung, die den Tätern verschont bleibt, usw. ___Und ja, ab diesem Punkt muss man an die Eigenverantwortung der Opfer appellieren___, sich abzuwenden mit (berechtigten oder unreif gebliebenen-unberechtigten) Bedürfnissen – aber es ist völlig klar, dass diese (ungerechte) Bürde zum eigenen Heil aufzunehmen ist, und nicht um das Unangenehme der Eskalation zu vermeiden, den Täter zu schonen, oder für eine friedvolle (aber immer noch) toxische Welt eigene existentielle Bedürfnisse zu marginalisieren, und zuletzt sollte schon gar nicht diese Ermahnung der bitteren Medizin die Täter-Opfer-Dynamik und das ‚Feindbild‘ aufzulösen als Mitverantwortlichkeit der Ur-Ursache gelten dürfen.

      Wenn das Opfer bei gelungener eindeutig-objektivierter Täterschaft und gelungener Feindverortung aber nicht einfach der toxischen Umgebung entfliehen kann, weil das Opfer zuwenig Kraft zur endgültigen Abnabelung aufbringt wie der Täter selbige ebenfalls nicht aufbringt, dann kann man nicht einfach die Täterverantwortung und Opferverantwortung gleichwertig behandeln, auch wenn es dann der Satz richtig wird, dass das Opfer aus der Dynamik austreten (können) sollte.

      Bleibt es bei solch unguten toxischen und leider unaufgelösten privaten Beziehungen, dann erst entwickeln sich ungute und überzogene und unwahren verklärten Feindbilder, und zwar als Ausdruck dafür, was in Wahrheit in der Beziehung vorherrscht. Nun zu sagen, Ihr müsst die Feindbilder ablegen ist lediglich ein formaler richtiger Beschreibungs-Rat.
      Inhaltlich hat man aber nichts von der Problematik auf psychologischer Ebene, den Bedürfnissen in ihrer strukturellen Eingebundenheit, ausgesagt, und zwar auch dann nicht, wenn man aus der Allgemeinheit abgeleitete Phantasiegebilde (Klassiker Verdrängung, Angst; gerne auch religiös: Schuld, Scham) metaphysisch darüber oder darunterlegt und das für Psychologie ausgibt, und sich anmaßt vom Allgemeinen abgeleitet adäquat das Einzelgewächs zu beraten.

      Soweit zu eindeutiger Täterschaft und Opferschaft und dem offenen Ende, ob sie auseinanderkommen und ’sich auflösen‘ oder nicht – hier angelangt merkt man aber, wie wenig die eindeutig verallgemeinerten Ratschläge von wegen Ablassen von Feindbild, Verlassen von Täter-Opfer-Dynamik taugen, vor allem dann, wenn man komplexe und uneindeutige gesellschaftliche Prozesse mit Herleitungen aus klaren Täter-Opfer oder Traumata-Situationen erklären möchte, und dazu ohne Einordnungsnotwendigkeit in welcher Phase und mit welcher Funktion solche Prozesse ablaufen.

      Und man sieht das Falsche und Untaugliche/Unwirksame/Schädliche solch vereinfacht und falsch geführter Reden auch sehr schnell und schön in der Sendung Positionen 4.
      Auch kann man sehen, dass Feindbilder nicht einfach nur nutzlos sind, sondern eine wichtige Selbstschutzfunktion haben, und zwar dann, wenn jemand daherkommt und über existenzielle oder existenziell-noch-geglaubte (und darum nicht minderwertigere) Bedürfnisse hinwegmäht, ungeachtet der persönlichen Problematik:
      Themaverfehlung eines Psychologen (übrigens Themaverfehlung auch bei nichtstudierten empathieeigenverdächtigten Menschen)

      Und diese Themaverfehlung kommt zustande, weil manche Leute den _qualitativen_ Unterschied von bewusst ‚direkt‘ zugänglichen mentalen Verhaltensprozessen nicht von Psychologie unterscheiden, was meist daher rührt, dass für manche das Beeinflussen von mental-zugänglichen Prozessen nicht gängige-geistige Arbeit ist, sondern großes Thema.
      Das ist in Ordnung für den Anfang, aber man sollte sich schon fragen, ob man leicht zugängliche Gefühle und Geist nicht mit der Komplexität der psychischen Struktur verwechselt.

      Und das ist das Problem zum Thema Feindbild, Opfer-Täter-Dynamik: Man kann und sollte ‚böse Feindgefühle‘, die man eben mal mit beharrlicher Übung bewusst abzulegen imstande ist, nicht mit Feindbildern verwechseln, welche Ausdruck sind, eines existenziell tief heraufbrechenden Konflikts und Selbstschutzes.

  9. „Meinungsverbrennung“ ist eines der praenationalsozialistischen Phänomene, die jetzt auch wieder alle in Deutschland am Auftauchen sind, wie auch Wisnewski im letzten Konfernez-Interview sagte-und das wird natürlich in den konservativen Medien nicht erwähnt.
    Ich wollte hier aber eigentlich zunächst meine Meinung über das Interview mit Jean Ziegler von Mai 2015 noch abgeben, ist aber dort scheinbar nicht mehr möglich. Ist mir aber wichtig, deshalb probier ich’s jetzt hier noch: Da wird also 1 Stunde und 19 Minuten über den Welthunger und die Notwendigkeit für jeden, sich selbst zu ändern fabuliert und nicht mit einem einzigen Wort die Notwendigkeit unserer Ernährungsumstellung erwähnt! Obwohl Jean Ziegler vor Jahren einmal angab, selbst „Vegetarier“ zu sein und dass das wichtig sei! Abgesehen davon, dass es Unsinn ist, heute zu glauben, dass es ernährungsökonomisch, ethisch oder gesundheitlich irgendetwas bringt, wenn Mensch nur das Fleischessen abstellt und dafür umso mehr Eier isst und Milchprodukte verzehrt, finde ich die Nicht-Erwähnung unserer Ernährungsgewohnheiten in diesem Ziegler-Interview geradezu skandalös!

  10. Ich finde Ihren Beitrag ebenfalls sehr gut, Herr Lenz.

    Er zeigt auf vielschichtige Weise eben die möglichen Strömungen gegen den Frieden, gegen ein Miteinander -> hin zu Angst, Entfremdung, Ohnmacht, Feindbild, Gewalt und ungeprüften Behauptungen.

    Kann es sein, dass die intellektuelle Elite in diesem Land schläft? Oder gar im Koma verharrt? Oder noch schlimmer, gibt es sie nicht mehr? Ist sie blind, sediert worden, dem Geschehen in Europa gleichgültig zugewandt?

    Ich sehe es folgendermaßen:

    zuerst:

    was ist für Sie intellektuelle Elite? Was zeichnet diese aus?

    Laut Jean Ziegler ist ein Intellektueller ein Aktivist:

    Ziegler zieht im Buch Bilanz, stellt die Frage: „Was soll ein Intellektueller?“, um die Antwort nachzureichen. Ein Intellektueller soll bewaffnen! Mit Argumenten, denen Taten folgen. Taten gegen Untaten.

    https://kenfm.de/jean-ziegler/

    Was die Elite angeht, so ist für mich eine Differenzierung möglich:

    Die Elite

    – an Universitäten
    – in der Politik
    – in der digitalen Welt
    – in den Medien

    Ob die Elite nun schläft, oder sediert worden ist, ist die Frage.

    Es gibt mehrere Themen, die damit einhergehen.

    De-Fokussierung ist eines davon.

    Ich habe bereits, bei einem thematisch ähnlichen Artikel etwas geschrieben, was ich nun zitieren möchte:

    Es besteht die Möglichkeit, sich selber als Einzelperson wahrzunehmen, oder sich zu sehen und andere Menschen zu sehen und zu verstehen, dass eine Veränderung gemeinsam gedacht und umgesetzt werden kann.

    Um sich der Vorstellung zu öffnen, dass ich als Individuum mit der Möglichkeit zur Vernetzung tatsächlich größeren Einfluss ausmachen kann, durch z.B. mehrheitliche Entscheidung auf ein bestimmtes Produkt zu verzichten… eine bestimmte Wahlperiode nicht zu wählen etc… – braucht es erstmal das Bewusstsein bei jedem Menschen, der sein Potential auch ausserhalb von sich selbst zu entdecken und zu erkennen mag.

    Was mir hierzu einfällt: Facebook, Smartphone, Onlinegames, Werbeunterbrechungen im Fernsehen, 3 Minuten-Clips an Informationen ( dann Informationswechsel / Themenwechsel) bei bestimmten Nachrichtensendern, Smombie…

    diese Aufzählung lässt sich unter dem Stichwort: De-Fokussierung zusammenfassen.

    Ich lasse mich also ständig oder oft genug davon beeindrucken , oder begeistern wieviele Möglichkeiten es gibt.

    Für alle Facebook-Freunde: schaut euch das gigantische Angebot an, was ihr alles klicken könnt, aber das ihr kaum eine Historie bekommt, wann ihr was wieso weswegen geklickt habt – sondern stattdessen bekommt ihr entsprechende Werbung für eure Interessen gepostet ( so habe ich das jedenfalls in Erinnerung – Jahre nicht mehr bei Facebook)

    Smartphone ebenfalls: In der Bahn, unterwegs… es wird in das Gerät geschaut… der Moment, den es zu erleben gelten könnte, verpufft in der Aufmerksamkeitslenkung auf das Smartphone..

    Onlinegames, wo z.B. mehrere Gegner angreifen : von oben, unten, rechts, links – Aufmerksamkeit wird ständig auf andere Punkte im Spiel gelenkt = defokussiert.

    Werbeunterbrechung: statt in der Filmstory emotional zu verhaften: rausreissen aus dem Themenstrang: Konsumprodukt xy ist gerade viel wichtiger… =Defokussierung

    3-Minuten Nachrichten-Info : anstelle nach 3 Minuten sich zu besinnen, Gedanken zu machen, direkt das nächste Thema ; möchte man akribisch nach Ende der Nachrichtensendung alle Themeninhalte auflisten, wird es schwierig – warum? = Defokussierung

    Und das ist die Tendenz: Es gibt zig weitere Medien oder Möglichkeiten der Defokussierung.

    Die Aufgabe einer Gemeinschaft ist aber Fokussierung. Hin zu einem bestimmten, größeren Ganzen. Zu einer Gemeinschaft.

    Und das ist ein breites Thema.

    Wenn die Elite sich ebenfalls ködern lässt, durch unzählige Angebote der De-Fokussierung ist sie in gewisser Hinsicht sediert.

    Eine andere Argumentation wäre: Sie möchte systemimanent Karriere machen und wissen, dass es ungünstig bei Ihren Unternehmen und in Führungspositionen ist, wenn Sie einen anderen Kurs vor Ort ankündigen, oder sich öffentlich für den Frieden äußern.

    Das wäre dann die Argumentation: Kalkül, um des persönlichen Vorteils willen.

    Eine dritte Argumentation wäre, dass die Elite sich zu schade ist, sich zu äußern und erst dann sich äußern würde, wenn es genügend Argumente gibt, die für den Frieden, für eine Friedensbewegung sprechen…

    wo ein paar Makroökonomen der Elite erst vorgerechnet haben müssten, das es bestechende Vorteile hat, für den Frieden zu agieren…

    das erst dann die Elite sich angesprochen fühlt… und ansonsten selbstverliebt im Elfenbeinturm hausiert.

    -> Fakt ist: welche Antwort zutrifft, oder ob es ein Mischkalkulation an Antworten ist – ich weiß es nicht.

    Ein rechter oder ein linker Extremist ist kein Mensch mehr, sondern ein Extremist, den man mit aller Härte niederzumachen hat

    passend dazu:

    http://www.neuesweltbild.net/wie-aus-friedensaktivisten-antisemitische-und-rechte-verschwoerungstheoretiker-gemacht-werden/

    Und auch Rainer Mausfeld über Folter und wie dies Denken in Unterscheidungen ( vereinfacht formuliert) dafür zunächst notwendig ist:

    Prof. Rainer Mausfeld im Dialog mit Michael Krons am 31.01.15
    https://www.youtube.com/watch?v=4WclOOZuyjA

    Denn mehr als Zurücknehmen und sich für einen Fehler (struktureller Antisemitismus via Interview mit Pedram Shahyar (sic!)) zu entschuldigen ist ein Mensch nicht fähig.

    Den Fehler hatte er auch im Interview mit Dieter Dehn ebenfalls eingestanden:

    KenFM im Gespräch mit: Diether Dehm (Die Linke) ab 1:13:58
    https://www.youtube.com/watch?v=qM5oESBYVaY
    Ein thematisch ähnlicher Artikel in der Diskussion bei KenFM:

    https://kenfm.de/manipulation-selbstbetrug-rechtspopulismus/

    Ähnlich insofern, dass bestimmte Wortwahl schon immer in der Gesellschaft eine Relevanz hatte. Wenn bestimmte Worte gewählt werden, um ungeprüft ein Feinbild zu erzeugen und Gewalt zu legimitieren im Denken, wie im Handeln…

    Ich finde solche Artikel wie den Ihren und den von Bernhard Trautvetter nötig, da Sie auf den Gebrauch von Sprache hinweisen, der bei zu leichtfertigen Gebrauch schwere Folgen nach sich ziehen kann.

    Damit hat eine bestimmte Gruppe innerhalb der Presselandschaft jahrelang gearbeitet und das wird auch weiterhin geschehen, solange dieses Gruppe innerhalb der Presselandschaft ihre Pfründe aus der Berichterstattung speist, die der Regierung dienlich ist.

    Vergleiche dazu auch die Me-Myself-and-Mediafolge 19, wo Ken Jebsen über Journalisten spricht, die von „Regierungsjournalismus“ z.B. sprechen ( Zitat von Wolfang Herles, in einer Audioaufnahme)

    https://www.youtube.com/watch?v=RUpe-VUo15I

    Sollte sich über längere Sicht eine Friedensbewegung finden können, die gewaltig ist, könnten bestimmte Presseorgane nicht mehr die Wortwahl formulieren, welche sie aktuell gebrauchen, um der Friedensbewegung den Zulauf zu unterbinden, oder so gering wie möglich zu halten.

  11. Sehr guter Text von Rüdiger Lenz :o)
    Ich habe sowas selten so gut und verständlich – und vor allen Dingen: schön kurz! – gelesen. Hohe Informationsdichte, ich habs sehr langsam gelesen, statt zweimal.
    Und dann kommt auch gleich noch ein super Beispiel für so ein Denkmuster in Gestalt von Jürgen Hoffmann daher. Der verbrennt diese Lenzsche Meinung, ohne sie zur Kenntnis genommen zu haben.
    Vielleicht hat er ja Angst, er könnte sich selber daran die Finger verbrennen, wenn er sie läse? Ich weiß es nicht. Störet seine Kreise nicht..

    @Frank: Du hast ja schon alles, was man wohlwollend dazu sagen könnte, dazu geschrieben.. Thx.
    Ich fürchte jedoch *seufz*
    LG waldbaer

  12. @Everyone ,

    Faul sein ?
    Das existiert nicht!

    Sobald sich Daten an verschiedenen Synapsen Areale verarbeitet werden und damit auch die Fähigkeiten das das denken funktioniert, arbeitet etwas permanent.

    Damit ist es möglich, unmögliches möglich zu gestalten.
    Die Besten Erfindungen sind in dem Prozess entstanden.

    Faul ist eine erfundene Logik für wenige um das System am laufen zu halten damit nicht GEDACHT wird ,sondern unüberlegt gehandelt werden soll und zwar so wie vorgegeben.
    Also das typische passive verhalten in sich hineinzurauschen.Z.B Serien,Filme etc..( Findet kein vorwiegendes Denken das Frei ist statt)

    Was Sie jedoch wahrscheinlich meinen ist…Das es „schwerlich“ sich in einem Zusammenhang als Kontext neu und anders definiert frei zum oder etwas vorbei nicht geordnet zu schreiben möglich sei einzugehen.

    Das muss es nicht.
    Es ist gut wenn überhaupt selbst frei gedacht werden will.

    • Was aber nun zum Inhalt des Textes nicht gemeint ist.
      Den Text von Rüdiger finde ich sehr fortschrittlich.

      Es ging mir allgemein darum ob nicht selbst mehr gedacht werden sollte, was sicher nicht bedeutet, das unpassendes oder nicht zum Text stimmenden ausgesagt wird.

      Es ging mir nur um das Wort „Faul“….denn die Beweggründe sind vielerlei, das eben mit „Faul“ nichts zu tun hat.

      Gruß

    • sternstaub, meintest Du, dass ‚Faulheit‘ eine große Motivation für Kreativität ist, im Sinne von „Wie krieg ich das einfacher hin, damit ich mehr Zeit für mich selbst habe“?
      Ich denke schon, dass die dollsten Erfindungen aus dieser Art von ‚Faulheit‘ entstanden sind.
      Habe ich Dich diesmal endlich richtig verstanden?
      LG waldbaer

    • Manche Probleme werden auch im Schlaf gelöst, aber nicht jedes im Schlaf gelöste Problem hat etwas mit der Realität zu tun, in den Träumen ist Alles möglich.

  13. Ein lesenswerter Beitrag, der den seelischen Hintergrund, vor dem das politische Medienspektakel derzeit tobt, sehr schön ausleuchtet. Gerade was das Demokratieverständnis angeht, scheinen wir an einer kollektiven Amnesie zu leiden und unser Land in George Orwells „Farm der Tiere“ zu verwandeln.

  14. Zugegeben ich habe mir nicht die Mühe gemacht den Artikel zu lesen. Bestenfalls habe ich ihn durchgeblättert, Warum ? Nun, wir werden alle mit Informationen zugemüllt. Und eines ist mir sofort aufgefallen, der Autor denkt in den Kathegorien von Links oder Rechts bzw. in Rechtsphobien und das nervt nur noch. Wenn dann brauchen wir Lösungen? Lösungen, wo vor?
    z. B. gegen die Verblödung alles aus linker Perspektive betrachen und beurteilen zu wollen.
    Gerechtigkeit? Was ist das denn? Mir geht das alles auf den Sack. Was mich aber besonders aufregt, Wie gehen wir mit unserem Planeten um. Wir versauen ganz demokratisch und ganz liberal und tolerant unsere Meere mit Plastikmüll und unseren Böden mit Pestizieden Und unser Denken in dem wir die Globalisierung als alternativlos halten und jeden als bösen Nazi beschimpfen der beispielsweise die Gegenthese „Raumorientiertes Volkswirtschaften“ ins Spiel bzw zur Diskussuion bringt. „Raumorientierte Volkswirtschaft“ Was ist das denn? Und das ist der Punkt. Fangt an und denkt endlich ohne Schubladen, macht Euch frei….

    • @ Jürgen Hoffmann

      Das grobe Überfliegen eines Textes führt nicht selten zu Mißverständnissen hinsichtliches des Textinhalts

      Ich habe den Text heute schon zweimal gelesen und kann deine Beurteilung desselben weder nachvollziehen noch bestätigen. Rüdiger Lenz zeigt in keinem einzigen Satz eine Denkweise, die sich auf die Kategorien Links und Rechts reduziert ließe. Du bist doch kein dummer Computer, werter Jürgen Hoffmann, der allein schon dadurch, daß er die Begriffe Links und Rechts in einem Text bemerkt, zu einem abschließende Urteil kommt, oder? Ich kannte auch mal einen, der mußte nur „Hitler“ lesen, schon lehnte er das Weiterlesen mit der Bemerkung, er würde keine faschistischen Sachen lesen wollen, ab. Bist du wirklich so einfach gestrickt? Ich meine, das wäre ja kein Verbrechen, aber vielleicht ein Grund zur aktiven Weiterentwicklung deines Geistes?

      Herr Lenz arbeitet in seinem Text sehr ausführlich die Feindbildgenese und die psychische Grundlage von Gewaltwünschen heraus. Er entlarvt das falsch verstandenes Bedürfnis nach Gewaltanwendung als das, was es im Grunde ist: Die uneingestandene Angst vor eigenen abgespaltenen Selbstanteilen – einer Angst, die zwar bemerkt wird, deren wahre Ursache dem Betroffenen jedoch verborgen bleiben muß, weil schon die Ursache angstbesetzt ist und nicht wiedererlebt werden darf. Daher richtet sich die von Angst getriebene Gewalt nach Außen gegen den erstbesten Auslöser, der jedoch gar nichts dafür kann, daß eine derart große Angst den Betroffenen dominiert. Rüdiger Lenz verweist dabei auf die Werke von Arno Gruen, insbesondere auf seine Bücher „Der Fremde in uns“ und „Der Kampf um die Demokratie“. Aus dem Vorwort des erstgenannten:

      Wir alle haben tiefgreifende Unterdrückung und Ablehnung erlebt. In unserer Kultur ist es üblich, daß man in seinem Kindsein zurückgewiesen wird, weil man nicht den Erwartungen von Erwachsenen entspricht. Gleichzeitig darf ein Kind sich nicht als Opfer erleben, denn das würde dem Mythos widersprechen, daß ja alles aus Liebe und zu seinem Besten geschieht. So wird das Opfersein zur Quelle eines unbewußten Zustandes, in dem das eigene Erleben als etwas Fremdes ausgestoßen und verleugnet werden muß. Diesen Teil von sich wird der Mensch fortan suchen, ohne sich dessen bewußt zu sein. Es ist dieses Suchen, das uns zum Verhängnis wird.

      Mir ist daher vollkommen schleierhaft, was du mit deinem Beitrag eigentlich zum Ausdruck bringen möchtest. Vielleicht daß man über solche Dinge nicht schreiben soll, weil du sie sowieso nicht liest? Oder daß man sich besser um den Müll kümmern sollte, der in den Meeren landet?

      Diese Informationen sind kein Müll! Ganz im Gegenteil betrifft die Darlegung von Rüdiger Lenz, betreffen die Schriften von Arno Gruen ganz grundlegende Zusammenhänge, die sehr viel mit unseren kulturellen Problemen zu tun haben: Mit struktureller Gewalt, mit Gewaltbereitschaft, mit Gehorsams- und Unterwerfungsbereitschaft, die doch überhaupt erst das ganze derzeitige Chaos ermöglichen und hervorbringen.

      Meiner Auffassung nach steht es dir nicht zu, derart abfällig und zudem noch völlig falsch über einen Text zu urteilen, den du nicht einmal gelesen, geschweige denn verstanden hast.

    • @Frank Rothweiler

      Die Selbstauskunft, den Text nur überblättert (und trotzdem einen Kommentar gegeben) zu haben, gibt deutlich genug zu erkennen, dass hier etwas aufstößt und „auf den Sack geht“, was zwischen den Zeilen signalisiert wird.

      Ich kann das schon einigermaßen nachvollziehen.

      „Herr Lenz arbeitet in seinem Text sehr ausführlich die Feindbildgenese und die psychische Grundlage von Gewaltwünschen heraus.“

      Eigentlich ja gerade nicht, sondern ganz im Gegenteil. So sind Sie selbst bereits veranlasst bereits (und zwar bereits im anschließenden Satz) zu einer Verdrehung, die den Grundblick auf das Problem völlig verdreht:

      „Er entlarvt das falsch verstandenes Bedürfnis nach Gewaltanwendung als das, was es im Grunde ist: Die uneingestandene Angst vor eigenen abgespaltenen Selbstanteilen – einer Angst, die zwar bemerkt wird, deren wahre Ursache dem Betroffenen jedoch verborgen bleiben muß, weil schon die Ursache angstbesetzt ist und nicht wiedererlebt werden darf.“

      ‚Entlarven‘ lässt das eigene Feinbild (gegen sich selbst) auferstehen. Und jeder professionelle Psychologe sollte hier sehr sorgfältig-wachsam aufhören, weil dieses eine Wort eine Grundeinstellung sich selbst gegenüber zum Ausdruck bringt. Man entlarvt etwas böses, schlimmes.
      Und Genesung, Selbstgenesung gelingt ja eben gerade erst dann, wenn man sich selbst (und sein ‚Problem‘) _adäquat_ annehmen, akzeptieren kann, und ein _verständnisvoll-adäquates_ Einsehen und Sich-Selbst-(und-sein-Problem)-Erkennen entwickelt, was dann in einer nachträglichen psychologisch erarbeiteten Gesamtschau an Umfeldstrukturen und Umfeldbedürfnissen und eigenen Reaktionen und Bedürfnissen (und damaligen Ressourcen) im besten Falle zu einer neu-strukturiert-bewerteten und um später entwickelte Ressourcen erweitertes Erleben und korrigierenden Wiedererleben führen kann.
      ‚Entlarven‘ basiert (um in der etwas plakativen Logik zu bleiben) auf einem Feindbild in sich.

      Hier zeigt sich weiter, dass auch der Vorgang des Verdrängens kognitiv nicht wirklich nachvollzogen bzw. reflektiert ist. Verdrängung setzt eine Bewertung, die zum Widerspruch zum eigenen Selbstbild wird, voraus. (Wenn man Opfer wird, dann muss man sich fragen, was damit gemeint ist: Ob die falsche Tat als solche völlig klar von sich abgetrennt und objektivierbar umrissen und in der Wirkung auf sich selbst klar fremd erlebt werden kann, oder ob diese Grenzen durch Schuldübernahme verinnerlicht übernommen wird.)

      Nicht der verdrängte Inhalt an sich ist das Problem, sondern was es im Bewertungssystem bedeutet: Hier reicht es bei weitem nicht aus, nur formal von Angst und den Wirkmechanismen zu reden ( weswegen Therapien überhaupt nicht mit solch formal-rationalisierten Ratschlägen funktionieren, sondern nur dann, wenn der hochindividuelle Inhalt als Inhalt _adäquat_ in seiner zerstörerischen Bedeutung in Bezug auf den _Selbstschutz_ des Selbstbildes erfahrbar wird, und zwar auch nur dann, wenn nachträgliche Ressourcen helfen können, den Angriff auf das Selbstbild derart umzustrukturieren, dass die Bedeutung umgedeutet werden kann und der verdrängte Inhalt nicht mehr als Angriff auf das Selbstbild erlebt wird.)

      Und man kann das Wort und die Notwendigkeit _adäquat_ gar nicht genug betonen. Adäquat meint ein Verständnis, das nicht formal, sondern genau den Mensch zum speziellen Zeitpunkt mit all seinen Nöten und Bedürfnissen derart einfängt, dass diese Bedürfnisse und Nöte auch tatsächlich eine inhaltliche und angemessene Antwort erhalten, bei der die Bedürfnisse und Nöte selbst akzeptiert sind, nun aber nachträglich eine andere Antwortstruktur erfahren.

      Und bei aller Notwendigkeit allgemein über ein grundlegendes Thema schreiben zu müssen, empfinde ich das Geschrieben von Herrn Lenz für den Anfang gut gemeint und die richtige Richtung aufweisend, eben typisches Anwender-Coaching-Niveau, aber wirklich ernst nehmen kann ich das geschriebene nicht, weil es kein adäquates Verständnis um die existenziellen Bedürfnisse (was denn überhaupt erst geschützt sein und gewahrt bleiben will) vermuten lässt, nach dem Motto eines unbekümmerten Herrchen, der das Feinbild/Angst dadurch _adäquat_ zu entkräften glaubt: der beißt nicht.

      Nebenbei verwundert mich schon, wenn man schon von der psychologischen Warte aus keine Veranlassung darin sieht, Originaltexte studiert zu haben (das unterstelle ich dem Niveau des Geschriebenen einfach mit einer beanspruchenden hohen Plausibilität/Wahrscheinlichkeit), dass dann auch kein anderes Bildungsfeld tiefer in die menschlichen Belange zu führen zu wissen scheint. Wir leben in einer reichen Kulturgeschichte, und z.B. müsste jeder Kirchgänger im Prinzip vom Grundgedanken ‚Projektionen/Feindbild‘ (eingebettet in ein religiöses Bildungsfeld) wissen, dem Splitter im Auge des anderen, und dem eigenen, der dann aber viel größer, also dringlicher erscheinen müsste, mit der Ermahnung an sich selbst zu arbeiten – hier wird aber derart auf den Artikel von Herrn Lenz darauf reagiert, als wäre das völlig neu.

      Ich will nicht schlecht reden, was er schreibt, und halte es für den Anfang sicherlich hilfreich. Aber bei der Euphorie frage ich mich gleichzeitig, was andere in ihrem Leben _an sich_ gearbeitet oder gelesen haben (oder eben nicht), sodass sie mit inneren menschlichen Begebenheiten sich nicht auseinanderzusetzen hatten. Ich meine doch, dass nahezu jede tiefergehende Beschäftigung zwangsläufig den Blick auch einmal nach innen wenden lässt, und dann steht man doch in aller Unpracht vor sich selbst, und hat alle Hände voll zu tun – und es gibt außerdem so unendlich viele gute Bücher: kurz, ich kann die Euphorie nicht wirklich nachvollziehen, sondern ich kann verstehen, dass da jemand schnell abdriftet und den Text überfliegt, und es als belanglos und deswegen als Zumüllen empfindet.

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