The Missing Link to Yanis Varoufakis – KenFM-Interview von Dirk Pohlmann

Gerade einmal sieben Monate als Finanzminister der Syriza-Regierung haben Prof. Yanis Varoufakis in Deutschland zum gefühlt bekanntesten Griechen seit Sokrates gemacht. Der Volkswirtschaftler mit Ausbildung an den Universitäten von Essex und East Anglia, der später an der britischen Elite-Uni Cambridge, sowie an den Universitäten von Sydney, Glasgow, Louvain und Athen als Professor lehrte, wird in den deutschen „Qualitätsmedien“ gerne als „Popstar“ lächerlich gemacht – obwohl er die meisten Berufspolitiker in der EU in Sachen Fachwissen klar deklassiert.

Varoufakis wäre mit seiner Expertise natürlich vor allem ein veritabler politischer Gegner für den Anführer der Anti-Griechen in der EU, den Juristen Dr. Wolfgang Schäuble – wenn sich Schäuble nicht darauf verlassen könnte, dass nur er und nicht auch Varoufakis mit seinen Ansichten in Deutschland zu Wort kommt.

Wieder einmal sorgen ARD, ZDF, die Bild-Zeitung sowie die anderen üblichen Verdächtigen in den Medien dafür, dass die offizielle Linie wie gleichgeschaltet über alle Kanäle an die Bevölkerung gesendet wird.

Das ist zum Beispiel zu sehen in „Schäuble – Macht und Ohnmacht“ ( https://www.youtube.com/watch?v=o0xRe… ), eine staatstragende ARD-Doku, deren Inhalt durch das KenFM-Interview korrigiert und ergänzt wird, sowie hier mit Schäubles Pitbull und Lautsprecher Rolf-Dieter Krause ( https://www.youtube.com/watch?v=N2VNG… ) und hier im Überblick ( http://www.nachdenkseiten.de/?p=24809 ).

Die Effekte der unheiligen Allianz von „Bild“ (Unverschämte Griechen, faule Griechen, reiche Griechen) und dem Rest der Medien werden hier sichtbar:
http://www.tagesspiegel.de/politik/um…

In den USA hingegen haben sich Wirtschafts-Nobelpreisträger wie Paul Krugman oder Josef Stiglitz – selbst in den dortigen Leitmedien! – vehement gegen Schäuble und für Varoufakis geäußert.

Joseph Stiglitz spricht im Nachrichtenmagazin „Time“ davon, dass mit Schäubles Politik Griechenland von Deutschland zum zweiten Mal nach dem 2. Weltkrieg zerstört wird.
http://readersupportednews.org/opinio…

Paul Krugman schreibt in der New York Times, dass an der griechischen Lage in erster Linie der Euro schuld sei – eine Analyse, die Varoufakis ähnlich auch in unserem KenFM-International-Interview mit Dirk Pohlmann vertritt.
http://www.nytimes.com/2012/06/18/opi…

Weiterführend verlinkt der Vorschlag der europäischen Linksparteien „Plan B“, und die Webseite von Yanis Varoufakis mit hochinteressanten Artikeln.
http://www.neues-deutschland.de/artik…
http://yanisvaroufakis.eu/

Die Alternative zum deutschen Medien-Einheitsbrei läuft auf KenFM. Ein Interview, in dem Yanis Varoufakis selbst zu Wort kommt und seine Argumente nicht nachträglich „senderkompatibel“ (regierungsgenehm) so lange verfälscht und kommentiert werden, bis Varoufakis selbst für Varoufakis nicht mehr erkennbar ist.

11 Kommentare zu: “The Missing Link to Yanis Varoufakis – KenFM-Interview von Dirk Pohlmann

  1. Es macht mich nicht nur als Grieche, sondern auch als Mensch außerordentlich traurig und wütend zugleich, dass man solch eine gesellschaftliche Katastrophe gewissenslos forciert, nur um die Nächsten, welche schon in den Startlöchern stehen( Spanien, Italien, Portugal usw.), den Wind aus den Segeln zu nehmen, beziehungsweise die Linksbewegung in den Ländern zu ersticken…
    Varoufakis einziger komischer Beigeschmack sind seine USA symphatisierenden Aussagen oder wenn er eben emphatisch von den Vereinigten Staaten von Europa spricht…
    Alles andere an ihm ist so authentisch, wie man es sich von jedem Politiker nur wünschen könnte.
    Ein Mann der klaren Worte, mit einem sehr fundierten Wissen, historischer und ökonomischer Art.
    Ist es nicht das rhetorische Rumgeschwafel, das Antworten ohne die Frage zu berücksichtigen, das Abschirmen von der Öffentlichkeit in abgedunkelten Limousinen, natürlich stets der Schlips mit Krawatte am Sitzen, einfach diese komplette Art und Weise der Politiker, welche sie so unnahbar und unverständlich für uns macht? Varoufakis ist genau das Gegenteil von all dem, und noch Vielem mehr, doch nur ER wurde für genau das alles diffarmiert und kritisiert. Unseriös, schlampige Wortwahl/ respektlos…aber wie er selbst sagt im Interview, es ist halt nicht einfach mit Kritik umzugehen, vor allem von einer Linken Regierung und vor allem, wenn man es nicht gewohnt ist, auch mal kontra zu bekommen und dann auch noch geraderaus.
    Danke euch, dass ihr ihm die Möglichkeit gegeben habt frei und ausgiebig zu reden!
    Und danke für die Berge , die über KenFM in Griechenland versetzt werden und an alle Spender!

    • Varoufakis ist nach meinem bescheidenen Eindruck sicher ein intelligenter und origineller Redner und Talkshowgast. Langweilig sind Diskussionen mit ihm wohl sicher nicht. Aber ist das ein `Haupt-Kriterium für einen guten Politiker?
      Politisch finde ich ihn aber fragwürdig wie die ganze ‚Linke‘ in Griechenland.
      Was ist das eigentlich für eine Linke, die
      – keine Anstalten macht, überhaupt eine Sozialhilfe einzuführen
      – stattdessen von ‚Grundeinkommen‘ redet, das auch Reichen zukommt, aber von Armen bezahlt würde
      – nichts gegen die Wehrpflicht macht (gut, da überschätze ich wohl Linke generell, Kommunisten sind in aller Regel massiv PRO Wehrpflicht)
      Etc. – und dann schiebt diese Regierung ihr Versagen auch noch auf die EU – dabei ist Griechenland jetzt deutlich reicher als in den Vor-EU-Zeiten (bzw. deutlich weniger arm..).

    • haben sie sich mal die wirtschaftszahlen anderer EU Länder angeschaut?

      die baltischen Länder z.B.

      – bevolkerungsrückgang
      – über 60% import Quote im Bezug zum BIP
      – ständiger Import Überschuss bei allen dreien
      – binnen Nachfrage bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum nahezu konstant

      oder Irland
      – niedrigste unternehmensbesteuerung in ganz Europa und das wurde nach der Bankenkrise durchgesetzt.

      dämmerts? das sind alles Kandidaten für den nächsten exit…von Spanien , Portugal und co. ganz zu schweigen….

      die Volkswirtschaften Europas kann man im Prinzip nach deren Verfall quantifizieren…Anfangsstadium- Endstadium….

      „Griechenland ist reicher als vorher“- ja Reichtum hat für jeden einen anderen wert- Herr kanellos…

    • @ Michael kanellos
      Jeder hat ja bezüglich Allem seine subjektiven Vorstellungen…mich würde interessieren, welche Hauptkriterien Ihrer Meinung nach zu einem guten Politiker gehören?
      Ich kann nur noch mal für mich sagen, dass ich super damit Leben kann, wenn Politiker klare, keinen Raum für Zweifel übrig lassende Sparche verwenden. Wenn Sie im Interview zugehört haben mit welchen, teilweise unerklärlichen, keinen Sinn ergebendenden Ereignissen und Antworten, seitens der Eurogruppe und der Troika sowieso, es diese linke griechische Regierung zu tun hatte, dann finde ich es nur menschlich, wenn da auch schon mal direkter wird. Eigentlich passt eher der Terminus „this is something to rebell on“.
      Bezüglich dem reicheren Griechenland nach dem EU-Beitritt…am Reichsten vor Allem, in den ca fünf Jahren vor der Krise.
      Ich sag nur faule Kredite, unsere amerikanischen Freunde können da n Liedchen von singen. Jeder hat für alles und wenn er geschickt war so viel er wollte von den Banken hinterhergeschmissen bekommen. Meine streng orthodoxe Oma, eine liebe Seele, hat den Bankbeamten nach dem 10ten terrorisierenden Anruf angeschrien am Telefon, dass sie deren scheiß Kredit nicht haben will und nein, ihr Sohn sei auch verdammt nochmal nicht interessiert.
      Es tut mir leid, aber ich schweife etwas aus, weil es soviele Dinge sind, so viele Beispiele, die zb in Deutschland nicht in geringster Weise im Bewusstsein der Menschen ankommen können. Weil es schlichtweg niemand berichtet. Ein Bekannter von uns aus dem knapp 800 Seelen Dorf meiner Oma, hat ein traditionelles griech. Kafenio, alte Leute trinken zwei Kaffee und spielen den ganzen Tag Backgammon…Umsatz kann sich jeder vorstellen…er hat ein paar Monate investieren müssen, um mit der Bank zu verhandeln, letztendlich war alles in trockenen Tüchern und er war kurz davor 250000€ zu bekommen…dann kam Papandreou und verkündete Griechenland sei Pleite…den Rest kennt denke ich jeder….der Reichtum war das, was wir alle zurückgezahlt haben, damit diese scheiß Banken ihr Geld plus Zinsen bekommen, für Geld was bekannterweise nie wirklich ihres war, sondern erst im Moment der Kreditvergabe in irgend nen pc kreiert wurde.

    • Herr varoufakis ,
      war an echten Lösungen interessiert, da war er der einzige ….von dem ganzen Pack…

      solche Leute wie er haben in der Politik keine Chance.

      das selbst tsipras vor diesen kapitalhaien im land sowie europas kapituliert, konnte man fast erwarten, aber nicht hoffen.

    • @ Michael Kanellos
      Interessant wäre es zu erfahren, was Ihrer Meinung nach ein guter Politiker ist?
      Um es kurz nochmal zusammenzufassen…meiner Ansicht nach sollte ein Politiker nicht abgehoben sein, sich voll und ganz als Diener des Volkes betrachten, eine Sprache sprechen, welche für Jedermann verständlich ist und allgemein sich nah am Volk bewegen. Ein fundiertes Allgemeinwissen und spezifisches Fachwissen in seinem Hauptgebiet natürlich sowieso.
      Das ist nun eine sehr idealistische Darstellung von mir. Keine Frage!
      Und ich möchte Herrn Varoufakis jetzt nicht als Gottheit darstellen oder als perfekt, denn niemand ist das.
      Ich meine jedoch, dass bei ihm, von der Grundeinstellung her, viele der von mir angesprochenen Punkte erfüllt sind.

      Was sie da jetzt angesprochen haben, bzgl. Sozialhilfe etc. …
      Dazu kann ich nur sagen oder wiederholen, was Tsipras und Varoufakis auch schon in diversen Beiträgen so geschildert haben.
      Nämlich, dass in der kurzen Zeit von effektiv sechs Monaten, von denen, sag ich jetzt mal gefühlt vier Monate mit ständigen Verhandlungs- und Rechtfertigungsrunden und die Vorbereitung darauf gefüllt waren, es schier unmöglich war auch wirkliche Innenpolitik zu betreiben.
      Die Vorgänger haben über Jahre hinweg so viel verhunzt, dass alleine das Daten sammeln, die Dinge die nötig waren um einen repräsentativen Status Quo zu ermitteln, sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat.
      Diese Bestandsaufnahme wurde durchgezogen, neben den ständigen Verhandlungen, und Varoufakis sagt es ja auch im Interview, wie sie eine Liste mit hunderten Oligarchen erarbeitet haben, von denen man immense Steuern hätte generieren können…was beim Vortragen vor Eurogruppe und Troika dabei rauskam, wird ebenfalls von ihm geschildert.
      Und ohne eine Zusammenarbeit von den Oligarchen mit der Troika zu unterstellen, ist die Feststellung, dass immer nur gedroht wurde, bei nicht Einführung der Steuererhöhungen und Rentenkürzungen und nie damit, dass diese Oligarchen zur Rechenschafft gezogen werden müssten, doch irgendwie gegen jede Logik. Oder was meinen Sie?
      Und in den Medien wurde unter anderem damit gewettert, dass Griechenland nicht fähig sei, seine Oligarchen zu besteuern und sein Geld einzutreiben. Dabei war das während dieser sechs Monate ein Hauptaugenmerk der Tsipras Regierung, mit verwertbaren Resultaten.
      Sie wurden jedoch erstickt und weiter mit dem nächsten Thema….
      Wie Sie nun darauf kommen zu sagen, Griechenland sei reicher als vor der EU…keine Ahnung wie Sie das begründen??? Mag zwar etwas weit hergeholt, aber meiner Ansicht passen die Vergleiche ganz gut…
      Wenn Sie Menschen in der Ukraine, einfache Bürger, welche über Jahre hinweg koexistierten mit den Russen, fragen, wann war Ihr Leben schöner, vor oder nach dem Putsch(Krieg)? -Die Antwort wird eindeutig sein. Oder die Menschen in Syrien fragen, war die Zeit unter Assad besser oder nach den demokratieschaffenden Feldzügen gegen diesen “grauenhaften Diktator“?
      Wenn Sie einen einfachen Bürger in Griechenland fragen, wann es ihm besser ging, zu Drachmen oder zu Euro Zeiten, wird die Antwort ebenfalls ganz klar sein.
      Es gibt da draußen allerdings den vierten Arm der Regierung, den wir als unabhängige Medien kennen, der dafür sorgt, dass gerade in den gebildeten, wohlhabenden, kaptalistischen Nationen, die Menschen, und dazu muss ich Sie leider dazuzählen Herr Kanellos, vom kompletteten Gegenteil überzeugt sind, als die jeweils betroffene Bevölkerung.
      Ich hoffe es geht Ihnen ein Licht auf. Ich würde mich wirklich freuen, wenn Sie, so wie Herr Jebsen es auch unter anderem oft betont, sich erstmal ein ganzheitliches Bild machen, bevor Sie mit dem Kummer und dem Leid und der Machtlosigkeit, einer zum Vorführen kaputtgewirtschafteten, stolzen Nation spielen, durch solche Kommentare die auch aus der BILD stammen könnten. Ich möchte mich entschuldigen,wenn Sie sich persönlich angegriffen fühlen…
      Es ist eben dieser Kummer bezgl. meines Landes, der aus mir spricht.

  2. Klasse Interview! Ich würde mir wünschen, dass solche Interviews, gerade auch zum aktuellen Geschehen in der EU, viel früher mit entsprechenden Leuten geführt werden, um dem permanent falschen Bild, welches unsere Medien entstehen lassen, massiv entgegen zu wirken.

  3. Sehr aufschlussreich! Interessant wie Europa hinter den Kulissen regiert/gelenkt wird. Die Berichterstattung der Öffentlich-rechtlichen ist/war in dieser Sache völlig unzulänglich und sehr einseitig. Kann dieses Interview nur weiterempfehlen.

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