Mount Trump kreißte und das soll eine Maus sein?

von Willy Wimmer.

Soviel Tam-Tam vor einer Rede des amerikanischen Präsidenten Trump war selten. Es soll, so hieß es schon letzten Sonntag, etwas sein, das klare Wege und Strategien für das geschundene Land und die Billionen Dollar/ Euro, die dort seit 2001 versenkt worden sind, aufzeigen soll. Und nun das?

2007 machte der afghanische Präsident klar, was 2004 die Stunde geschlagen hatte: alle afghanischen Stämme hatten den USA das Angebot gemacht, auf Dauer die Waffen niederzulegen und mit dem ewigen Bürgerkrieg aufzuhören. Die USA haben laut Präsident Karzai seinerzeit dieses Angebot schnöde ausgeschlagen.

Jetzt das, was Präsident Trump in Washington angekündigt hat: Abzug der amerikanischen Truppen aus diesem Land, das global als der „Friedhof der Imperien“ bezeichnet wird. Aber, man wolle als Sieger gehen und vorher noch Pakistan an die Kandarre nehmen. Wie das? Man hatte eine formidable Streitmacht in Afghanistan zur Hand. Jetzt sollen rund 8000 Soldaten das richten, was eine Armee von mehr als 90 000  nicht vermochte? Alle Imperien, die dieses Land unter ihre Krallen bekommen wollten, wurden geschlagen. Der berühmte englische Schriftsteller Kipling hat beschrieben, wie es den Modell-Imperialisten aus London ging. Nur einer ihrer Soldaten konnte sich bei der Flucht retten. Will Präsident Trump dieser Perspektive dadurch entkommen, daß er den Taliban die Regierung in Aussicht stellt?

Die einzigen, für die Afghanistan das „gelobte Land“ auf Ihrem Rückzug gewesen sind, waren deutsche Soldaten in zwei Weltkriegen, die ihren englischen Verfolgern entkommen konnten oder wollten.

Deutschland muß an seine Soldatinnen und Soldaten denken, zuallererst.

Jetzt wird sich beweisen, ob die Zusagen vor dem deutschen Einsatz und der späteren Kriegsbeteiligung in Afghanistan das Papier wert sind, auf das sie geschrieben worden waren. Hoch und heilig haben die Bundesregierung Schröder/Fischer und Hindukush-Struck versichert, daß die Vereinigten Staaten die deutschen Kräfte mit Lufttransport aus Afghanistan herausholen würden, sollte es darauf ankommen. Und jetzt? Wie sieht der Zeitplan für die Ministerin Dr. von der Leyen aus, diese für unser Land wichtigsten Fragen mit den Vereinigten Staaten zu besprechen und Ergebnisse zu erzielen? Oder zählt Deutschland zu den NATO-Staaten, die angeblich für das, was Präsident Trump für eine Strategie hält, ein größeres Kontingent zur Verfügung stellen?  Welche Verhandlungen wird die Bundeskanzlerin mit der Russischen Föderation führen, um die deutschen Truppen aus Afghanistan heraus zu holen? Rußland hatte diese Hilfe zu Beginn des Afghanistan-Einsatzes in bemerkenswerter Weise geleistet. Es ist zwingend geboten, neben den vordringlichen Maßnahmen zu einer Truppenrückführung, den gesamten Krieg in Afghanistan seitens der NATO und der deutschen Bundesregierung einer substantiellen Untersuchung zu unterziehen. Dabei sind die Rechtsgrundlagen nach dem NATO-Vertrag ebenso zu berücksichtigen wie die tatsächliche Beschlußlage seitens des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, die Methoden des Einsatzes und die Folgen für Afghanistan und Deutschland.

Der amerikanische Einsatz in Afghanistan fing mit einem Massenmord an.

Vor dem Angriff der Vereinigten Staaten auf die Taliban als damalige Herrscher in Afghanistan kam es zu umfassenden Absprachen zwischen den Vereinigten Staaten und den Drogenbaronen in Afghanistan. Damit sollte nach dem Sizilien-Modell aus dem Jahr 1943 ein erfolgreicher Einmarsch in Afghanistan sicher gestellt werden.

Der Westen hat ein Leichentuch des Schweigens über die Massenmorde in Shebergan im Norden Afghanistans gelegt, als tausende Menschen in Container gepfercht und durch Maschinengewehrsalven ermordet worden sind. Es ist jetzt endlich  die Aufgabe des am amerikanischen Finanztropf hängenden Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, die ungeklärten Massenmorde in Afghanistan und die mögliche Verwicklung westlicher Streitkräfte in diese Mordaktionen zu untersuchen. Oder hat der Präsident für die militärische Präsenz am Hindukush nur eine weitere Endlos-Schleife eingelegt?

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

Willy Wimmer war Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE 1994-2000 und Leiter der deutschen Delegation bis 2009.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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2 Kommentare zu: “Mount Trump kreißte und das soll eine Maus sein?

  1. Ich erwarte nicht, dass sich die VSA aus Afghanistan zurückziehen werden. Wenn die offiziellen Soldaten rausgehen, kommen durch die Drehtür ihre verdeckten Söldner rein, die dafür sorgen, dass die eigenen Interessen vertreten und die der chinesischen Investoren zertreten werden – das geht verdeckt ja besser als öffentlich mit einer Armee.

  2. Anbei einige Artikel von GlobalResearch zum Thema:

    Trump’s Betrayals, Military Escalation in Afghanistan
    By Karin Brothers

    In early August, 2017, Donald Trump expressed outrage that Afghanistan had entered into an agreement with China to develop Afghanistan’s rare minerals. Given the years of “blood and treasure” that the U.S. had spent in fighting the Taliban, he fumed, how could the U.S. allow other countries to make valuable development deals with the Afghan government? The problem was that Afghanistan was supposed to be sovereign, and not under U.S. control.
    (…)
    Citing the disproven implication of Afghan responsibility for 9/11 (which he had earlier derided, claiming that if he were elected “you will find out who really knocked down the World Trade Center”), Trump’s address on Afghanistan signaled massive betrayals of human rights, including:
    http://www.globalresearch.ca/trumps-betrayals-military-escalation-in-afghanistan/5605330

    Blackwater Founder Seeks Privatization of Afghan War
    By Ulson Gunnar

    Featured image: Drug production rates in Afghanistan have been skyrocketing every since Washington invaded that country.

    In an interview titled, “Blackwater Founder Backs Outsourcing Afghan War-Fighting to Contractors,” Prince would defend his proposal for the creation of an “American viceroy” in Afghanistan, consolidating and overseeing all US operations in the country.

    He would also suggest replacing US troops with private mercenaries who he claimed would operate inside Afghan units, noting that some 25,000 contractors are already present in Afghanistan. When asked if his current private military contracting company, Frontier Service Group (FSG), would be interested in bidding on contracts that might materialize out of his proposal, he responded by saying, “absolutely.”

    Steve Inskeep, who conducted the interview, noted that Prince’s proposal for an “American viceroy” overseeing what is essentially a private army inside of Afghanistan resembled very closely Imperial Britain’s colonial administration of India, an administration that carved out personal fiefdoms for influential British businessmen and lords, and emptied out India’s wealth into British coffers.
    (…)
    Back in Reality…

    Unfortunately for Prince and others attempting to propose the privatization of the Afghan war, Afghanistan already is a safe haven for terrorists. Al Qaeda had only a nascent presence there before the US invasion in 2001. The Islamic State, in its current form, did not even exist.

    Both organizations flourish not because of a lack of US troops in Afghanistan, Syria or Iraq, but precisely because US foreign policy has turned its attention toward each nation and has intentionally used both terrorist organizations as proxies.
    http://www.globalresearch.ca/blackwater-founder-seeks-privatization-of-afghan-war/5605382

    Trump Continues Failed Military Policy in South Central Asia
    Afghanistan occupation has lasted for sixteen years leaving death and destruction
    By Abayomi Azikiwe

    Badly damaged from the political fallout surrounding President Donald Trump’s posture towards white nationalists and neo-fascists, the forty-fifth head-of-state has now shifted his focus toward war policy in Afghanistan and Pakistan.

    With the 16th anniversary of the United States and NATO occupation of Afghanistan coming up in October, Trump has sought to justify the escalation of the war in the aftermath of decades of Washington’s failure dating back to the destabilization of the Socialist government of the 1970s and 1980s. It was during this period that the U.S.-backed Islamist groups opposed the People’s Democratic Party (PDP) which oversaw social advances inside Afghanistan involving land reform, the rights of women and the maintenance of a secular state.
    http://www.globalresearch.ca/trump-continues-failed-military-policy-in-south-central-asia/5605365

    Zum Schluß Herr Meyssan und wie er diese Chaos-Politik in einem größeren Zusammenhang einordnet:

    Das militärische Projekt der Vereinigten Staaten für die Welt
    von Thierry Meyssan

    Während alle Experten sich einig sind, dass die Ereignisse in Venezuela dem gleichen Muster wie in Syrien folgen, haben manche den Artikel von Thierry Meyssan beanstandet, indem sie die Unterschiede in der Auslegung der Präsidenten Assad und Maduro betonten. Unser Autor antwortet ihnen. Es geht hier nicht um einen Spezialisten Streit, sondern um eine grundlegende Diskussion über die historische Wende seit dem 11. September 2001 und die unser aller Leben bestimmt.
    Voltaire Netzwerk | Damaskus (Syrien) | 22. August 2017
    (…)
    Das US-strategische Denken

    Seit 70 Jahren war die Obsession der amerikanischen Strategen nicht, ihr Volk zu verteidigen, sondern ihre militärische Überlegenheit über den Rest der Welt zu bewahren. In den zehn Jahren nach der Auflösung der UdSSR bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 suchten sie nach Wegen, um jene einzuschüchtern, die ihnen Widerstand leisteten.

    Harlan K. Ullman entwickelte die Idee die Bevölkerungen zu terrorisieren, indem man ihnen einen großen Schlag auf den Kopf verabreichte (Shock and awe, Schock und Schauer) [1]. Im Idealfall war es der Einsatz der Atombombe gegen die Japaner, in der Praxis, die Bombardierung Bagdads durch einen Schwarm von Marschflugkörpern.

    Die Straussianer (d.h. die Anhänger des Philosophen Léo Strauss) wollten mehrere Kriege zugleich führen und gewinnen (Full-spectrum dominance Vollspektrum-Dominanz). Es waren also die unter einem gemeinsamen Kommando geführten Kriege von Afghanistan und Irak [2].

    Admiral Arthur K. Cebrowski befürwortete die Reorganisation der Streitkräfte, um eine große Datenmenge gleichzeitig zu bearbeiten und zu teilen. So könnten Roboter eines Tages sofort die beste Taktik vorschlagen [3]. Wie wir sehen werden, haben die tiefgreifenden Reformen, die er initiiert hatte, schnell begonnen giftige Früchte zu produzieren.
    (…)
    Barnett behauptete, damit die Vereinigten Staaten ihre Hegemonie auf der ganzen Welt beibehalten könnten, sollten sie „die Lage gut einschätzen“, das heißt, sie in zwei Teile aufspalten. Auf der einen Seite, die stabilen Staaten (G8-Mitglieder und ihre Verbündeten), andererseits der Rest der Welt, als ein einziges Reservoir an Naturschätzen. Anders als seine Vorgänger hielt er den Zugriff auf diese Ressourcen für Washington nicht mehr für so unverzichtbar, behauptete aber, sie sollten für die stabilen Staaten nur über die Dienste der amerikanischen Armeen zugänglich sein. Es sollten daher systematisch alle Staats-Strukturen in diesem Ressourcen-Reservoir zerstört werden, damit niemand eines Tages gegen den Willen von Washington, oder direkt mit den stabilen Staaten, Handel betreiben könnte.
    (…)
    Der amerikanische Neo-Imperialismus setzt voraus, dass die anderen G8-Staaten und ihre Verbündeten zustimmen, dass ihre Interessen im Ausland durch die US-Streitkräfte „geschützt werden“. Wenn das auch kein Problem mit der Europäischen Union ist, die bereits seit sehr langer Zeit entmannt ist, wird dies wohl mit dem Vereinigten Königreich diskutiert werden müssen, und wird mit Russland und China unmöglich sein.

    Unter Hinweis auf die „besondere Beziehung“ mit Washington hat London bereits verlangt, dem US-Projekt zur Weltherrschaft anzugehören. Es war der Sinn der Reise von Theresa May in die Vereinigten Staaten im Januar 2017, aber sie hat keine Antwort bekommen [10].

    Darüber hinaus ist es undenkbar, dass die US-Streitkräfte die Sicherheit der „Seidenstraße“ garantieren, wie sie es heute mit ihren britischen Partnern für maritime- und Luftwege machen. Ebenso ist es undenkbar, Russland in die Knie zu zwingen, das übrigens gerade wegen seinen Engagements in Syrien und auf der Krim aus dem G8 ausgeschlossen wurde.
    http://www.voltairenet.org/article197540.html

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