Nach G7 ist vor G20

Manipulation als Mittel der Massenbeherrschung

von Bernhard Trautvetter. 

Erich Fromm schieb im Vorwort zu Alexander Neills Buch über die antiautoritäre Erziehung: „Unser Wirtschaftssystem braucht Menschen, die seinen Geboten gehorchen, Menschen, die widerspruchslos mitmachen, Menschen, die immer mehr konsumieren wollen.
Es muss sich Menschen schaffen, deren Geschmack genormt ist, die sich leicht beeinflussen lassen, deren Bedürfnisse im voraus berechnet werden können. Unser System braucht Menschen, die glauben, sie seien frei und unabhängig, aber alles tun, was man von ihnen erwartet, Menschen, die sich der Gesellschaftsmaschinerie reibungslos einfügen, die ohne Gewaltanwendung gelenkt, ohne Führer geführt und ohne Ziel dirigiert werden können – es sei denn dem einen, es „gut“ zu machen.“

Genau das erleben wir:

Die Öffentlichkeit ist Trump-kritisch und damit für vieles von dem gewinnbar, was die Neoliberalen und NATO-Getreuen in den europäischen Mainstream-Parteien von Konservativ bis Grün vertreten: Trump poltert herum, die Westdeutsche Allgemeine kommentiert: „Würdeloser Ego-Trip“. Jetzt stehen alle anderen gut da.

Unsicherheitspolitik

Beim G7-Treffen und beim NATO-Gipfel rüttelte niemand am Ziel, die Militärausgaben auf zwei Prozent der Wirtschaftsleistung zu begrenzen. Alle vergiften die Bewusstseinslage der Bevölkerung im Westen mit der Meinung, das Ziel mag vielleicht im Moment noch nicht umzusetzen sein, es ist aber berechtigt. Die Begründung, Russlands Militärpolitik erzwinge diese Last, hält den Fakten nicht Stand. Russland gibt nach dem renommierten Friedensforschungs-Institut SIPRI weniger für Rüstung aus, als der NATO-Partner Saudi-Arabien. Die NATO verantwortet zudem bereits jetzt über 2/3 der Welt-Rüstungsausgaben. 1.700 Milliarden Weltrüstungsausgaben können weder der Planet Erde noch die Menschheit verkraften. Ohne Abrüstung  sind die sozialen und ökologischen Herausforderungen für die Menschheit nicht zu bewältigen. Die Militärs, allen voran die NATO, machen die Welt mit ihrer so genannten „Sicherheitspolitik‘“ immer unsicherer. Wenn Trump poltert, haben die „moderaten“ Militaristen und Manipulierer es leichter.

Klimaverschlechterung

Trump „poltert“ gegen das Pariser Klima-Schutz-Abkommen. Entsprechend seiner Haushaltspolitik sieht sein Budget-Entwurf eine Kürzung der Mittel der US-Umweltschutzbehörde um ein Fünftel vor. In einem Twitter-Text vom 6.11.2012 schrieb Trump bereits passend zu seiner heutigen Position, der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen, um die Wettbewerbsfähigkeit der USA zu untergraben. Nun stehen die politischen Kräfte gut da, die das Pariser Abkommen zum Klimaschutz verteidigen. Das Klimaschutzabkommen von Paris bedeutet konkret, dass die Staaten ab 2050 eine klimaneutrale Ökonomie erreicht haben wollen, um die Erwärmung des Weltklimas auf 1,5 0C zu begrenzen. Kritik am Pariser Abkommen kam unter anderem vom Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung Schellnhuber: „Nun also das 1,5-Grad-Ziel, allerdings: Es scheint eine hohle Formulierung zu sein. ‚Man muss fragen, ob der restliche Text dafür sorgt, dass diese Ambitionen auch umgesetzt werden‘, sagt Schellnhuber und ergänzt sofort: ‚Nicht ausreichend.‘ In Schulnoten übersetzt wäre das eine glatte Fünf. Sein Kollege Kevin Anderson wird wesentlich drastischer. Er höre oft, das Abkommen werde ein Manifest des grünen Wachstums, eine Win-Win-Situation. ‚Aber für wen? Für die reichen Staaten der nördlichen Hemisphäre, die viele Klimagase emittieren. Für die armen, nicht-weißen Menschen in der südlichen Hemisphäre ist der momentane Text irgendwo zwischen gefährlich und tödlich‘, sagte Anderson, stellvertretender Direktor des Tyndall Centre for climate change research in Manchester. Für ihn ist das bisherige Abkommen sogar schlechter als das von Kopenhagen von 2009, das als gescheitert galt. Anderson bezog das vor allem darauf, dass die Rolle der Wissenschaft geschwächt worden sei und Flugverkehr und Schifffahrt nicht mehr erwähnt werden.“ [taz, 11. 12. 2015]

Die Inszenierung der Konflikte auf Trumps Reise zur Nato und zu G 7 nach Italien wäscht nun eine inkonsequente Ökologie-Politik weiß, für die die Menschheit mit zunehmender Wahrscheinlichkeit auch keine Zeit mehr hat, wenn sie den Prozess der Klimaentwicklung zwischen zurückgehenden Polkappen, aufweichenden Permafrost-Gebieten, übersäuerten Meeren, El Nino und weitere ungewöhnlich massive Wetter-Katastrophen, Wüstenausdehnung, Gletscher-Rückzüge weltweit ect. nicht komplett außer Kontrolle geraten lassen will.

Bekämpfung von Flüchtlingen

Das Abschlussdokument der G7-Verhandlungen von Italien beinhaltet unter der Prämisse «geordnete Zuwanderung» die Formulierung „Wir bestätigen die souveränen Rechte der Staaten (…), ihre Grenzen zu kontrollieren“.

Wie perfide das ist, wurde in Obamas Worten auf dem Kirchentag klar, als er die Flüchtlingspolitik Deutschlands in der Zeit der Willkommenskultur lobte, um dann anzufügen, man sei ja als verantwortlicher Politiker in der Staatsführung verpflichtet, die Aufnahme-Ressourcen eines Landes nicht überzustrapazieren. Das bedeutet, die westliche Welt hat zwar mit den Kriegen in Afghanistan, Irak, Libyen, Somalia, Syrien, usw. ein Gewaltchaos herbeigeführt, in dem Staaten zerfallen und aus dem Menschen vor allem aus den Todeszonen fliehen, sie will aber keine Verantwortung für die Folgen dieser Gewaltexzesse übernehmen. Sie bekämpft die Fluchtursachen mit Grenzkontrollen, die das Mittelmeer zum Massengrab verwandeln, und sie kippt in den Kriegsgebieten weiter Waffen und Soldaten ‚ins Feuer‘ für Öl und andere Interessen. Die europäische Abschottungspolitik gegen die Konsequenzen auch ihrer Kriegsbeteiligung, wird hier weich gewaschen, weil man auf Trump verweisen kann, der damit noch skrupelloser umgeht.

Der Freiwild-Handel

Das Paris-Abkommen steht in einem Spannungsverhältnis zur neoliberalen Freihandelspolitik der imperialen Mächte, die zwar freien Fluss der Waren, des Geldes, teils auch der Waffen und Kapitalinvestitionen verfolgen, das aber nicht für Menschen in gleichem Maße gelten lassen. „Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz (…) warnte, dass diese durch ihren Einsatz (A. Merkel und B. Obama) für das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP (…) genau die Politik untergrabe, die für einen erfolgreichen Klimaschutz notwendig sei. Treibhausgasemissionen, deren Kosten nicht von ihren Verursachern getragen werden, produzierten soziale Kosten, die ökonomisch gesehen wie Subventionen für die Unternehmen wirken, die sie verursachen. Solange Unternehmen nicht für die Umweltschäden aufkommen müssen, die sie auslösten, sei kein fairer Handel möglich. TTIP schaffe für Unternehmen weitere Möglichkeiten, gegen solche Maßnahmen vorzugehen. So räumten die bei TTIP vorgesehene Streitschlichtungsverfahren Unternehmen explizit die Möglichkeit ein, Staaten für Umwelt- und Klimaschutzgesetze vor internationalen Schiedsgerichten zu verklagen, was dazu führen würde, dass sich keine ambitionierten, sondern die jeweils niedrigsten Umweltschutzstandards durchsetzten.“

G 20 und Alternativgipfel, Aktionstag und Gegendemonstration

Die neolioberale und militärische Politik erfährt ihre nächste Propaganda-Show auf dem G20-Gipfel in Hamburg. Dagegen werden die Friedens-, Umwelt-, Gewerkschafts- und Menschenrechts-Bewegungen Aktionen der Aufklärung und des Protests entfalten:

Alternativgipfel (5./6. Juli)
zum Aktionstag (7. Juli)
zur Großdemonstration (8. Juli)

weitere Infos hier.

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Textes.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

9 Kommentare zu: “Nach G7 ist vor G20

  1. Herr Bernhard Trautvetter,

    was Wissen Sie von Meteorologie und Klimatologie, dass sie es in Ihre Artikel einbauen?
    Wenn Sie keine Ahnung haben , sollten Sie sich das Wissen aneignen, denn sonst befordern Sie die gemachte Katastrophe.

    Ken und sein Team haben einfach keine Ahnung von Meteorologie und deshalb übernehmen sie einfach das, was als vermeintliche Wissenschaft alltäglich geprädigt wird.

    KenFM ist in vielerlei Hinsicht brilliant und eine leuchtende Fackel, wenn auch noch klein, der medialen Freiheit.

    Am Thema der Klimakontrolle scheitert KenFM aber kläglich und befördert ungewollt die Propaganda und die Agenda der Klimakontrolleure.

    Der Klimawandel ist das Ergebnis der KLIMAKONTROLLE!

    Dieser Begriff, in Englisch „climate control“ wurde im Jahre 1960 geprägt und dessen Folgen wurden als „climate change“ benannt! Also, bitte setzt die Reihenfolge richtig und verbreitet nicht ahnungslos die Propaganda der Klimakontrolle!

    Hier ist der kommentierte Text und darin auch der Link zur Originalquelle!
    1960, #CIA Memorandum on #ClimateControl!
    http://geoarchitektur.blogspot.com/2017/02/1960-cia-memorandum-on-climate-control.html

    Wir sollten nicht über Symptome lamentieren, sondern die Ursachen hinterfragen, denn die Auswirkungen der Klimakontrolle sind gravierend.

    #Autism, #Cancer #Fibromyalgia #Psoriasis #MultipleSclerosis!
    http://geoarchitektur.blogspot.com/2017/08/symptom-orientation-autism-cancer.html

  2. Kleine Anmerkung zum Absatz mit den Rüstungsausgaben > Saudi-Arabien hat 2015 mehr als Russland ausgegeben, allerdings liegt bei den Zahlen von 2016 wieder Russland vor Saudi-Arabien.
    Entweder ist der Beitrag nicht aktuell oder dem Autor ist hier ein Fehler unterlaufen?
    Mit besten Grüssen

    • Lieber Tom, laut >Welt< vom 1.5.2017 über den Militäretat Riads "… liegt er immerhin noch bei 63,7 Milliarden Dollar" und ist damit in der Tat auf den Platz direkt hinter den von Russland gefallen. Aktuell war allerdings gerade Trump auf seiner ersten Auslandsreise als Präsident in Saudi Arabien und schloss einen Rüstungsdeal von 110 Milliarden(!) Dollar [FAZ 20.5.2017] ab.
      Das müssen wir in die Rechnung mit einbeziehen, meine ich. Danke für das Drängen auf Exaktheit. Ich war in der Tat an dieser Textstelle nicht umfassend präzise, habe nämlich Trumps Deal nicht mit in die Argumentation einbezogen.

  3. @Specht
    „Nun, er wurde wohl sicherheitshalber gleich ermordet, so gefährlich friedlich wie dieser Mitbürger war!“

    Man kann etwas gegen Dummheit, Ignoranz, Arroganz tun, aber niemals etwas gegen Dummheit, doch nur sie ist gefährlich!

    • falsch gelaufen…muss heißen:Man kann etwas gegen Hochnäsigkeit, Ignoranz, Arroganz tun, aber niemals etwas gegen Dummheit, doch nur sie ist gefährlich!

    • Die „jeusanischen“ Menschen sterben immer wieder für uns alle. Wenn wir mehr wären, dann könnte endlich und wirklich dieses Prinzip auf diesem Planeten heilsam wirken.

  4. Thema Tierhaltung und Klima gibt es nach wie vor nicht. Weniger tote Tiere essen? Wer so etwas fordern sollte hat sofort verloren…“wir lassen und doch nicht vorschreiben, was wir essen, IN EINER LIBERALEN GESELLSCHAFT! Wir sind so frei, dass wir auch die Verantwortung dafür übernehmen, dass wir den Planeten kaputt essen!“
    Auch Fliegen und Kreuzfahrschiffe, alles muss drin sein in der persönlichen Freiheit. Es gibt als ein Menschrecht auf Fleisch, Fliegen und Kreuzfahrt…

  5. Marikka Schaechtlin, die hier jetzt leider auch verblichen ist, schrieb zuletzt noch dieses Zitat von John Lennon, was mir auch zu diesem Text wieder spontan in den Sinn kam:

    „Unsere Gesellschaft wird von Verrückten geführt, für verrückte Ziele. Ich glaube, wir werden von Wahnsinnigen gelenkt, zu einem wahnsinnigen Ende, und ich glaube, ich werde als Wahnsinniger eingesperrt, weil ich das sage. Das ist das Wahnsinnigste daran.“

    Nun, er wurde wohl sicherheitshalber gleich ermordet, so gefährlich friedlich wie dieser Mitbürger war!

    • Liebe/r Specht, danke + Marikka bringt bei/in mir viel in Resonanz – etwa das: John sang in ‚Working Class Hero‘ u.a. auch: „…first you must learn how to smile as you kill.“
      Genau das können wir beobachten.
      Und es passt irgendwie auch zu dem Frank Zappa-Zitat, das Ken seinem letzten Beitrag hier voranstellt: „Politik ist die Unterhaltungsabteilung der Rüstungsindustrie“.
      Wer mit den Wölfen heult, läuft Gefahr, Beute zu werden. Ihrem Wahnsinn den Schleier vermeintlich realpolitischer Ulitma Ratio vom Januskopf zu entreißen und das dem zugrunde liegende Ultima Irratio ans Licht zu bringen, das ist wohl eine unserer Aufgaben, damit sie nicht mehr so ein leichtes Spiel haben, der Öffentlichkeit ein X für ein U vorzumachen.

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