Natascha

Zwischenwelten – von Sofia Lux.

Wenn sich der Tod in das Leben mischt, wird es stumm.

Jeder ist erstarrt, überwältigt von diesem Ereignis, das keiner, der hier und heute noch auf Erden wandelt, zu seinen Lebzeiten ganz begreifen kann.

Das jeden von uns an diese Grenze schubst, ohne uns zu fragen oder sich darum zu kümmern was es für uns bedeutet.

Man wird konfrontiert. Mit dem Tod. Und manchmal auch mit dem Sterben.

Natascha war 38 Jahre. Vor einer Woche noch floss Atem durch ihre Lungenflügel, öffneten sich die Augen im Krankenhausbett. Ihre zarten Beine waren dick und angeschwollen- Nebenwirkungen der Medikamente.

Sie ist gestorben. Letzten Dienstag. In einem Krankenhaus in Berlin.

Krebs.

Ich habe Natascha nie wirklich kennen gelernt. Nur Fetzen, Sätze über sie gehört. Einmal kurz am Telefon ihre Stimme vernommen, als ihr Freund mit einem Freund von mir eine Verabredung für einen gemeinsamen Bootsausflug planten- zu dem es nicht mehr kam.

„Sie sei krank“, habe ich gehört- zwischen Kaffee kochen und Brote schmieren. Sie hätte vor vier Jahren die Diagnose bekommen. Dann Chemo. Dann Hoffnung. Dann ihre Kraft voll Optimismus am Leben teilzunehmen. Sport zu treiben, sich um sich und ihren Körper zu kümmern, um „richtig“ zu leben und der Krankheit den Platz zu klauen, den diese sich nehmen wollte und schon längst genommen hat- ohne zu fragen. Ohne Rücksicht. Ohne Mitleid.

Die Zellen machen was sie machen. Und sie scheinen die Angst, das Erschüttern und innerliche Zerbrechen nicht zu hören. Oder sie ignorieren es. Weil es nicht wichtig für sie ist.

Es scheint die Seele getrennt vom Körper, der sich seinen Weg bahnt, ohne Unterbrechung, ohne Rast, ohne Liebe. Wie eine Maschine, teilen sich die Zellen, tauschen sie Stoffe aus, transportieren sie hin, lagern sie ab, scheiden sie aus, lassen sie durch, halten sie fest, fressen sie auf…

Ich habe öfter an Natascha denken müssen, denken wollen oder: an sie gedacht.

Ich hatte das Gefühl sie fühlen zu können, seitdem ich das erste mal von ihr erzählt bekam.

Ich habe keine Nachfragen gestellt zu ihrem Befinden. Es interessierte mich nicht, die wievielte Chemo sie hinter sich hatte, wie groß der Tumor war, ob sie Haare verloren oder ob der Krebs „gestreut“ hat.

All dies erschien mir irrelevant. Machte mich fast wütend, wenn diese „Fakten“ aus dem Labor an mein Ohr getragen wurden.

Lasst mich damit in Ruhe, habe ich gedacht. Aber vor allem: lasst sie damit in Ruhe. Lasst sie in Frieden, mit diesen absurden Daten.

Die Angst-Apparate-Medizin. Die schwarz und weiß kennt. Hop oder Top. Die NICHTS verstanden hat. Die Menschen sterben lässt in Krankenhäusern, wo die Putzkolonne anklopft während in Zimmer 501 ein Mensch diese Welt verlässt und ein anderer Abschied nimmt. Von etwas, dass vor ihm zerrinnt, das wegfließt, das er nicht halten kann…

Nichts als Verachtung bleibt übrig. Für dieses System der Unwahrheit. Der Kälte. Der Kittel in weiß. Der blauen Wände und der piependen Apparate.

Es ist mir egal, wie das Für und Wider „vernünftig“ oder „fair“ oder „politisch korrekt“ abgewogen wird.

Was bleibt ist die Kälte dieser Gemäuer. Vor der auch die Menschen im Innern des Hauses nicht fliehen können. Die sie mit einschließt in dieses System von Preis und Leistung. Von Effektivität und Medikamentenwahnsinn. Von Nebenwirkungen, die Tod und Krebs heißen, obwohl sie vorgeben Tod und Krebs zu verhindern.

Eine Irrenanstalt.

Es tut mir weh, Dich da zu sehen, Natascha.

Für mich bist Du eine Märtyrerin.
So wie jeder Mensch, der auf diese Weise sterben musste.
Warum?
Weil Du in diesem Kosmos von Missklang und Angst und Entfremdung, einfach nach Hause gegangen bist.

An den Ort, der frei von all dem ist.

An den Ort, der jedem von uns heimlich vertraut und unbekannt zugleich ist.

Du bist voraus gegangen. Und Du weißt: wir alle werden Dir nachfolgen.

Jeder zu seiner Zeit. Jeder auf seinem Weg.

Au revoir, Natascha.

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

13 Kommentare zu: “Natascha

  1. Wenn ich den Text von Sofia Lux lese, sehe ich meine verstorbene Frau vor Augen, die auch dieses Schicksal hatte wie Natascha.
    Trotzdem deckt sich dieser Text nur zum Teil mit meinen Erfahrungen.
    Menschen sterben nun mal und viele im Krankenhaus.
    Das alles dem System anzulasten, ist nicht richtig.
    „Von Nebenwirkungen, die Tod und Krebs heißen, obwohl sie vorgeben Tod und Krebs zu verhindern.“
    Es ist nicht so.
    Die Krankheit ist der Krebs und nicht die Nebenwirkung.
    Der Krebs ist nicht vernichtet worden und die Folge war der Tod.
    Das Chemo und die OP’s Viechereien waren – das sehe ich genau so.
    Wir haben auch alternative Methoden versucht – aber ohne Erfolg!
    Für das Krankenhaus muss ich aber eine Lanze brechen. (ist aber 10 Jahre her)
    Ich hatte als Ehemann immer Ansprechpartner. (wenn auch bei Ärzten mit Wartezeit – ist aber doch normal)
    Meine Frau hatte ein Zimmer mit 2 Betten, wo ich oder Freunde übernachten konnten.(kein Privatpatient)
    Die Schwestern nahmen sich Zeit, und arbeiten am Limit.
    Ich konnte mit meiner Frau (mit Rollstuhl) soweit es ging spazieren gehen.
    Eine uns bekannte Ärztin war jeden Abend bei ihr und machte Vorschläge für die Schmerztherapie, die auch beherzigt wurden.
    Matratzen wurden getauscht, um die Schmerzen zu lindern.
    Sicher – es wurde Vieles gemacht, weil ich jeden Tag mehrere Stunden vor Ort war und weil es ein relativ kleines Krankenhaus ist.
    Am Ende hat aber der Krebs gewonnen.
    Es fällt mir schwer, dem System allein die Schuld an dieser Krankheit zu geben.
    Das die Therapien nicht geholfen haben – an wem liegt das?
    An der Therapie! Aber was ist die Alternative?
    Das die „Die Angst-Apparate-Medizin. Die schwarz und weiß kennt. Hop oder Top.“ der Schuldige ist, das ist mir zu einfach. Apparate sind schon sinnvoll, z.B. bei der Vergabe von Schmerzmittel, wo aber der Patient auch mitbestimmt, wann er die Schmerzmittel braucht.
    Ich bin kein Fachmann für Krebserkrankungen: Es gibt aber viele sogenannte „Alternative Fachleute“, die es aber meist nur auf das Geld der Patienten und deren Angehörigen abgesehen haben.

    Das Krankenhäuser privatisiert wurden und das aus dem Patient ein „Kunde“ gemacht wurde, lehne ich ab.
    Ärzte, deren Beruf keine Berufung ist ebenso.
    Leider gibt es immer mehr davon und das ist verwerflich.
    Diesen „Geschäftsleuten in Weis“ sollte man den Rücken Kehren, wenn man noch kann.

  2. Wie lange noch sehen wir in uns, einen Teil von einem System? Du bist Deutschland ? Du ?Du ?Du? Ungehorsam steht auf dem Plan . Rebellion . Wie soll man den sonst etwas ändern ? Hin zu einem befreiten Geist, der die Verbundenheit sieht, mit allem was ihn umgibt. Der versteht das er eins ist mit seiner Umwelt. Und das seine Geisel, der unendliche Strom von Gedanken ist. Das er ein fiktives Ich erschaffen hat, und das die Gedanken einzig dieses Ich verteidigen ????? Der Tod hat nichts mit Angst zu tun . Sowie Geburt nichts mit Freude zu tun hat . Diese Unterteilung ist auch ein Gedankenkonstrukt. Wer weint um mich wenn ich noch nicht geboren bin ? Wieso dann weinen wenn ich sterbe? Ich gehe hin, woher ich kam. In das unendliche, das ich bin . Zu esoterisch? Auch esoterisch ist heute ein KampfBegriff. Für mich ist es der Ausgang und die Hoffnung .

  3. Toller Text – und er trifft den Zahn der Zeit. Ich meine jetzt nicht unbedingt die ganze Epoche, das „kranke“ System in dem wir „leben“, sondern jetzt gerade, in diesem feuchten, wechselhaften, widerlichen Herbst hinein passt dieser Text perfekt, denn um uns herum grassieren Krankheit und Schwäche. Angesichts sich im Saisonrhythmus verschlechternder Klimabedingungen wird die Belastung durch die Selbstzweck gewordene Lohnarbeit nicht größer – das Resultat: Gerade jetzt werden viele krank und gerade jetzt sterben die Leute, die schwere Krankheiten mit sich schleppen.
    Das düstere Wetter, der Mangel an Sonne und Wärme und die kalte Feuchtigkeit sind jedenfalls kein Faktor der positiv zu unserer Gesundheit beiträgt, das merken zwar die Ärzte der kapitalistischen Medizin-Industrie angeblich nicht, aber jeder und jede, die mal Bahn gefahren ist oder andere Menschen sieht, weiß, dass es zutrifft.
    Gerade jetzt wird uns ein Grund offensichtlich gegen den Kapitalismus und das Vertretersystem der Herrschaft anzukämpfen. Dieser Grund ist uns immanent und heißt Krankheit.
    Krankheit ist genauso wie die menschliche Fehlbarkeit einfach Teil unseres Lebens.
    Krankheiten sind aber auf der anderen Seite in den gut versorgten Regionen Europas zum Beispiel nicht mehr der natürliche Terror, der sie einst waren, als sie Millionen Kinder wie selbstverständlich austilgten oder die Menschen auf die 50 Jahre Lebensalter limitierten, sondern sie sind – wie irrwitzig! – Warnsignale eines überarbeiteten Körpers, der durch die im Text erwähnte Entfremdung einfach krank wird und am Ende abstirbt.
    Und gerade die Trennung von Seele und Körper, das nichtvorhandene Körperbewusstsein (Wo liegt nochmal die Gallenblase?) usw. sind Symptome eines Lebens unter (staatlicher, religiöser, wirtschaftlicher) Herrschaft. Das Nicht-Man-Selbst-Sein ist zentral im Zentralismus, denn es geht schließlich darum 24/7 etwas anderes zu sein: Wahlpöbel, Arbeitstier, Medienhure, Mietmaul, Knüppelbulle usw.
    Wir sind schon im Kindsbett damit beschäftigt nicht wir selbst zu sein (Arno Gruen lesen) und gehen diesem Geschäft der Entfremdung so lange nach, bis die Natur unserer Körper uns einholt.
    Und das hat etwas damit zu tun, wie wir leben: Es ist ein krankes System, welches uns als Selbstzweck mit Lohnarbeit „beschäftigt“, statt Bedürfnisse zu erfüllen und danach die Arbeit ruhen zu lassen müssen wir immer weiter arbeiten, weil Profite keine Grenze nach oben kennen. Wie der Krebs!
    Also Krebs ist doch der medizinische Kapitalismus schlechthin!
    Die Menschen kapieren es aber nicht: Sie hoffen immernoch auf den Staat, die Seelenverwandte des Kapitalismus oder die Religion, die Mutter von beidem. Sie verstehen nicht, dass der Kapitalismus, die Unterwürfigkeit (seine Basis) und der dies alles hervorbringende Zentralismus im Kopf nicht einfach absterben.
    Du stirbst. Der Kapitalismus ist eine „prima Sache“, die die kommende Generation als Hypothek freudestarhlend im BWL Studium in Singapur und München von dir übernimmt während du krepierst.
    Und auch der Staat mit seiner starren Bürokratie und seiner entmenschlichenden Gleichmacherei und Pauschalisierung, seiner Herrschaft, die wir ein Albdruck auf den Menschen liegt, die ihn füttern und am Leben erhalten müssen durch ein unendlich großes Mehr an Arbeit, ist nichts anderes die Verleugnung des eigenen Selbst als Institution. Und diese Passivität, die die Existenz des Staates mit sich führt, die Passivität des Einzelnen in administrativen, politischen und sozialen Belangen, führt zu einem kranken Leben. Nicht alle sterben an irgendwelchen Krankheiten – die meisten sind psychisch zerrüttet und sterben einfach an Vereinsamung oder haben keine zwischenmenschlichen Fähigkeiten, keien Empathie usw.
    Die ewige Vormundschaft in diesem System in dem wir „leben“ hat sie ihnen geraubt.

    Wenn wir über Krankheit nachdenken, dann sollten wir auch über deren Lösung nachdenken, und die besteht ganz klar nur in der Zerschlagung ihrer tiefliegenden Grundlagen, die da sind:
    Das durch den Menschen selbst geschaffene Leid der Ausbeutung und Herrschaft des Menschen über den Menschen.
    Der Mensch hat Gott geschaffen und sich ihm dann unterworfen: Wir schaffen Dogmen und unterwerfen uns ihnen und jenen, die sich schlau als deren Vertreter auf Erden darzustellen wissen. Diese Unterwürfigkeit zieht sich in einem zentralistischen System durch alle Lebensbereiche: Irgendwer muss der Chef sein und die anderen gehorchen. Gehorsam aber ist der Anfang vom Ende, denn nicht Gehorsam ist Verwirklichung des eigenen Selbst und damit der Gesellschaft (!), sondern Kommunikation und Zwischenmenschlichkeit.

    Von unserer heutigen Situation ausgehend wäre eine selbstorganisierte Medizinbewegung von großer Bedeutung.
    Ein Beispiel ist die Frauen am häufigsten heimsuchende Stresskrankheit Blasenentzündung / Nierenentzündung.
    Wenn wir uns dieses Beispiel ansehen, dann erkennen wir schon viel an den irrwitzigen Irritationen, die dieses System anrichtet: Die Betroffene geht mit Schmerzen zum Arzt. Der Arzt hat keine Zeit, weil seine Besoldung durch die Krankenkassen viel zu niedrig ist, um sich Zeit zu nehmen. Alleine dieser Wahn führt dazu, dass das ganze medizinische System auf den Kopf gestellt wird und im Grunde gegen den Patienten arbeitet. Also die Erkrankte geht zum Arzt, der keine Zeit und viel zu viele Patienten hat, weil er in einer kapitalistischen Ökonomie arbeitet. Dort bekommt sie Antibiotika und nimmt diese über den verabredeten Zeitraum.
    Die Bakterieninfektion kommt aber nicht daher, dass neue, böse Bakterien einfach aufgetaucht sind, sondern weil der Stress zu hoch war, dass sich der Körper erfolgreich gegen ganz normal vorkommende Bakterien wehren konnte.
    Das Antibiotikum ist nicht ausreichend – denn sie geht weiter zur Arbeit und setzt sich weiter dem Stress aus, um überhaupt die Grundlage zu besitzen, zum Arzt gehen zu können: Eine Krankenversicherung, denn würde sie nicht zur Arbeit gehen, flöge sie raus.
    Nun: Folge ist ein noch geschwächterer Körper, infiziert mit nun mehr resistenten Stämmen und die gehen an die Niere. Die Nierenetzündung ist so schmerzhaft, dass die Erkrankte zur Notaufnahme am Wochenende ins Krankenhaus geht. Dort erwartet sie ein Arzt, der nur bruchstückhaft ihre Sprache spricht. Er wurde dort in der Notaufnahme abgestellt, damit das Krankenhaus behaupten kann, auch Menschen anderer Herkunft einzustellen. Das merkt der Arzt und ist dementsprechend frustriert und weniger fest gegen den Stress, den er in dieser exponierten Situation hat. All das wirkt sich auf die Behandlung aus. Noch mehr ANtibiotika, und „viel trinken“.
    Die Infektion lässt sich herunterfahren. Die Erkrankte scheint „geheilt“. Die Urinprobe aber ist verfälscht: Dadurch, dass sie die entsprechenden Organe so sehr durchgespült hat, ist der Erreger nur einfach zu stark verdünnt, um noch von dem Teststreifen erkannt zu werden.
    Sie „Ich habe aber noch Schmerzen“. Arzt „Also die Bakterien sind nicht mehr nachweisbar (!)“ Sie „Aber ich habe Angst, dass es noch mal aufkommt“ Arzt (bereits genervt) „Also die Erreger sind beseitigt. Aber in die Zukunft kann ich nicht schauen.“
    Und schon ist die Erkrankte in einem Teufelskreis gefangen, aus Stress durch die sie knechtende Lohnarbeit und immer wiederkehrende Entzündungen ihrer Harnwege.
    Wenn wir also nun einen solchen Krankheitsfall überschauen, müssen wir feststellen, dass eine Medizin, die den Namen VERDIENT nicht nur den Blick auf die Erreger einer Krankheit richten darf.
    Sie muss im wahrsten Sinne des Wortes revolutionär alle Umstände angreifen, die das Eindringen des Erregers in den geschwächten Körper ermöglichen.
    Diese Medizin muss also das ganze ökonomische und politische System unserer Zeit als krank im wahrsten Sinne begreifen, sonst ist sie nur Erfüllungsgehilfin dieses Systems und hat ihren eigentlichen Zweck längst verloren.
    Die heutige Medizin ist so spezialisiert und nach innen gerichtet, auf sich selbst fixiert, statt auf den Menschen den sie heilen soll, weil sie eingezwängt ist in die künstlichen Zwänge, die ihr der Staat und der Kapitalismus und mancherorts auch die (politische) Religion auferlegen, so dass sie sich gar nicht zum Positiven des Menschen entwickeln kann.
    Oder man gehört der Herrschenden Klasse an und hat das nötige Kleingeld.

    Wie dem auch sei: Die Befreiung des Menschen von den selbst geschaffenen Übeln der Ausbeutung und der Herrschaft des Menschen über den Menschen muss natürlich alle Lebensbereiche einfassen.
    Die Medizin gehört selbstverständlich dazu.

    Was kann man tun? Man kann sich alle Techniken und Praktiken aneignen, die man auffinden kann, um sich selbst zu heilen und anderen helfen zur Seite zu stehen. Das ist der erste Schritt: Wir müssen uns erstmal selbst soviel Abstand zu dieser Medizin erkämpfen, damit wir selbst überhaupt lange genug gesund sind und überleben, um etwas zu ändern.
    Der nächste Schritt wäre, diese selbstgemachten Erfahrungen ins Netz zu stellen und zu verbreiten, und die Tatsache, dass dieser Schritt nötig war, und warum, zu einem Politikum zu machen. Auf dem sich dadurch einstellenden Bewusstwerdung über die Tücken des kapitalistischen Netzes aus Herrschaft, Lohnarbeit, Stress, Krankheit, kankmachender Medizin und wieder von vorne, sollte sich eine Bewegung der Betroffenden entwickeln.
    Diese sollten Zentren einrichten, die crowdfinanziert betrieben werden und in Gebäuden aufgebaut werden, die beispielsweise durch das Mietshäusersyndikat aufgekauft wurden.
    Dort sollten sich selbstorganisierte medizinische Zentren entwickeln, die ganz bewusst gegen die kapitalistische Schaffung und Vermarktung menschlichen Leids arbeiten und damit auch gegen die kapitalistische Medizin.
    Diese Zentren sollten sich erweitern zu Knotenpunkten in der menschlichen Gesellschaft aus Heilen und Lehren.
    Diese beiden Felder ergänzen sich und können sich gegenseitig befruchten.
    Und Integration ist auch möglich: Der syrische verdiente Arzt soll hier wieder Krankenschester spielen? Nein, dann nehmen wir ihn eben in ein solches Medizinzentrum auf, wo er seine Kenntnisse einbringen und weitergeben kann!
    So könnte eine solche selbstorganisierte Medizinbewegung beginnen, aber sie muss einen ganz wichtigen Knotenpunkt besetzen: Die Verbindung zur kapitalistischen Lohnarbeit.
    In zweierlei Hinsicht: Zum Einen, muss sie die darin arbeitenden ernähren. Das kann durch Geld und Spenden passieren, aber auch durch die Bereitstellung in solidarischen Landwirtschaftsprojekten erwirtschafteter Nahrungsmittel usw. So könnten sich wieder andere solidarische Projekte mit eben diesem Verbinden und es würde eben jenes Netz entsehen, welches für die Abschaffung von Staat und Kapitalismus so wichtig ist.
    Zum anderen muss sie nach außen wirken.
    Das Unternehmertum wird gelbe Zettel von dieser Bewegung nicht akzeptieren. Der Krankenschein wird von den Unternehmern in der Regel nur von Ärzten akzeptiert von denen sie wissen, dass sie gegen den Patienten arbeiten und Huren des Systems sind: Das bedeutet, dass sich die Medizinbewegung horizontal mit einer eben so selbstorganisierten Gewekrschaftsbewegung verinden muss.
    In dieser Gewerkschaftsbewegung muss die Medizinbewegung inhaltlich wirken und Studien über die Schädlichkeit des kapitalistisch entfremdeten Lebens veröffentlichen. Die eine Aufgabe in der Zusammenarbeit besteht also zum Einen in der Propaganda.
    Zum anderen muss die Gewerkschaftsbewegung der Medizinbewegung in den Betrieben den Rücken frei halten: Damit die Unternehmer auch Krankschreibungen aus den Zentren der Medizinbeweugng heraus akzeptieren, muss gestreikt werden und Sabotage am Betrieb vorgenommen werden, so lange, bis sich auch der letzte Menschenschinder dazu herablässt, den Lebenswillen und den Willen zur Gesundheit seiner „Mitarbeiter“ zu akzeptieren.
    Erst dann fuktioniert die Medizinbewegung, denn im Grunde ist ihr wichtigster Arbeitsbereich die Heilung der durch Lohnarbeit direkt oder indirekt Krankgemachten und zum anderen die Mitwirkung an der Auflösung dieses ökonomischen Systems und seine Überführung in ein ökonomisches System der Bedarfsiwrtschaft.

    • Lieber „nuevo1“. Deine Kritik an der herrschenden Medizinindustrie in allen Ehren! Bei mir rennst Du damit alle offenen Türen ein. Nur eine riesengroße Quelle unserer sog. „Zivilisationskrankheiten“ siehst Du leider immer noch nicht: Die Ernährung über Tiere- das tierische Protein. Wir haben in letzter Zeit 2 liebe fleischessende Freunde durch Blasenkrebs verloren und einer steht ebenfalls mit Blasenkrebs gerade auf der Kippe. Gleichzeitig sind viele große neuere Studien aufgetaucht, die darauf hinweisen, dass z.B. das Häm-Eisen im roten Fleisch Krebs begünstigt, vor allem Blasenkrebs. Bei Frauen ist es meist Brustkrebs, die sie jung sterben lassen. Und da weiß man durch Statistiken schon allein, aber auch durch unabhängige Forschung, dass in Ländern mit hohem Milchverzehr genau parallel dazu die Brustkrebsrate entsprechend hoch ist. USA ist das Top-Land mit koronarer Herzerkrankung und Dr. Esselstyn Caldwell, einer der besten und bekanntesten Herzspezialisten, hat herausgefunden, dass er seinen Patienten mit einer Umstellung zur veganen Ernährung viel besser helfen kann, als mit der bisherigen aufwändigen OP am offenen Herzen, bei der eine Vene aus dem Oberschenkel des Patienten geschnitten werden und ans Herz genäht werden muss. Hört sich gruselig an und ist es ja auch! Stattdessen regeneriert eine verstopfte Herzarterie wieder, wenn das tierische Protein vermieden wird, das vom menschlichen Organismus viel schwerer aufzuspalten und zu verarbeiten ist, als das pflanzliche, genau genommen nie vollständig, sodass mit der Zeit im Körper überall Ablagerungen entstehen.
      Ich nehme an, Du glaubst das alles wieder nicht, aber ich mache mir trotzdem immer wieder die Mühe, diese Wahrheiten hinzuschreiben. Vielleicht kapierst Du oder andere ja dann doch irgendwann mal, was da Sache ist.
      Natürlich werden wir auch durch andere Dinge in der Lebensmittelindustrie vergiftet und über die Luft und das Wasser oder durch Strahlung. Oft merken wir das gar nicht mal bewusst. Aber wie wir uns ernähren, ob mit tierischem oder pflanzlichen Protein, das können wir selber bewusst entscheiden und damit fällt ein riesengroßer Krankheitsherd weg. Und nur wenn das endlich die Runde macht, kann unsere Welt wieder fröhlicher werden, weil dann die qualvolle Zugrundenutzung der Tiere dieser Erde nicht mehr auf die gesamte Stimmung drückt.

  4. Ein nachdenklich machender Artikel.

    Warum ist sind armen Ländern oft das Mitgefühl, die Solidarität und das Miteinander wesentlichstärker ausgeprägt als in reichen (kapitalistischen Staaten)? Da wo Geld und Besitz der höchste Bewertungsmaßstab sind, bleibt das Mitgefühl auf der Strecke.

    Krankenhausatmosphäre ist oft bedrückend. Wer das einmal erlebt hat, sehnt sich nicht danach. Aber es gibt dort auch viele einfühlsame Helfer, denen das Leben durch das auf geldwerten Vorteil ausgerichtete Management schwer gemacht wird.

    Solange es geht: Machen wir etwas aus unserem Leben!

    • „denen das Leben durch das auf geldwerten Vorteil ausgerichtete Management schwer gemacht wird.“

      Super Beispiel dazu: Bremer „Frühchen-Skandal“ (ca. 2011)

      Hier haben die massiven Einkürzungen im hygienischen Bereich zum Tod mehrer Frühgeborener geführt. Verhältnisse wie im Mittelalter, als die Hygiene noch nicht so bekannt war. Und der Kapitalismus ist Fortschritt pur! Merkt man jeden Tag…
      In anderen Ländern (Es ist grundsätzlich kein Problem, welches an Ländergrenzen halt macht, nicht falsch verstehen, dient nur dem Vergleich) gibt sowas nicht – resistente Keime, Tote durch Infektionen im Krankenhaus usw. so wie bei „uns“, sondern die haben es geschafft, einfach zu begreifen, dass es ein sehr seltsames „Sparen“ ist, wenn Menschen beginnen, an bereits besiegten Krankheiten zu sterben….

      In dem Krankenhaus, um das es oben geht, lag ich auch schon. Das Blut tropfte mir damals aufgrund eines aus dem Unterkiefer herausgetretenen Kinns unweigerlich aus dem Mund. Damals war es Winter und zu dem nicht gewischten Boden gesellte sich also nicht nur mein Blut, sondern auch Streusalzkränze und Schneematsch von Besuchern auf meinem Zimmer. Ich ging über feuchten Streusplitt auf die Toilette, die am vierten und letzten Tag meines Aufenthaltes immernoch blutverschmiert vom ersten Tag war….
      Und du hast vollkommen Recht: Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Schwestern und Pfleger dort das so wollten. Es war ihnen viel mehr peinlich und sie mieden den Kontakt zu den Patienten, so schlimm war es dort. Sie litten innerlich mit und wenn sie aufmuckten, dann gab es noch mehr Druck von Oben oder die Kündigung.
      In einer Kneipe des Bremer „Viertels“ habe ich damals von einem Gast erfahren, der ebenfalls in diesem Kranken Haus arbeitete, dass es eine Mitarbeiterinitiative gab, die aber von den Herrschenden des Betriebes zerstreut werden konnte. Sie erhielt auch keine Unterstützung durch die DGB Gewerkschaften.
      Das war alles vor dem Frühchenskandal. Wenn sich die Initiative durchgesetzt hätte, hätte es womöglich gar nicht zu dem Skandal kommen müssen, denn eine wichtige Forderung von denen war mehr Personal einzustellen, damit die Reinigung der Zimmer und Stationen überhaupt bewerkstelligt werden konnte… dem wurde natürlich nicht nachgekommen, stattdessen verdiente sich ein Managerparasit eine schöne Summe, weil er „erfolgreich Einsparungen“ durchsetzte…. Mütter sparten daraufhin Kinder. So ist dieses Wirtschaftssystem. So ist der Staat.

    • nuevo1 –> Was haben Sie unternommen, bei ihrem Aufendhalt und nach dem Sie in diesem Hororkrankenhaus verlassen haben?
      Haben Sie mit dem Schefarzt geredet? Haben Sie sich beschwehrt?
      Haben Sie ihre Krankenkasse informiert? Haben sie Fotos gemacht und die versucht zu veröffendlichen?
      Haben Sie ans Gesundheitsministerium geschrieben?

    • sorry für die Rechtscheibfehler – noch mal:

      nuevo1 –> Was haben Sie unternommen, bei ihrem Aufenthalt und nach dem Sie in diesem Horrorkrankenhaus verlassen haben?
      Haben Sie mit dem Chefarzt geredet? Haben Sie sich beschwert?
      Haben Sie ihre Krankenkasse informiert? Haben sie Fotos gemacht und die versucht zu veröffentlichen?
      Haben Sie ans Gesundheitsministerium geschrieben?

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