NATO-Gipfel in Warschau: Initiatoren der Friedensfahrt Berlin-Moskau fordern Dialog mit Russland statt Aufrüstung in Osteuropa

Presse-Mitteilung der Initiatoren der Friedensfahrt Berlin – Moskau.

Der Beschluss der NATO-Staaten bei ihrem Gipfeltreffen vom 8.-9. Juli in Warschau zukünftig in Polen, Lettland, Litauen und Estland jeweils 1.000 Soldaten zu stationieren, wird von den Initiatoren der für den 7.-21. August 2016 geplanten Friedensfahrt Berlin-Moskau kritisiert.

Die NATO setze ohne eine ernsthafte Prüfung von Verhandlungs- und Dialogalternativen auf die Strategie der militärischen Abschreckung gegenüber Russland. Grundlegende Erkenntnisse erfolgreichen Konfliktmanagements würden ignoriert, wenn Mittel des Dialogs und der Mediation nicht ernsthaft in Betracht gezogen würden, um mit Russland den Weg zurück zu einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur in Europa zu suchen. Die Situation in der Ukraine wird eurozentristisch bewertet, die eskalierende Wirkung der europäischen Ukraine-Assoziationspolitik nicht bedacht.

Auch die Rolle der ungezügelten NATO-Osterweiterung entgegen Abmachungen mit der damaligen Sowjetunion im Zuge der Verhandlungen zur Wiedervereinigung Deutschlands vor über 25 Jahren darf nicht einfach ausgeklammert werden.

Friedensfahrt-Initiator Dr. Rainer Rothfuß kritisiert die Haltung von Bundeskanzlerin Merkel als nicht zielführend für die Wiederherstellung einer stabilen gesamteuropäischen Friedensordnung, die er als „vitalstes Interesse Europas“ bezeichnet: „Merkel wird mit ihrem Vorschlag eines Dialogs mit Russland mit der ,Knarre‘ in der Hand die klassische Vermittlerrolle Deutschlands in den Ost-West-Beziehungen nicht wiederbeleben können.“

Gerade angesichts des 75. Jahrestages des militärischen Überfalls von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion erweise sich die deutsche Führung des neuen NATO-Bataillons in Litauen und damit auf ehemaligem sowjetischem Boden als historisch unsensible Entscheidung der Bundesregierung. Schließlich hatte die Sowjetunion mit 27 Millionen Kriegstoten fast viermal so viele Gefallene zu beklagen wie der damalige Aggressor Nazi-Deutschland.

Die rund 250 Teilnehmer der Friedensfahrt wünschen sich wieder eine auf historischer Verantwortung basierende, stärker vermittelnde Rolle Deutschlands in Konflikten, die die direkte Nachbarschaft Europas betreffen. Im Sinne der in früheren Jahrzehnten gepflegten Entspannungspolitik wollen die Friedensfahrer mit ihrem Fahrzeug-Konvoi symbolisch einen Anstoß zur Wiederbelebung bzw. Vertiefung der deutsch-russischen Völkerfreundschaft geben. Jenseits wechselseitiger politischer Schuldzuweisungen soll der Weg der Partnerschaft, des Dialogs und des Austauschs mit dem Ziel einer tragfähigen Völkerfreundschaft beschritten werden. Diese Botschaft tragen die Friedensfahrer auf ihrer 4.200 Kilometer langen Tour in die Städte Kaliningrad (ehemals Königsberg), Pskov, St. Petersburg, Twer, Moskau, Smolensk und in Weißrussland nach Minsk.

Initiator Rothfuß zufolge ist die Normalisierung der Beziehungen zu Russland „der einzige Weg zur Auflösung von Konfrontationen und zum Anpacken gemeinsamer wirtschaftlicher Entwicklungschancen im immensen paneurasischen Raum, dessen Extreme im Westen mit dem Integrationsraum Europa und im Osten mit dem neuen Wirtschaftsgiganten China an die ,Brücke‘ Russland grenzen.“

Rückfragehinweis:
Rainer Rothfuß
Lindau Deutschland
geostrategy@protonmail.ch

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

6 Kommentare zu: “NATO-Gipfel in Warschau: Initiatoren der Friedensfahrt Berlin-Moskau fordern Dialog mit Russland statt Aufrüstung in Osteuropa

  1. @Herrn Trautvetter: Danke für den Link mit der Rede Eppler’s. Trotz hohem Alter unerschütterlich klarer Blick. Meinen Respekt.

    Gestern erschien auf Spiegel Online ein Kommentar R. Nelles mit dem Titel
    „Krisenjahr 2016: Was für ein Chaos“

    Der Kommentator sieht, dass „ausgerechnet sie (EU + NATO) in höchster Gefahr“ seien. Nachdem ich las, dass die NATO „verlässlich“ für den Frieden sei, war dort ein Kommentar fällig. Nicht nur meiner. Eine regelrechte Protestwelle schwappte über Herrn Nelles. Das lässt hoffen, dass diese „Thinktanks“ Atlantik-Brücke und sonstige Brainwash-Institute irgendwann mal aufwachen und unangenehme Fragen an die USA stellen. Diese Fragen müssen bleiben, solange sie unbeantwortet sind.

    • Aber diese „Thinktanks“ Atlantik-Brücke und sonstige Brainwash-Institute KÖNNEN doch gar nicht aufwachen und an USA unangenehme Fragen stellen, denn sie sind doch bewusst von den US- Kriegsstrategen geschaffen worden! Oder haben Sie da gegenteilige Infos? Sie könnten, wenn überhaupt, „schrumpfen“ oder im besten Fall „eingehen“, wenn man sehr optimistisch denkt.

  2. Die deutsche Seele spricht zum russischen Geist

    (oder: Die Bevölkerung denkt anders,
    als die führenden deutschen Politiker beim
    NATO-Gipfel)

    Es sind zwei stolze Länder,
    die sehnen nacheinander sich sehr
    und können zusammen nicht kommen,
    ein Band von Ländern steht quer.

    Unsere Ahnen haben sie auf Dich gehetzt
    So wurden wir tragisch verbunden.
    Wie wurden dabei die Messer gewetzt.
    Heut reuen mich Deine Wunden.

    Ich weiß, wie sehr Du gelitten hast
    Um meinetwillen. Meine Schuld ist bekannt.
    Auch heute fühlst Du Dich zu Recht bedroht
    Und wirst zu Unrecht Aggressor genannt.

    Es tut mir so Leid. Ich will das nicht.

    Und weil ich mich widersetze, (1)
    Das Schwert gegen Dich zu erheben
    glaubt man, man könne andere benutzen, (2)
    um ihnen dafür Waffen zu geben.

    Großes, weites Land,
    Meine Liebe zu Dir soll nicht wanken
    Auch wenn du weit entfernet bist
    Du lebst in meinen Gedanken.

    Christen sollen nicht gegen Christen kämpfen.
    Du weißt, wie ich, ER ist hier.
    Du weißt, wie ich, dass ER auferstanden ist.
    Dein Ostergruß sagt es mir. (3)

    Es lebe die Freiheit
    Es lebe die Liebe,
    Es lebe die Selbstbestimmung.
    Es lebe der Friede.

    Ich bitte Gott, der alles erschaffen hat,
    in Christi Namen,
    dass er verhindert, was finstere Mächte
    für unsere Länder planen.

    A.Eberl

    1) Umfrage, die zeigt, dass Deutsche nicht gegen Russen kämpfen wollen, Schlagzeile in ZEIT online: „Deutsche würden Nato-Partner nicht verteidigen“ http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/nato-ukraine-russland-umfrage-pew-stimmung-deutschland;

    2) Die perfide Idee, syrische Flüchtlinge, die sowieso schon so viel gelitten haben, als Söldner in die Bundeswehr zu locken, siehe hier:
    http://www.zeit.de/2015/45/bundeswehr-integration-deutsch-syrisch-brigade?sort=recommended
    „Uncle Fritz wants you.“

    3) Ostergruß in Russland: “ER ist auferstanden.”

  3. Liebe MitLeserInnen
    Zu dieser wichtigen Aktion in Zeiten, in denen die Nato -auch vom 4. bis 6. Oktober auf der Essener Konferenz >>…degradeed environment<< – die Verteufelung Russlands mit der Legitimierung der eigenen eskalierenden Rolle verstärkt, gebe ich Euch einen Link zu einer wichtigen Rede, die uns zu einer weiteren Verstärkung unseres Engagements für Entspannungs- und Friedenspolitik ermutigen kann: http://www.oberndorfgedenken.de/Rede%20E.Eppler%2022.06.16%20Berlin.pdf = Erhard Eppler, der als sozialdemokratischer Spitzenpolitiker auf den Demonstrationen der Friedensbewegung in den 80er Jahren schon genauso unbeeindruckt von der antirussischen (damals antisowjetischen) Propagenda präzise analysierte. Wir lassen uns nicht von ihren Lügen die Gehirne lähmen.

  4. Presse-Mitteilung der Initiatoren der Friedensfahrt Berlin – Moskau [unterschreib]

    Den netten Worten von Veganislove möchte ich mich anschließen :o)

    Übrigens – es gab neulich einen
    „Erster Freundschaftsflug EU – Russland“
    http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2016/07/erster-freundschaftsflug-eu-russland.html
    Was ich dort vermisse, ist eine ausführlichere Dokumentation.

    Deshalb möchte ich alle, jeden einzelnen, Teilnehmer der Friedensfahrt inständig bitten: Macht Fotos, schreibt persönliche Tagebücher, macht Videos, und stellt das ins Netz, für alle, die leider nicht mit dabei sein können.
    Stellt euch vor, Ihr fahrt nach Moskau, und keiner kriegts mit..
    Diese Friedensfahrt ist IMHO ein ganz wichtiger Reality-Check in dieser kriegstreiberischen Medienlandschaft.

  5. Lieber Rainer Rothfuß! Lieber Owe! Liebe Friedensfahrer! Vielen herzlichen Dank noch einmal für diese tolle Initiatve und Eure tätige Friedensbereitschaft! Wären auch liebend gern mitgekommen, aber umständehalber leider unmöglich! Wir wollen aber zur Verabschiedung in Berlin am Brandenburger Tor auf jeden Fall zugegen sein, um Euch noch alles Gute zu wünschen!
    Veganislove

Hinterlasse eine Antwort