Niveauregulierung – eine Kolumne (27)

von Bernhard Loyen.

Ja, es wird viel geschrieben, auch von Forumsteilnehmern. Gewisse Leser und Kommentatoren erwarten nun, bzw. nur Lösungsvorschläge, ansonsten hätte der Beitrag wenig von Bedeutung (für sie). Für wen? Es tut sehr wohl gut, erläuternde zusammenfassende Texte zu lesen und das schlichte Gefühl zu erhalten – ja, es gibt noch andere Menschen, die denken wie ich. Es gibt Kraft und nimmt innerlichen Druck.

So erging es mir bei dem aktuellen Beitrag von Susan Bonath[1] und der Titelseite der Jungen Welt vom 13.02.2017. Kurz und knackig wurde sehr schön formuliert – 50 Zimmer, Küche, Bad. Mit Hartz IV unbezahlbar. Einer der Architekten der Agenda 2010 zieht als Bundespräsident ins Berliner Schloss Bellevue[2].

Argumentativ verwendbar, ergänzend zu dem Text von Bonath, der kurze Hinweis auf schlichte Fakten – Steinmeier übernimmt von seinem Vorgänger die Dienstsitze im Berliner Schloss Bellevue (über 50 Räume, rund 10.000qm Fläche) und in der Bonner Vila Hammerschmidt, sowie als Wohnsitz eine Villa in Berlin-Grunewald. Nach meiner Rechnung forciert sich damit die Auswahl an potentiellen Arbeits- und Wohneinheiten auf insgesamt vier Etablissements. Seine ursprüngliche Wohnung, oder das Haus, wird sicherlich nicht gekündigt sein. Bei seinen bisherigen Posten & Gehältern war sicherlich auch noch eine kleine Datsche im Rahmen des Möglichen gewesen, macht fünf variable Domizile für den neuen Herrn Bundespräsidenten.

Wir lernen weiterhin – zusätzlich zum Amtsgehalt (214.000€ im Jahr) erhält der Bundespräsident 78.000 € Aufwandsgehalt. Aufwandsgehalt? Diese Summe dient unter anderem für die Entlohnung des Hauspersonals. Eine Amtswohnung wird ihm kostenfrei zur Verfügung gestellt[3]

Whaaat? Würde mein Sohn spontan formulieren. Auf Spiegel online war zu erlesen, dass der vermeintlich momentane Höhenflug der Umfragewerte der SPD auch durch bisherige Nichtwähler zu erklären sei. Bezugnehmend auf diese Partei,  Spitzenkandidat Schultz und Bundespräsident Steinmeier und dem generellen Zustand dieser Partei und dem unseres Landes, muss dann jeder Bürger schlicht für sich entscheiden. Zu dieser Entscheidungsfindung könn(t)en dann ggf. auch Texte, wie die von Frau Bonath, mir und anderen Autoren eventuell beitragen.

Quellen

[1] – https://kenfm.de/liebe-politfunktionaere/

[2] – https://www.jungewelt.de/2017/02-13/001.php

[3]- https://www.gehalt.de/news/wie-viel-verdient-ein-bundespraesident

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

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Fotohinweis: wikimedia.commons.org, Urheber: Stephan Czuratis (Jazz-face), Lizenz CC BY-SA 2.5

19 Kommentare zu: “Niveauregulierung – eine Kolumne (27)

  1. wieviele Häuser und Zimmer Herr BP Steinmeier für sich benötigt, wäre mir schnurzegal, wenn er denn nicht dem Finanz-Establishment, sondern uns Bürgern dienen würde. Das tut er aber bekanntlich nicht.
    Ich betrachte es immer noch als Ehre, dort einziehen zu dürfen, schliesslich ist es `unsere` Repräsentanz!

    • D`accord.

      Genug Platz zum „repräsentanzen“ muss er schon haben.

      Sind die Gehälter von Politikern zu niedrig macht es sie noch bestechlicher für Extradienste. Politikergehälter sind so das kleinste Übel über das ich mich aufregen würde – das verschleiert den wirklichen Dreck.

  2. Ein bekannter Henker zur Zeit der frz. Revolution soll sinngemäß gesagt haben: „Die Guillotine ist toll, da tut meine Schulter am Abend nicht so weh.“

    Jeden Tag 2 große zelebrierte Hinrichtungen und nach nur einem Jahr hätte man ruhe. – Aber sowas macht man ja nicht. In einer zivilisierten Gesellschaft, leckt man die Ärsche die einen zuscheißen und bezahlt sie auch noch dafür.

    Sind das Parallelen zum Stockholm-Syndrom? Ich würde gerne jetzt schreien und wüten aber sowas macht man ja nicht, man marschiert einfach weiter Richtung Abgrund.

    Herr sieh dein Volk an! Und wenn er es macht, wendet er sich postum angewidert ab.

    Vielen Dank an die fabelhaften Autoren Loyen und Bonath.

    • was ist dann passiert, nach der französischen Revolution?
      erneuter monarchistischer Absolutismus a la bonaparte? brauchen wir das heute? oder anders gefragt: wollen wir das überhaupt, 30er jahre?

      aber ich verstehe dich. freiwillig werden eliten und solche, die sich dafür fälschlicherweise halten, nicht ihren platz für gemeinwohlorientiertes denken frei geben.

    • Ein Text in tiefster Wut geschrieben… mehr auch nicht.

      Ich unterstelle den Regierenden einfach mal Dummheit, Krankheit und Naivität.
      Eine Guillotine etc kann keine Lösung sein. Bleibt nur zu hoffen, dass die Revolution in eine Evolution übergeht und somit friedlich bleibt.

      Kein Polizist oder gar Soldat, sollte durch Unfähigkeit (o. g. Gründen) seiner Befehlshaber sein Gewissen belasten müssen, weil er eben als Befehlsempfänger gehandelt hat.

      Gnade vor Recht, trotz des Elends das sie uns bescherten oder jeden Beteiligten in Den Haag verurteilen.

      Aufwachen muss niemand im Bundestag, Parlament etc, die wissen was los ist (mehr oder weniger aus Gutherzigkeit (und in Besonnenheit, unterstelle ich das mal)).

      Aufwachen müssen unsere Nachbarn und Freunde, Kollegen, ja viele aus der eigenen Familie. Selbst der Hartz IV-Bezieher und auch ein einfacher Bankangestellter und auch die Soldaten und Polizisten müssen erkennen, wem sie tatsächlich verpflichtet sind.

      All das will ich mitgestalten und auch erleben. Und wenn ich es nicht erleben darf, dann doch wenigstens Generationen nach mir.

    • Hofnarr…
      Revolutionen haben es an sich, dass ein, zwei Jahrzehnte später dasselbe Gesindel wieder, wenn auch von einer anderen Partei, wieder an der Macht ist, und all die Methoden die man zur Besserung der Zustände benutzt hat, dann wie ein Stalin oder ein Napoleon gegen die Menschen benutzt.

      Ein Blutbad mag psychologisch für den Konsumenten aufbauend sein, bessern wird es letztlich nichts. Die Argumente für und gegen halten sich (ausser für die Betroffenen) die Waage. Eine Revolution hat als Ursache tatsächlich nur eines: es muss eine revolutionäre Situation vorliegen, und eine quantitative Mehrheit muss das so sehen. Sonst bleibt es Terrorismus. Ob eine Revolution berechtigt ist oder nicht, ist einzig und allein eine Frage des Erfolges.
      Aiuf eine tatsächliche Besserung anschliessend hoffen allerdings nur Dummköpfe…

      Thomas Jefferson: „Der Baum der Freiheit muß von Zeit zu Zeit mit dem Blut der Patrioten und der Tyrannen begossen werden. Dies ist der Freiheit natürlicher Dünger.“
      Der Gag an diesem satz ist, dass Thomas Jefferson ein Sklavenhalter war.

      Du sagst: „Ich unterstelle den Regierenden einfach mal Dummheit, Krankheit und Naivität.“

      Sie sind die Repräsentanten des Volkes, du solltest dir das wirklich klar machen und keine Illusionen haben. Kohl, Schröder und Merkel sind WAHRE Repräsentanten der Deutschen!
      Es gibt ein paar berühmten, wahre Sätze: „Jedes Voplk hat dioe Regierung, die es verdient.“ und „Die Demokratie ist von allen Staatsformen die am wenigsten schlechte…“
      DIese Wahrheiten bekommen wir gerade deutlicher vorgeführt, als uns lieb sein kann. Ursache, und eigentliches Problem ist ein Begriff, dessen Wahrheit leider auch derzeit vorgeführt wird:
      „Urnenpöbel“.

    • Es hilft nur Bildung, die eine echt Bildung für alle ist, gegen die Wiederholung von sog. „Fehlern“ aus der Geschichte.
      Bildung beginnt mir der richtigen Erziehung von Minderjährigen und wird gefolgt von der eigenen Erziehung, die erst mit dem Tod endet.
      Erziehung zur Selbsterziehung ist daher ein wesentlicher Aspekt in der Erziehung von Minderhährigen, ebenso wie die Vorbildfunktion der Erziehenden.
      Leider ist dies im heutigen Alltag/Schulalltag nur mehr frommes Wunschdenken.
      .
      Die Realität sieht so aus:
      Der Fernseher erzieht die Kinder und Jugendlichen und selbst die meisten Erwachsenen.
      Und was im Ferseher gezeigt wird, ist ganz und gar nicht im Sinne seines Erfinders Philo Taylor Farnsworth.

  3. Erstaunlich wie schnell es die Presse schafft, den Bürgern wieder eine Partei schmackhaft zu machen, welche sie über lange Jahre rechtlos, domestiziert auf Befehlsempfänger, gemacht hat.Gehorche , dann bekommst du auch Futter…oder, Arbeit macht frei, , wer nicht arbeitet der soll auch nicht essen!
    Die Vergesslichkeit in Deutschland scheint unausrottbar zu sein, sofern die Zustimmung nicht nur medial suggeriert wird.

    • Ich denke eher eine Ablehnung dahingehend, die Welt sehen zu müssen, wie se ist..Das Leben im Kokon sichert zumindest deren Hauptaufgabe, sich nur um sich selbst kümmern, resp. können!

    • Annette
      Man befürchtet halt, dass die wahrscheinlicherweise kommende zweite Flüchtlingswelle die Abneigung gegen Mutti so gross werden lässt, dass dadurch bei Konservativen die Tendenz zur Flucht zur AfD steigen könnte. Da ist so eine reaktionäres Scheisserchen wie der S. eine gutes Anegbot für den Urnenpöbel.
      Denn nur die 5 Einheitsparteien garantieren wirklich, dass alles so bleibt wie es ist….

  4. Dazu, im Sinne von Herrn Loyen und Frau Bonath, ein aktueller Artikel der Nachdenkseiten:

    Wohlstand für alle? Mit dem Leistungsbegriff belügen wir uns gleich doppelt

    Mit dem Gerechtigkeitsbegriff ist es eigentümlich. Gerechtigkeit ist kein Wert aus sich heraus, sondern sie wird vollzogen. Gerechtigkeit definiert sich vor allem ex negativo, wie der Lateiner sagt, also aus seinem Gegenteil heraus: Die Gerechtigkeit braucht die Ungerechtigkeit. Gerechtigkeit scheint im Alltag nicht mehr als die Abwesenheit von Ungerechtigkeit zu sein. Gerechtigkeit scheint bereits dann zu herrschen, wenn sich niemand unterprivilegiert fühlt, oder noch genauer: wenn sich niemand beklagt. Gerechtigkeit scheint zu herrschen, wenn Ruhe herrscht – und ruhig ist es fast immer. Wo Ungerechtigkeiten Alltag sind und im System liegen – von ungerechtfertigter Lohnungleichheit bis hin zur Frage ungleicher Bildungschancen –, wo wir in sie „hineingewachsen“ sind, reicht es meist nur noch für ein Schulterzucken. Man kann es ja eh nicht ändern, sagen sich viele dann. Doch bleibt bei aller Lethargie ein schlechtes Gefühl. Versöhnt sind wir nicht. Von Ulrich Schneider[*].

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=37043

    • Da ist ein anderer Artikel auf den NDS wesentlich bedeutender….

      Nach Ude hat es jetzt mit Reiter ein MIcrosoft Zombie auf den Stuhl im Rathaus geschafft und was tut er? Er lässt das kostenlose Linux auf den städtischen Computer durch Microsoft ersetzen. Da weiss er wo er nach seiner Abwahl unterkommen wird….

      Und das dumme Volk lässt es sich wie immer bieten, widerspruchslos, und zahlt brav.

    • Stimmt, ein korrupter Lokalpolitiker das ist schon extrem bedeutsam. Wesentlich bedeutsamer als eine Systemanalyse die bei Kindesbeinen beginnt.

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