KenFM am Set: Nuit Debout – Aufrecht bei Nacht

Seit drei Wochen versammeln sich Aktivisten der neuen Bewegung „Nuit Debout“ (Aufrecht bei Nacht) in Paris und vielen anderen Städten Frankreichs. Was als eine Welle der Demonstrationen gegen das neue Arbeitsgesetz der Regierung begann, hat sich zu einer neuen Bewegung für eine generelle Veränderung der Gesellschaft ausgeweitet.

Pedram Shahyar war für KenFM vor Ort und sprach auf dem Place der Republique in Paris mit Aktivisten über ihre Motive und Aktivitäten.

12 Kommentare zu: “KenFM am Set: Nuit Debout – Aufrecht bei Nacht

  1. « Die Nacht zum TAG » (Nuit debout), ein Alptraum
    von Thierry Meyssan

    Die Bewegung „Nuit debout“ (Nachts wach), die sich gerade in Frankreich, aber auch in Spanien und Deutschland begründet hat, ist bestrebt das Gesetzesvorhaben der franz. Arbeitsministerin El-Khomri, zur Reform des Arbeitsrechtes zu blockieren und im großen und Ganzen gegen den Neoliberalismus zu kämpfen. Thierry Meyssan deckt hohle und inkohärente Diskussionen auf. Er enttarnt die expliziten Beziehungen der Truppe von Gene Sharp, den Organisatoren der Manipulationen, welche bereits im Auftrag des CIA farbige Revolutionen und den arabischen Frühling organisiert hat.

    http://www.voltairenet.org/article191222.html

  2. Interessantes Detail dieses offenbar von Konzernlobbyisten diktierten ‚Arbeitsgesetzes‘:
    Ein zentraler offizieller Punkt ist offenbar, die (in Frankreich allerdings auch sehr restriktive) Überstundenregelung für Arbeitgeber zu lockern, so dass sie in etwa mit der gesetzlichen Regelung in Deutschland vergleichbar wird.
    Gleichzeitig aber redet Valls aber davon, dass das Gesetz angeblich ‚Politik für Arbeitslose‘ macht (damit diese wieder Jobs bekommen).
    Das ist blank unlogisch, sogar widersprüchlich und zeigt, dass
    1) der französische Premier es mit der Wahrheit nicht genau nimmt und hier die wahren Absichten verschweigt
    und
    2) dass das Gesetz offenbar als wahren Grund die Zerstörung des Kündigungsschutzes hat (und ähnlich dem ‚Tarifeinheitsgesetz‘ in Deutschland die Entmachtung der Gewerkschaften durch ‚betriebliche Regelungen‘, die an ‚Mehrheiten im Betrieb‘ geknüpft werden (was ganz und gar NICHT demokratisch ist, wie es vielleicht scheinen soll, da keiner etwas dafür kann, wenn in seinem Betrieb nur wenige Leute ähnlich arbeiten!).

    Interessant ist, dass sich Sozialdemokraten besonders mit solchen Gesetzen, die unfähiges Management belohnen und die Position der Arbeitnehmer schwächen, hervortun.
    DAs wird aber auch in Frankreich offenbar gezielt fehlkommuniziert. Denn von den Gegnern des Gesetzes polemisiert wird gegen ‚Liberale‘ – dabei sind die Intentionen des Gesetzes ganz und gar nicht liberal. Korporatismus und Arbeitgeberlobbyismus sind nicht gleichzusetzen mit Marktwirtschaft.

    Link: ‚http://www.deutschlandfunk.de/frankreich-protest-gegen-neues-arbeitsrecht.795.de.html?dram:article_id=346550‘

    • Im zugehörigen FAZ-Artikel findet sich ein wesentliches Detail.
      ‚So sollten die Arbeitsrichter, denen in Frankreich nicht selten Feindseligkeit gegenüber den Unternehmen vorgeworfen wird, Obergrenzen für Abfindungen vorgeschrieben bekommen: Beispielsweise maximal 15 Monatsgehälter bei 20 Jahren Betriebszugehörigkeit.‘
      Das ist auf den ersten Blick sogar immer noch großzügiger für Arbeitnehmer als in Deutschland, wo laut FAZ-Artikel oft weniger abgefunden wird. Das täuscht aber. Denn Deutschland hat als einer der wenigen Staaten überhaupt einen echten Kündigungsschutz, dessen offizielles Ziel nicht die Abfindung, sondern der Erhalt des Arbeitsverhältnisses ist. Daher können Arbeitgeber bei unberechtigten Kündigungen eben nicht einfach so ‚die Risiken einkalkulieren‘. Das ist ganz wesentlich. Und genau das will die sozialdemokratische (NICHT liberale!) Regierung in Frankreich ändern. Das wäre de facto ein schwerer Einschnitt in den Kündigungsschutz. Und genau so ist es wohl gedacht von den Lobbyisten.

  3. Eine Ergänzung zum Event-Protest:

    « Nuit debout » und Taranis News

    Die mediale Förderung von „Nuit Debout“ wird sichergestellt von einer Agentur der Alternativen Presse, Taranis News. Diese wiederum ist verbunden mit einem Netz, welches die Außenpolitik der USA und Israel unterstützt.

    Zwei Medien haben ganz besonders die Protest-Bewegung zum Gesetzgebungsprojekt von El Khomri über die französische Arbeitsrechtsreform („Nuit Debout“), seit ihrem Ursprung aus nächster Nähe bis zur Aktion begleitet: Russia Today und die kleine alternative Presseagentur Taranis News.

    Während einiger Zeit, sah sich der RT-Korrespondent, in Folge von Bedrohungen, gezwungen, seine Verfolgung der Ereignisse auszusetzen, womit er Taranis-News ein quasi Monopol überließ.
    (…)
    Es ist festzuhalten, dass Gaspard Glanz regelmäßig Artikel für die sehr atlantische Presseagentur Vice France, spezialisiert auf die Produktion von Inhalten für Jugendliche, verfasst.
    (…)
    Diese herausgeberische Ausrichtung ist nicht überraschend: Vice News gehört Vice Media dessen Eigentümer insbesondere The Walt Disney Company, Time Warner und 21st Century (Robert Murdoch) sind.
    (…)
    Gaspar Glanz wird von StreetPress, französische Online-Informations-Site, die ihm den Lebenslauf eines „Heiligen“ widmet, als „bevorzugter Journalist der Generation Nuit Debout“ befeuert. Es ist zu bemerken, dass, wie seine Mitbrüder von Vice News, auch StreetPress eine eheähnliche Beziehung in der Orientierung zur US-Aussenpolitik hat, allerdings mit einem deutlichen pro-israelischen Einschlag.
    (…)
    Genauso scheint es, dass eine der Figuren am Ruder des alternativen französischen Journalismus, indirekt von Mickey (Micky-Maus) finanziert wird, während die Familie Soros für ihn Lobeshymnen dichtet. Ganz entschieden ist das Logo von Taranis News, – das schwarze Gesicht eines Haifisches – nicht irgendwo abgestaubt.

    http://www.voltairenet.org/article191489.html

  4. „nich lang schnacken“ sagt man hier im Norden:

    „entschleunigt und friedlich Kunst und Kultur auf die Strasse bringen“:

    Qi Gong – für Frieden

    Sonntag 1. Mai

    Lüneburg

    10:00 auf dem Rathausplatz

    wie wäre es mit einer kleinen Rubrik zu „Aktivitäten für den Frieden – am 1. Mai“ ?

  5. Vive la france et la paix !

    Großen Dank an Pedram Shahyar!
    … auch O-Töne werden gern genommen! ,)

    Il y assez du monde qui comprend un peu nos voisins.
    Laissez les parler dans leur langue!

    Der Frühling kommt nächste Woche wieder – genug Zeit

    um a b nächstem – Sonntag 1. M a i !

    eine Solidaritätsbewegung in B e w e g u n g zu setzen!

    Lasst uns – entschleunigt und friedlich – Kunst und Kultur
    auf die Strasse bringen um zu zeigen was wir uns jetzt
    für uns und unsere Kinder wünschen:

    F r i e d e n .0.

  6. kleine, einfache Übersetzung – (inklusive Rechtschreibfehler und teilweise freier Übersetzung (die Franzosen sind manchmal einfach für mich nicht zu verstehen)) : – ) – für die nicht englisch sprachigen KenFM-User:

    Pedram: Welche politische Motivation veranlasst dich, hier zu sein?

    Frau: Ich denke das die Dinge, Zivilisation/Gesellschaft und Demokratie nicht mehr funktionieren. Ich bin es leid das Leute sagen das es nicht funktioniert und nichts bezweckt. Das was war, ist nicht mehr aber was kommen soll existiert aktuell nicht. Wir müssen versuchen unsere Energie zusammenzuschließen, um Lösungen zu erarbeiten und um Aktivisten zu werden und nicht nur Leute die das System kritisieren aber nichts dagegen tun.

    Pedram: Für was protestierst du hier?

    Mann: Ich weiß nicht. Ich habe das Gefühl das ich hier sein muss. Ich weiß nicht viel über Politik, war nie ein Aktivist aber diese Bewegung fühlt sich sehr anders an. Aber allein hier zu sein, auch wenn man nicht an den Debatten teilnehmen möchte, einfach hier zu sein ist alles…
    ((das Wort am Ende verstehe ich einfach nicht, daher vermute ich das es sowas bedeuten soll wie: …alles was zählt)
    Kurze persönliche Vermutung: Er ist wegen der Frau neben ihm da, und wurde mit der Frage überrascht und wollte nicht dumm dastehen^_^))

    Mann2: Es begann mit dem neuen Gesetz zur Arbeit. (In Frankreich ist eine Arbeitsmarktreform geplant (Und wir wissen ja auch in Deutschland was “geplant“ bedeutet)). Es ist inspiriert und geplant von den großen Bossen und großen Kapitalisten, was die Franzosen und Studenten wütend macht. Es gab eine menge Streiks, die am 9 März begannen. Der letzte Marsch war am 31. März. Am 9. April sollte sich das dann alles manifestieren/gipfeln. Aber man beschloss am 31. März dann hier auf diesem Platz zu protestieren und zu bleiben.

    Pedram: Es begann gegen das Arbeitsgesetz und nun geht es um was?

    Mann: Demokratie. Es geht mehr um das System über uns und wir wissen nicht wie wir damit umgehen sollen (Gemeint ist wohl die Vereinbarkeit der Demokratie mit dem vorhanden System).

    Pedram: Also bei diesen Gesprächsrunden kann jeder kommen und reden?

    Mann3: Ja, die Meisten. Außer Faschisten.

    Pedram: Aber sonst kann jeder kommen und sich mitteilen, auch wenn er andere Ansichten vertritt?

    Mann3: Ja sicher. Jeder ist eingeladen. Es bedeutet uns eine Menge. Jeder Bürger hat das Recht sich mitzuteilen, seine Ansichten zu formulieren. Das ist der Sinn.

    Für mich ist das neue, dass Bürger aus der gesamten Stadt sich hier versammeln um zu sagen was sie wollen. Sprechen darüber was sie sich für die Zukunft wünschen und einer gemeinsamen Vision einer Gesellschaft. Das ist das neue! Denn es bedeutet das wir im Herz unserer Stadt, unser Recht wahrnehmen zu debattieren, zu reden, über unsere Stadt ,Politik und die Medien. Das ist das neue.

    Pedram: Du redest hier mit Leuten. Machst du noch andere, mehr Sachen oder nur reden?

    Mann4: Ja, wir versuchen schriftlich das neue System festzuhalten um es dann den Politikern vorzulegen. Sie können dann entscheiden ob sie es annehmen oder verweigern und dann den Sessel räumen.

    Pedram: Parteien, sind die hier nicht erlaubt?

    Mann3: Nein, die sind nicht erlaubt. Wenn man Mitglied in einer Partei ist aber als Bürger hier ist, ist das kein Problem. Wir wollen nicht das eine Partei, egal welche, sagt: ,,Ihr braucht einen Anführer. Hier bin ich/ sind wir.´´ Das wollen wir nicht. Diese Bewegung ist für jeden.

    Frau: Ich denke es ist ähnlich aufgebaut, wie das Netzwerk, das man im Internet findet. Jeder kann sich mit jedem verbinden. Im Internet seit ca. 10 Jahren. Aber nun haben wir so etwas hier. Mit echten Namen, echten Gesichtern. Die verschiedenen Bewegungen werden lebendig, werden zur “conversion de nuit“ und gehen in eine Richtung.

    Pedram: Sie kommen zusammen als Ergebnis der Kämpfe und Probleme…

    Frau: Ja. Auch wenn wir nicht alle die gleichen Positionen vertreten, das können wir auch nicht. Zu Hause sitzt du mit deiner Frau auf der Couch und obwohl ihr nur zu zweit seit, ist es kompliziert. Hier sind wir 20.000, es ist also nicht möglich aber wir können in fundamentalen Belangen Einigung finden.

    Pedram: Welche sind das?

    Frau: Ich denke Freiheit, Veränderung und Partizipation. Ich denke die Bürger müssen in diesen Prozess involviert werden. Die Wahlen repräsentieren nicht was wir denken. Wir wählen Leute die immer weniger und weniger das machen, was sie sollen. Sie (Bürger) gehen nicht mehr wählen, weil die Leute die zur Wahl stehen nicht von hier (Paris) sind. Sie kommen von irgendwo anders und haben keine Ahnung von den Bildungs- und Geldproblemen. Sie wollen in der Politik erfolg haben, also stimmen sie irgendwelchen Dingen zu und verringern den widerstand. Dadurch können wir nichts mehr ändern.

  7. Frage: Warum schaffen wir so etwas nicht.?
    Antwort: Nun weil wir uns Spalten lassen.!
    Frage: Warum schaffen wir so etwas nicht.?
    Antwort: Weil wir uns mit & durch Nichtigkeiten vom Wesentlichen ablenken lassen uns gegenseitig aufreiben und wiederum hier durch das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren.Gemeinsam Frieden zu schaffen.!
    Wir sehen uns auf der Straße.!

    • Zitate von Napoleon
      …“Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen.

      Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden.

      Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.“ …

      und in meinem Gedächtnis schwirrt noch ein Spruch eines frz. Offiziers oder Generals (Doku über 1. Wk in Verdun) rum gemäß: Der Deutsche ist ein Hund, der wenn er sich erst einmal verbissen hat, nur auf Befehl seines Herren wieder ablässt. (er wollte so seine Bewunderung und Verabscheuung zum Audruck bringen, wie eben die Soldaten unermüdlich in den sicheren Tod liefen um eine Festungsanlage einzunehmen, die eben dieser frz. Soldat verteidigen sollte)

      Vielleicht sind wir in Deutschland einfach nicht dazu geeignet zu revoltieren oder erst dann wenn es zu spät ist…

    • @ Hofnarr: “ Vielleicht sind wir in Deutschland einfach nicht dazu geeignet, zu revoltieren oder erst dann wenn es zu spät ist.“

      Wenn einer sagt: “ Ich kann nicht.“ übersetze ich das in: „Ich will nicht.“ Es braucht in Deutschland einfach Menschen, Persönlichkeiten, um Ideen zu transportieren. Ideen transportieren sich nicht selber, auch nicht die Freiheitsidee.
      Ken Jebsen ist ein Mensch, der sie auf seine Weise ins allgemeine Bewusstsein bringt.
      Das ist meiner Meinung nach wichtig nicht nur für Deutschland, auch für Europa. Dass da ein Mensch ist, bei dem zu fühlen ist, dass den nicht andere „aufgezogen haben“ wie eine Puppe im Theater, sondern dass der initiativ ist.
      Vergessen wir Napoleon, der wurde besiegt. Und wenn etwas Berechtigtes in seiner Kritik liegt, drehen wir den Spiess um und machen von nun an das Gegenteil.
      Wenn Napoleon der Freimaurer vom „Volk“ sprach, sprechen wir vom Menschen, vom Individuum, das aus der Masse rausragt. Der Deutsche ist kein Hund, der ist ein Mensch im Werden. Gestern war der anders und heute kann der sich entwickeln. Gestern noch Raupe, auf dem Bauch kriechend, heute ein Schmetterling.

    • @Hofnarr: Ich finde die überlieferten Zitate von Napoleon doppelt interessant, weil sie noch vor dem Ausbruch des dumpfen, aber auch heraufbeschworenen Nationalsozialismus liegen. Dennoch finde ich, dass man sich nicht von der Vergangenheit innerlich fesseln und knebeln lassen sollte. Das hirnlose Hinterherlaufen hinter Leithammeln und das Mitschwimmen-Wollen und Sich-in-der -Masse-sicher-fühlen-wollen ist ein globales Problem und insofern „allgemein menschlich“. Aber wir kommen, wenn überhaupt, aus der Nummer garantiert auch nicht raus, wenn wir immer nur alle neuen Unternehmungen von anderen reformwilligen Menschen bekritteln und uns vornehm davon fernhalten, weil wir uns klug genug wähnen, zu wissen, dass „die ja sowieso bestimmt schon wieder mit Maulwürfen kontaminiert und politisch unterlaufen sind“. Immerhin kann man sich da mal vor Ort gegenseitig ins Gesicht schauen und mehr von anderen kennen lernen, als übers Internet. Insofern glaube ich auch, dass solche Sit-Ins u.U. mehr Menschlichkeit und Bewusstsein schaffen können, als die bisher üblichen Demos mit Marschroute und Endansprachen und anschliessendem übermüdeten Auseinanderstieben der Teilnehmer. Das hat mich immer mehr oder weniger unbefriedigt zurückgelassen. Wenn ich in Paris wohnte, wäre ich schon längst dort und würde nach Gesprächspartnern Ausschau halten. Ich traue mir dann in direktem Kontakt umso mehr zu, zu spüren, ob jemand es von Herzen ehrlich meint, oder ob jemand nur observieren und/oder indoktrinieren will.

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