Nur Fliege ist schöner

Von Dirk C. Fleck.

Mir ist bewusst, dass ich mich mit diesem Artikel lächerlich machen könnte. In gewisser Weise verstehe ich das, denn die einwöchige Liebesaffäre mit einer Fliege, von der ich berichten möchte, ist einem Menschen, der so etwas noch nie erlebt hat (und das dürften die meisten von uns sein) nur schwer zu vermitteln – wenn überhaupt. Ich versuche es trotzdem.

Vorausschicken möchte ich eine Notiz aus den Schriften von Henri Michaux (1899 – 1984), dem großen Einzelgänger in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Es ist einunddreißig Jahre her, dass ich auf diese Notiz aufmerksam wurde, oder besser gesagt: aufmerksam gemacht wurde. Ich erinnere mich genau: es war ein schwüler Sommertag, die Balkontür stand offen und ich bekam Besuch von einer Fliege. Sie lief aufgeregt auf meiner IBM-Kugelkopf-Tastatur herum, bevor sie schließlich in die Schriften von Henri Michaux sprang, die aufgeschlagen neben der Schreibmaschine lagen. Als sie sich dort lange genug mit den Beinchen über die Flügel gestrichen hatte, verschwand sie so schnell wie sie gekommen war. Erst jetzt warf ich einen Blick auf die Zeilen, auf denen sie es sich bequem gemacht hatte. „Wir Menschen,“ las ich, „machen unsere Sympathie für Tiere ausschließlich an deren Größe fest. So hat beispielsweise eine Fliege weit weniger Chancen, von uns respektiert zu werden als eine Katze, ein Hund oder ein Pferd.“

Dass es eine Fliege war, die mich darauf aufmerksam machte, war für mich nach anfänglichem Herzklopfen nichts als ein dummer Zufall. Dabei steckt so viel Wahrheit in den Worten, auf die sie (an-) gesprungen war. Es besteht doch kein Zweifel, dass auch die Wesen außerhalb des von uns Menschen überschaubaren Wahrnehmungsrahmens beseelt sind. Es gibt Milliarden von Parallelwelten und was wir als unsere Realität begreifen ist nicht mehr und nicht weniger wert, als die vielen anderen Bezugssysteme (Realitäten) um uns herum. Erst wenn wir bereit sind, alle diese Realitäten als EIN organisches Ganzes zu betrachten, beginnen wir jenen Respekt in uns aufzubauen, der nicht nur unseren Mitwesen, sondern auch uns selbst nützt. Wir sehen die Welt nun mit anderen Augen und stellen fest, dass wir ein Gefühl für Harmonie und Frieden zu entwickeln beginnen, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, das uns nach und nach sämtlicher Ängste beraubt, die letztlich für die schrecklichen Zustände auf dem Planeten verantwortlich sind.

Aber weg von diesem spirituellen Schnellkurs (es muss ja sowieso jeder für sich selbst herausfinden), hin zu der tierischen Liebesaffäre, die ich eingangs erwähnte. Dabei bitte ich Sie herzlich, meinen Bericht an keiner Stelle in Zweifel zu ziehen, dann kann ich es nämlich lassen, dann kommen wir dem Mysterium nicht auf die Spur. Ich erzähle also so sachlich wie möglich, was sich die letzten Tage bis gestern zugetragen hat, okay?

Bemerkbar gemacht hat sie sich vor ein paar Tagen, als ich spätabends vor dem Computer saß. Ich schrieb gerade einen Brief an eine Frau, mit der ich seit Monaten eine inspirierende Fernbeziehung pflege. Dabei war ich dermaßen in Gedanken, dass ich die feinen Kitzelnähte, welche die Fliege in meinem Nacken zeichnete, zunächst als integralen Bestandteil eines Gemütszustandes deutete, der in Bezug auf diese Dame die aberwitzigsten Blüten treibt. Aber dann flog der kleine geflügelte Gast meine Stirn an, punktierte sie kurz und setzte sich in die rechte obere Ecke des Bildschirms, wo er sich zu putzen begann. Dies war kein fetter Brummer, auch keine gewöhnliche Stubenfliege mit gewöhnlichen Maßen, dies war ein filigranes weibliches Geschöpf, dessen Grazie sich mir sofort erschloss. Ich näherte mich ihr vorsichtig mit der Spitze des Zeigefingers. Bis auf einen Zentimeter ließ sie mich heran, dann wechselte sie auf die andere Seite des Schirms. Dort verharrte sie regungslos, wich aber nicht zurück, als ich ihr ein zweites Mal den Finger reichte – im Gegenteil, sie enterte meinen Fingernagel und marschierte über den Handrücken zum Unterarm, wo sie im Gestrüpp der sich aufstellenden Härchen einen ausführlichen Erkundungsmarsch startete. Anschließend wärmte sie sich auf dem grünen Licht des Ladekabels am Laptop. Sie verließ mich erst, als der Brief an die bezaubernde Dame geschrieben war. Wohin sie sich nachts zurückzog, habe ich nie herausgefunden.

Ich konnte sie morgens rufen, meist kam sie, drehte einige Runden und verschwand wieder. Sie schien meine Wohnung inzwischen erkundet zu haben, denn ich begegnete ihr überall: in der Küche, im Schlafzimmer, in der Bibliothek und auch im Badezimmer, wo eine Spinne ein gewaltiges Netz gespannt hatte, auf das sie des Öfteren mit Bravour zusteuerte, ohne es je zu berühren – als wollte sie dem achtbeinigen, auf sie lauernden Feind unbedingt auf die Nerven gehen. Nachmittags, wenn ich auf der Couch lag und vor mich hindöste, zeigte sie sich besonders gerne. Dann verwandelte sie meinen Körper in einen Spielplatz. Wenn sie mir etwas zeigen wollte, betupfte sie kurz meine Stirn, was wohl so viel hieß wie: schau her, was ich alles kann. Ich spürte dann, wie aufgekratzt sie war, etwa wenn sie mir zeigte, wie man unbemerkt in der Falte des T-Shirts über die gesamte Breite meines Oberkörpers schleichen kann.

Wie häufig musste ich mich daran erinnern, dass ich sie nicht vermenschlichen durfte. Indem ich ihr etwa das Temperament eines Kindes attestierte, wenn sie ihren Rappel bekam und wie aufgedreht ihre engen Runden drehte. Deshalb habe ich ihr auch keinen Namen gegeben, ich habe sie schlicht Fliege genannt und auf den schien sie erstaunlich oft zu hören, wie ich mir einbildete. Mit der Zeit, das gestehe ich gern, fing ich an, mir Sorgen zu machen, wenn Fliege sich morgens nicht sofort zeigte. Manchmal tauchte sie erst nach Stunden auf und dann befiel mich ein Gefühl der Erleichterung. Meine Klappfenster waren ja die ganze Zeit offen und die Schnäbel der Vögel da draußen vermutlich auch …

Gestern nun geschah das Ungeheuerliche. Ich verließ die Wohnung, um einzukaufen. In der dritten Etage (ich wohne in der vierten) bemerkte ich, dass Fliege mir gefolgt war. Das war es dann wohl, dachte ich, ich kann außerhalb der Haustür nichts für sie tun. Sie ließ sich auf meiner Schulter nach unten tragen und kaum war das Tor zur weiten Welt geöffnet worden, flog sie davon. Mir fiel das vierte Gesetz der Lakota ein, das ich in meinem Roman FEUER AM FUSS zitiere: „Was zu Ende ist, ist zu Ende. Wenn etwas in unserem Leben endet, dient es unserer Entwicklung. Deshalb ist es besser loszulassen und vorwärtszugehen, beschenkt, mit den gemachten Erfahrungen.“

Kaum war ich bereit, mir diese Mischung aus Weisheit und Melancholie zu geben, spürte ich eine Kitzelspur auf meiner Stirn. Fliege war zurückgekommen, sie war da, sie begleitete mich! Obwohl ich sie auf ihren Höhenflügen immer wieder aus den Augen verlor, wusste ich jetzt, dass wir gemeinsam unterwegs waren. Und im Gegensatz zu den Hunden, die an ihren Leinen zerrten, war Fliege mit mir aus freien Stücken unterwegs. Im Supermarkt verhielt sie sich ein wenig ängstlich, sie hockte in meinem Haar, als wollte sie sich verstecken. Der Rückweg war von innerer Heiterkeit geprägt, jedenfalls für mich. Ich wunderte mich über nichts mehr, natürlich auch nicht darüber, dass Fliege mir zurück in die Wohnung folgte.

Das war viel. Zu viel für den Augenblick. Welche verstorbene Seele machte sich da bemerkbar, was wollte sie mir sagen? Müßig, darüber nachzudenken, also nahm ich ein Bad. Und obwohl die Badezimmertür offenstand, zog es Fliege vor, für sich zu bleiben. Ich wusch mir die Haare, rasierte mich, schlang mir den Bademantel um und machte es mir im Wohnzimmer bei einer Tasse Tee bequem. Fliege ließ sich nicht blicken, wer weiß schon was der Gewaltmarsch von zwei Kilometern ihr abverlangt hatte. Mein Blick fiel auf die Wasserflasche, die ich zweimal täglich auffülle. Sie war fast leer und ganz unten auf der Oberfläche schwamm eine Fliege. Ich packte die Flasche und schüttete das Wasser in die Palmenerde, dann hob ich das Tierchen vorsichtig hoch und hauchte es an, Immer wieder. Vergeblich. Ich grub ein Loch und legte Fliege hinein. Zusammen mit jenem Stein, den mir die Dame, mit der ich seit Monaten so gerne kommuniziere, vor einigen Tagen geschenkt hatte. Ein Energiestein, ich habe den Namen vergessen, aber er liegt da drüben unter der Palme in der Erde, zusammen mit Fliege.

„Ich glaube, es fiele mir nicht schwer, unter Tieren zu leben. Sie sind so still und genügsam. Sie rackern sich nicht ab, sie jammern nicht, wie schlecht sie dran sind. Sie wälzen sich nachts nicht im Bett, um ihre Sünden zu beklagen. Sie öden mich nicht an, indem sie mir ihre Pflichten gegenüber Gott darlegen. Keines von ihnen ist unzufrieden, keines infiziert vom Wahn, etwas besitzen zu müssen, keines beugt vor seinen Artgenossen das Knie, auch nicht vor irgendeinem, der seit Jahrtausenden tot ist. Keines hat einen Ruf zu verlieren, keines von ihnen ist unglücklich über diese Welt.“

WALT WHITMAN (1819 – 1892) war ein US-amerikanischer Dichter („Leaves of Grass“). Er gilt als Begründer der modernen amerikanischen Dichtung und daher als einer der einflussreichsten Lyriker des 19. Jahrhunderts.

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

13 Kommentare zu: “Nur Fliege ist schöner

  1. Ich war seit geraumer Zeit im Kampf mit den Ameisen in meiner Wohnung.
    Egal, was ich unternahm, sie kamen immer wieder.
    Eines Tages saß ich sinnierend auf dem Teppichboden, vor mir eine Ameise,
    die frech vor mir dahinmarschierte, als wäre meine „casa“ auch ihre „casa“.
    Ich zerrieb sie zornig mit der Spitze meines Zeigefingers.
    Genau in diesem Moment verließ den zerriebenen Körper ein heller Lichtfunke
    und verschwand, ca. einen halben Meter über dem Ameisenkadaver im Nichts.
    Eine Mischung aus Erschrecken und Freude: auch Ameisen haben Seelen.
    Ich weiß 100%ig, daß das keine Einbildung war.

    • ich habe Dir gerade eben auf PN etwas über Ameisen geschrieben, ohne dass ich wusste, dass Du hier auch gerade was über sie geschrieben hast. Aber lass Dir gesagt sein: Ameisen kann man sehr gut erziehen! Sie müssen einfach kapieren, was sie dürfen und was nicht. Wenn Du ihnen gut gesonnen bist, dann wissen die das nach kurzer Zeit genau!

    • Ein interessantes Zusammentreffen….
      Es stimmt: man kann die Ameisen gewogen machen. Ich bin dazu übergegangen, ein oder zwei
      Stämme im Garten regelmäßig mit Nahrung zu versorgen, das half! Keine Ameisen mehr in
      der Wohnung.
      Felicitas Goodman (jene, die Trancehaltungen und die Wirkung spezieller Rituale bekannt erforscht und bekannt gemacht hat) hatte so einen guten Draht zur „Anderswelt“, wie sie sagt, daß ein Ameisenstamm ihr auf Bitte sogar
      die richtigen Steinchen in die Hütte gebracht hat, die sie zur Herstellung einer speziellen Rassel brauchte.
      Anderswelt – feinstoffliche Welt – astrale Welten – sprirituelle Regionen – unsere armen Materialisten haben ja keine Ahnung, was ihnen alles entgeht.

    • In diesem Buch kommt die Episode mit den Rasselsteinchen und den Ameisen vor:

      „Wo die Geister auf den Winden reiten. Trancereisen und ekstatische Erlebnisse“ Felicitas Goodman

      Um sie mal kurz direkt zu erleben:

      ttps://www.youtube.com/watch?v=jkCPo93BcUo

      Eine ganz Feine, nicht wahr? Weilt leider nicht mehr unter uns.

      Anders als Walt Whitman würde ich es auf jeden Fall als hilfreich bezeichnen, wenn jemand in der
      Lage ist, vor dem Wunder, das das Leben und die Schöpfung ist, das Knie zu beugen…..

  2. Mich erinnert das an eine Fliege, die ich mal kennenlernte, als ich tagsüber einschlafen wollte;
    es waren sehr viele Artgenossen im Zimmer, die sich nicht die Spur um mich gekümmert haben.
    Und wenn ich gerade mal wieder perfekt geweckt worden war, flog die kleine Nervspezialistin stets wieder in die letzte Ecke des Raumes, um dort kein Wässerchen zu trüben …
    Ich wusste mit tödlicher Sicherheit, dass es immer dieselbe Fliege war, die mir ihre Aufmerksamkeit schenkte. Ich ließ sie leben; schließlich hätte ich sie auch gar nicht gekriegt; sie war ja nicht nur penetrant aufdringlich, sondern auch extraschlau …
    Manchmal frag‘ ich mich, was wohl aus ihr geworden ist, vielleicht ein Tiger in Eschnapur?!

  3. Die einen nutzen das i Ging als Orakel oder Omen und für die anderen können das Fliegen oder andere Tiere oder auch nur Dinge sein. Das Universum sendet uns ständig Botschaften und Signale. Je nachdem auf welcher Bewußtseinsebene (und Stimmung) wir uns befinden können wir diese Dinge wahrnehmen , verstehen und nutzen oder auch nicht.

  4. Im Text heißt es: „Welche verstorbene Seele machte sich da bemerkbar, was wollte sie mir sagen? Müßig, darüber nachzudenken, also nahm ich ein Bad“.
    Dieser Satz hat ausgereicht, um mich in manchen Kommentaren (nicht auf dieser Seite) als esoterischen Spinner zu bezeichnen. Natürlich weiß ich, dass das Thema Reinkarnation in unserer „vernunftbegabten Welt“ sehr viele Missverständnisse provoziert, deshalb diskutiere ich nicht darüber. Mir fiel allerdings ein Text ein, den ich 1985 in meinem unveröffentlichtem Buch „La Traviata“ geschrieben hatte und den ich hier gerne vorstellen möchte:

    „Wenn die Idee von der Wiedergeburt Sinn macht, dann nur wegen der Vorstellung, dass sie uns nacheinander in jede denkbare materielle Form bringt, um so zu einem übergreifenden Verständnis zu gelangen, das uns letztlich aus dem Leid erlöst, welches unabdingbar mit jeder körperlichen Existenz verbunden ist. Wir werden also sowohl der Baum gewesen sein, den wir gefällt haben, als auch die Fliege, die wir unter unserer Händen zerdrücken. Wir werden die Erfahrungen eines Weihnachtskarpfens ebenso gemacht haben, wie die eines Tigers im Zoo. Wir werden Herrscher und Besiegte in uns vereinigen, jeder Schmerz, jede Freude, jeder Wahnsinn wird uns vertraut sein. Wir werden uns sowohl schuldig als auch unschuldig gezeigt haben. Wir werden den Autoreifen so wenig entkommen sein, wie die Kröten auf ihrer Wanderung zu eben jenem Ziel, das uns allen gemeinsam ist. Die Idee, dass uns nichts erspart bleibt, hat etwas Tröstliches. Sie besagt, dass wir uns in all unserem Tun nur ans uns selbst vergreifen können. Damit legt sie eine Lebensweise nahe, die uns aus dem Gefängnis leidvoller Erfahrungen befreien könnte. In erster Linie gilt es, den Angstknoten in sich zu lösen, jenes Geschwür der Seele, das sich in vordergründigen Sicherheiten versteckt und dessen Eiter die Ignoranz gegenüber der Tatsache ist, dass sich nichts, aber auch gar nichts an egoistischer Attitüde dem Leben gegenüber verteidigen lässt. Ich verstehe nicht, dass jemand, der nach dem Motto „Man lebt schließlich nur einmal“ herum geistert, nicht den geringsten Versuch macht, für sich ein Optimum an begründeter Hoffnung zu gewinnen, die ja der Lohn für ein demütiges Leben ist. Für solche Menschen muss doch in besonderer Weise der Satz gelten: Jetzt oder nie! Aber alles braucht wohl seine Zeit …“ Damit meinte ich eben auch, das Wiedergeburten, wenn es sie denn gibt, mit Sicherheit nicht linear verlaufen, was aber die meisten Anhänger der Reinkarnationstheorie zu glauben scheine“.

    • Interessanter Text-ich werde ihn mir abschreiben. Ganz so habe ich es selber noch nie gedacht. Aber ich habe immer so gefühlt, als ob alles „Teile von mir seien“. Rudolf Steiner soll einmal gesagt haben, alle Tiere seien Teile von uns. Aber letztendlich sind wir ja alle ein Teil vom Ganzen und umgekehrt. Im Geist ist alles eins. Dieses Gefühl ist bei vielen offensichtlich verlorengegegangen und ich kann es gar nicht nachvollziehen, wie es wäre, ohne es zu leben. Es ist immer eher möglich, sich in etwas vollkommeneres,weiter und feiner entwickelteres hineinzudenken, als in etwas retardierteres, fehlerhafteres, abgestorbeneres.
      Ich finde es auch immer sehr schade, dass so viele Menschen den Drang haben, einen für dümmer zu halten, als sich selbst, nur, weil sie weniger Phantasie haben und weniger geistige Spielfreudigkeit. Die Freude ist doch das Wichtigste im Leben. Aus Freude wird alles geboren und alles hat das selbe Recht auf Freude! Wenn wir das denken, dann spüren wir die berauschende, nein, die unbeschreibliche – Liebe…Die wissen gar nicht, auf was sie verzichten!

      Herr Fleck, falls sie noch einmal eine Fliege in Wasser schwimmen sehen: meistens kann man die noch retten! Man tut sie auf ein saugfähiges Stück Papier und bedeckt sie mit leichter Asche. Früher haben wir das mit Zigarettenasche gemacht. Es dauert dann in der Regel gar nicht lange, bis sie sich wieder rappelt. Es hat uns selber immer erstaunt. Aber es ist natürlich möglich, dass ihre Fliege wirklich schon hinüber war. Man weiß ja nicht, wie lange die das so aushalten.

  5. Lieber Dirk Fleck! Ich könnte Sie tatsächlich küssen und umarmen für diese wunderschöne Beichte! Und bei dem Text von Walt Whitman zuletzt kamen mir die Tränen! Aber damit nicht genug: Gerade über die Fliegen habe ich auch einiges interessante, selbst erlebte zu berichten.
    Ich, bzw. wir, mein Liebster und ich, haben auch einmal einen ganzen Winter lang mit einer Fliege im Haus zugebracht-es war wohl das, was man eine „gewöhnliche Stubenfliege“ nennt, aber keinesfalls ein „dicker Brummer. Aber zierlich und possierlich war sie allemal. Ich weiß nicht, wann und wo sie mir oder uns zuerst auffiel, denn wir hatten zu der Zeit sehr oft Besuch von Stubenfliegen und es gab sogar darunter auch einmal eine, die -aus welchen Gründen auch immer- laut brummend ganz dicht vor meinem Gesicht kreiste-immer wieder! Ganz anders LUIESE, denn so nannten wir sie- unsere Freundin, da sie als einzige mit Einzug der Kälte und der meist geschlossenen Fenster bei uns geblieben war, sich aber sichtlich wohl fühlte, sich es bei uns und mit uns gemütlich machte. Abends, wenn ich im Bett mit einem Kissen hinterm Kopf am Lesen war, leistete sie mir Gesellschaft. Sie saß dann entweder auf der aufgeschlagenen Buchseite, auf meiner Hand, die das Buch hielt, oder auf meiner Lesebrille und schien die Lesestimmung zu genießen. Ich empfand sie nie als aufdringlich oder gar störend, ganz im Gegenteil ging von ihr eine Zärtlichkeit und Freundschaftlichkeit aus, die mich sogar trösten konnte, wenn ich traurig war und sonst Behaglichkeitsgefühle immer noch zu steigern wusste. Morgens „frühstückte“ sie regelmäßig mit uns. Kaum saßen wir am Tisch, setzte sie sich zu uns auf diesen und widmete sich dann dort eifrig jedem kleinsten Krümel oder Teetropfen. Wenn sie satt war, ließ sie sich in der Regel auf der Glatze meines Liebsten nieder und überwachte von dort aus den Rest der Frühstückszeremonie. Auf diese Weise war sie über gefühlte Monate unser Gast und als sie im Frühjahr plötzlich verschwunden war, fühlte ich einen tiefen echten Schmerz im Herzen. Wir haben LUIESCHEN wirklich vermisst als eine treue, zärtliche Freundin, die nun für immer von uns gegangen war!

    Die andere, höchst erstaunliche kleine Fliegen-Geschichte, bzw. -Szene, erzähle ich später! Wenn ich die nicht selbst erlebt hätte, würde ich sie gar nicht glauben können!

  6. Mir geht es ähnlich bei Spinnen. Ich beobachte
    diese eleganten Tierchen zu gerne. Es gibt Menschen die reiten, bringen ihr Pferd in den Stall und schreien, weil in der Ecke eine Spinne im Netz sitzt. Sie können mit einem großen Tier (Pferd) super um gehen aber vor einen kleinen acht Beinigen Tierchen haben sie Angst und ekeln sich. Kann ich nicht nachvollziehen. Jedes Lebewesen ist einzigartig und erfüllt seine Funktion in der Natur. Sie machen sich absolut nicht lächerlich. Schöner beruhigender Beitrag finde ich.

    • Mein Liebster hat auch so ein besonderes Faible für Spinnen. Er schützt sie sogar beim Ausbrüten in unserem Haus. Ich mag da die „Weberknechte“ lieber, weil die so zart sind und elegant wippen. Vor Spinnen habe ich zwar keine hysterische Angst und ich würde ihnen auch nie etwas antun, aber als ich einmal in Italien im Bdezimmer eine handgroße Spinne vorüberhuschen sah, war mir das doch unheimlich. Noch unheimlicher fand ich einmal, als wir beobachteten, wie eine „Schwarze Witwe“ihren Liebhaber erst anlockte, dann mit ihren Webfäden fesselte und einspann und nach und nach verzehrte. Es gibt auch welche, die nach der Begattung entwischen können. Ob das jetzt von deren Cleverness abhängt oder von der „Gnade“ der Gattin, weiß ich nicht. Das Fremde ist uns halt naturgemäß oft unheimlich.

    • Zum Glück bin ich bei den Menschen „gelandet“. Wäre ja noch schöner nach dem Liebesakt von meiner Frau verspeist zu werden:-). Aber daher hat die „Schwarze Witwe“ ihren Namen.

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