Organentnahme par ordre du mufti

Jeder soll Organspender werden

Ein Zwischenruf von Wolfgang Bittner.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will ein Gesetz auf den Weg bringen, nach dem alle, die nicht von vornherein widersprechen, automatisch Organspender werden – Organentnahme als Normalfall.(1) Das nennt sich „Widerspruchslösung“, im Gegensatz zur geltenden „Entscheidungslösung“. Diese Regelung ist in vielen europäischen Ländern bereits eingeführt, zum Beispiel in Frankreich, Österreich, den Niederlanden, Italien, Spanien und Polen.(2) Spahn beabsichtigt eine „doppelte Widerspruchslösung“ einzuführen, das heißt: Man kann die „Spende“ zu Lebzeiten durch eine Erklärung ablehnen, und falls das nicht geschieht, sind im Todesfall die Angehörigen zu befragen.

Die Organentnahme ist ein schwerwiegender Eingriff in die körperliche Unversehrtheit eines Sterbenden. Eines Sterbenden, weil irreversibel Toten keine funktionsfähigen Organe mehr entnommen werden können. Die Vorschriften für die Entnahme setzen den Ausfall der Hirnfunktionen als Zeitpunkt des Todes (Hirntod) voraus.(2) Das entspricht nach Ansicht des Philosophen und Mitglieds der Zentralen Ethikkommission der Bundesärztekammer, Dieter Birnbacher, aber nicht einer wissenschaftlichen Aussage, „sondern einer im besten Fall gut begründeten, sinnvollen und zweckdienlichen Konvention“.(3) Birnbacher verweist dabei auf den Philosophen Hans Jonas, der in den 1970er-Jahren das Hirntodkriterium als „pragmatische Umdefinition des Todes“ kritisiert hat und die Bestimmung des Todes durch das Aussetzend der Hirnfunktionen für „unsicher“ hielt.

Nun gibt es triftige Gründe für Organentnahmen, aber auch dagegen. Einmal abgesehen von dem Für und Wider stellt sich die Frage, ob eine solche Maßnahme überhaupt per Gesetz angeordnet werden kann, wenn auch mit der Einschränkung eines vorherigen Widerspruchs. Nach Artikel 1 des Grundgesetzes ist die Würde des Menschen unantastbar, und das gilt auch über den Tod hinaus. Es ist sicherlich zu begrüßen, wenn sich viele Menschen dazu entschließen, bei ihrem Ableben Organe zu spenden. Dazu bedarf es jedoch ihrer Zustimmung, nicht aber der Ablehnung einer staatlich angeordneten Maßnahme. Letzteres widerspricht dem Selbstbestimmungsrecht über den Körper und sämtlichen ethisch-moralischen Vorstellungen sowie den Grundsätzen der in Deutschland aus dem römischen Recht erwachsenen Rechtsauffassung: Wenn von jemandem etwas genommen wird, was über den allgemeinen Konsens hinausgeht, bedarf das der Zustimmung oder vorherigen Einwilligung.

Organspende per Gesetz mit Widerspruchsrecht der Spender bzw. ihrer Angehörigen? Eine Entnahme also per Anordnung, wie es der Bundesgesundheitsminister vorsieht? Wie sollte das praktisch gehandhabt werden? Die Angehörigen können nicht bereits vor dem Ableben potentieller Spender eine Zustimmung erteilen, müssten sie dann also Tag und Nacht erreichbar sein? Und diejenigen, die keine Organe spenden wollen? Sie können doch nicht gezwungen werden, jederzeit ein entsprechendes Dokument ihrer Ablehnung bei sich zu führen, um nicht bei einem Unfall automatisch zum „Spender“ zu werden. Hier zeigen sich unübersehbar völlig unzeitgemäße, die persönliche Integrität verletzende Vereinnahmungstendenzen. Das passt allerdings zu den zunehmenden Einschränkungen von Bürger- und Freiheitsrechten. Sollte vielleicht allen Bürgern künftig eine Marke ins Ohr gestanzt werden, auf der ihre persönlichen Daten gespeichert sind, unter anderem die Ablehnung einer Organspende?

Der Schriftsteller und Publizist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. 2017 erschien von ihm im Westend Verlag in Frankfurt am Main das Buch „Die Eroberung Europas durch die USA – eine Strategie der Destabilisierung, Eskalation und Militarisierung“.

Quellennachweise:

(1) Spahn: „Bin für doppelte Widerspruchlösung bei der Organspende“, Bundesministerium für Gesundheit, 31.8.2018, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/gzso.html#c13719, 3.9.2018.

(2) ARD Tagesschau, Jeder soll Organspender sein, 3.9.2018, https://www.tagesschau.de/inland/spahn-organspende-103.html, 3.9.2018.

(3) Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktion (Hirntod) als Voraussetzung zur Organspende, https://www.organspende-info.de/organ-und-gewebespende/verlauf/hirntod , 3,9,2018.

(4) Thomas Müller, Hirntod ist nicht gleich Tod, Ärzte Zeitung online, 24.2.2015, https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/organspende/article/879725/organentnahme-hirntod-nicht-gleich-tod.html, 3.9.2018.

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21 Kommentare zu: “Organentnahme par ordre du mufti

  1. Danke Wolfgang Bittner,
    dass Sie sich des Themas annehmen.
    Ich habe mich sehr gefreut, zu lesen dass Dieter Birnbacher in der entsprechenden
    Ethik-Kommission ist. In den Jahren 1977/78 war es wohl, dass ich als Student an
    seinen Vorlesungen und Seminaren zum Thema Recht und Moral teilnahm. Er ist
    nicht nur ein ausgezeichneter Wissenschaftler, er hat Empathie und Achtsamkeit,
    so dass ich der Meinung bin, dass er genau der Richtige für das Thema ist.
    Zur praktischen Seite:
    Ich konnte mir nicht vorstellen, einmal ein Organ zu spenden. Die Vorstellung,
    dass mein Herz in irgendeiner Person weiterschlagen muss, die zu ‚allem‘
    fähig ist, ließ mich schaudern.
    Jetzt habe ich aber einen Spenderausweis, nachdem ich erlebt habe, wie
    eine mir ganz nahe Person nur noch 30% Sehkraft hatte und nach einer
    Hornhautspende wieder autofahren und Orchestermusik machen kann
    (oft mit Notenbeleuchtung) und eine solche Begeisterung am neuen
    Sehen ausstrahlt. Diese Person unterschrieb den Spenderausweis zeit-
    gleich mit der Aufnahme auf die Warteliste für das Hornhauttransplantat.
    Wenn man nimmt, muss man natürlich auch geben, war das Motiv.
    Dem schloss ich mich dann an.
    Wenn das Herz des Spenders aufgehört hat zu schlagen, können bis
    zum Einsetzen des Hornhauttransplantats 72 Stunden vergehen. Das
    ist ein Glücksfall für diejenigen, die sich Sorgen machen wegen der
    Feststellung des Hirntods, die gemacht wird, damit dem Sterbenden
    innere Organe entnommen werden können.
    Wie gesagt, diese Erfahrung hat mich zum Spenderausweis bewogen.
    Eine allgemeine Aufforderung oder auch nur ein Ratschlag
    rechtfertigt so eine Erfahrung nicht.
    Die Würde des Menschen ist unantastbar und auch die Bewahrung
    der Totenruhe ist gute Tradition. Wie eine Feuerbestattung hier ein-
    zuordnen ist, kann ich nicht sagen. Auch damit habe ich mich jetzt
    angefreundet, nachdem mir meine 81-jährige Tante, gläubige Katholikin,
    im Brustton der Überzeugung sagte, dass sie das jetzt für sich
    festgelegt habe.
    Spenden ist freiwilliges Geben.
    Wie man aber das Verteilungsproblem bei Eurotransplant lösen
    könnte? da fällt mir auch nichts ein (also dass deutsche Kliniken
    Organe in weit geringerer Zahl abgeben, als sie via Warteliste
    anfordern).

  2. Bei diesem äußert heiklen Thema habe ich eigentlich nur Fragen:
    Wem gehört das Leben? Was ist eine Würde? Besteht diese Würde nach dem Ableben auch noch?
    Geht diese moderne Gesellschaft würdevoll mit den Lebenden um? Wenn man im Leben schon keine Würde zugesprochen bekommen hat, darf man nicht einmal in Würde sterben?
    Wem ist man etwas schuldig? Ist man der Gesellschaft etwas schuldig? Wenn ja, kann man diese durch die Missachtung eines jedens Würde einfordern?
    Was ist eine Spende? Kann man eine Spende befehligen?
    Warum sind es wie so immer „Volksvertreter“ also Eliten die dieses Thema für sich beansrpruchen und dann die Richtung vorgeben wollen? Warum wurde wie immer das Volk bzw. die Gemeinschaft nicht gefragt?

    Warum haben die Länder wie China, nachdem sie zur kapitalistischen Wohlstandsgesellschaft aufgestiegen sind, so ein komisches Verständnis, dass man Gesundheit bzw. ein längeres Leben erkaufen kann, egal was es kostet?
    Tickt der moderne Westen, wenn auch mit einen Widerspruchsrecht, nicht genauso?

    Warum hat die moderne „Zivilisation“ so ein komisches Verhältnis oder Verständnis vom Leben und Tod? Warum streiten sich indigene Volksgruppen sich nicht darüber?

    Was sind zivilisatorische Krankheiten? Haben wir nicht alle moderne Zivilisierte einen „Dachschaden“? Ist dieser auch auf die zivilatorische Krankheit zurückzuführen? Kann man diese Krankheit mittels Geld oder eines anderen Würde sowie Leben in Gesundheit umwandeln, quasi erkaufen?

  3. Meines Erachtens geht es Wolfgang Bittner um die Freiwilligkeit der Organspender. Sonst entsteht der Eindruck, der Bürger sei ein Besitz des Staates. Ich zumindest möchte in aller Ruhe sterben (ohne Maschinen usw.), und ich möchte von meinen Lieben in solcher Ruhe Abschied nehmen können.

    Noch zu Schackeline: „Und der alte Mann sollte hier keine Bandbreite mit Zwischenrufen verschwenden, sondern rechtzeitig widersprechen, wenn es dann noch nötig ist. Und er sollte hoffen, dass er bis dahin nicht an die Dialyse muss, dann wird er vielleicht noch einen erfürchtigeren Korrekturruf nachschieben.“
    Ich finde Ihren Kommentar dem Autor gegenüber herabwürdigend und menschenverachtend. Es bleibt Ihnen doch unbenommen, Ihre Organe zur Transplantation zur Verfügung zu stellen oder sich ein Organ transplantieren zu lassen. Aber wofür treten Sie ein? Für Humanität?

    • Liebe Elina,
      ich wünsche Ihnen, dass es beim Ableben so kommt (aber eben so spät wie möglich 🙂

      Herr Bittner ist gut zu verstehen und der „Advokat der Paragraphen gegen die Unterdrückung“ zu sein hat auch in meinem Herzen seine Berechtigung und meinen Applaus. Nur möchte ich, dass hier eine Lanze für die Vernunft gebrochen wird und das geht eben nur mit Information und ohne Dogmen, seien sie gesetzlich oder moralisch.

      So sehr ich auch dem Reflex fröne, jeglichen Vorschlägen aus bestimmten Mündern, nicht nur mit Vorsicht, sondern auch mit Widerstand zu begegnen, muss bei dieser ganzdeutschen Entscheidung, neben dem moralisierenden und gesetzlichen, auch der praktische Aspekt auf den Tisch.

      Auch ist Herr Span nicht Verfasser dieser „Idee“. Die ist aus besagten Gründen schon lange auf dem Tisch und nur eben deswegen brandaktuell, weil wir Gefahr laufen aus dem Eurotransplantsystem zu fliegen.

      Natürlich bin ich ganz persönlich für diese Art der Organspenden, da es dazu führen wird, dass eine Menge mehr Organe auf den Markt kommen und ich evtl. nicht 7 sondern nur 3-4 Jahre auf eine Niere warten muss. Das das System wie es ist auch anfällig für Schindluder ist, ist bekannt und in einer offenen Gesellschaft nicht zu verhindern. Nur höre ich doch nicht auf Flugzeuge zu bauen, weil man die in Türme fliegen kann.

    • Herr Brodersen,

      was ist denn nun der praktische Aspekt? Dass wir in der heutigen Welt mit der Sterblichkeit nicht umgehen wollen, dass die Lebendspende (was es ja tatsächlich ist) nicht angesprochen werden darf, dass die Notwendigkeit von Flugzeugen eben auch äußerst fragwürdig ist, nicht weil sie abstürzen, sondern weil sie Auskunft über ein Zeitverständnis und einen Zwang zur Beschleunigung geben, der uns – jenseits – von Schadstoffen, die sie verursachen, gar nicht gut tut, dass eine „offene Gesellschaft“ vielleicht eher mit Verwahrlosung und Barbarei als gutem Leben zu tun hat? Was ich persönlich wirklich abstoßend finde, ist Ihr Hinweis auf Kosten-Nutzen-Analyse. Geht leider sehr in Richtung Warenförmigkeit von Menschen als „Organbank“, worauf ja auch Ihre Formulierung deutet, die davon spricht, dass Organe „auf den Markt kommen“. Das bedeutet, dass aus Ihrer Warte jemand für Sie ganz anonym „Niere“ produziert hat, auf die Sie dann in der Zirkulation – überwacht von Institutionen eben eines solchen Marktes – Anspruch erheben. Sie reden damit einer Gewalt das Wort, die nicht nur dafür steht, dass Menschen ganz generell keinen Zugriff auf ihnen zustehende Reproduktionsgrundlagen haben, sondern vom Verwerten ihrer Arbeitskraft (Lotterie) gleich für welchen inhaltlichen Zwecke hinsichtlich ihres Überlebens abhängen, sondern sogar schließlich ihre eigene Leiblichkeit zum Glück des „großen Ganzen“ utilitaristisch hingeben sollen, ohne ihr eigenes Leben (und das Sterben gehört zum Leben) zu Ende leben zu dürfen.
      Sie sind, wie Sie ausführen, selbst betroffen, so dass ich keine Antworten erwarten möchte. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie in Ihrem Umfeld einen Lebendspender finden, der dafür nicht erst sterben muss, dass Sie weiterleben können – was ich Ihnen sehr wünsche.

    • Nachtrag:
      Ich bin Juristin und durch lange Praxis mit den verschiedenen Varianten zur Feststellung des Todes durchaus vertraut. Der Herztod war der letzte, der wenigstens noch in Ansätzen vom berufenen Spruchkörper (Juristen) verstanden und nachvollzogen werden konnte.
      Beim Hirntod, wie bei vielen anderen Beweismitteln, aus Wissenschaft und Medizin, fehlt es daran völlig. Man kann es glauben oder nicht. Dies ist besonders im Hinblick auf den angeblich so wichtigen Richtervorbehalt von höchster Relevanz.
      Auf solchen Posten sitzen meist Richter zur Anstellung (also noch nicht auf Lebenszeit) ernannt, die auch jederzeit wieder in die Staatsanwaltschaft wechseln können und zurück. Es ist alles andere als karrierefördernd, hier nicht alles Vorgelegte durchzuwinken. In meiner Station bei der Staatsanwaltschaft musste ich immer den Leitenden Oberstaatsanwalt anrufen, wenn ich als Sitzungsvertreterin, also Referendarin, damit einverstanden war, das Verfahren einzustellen. Ich war stur, die meisten waren es nicht. Das ist eine inhärente Struktur im Justizwesen, die ihrer Verortung in der Abspaltung und Nichtöffentlichkeit des Staates zu verdanken, besser sehr zu befürchten ist.
      Auf der anderen Seite des Lebenszyklus (Alte, Deviante, Kranke) sitzen diejenigen, die demnächst in die Pension gehen. Hier sind Einweisungen, freiheitseinschränkende Maßnahmen (Fixierungen in der Psychiatrie usw.), medizinische Maßnahmen, die mit Psych-Gutachter reinkommen auch dem Durchwinken unterworfen, weil man als zuständiges Gericht, meist Einzelrichter, den Sachverstand der Mediziner im Rücken und sicher auch keine Lust mehr auf „Gezerfe“ hat.

    • Hallo Petra,
      zuerst einmal vielen Dank fürs Anpassen der Sprache an meine Fähigkeiten. Ich habe tatsächlich alles verstehen können, was ich bis dato bei Ihren Posts äußerst schwierig bis unmöglich fand.

      Zu den Anschuldigungen, dass von mir einem Markt das Wort geredet wird und meine „Kosten-Nutzen-Analyse“ moralisch ungebührlich sei. Lesen Sie doch bitte einmal die Kommentare unten, da wurde behauptet die Pharma wolle einen Reibach machen, durch mehr Transplantationen. Darauf habe ich geantwortet, da ich einen ganz guten Kostenüberblick über meine Medikamente und die Behandlungen habe. Darum ist dieses Argument quatsch. Die Transplantation ist über Zeit sehr viel günstiger.

      Auch das Wort „Markt“ war bei mir nur nicht in Anführungszeichen (worüber ich nachgedacht habe), da es kein anderes Wort dafür zu geben scheint. Es heißt nunmal „auf dem Markt sein“ wie bei der Singlebörse oder beim Arbeitsamt. Gut finde ich die Bezeichnung nicht, sie hat aber nun garnichts mit meiner Einstellung dazu zu tun.

      Ich habe übrigens sowohl in einem Krankenhaus als auch ein paar Jahre in einer psychiatrischen Einrichtung gearbeitet und denke einen Überblick von innen in diese Institutionen zu haben. Auch habe ich eine ganze Zeit meines Lebens in Kliniken verbracht (auf der Patientenseite) und bin auf nichts allergischer als den Mensch als Ware und die soziale Einrichtung als Managertrittleiter. Da haben Sie also einen wunden Punkt getroffen und mich nicht erfreut.

      Auch die Flugzeuge finde ich in ihrem Zweck, vom ökologischen und menschlichen Kosten Nutzen her, nicht Sinnvoll. Habe aber auch hier nur versucht ein Bild zu bauen um die Sinnlosigkeit eines Verzichts auf Entwicklung aus purer Angst vor dem Ungewissen zu verdeutlichen – das Sie mir nun auch auf der Leinwand gedreht haben 🙂

      Wir scheinen uns also durch meine unklare Wortwahl hier misszuverstehen.

      Zu Ihrer Frage: Der praktische Aspekt ist, dass wir einem Gesetz zustimmen oder es ablehnen, das es uns im besten Falle ermöglicht weiterhin Teil einer Gesellschaft zu sein, die Transplantationen durchführen will und kann und das ganze gesetzlich, moralisch und ethisch vertretbar ist.

      Es ist doch die selbe Frage, ob ich das Kind nun in seiner Eizellen-Spermaform als geboren erachte und mir das Kondom verbiete, oder ob ich das Kind erst nach drei Monaten als menschliches Wesen betrachte. Das haben unterschiedliche Kulturen unterschiedlich geregelt. Ich halte das für Paragraphenreiterei von zwei Gruppen die gerne Recht haben wollen (sowohl von der Kirche als auch vom Gesetzgeber her), habe aber auch nur eine Antwort für mich selbst für dieses spezielle Problem.

      Mein Vorschlag wäre jeden selbst für sich persönlich entscheiden zu lassen:

      Wer in Deutschland am System der Transplantationen teilnehmen will, soll bei Volljährigkeit offiziell eine Frage beantworten und dazu eine Unterschrift leisten: Ja / nein. Das darf (wenn es datenschutztechnisch geklärt ist) von mir aus auch gerne mit auf der Chipkarte stehen, dann kommt es da nicht zu Verwechslungen. Wenn er nein sagt, nimmt er nicht Teil und bekommt im Notfall auch keine Organe und wenn er ja sagt, bekommt er welche, muss aber damit rechnen, dass im Falle eines Hirntots, seine Organe nicht mit in die Urne kommen. Das soll jetzt nicht so klingen, als sei mir das Leben nichts wert, ist aber in meinem Kopf ein moralisch praktikabler Weg und sollte auch rechtlich sauber sein, oder?

      Hier würde ich mal den Ball zurückspielen 😉

      LGj

    • Guten Abend Herr Brodersen,

      leider bin ich die nächsten Tage verhindert, kann hier jetzt nur kursorisch antworten, was ich als Wertschätzung und nicht als Nachlässigkeit zu verstehen bitte.
      Der wichtigste Punkt scheint zu sein, dass Sie der Auffassung sind, mit Gesetzen Wirklichkeit, gar Leben, verändern zu können. Das schockiert mich immer wieder, wie die Leute der Theorie, der abstrakt formulierten Norm, die sie ja sonst zutiefst verabscheuen, auf den Leim gehen, weil sie meinen, dass die Rechtsillusion wirklich wäre.
      Eine abstrakte Norm setzt immer voraus, dass es – ich sage mal – ein etwas, ein wer und wen gibt, der diese Norm durchsetzt. Der letzte Satz beinhaltet schon, dass das tatsächliche Leben bei dieser – wir Juristen sagen – „Subsumption“, also Zurichtung der Wirklichkeit unter die Theorie, seine Lebendigkeit verliert und zum „festgestellten Tatbestand“ wird – völlig ent-wirklicht und ausschließlich dazu da, der (wohlgemerkt) abstrakten Norm mit Androhung von dann tatsächlicher Repressionsgewalt ihre Geltung zu bewahren.
      Ein normatives Gesetz des Inhalts, dass beispielsweise Kinder ein Recht auf gewaltfreie „Erziehung“ (ich schrieb heute an anderer Stelle zu diesem dunkelsten Kapitel bürgerlicher Menschzurichtung) haben, führt nicht dahin, dass dies fürderhin tatsächlich so geschieht. In seiner repressiven Funktion führt es vielleicht dazu, dass einige Bevölkerungsgruppen ab Inkrafttreten entsprechenden Repressionen ausgesetzt sind, wobei es eher missliebige Strömungen trifft als die vor- und angeblichen Adressaten. Tutto grosso ändert sich nichts, aber die Norm verdeckt, dass die Verhältnisse bei Aufrechterhaltung ihrer gesellschaftlichen Wirksamkeit weiter verwildern und oft auf noch widerwärtigere Art wirksam prozessieren.
      Ihre Ausführungen zur Frage, wann ein von Menschen (bis heute jedenfalls) gezeugtes Kind als solches gilt, geht meines Erachtens nach in die Irre. Sie affirmieren die Beliebigkeit, die keinen Inhalt mehr hat, was daraus deutlich wird, dass Sie sich selbst die Kompetenz zur Entscheidung einer solchen Frage zugestehen und dies auch anderen „Kulturen“ unterstellen. Das hat nichts mit Kulturen, wohl aber mit Zivilisationen zu tun. Zivilisation ist die jeweilige Welterklärung einer Epoche samt ihres jeweiligen Glücksversprechens. Das Bürgerliche Ensemble, durchaus zufällig aus dem verheerenden Zusammenbruch einer zuvor über tausende von Jahren praktikablen Gesellschaftlichkeit hervorgegangen, baut darauf auf, dass es einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen Menschen nicht gibt, und ein jedes auf sich selbst gestellt den Zusammenhang dadurch herstellt, seine eigenen bornierten Interessen zu verfolgen. Und hier in der Moderne ist es möglich, das Erschaffen von Leben bei Intimitäten hintan zu stellen und darauf zu bestehen, dass die individuelle „sexuelle Orientierung“ und Auslebung derer doch Vorrang vor den „Folgen“ hat, die man sich anmaßt dann auch zu entsorgen – begrifflich und tatsächlich. Das ist jetzt nicht moralisch gemeint, nur als Hinweis, wie das bürgerliche Subjekt so tickt.
      Und dann ist es auch so, dass man nichts zu melden hat, wenn eins denn die verallgemeinerte Subjektivität verweigert. Das ist nämlich die Vorleistung, die Sie einfordern: man muss dann schon volljährig sein und sich für die konkurrente Inhaltslosigkeit und bloße Interessen qualifiziert haben, sonst … hat eins kein Sagen und die Eltern oder Betreuer werden „überzeugt“.
      Abstraktes Recht und Rechtsförmigkeit sind beileibe keine zivilisatorischen Errungenschaften, sondern die Reduktion der Angelegenheiten, die alle angehen, auf bloße, in Normen gegossene, Abstraktionen, die wir alle, jeder Individualität entkleidet, als Schemen unserer selbst, als bürgerliche Subjekte, konkurrent öffentlich verhandeln ohne deshalb je konkret und inhaltlich berechtigt zu sein oder zu werden.
      Tatsächliche Ziele, Inhalte und stofflicher Reichtum ist seit Anbeginn davon ausgenommen, darf aber von Rechtsstaatlichkeit im Wesentlichen unbehelligt und garantiert, in der Nicht-Öffentlichkeit ohne jede Behinderung verfolgt werden. Das führt aber zu anderen Themen.
      Kurz und zum Schluss: in einer warenförmigen Welt, die postuliert und durchsetzt, dass der Zusammenhang der Menschen sich gefälligst nur hinten herum und durch „unsichtbare“ Hand herstellen soll, in einer Welt, die völlig inhaltslos auf Inhaltslosigkeit besteht und diese abstrakt-universell durch Normen und tatsächlich durch ungehemmte und brutale Gewalttätigkeit nach innen und außen durchsetzt, möchte ich jenseits persönlicher Beziehungen wenigstens meinen Körper ohne weitere Einschreibungen (Michel Foucault) als vorstaatliches und inhaltlich-substanitelles Recht für mich behalten.

    • „…entsteht der Eindruck, der Bürger sei ein Besitz des Staates.“
      „…dass die Lebendspende (was es ja tatsächlich ist) nicht angesprochen werden darf….dass Organe auf den Markt kommen..einer Gewalt …, die nicht nur dafür steht, dass Menschen ganz generell keinen Zugriff auf ihnen zustehende Reproduktionsgrundlagen haben, sondern vom Verwerten ihrer Arbeitskraft (Lotterie) gleich für welchen inhaltlichen Zwecke hinsichtlich ihres Überlebens abhängen, sondern sogar schließlich ihre eigene Leiblichkeit zum Glück des „großen Ganzen“ utilitaristisch hingeben sollen, ohne ihr eigenes Leben (und das Sterben gehört zum Leben) zu Ende leben zu dürfen…in einer warenförmigen Welt, die postuliert und durchsetzt, dass der Zusammenhang der Menschen sich gefälligst nur hinten herum und durch „unsichtbare“ Hand herstellen soll, in einer Welt, die völlig inhaltslos auf Inhaltslosigkeit besteht und diese abstrakt-universell durch Normen und tatsächlich durch ungehemmte und brutale Gewalttätigkeit nach innen und außen durchsetzt, möchte ich jenseits persönlicher Beziehungen wenigstens meinen Körper ohne weitere Einschreibungen (Michel Foucault) als vorstaatliches und inhaltlich-substanitelles Recht für mich behalten.“

      Der Kontext ist m.E. weiterhin definiert durch folgende Zitate:

      „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet“. Und: “ Die Epoche der Staatlichkeit geht zu Ende. Darüber ist kein Wort mehr zu verlieren.“ (Carl Schmitt, Staatsrechtler und politischer Philosoph.)
      „Es findet ein Klassenkamp reich gegen arm statt, und wir gewinnen ihn“. (Warren Buffett).
      „Niemand ist reich zu nennen, der nicht in der Lage ist, von den Zinsen seines Vermögens ein Heer und eine Flotte zu unterhalten.“ (Marcus Licinius Crassus, 12 vor Christus).
      Letzterem wurde mit dem Rang eines Prätors die Führung des Sklavenkrieges übertragen: Auf der Strasse zwischen Capua und Rom wurde eine Allee mit sechstausend gekreuzigten Sklaven aufgestellt.
      Buffet, Soros und Co. führen diesen Krieg heute. Besitzt der Staat den Bürger? Ist nicht der Markt der Souverän? In der „Finanzkrise“ hat der Souverän den Ausnahmezustand erklärt, nicht der Staat.
      Wer nicht Gutsbesitzer ist und/oder von den Zinsen seines Vermögens leben kann, der muss seine Arbeitskraft, seine Gesundheit, sein Blut, seine Organe, sein Leben dem Markt „spenden“. Wer ein angenehmes Arbeitsverhältnis im Westen hat, der realisiert sein Sklavendasein „gefühlt“, wenn überhaupt. Anders ist das in Südostasien oder Indien etc.
      Dort, wo Arbeitskräfte, Sklaven und Organe ungeregelt als „Lebendspenden“ auf den Markt kommen.
      Ja, ich würde das auch gerne „möchten“: „…meinen Körper ohne weitere Einschreibungen (Michel Foucault) als vorstaatliches und inhaltlich-substanitelles Recht für mich behalten.“

      Ja, es ist so, dass wir die „eigene Leiblichkeit“ (i.e. die Lebendspende) „zum Glück des „großen Ganzen“ utilitaristisch hingeben sollen, ohne unser eigenes Leben (und das Sterben gehört zum Leben) zu Ende leben zu dürfen…in einer warenförmigen Welt“.

    • @Tony
      In diese Richtung nicht gedacht, danke. Schade, dass so wichtige Themen hier auf dieser Plattform „nach hinten“ im nirgendwo entschwinden. Vielleicht ändert sich das noch.
      Herzliche Grüße

  4. Sehr geehrter Herr Bittner und meine Vorschreiber,
    hier vielleicht eine oder zwei erhellende Information eines Betroffenen zu dem Thema, die unbedingt in einen gut recherchierten Artikel gehörten.

    Ich muss dazu sagen, dass ich den Artikel nur überflogen habe, dafür entschuldigung.

    Es gibt in Europa eine zentrale Vergabestelle für Organe namens Eurotransplant. Bei diesem System werden europaweit die Organe eingesammelt und an die Menschen verteilt, die auf der „Liste“ oben stehen. Dies kann auch mal direkt geschehen (full house Organ), wenn der Spender große genetische Ähnlichkeit mit dem Empfänger aufweist – was aber für uns keine Rolle spielen soll. Dies zur Info.

    In Deutschland wurden im letzten Jahr etwa 700-800 Organe verteilt. Wovon ein sehr großer Teil aus dem europäischen Ausland kam. Wieviele das sind ist nicht ganz klar, ergibt sich aber aus den Gesetzgebungen der Nachbarländer, die zu einem großen Teil bereits das bei uns angedachte System (Spenden bei Nichtwiderspruch) am Laufen haben.

    Das deutsche Problem besteht hier darin, dass Deutschland also Nutznießer dieses Systems ist und es wird noch schlimmer: die Teilnahme an Eurotransplant hat die Voraussetzung, dass ein bestimmter Anteil der Bevölkerung spendet. Deutschland steht hier auf der Kippe und es geht um ein halbes Prozent und wir fliegen raus. Das erklärt den politischen Druck, nicht, dass Herr Span hier der Pharma die Taschen voll machen will. Was ich nicht ausschließen möchte.

    Was ein Ausschluss aus diesem System bedeuten würde kann sich jeder also an zwei Fingern abzählen.

    Übrigens ist ein transplantiertes Organ die weitaus günstigere Lösung, wenn man sich die Kosten meiner Dialysebehandlung und der damit verbundenen Nebenkosten anschaut.

    Den moralischen Aspekt lasse ich mal beiseite, aber Horrorgeschichten von Hirntoten(!), die wieder putzmunter von ihrer Maschine aufspringen und erzählen wie es ihnen im Schlaf ergangen ist, halte ich für nicht hilfreich und tatsächlich nur für Geschichten.

    P.s. Ich habe seit 18 Jahren einen Organspendeausweis.

    LG
    Jörn

    • Jetzt habe ich auch den Artikel gelesen. Einiges war ja schon drin.

      Die rechtliche Seite ist sicherlich die Kernkompetenz von Herrn Bittner und er mag recht haben, was die Würde des Menschen angeht.

      Nur hat für mich der rechtliche Anspruch hier eher etwas Dogmatisches, als dass er sich an der Notwendigkeit orientiert.

      Ohne Eurotransplant können wir unsere Transplatationsärzte im Ausland besuchen und es sterben Menschen. Eine Menge.

      Wenn die Konsequenz ist, dass ich dafür einen Zettel mit den Worten „bitte keine Organe entnehmen“ mit mir herumtragen, oder dies meiner Frau sagen muss, dann sei es.

      Persönlich wüsste ich keinen moralisch vertretbaren Grund dies nicht zu tun. Die einzigen die mir einfielen, wäre Faulheit, Ignoranz oder Angst, dass er nicht gelesen wird… Aber ich lasse mich hier gern belehren.

      Wenn ich nicht möchte, dass meine Tochter etwas erbt, sondern nur mein Sohn, dann muss ich zu Lebzeiten um einiges mehr an Aufwand betreiben und notariell Zettel anfertigen lassen, um das sicher zu stellen. Dafür scheint bei uns gesellschaftlich aber genug Energie da zu sein.

      Zudem ist wohl nicht jedem klar was die Voraussetzung ist, um ein Organ zu spenden. Hier gehen Untersuchungen voraus, die die Gesundheit des Spenders zu 100% belegen müssen.

      Da wird nicht zwischen Tür und Angel mal eben ne Niere rausgeschnippelt und wenn die Verwandtschaft nicht in der passenden Stunde erreichbar ist, wird da garnichts gemacht, schon aus Sicherheitsgründen dem Patienten gegenüber.

      Hier eine Bitte: vor der publizistischen Bewertung der Verhältnisse wäre es gut erstmal mit Leuten vom Fach zu sprechen. In diesem Fall Transplantationsärzten.

      Ich kann zwar als Bäcker einen Artikel über Heizungsinstallationen schreiben und mich darauf berufen, dass ein Hefezopf mit einer Vorlauftemperatur von 23 Grad nicht aufgeht.
      Wenn ich mich aber nun als Hausherr für ein System entscheiden soll, das die Wohnung warm macht, hilft mir doch diese Info nicht weiter.
      Da helfen übrigens dann auch keine Architekten in den Kommentaren, die nun gegen die Ästhetik einer Wandheizung wettern, die nicht zu den Vollholzmöbeln passt.

  5. Sehr geehrter Herr Bittner,

    ich pflichte Ihnen voll bei. Wie viele Bürger werden den Widerspruch einfach ignorieren, oder die erforderliche Ablehnung nicht dabei haben, vorausgesetzt sie wollen keine Organe spenden, und damit zu potentiellen Organspendern.
    Irgendwie fühle ich mich jedoch bei dem Gesetzesvorhaben an den Film „Fleisch“ von Rainer Erler aus dem Jahr 1979 erinnert. Kriminellen wird Tür und Tor geöffnet. Wie schnell kann jemanden, der die passende Blutgruppe hat etwas passieren. Wer die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung hat, kann dann leichter einen eventuell vorhandenen Organdefekt beheben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Armin Mann

  6. Auf gar keinen Fall würde ich einer Organentnahme zustimmen – im Gegenzug will ich auch selbst keine Fremdorgane!

    Wie schon ausgeführt, man kann keinem toten Menschen Organe entnehmen, nur einem lebenden Menschen. Der Begriff „hirntot“ ist nicht eindeutig definiert und seit Jahre gibt es ernstzunehmende Proteste sämtlicher wissenschaftlichen Fakultäten dagegen, den Hirntod mit dem Tod des Menschen gleichzusetzen.

    Herz, Leber, Nieren, Augen … werden entnommen, man sägt mitunter sogar die Beckenkammknochen aus dem Körper und leitet diese an eine Knochenbank weiter, zum späteren Verkauf. So wird der Organspender zerlegt in Einzelteile, verteilt über ganz Europa und wird so zu so etwas wie einem Recyclinggut.

    Abgesehen davon, dass die Organentnahmen offenbar ohne jegliche Betäubung vorgenommen werden, nein, nicht mit mir. Wie gesagt, ich will auch kein Fremdorgan. Wenn es dann soweit ist, ist es halt soweit, dann ist es eben so.

  7. Eine ganzheitliche Ergänzung erlaubt?
    Eine weise 17-jährige teilt ihr inneres (nicht erlerntes) Wissen zur Organtransplantation auf ihrer Homepage

    +++++++++++++++++++

    Christina von Dreien: „Immer wieder werde ich zum Thema Organspenden befragt. Gerne gebe ich hier auch offiziell meine Meinung ab und möchte gleichzeitig darauf hinweisen, dass es in der Selbstverantwortung eines jeden Einzelnen liegt, was für eine innere Haltung er dazu einnehmen möchte.

    Alles, was in unserer Seele enthalten ist – und noch viel mehr –, ist auch in den Zellen unseres Körpers abgespeichert. Unser Charakter und unsere Verhaltensmuster, die wir durch die Erfahrungen unserer früheren Inkarnationen und im Verlaufe unseres gegenwärtigen Lebens gebildet haben, unsere Vorlieben und unsere Abneigungen, unsere Beziehung zu bestimmten Dingen – alle diese Informationen befinden sich energetisch in unseren Körperzellen. Man spricht hier von einem «Zellgedächtnis», in dem das gesamte angesammelte Karma eines Menschen abgespeichert ist. Dies umfasst nicht nur alle Erlebnisse und Erfahrungen, die wir als Seele in diesem oder in vergangenen Leben persönlich gemacht haben, sondern ebenso auch alle Denkmuster, Überzeugungen, Vorstellungen und Glaubenssätze, die wir unbewusst von unseren Vorfahren übernommen haben und die wir noch nicht bewusst transformiert haben. Alles, was unser Vater und seine Ahnen sowie unsere Mutter und ihre Ahnen an Erfahrungen gesammelt haben, ist somit ebenso in unserem Zellgedächtnis gespeichert. Und da alle unsere körperlichen Organe aus Zellen gebildet sind, sind in jedem unserer Organe sämtliche dieser Informationen enthalten.
    Wenn nun einem Organspender beispielsweise das Herz entnommen wird, dann sind in diesem Herz alle Informationen des Spenders sowie seiner gesamten Ahnenkette enthalten. Wird das Organ in den Körper eines Empfängers transplantiert, dann übernimmt der Empfänger damit nicht nur das physische Organ, sondern zusätzlich auch die energetischen Informationen des Spenders. Aus diesem Grunde kann nach Organtransplantationen immer wieder beobachtet werden, dass der Empfänger auf medizinisch unerklärliche Weise plötzlich einen sichtlich veränderten Charakter aufweist, dass er in bestimmten Situationen anders reagiert, dass er neue Gewohnheiten pflegt oder auch nur, dass er beispielsweise eine neue Lieblingsspeise hat. Dies ist der erste wichtige Aspekt, den es bei der Frage nach Organtransplantationen zu berücksichtigen gilt.

    Der zweite Aspekt ist ein ethischer Aspekt, und er dreht sich um die Frage: Wann ist ein Mensch wirklich tot? Oder genauer: Kann man einem toten Menschen überhaupt ein Organ zur Transplantation entnehmen? Die Mediziner sagen, dass man einem Menschen erst dann ein Organ entnehmen dürfe, wenn er für hirntot erklärt worden sei. Dieser sogenannte Hirntod gleicht einer Art Koma-Zustand. In den meisten Fällen verhält es sich beim Koma so, dass sich die Seele nach wie vor im Körper befindet oder zumindest noch mit dem Körper verbunden ist. Beim Hirntod ist es genauso. So gesehen werden Transplantationsorgane im Grunde immer einem noch lebenden Menschen entnommen. Erst dadurch, dass dem Organspender die jeweiligen Organe entfernt werden, wird der Körper endgültig nicht mehr lebensfähig, so dass die Seele dann den Körper verlässt.

    Der dritte Aspekt kann schwerwiegende Folgen für den Organspender haben. Solange die Seele eines Menschen noch im physischen Körper weilt, ist sein feinstofflicher Ätherkörper energetisch veränderbar und passt sich der Physis an. Der Ätherkörper ist feinstofflich direkt mit dem physischen Körper verbunden. Das heisst: Was auf der physischen Ebene passiert, das passiert ebenso auch auf der ätherischen Ebene.
    Wird einem Menschen nun beispielsweise das Herz entnommen, dann hinterlässt diese Entnahme nicht nur im physischen Körper eine Lücke, sondern parallel dazu auch im ätherischen Körper. Es wird dort die Information abgespeichert: «kein Herz vorhanden». Nach dem Tod des Menschen bleibt diese Information im Ätherkörper gespeichert, und so reist die Seele mit der Information «kein Herz vorhanden» in ihre nächste Inkarnation. Wenn dann gemäss dem Bauplan des Ätherkörpers ein neuer physischer Körper gebildet wird, so wird aufgrund dieser abgespeicherten Information der neue Körper kein Herz entwickeln, denn die Information, die energetisch an die Zellen weitergegeben wird, lautet ja: «kein Herz vorhanden». Dies ist einer der möglichen Gründe dafür, warum Kinder manchmal ohne ein bestimmtes Organ zur Welt kommen.

    Der vierte Aspekt schliesslich ist der Aspekt der Weiterreise zum Licht. Gemäss unserem Seelenplan inkarnieren wir ja in bestimmte menschliche Lebensumstände, um hier gewisse Erfahrungen zu sammeln und gewisse Erlebnisse zu absolvieren, bevor wir anschliessend weiterreisen auf unserem Weg zurück zum göttlichen Licht. In jeder Inkarnation gibt es für uns dabei bestimmte Aufgaben zu erfüllen, und wenn sie im Idealfall alle erfüllt sind, dann sind wir frei, um unsere nächsten Schritte zu gehen. Wenn wir sterben, sind wir aufgefordert, unser Bewusstsein von der physischen Ebene zu lösen, das heisst unseren toten Körper zu verlassen und ihn auch dankbar für seine geleisteten Dienste vollständig loszulassen. Dann sind wir frei von der jetzt beendeten Inkarnation und bereit für die Weiterreise. Dies ist der Normalfall.
    Im Falle einer Organspende jedoch lebt das gespendete Organ in einem anderen physischen Körper noch weiter, so dass der Spender sich nicht vollständig verabschieden kann. So neigt er dazu, sich auch nach seinem Tode weiterhin in der Nähe des Empfängers aufzuhalten, da dort ja gefühlt noch ein Teil seiner selbst weiterlebt. Dieses Gefühl wird ihn an der Weiterreise zum Licht hindern, und er wird erdgebunden bleiben. Dieser Zustand ist so, als würde der Spender eine weitere, fremde Inkarnation mitleben, obwohl seine eigentliche Inkarnation bereits beendet ist. Erst wenn irgendwann das transplantierte Organ nicht mehr funktioniert, genau gesagt, wenn der Empfänger ebenfalls stirbt und seinen Körper verlässt, erst dann kann die energetische Verhaftung an das Organ aufgelöst werden, und die Seele des Organspenders kann endlich gehen.“

    Da staunt der Kopfmensch, nicht wahr?
    Das alles als esoterische Spinnerei abzutun, würde mir als etwas zu einfach erscheinen.

    • „Jahrtausendealte, sichere Todeseintrittskennzeichen werden ignoriert – zu Profitzwecken

      Nachdem der südafrikanische Chirurg Christian Barnard im Dezember 1967 die erste Herztransplantation vorgenommen hatte und 1968 in den USA Chirurgen in 70 Fällen gefolgt waren, begann der US-Staatsanwalt deswegen, wegen vorsätzlicher Tötung gegen die Transplantationschirurgen zu ermitteln.
      Als Reaktion darauf definierte eine Harvard-Ad-hoc-Kommission 1968 den Tod des Menschen willkürlich – d.h. Profitzwecken dienend – neu.
      Sie erklärte ein (angeblich oder wirklich) irreversibles Koma bereits als ‚Tod‘.
      Damit hob die Harvard-Ad-hoc-Kommission die bisher seit Jahrtausenden geltende Erkenntnis und Erfahrung auf, wonach ein Mensch erst dann tot ist, wenn sein Herz und die Atmung irreversibel zum Stillstand gekommen waren, und Seele und Geist den Körper endgültig verlassen hatten.
      Zuvor hatten 1959 zwei französische Ärzte (Molaret und Goulon) den Zustand des irreversiblen Komas erstmals beschrieben, bei dem das Gehirn durch Sauerstoffmangel irreversibel zerstört war. Diesen Zustand hatten sie als „coma dépassé“ (endgültiges Koma) beschrieben, jedoch keinesfalls als Tod.

      Nochmals: Bis 1968 hat durch die Jahrtausende gegolten, dass ein Mensch erst dann verstorben, erst dann tot war, wenn sein gesamter Organismus – Herzatmung und damit der gesamte Kreislauf – zum Stillstand gekommen war. Der Körper des Verstorbenen erkaltete, Totenflecken zeigten sich, die Leichenstarre stellte sich ein, der Verwesungsprozess folgte.
      Im Bereich atheistischer, materialistischer, medizinischer Wissenschaft existieren Geist und Seele eines Menschen jedoch nicht.

      Mit dem wirklichen Tod lösen sich Geist und Seele durch Zerreißen des silbernen Bandes irreversibel vom irdischen Körper, dem Gehäuse und Werkzeug des Menschen auf Dauer seiner irdischen Inkarnation und kehren zurück ins Jenseits, der wahren, ewigen Heimat des Menschen.

      Juristische Vorverlegung des Todeszeitpunktes bezweckt Organentnahme bei noch Lebenden!

      Seit die Schulmedizin die Organtransplantation in ihr Programm aufgenommen hat, und extreme Profite damit gemacht werden, ist der Todeszeitpunkt zweckdienlich zeitlich umdefiniert, d.h. vorverlegt worden. Er wird seitdem auch immer weiter vorverlegt, um dem „Hirntoten“ – in Wirklichkeit einem Sterbenden – lebendfrische Organe, wie z. B. das noch bis dahin schlagende Herz oder andere bis dahin voll durchblutete Organe, wie Niere, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Augen etc. entnehmen zu können.
      Nach Angaben der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO) finden sich Bewegungen der Arme und Beine „bei bis zu 75% aller Hirntoten“!!
      Nach dem deutschen Transplantationsgesetz (TPG) dürfen lebenswichtige Organe aber nur von (wirklich) Toten entnommen werden.
      Im Interesse der Organtransplantation wurde die Definition des „Hirntodes“ als angeblichen Todeszeitpunkt des Menschen nahezu weltweit durchgesetzt.
      Behilflich wurde auch die Bundesärztekammer. Sie konstatierte, dass mit dem „Hirntod“ angeblich naturwissenschaftlich–medizinisch der Tod des Menschen festgestellt sei.
      Wem ist schon bekannt, dass sich hinter der Bezeichnung „Bundesärztekammer“ ein nicht rechtsfähiger Verein von Landesärztekammern verbirgt, jedoch keine öffentlich-rechtliche Institution auf Bundesebene, wie dieser Name vorgibt?
      An der Feststellung der Bundesärztekammer, dass mit dem „Hirntod“ naturwissenschaftlich-medizinisch der Tod des Menschen angeblich festgestellt sei, ändert die Tatsache nichts, dass es sich bei dem Patienten zu diesem Zeitpunkt um einen noch „lebenden Leichnam“ handelt, dessen Herz noch schlägt, das den gesamten Kreislauf aufrecht erhält, der voll durchblutete Körper seine normale warme Temperatur hat, und der Stoffwechsel noch stattfindet. Auch das funktionsunfähige Gehirn ist noch durchblutet, keineswegs wie bei einem Toten erkaltet, geschweige denn in den Verwesungsprozess übergegangen.“

      Auschnitt aus längerem Artikel auf Friedliche-Loesungen Punkt org

  8. Widerspruchslösung ist OK. Und der alte Mann sollte hier keine Bandbreite mit Zwischenrufen verschwenden, sondern rechtzeitig widersprechen, wenn es dann noch nötig ist. Und er sollte hoffen, dass er bis dahin nicht an die Dialyse muss, dann wird er vielleicht noch einen erfürchtigeren Korrekturruf nachschieben.

    Augen-Hornhäute lassen sich übrigens noch eine relevante Zeit nach dem tatsächlichen Tod des Patienten sehr gut explantieren und Menschen verpflanzen, die aufgrund eigener Hornhautschäden erblindet sind.

  9. Übrigens, man ist noch nicht tot, wenn das Organ entnommen wird – danach dann meistens schon. Tote Organe sind als „Spenden“ völlig ungeeignet. Und zum „Hirntod“ sollte des Sängers Höflichkeit nicht schweigen … zu viele sind danach erwacht und putzmunter.
    Organe als Ware und Kommodifizierung des Körpers, das ist die letzte natürliche Ressource, die man noch weiter akkumulieren und in Wert verwandeln kann.
    Lebendspende ist eine andere Liga. Und warum ist die Entwicklung künstlicher Organe nicht weiter gediehen?

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