Ostermarschrede beim Essener Friedensforum am 01. April 2018

Ein Redebeitrag von Bernhard Trautvetter.

Es gilt das gesprochene Wort.

Unser diesjähriger Ostermarsch findet in einer kriegerischen Zeit statt, die sogar einen Atomkrieg immer wahrscheinlicher werden lässt — etwa zwischen dem Iran, Syrien und Russland einerseits, und Saudi Arabien, Israel und den USA andererseits.

Das Bulletin der Nuklearwissenschaftler warnt vor einem Atomkrieg mit dem Hinweis, es sei wegen der Rüstung und der weltweiten Spannungen zwei vor zwölf.

In Essen ist für den nächsten Oktober eine Konferenz der Kalkarer Nato-Einrichtung namens JAPCC geplant, und zwar unter dem Titel „Im Nebel des Tages Null – Luftwaffe und Weltraum an der Frontlinie“.

Die Strategen planen Krieg im 21. Jahrhundert. Dazu sagen wir Nein! Denn wir wollen hier auf der Erde leben.

Zur Legitimierung ihrer brandgefährlichen Eskalationsstrategie verweisen die Militärs auf Russlands Vorgehen gegenüber der Ukraine, und zwar besonders auf der Krim. Was sie vergessen machen wollen, das ist z.B. die seit über 40 Jahre andauernde militärische Besetzung Nordzyperns durch den Nato-Staat Türkei. Sie unterstützen außerdem trotz aller heuchlerischen Kritik auch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Türkei gegen Syrien und den Irak mindestens mit Waffenlieferungen. Wir protestieren gegen diese brutale Aggression und gegen deutsche Waffenhilfe für die Nato-Kräfte der Türkei, die mit Panzern aus deutscher Produktion im Zentrum von Afrin ihren Sieg zelebrieren. Die Tötung und Entrechtung, die Vertreibung und Einschüchterung der Kurden im Kriegsgebiet muss sofort mit massiven Embargos gegen den Aggressorstaat beantwortet werden. Erst  wenn die Türkei zurück zur Demokratie und zum Frieden gekehrt ist, darf eine Verhandlung über eine EU-Aufnahme erfolgen!

Solidarität mit den Opfern und Flüchtlings-Hilfe ist das Gebot der Stunde! Der Essener Konzern Ferrostaal, der mit der Panzerfirma Rheinmetall verbunden ist, ist in die Waffengeschäfte mit der Türkei eingebunden. Dagegen protestieren wir und fordern das Ende des Geschäfts mit dem Töten. Die Kriege im Nahen Osten, darunter das überharte Vorgehen der rechten Regierung Israels gegen Palästinenser, das auch westlicherseits bis zu unserem Außenminister unterstützt und ermutigt wird, all das erfordert eine neue Nahostkonferenz zur friedlichen Regulation der Interessen. Andernfalls explodiert die Lunte am Tank der Erde. Diese Region ist wegen der dort liegenden Ressourcen und als Schnittstelle dreier Kontinente von höchstem strategischem Interesse. Da liegen die wahren Fluchtursachen. Die damit verbundene Brutalität und die Unmenschlichkeit der Abschiebepolitik selbst in Kriegsgebiete, die Einrichtung sogenannter Ankerzentren für noch schnellere Gnadenlosigkeit beim Abschieben, das hängt alles auf perfide Weise miteinander zusammen.

Auch die Tatsache, dass die Bundeswehr laut Koalitionsvertrag sehr bald schon die Nutzung von „bewaffnungsfertigen Drohnen“ in Israel, also nahe an den dortigen Kampfgebieten praktiziert, ruft unseren Protest hervor. Drohnen bedeuten auch so genannte „expeditorische Kriegsführung“ ohne Kriegserklärung. So genannte Terroristen werden als „weiche Ziele“ gezielt getötet, die Kollateraltoten übersteigen die Zahl der außergerichtlich mit der Todesstrafe exekutierten.

Und mit einem von der Bundesregierung beschlossenen Zuschuss von über 500 Millionen Euro erhält Israel mindestens sechs atomwaffenfähige U-Boote aus der Produktion von Thyssen-Krupp. Laut Spiegel hatte Kanzlerin Merkel die Lieferung des sechsten U-Boots mit verschiedenen Wünschen verbunden: Israel sollte seine expansive Siedlungspolitik stoppen und die Fertigstellung eines Klärwerks im Gaza-Streifen erlauben, das auch mit deutschen Geldern finanziert wird. Nichts davon ist geschehen. Im Gegenteil eröffnet die rechte Regierung Israels die nächste Stufe der Eskalation der Gewalt mit ihrer völkerrechtswidrigen Siedlungs- und Gewaltpolitik.

In der international brisanten Situation plant die Nato mit Unterstützung der Bundesregierung die Stationierung neuer, als gebrauchsfreudiger beschriebener Nuklear-Potentiale in der Eifel bei Koblenz.

Deutschland gießt Öl ins Feuer, um sich vermeintliche Vorteile in der Konfliktregion zu verschaffen und spielt ein gefährliches Spiel mit der Existenz der Zivilisation. Der ehemalige Essener Bundespräsident Heinemann bezeichnete in der Bundestagsdebatte über die Atombewaffnung der Bundeswehr, die auf das Drängen von Franz Josef Strauss damals beschlossen wurde, diese Potentiale seien keine Waffe, da sie die Negation der Zivilisation sind. Wer sie als erster einsetzt, stirbt als zweiter.

Rüstung tötet auch in Friedenszeiten. Die Milliarden fehlen in Schulen, in der Infrastruktur, in Krankenhäusern, im Wohnungsbau und in der Sozialpolitik.

In der internationalen und nationalen Lage hat die Politik die Verantwortung, den Frieden wie unseren Augapfel zu hüten.

Wir demonstrieren für Abrüstung statt Aufrüstung, gegen Waffen-Export und Kriegseinsätze der Bundeswehr, gegen die atomare Bedrohung und gegen Drohnen für den Krieg im 21. Jahrhundert.

Das ist dringend nötig!

Das Leben auf der Erde braucht unser Engagement z.B. in Büchel, wo die Bundeswehr auch die so genannte „nukleare Teilhabe“ an Atomkriegsvorbereitungen praktiziert. In Kalkar, wo eine der Drehscheiben für den Krieg im 21. Jahrhundert existiert. In Essen beim Protest gegen die Nato-Kriegsplanungskonferenzen in der Messe Essen. In Ramstein, wo sich die Relaisstation für den Welt-Drohnenkrieg der der USA/Nato befindet. Am 1. Mai, am Antikriegstag, und und und …

Es gibt viele Anlässe. Wir werden nicht nachlassen – unser Engagement ist eine gute Sache, weil es für eine gute Sache ist. Die gute Sache ist eine überlebens- und zukunftsfähige Gesellschaft, die nur eine der Abrüstung und des Friedens sein wird. Deshalb unterschreibt den Aufruf „abrüsten statt aufrüsten“ und den Aufruf gegen die Kriegsplanungskonferenzen auf www.no-natom-krieg.de

Unterschreibt bitte auch den Aufruf „Abrüstung statt Aufrüstung“ unter: https://abruesten.jetzt/

Unsere Gegner sind Verharmloser, die das Risiko auch des eigenen Todes aufgrund ihres Vorgehens steigern: Adenauer nannte im Konflikt um die Atombewaffnung die Atombombe die Weiterführung der Artillerie. Seit damals gibt es die Ostermärsche als tragende Aktionsform der Protestbewegung.

Unser Ostermarsch ist eine gute Sache, er ist für eine gute Sache. Wir haben einen langen Atem, wir lassen nicht nach, bis wir unsere Ziele erreicht haben. Unser „Nein“ zum Krieg ist ein „Ja“ zum Leben.

Konkret heißt das:

  • Abrüsten statt aufrüsten!
  • Keine Drohnen für die Bundeswehr!
  • Keine militärischen Atompotentiale in Deutschland!
  • Stopp den Waffenexporten, Kriegsplanungen und Auslandseinsätzen!

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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12 Kommentare zu: “Ostermarschrede beim Essener Friedensforum am 01. April 2018

    • Atomkriegswarnungen wohin man schaut / Und was macht mein Nachbar? Der geht Rasenmähen!

      Warum steigen die Aktienkurse der Rüstungskonzerne?

      a) Ausverkauf nuklearer Ladenhüter auf dem Schwarzmarkt für den IS
      b) Vorbestellungen ABC-Schutzanzüge für die Bundesweh zur AKW-Bewachung
      c) Nikolaus-Rabatt-Aktion Stealth-Bomber für die USAF wegen Nordkorea
      d) Weihnachts-Rabatt-Aktion Nukleare Bunker-Buster für die IADF wegen Iran
      e) Nur-so-lange-Vorrat-reicht-Aktion Mini-Nukes für die US-Army in Syrien
      f) Oster-Rabatt-Aktion auf alle automatischen Waffen wegen US-Bürgerkrieg
      g) Glückspiel-Aktion auf funktionierende Atomraketen-Abwehr für die NATO
      h) Rubbel-Los-Ausverkauf für eine nukleare Abrüstung mit Russland
      i) Russisches-Roulette um die 2 Billionen US-Dollar Reserve mit China
      j) Alles-Muss-Raus-Aktion der gesamten Waffenkammer für den 3. Weltkrieg
      k) Finanzbuchhalterin hat sich beim Tagesabschluss die Fingernägel lackiert
      l) Derivaten-Erlöse aus dem Hedge-Fond „Das Ende naht“ der Zeugen Jehovas

  1. Mein Ansatz zur Lösung dieser Eskalationsspirale wäre;

    Ein konsequentes russisches Programm zum Ankauf der mehrheitlichen Anteile westlicher Medienhäuser – denn….
    “Wess Brot ich ess des Lied ich sing“ – Den Neoliberalismus kann man nur mit seinen eigenen Mitteln bekämpfen.
    Nur so lassen sich diese Echokammern überwinden – die vierte Gewalt zurückgewinnen……

    Gazprom investiert gerade 70 Mrd in die Gasförder-Infrastruktur des Iran. Für diese menge Geld ließ sich im Medienzirkus hierzulande so einiges ändern – zudem mit einer langfristigen Wirkung.

    • „Den Neoliberalismus kann man nur mit seinen eigenen Mitteln bekämpfen.“
      Das glauben viele.
      Fataler Irrtum meines Erachtens.

      In diese Ecke gehört auch die Überzeugung der Neomarxisten, daß SIE ja alles besser machen würden.
      Und daß es so etwas wie einen richtigen Kommunismus bisher ja überhaupt nicht gab….
      https://www.youtube.com/watch?v=HXBjVau1w7Y

    • @ Andreas G

      Ein Fehler des Neoliberalismus ist seine Skrupellosigkeit – die grad untergehenden Medienhäuser mit ihren sinkenden Verkaufszahlen wären sofort bereit russisches Geld anzunehmen wenn es die nächsten Gehälter damit zu sichern hilft…….das meine ich mit „seinen eigenen Mitteln“ bekämpfen.

  2. Zuerst schaue immer, ob die für mich entscheidende Forderung dabei ist: Deutschland raus aus der Nato!
    Fehlt sie, vermute ich, daß sich die vereinigte SPD+Linke mal wieder mächtig anstrengt, um die Leute zu vereimern.

  3. SCHEINOPOSITION

    Friedens- und Menschenrechtsorganisationen und die «Friedensbewegung» sind ebenso wie die Medien (auch «Alternative») wie eh und je, und auch weiterhin, Überwachungs- und Kon-trollinstrumente der Regierungen, der Mächtigen und deren Repräsentanten. Sie sind eine kontrollierte Opposition die dazu da ist, den Anschein von Opposition und Demokratie aufrecht zu erhalten.
    Erkennbar ist dies daran, dass sie die Gesellschaftsstrukturen und Strukturen der Macht weder hinterfragen, noch in Frage stellen. Sie erwecken den Anschein, täuschen vor, sie würden für Änderungen einstehen. In Wirklichkeit sind nicht einmal Ansätze solcher Bemühungen erkennbar.

    INTRANSPARENZ
    Die Zusammenarbeit (Kollaboration) der «neuen Friedensbewegung» mit den transatlantisch und proisraelisch ausgerichteten Organisationen und deren massgeblichen Personen (z.B. der klar einseitig transatlantisch positionierte Andreas Zumach) (1) wird verschwiegen.
    Mit Diffamierungen (2) ist man sehr rasch zu Stelle während man Offenheit und Transparenz ganz offensichtlich «meidet wie der Teufel das Weihwasser».

    FEHLENDE SOLIDARITÄT
    Diffamierungen gegen engagierte Personen und Verstösse gegen die Meinungsfreiheit werden verschwiegen. Beispiele:
    – Montagsmahnwachen für den Frieden (2)
    – Musiker und Philosoph Gilad Atzmon (3)
    – Journalist Helmut Scheben (4)
    – Vier Kriegsgegner in Sachsen-Anhalt (5)
    – Wie eh und je und gerade jetzt zeigt es sich wieder, wie unglaubwürdig und halbherzig die Scheinsolidarität der vielen Menschenrechts-, Friedensorganisationen und der «Friedensbe-wegung» mit den Palästinensern ist. Eine der schlimmsten Täuschungen der Bevölkerung, denn letztlich sind sie doch auf der Seite der europäischen israelischen Besatzer und Kolonisten und deren «Freunde», der europäischen Regierungen.

    FEHLENDE GLAUBWÜRDIGKEIT / FEHLENDE VERTRAUENSWÜRDIGKEIT
    Wie eh und je, wie seit Jahrhunderten, werden also im Interesse der Regierungen, der Mäch-tigen und deren Repräsentanten jegliche echten konstruktiven Veränderungen, echter Widerstand, echte Opposition verhindert, im Keim erstickt. Durch die Institutionen, also den Autoritäten (z.B. Kirchen, Universitäten usw.), Organisationen («Friedens»)Bewegungen und -Organisationen, («Alternativ»)Medien und anderen mehr.

    Selbstverständlich gäbe es unzählige Möglichkeiten aus diesem Teufelskreis herauszukommen und selbstverständlich verhindern dies die Leitungen der obengenannten Gremien aus den genannten Gründen. Was sie vor allem vermeiden zu erwähnen sind die Möglichkeiten:
    – Ungehorsam (A. Gruen)
    – Verweigerungen
    – Sich nicht vereinnahmen lassen (Auch nicht von «Alternativ»-Medien und der «Friedensbe-wegung»)
    Denn daraus würde sich eine Vielfalt von Möglichkeiten für echte Veränderungen ergeben.

    Eine kontrollierte Friedensbewegung. Eine Friedensbewegung der es an Transparenz und Solidarität fehlt ist unglaubwürdig, nicht vertrauenswürdig. Steht weiterhin im Dienste der Macht, der Zerstörung, der Kriege. Im Dienste einer Machtelite und deren Repräsentanten die schon längst eingeschritten wären, würden sie sich in ihren finanziellen Interessen und in ihrer Macht bedroht fühlen.

    Da den Organisationen und der «Friedensbewegungen» nicht auf die Finger geschaut wird, ist für Missbrauch Tür und Tor geöffnet (Eine Folge von Leicht- und Autoritätsgläubigkeit und fehlendem gesunden Misstrauen).

    «Ich glaube vielmehr, dass der wahre Grund das Bedürfnis von Menschen ist, die Wahrheit zu verschleiern, sie nicht wahrzunehmen, weil sie zu schmerzhaft wäre …… « (Arno Gruen)

    (1)
    https://senfundpfeffer.wordpress.com/2017/11/29/die-merkwurdigen-zensurkriterien-des-urs-p-gasche/
    (2)
    http://www.koop-frieden.de/kooperation-fuer-den-frieden-zu-friedensbewegung-2014-wer-steckt-hinter-ominoesen-aufrufen-zu
    Dieses Pamphlet war bisher auch von Rainer Braun gezeichnet. Wie von Geisterhand ist sein Name verschwunden.
    (3)
    https://promosaik.blogspot.ch/2018/03/gilad-atzmon-benotigt-dringend-ihre.html
    (4)
    https://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Syrien-Russenpeitsche-Helmut-Scheben-Replik
    https://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Syrien-Burgerkrieg-laquoDie-Rolle-der-Russenraquo
    (5)
    https://opablog.net/2018/03/27/schnoeggersburg-wiederholungstaeter/

    • „Dieses Pamphlet war bisher auch von Rainer Braun gezeichnet. Wie von Geisterhand ist sein Name verschwunden“

      Dies ist nicht zutreffend. Ich habe den Namen Reiner Braun übersehen. Mein gespeicherter Link zum betreffenden Dokument funktionierte nicht mehr was mich wohl nervös machte.

      Für diesen Fehler entschuldige ich mich in aller Form.

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