Passives Hinnehmen, (Gegen-)Gewalt und der asketische Eros

von Bernhard Trautvetter.

Am US-Institute of Peace arbeitet Maria Stephan mit ihrer Kollegin Erica Chenoweth zum Thema „Ziviler Widerstand“  in der Form gewaltsamer Kampagnen oder in der Form gewaltfreier Aktionen.

Sie haben dazu eine Studie veröffentlicht, die 2011 unter dem Titel „Why Civil Resistance Works“ publiziert wurde. Sie untersuchten dafür ca. 340 Widerstands-Kampagnen in der Zeit zwischen 1900 und 2006 mit einer Beteiligung von mindestens 1000 Aktivisten, die sich gegen Diktaturen, repressive Regierungen und Besatzungsmächte stellten. Ihr Institut veröffentlichte dazu einen Special Report „Aid to Civil Society“.

Ihr Interesse galt sozialen Bewegungen, die Raum für breites Engagement vieler einzelner oder Gruppen eröffneten, die sich regional und überregional, national und international zuarbeiteten. Diese Bewegungen stellten sich nicht nur gegen etwas, gegen die Unterdrückung, sondern sie verfolgten oft auch ganz generell unterschiedliche Ziele für ein anderes Leben im Sinne des Schutzes der Lebensgrundlagen der Gesellschaft oder einer Erweiterung der Räume für demokratische Beteiligung.

Einige der untersuchten Bewegungen zielten direkt auf eine Konfrontation mit den Mächtigen, andere provozierten repressive Handlungen des Staates in verschiedenen Formen direkter oder struktureller Gewalt.

Sie nannten die untersuchten Bewegungen „A force more powerful“ (= Eine kraftvollere Bewegung).

Sie untersuchten unter anderem die Bewegung für Unabhängigkeit der Indianer in den USA (Indian Independence), den gewaltfreien Widerstand in Dänemark in Form der Nicht-Kooperation, die Anti-Apartheid-Bewegung im weiß regierten Südafrika, die polnische Solidarnosc-Bewegung in der Schlussphase der Existenz der Volksrepublik Polen, die Non-violence-Bewegung in den USA und den antifaschistischen Widerstand gegen 1973 unter CIA-Beteiligung installierte chilenische Militär-diktatur [Beleg für die Verwicklung der USA].

Die Studie von Maria Stephan und Erica Chenoweth ergab, dass gewaltfreie Kampagnen ab einer Beteiligung von 3,5% der Bevölkerung Diktaturen und Okkupationsregimes beenden können. Der Schlüssel zum Erfolg läge in der Partizipation. Jung und Alt, Arbeiter, Bürokraten, arme BürgerInnen, Rebellen, Familienväter, Menschen mit Behinderungen oder anderen äußeren Merkmalen, Mittelstands-Angehörige; KünstlerInnen, gesunde und Kranke – je mehr unterschiedliche Bevölkerungsschichten einbezogen werden können, umso aussichtsreicher das Engagement. Das Engagement ist ebenfalls umso erfolgreicher, je unterschiedlicher die BürgerInnen ihre Aktionsformen gestalten. Streiks, Sit-Ins, Protest, Zuhause-bleiben, Konsumstreiks usw., Aktionen, die an die soziale und ökonomische Basis der Macht gehen, sind umso erfolgreicher, je kreativer sie abwechselnd eingesetzt werden, sodass die Repression immer hilfloser re-agieren muss. Wenn eine Vielzahl von Menschen aus unterschiedlichen sozialen Bereichen Nicht-Kooperation und Widerstand praktizieren, umso eher untergräbt das die Macht. Macht hängt davon ab, dass der ökonomische Kreislauf von Produktion und Konsum floriert.

Der gewaltfreie Widerstand hat eine größere öffentliche Wirksamkeit, da er von Transparenz und Information lebt. Ein Wechselspiel von Methoden der Konzentration von Menschen bei Sit-Ins, Demonstrationen einerseits und Streuung etwa in Form von Konsumentenboykott andererseits steigert die Erfolgsaussichten. Diese Form der Nicht-Kooperation mit der repressiven Macht hat geringere Schwellen zur Entscheidung zugunsten der Beteiligung, während der Einzelne bei gewaltsamem Widerstand höhere Barrieren bei der Motivierung überwinden muss.

Über 90% der untersuchten Widerstands-Kampagnen sahen sich mit gewaltsamer Repression der Obrigkeit konfrontiert.

Gegen-Gewalt und Gewalt aus oppositionellen Bewegungen werden und wurden durchgängig von der repressiven Autorität zur Legitimation ihrer Gewalt benutzt. Das geht von der Heuchelei, man wolle nur die Bevölkerung vor der Gewalt des Terrors und/oder der Banden schützen bis zu verdeckten Formen der Repression, die teils im Klima der Angst alle menschlichen Werte pervertierte. Mit langfristig angelegtem gewaltfreiem Widerstand kann die Repression am schlechtesten umgehen, da ihr dabei einerseits nach außen hin die Legitimation schwerer fällt bzw. immer weniger abgenommen wird. Zusätzlich muss sie damit rechnen, dass Angehörige des Unterdrückungsapparates schneller aussteigen, da sie die kognitive Dissonanz zwischen ihrem Gewissen und den Untaten schwer aushalten. In der Öffentlichkeit kann zugleich durch die offensichtliche Ungerechtigkeit der Widerstand anwachsen.

Die Studie von Maria Stephan und Erica Chenoweth ergab, dass ca. 25% der gewaltsamen Kampagnen erfolgreich endeten; ein berühmtes Beispiel ist der Krieg der algerischen Bevölkerung gegen Frankreich Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, der mit dem Sieg der FLN 1962  zur staatlichen Unabhängigkeit Algeriens führte. Die Erfolgsrate bei gewaltfreien Kampagnen, wie es z.B. in der Bürgerkriegsbewegung in den USA mit Martin Luther King verlief, oder mit der Unabhängigkeit Indiens mit dem Engagement Gandhis, lag mit über 50% im Vergleich doppelt so hoch.

Interessant ist auch noch, dass weniger als 4% der gewaltsamen Siege innerhalb der dann folgenden 5 Jahre zu mehr Demokratie führten. Demgegenüber begünstigten gewaltfreie Bewegungen auch ohne letztendlichen Erfolg ihrer Kampagnen demokratische Öffnungen für mehr Partizipation in ihrem Land. Die Wahrscheinlichkeit von Bürgerkriegen nach 10 Jahren lag bei gewaltsamen Kampagnen bei 43%, während sie nach gewaltfreien Kampagnen mit 28% deutlich niedriger lag.

Die demokratische Partizipation wächst von unten und kann jederzeit beginnen. Ermutigend für die Beteiligung sind Beispiele erfolgreicher Bewegungen und deren Erfahrungen, Berichte über ihre Lebensgeschichten und ihre Methoden. Der Austausch alternativer Bewegungen über ihre Erfahrungen ist in Phasen geringerer Breite der Aktivität genauso wichtig, wie im Schwung einer sich verbreiternden Massenbewegung.

Es geht darum, Solidarität zu demonstrieren, den humanistischen Grundkonsens zu verteidigen, Formen von Rücksichtslosigkeit, die leicht in direkte Gewalt übergehen können, mit gewaltfreier Kommunikation [www.gewaltfrei.de] zu überwinden, über die die Repression und ihre illegitimen Mittel aufzuklären, nicht zurück zu weichen.

Wichtig sind Kerngruppen von Menschen, die den Einsatz all dieser Mittel transparent und vernetzt so organisieren, dass die Macht mit ihrer stumpfen Gewalt an die Grenzen ihrer Macht stößt. Sie können aus ihrer Vertrautheit heraus auch weitgehend sicherstellen, dass keine gegnerischen „U-Boote“, IMs, V-Leute, Agents Provocateur oder kopflose Rebellen den Faden zum Reißen bringen. Sie haben dann mehr Aussicht auf Erfolg, wenn ihr Zusammenspiel die Attraktivität der Solidarität erspürbar und sichtbar werden lässt.

„Das schließt nicht aus, dass im praktischen Bereich der Geschichte, insbesondere der Klassengeschichte, der Fortschritt in der Richtung zunehmender Freiheit sich widerspruchsvoll gestaltet, oft nur bei den erreichten Voraussetzungen wirklicher Freiheit stecken bleibt, Rückfällen ausgesetzt ist, bestimmte Grenzen nicht überschreitet. Zu einem nihilistischen Geschichtsbild bietet diese Einsicht aber keinen Anlass. Denn in allen Errungenschaften … verbergen sich, oft zurückgenommen und sistiert, aber letztlich durchsetzend, Elemente des Eros, um deren Realisierung der Mensch in seiner Gesamtheit bewusst oder unbewusst gekämpft hat.

Der humanistisch begriffene Mensch, der sich als gesellschaftlicher auch seiner Wesenheit zuwider, entfremdet verhalten kann, verhält sich entweder seinem humanistischen Wesen entsprechend ethisch oder im Widerspruch dazu unethisch.“ (Leo Kofler, Der asketische Eros, Wien 1967, S. 328)

Zu dieser Problematik schrieb Marx: „Als Fanatiker der Verwertung des Werts zwingt er (der Kapitalist, B.T.) rücksichtslos die Menschheit zur Produktion um der Produktion willen, daher zu einer Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte und zur Schöpfung von materiellen Produktionsbedingungen, welche allein die reale Basis einer höheren Gesellschaftsform bilden können, deren Grundprinzip die volle und freie Entwicklung jedes Individuums ist.“ (K. Marx, Kapital I.: MEW 23, Berlin/DDR 1972, S. 618)

Eine Bewegung, die insofern in letzter Konsequenz eine Vision hegt, die über die Profitgesellschaft hinausdrängt, die den Zustand, da der Mensch strukturell Mittel eines fremden Zwecks (des Rendite genannten Profits der in Konkurrenz befindlichen Einzelkapitale) ist, eröffnet die Tür zum Erwachsenwerden der Menschheit, da sie sich dann nicht mehr von fremden Mächten abhängig versteht oder erlebt, sei es ein Gott, der Markt oder die Gewalt.  Das soziale Wesen, das der Gemeinschaft bedarf, kann dann in ihr ein freies Individuum werden, wie es Nazim Hikmet sagte: einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald.

Die Alternative ist, dass die Menschheit ohne zum humanistischen Wesen, wie es Kofler schrieb, vorgedrungen zu sein, vom Planeten Erde abtritt. Dies zu verhindern ist nicht nur eine Verantwortung für eine/n jede/n, sondern auch eine aufregend erfüllende Freude im Sinne von Leo Koflers ‚asketischem Eros‘.  Eros verstehe ich hier im Sinne der mythischen Figur Hesiods als Urkraft der Fruchtbarkeit. Das umfasst die Kreativität, Sinnlichkeit und Lebensfreude, die den Menschen im Mut steigert, das Leben bewahren zu wollen. Dann bereitet Engagement für ein lebendiges Leben auch in kalten Zeiten so viel Freude, dass sich die Aussicht steigert, dass immer mehr Menschen für Ziele des Schutzes der Lebensgrundlagen der Gesellschaft und einer Erweiterung der Räume für demokratische Beteiligung aktiv werden, denn die Verbindung aus Freude an der Solidarität und am Erlebnis von Sinn ist die Kraftquelle für die notwendige Beharrlichkeit gerade in unserer Zeit.

In diesem Sinn versteht Kofler den asketischen Eros als „Prinzip erfüllten menschlichen Lebens“ (Klappentext)

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14 Kommentare zu: “Passives Hinnehmen, (Gegen-)Gewalt und der asketische Eros

  1. Requiem (ending)
    When the last living thing
    has died on account of us,
    how poetical it would be
    if Earth could say,
    in a voice floating up
    perhaps
    from the floor
    of the Grand Canyon,
    „It is done.“
    People did not like it here.[60]
    –Kurt Vonnegut, A Man Without a Country, 2005

  2. Wenn alle Be-Schreibende die abermilliarden Seiten beschrieben haben und zum millionenstenmal wiederholen auch nur 1% der ihnen zur verfügung stehenden – geistigen und andere – Mittel darauf verwendet hätten die von ihnen beschriebenen Zustände in eine von ihnen gewünschte Realität zu wandeln, lebten wir längst in einem Paradies.

    • „…lebten wir längst in einem Paradies.“

      Na, ich weiß nicht. Ob die „gewünschte Realität“, wenn sie denn mal da wäre (und annäherungsweise schon erreichbar schien ) etwas am Verhalten der Frösche ändern würde?

      Goethe:

      Ein großer Teich war zugefroren. / Die Fröschlein, in der Tiefe verloren. / durften nicht ferner quaken noch springen, / versprachen sich aber, im halben Traum: / Fänden sie nur da oben Raum, / wie Nachtigallen wollten sie singen. / Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz, / nun ruderten sie und landeten stolz / und saßen am Ufer weit und breit / und quakten wie von alter Zeit.

    • Der Clou ist aber, Verhaltensänderung ist gar nicht nötig und eh nicht möglich auf die gesamte Menschheit bezogen.

      Denn was wollen alle Menschen, oder zumindest die berüchtigten 99%?

      Frieden
      So viel Wohlstand wie möglich
      So wenig Krankheit wie möglich

      Das für alle Menschen zu erreichen ist WESENTLICH einfacher, als das was wir heute haben fortzusetzen.
      Und dafür braucht es keine undefinierbare und sowieso nicht durchsetzbare Verhaltensänderung.

  3. Alles richtig, schön und gut. Und als Quintessenz bleibt wie immer: NICHTS NEUES UNTER DER SONNE!

    Menschlichkeit, Solidarität, Miteinander, Kooperation in viele Worte verpackt, mit Studien untermauert.

    Und am Ende bleibt auch wie immer kein Vorschlag wie denn der Realität so konträr begegnet werden könne.

    • Rezepte zum Handlin konkreter Situationen gebe ich nicht. Sie sind am grünen Tisch nicht sinnvoll im Sinne von nicht praktikabel. Shirley McLane hatte einmal Stress mit einem Handwerker, der sie vor Gericht führte, weil ihr seine Rechnung maßlos überhöht vorkam. Im Laufe des Prozesses überlegte sie sich: ‚Was mache ich teuer bezahlter Weltstar hier in letzter Instanz wegen dieser Summe?‘ Sie schlug ihrem Rechtsanwalt vor, den Mann in ein Gespräch einzuladen, um ihm zu unterbreiten, ob man sich nicht unter erwachsenen Menschen und ohne ein Gerichtsurteil einigen könnte. Das Gespräch ergab eine Forderung des Handwerkers, die weit unter der überhöhten Rechnung war.
      Aber das ist jetzt keine Situation aus der Welt politischer Konflikte. Von Degenhardt habe ich gelernt: ‚Zuschlagen nur dann, wenn man trifft, und nicht wenn die Art, mit der man zuschlägt, dazu führt, dass man am Ende selbst derjenige ist, der als Getroffener zurück bleibt.‘ Aber das sind alles nur Ideen, die für bestimmte Situationen noch keinen Vorschlag darstellen.

    • Es geht ja in Deinem Artikel auch nicht um konkrete Situationen. Was Du schreibst hat globale Gültigkeit. Die großen Probleme können auch nur global ganzheitlich gelöst werden.
      Darum geht es doch. Wir reden ja hier nicht über eine „Kino-Babylon Affäre“.

  4. Danke Bernhard Trautvetter für die vielen Informationen und ihre überzeugenden Argumente für gewaltfreie Aktionsformen, von denen Sie viele aufzählen. Dass der Schlüssel zum Erfolg in der Teilnahme möglichst vieler unterschiedlicher Gruppen und nicht in der Abgrenzung gegen einander liegt, kann man nicht oft genug erwähnen.
    Als Kraftquelle für die notwendige Beharrlichkeit nennen Sie die Freude an der Solidarität und am Erleben von Sinn.
    „Eine Bewegung … die eine Vision hegt, die über die Profitgesellschaft hinausdrängt, … eröffnet die Tür zum Erwachsenwerden der Menschheit. … Die Alternative ist, dass die Menschheit ohne zum humanistischen Wesen, wie es Kofler schrieb, vorgedrungen zu sein, vom Planeten abtritt…“

  5. Das ist doch alles völlig logisch und klar. Wer selber denkt, braucht solche Studien gar nicht erst als Beweis und wer nicht selber denkt, ist ein Spießer, den man immer wieder leicht mit versteckter Gewalt hierhin oder dorthin lenken und beherrschen kann. Leider haben wir von der Sorte derer, die den Mut zu sich selbst haben, zu wenige. Und leider kann man einem Spießer nicht sagen, dass er kein Spießer sein soll. Das könnte er theoretisch nur selber merken und abändern. Aber das geschieht in der Praxis m.E. sehr selten, wenn überhaupt. Vermutlich können nur sehr tiefe seelische Erschütterungen so ein Zu -sich- selbst -kommen bewirken, wenn die Menschen dabei nicht den Verstand verlieren. Oder sehe ich das falsch?

    • Intelligenz ist Aufgeschlossenheit. Wir Menschen müssten auch ohne den Aufprall einer so tiefen Erschütterung aufwachen und aus der Spirale von Rücksichtslosigkeit, Gegen-Reaktion, Herabwürdigen, Ausgrenzen… direkte Gewalt …. aussteigen können, wie mir scheint. Das ist der Grund, warum der Austausch mit ein ander so wichtig ist. Denn wo die Sprache endet, beginnt die Gewalt – Gewalt verstehe ich als jede Form von Rücksichtslosigkeit.

    • Intelligenz ist woh Aufgeschlossenheit, Intelligenz bedingt jedoch auch das sehen der Notwndigkeit von Aufgeschlossenheit. und dieses sehen; vielleicht bedingt intelligenz nur sehen zu können? hier reißt mir der Faden, vielleicht bin aufgeschlossen zu sein, nein Aufgeschlossenheit ist nicht intelligenz.oder umgekehrt. intelligenz vielmehr ein wort der moderne- dem jeder, oder sehr viele, nachstreben. intelligenz könnte, wie das meiste in der heutigen zeit , ein geschäftsmodell sein. wer ist schon geschäftstüchtig, ohne intelligent zu sein? wer kann schon überleben, ohne geschäftstüchtig zu sein? das sind, so traurig sie auch klingen, die Fragen der heutigen Zeit. Schade…

    • Lieber Herr Trautvetter! Natürlich stimmt das alles, was Sie schreiben. Aber es ist dennoch keine Antwort auf meine aus Verzweiflung etwas plakativ formulierte Frage, wie die vielen Menschen, die das Selberdenken aufgegeben oder vielleicht nie erlernt haben, dazu kommen könnten, es jetzt zu tun. Ich habe bisher den Eindruck, dass diese Vielen je schlimmer es wird, desto tiefer den Kopf in den Sand stecken und ich wundere mich darüber, wie sie alle so scheinbar ruhig und zufrieden immer noch weiter vor sich hin leben können, wo sich unsereiner fast jeden Tag fragt, wie lange das alles noch auszuhalten sein wird und so viele schreckliche Eindrücke verdrängen muss, um nicht davon seelisch erdrückt zu werden. Ich möchte da keine Ratschläge oder gar einen Trost, mich interessiert nur, wie Ihr anderen das tägliche Leben jetzt noch so meistert. Mir geht es vermutlich vergleichsweise in meinem Alter noch gut. Bin so weit fit und gesund und habe immer noch wieder Freude am eigene Denken und Fühlen. Und die schönste Freude ist die gemeinsame Freude mit anderen. Das ist wahr.
      Aber angesichts der immer weiter ansteigenden Leiden und Qualen, die Menschen ihren Mitmenschen und Mit- Lebwesen und der gesamten lebendigen Natur zufügen, droht es einem immer öfter, das Herz zu zerreißen und man sehnt sich dann aus dieser Welt hinaus, um endlich den Seelenfrieden zu haben, der hier verloren gegangen ist. Es ist ja nicht der Tod, den ich fürchte – es ist der menschliche Hass. Dem möchte man manchmal gern für immer entkommen. Mit denen ich in Liebe verbunden bin, werde ich auch durch den Tod nicht getrennt. Das ist mein Glaube und mein Trost.
      Ein kleines schlichtes Gedicht – nicht von mir. Ich kenne es schon mein halbes Leben lang und in bestimmten Momenten fällt es mir immer mal wieder ein. Aber alles, was man hier an Bewusstseinsbildung im eigenen Körper noch erreicht, erreicht man gleichzeitig für diese ganze Welt. Das ist auch wahr.

      EWIGKEIT:
      Liebe hat begonnen
      Zeitbegriff zerronnen
      Ewigkeit…

  6. Hier ein Vortrag von Maria Stephan, den sie vor gut einem Jahr bei Pax Christi hielt:
    https://www.youtube.com/watch?v=msbPpiMEY_A
    Ich freue mich sehr über die hier bei kenfm.de vor ein paar Tagen veröffentlichte Begegnung von Bilbo Calvez mit Klaus Karstädt zur Gewaltfreien Kommunikation.
    Dort hat >TonyThe peoplesnonviolencecharter….com/< eingepflegt.
    Von Gandhi stammt der Satz "Der Frieden ist der Weg".
    Ich stimme dem mit einem Satz von mir zu: "Gewalt so wie Kriege enden nicht im Frieden"
    Deshalb ist für mich ein 'Nein' zu Gewalt so wie zu Krieg ein 'Ja' zum Leben. Leben reimt sich nun einmal nicht auf 'Nehmen', sondern auf 'Geben'.

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