Pax Terra Musica darf nicht sterben – es braucht noch fünfhundert Verschwörungstheoretiker!

Von Dirk C. Fleck.

Wer hier einen kritischen Bericht über das Friedensfestival Pax Terra Musica erwartet, möge bitte woanders nachlesen. Sicher, es gäbe noch einiges zu verbessern, man könnte noch klarer Kante zeigen. Auf die ganze Plastikscheiße im Cateringbereich verzichten zum Beispiel. Dass bei der Bewirtung nicht konsequent auf vegane oder zumindest vegetarische Kost umgestellt wird, ist angesichts des weltweiten Tierleids und den verheerenden Folgen der Massentierhaltung (Tierproduktion!) ebenfalls nur schwer nachvollziehbar. Aber das bekäme man beim nächsten Mal wohl hin – falls es denn ein nächstes Mal gibt. Die Besucherzahl hielt sich nämlich in Grenzen und vermutlich werden die Veranstalter auch diesmal draufzahlen müssen. Fünfhundert Gäste mehr wären wohl notwendig, um ein so wunderbares Spektakel am Leben zu halten. Aber der Vorrat an Verschwörungstheoretikern in Deutschland ist begrenzt. Naja, wenn wir die Querfrontler und Antisemiten hinzunehmen, könnte es klappen …

Bevor ich nun voller Überschwang über Pax Terra 2018 berichten werde, möchte ich noch einige Worte über die öffentliche Wahrnehmung des Festivals verlieren. Dass die sogenannten „Qualitätsmedien“ die Aktivitäten der Friedensbewegten in diesem Land aufs Übelste diffamieren oder erst gar nicht zur Kenntnis nehmen, daran haben wir uns gewöhnt. Sie widmen sich lieber ihrer eigentlichen Aufgabe: der propagandistischen Absicherung all jener Schweinereien, die von einer kranken Polit- und Finanzsekte in Szene gesetzt werden, wobei selbst der Atomkrieg im geopolitischen Ränkespiel wieder eine Option geworden ist.

Wie gut die Schmutzkampagne gegen die Friedensbewegung funktioniert, kann man sehr gut an den Kommentaren auf You-Tube erkennen, die sich unter dem Bericht von KenFM befinden, der kurz nach der Eröffnung des Festivals gedreht wurde (https://www.youtube.com/watch?v=UAwNdcdv3sc). Mit welcher Lust die manipulierten Trolle ungeprüft nachplappern, was ihnen Kleber und Konsorten vorsetzen, ist schon erschreckend. Der geniale Komiker Karl Valentin (1882 – 1948) hat es schon früh auf den Punkt gebracht: „Es ist schon alles gesagt, nur nicht von jedem!“. Genau. Und jetzt sagt es jeder. Dabei nehmen sie das Wort Verschwörungstheoretiker in den Mund, als sei es eine von ihnen kreierte Wortschöpfung, frisch und unverbraucht. Ich erinnere mich an den Moment, als ich mein erstes Fremdwort in einem Schulaufsatz einbaute. Das Wort hieß „kongenial“, ich konnte es seitdem nicht häufig genug benutzen, so toll fand ich mich mit diesem Wort unterm Arm. Für die erwähnten Trolle sind die Worte VERSCHWÖRUNGSTHEORETIKER, QUERFRONT, ANTISEMIT und JEBSEN-JÜNGER ein ähnliches Tool der Eitelkeit. Keine Originale und auch nicht originell. Man trägt sie trotzdem stolz auf der Zunge und ist zudem noch der Meinung, dass sie eine persönliche fundierte Meinung zum Ausdruck bringen. Elend, lass nach …!

Und jetzt komme ich endlich zu meiner Liebeserklärung. Ich werde die drei Tage im brandenburgischen Friesack nicht vergessen. Wenn ich eben erwähnte, dass es vermutlich fünfhundert Besucher mehr braucht, um die Kosten zu decken, so würden diese zusätzlichen Gäste den Veranstalter zwar glücklich machen – mich würden sie nur stören. Man verstehe mich nicht falsch: diese Leute wären vermutlich genauso angenehm wie die, die ich vorgefunden habe. Aber sie würden einen Platz auffüllen, der seiner Magie verlustig ginge, sobald eben mehr als die achthundert Menschen, die den Weg nach Friesack gefunden hatten, ihn bevölkerten.

Der Platz vor der Freilichtbühne ist von einem steil aufragenden grünen Wall umgeben, auf dem ein Kranz wohlgewachsener alter Bäume genügend Schatten spendet, um darunter eine hufeisenförmige Meile bunter Stände aufzubauen, an denen man innehielt, sich informierte, rauchte, quatschte und miteinander trank, während die Musikdarbietungen sich gut verständlich von der Bühne bis in den letzten Winkel des Geländes ausbreiteten, ohne die Unterhaltungen unter sich zu begraben. Das war deshalb so angenehm, weil es hier auf Schritt und Tritt zu überraschenden Begegnungen mit Menschen kam, mit denen man schon längere Zeit kommuniziert hatte. Der Schritt aus der digitalen Welt in die Realität tat allen gut, das war zu spüren.

Diese Grundstimmung begleitete uns durch die Tage. Hier verlor niemand den anderen aus den Augen. Man begegnete sich ja immer wieder: im kulinarischen Bereich, vor der Bühne oder bei den zahlreichen Vorträgen und Workshops, die von hoher Qualität und meist sehr gut besucht waren. Egal ob Rüdiger Lenz sprach, Ralf Boes, Bilbo Calvez, Erwin Thoma oder andere, das Interesse des Festival-Publikums war in jedem Fall garantiert. Die musikalischen Darbietungen waren von ähnlicher Qualität. Vom beeindruckenden Auftritt, den Prinz Chaos II. hingelegt hat, über Bermooda, Bella Wagner bis hin zu Kilez More – es hat Spaß gemacht, den eingeladenen Künstlern zuzuhören. Ich hätte sie gerne alle erwähnt, denn sie alle haben ihren Teil dazu beigetragen, dass eine verschworene Friedensgemeinde in nur drei Tagen zu einer verschmolzenen wurde. Dieses Gefühl ist selten. Das haben alle gespürt. Das haben alle genossen. Das bleibt allen erhalten. Als Vision einer besseren Welt.

Zum Schluss möchte ich euch mein persönliches High-Light verraten. Es war der Auftritt von René Rebell, dessen Songs mich vom Hocker gehauen haben. Hier ist seine „Hymen für die Schwachen“, die mich zu Tränen gerührt hat. Weil sie authentisch ist. Authentisch, wie das ganze Festival Pax Terra Musica 2018.

 

Hymne für die Schwachen

Glaub mir, ich weiß wie das ist, wenn man

Einsam ist, verzweifelt ist und Schieße frisst

Vom Leben so gezeichnet ist

Als wenn Adolf der Zeichner ist

Nicht weiter weiß, am Boden liegt

Oben schon der Geier kreist

Mit einem Fuß vor dem Gleis

Jeder Gesichtszug entgleist

Egal, wenn man sich selbst

Nur oft genug bescheißt

Anderen die Schuld gibt

Doch, glaub mir, dieses Trugbild reißt

Lässt den Gin aus der Flasche

Und dann spukt der Geist

Verspielt sein ganzes Geld

Irgendwann ist man genug gereist

Will sehen wie das Flugzeug abstürzt

Und der Zug entgleist

Bis man sich komplett

In seiner Wut verbeißt

Passiert dem Dummen

Wie dem, der von seiner Klugheit weiß

Bis du für jeden am Ende

Nur noch Looser heißt, superscheiße

 

Das ist die Hymne für die Schwachen

Ohne Besitz und Sachen

Die nix sagen, nix haben

Auch nichts zu lachen

Ein Lied für die Letzten

Die tief Verletzten

Die sich widersetzten

Und die Unterschätzten

Ein Lied

Für all die Gebrochenen

Die in sich verkrochen sind

Die Unsichtbaren

Die, die keiner sieht

Die, die keiner liebt

Dies ist euer Lied und ich

Umarme euch mit diesem Beat

 

Wir wurden alle irgendwann einmal

Als Engel geboren

Dann Teil der Menge

Und dabei ging eine Menge verloren

Viele in die Ecke getrieben

Mussten sich komplett verbiegen

So viel einstecken

Und sind auf der Strecke geblieben

Seit ICQ und StudiVZ

Tinder und Snapchat

Facebook, Whatsapp

Kommunizieren wir wie auf Pep

Sagen einfach ab

Ziehen Beziehungen

Durch den Dreck

Wir sehen all das Leid

Doch wir schauen weg

Vielleicht, weil in uns selbst

So viel Traurigkeit steckt

Mitleid mit Leid braucht keiner

Jeder ist perfekt

Wir bräuchten Hilfe

Doch jede Schwäche wird versteckt

Uns fehlt Vertrauen, Ehrlichkeit

Bestätigung, Respekt

Laufen ängstlich rum

Müde und vercheckt

Es wäre so einfach, doch es bleibt

Das Schwerste dieser Zeit

Zu sagen: verzeih mir, ich liebe dich

Und: es tut mir leid

 

Refrain

Wollt ihr wissen, was

Gott von Geld hält

Dann schaut euch die an

Denen er es gibt

Freude finden

In der Welt wird nur

Wer sich erstmal

Selber liebt

 

Refrain

 

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22 Kommentare zu: “Pax Terra Musica darf nicht sterben – es braucht noch fünfhundert Verschwörungstheoretiker!

    • Oh, da würde aber viel von Ihnen verlangt: Einmal im Jahr ohne einen Zipfel Tierleiche! Vielleicht kann ja Nicole noch dazustossen, falls sie noch lebt und „Ein bisschen Frieden“ singen.

  1. Sehr verehrter Herr Fleck,

    Das war es, einer dieser ewigen Erlebnisse, die einen ein Leben lang positiv begleiten. Für mich zuvorderst das Glück am Freitag Abend, an Ihrem Tisch sitzen und Ihre tiefe Freundlichkeit und Ausstrahlung erleben zu dürfen. Herzlichen Dank, dass Sie da waren und uns alle erhoben haben über die Tage!

    Betreffend ökologischem Abdruck von Pax Terra Musica gehe ich mit Ihnen vollkommen einig. Wenn Malte nicht mit der Bewältigung der Verluste von 2017 belastet gewesen wäre, hätte er mit Sicherheit für diese Belange noch etwas Energie übrig gehabt, am Bewusstsein wird es kaum gemangelt haben. So bleibt mir auch ihm und seinem Team gegenüber einfach eine tiefe Dankbarkeit für das geschenkte gemeinsame Erlebnis.

    Beim Thema veganer/vegetarischer/tierischer Verpflegung hoffe ich, dass der freie Wille der Besucher eine klare Mitteilung an die Anbieter gab in Form verkaufter Einheiten. Wenn nicht, so wären mir und faktisch auch der Natur 7 Milliarden Flexiganern lieber anstelle von hundertausend militanten Veganern 😉 Meine etwas weitergehenden Überlegungen dazu hier: https://wachetauf.wordpress.com/2016/03/31/bist-du-ein-veganer-vegetarier-flexitarier-flexiganer-oder-pragmatiger-uber-die-nutzlosigkeit-von-ego-labels/

    Als stolzer Verschwörungstheoretiker (eigentlich Verschwörungsfaktiker) habe ich heute noch eine kleine Spende in Form eines zweiten Eintrittes an Pax Terra Musica überweisen lassen. Das ist das Mindeste, was ein sorgenfreier Schweizer, der im Land der grössten Opportunisten leben darf, tun sollte.

    Ich freue mich auf die nächste Begegnung mit allen meinen Friedensmenschen, die mir nun über das Digitale hinaus auch noch in Echt ans Herz gewachsen sind!

    Herzlichst, der Chaukee

    • ..und die Tiere wurden einmal mehr vom Friedensfeeling ausgeschlossen. Traurig. Vegetarismus ist übrigens auch keine Auflösung der Problematik, die von Grund auf das ganze Leben zerstört, denn diese Hölle mit ihrer weltweiten ökologischen und ökomomischen Katastrophe, die von der Tiervernutzung genauso ausgelöst wird wie von der Waffenindustrie, verlagert sich dann eben nur noch mehr von der Masttierzucht auf die Milch-Eier-und Fischeriwirtschaft. Ihr habt es immer noch nicht durchschaut. Der erste Schritt zur geistigen Befreiung aus dem traditionell festgestampften Faschismus dieser Zivilisation kann nur der Veganismus sein.
      Dies schreibt ein leider von Euch ungeliebter „militanter“ Veganer.

    • Oh wie toll, Flexitarier, Flexiganer, oder auch immer gern genommen: Teilzeit-Vegetarier/-Veganer! Was bitte soll das sein?! Ein Fleischesser, der versehentlich ab und zu kein Fleisch auf dem Teller hat? Viele Leute essen gelegentlich kein Fleisch, ohne dass ihnen das überhaupt bewusst ist – wieso sollte man dafür einen Extrabegriff kreieren??

      Flexitarier oder Halbzeitvegetarier/-veganer sind im Extremfall Menschen, die einfach guten Gewissens weiter Fleisch essen wollen. Nicht mehr, und auch nicht weniger.

      Und wo ist der Unterschied zwischen einem sich so bezeichnenden „Flexitarier/-veganer“ und all denen, die einem ungefragt immer gleich versichern „… auch nur gaaaanz wenig Fleisch vom Metzger des Vertrauens“ zu essen?

      Hat man den ethischen Grund erkannt, der zu einer Umstellung auf Pflanzennahrung zwingt, braucht man dazu keine lange Anlaufzeit, dann macht man das einfach – so schwer ist das doch nicht! Entweder man will nicht, dass Tiere für den eigenen Genuss leiden und sterben oder es ist einem schlicht egal. Im ersteren Fall kann man sich unmöglich an manchen Tagen über diese Erkenntnis hinwegsetzen und völlig unbeeindruckt sein Fleisch vertilgen. Also mir erschließt sich eine solche Denkweise absolut nicht.

      Auch wenn es manch einem mal wieder „extrem“ vorkommen mag, es gibt nur ein Ganz oder Gar nicht, so ist das nun mal, wenn es um Leben oder Tod geht.

    • Danke, Pincopallino, das ist alles genau so, wie wir auch denken. So wie echte Friedlichkeit nichts ausgrenzt, grenzt auch echtes Mitgefühl nichts aus. Wenn da ausgegrenzt wird, ist es nur Pseudo. Veganislove prägte dazu den Satz: „An der Spiessigkeit und am Traditionalismus geht die Welt unter“.

    • @Manni & Pincopallino: Ich finds toll, dass ihr Vollzeitveganer seid! Mein Argument ist: Zwei Seelen können noch so perfekt leben, wenn sie dabei dauernd Leute vor den Kopf stossen und denen damit das Interesse am Veganismus gleich von Grund auf verderben, schadet ihr den Tieren in der Summe am Ende mehr. Grad hier und jetzt passiert dies wieder. Rechnet mal nach.

    • Ich hab in meinem Leben noch keinen militanten Veganer getroffen. Was soll das sein?
      Das Herstellen und Konsumieren von Fleisch-, Fisch-, Milch- und Eierprodukten ist hingegen ohne grobe („militante“) Gewalt nicht zu haben.
      Damit stellt sich die Frage, wer wirklich militant ist.
      Und ob Gewaltprodukte zu einem Friedensfest passen. Ich meine, ganz sicher nicht. Wäre ein totaler Widerspruch.

    • Die das so sagen, verwechseln Militanz mit Konsequenz. Sie verdrehen die Begrifflichkeiten genauso, wie es die niederträchtigen Weltmachtpolitiker tun, wo z. B. Angriffskrieg Demokratie und Schutz von Menschenrechten ist.
      Es ist schade, dass die Diskussion um Tierrechte und Tiervernutzung selbst unter Friedensaktivisten immer nur abgewürgt wird. Anders könnten wir alle viel mehr über unsere Psyche erfahren, was offen sichtlich dringend notwendig ist.

    • @Thorsten & Manni: Vielen Dank für den Hinweis! Ich korrigiere auf „verbal militante Veganer“ und entschuldige mich von Herzen bei dir und den Lesern, da ich mit der schluddrigen Formulierung Unfrieden verbreitet habe.

      Möglicherweise war auch eine andere Aussage unklar: Ich hoffe, dass an einem Friedensfest die verkauften Fleischeinheiten ganz von alleine gegen null tendierten, so dass die Anbieter ihre Lehren daraus ziehen können und das nächste Mal ohne Tierleichen anreisen. Ich persönlich habe dort mit meiner Wahl meinen Teil dazu beigetragen.

      Und zur grundlegenden Thematik zitiere ich Kilez More: „Schwarz-weiss, gut-böse, sie wollen den Verstand verpesten“. Am Pax Terra Musica war die Diskussionskultur wie von Herr Fleck beschrieben eben genau schon friedlich. „Ist Frieden in dem Mensch, dann ist Frieden in der Welt“. Schade, dass es digital scheinbar nur konfrontativ geht, man braucht sich dann nicht wundern, wenn man gegen Aussen nur Ablehnung durch kognitive Dissonnanz erntet.

      Recht haben ist das eine, die Welt effektiv verbessern das andere.

    • Ach so, chaukeedaar(ist das eigentlich ein Käsename?): Dass die Tierhöllen immer noch weiter wachsen, liegt also Ihrer Meinung nach an den konsequenten Veganern! Dieses Massenargument der Traditionsesser , wenn man es überhaupt Argument nennen kann, kennen wir nun schon seit vielen Jahren. Das ehrlichste von diesen ganzen gedankenfreien Argumenten war dabei immer noch: „Mir schmeckt’s halt“.

    • @ Chaukedaar. Sie schreiben „Zwei Seelen können noch so perfekt leben, wenn sie dabei dauernd Leute vor den Kopf stossen und denen damit das Interesse am Veganismus gleich von Grund auf verderben“

      Ja das tut mir jetzt aber leid, dass ich durch – wie ich meine nachvollziehbare – Argumentation „Leuten vor den Kopf gestoßen und damit deren Interesse am Veganismus verdorben habe.

      Ich sehe das naturgemäß anders, zumal ich niemandem meine Sichtweise aufdränge, sie lediglich zum Ausdruck bringe. Wer sich davon aber gleich ganz abhalten lässt, bei dem kann es mit dem Willen, etwas zu ändern, nicht weit her sein.

      Wer sich so schnell entmutigen lässt, hatte ohnehin nie wirklich vor, konsequent einen Schlussstrich zu ziehen – aber das ist auch nur wieder meine persönliche Meinung. Immerhin spreche ich aus Erfahrung und meine Entscheidung zur radikalen, konsequenten Ernährungsumstellung (rein aus ethischen Gründen) fiel bereits vor rd. 20 Jahren, als definitiv gesellschaftlich größere Schwierigkeiten zu erwarten waren als heute, war damals „Veganer“ doch gleichbedeutend mit „extremer Spinner“, während das heute mindestens die gesellschaftliche Akzeptanz des früheren Vegetariers hat. Das Angebot in Supermärkten wächst kontinuierlich.

      Aber was reg‘ ich mich auf. Die Diskussionen um missionierende Veganer bin ich einfach leid. Wenn es nicht darum ginge, das Leiden der Tiere zu beenden, würde es mich ganz einfach nicht mehr interessieren, aber für die Tiere wünsche ich mir immer noch eine Veränderung, eine RADIKALE Veränderung. Wenn diese Äußerung schon reicht, Leute zum Rückzug zu bewegen, dann weiß ich auch nicht …

    • Die massenmanipulativen, immer selben Argumente gegen Veganismus (von wegen dogmatisch, religiös, extrem, ungesund oder militant) , die im Grunde völlig sinnentleert sind und keiner ernst zu nehmenden, logisch geführten Diskussiom stand halten können, sind ja gerade deshalb dazu da, von vorn herein jede ehrliche ernsthafte Auseinandersetzung zwischen den Traditionsessern und den Veganern abzuwürgen. Die inkonsequenten Traditionsesser sind seit Jahren viel mehr darum bemüht, sich Argumente gegen Veganer auszudenken, als darum, sich wirklich ernsthaft auf allen Gebieten unseres Lebens(Ethik, Medizin, Ökologie, Soziologie, Ökonomie usw,) mit der Frage auseiander zu setzen, ob die Tiervernutzindustrie und das Tiervernutzen im Allgemeinen von ihnen wirklich gerechtfertigt werden kann. Ganz offensichtlich wollen sie so eine Diskussion wo und wie es nur geht, verhindern. Und es ist auch ganz offen sichtlich, warum.

    • „Ganz offensichtlich wollen sie so eine Diskussion wo und wie es nur geht, verhindern. Und es ist auch ganz offen sichtlich, warum.“
      Um EINE der zahlreichen Antworten auf diese Frage zu finden, muß man heute nur bis zur Tagesdosis pilgern:

      „Es ist daher kein Wunder, dass jede Störung der Stereotypen uns wie ein Angriff auf die Grundfeste des Universums vorkommt. Es ist ein Angriff auf die Grundfesten unseres Universums, und wo große Dinge auf dem Spiel stehen, geben wir nicht gerne zu, dass es einen Unterschied zwischen unserem und dem Universum gibt. Eine Welt, in der die von uns geachteten Personen (Anmerkung: vor allem das eigene Ich) sich als unwürdig erweisen und die von uns verachteten als edel, ist nervenzermürbend. Wo unsere Rangordnung nicht die einzig mögliche ist, herrscht Anarchie“(S. 120).
      Lippmann

      Eine andere Erklärung ist mit Gewißheit die Weigerung, sich diese riesige Schuld unseres Umgangs mit Tieren einzugestehen und den Schmerz dieser Schuld zu fühlen.
      Selbstbetrug ist oft Motivation zu Klugheit.
      Auch Trotzverhalten (emotional dreijährig) ist bei den Intellektuellen häufig.
      Zwischen ausgebildeten Denkmaschinen und gereiften Menschen liegen oft ganze Schlachthäuser.

    • Ich weiß nicht, ob es ein echtes Trotzkindchenverhalten ist, weshalb denkfähige erwachsene Menschen „jetzt erst recht“ weiter Tiere vernutzen zu wollen behaupten, die angeblich eigentlich damit aufhören wollten.
      Ich sehe darin eher einen Vorwand, um seine eigene Charakterschwäche und Inkonsequenz dem anderen anzulasten, der konsequenter ist. Viele Menschen benutzen Sprache ganz selbstverständlich als bloße Waffe und kümmern sich dann gar nicht mehr um den tieferen oder eigentlichen Sinn des Gesagten oder Geschriebenen. In der Massenpolitik funktioniert das ja auch ganz gut.

    • Chaukeedaar, „verbal militante Veganer“ sind Personen, die zu Gewalt gegenüber Tierquälern aufrufen oder eine eigene Beteiligung an einer solchen Tat öffentlich phantasieren. Ich kann nicht auschließen, daß es solche Personen gibt, aber sie treten in der veganen Szene nicht auf, sind daher maximal als verschwindende Minderheit anzusehen. „Hunderttausend verbal militante Veganer“ gibt es sicher nicht, zumindest nicht in Europa. In Indien gibt es das Volk der Bishnoi, und sie bestrafen Jäger und andere Tierquäler, die in ihrem Gebiet angetroffen werden. Das sind dann tatsächlich „militante Veganer“, nicht nur verbal. Ansonsten herrscht in ihrem Gebiet eine große Harmonie, soweit ich das von hier aus entsprechenden Filmberichten entnehmen kann.
      Was Sie mit „verbal militante Veganer“ meinen, sind Personen, die mit Leidenschaft und Entschlossenheit gegen Ungerechtigkeit argumentieren, also etwas sehr Positives. Bitte bedenken Sie das.

    • Warum sind Produkte aus der Tiervernutzung immer noch für so viele Menschen derart verlockend, dass es so unglaublich schwer für die ist, davon zu lassen? Darüber würden wir gern mit solchen Menschen einmal diskutieren. Schon allein deshalb, weil wir das persönlich überhaupt nicht nachvollziehen können. Für uns, die wir seit den 1970er jahren eins nach dem anderen dieser Produkte weggelassen haben, war es nie wie ein „Verzicht“, sondern immer wie eine Befreiung. Und auch in unserer Erinnerung ist dieser Genuss, dieser angeblich so unverzichtbar gute Geschmack von tierischen Nahrungsmitteln nicht vorhanden. Im Gegenteil finden wir den Geschmack von pflanzlichen Nahrungsmitteln viel feiner und aromatischer. Von da her glauben wir, dass es eine unbewusste Sucht ist, die Menschen an tierische Nahrungsmittel fesselt. Es ist ja auch kein Wunder, da diese Gepflogenheit nun schon über unzählige Generationen sich ins menschliche Bewusstsein eingeprägt hat. So sehr, dass diese Leute immer noch davon überzeugt sind, dass der Mensch von Natur aus Omnivore sei, was nachweislich nicht der Fall ist. Allein seine hohe Anpassungsfähigkeit hat es ihm ermöglicht, alle möglichen Nahrungsmittel verzehren zu können, wovon eine davon übrigens das Fermentieren ist. Eine Haltbarmachung und Veredelung von Nahrungsmitteln, die eine uralte Tradition hat und jetzt wieder am Aufstreben ist.
      Man kann damit u.a. sehr leckeren pflanzlichen Joghurt herstellen aus Kokos, Mandel, Soja u.a. Fermentierte Lebensmittel wie z.B. auch unser deutsches Sauerkraut, sind über alle Maßen gesund und bekömmlich, reich an gesunden Bakterien, Vitaminen und Nährstoffen.

    • Um es noch einmal explizit festzuhalten: Organisch und enzymatisch, also Bio-physikalisch und Bio-Chemisch, haben wir eine frugivore Anlage und nicht eine omnivore. Wer das nicht glaubt, soll es argumentativ anhand von Fakten versuchen, zu beweisen. Es wird ihm letztlich nie gelingen können, denn unsere Körperanlage hat sich in den zigtausenden von Jahren nicht maßgeblich verändert. Noch nicht einmal die von Wissenschaftlern aufgestellte These, dass diese Anlage durch Mutation sich derart verändert habe, dass sie nun Kuhmilchprodukte vertrüge, ist erwiesen. Denn dazu gibt es viel zu viele „Kuhmilchallergiker“ und viel zu viele der sog. „Zivilisationskrankheiten“ sind durch große Langzeitstudien die Folge von Kuhmilchernährung. Bei Fleisch verhält sich das ähnlich. Das tierische Protein ist vom menschlichen Organismus nicht restlos aufspaltbar und diese Reste lagern sich überall in den Organen ab. Das wird bei unserer Art auch direkt äusserlich sichtbar durch die üblichen Deformationen schon im Gesichtsbereich(Fettmaske und Doppelkinn, fettige Haut mit „Mitessern“ oder auch die Rotgesichtigkeit der Bluthochdruckler, deren Venen mit Resten tierischer Proteine verstopft sind.)
      Wobei ich dazu sagen möchte, dass es machtorientierte Fehlinformationen, die wir ja heute zur Genüge aus der Politik kennen, immer schon gegeben hat während des gesamten Ablaufes dieser Zivilisation und in allen Bereichen. Diese allgemeine Lügen- und Verdunkelungspraxis in allen Bereichen rächt sich nun nach tausenden von Jahren am gesamten empfindsamen Leben.

    • Stop the WAR in Yemen
      Zitat: „Wenn doch die Welt nur im Großen auch so funktionieren würde!“

      Das heißt also das ich besser sterben sollte.?
      Denn wenn die Welt nur im Großen auch so funktionieren würde wie dieses Fest, dann wäre ich ausgeschlossen.!

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