KenFM-Spotlight: Peter Haisenko und Hubert von Brunn über den Unterschied zwischen Real- und Finanzwirtschaft

Ausschnitt aus dem Gespräch mit Peter Haisenko und Hubert von Brunn („Die humane Marktwirtschaft“) – in voller Länge hier zu sehen: https://kenfm.de/peter-haisenko-hubert-von-brunn/

Kooperenz!

Die Bundesrepublik Deutschland verfolgte als Teil der kapitalistischen Wertegemeinschaft über Jahrzehnte einen Sonderweg.

In der damaligen Bundeshauptstadt des damals noch geteilten Deutschlands, Bonn, versuchten alle Parteien über Jahrzehnte, die großen sozialen Verwerfungen der reinen Lehre von Angebot und Nachfrage dahingehend die Spitzen zu nehmen, indem der Staat mit flankierenden Maßnahmen immer wieder korrigierend eingriff. Die Bundesrepublik mischte mehr oder weniger zwei Konzepte. Kapitalismus und Sozialismus. Jeder sollte seines Glückes Schmied werden können, aber niemand sollte auf der Strecke bleiben, falls er vom Schicksal benachteiligt worden war.

Die BRD nannte ihr Wirtschaftskonzept „Soziale Marktwirtschaft“. Ein Markt, dessen Kreativität gefördert wurde, dessen aggressivste Player dann aber in ihren Möglichkeiten, Schaden anzurichten, beschränkt wurden.

Spätestens seit sich die BRD vollkommen der Neoliberalen Agenda unterworfen hat, seit sie das eigene Konzept mit der Agenda 2010 aufgab und sich von den „Märkten“ treiben lässt, steht der soziale Frieden in Deutschland auf der Kippe.

27 Jahre nach Mauerfall hat sich Deutschland zu einer Nation entwickelt, in der die Einkommensschere immer weiter auseinander geht, in der der Niedriglohnsektor wächst, arm trotz Arbeit keine Seltenheit mehr darstellt, und in der vor allem immer mehr Menschen von Verelendung im Alter betroffen sein werden – und schon betroffen sind. Weder die Renten sind sicher, noch die Zukunft.

Wie kann man dieses, auf einen Bürgerkrieg zulaufende Szenario abwenden? Wie findet dieses Land zu dem zurück, was man mal als Generationenvertrag vereinbart hatte? Ist es überhaupt realistisch, als Land, das fest eingebunden ist in die Globalisierungs-Diktatur, einen Sonderweg einzuschlagen?

Neue Ideen wurden sehr oft von Außenseitern erdacht und in die Welt gesetzt. Technischer Fortschritt ging oft von Laien aus, die die Scheuklappen eines bestehenden Systems ignorieren konnten, da sie als freie Denker, gewissermaßen freie Radikale, jahrelang im Privaten über neuen Ideen brüten konnten. Etablierte Branchen erfuhren oft von Menschen, die bisher als Spinner galten, den entscheidenen, verjüngenden Impuls, der ihnen half, zu überleben.

Die Konkurrenz des Guten ist das Bessere, und machmal ist das Beste eine Mischung aus Gegenwärtigem und Vergangenem. Wie kann es gelingen, die Soziale Marktwirtschaft so neu zu interpretieren, dass sie für die Zukunft taugt?

Die Autoren Peter Haisenko und Hubert von Brunn haben sich mit dieser Frage beschäftigt und dazu ein gemeinsames Buch verfasst. Ein Idee auf Papier.

Sie nennen diese Idee „Die humane Marktwirtschaft“. Simple, machbar, fair.

KenFM gab dem Duo die Möglichkeit, ihr Konzept für eine mögliche und vor allem friedliche Zukunft vorzustellen. Kooperenz war der Begriff, der uns nach dem Gespräch in den Sinn kam.

Kooperation und Konkurrenz in einem natürlichen Mischverhältnis.

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2 Kommentare zu: “KenFM-Spotlight: Peter Haisenko und Hubert von Brunn über den Unterschied zwischen Real- und Finanzwirtschaft

  1. Ralf Becker sagt:

    Bei unserer vermeintlichen Marktwirtschaft müssen wir es verstanden haben, dass Geld deshalb einen Wert hat, weil es eine Art Schuldschein ist.

    Jedenfalls führt die derzeitige Praxis der Politik mit dem Sozialisieren von Schulden, wodurch insofern bei den Banken "Geld aus dem Nichts" entsteht, dazu, dass sich nicht nur die Schulden, die allen Bürgern ständig angelastet werden, immer mehr ausweiten, sondern auch der spätere Schuldenabbau der vielen Schulden, ohne die das viele Geld gar nicht hätte entstehen können, nicht funktioniert.

    Die vielen Schuldscheine, was Geld doch letztlich ist, landen mit der Zeit ständig immer schneller nur bei wenigen reichen Menschen, die das viele Geld vermutlich in irgendwelchen Steueroasen parken.
    Gleichzeitig steigen doch die (weltweiten) Schulden mit der Zeit immer mehr an. Schließlich könnte es doch ohne Schulden insofern auch kein Geld geben.
    Dadurch weitet sich die Geldmenge immer mehr aus und es gibt auch immer mehr Zinslasten.

    Beim Geld könnte man es denken, dass es doch offensichtlich Kaufkraft hat und weil dies so ist, könnte man doch mit diesen Geldwerten insofern eine Marktwirtschaft veranstalten.

    Allerdings muss man auch die Kräfte, die unsere vermeintliche Marktwirtschaft für Laien nicht erkennbar, im verborgenen Hintergrund zum Laufen bringen, verstanden haben.
    Jedenfalls werden selbst vergleichsweise gut informierte Bürger diese Kräfte meistens nicht verstehen, weil die Medien meistens auch fehlerhaft berichten und selbst beim Hochschulstudium sind die Unterrichtsinhalte in der Vergangenheit selten richtig gewesen.

    Trotzdem merkt man es teilweise durchaus, dass sich auch bei den Hochschulen immer mehr die korrekten Inhalte durchsetzen.
    Habe es etwa vor wenigen Tagen beim Uni-Fest in Bielefeld beim flüchtigen Vorbeifahren mit dem Handbike zufällig bemerkt, dass dort etwa über Geldschöpfungen etc. gesprochen wurde.

    Jedenfalls ist das Sozialisieren von Schulden ein Konjunkturmotor, wenngleich auch ein fehlerhafter.

    Die Regierung Merkel schnürt daher ständig Konjunkturpakete, was nur mit immer mehr Schulden funktioniert, und sie versteht es auch ohnehin nicht, dass der spätere Schuldenabbau nicht funktioniert.
    Wir werden durch die vielen Schulden, mit denen die Bundesregierung ständig neues Geld nachlegt, im internationalen Vergleich viel zu wettbewerbsfähig.

    Gleichzeitig fordern Politiker wie Sigmar Gabriel oder Christian Lindner Hartz IV-Sanktionen, obwohl wir mit immer mehr Zinslasten immer mehr für fremde Profite arbeiten müssen und obwohl die Nominallöhne trotz der rasant ansteigenden auf Schulden basierenden Geldmenge weiterhin nahezu unverändert sind.

    Insgesamt muss uns das Sozialisieren von Schulden Sorgen machen, zumal unsere Politiker diese Zusammenhänge ohnehin nicht verstehen.
    Es darf aber doch wohl nicht sein, dass man als Land deshalb wettbewerbsfähig ist, weil mit Geldspenden in ihr politisches Amt hineingelangte Politiker regelrecht Zwangsarbeit anordnen, weil Hartz IV-Sanktionen letztlich etwas Ähnliches sind.

    Wenn die Schulden mit der Zeit immer schneller ansteigen als das BIP, dann ist das gefährlich. Die Finanzwirtschaft entfernt sich dann immer schneller von der Realwirtschaft und wir haben dann immer mehr eine fehlerhafte Zwangs- und Illusionswirtschaft.

    Jedenfalls ist gemäß der FAZ "das europäische Haus der Schulden- und Haftungsunion ist bald zu Ende gebaut".

    Aber unser Geld ist doch auch als solches völlig falsch konstruiert, weil die Politik viel zu bequem ständig Geld nachlegen kann, was aber immer nur mit der Geldentstehung als Schuld funktioniert, und die EZB zudem völlig ohne Limit immer schneller Geld drucken lässt.

    Das System benötigt immer schneller neue Schulden, die die Politik etwa mit Flugzeugträgern für die EU durchaus nachlagen könnte, aber der Schuldenabbau wird für die Einzelbürger immer schwerer.

    Die Kanzlerin ignoriert diese Zusammenhänge und sie hat auch keine andere Wahl, weil das Anerkennen der Realität für sie auch nur noch die Option eröffnen würde, dass wir den "Stecker rausziehen".

    Dann hätten etwa die GIIPS-Länder (d. h. die fünf Eurokrisen-Staaten) in 2012 ca. 12 Billionen EUR Schulden gehabt.

    Aber diese Schulden sind letztlich spiegelbildliche Sparguthaben der dortigen Bürger.

    Wir retten Staaten wie Spanien oder Italien, obwohl es dort viel gerechter verteilten Wohlstand und etwa eine viel höhere Eigentumsquote beim Wohneigentum gibt.

    Wir müssen es jedenfalls verstanden haben, dass die fehlerhafte Politik der Bundeskanzlerin, die doch irgendwo mit einer "starken Wirtschaft" für Wohlstand sorgen soll, letztlich zu einem besorgniserregenden Schuldengezerre zwischen den Staaten sorgt.

    Wir ignorieren die mit der fehlerhaften Machtwirtschaft verbundenen Gefahren und es bauen sich daher auch immer mehr gefährliche Ungleichgewichte auf.

    Aber das Handelsblatt kritisiert doch etwa den Protektionismus von Donald Trump, und gleichzeitig sind die Ansichten der Bundeskanzlerin mit Freihandel etc. vermutlich beim Handelsblatt abgeschaut.
    Die Kanzlerin versteht es nicht, dass Zeitungen wie das Handelsblatt fremde Interessen verfolgen, die aber dann doch in Krieg münden müssen, wenn wir so weitermachen.

    Jedenfalls werden etwa die Bankenunion oder mehr Inflation nichts daran ändern, dass unsere Marktwirtschaft ein fehlerhafter Machtwettbewerb ist.

    Die Banken legen bei der derzeit fehlerhaften Praxis der Bundesregierung ständig Geld nach und wenige große Akteure versuchen es einfach nur in den Besitz des vielen ständig aus dem Nichts nachgelegten (Schuld-) Geldes zu gelangen und alle anderen Personen bleiben mit der Zeit auf immer mehr Schulden dauerhaft sitzen.

    Aber die Bundeskanzlerin hat doch jetzt jüngst ihr neues Maßnahmenpaket für das Klima vorgestellt.

    Auch bei diesem scheint es der Fall zu sein, dass die Kanzlerin nicht von ihrem dauerhaft fehlerhaften Kurs abweichen möchte.

    Damit unterstreicht die Bundeskanzlerin ihre Weigerung die Zusammenhänge zu verstehen.
    Sie will etwa staatliche Prämien für E-Autos.

    Mit einer CO2-Bepreisung will die Kanzlerin die marktwirtschaftlichen Mechanismen so steuern, dass CO2-Emissionen zurückgedrängt werden.

    Aber ist unser Wirtschaftssystem überhaupt eine Marktwirtschaft?
    Und hätte die Kanzlerin überhaupt die Möglichkeit die vielen Systemfehler zu bemerken? Schließlich hätten wir dann auch nur noch den Finanzcrash oder allenfalls vielleicht etwas fragwürdige Instrumente wie etwa das Helikoptergeld als Option.

    Die Finanzexpertin Prof. Dr. M. Kennedy stellt zudem etwa in einem YouTube-Video die Frage:
    Ist ein Nebeneinander von staatlichen und privaten Geldern möglich?

    Focus stellt dann etwa die Behauptung auf:
    Komplett missverstandene Solidarität! Wir brauchen keine Schuldenunion!

    Ob dies nun alles so ist oder nicht, sind wir doch bei unserer Wettbewerbswirtschaft deshalb auf fehlerhafte Weise deshalb wettbewerbsfähig, weil Politiker mit ihrem etwas sonderbarem Demokratieverständnis immer mehr zu Sklavenhaltern werden, weil das System doch auch nur noch mit Hartz IV-Sanktionen und dem Gelddrucken der EZB funktioniert und unsere Politiker halten doch gleichzeitig bei den Bilderbergern oder bei den transatlantischen Councils die Füße unter den Tisch und lassen sich weiterhin uneinsichtig ihre Wahlkämpfe finanzieren.

  2. Veganislove sagt:

    Gut, dass das hier noch einmal so herausgestellt wurde! Ich weiß zwar nicht, wer diesen Prozentsatz von genau 1/99 ausgerechnet hat und wie, aber prinzipiell zweifle ich nicht an diesem großen Macht-Betrug.

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