Programmiertes Chaos: Was Washingtons Trump-Gegner nach der Wahl planen | Von Whitney Webb

Ein Standpunkt von Whitney Webb.

Eine „überparteiliche“ Gruppe von neokonservativen Republikanern und etablierten Demokraten „simulierte“ kürzlich mehrere Katastrophenszenarien für die US-Präsidentschaftswahlen im November. Dazu zählt auch ein Planspiel, bei dem ein klarer Sieg des Amtsinhabers „beispiellose“ Maßnahmen provoziert, mit denen das Biden-Lager eine erneute Amtseinführung Donald Trumps verhindern könnte.

Eine Gruppe von Insidern der Demokratischen Partei und ehemaligen Funktionären aus der Obama- und Clinton-Zeit haben zusammen mit einer Riege von neokonservativen „Never Trump“-Republikanern in den letzten Monaten Simulationen und „Kriegsspiele“ zu verschiedenen „Weltuntergangsszenarien“ in Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen durchgeführt.

In mehreren Medienberichten über die Gruppe, die als „Transition Integrity Project“ (TIP) bezeichnet wird (zu deutsch: „Projekt für Redlichkeit bei der Amtsübergabe“), rechtfertigt sie diese Übungen damit, dass sie sich gezielt auf ein Szenario vorbereiten will, in dem Präsident Trump die Wahlen verliert und sich weigert, aus dem Amt zu scheiden, was zu einer Verfassungskrise führen könnte. Den TIP-Dokumenten zufolge führten jedoch ihre Simulationen, die einen „klaren Sieg“ für Trump bei der bevorstehenden Wahl vorsahen, selbst zu einer Verfassungskrise, da sie voraussagten, dass das Biden-Lager unabhängig vom Wahlergebnis radikale Schritte unternehmen würde, um die Präsidentschaft für sich zu sichern.

Kein Szenario sieht Trumps Amtsantritt vor

Dies ist besonders beunruhigend, wenn man bedenkt, dass TIP beträchtliche Verbindungen zur Obama-Regierung hat, in der Biden als Vizepräsident fungierte, sowie zu mehreren Gruppen, die nicht zur Biden-Kampagne gehören, sich aber hartnäckig für Biden einsetzen. Dass diese Gruppen Szenarien für mögliche Wahlergebnisse und deren Nachwirkungen durchgespielt haben, die alle entweder mit Bidens Amtsantritt oder einer Verfassungskrise endeten, lässt vermuten, dass mächtige Kräfte den ehemaligen Vizepräsidenten dazu drängen, eine eventuelle Wahlniederlage nicht zu akzeptieren.

Dies untergräbt offenkundig in erheblicher Weise den behaupteten Anspruch der TIP, die „Integrität“ des präsidialen Übergangsprozesses zu gewährleisten. Stattdessen legen die Fakten nahe, dass die Gruppe sicherstellen will, dass Trump unabhängig vom Wahlergebnis aus dem Amt scheidet beziehungsweise dass genau die Verfassungskrise herbeigeführt wird, die die Gruppe durch ihre Simulationen angeblich verhindern will.

Solche Bedenken werden noch verstärkt durch jüngste Aussagen Hillary Clintons, dass Biden „unter keinen Umständen nachgeben“ dürfe. „Ich glaube, das wird sich hinziehen, und schließlich glaube ich, dass er gewinnen wird, wenn wir keinen Zentimeter nachgeben und wenn wir so konzentriert und unerbittlich sind wie die andere Seite“, sagte Clinton in einem Interview mit dem Fernsehsender Showtime. Die Ergebnisse der TIP-Simulationen stimmen insbesondere mit Clintons Äußerungen überein, dass Biden „letztendlich“ gewinnen wird, wenn sich der Prozess zur Bestimmung des Wahlergebnisses „in die Länge zieht“.

Die „Kriegsspiele“ der Einheitspartei

Mitglieder des TIP trafen sich im Juni, um vier „Kriegsspiele“ zu veranstalten, die „elf dunkle Wochen zwischen dem Wahltag und dem Tag der Amtseinführung“ simulierten, in denen „Trump und seine republikanischen Verbündeten jeden Teil des Regierungsapparats – die Post, Abgeordnete der Bundesstaaten, das Justizministerium, Bundesbeamte und das Militär – einsetzten, um an der Macht zu bleiben“. Die Demokraten versuchten dies laut der Simulation vor Gericht und auf der Straße, zu verhindern, heißt es in einem Bericht des Boston Globe.

Eine dieser Simulationen, die untersuchte, was im Falle eines klaren Trump-Sieges zwischen Wahltag und Amtseinführung passieren würde, zeigt jedoch, dass das TIP nicht nur simulierte, wie die Republikaner jede ihnen zur Verfügung stehende Möglichkeit nutzen könnten, um an der Macht zu bleiben, sondern auch, wie die Demokraten die Macht erlangen könnten, wenn das Wahlergebnis 2020 nicht zu ihren Gunsten ausfallen würde.

Während einige, zumeist rechtsgerichtete Medien, wie The National Pulse, feststellten, dass die TIP-Simulationen die Biden-Kampagne dazu veranlassten, keine Zugeständnisse zu machen, enthüllte das TIP-Dokument zu den Übungen die konkreten Schritte, die die Biden-Kampagne nach einem „klaren Sieg“ für die Trump-Kampagne unternehmen würde. Es ist klar, dass diese Schritte die gegenwärtigen politischen Spannungen in den Vereinigten Staaten erheblich verschärfen. Die Schritte würden damit genau zu dem Ergebnis führen, das man behauptet verhindern zu wollen. Dies untergräbt sowohl die offizielle Rechtfertigung für die Simulationen wie auch die offiziell genannte Begründung zur Schaffung der Gruppe.

Bei Trump-Sieg lässt Biden neu zählen und fordert Abspaltungen

Im TIP-Szenario des „klaren Trump-Sieges“ (siehe Seite 17) zieht Joe Biden – gespielt von John Podesta, Hillary Clintons Wahlkampfmanager 2016 und Stabschef im Weißen Haus unter Bill Clinton – seine Anerkennung von Trumps Wahlsieg zurück und überzeugt anschließend „drei Bundesstaaten mit demokratischen Gouverneuren – North Carolina, Wisconsin und Michigan – Neuauszählungen zu fordern“. Anschließend schicken die Gouverneure von Wisconsin und Michigan „eigene Wahlmänner-Listen gegen die von der Legislative der Bundesstaaten entsandten“ an das Wahlmännerkollegium (Electoral College), in dem Trump die Mehrheit gewonnen hatte, um diesen Sieg zu untergraben, wenn nicht gar zu verhindern.

Als nächstes „ermutigt die Biden-Kampagne die westlichen Bundesstaaten, insbesondere Kalifornien, aber auch Oregon und Washington, die gemeinsam als ‚Cascadia‘ bekannt sind, sich von der Union abzuspalten, es sei denn, die Republikaner im Kongress stimmten einer Reihe von Strukturreformen zu.“ (Hervorhebung durch die Autorin) In der Folge legt die Biden-Kampagne „mit dem Rat des [ehemaligen] Präsidenten Obama“ diese „Reformen“ wie folgt dar:

  • 1.) Zuerkennung der Staatlichkeit an Washington DC und Puerto Rico
  • 2.) Aufteilung Kaliforniens in fünf Bundesstaaten, „um seine Bevölkerung im Senat besser zu repräsentieren“
  • 3.) Forderung an Richter des Obersten Gerichtshofs, mit 70 Jahren in Ruhestand zu treten
  • 4.) Auflösung des Wahlmännerkollegiums

Mit anderen Worten, diese „Strukturreformen“ laufen im Wesentlichen darauf hinaus, dass die USA aus 56 Bundesstaaten bestehen, wobei die neuen Bundesstaaten den Demokraten eine ewige Mehrheit sichern sollen, da nur Gebiete mit demokratischer Mehrheit (DC, Puerto Rico und Kalifornien) Staatlichkeit erhalten. Bemerkenswert ist, dass in anderen Szenarien, in denen Biden die Mehrheit im Wahlmännerkollegium gewann, die Demokraten dessen Auflösung nicht unterstützten.

Demokraten würden Trump die Schuld am demokratischen Putsch geben

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass das TIP in dieser Simulation die Trump-Kampagne für die Entscheidung der Demokraten verantwortlich macht, die oben beschriebenen „provokativen, beispiellosen Aktionen“ zu unternehmen. Das TIP behauptet, Trumps Kampagne habe „die Bedingungen geschaffen, um die Biden-Kampagne zu diesen Aktionen zu zwingen“, etwa weil er „The Intercept ein Interview gab, in dem er [Trump] erklärte, dass er die Wahl verloren hätte, wenn Bernie Sanders [anstelle von Biden] nominiert worden wäre“.

Das TIP behauptet auch, dass die Trump-Kampagne versuchen würde, diese „provokativen, beispiellosen Aktionen“ so darzustellen, als versuchten „die Demokraten nun, einen illegalen Staatsstreich zu orchestrieren“ – obwohl es im Wesentlichen genau das ist, was diese Aktionen bedeuten. In anderen Simulationsszenarien, in denen die Trump-Kampagne sich so verhält wie hier die Demokraten, ist die Rhetorik des TIP denn auch entschieden anders.

Damit endeten die simulierten Aktionen der Biden-Kampagne in diesem Szenario jedoch noch nicht. Die Biden-Kampagne provozierte in der Folge „einen Zusammenbruch der Kongresssitzung [am 6. Januar], indem sie das Repräsentantenhaus dazu brachte, die Präsidentschaft an Biden zu verleihen“, und fügte hinzu, dass dies „auf den alternativ eingereichten Wahlmännerlisten der Pro-Biden-Gouverneure basierte“. Die republikanische Partei stimmte offensichtlich nicht zu und bemerkte, Trump habe die Wahl durch seinen Sieg im Wahlmännerkollegium gewonnen. Die Simulation eines „klaren Trump-Sieges“ endet damit, dass am 20. Januar 2021 kein gewählter Präsident eingeführt wird, wobei das TIP feststellt, „dass unklar ist, was das Militär in dieser Situation tun würde“.

Offenbar haben einige TIP-Mitglieder, darunter die Mitbegründerin Rosa Brooks – eine ehemalige Pentagon-Beraterin aus der Obama-Zeit und aktuell Mitarbeiterin der Denkfabrik „New America“ – ihre ihre persönliche Vorliebe dafür, „was das Militär in dieser Situation tun würde“. Brooks schrieb beispielsweise im Magazin „Foreign Policy“ kurz nach Trumps Amtsantritt 2017, dass „ein Militärputsch oder zumindest die Weigerung von Militärführern, bestimmten Befehlen zu gehorchen“, eine von vier Möglichkeiten sei, Trump vor der Wahl 2020 aus dem Amt zu entfernen.

Wer steht hinter dem TIP?

Das TIP wurde Ende 2019 ins Leben gerufen, angeblich „aus Sorge, dass die Trump-Administration versuchen könnte, die Präsidentschaftswahlen und den Übergangsprozess 2020 zu manipulieren, zu ignorieren, zu untergraben oder zu stören“. Es wurde von Rosa Brooks und Nils Gilman mitbegründet. Derzeitige Direktorin ist Zoe Hudson.

Brooks war, wie bereits erwähnt, während der Obama-Regierung Beraterin des Pentagon und des von Hillary Clinton geführten Außenministeriums. Zuvor war sie auch die Sonderberaterin des Präsidenten des Open-Society-Institutes, das Teil der Open Society Foundations (OSF) ist, einer umstrittenen Organisation, die vom Milliardär George Soros finanziert wird. TIP-Direktorin Zoe Hudson ist ebenfalls eine ehemalige Führungsfigur des OSF und diente dort elf Jahre lang als Politikanalystin und Verbindungsfrau zwischen den Stiftungen und der US-Regierung.

Die Verbindungen des OSF mit der TIP sind aus mehreren Gründen ein Warnsignal, vor allem aufgrund der Tatsache, dass das OSF und andere von Soros finanzierte Organisationen eine entscheidende Rolle beim Schüren sogenannter „Farbenrevolutionen“ zum Sturz blockfreier Regierungen spielten, insbesondere in der Zeit der Obama-Regierung.

Beispiele für die Verbindungen des OSF zu diesen fabrizierten „Revolutionen“ sind die Ukraine im Jahr 2014 sowie der „arabische Frühling“, der 2011 begann und in dessen Verlauf mehrere Regierungen im Nahen Osten und in Nordafrika, die für westliche Interessen problematisch waren, von der Macht entfernt wurden.

Später durchgesickerte E-Mails enthüllten die vertraulichen Beziehungen zwischen Soros und der damaligen Außenministerin Hillary Clinton, darunter eine E-Mail, in der Soros die Politik Clintons in Bezug auf die Unruhen in Albanien lenkte und ihr mitteilte, dass „zwei Dinge dringend getan werden müssen“, nämlich „das volle Gewicht der internationalen Gemeinschaft auf Premierminister Berisha zu lenken“ und „einen hohen europäischen Beamten als Vermittler zu ernennen“. Beide „dringenden“ Aufgaben wurden anschließend von Clinton ausgeführt.

Einsatz des US-Militärs im Inneren

Zusätzlich zu ihren Verbindungen zur Obama-Administration und zum OSF ist Brooks derzeit Stipendiatin am Modern War Institute in West Point, wo sie sich auf „die Beziehung zwischen Militär und innerstaatlicher Polizeiarbeit“ und auch auf das Innovative Policing Program von Georgetown konzentriert. Sie ist derzeit eine Schlüsselfigur in dem dokumentierten, vom OSF geführten Vorstoß, aus legitimen Forderungen nach einer Polizeireform „Kapital zu schlagen“, um die Schaffung einer föderalisierten Polizei unter dem Deckmantel der Einsparung oder Abschaffung lokaler Polizeiabteilungen zu rechtfertigen.

Brooks‘ Interesse daran, dass der Unterschied zwischen Militär und Polizei verschwimmt, ist bemerkenswert angesichts ihres früheren Eintretens für einen Militärputsch, um Trump aus dem Amt zu entfernen, und der anschließenden Schlussfolgerung der TIP-Simulationen, dass das Militär „möglicherweise“ eingreifen muss, wenn Trump die Wahl 2020 gewinnt. (Anmerkung Multipolar: Brooks ist verheiratet mit Joseph Mour, einem ehemaligen Offizier der Special Forces, der unter anderem ein Strategiepapier zur Zukunft der Nato verfasst hat.)

Brooks ist auch leitende Mitarbeiterin der Denkfabrik New America, die sich eigenen Angaben zufolge darauf konzentriert, „sich ehrlich den Herausforderungen zu stellen, die durch den raschen technologischen und sozialen Wandel entstehen und die Chancen zu ergreifen, die diese Veränderungen schaffen“. Die Denkfabrik wird weitgehend von Milliardären aus dem Silicon Valley finanziert, darunter Bill Gates (Microsoft), Eric Schmidt (Google), Reid Hoffman (LinkedIn), Jeffrey Skoll und Pierre Omidyar (eBay). Darüber hinaus hat New America Millionen direkt vom US-Außenministerium erhalten, um das „digitale Rechte“ zu erforschen. Einer dieser Geldgeber – Reid Hoffman – wurde bei „Einmischungen“ in die Vorwahlen der Demokraten in Iowa erwischt, wo er die Kandidatur von Bernie Sanders zu untergraben versuchte. Andere Finanziers wie Eric Schmidt und Pierre Omidyar sind für ihre guten Verbindungen zur Familie Clinton und für ihre Verbindungen zur Clinton-Wahlkampagne 2016 bekannt.

Hintergrund: Zukunftsfeld künstliche Intelligenz

Der andere TIP-Mitbegründer neben Brooks ist Nils Gilman, derzeit Vizepräsident für Programme am Berggruen-Institut und davor bei Salesforce, einem großen Technologieunternehmen und Auftragnehmer der Regierung, tätig war. Gilman konzentriert sich besonders auf die Themen künstliche Intelligenz (KI) und Transhumanismus. Vor kurzem erzählte er der New York Times, dass sich seine Arbeit am Berggruen-Institut auf den „Aufbau [eines] transnationalen Netzwerks von Philosophen, Technologen, politischen Entscheidungsträgern und Künstlern konzentriert, die darüber nachdenken, wie sich durch künstliche Intelligenz und Genmanipulation verändert, was es bedeutet, Mensch zu sein“.

Nicholas Berggruen, nach dem das Institut benannt ist, ist, zusammen mit Blackstones Steve Schwarzman und Eric Schmidt Teil der von Milliardären geführten Fraktion, die versuchen, KI und die so genannte „vierte industrielle Revolution“ gemeinsam mit den politischen Führern und der wirtschaftlichen Elite Chinas zu entwickeln.

Bei den Themen KI und China sind sie Kritiker und Rivalen des „nationalistischen“ Lagers , das es stattdessen vorzieht, Chinas KI-Fähigkeiten aggressiv zu „überspringen“, um die globale Hegemonie der USA aufrechtzuerhalten, im Gegensatz zu einer „neuen Ordnung“, die von Berggruen, Schmidt, Schwarzman und Henry Kissinger, einem weiteren Schlüsselmitglied der „Kooperations“-Fraktion, gefördert wird.

Der Kampf um die künftige KI-Politik der USA gegenüber China scheint ein wichtiger, aber weitgehend übersehener Grund für die Abneigung der Mitglieder der „Kooperations“-Fraktion gegenüber Trump zu sein, einschließlich derer, die die Gründer von TIP beschäftigen. Trump neigt zumindest öffentlich dazu, die Politik von „America First“ zu unterstützen und die Spannungen mit China zu verstärken. Im Gegensatz dazu hat die Familie Biden in chinesische KI-Unternehmen investiert, was darauf hindeutet, dass Biden eher bereit wäre, die Interessen der „Kooperations“-Fraktion zu verfolgen als Trump.

Die „Never Trump“-Fraktion

Während die Identität der Gründer und des derzeitigen Direktors des TIP öffentlich bekannt ist, wurde die vollständige Mitgliederliste nicht veröffentlicht. Die „Schwester“-Organisation des TIP mit der Bezeichnung The National Task Force on Election Crises (NTFEC) verfügt jedoch über eine öffentliche Mitgliederliste, und es ist bekannt, dass mehrere ihrer Mitglieder ebenfalls dem TIP angehören. Zu diesen sich überschneidenden Mitgliedern gehören Michael Chertoff, ehemaliger Leiter des Department of Homeland Security (DHS), Michael Steele, ehemaliger Vorsitzender der RNC, und Lawrence Wilkerson, einst Stabschef von Außenminister Colin Powell.

Chertoff, Steele und Wilkerson sind zwar Republikaner, gehören aber ebenso wie die anderen bekannten republikanischen Mitglieder des TIP zur sogenannten „Never Trump“-Fraktion der Republikaner. Während also die „Zweiparteien“-Natur des TIP in Bezug auf die Parteizugehörigkeit zutreffend sein mag, sind sich alle bekannten Mitglieder des TIP – unabhängig von der Partei – in ihrer Opposition gegen eine erneute Amtszeit des derzeitigen Präsidenten einig.

Weitere bekannte Mitglieder des TIP sind David Frum (The Atlantic), William Kristol (Project for a New American Century, The Bulwark), Max Boot (Washington Post), Donna Brazile (ex-DNC), John Podesta (ehemaliger Wahlkampfmanager Hillary Clintons 2016), Chuck Hagel (ehemaliger Verteidigungsminister), Reed Galen (Mitbegründer des Lincoln Project) und Norm Ornstein (American Enterprise Institute).

Farbrevolution in den USA? – „So fangen solche Dinge an“

Von ihren bekannten Mitgliedern ist Lawrence Wilkerson der freimütigste, der sich selbst zum „inoffiziellen“ Sprecher der Gruppe ernannt hat, nachdem er die Mehrheit der Medieninterviews zur Förderung der Gruppe und ihrer „Kriegsspiele“ gegeben hat. In einem Interview Ende Juni mit dem Journalisten Paul Jay stellt Wilkerson fest, dass es dem TIP an Transparenz mangelt und dass andere Aktivitäten, abgesehen von den „Kriegsspielen“, weitgehend vertraulich sind. Ausdrücklich erklärte er:

„Es gibt eine gewisse Vertraulichkeit in Bezug auf das, was wir vereinbart haben und was wir öffentlich gemacht haben, wer dafür verantwortlich ist und andere Aspekte unseres Tuns. Das Transition Integrity Project ist zur Zeit sehr, sehr eng und vertraulich.“

Im selben Interview bemerkte Wilkerson auch, dass die gegenwärtige „Kombination von Ereignissen“, wozu die Unruhen in mehreren US-Städten, die Coronavirus-Krise, die nationale Debatte über die Zukunft der Polizei, die wirtschaftliche Rezession und die Präsidentschaftswahlen gehörten, Grundlage für eine Revolution in den USA sei:

„Ich möchte sagen, auf diese Art ging es 1917 in Russland, 1979 in Teheran und 1789 in Frankreich los. So fangen solche Dinge an. Wir müssen also sehr vorsichtig sein, wie wir mit diesen Dingen umgehen. Und das beunruhigt mich, denn wir haben keinen sehr vorsichtigen Menschen im Weißen Haus.“

Das Putschen und die Doppelmoral

Es ist zwar durchaus möglich, dass sich Präsident Trump im Falle eines klaren Biden-Sieges weigern könnte, das Weiße Haus zu verlassen oder andere Maßnahmen zu ergreifen, die das Vertrauen vieler Amerikaner in das Wahlsystem beschädigen würden. Jedoch ist die Aussage des TIP, über diese Möglichkeit und den „Schutz“ der Demokratie besonders besorgt zu sein, ohne einen der beiden Kandidaten zu bevorzugen, eindeutig unzutreffend.

Ihre Simulation eines klaren Trump-Sieges zeigt viel mehr, dass extremes, „undemokratisches“ Verhalten ihrer Ansicht nach durchaus zulässig ist, wenn es weitere vier Jahre Trump verhindert. Diese Doppelmoral zeigt, dass eine einflussreiche Gruppe von „überparteilichen“ Insidern darauf bedacht ist, im Falle eines Trump-Sieges eine „Verfassungskrise“ heraufzubeschwören – und dass sie unabhängig vom Ausgang der Wahlen im Jahr 2020 für eine solche Krise vorausplant.

Lange bevor das TIP oder eine ihrer angeschlossenen Gruppen auftauchte, um diese Weltuntergangs-Wahlsimulationen durchzuführen, waren andere Gruppen in ähnlicher Weise in „Kriegsspiele“ verwickelt, die das völlige Chaos in den USA am Wahltag sowie die Verhängung des Kriegsrechts nach dem Ausbruch beispielloser Unruhen im Land vorhersagten.

Einige davon habe ich Anfang des Jahres in einer Serie beschrieben, die sich hauptsächlich auf die Simulation der „Operation Blackout“ konzentrierte, die von der amerikanisch-israelischen Firma Cybereason durchgeführt wurde. Dieses Unternehmen hat Verbindungen zum US-amerikanischen und israelischen Geheimdient. Sein größter Investor ist Softbank. Softbank wird von der von Eric Schmid geführten National Security Commission on AI (NSCAI) als „Rückgrat“ eines globalen Netzwerks von KI-Unternehmen bezeichnet, die von der „Kooperations“-Fraktion als Mittel zur Durchführung der „vierten industriellen Revolution“ in Zusammenarbeit mit Chinas wirtschaftlicher und politischer Elite bevorzugt werden.

„US-Demokratie wird sich nie wieder erholen“

Zusätzlich zu Cybereason hatten mehrere Medienberichte und eine Reihe von „Vorhersagen“ des US-Geheimdienstes und anderer Bundesbehörden, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden, die Erzählung verbreitet, dass die Präsidentschaftswahlen 2020 nicht nur spektakulär scheitern würden, sondern dass sich die US-Demokratie „nie wieder erholen“ würde. Jetzt, da die Simulationen des TIP hinzukommen und das vorhergesagte Chaos im ganzen Land nur noch wenige Wochen entfernt ist, wird klar, dass die Wahl am 3. November nicht nur ein völliges Desaster werden wird, sondern auch ein im Voraus geplantes.

Damit stellt sich die Frage, wer von diesem Chaos bei und nach der Wahl profitiert. Wie das TIP in mehreren ihrer Simulationen angedeutet hat, ist die Rolle des Militärs als innere Polizeitruppe (zufällig genau das Spezialgebiet der TIP-Mitbegründerin Rosa Brooks) nach den Wahlen von großer Bedeutung, da die meisten der oben erwähnten Simulationen mit der Verhängung des Kriegsrechts oder dem „Eingreifen“ des Militärs enden, um Ordnung zu schaffen und den Machtwechsel zu überwachen.

Der innerstaatliche Rahmen für die Verhängung des Kriegsrechts in den USA mittels Protokollen zur „Kontinuität der Regierung“ (continuity of government) wurde Anfang dieses Jahres unter dem Deckmantel der Coronavirus-Krise aktiviert und bleibt in Kraft. Zur Zeit haben somit eine Reihe von Gruppen, die eng mit dem Washingtoner Establishment und in- und ausländischen Geheimdiensten verbunden sind, die präzisen Methoden vorhergesagt, wie man eine gescheiterte Wahl in die Wege leiten und ihre Nachwirkungen manipulieren kann.

Geplantes Chaos – wer profitiert davon?

Wer würde am meisten von der Verhängung des Kriegsrechts in den Vereinigten Staaten profitieren? Es ließe sich argumentieren, dass man nicht weiter zu schauen braucht als bis zum Kampf innerhalb der Washingtoner Machtfraktionen über die Zukunft der KI, die vom öffentlichen Sektor, der Privatwirtschaft und prominenten Denkfabriken als entscheidend für die nationale Sicherheit angesehen wird. Die Schmidt-geführte NSCAI und andere Gremien, die die KI-Politik des Landes bestimmen, planen die Umsetzung einer Reihe von Maßnahmen, die bei den meisten Amerikanern auf heftigen Widerstand stoßen werden – unter anderem die Abschaffung des individuellen Autobesitzes, die Abschaffung von Bargeld sowie die Auferlegung eines orwellschen Überwachungssystems.

All diese Pläne sind unter dem Deckmantel der Bekämpfung des Coronavirus vorangetrieben worden, aber diese Rechtfertigung kann nicht ewig benutzt werden. Für Gruppen wie die NSCAI müssen die Amerikaner diese KI-gesteuerten Fortschritte begrüßen, sonst droht ihnen der Verlust ihres Arbeitsplatzes oder ihrer bürgerlichen Freiheiten. Andernfalls, so argumentieren diese Gruppen und ihre milliardenschweren Geldgeber, werden die USA „außen vor bleiben“, wenn es an der Zeit ist, die neuen globalen Standards für KI-Technologie zu setzen, da die USA dann von Chinas wachsender KI-Industrie überflügelt werden.

Während man die Amerikaner durch die Parteienspaltung und ein vorgeplantes Wahlchaos wütend hält und ablenkt, wartet ein „Neues Amerika“ in den Startlöchern – eines, das unabhängig vom Wahlergebnis kommen wird. Es sei denn, die Amerikaner wachen schnell auf und erkennen die Täuschung.

Anmerkung: Dieser Artikel erschien zuerst am 3. September unter dem Titel „‚Bipartisan‘ Washington Insiders Reveal Their Plan for Chaos if Trump Wins the Election“ bei Unlimited Hangout. Wir danken der Autorin für ihr freundliches Einverständnis, den Text zu veröffentlichen. Übersetzung: Multipolar

Über die Autorin: Whitney Webb ist seit 2016 als Autorin und Journalistin tätig. Sie hat für verschiedene Online-Magazine geschrieben und war von 2017 bis 2020 Mitarbeiterin und leitende investigative Reporterin für Mint Press News. Gegenwärtig schreibt sie für The Last American Vagabond.

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Dieser Beitrag erschien in übersetzter Form zuerst im Magazin Multipolar.

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Danke an die  Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Ordent Visuals / shutterstock

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8 Kommentare zu: “Programmiertes Chaos: Was Washingtons Trump-Gegner nach der Wahl planen | Von Whitney Webb

  1. Die treibenden Kräfte hinter dem NWO-Doktrin wollen an die Machthebel zurück (vieles wird nachwievor kontrolliert).

    Mit welchen Mitteln, das erreicht wird zeigen die nächsten Monate.

    Spekulation on:
    Ich tippe darauf, sollte Trump gewinnen und die "NichtAnerkennungsOrgie" greift nicht, dass sich das Coronavirus erst dann richtig entfalten wird (Phase 3) und die vielfach beschworenen Coronaopfer werden zur Wirklichkeit. Ich hoffe sehr mich dabei zu irren, oder auf Kräfte, die aktuell nicht auf dem Schirm sind, die dieses verhindern können.
    Spekulation off.

    Sicher ist, dass es nicht allein bei dem medialen Dauerfeuer bleiben wird, denn diese war Wirkungslos, obwohl seit der Wahl von Trump ununterbrochen geschehen ist. Unübersehbar, selbst für die verbohrtesten Ideologen.

    Der einzige positive Effekt hierbei für die Welt ist, dass sich das Unrechtssystem USA, selbst zersetzt und die merken es nicht mal. Negativ aus deutscher Sicht, dass es uns mitreißen wird in den Abgrund.

    • So lange der Mond fuer den Iran leuchtet,solange werden wir als Menschheitsfamilie nicht von den Grausamen ueber den Friedhof gefuehrt werden.Sie brauchen uns dann noch als "“Military men who are just dumb, stupid animals to be used as pawns in foreign policy.”-Henry Kissinger

  2. Die USA sollten immer nur als Raketenstufe zur orwellischen Ein -Geld-Weltordnung dienen.
    Jetzt soll sie gesprengt werden um im grauen Einheitsbrei zu vergluehen.
    Der Countdown laeuft und uns Lichtwesen bleibt mit aller Liebe ueber das Ziel der Grausamen hinaus zu schiessen.

    Die Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.
    -Mahatma Gandhi

  3. Das ist wirklich abartig, eine Farbrevolution im eigenen Land. Wer kann das Kriegsrecht verhängen, wenn nicht der Präsident?
    Vmtl sind wir alle wie das Kaninchen vor der Schlange – wir sehen die nicht-vorhandene-Demokratie und sind doch unfähig, das anzuerkennen.

    • Herr Soros hat es doch in einer seiner Reden angekündigt, dass er sich auch in die Wahlen von den USA einmischen muss.
      Dass die Farbrevolutionen auf seinen Mist gewachsen sind, können nur noch wenige leugnen.

  4. Das wird lustig! Popcorn bereit halten, Sofa abbürsten.
    Ob so oder ob so – für uns bleibt das Imperium das Imperium und das ist nicht lustig.
    Und so warten wir schon auf den "Neuen Menschen" aus dem Zaubertopf von Bill Gates und Monsanto (Bayer), aufgehübscht vom Silicon Valley…..

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