Putin vs. Polen: Streit um die Geschichte

Über die Unfähigkeit, überkommene Geschichtsdeutungen/Narrative zu hinterfragen.

Von Wolfgang Effenberger.

Unter dem Modewort Narrativ ist eine sinnstiftende Erzählung der Geschichte eines Nationalstaates oder Kulturraums zu verstehen, die die gemeinsamen Werte und Emotionen transportiert. Durch veränderte Bedingungen – zum Teil hervorgerufen durch die Veröffentlichung von bisher nicht zugänglichen Dokumenten – unterliegen diese „Erzählungen“ einem zeitlichen Wandel, der aber dank eines äußert starken Beharrungsvermögens sich nur unter Protest und sehr langsam vollzieht.

Diesen Vorgang erleben wir gerade anlässlich der Äußerungen des Russischen Präsidenten Putin zur neueren Geschichte. Gleich dreimal hintereinander hat er die historische Rolle Polens vor dem Zweiten Weltkrieg zum Thema gemacht: auf der großen Jahrespressekonferenz am 19. Dezember 2019, bei einem Treffen der von Russland geführten Eurasischen Staatengemeinschaft am 20. Dezember 2019 und bei einer Sitzung der Spitze des russischen Verteidigungsministeriums am 24. Dezember 2019.

Putin meinte Polen daran erinnern zu müssen, dass es das Münchner Abkommen, mit dem Großbritannien, Frankreich und Italien seinerzeit akzeptierten, dass Hitlerdeutschland die nach Versailles zur Tschechoslowakei geschlagenen deutschsprachigen Sudetengebiete für sich beanspruchte, dazu genutzt habe, selbst einen Teil der Tschechoslowakei zu besetzen (1). Das kann von niemanden geleugnet werden. Nach dem Münchner Abkommen vom 30. September 1938 besetzte die deutsche Wehrmacht das Sudetengebiet, während polnische Truppen im Einvernehmen mit Berlin das polnischsprachige Teschener Land okkupierten – daraus wurde dann der polnische Landkreis Cieszyn. Dass Polen dieses Gebiet nach dem 1. September 1939 wieder abgenommen wurde, kann die völkerrechtswidrige Annexion nicht aufheben. Aus dieser deutsch-polnischen „Waffenbrüderschaft“ Anfang Oktober 1938 leitet Putin eine polnische Mitschuld am 2. Weltkrieg ab.

Damit löste er Wellen der Empörung aus. Seither liefern sich Russland und Polen einen Krieg der Worte, und Polens Premier Mateusz Morawiecki warf Putin sogar vor, in Bezug auf Polen „mehrfach gelogen“ zu haben. Reflexartig berichteten fast alle westlichen Medien darüber, dass Stalin und Hitler im September 1939 Polen unter sich aufgeteilt haben. So twitterte Deutschlands Botschafter in Polen, Rolf Nikel: „Die Sowjetunion hat gemeinsam mit Deutschland an der brutalen Teilung Polens teilgenommen.“(2) So schrieb z.B. die Neue Osnabrücker Zeitung am 14. Januar 2020: „Am 17. September 1939 marschierten Stalins Truppen im Baltikum und in Ostpolen ein und eroberten die Gebiete“.(3)

Der Weg in den Zweiten Weltkrieg

Am 1. September 1939 begann um 4:47 Uhr das zu dieser Zeit im Danziger Hafen liegende Schulschiff Schleswig-Holstein mit seinen Schiffsgeschützen Salven auf ein polnisches Munitionslager am Hafenrand von Danzig, der Westerplatte, zu schießen. Dieses Munitionslager war ab 1933 entgegen den Bestimmungen des Völkerbundes von polnischer Seite befestigt worden. Das hatte 11 Monate zuvor das deutsch-polnische Verhältnis keineswegs gestört. Anfang Oktober 1938 hatte das deutsche und das polnische Militär Teile des Nachbarlandes Tschechoslowakei besetzt. Nach Hitlers Einmarsch in die Rest-Tschechei Mitte März 1939 übernahm Großbritannien plötzlich die Rolle einer „Schutzmacht“ Polens für den Fall eines deutschen Angriffs oder des Anschlusses der Freien Stadt Danzig (zu 98 % deutschsprachig), obwohl man in London zuvor wegen der polnischen Ausdehnungs- und Unterdrückungspolitik eher distanziert war: „Man registriert in England, dass Polen zwischen 1918 und 1938 mit der Sowjetunion, mit Deutschland, Litauen und der Tschechoslowakei Kriege anfängt, um sich nach allen Seiten auszudehnen. Desgleichen sieht man die Unterdrückungspolitik der Polen gegenüber den Ukrainern, Weißrussen, Juden und Deutschen mit großen Unbehagen. So ist Polen für Großbritannien bis 1939 das, was man heute als „Schurkenstaat“ bezeichnet.“(4)

England befürchtete, dass Hitler nach Danzig auch die ehemals deutschen Kolonien wieder zu Deutschland holen würde. Mit der Zusicherung des britischen Beistands im März 1939 wurde Polens Haltung gegenüber Deutschland zunehmend kompromisslos.

Im geheimen Zusatzprotokoll des britisch-polnischen Beistandsabkommens vom 25. August 1939 heißt es, dass der Schutz Englands nur gegenüber Deutschland gilt – parallel zum Beistandsabkommen schloss Hitler einen Nichtangriffsvertrag mit Stalin.

Mit dem Angriff am 1. September 1939 kam die im Vertrag von Versailles gelegte Zündschnur das Pulverfass für einen neuen großen Krieg in Europa zur Explosion. Selbst der „Hardliner“ Marschall Ferdinand Foch, der Architekt des Waffenstillstands vom 11. November 1918, hatte im Versailler Friedensvertrag keine Grundlage für einen dauerhaften Frieden gesehen: „Das ist kein Frieden. Es ist ein Waffenstillstand auf 20 Jahre.“(5)

Während Hitler im August 1939 Polen entlang der Weichsel teilen wollte – dieser Teilungsplan kursiert in den Geschichtsbüchern – ließ Stalin seine Truppen am 17. September 1939 nur bis zur alten Westgrenze von 1939 (der sogenannten „Curzon-Linie“) marschieren.(6) Von einer sowjetischen Annexion „Ostpolens“ kann somit keine Rede sein.

Polen ist keineswegs der Unschuldsknabe, für den es sich gern hält. Nehmen wir Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki „… wir müssen die Wahrheit verlangen …“ beim Wort!

Zeugnis vom ehemaligen polnischen Staatsoberhaupt General Woijech Jaruzelski

Über die Vorgänge zwischen 1919 und 1939 hat kein Geringerer als das ehemalige polnische Staatsoberhaupt General Woijech Jaruzelski ein beachtliches Zeugnis abgelegt. 1993 beschrieb er in seinen Erinnerungen eindrucksvoll die im Sommer 1939 spürbare Kriegsatmosphäre:

„Der Erste Weltkrieg war den Polen nicht im Gedächtnis geblieben. Während der Unabhängigkeit mußten sowohl Soldaten, die an der Seite der Alliierten oder in den Reihen der Zarenarmee, als auch diejenigen, die mit den Österreichern gekämpft hatten (die berühmten Legionen von Pilsudski), integriert werden. Der Krieg von 1920 gegen Sowjetrussland war als erfolgreich angesehen worden [während Russland sich im Bürgerkrieg befand, hatte Polen die Ostgrenze ca. 200 Kilometer nach Osten verschoben und damit das sogenannte „Ostpolen“ erobert – von 12 Millionen Einwohnern erklärten sich bei der polnischen Volkszählung von 1936 nur 1,5 Millionen als Polen, W.E.](7) und hatte ein Gefühl der Unbesiegbarkeit hinterlassen. Immer wieder tauchte dabei dieser Diminutiv [Verkleinerung, Verniedlichung, W.E.] „kleiner Krieg“ und die folkloristische Umschreibung des Krieges als Abenteuer auf. Der zweite Grund war die Propaganda des Staates, der Regierung und der Armee. Wir sind eine Macht. Wir sind ein großes Land. Niemand wird uns irgendetwas wegnehmen.

Einmal drangen wir in der Tschechoslowakei ein und nahmen die Region Teschen in Besitz [in Absprache mit Deutschland, das einen Tag zuvor, am 1. Oktober 1938, in das von Deutschen bewohnten Sudetengebiet einmarschiert war, W.E.]. Dann richteten wir ein Ultimatum an Litauen, das sich zurückziehen mußte. Überall Defilees und Paraden; eine ständige Zurschaustellung von Macht. Und vor allem eine dauernde Geringschätzung der Kräfte des Gegners. Die Panzer der Deutschen sind aus Pappe, oder sie bleiben im Schlamm und im Sand der polnischen Ebenen stecken. Unsere Kavallerie fegt sie schneller hinweg, als es dauert, diesen Satz zu sagen. Die Bolschewiken zählen sowieso nicht, eine Armee auf tönernen Füßen. Und außerdem haben wir mächtige Verbündete im Westen. Deshalb konnten wir von einem zukünftigen Krieg sprechen, ohne dabei die geringste Bedrohung oder Gefahr zu empfinden. Heute erscheint das unerhört, und wenn ich daran denke, schäme ich mich. Doch damals wünschten wir uns diesen Krieg herbei. Wir konnten endlich zeigen, wozu wir fähig sind, wir würden Helden sein, wir gingen überall hin, wo wir gebraucht würden, um zu kämpfen, und wir würden diesen Deutschen zeigen, mit wem sie es zu tun hatten. Manchmal, wenn wir erfuhren, daß jemand eine neue Friedensinitiative gestartet hatte, oder wenn die Spannungen nachgelassen hatten, fragten wir uns: „Wozu soll das gut sein?“. Verpassen wir den Deutschen eine Tracht Prügel, marschieren wir nach Berlin und damit Schluß! Unser Alter und eine im wesentlichen romantische Vorstellung von der Geschichte – „Wie hübsch ist doch der Krieg“ – waren die Gründe für diese totale Leichtfertigkeit. Die Wahrheit sollte uns auf grausame Weise aus diesen Träumen reißen. Doch das kam später“.(8)

Gedenkfeiern 2019

Am 1.September 2019 fand im polnischen Grenzstädtchen Wielun – hier hatte die deutsche Luftwaffe in den frühen Morgenstunden des 1. September 1939 heftige Angriffe geflogen – die zentrale Gedenkveranstaltung an den deutschen Überfall auf Polen 1939 statt. US-Präsident Donald Trump sagte kurzfristig ab, und der russische Staatschef Wladimir Putin war erst gar nicht eingeladen worden. Was ist hier von den polnischen Verantwortlichen zu denken, die zu diesem Gedenken den Repräsentanten des Landes, das im zweiten Weltkrieg die größten Opfer tragen musste, einfach übergingen?

Im Beisein von US-Vizepräsident Mike Pence, der NATO-Spitze und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel bat der deutsche Bundespräsident Steinmeier die Polen um „Vergebung“ (gibt es vielleicht eine Absolution, wenn Deutschland mit Polen gegen Russland Krieg führt?) und hob gleichzeitig die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen hervor.(9)

Auch auf der Westerplatte bei Danzig gab es 2019 eine Gedenkveranstaltung. Dort forderte Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki Kompensation für die im Zweiten Weltkrieg entstandenen Schäden: „Wir müssen über die damaligen Verluste reden, wir müssen die Wahrheit verlangen, wir müssen Wiedergutmachung verlangen.“(10) Tage zuvor hatte der polnische Außenminister Jacek Czaputowicz Reparationen verlangt (Der Betrag von 1000 Milliarden war im Gespräch). Seiner Meinung nach habe es bei der Entschädigung der von Deutschland angegriffenen Länder einen „Mangel an grundsätzlicher Fairness“ gegeben. „Polen wurde in diesem Prozess diskriminiert.“ Es gebe „Länder, die ein Vielfaches weniger verloren, aber mehr Kompensation bekommen haben. Ist das in Ordnung?“(11) fragte Czaputowicz und verwies dabei auf Frankreich und die Niederlande. Dabei hat er wohl übersehen, dass Polen nach dem Potsdamer Abkommen vom August 1945 ein Fünftel des deutschen Staatsgebiets zur Verwaltung unterstellt wurde (nach dem Zwei-plus-Vier-Vertrag ist es heute ein Teil Polens).

Warum gerade jetzt diese Reparationsforderungen?

Auf dem Hintergrund der Kriegsplanungen der USA gegen China kann ausgeschlossen werden, dass die polnischen Politiker das ohne US-Erlaubnis tun. Täten sie es auf eigene Faust, könnte die Einigkeit der NATO gesprengt werden, was die Angriffspläne – auch auf Russland und den Iran – gefährden würde.

So wie sich die polnische Regierung 1939 für britische Interessen einspannen ließ, scheint sie auch heute aus vermeintlichem Eigeninteresse die transatlantischen Weltmachtambitionen zu unterstützen, anstatt den Frieden in Europa zu fördern.

Die Reparationsforderung an Deutschland kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Polen sich der Unterstützung durch den „Großen Bruder“ USA sicher sein kann, denn das Land wird gerade zur militärischen Speerspitze gegen Russland ausgebaut, wie folgende Meldungen zeigen:

  • Polen für Stationierung von Atomraketen in Europa offen (12)
  • Neue US-Kampfjets F-35 für 6,5 Milliarden an Polen. (13)
  • US-Boden-Luft-Raketensystem vom Typ „Patriot“ für 4,75 Milliarden Dollar
  • US-Konzerne modernisieren Polens Militär (14)
  • Milliarden für US-Militärbasis – Polen wünscht sich ein „Fort Trump“ (15)

Die Aufzählung ließe sich weiter fortsetzen.

Im derzeitigen Krieg der Worte sagte Polens Präsident Andrzej Duda, das Verhältnis zwischen Russland und Polen sei historisch sehr kompliziert, weil Polen mehrfach von Russland überfallen worden sei. „Heute sagen mir Historiker, dass Präsident Wladimir Putin eine Ideologie umsetzt, die man neo-stalinistische Ideologie nennen könnte.“(16)
Wann wurde Polen denn von Russland überfallen?

Kann man die „Erste Teilung“ des Doppelstaats Polen-Litauen 1772 als Überfall bezeichnen?

Für viele Russen ist dagegen der Polnisch-Russische Krieg von 1609–1618 unvergessen. Unter Führung des polnischen Königs Sigismund III. Wasa wollte sich das Königreich Polen-Litauen die Krone Russlands sichern und führte einen umfassenden Angriffskrieg gegen Russland. Erst am 4. November 1612 wurde Moskau von der polnischen Besatzung befreit. (17) Dieser Tag wurde unter Putin 2005 wieder als Gedenktag festgelegt.

Im Westen wird dieser erste Überfall eines westlichen Nachbarn auf Russland konsequent ausgeblendet – nur der Überfall Napoleons 1812 und der Hitlers 1941 hat Eingang ins westliche Narrativ gefunden. Und Polen wird seit dem 2. Weltkrieg als dreimal geteiltes Opfer der Geschichte dargestellt.

Wer ist in der Lage, die „nackte Wahrheit“ und sonst nichts zu schildern?

Der Wahrheit wird man sich zwar nur annähern können, und Geschichte bleibt eine Frage der jeweiligen Interpretation von Fakten und ihrem Zusammenhang, doch das bewusste Weglassen von Fakten und das Zementieren bloßer Vermutungen und Fiktionen muss man als Täuschung bezeichnen.

Zwischen den beiden Polen Fiktion und Faktizität muss als übergeordnete Aufgabe das Streben nach Frieden im Sinne Karl Jaspers stehen:

„Friede ist nur durch Freiheit, Freiheit nur durch Wahrheit möglich. Daher ist die Unwahrheit das eigentlich Böse, jeden Frieden Vernichtende: die Unwahrheit von der Verschleierung bis zur blinden Lässigkeit, von der Lüge bis zur inneren Verlogenheit, von der Gedankenlosigkeit bis zum doktrinären Wahrheitsfanatismus, von der Unwahrhaftigkeit des einzelnen bis zur Unwahrhaftigkeit des öffentlichen Zustandes.“(18)

Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.hz.de/politik/russland-der-streit-um-die-vergangenheit-42169133.html
(2) https://www.dw.com/de/streit-um-geschichte-polen-kontra-putin/a-51841782
(3) Ein Krieg der Worte. 75 Jahre nach der Befreiung Europas vom Nazi-Terror liefern sich Russland und Polen verbale und diplomatische Schlachten um das korrekte Gedenken, Neue Osnabrücker Zeitung vom 14. Januar 2020, Seite 3
(4) Polens Bündnispolitik 1920 -1939 unter http://www.vorkriegsgeschichte.de/polens-buendnispolitik-1920-1939/ aufgerufen 2.10.2019
(5) Zitiert nach Paul Reynaud: Memoires (1963), Bd 2, Seite 457
(6) Dieter Blumenwitz: Denk ich an Deutschland Antworten auf die Deutsche Frage, hrsg. Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1989, S. 64
(7) Nach Angaben auf Grund polnischer Quellen („Polen, Deutschland und die Oder-Neiße-Grenze; Ostberlin, 1959, S. 863, 928 f.)
(8) Woijech Jaruzelski: Mein Leben für Polen, München 1993, S.40/41
(9) https://www.spiegel.de/politik/ausland/polen-frank-walter-steinmeier-mahnt-deutschland-zur-verantwortung-fuer-europa-a-1284689.html
(10) Christoph von Marschall:Milliardenforderungen aus Polen Muss Deutschland noch für Kriegsverbrechen zahlen? https://www.tagesspiegel.de/politik/milliardenforderungen-aus-polen-muss-deutschland-noch-fuer-kriegsverbrechen-zahlen/24931278.html
(11) Christoph von Marschall: Milliardenforderungen aus Polen Muss Deutschland noch für Kriegsverbrechen zahlen? Vom 23. August 2019 unter https://www.tagesspiegel.de/politik/milliardenforderungen-aus-polen-muss-deutschland-noch-fuer-kriegsverbrechen-zahlen/24931278.html
(12) Michael Backfisch und Jochen Gaugel: Polen für Stationierung von Atomraketen in Europa offen vom 23.08.2019 – 23:00 Uhr https://www.zeit.de/news/2019-08/24/polen-offen-fuer-stationierung-von-atomraketen
(13) Der Rüstungsdeal soll sich voraussichtlich auf rund 6,5 Milliarden US-Dollar belaufen unter
file:///Volumes/INTENSO/US-Regierung%20genehmigt%20milliardenschweren%20Kampfjet-Verkauf%20an%20Polen.html
(14)Monika Sieradzka:US-Konzerne modernisieren Polens Militär
15.9.19 https://www.mdr.de/nachrichten/osteuropa/politik/polen-armee-aufruestung-100.html
(15)https://www.n-tv.de/politik/Polen-wuenscht-sich-ein-Fort-Trump-article20630535.html
(16) https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/streit-um-putin-aussagen-polens-praesident-verteidigt-seine-reaktion
(17) Mit dem Vertrag von Deulino 1618 endete der Konflikt. Polen-Litauen wurden territoriale Zugeständnisse gemacht – es erreichte damit seine größte territoriale Ausbreitung, während das Russische Zarenreich seine Unabhängigkeit sichern konnte.
(18) Karl Jaspers: Die Voraussetzung des Friedens (1958) https://www.zitate.eu/autor/karl-jaspers-zitate/134363

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Dieser Beitrag erschien zuerst am 19.01.2020 auf Die Freie Welt.

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12 Kommentare zu: “Putin vs. Polen: Streit um die Geschichte

  1. Jaja der Putin. Bei Sputnik las ich, dass er sich darüber aufregte, dass der polnische Außenminister
    die Juden in Madagaskar ansiedeln wollte. Als "antisemitisches Schwein" hat er ihn beschimpft.

    Hmmmm dachte ich – wieso ist Madagaskar böse und Palestina gut , Herr Putin?

    Vielleicht kann mir das ja mal jemand erklären?

    • Möchte Euch noch den Sputnik-Artikel nachreichen:
      https://de.sputniknews.com/politik/20191224326278829-zu-dieser-person-aeussert-sich-putin-ungewoehnlich-scharf/

    • Man sollte die Artikel, die man verlinkt am besten auch lesen. Dann würden sich die Fragen von selbst beantworten…..
      Zitat: "Warum soll Lipski ein antisemitisches Schwein gewesen sein und Putin nicht?"

      Vielleicht weil der Herr Lipski nicht einfach die Juden in Afrika ansiedeln wollte sondern Hitler für die Vernichtung der Juden in Polen ein Denkmal setzen wollte?

      Aber vielleicht erklären Sie uns mal , was der Herr Putin den Juden angetan haben soll, dass Sie ihn gerne für ein "antisemitische Schwein" halten wollen?

    • Hallo M.G.T.,
      "Vielleicht weil der Herr Lipski nicht einfach die Juden in Afrika ansiedeln wollte"

      Für mich liest sich das so, dass das Putins Auslegung ist.
      Zu der zeit haben weder Lipski noch Hitler beabsichtigt Juden "faktisch in den Tod"
      zu schicken.
      .
      Hitler hat sich halt für Palestina entschieden, weil die Angelsachsen und Zionisten
      das so wollten! Putins Auslegung der Geschichte ist nicht korrekt, kein Wunder,
      dass die Polen sich zu Recht aufregen. Ich bin da eher bei Starikow …

  2. Mein unten stehender Post hat offenbar den Widerspruch von Zaubergarten herausgefordert. Nun denn, ich stehe zu dem, was ich in dem Post vor Zaubergartens Post geschrieben habe.
    Doch mit welchem Recht gebärdet sich Zaubergarten wie ein Priester der schlimmsten Sorte, der sich anmaßt, einfach mal so eine "Erbschuld" für 83 Millionen Menschen zu formulieren? Das scheute sogar der Bundespräsident – dieser sprach gestern von "Verantwortung".
    Die Argumentationsweise von Zaubergarten und allen, die so denken, erinnert an frühere Zeiten, an Zeiten vor der Aufklärung, als das freie Denken durch religiöse Führer unterbunden wurde: Korrupte Priester haben nämlich früher versucht, die Menschen durch Einflößen einer Angst vor "Erbschuld" und "Hölle" zu kontrollieren und zum Zahlen zu bewegen. Damals sollten die Deutschen die teuren Renaissance-Paläste korrupter Päpste bezahlen, indem man den Deutschen damals sagte:

    "Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt."
    Luther hat sich zu Recht dagegen gewandt.

    Mit welchem Recht gebärdet sich Zaubergarten als Richter, der Reparationssummen festlegen dürfe?

    Letztendlich gibt es nur einen, dessen Richterspruch wirklich die ganze Wahrheit umfassen wird: Christus, der Weltenrichter, dem auch alles Kleinste offenbar ist, was anderen verborgen ist. ER weiß, wer alles mitbeteiligt war, dass die Katastrophen des Holokaust und des Zweiten Weltkriegs stattfinden konnten. Wir Menschen in unserer Begrenztheit, können nur Ausschnitte der Wirklichkeit wahrnehmen und zusammensammeln. Wir können Puzzle für Puzzle zusammensuchen und werden doch nie alle wahren Fakten in einem Geschichtsbuch historisch belegen können, doch wir können uns annähern, doch Er weiß alles, er weiß mehr, als Zaubergarten und ich und alle Ankläger, die heute in perfider Weise Nutzen aus der Betroffenheit, der Befangenheit und den aufoktroyierten Schuldgefühlen von Unschuldigen ziehen wollen. Denn, ich widerhole: Man kann nicht für etwas schuldig gesprochen werden, was vor der eigenen Geburt geschah. Ja, eigentlich kann man nicht einmal dafür verantwortlich gesprochen werden. Schuld und – eigentlich auch Verantwortung – tragen kann man nur für Dinge, die man selbst getan hat, denn Schuld ist etwas an die Individualität gebundenes.
    Ich vertraue dem Urteil von Christus. Dem pauschal verurteilenden Urteil von „Zaubergarten“ und allen, die so argumentieren, vertraue ich nicht.

  3. Wer Deutscher ist, erbt die Schuld seiner Großväter. Der industrielle Massenmord hat das Überleben der Deutschen im Krieg gesichert. Alle Deutschen wußten von den Konzentrationslagern und den Außenlagern. Die Reichsbahn stellte auch keine Rückfahrkarten von z.B. Auschwitz oder Sachsenhausen aus. Das war doch auffällig. Tja, und weder die Ostdeutschen, noch die Westdeutschen haben vernünftige Reparationen an Polen bezahlt. Sie haben im Westen wie im Osten bestens in ihren Regimen gelebt und ihre Kriegsschuld immer verdrängt. Bisher hat jeder Deutsche rund 15 Euro in seinem Leben an Reparationen bezahlt. Das erscheint mir doch sehr sehr wenig, angesichts des Leides und Millionen von Toten.

    Die Deutschen sollten sich mit mindestens 500 Milliarden Euro Reparationen an Polen und 260 Milliarden an Griechenland abfinden. Reparationen müssen weh tun. Die Schuld der deutschen Großväter kann jetzt mal richtig bezahlt werden.

    Dafür gibt es vielleicht für alle Deutschen dann eine Grundrente vom Kabinett Merkel.

  4. Wichtig: Die heute lebenden Polen und die heute lebenden Deutschen – überhaupt alle heute lebenden Menschen – sind nicht schuld an etwas, was lange vor ihrer Geburt geschah. Denn man kann nicht an etwas schuldig sein, was man nicht getan haben kann. Aber die heutigen Menschen, also wir alle, können schuldig werden, für das, was wir heute oder morgen oder in naher Zukunft tun. Wenn z. B. europäische Länder sich heute oder morgen oder in naher Zukunft wieder in einen Krieg gegen Russland oder ein anderes Land treiben lassen würden und dann wieder – wie in jedem Krieg – unsagbare Grausamkeiten begangen würden – dann könnten wieder viele Europäer sehr sehr schuldig werden.

    Eine Warnung: Die Deutschen wurden 1999 in den Krieg gegen Jugoslawien hineingelogen, indem man an ein Trauma und an ein Schuldgefühl appellierte: Der unsägliche Josef Fischer verkaufte diesen völkerrechtwidrigen, ordinären Angriffskrieg als humanitären Einsatz, indem er sein "…nie wieder Ausschwitz" formulierte. Heute wissen wir, dass es keine KZs in Jugoslawien gab, dass das gelogen war, wie man hier nachlesen kann: Kurt Gritsch: Es begann mit einer Lüge, https://www.nachdenkseiten.de/?p=33128, in diesem Interview befindet sich auch der Link zur WDR-Dokumentation.

    Obwohl heute kaum noch Täter aus dem Zweiten Weltkrieg leben, vergeht kaum eine Woche, ja fast kaum ein Tag, an dem die heute lebenden Deutschen in den Medien nicht an die Verbrechen der Nazis erinnert werden. Was heißt das? Welches Ziel könnte damit verfolgt werden? Ist es wirklich wegen "nie wieder"? Man denke daran: 1999 wurde gerade mit Fischers "Nie wieder…" – der Krieg gegen Jugoslawien gerechtfertigt!

    Und auch die unglaublich hohen Repratationszahlungen, die jetzt von einigen Polen von den Deutschen verlangt werden? Welchem Ziel dienen sie, jenseits der finanziellen Vorteile, die man sich da erhoffen könnte? Sollen auch sie an Schuldgefühle appellieren? Schuldgefühle, die dann die Deutschen in einen nächsten Krieg locken sollen?

    In diesem Text hier zeige ich auf, wie die deutsche Bevölkerung schon seit Jahrzehnten bearbeitet wird, damit sie bereit wird, "mehr Verantwortung in der Welt" zu übernehmen.
    https://fassadenkratzer.wordpress.com/2020/01/15/selbstvernichtung-der-deutschen-wie-sich-deutschland-gegen-russland-und-china-in-stellung-bringen-laesst/#more-5942

    und ich möchte auch darauf hinweisen, dass die DFG-VK, die Friedensbewegung seit über hundert Jahren, in Münchner Medien in der letzten Zeit sehr diffamiert wird. Kein gutes Zeichen.

  5. Eine Tatsache, die immer wieder unter den Tisch fällt, ist die, dass die Westaliierten 1939 offenkundig entgegen des auch im Artikel angeführten markigen Garantieversprechens nicht im geringsten beabsichtigten, dem angegriffenen Polen wirklich zu Hilfe zu kommen. Keinerlei Entlastungsangriff im Westen, sondern Drôle de Guerre. Nicht einmal Waffen- und Material wurde geliefert. Das sollten sich die polnischen Eliten angesichts allfällig aktuell abgegebener Zusagen angeblicher Alliierter ins Gedächtnis rufen.

  6. Zitat: "Aus dieser deutsch-polnischen „Waffenbrüderschaft“ Anfang Oktober 1938 leitet Putin eine polnische Mitschuld am 2. Weltkrieg ab……
    Damit löste er Wellen der Empörung aus."

    Hat Putin tatsächlich "eine polnische Mitschuld am 2.WK abgeleitet"? Oder behauptet?

    Bisher konnte man doch nur vernehmen, dass der Westen Russland eine Mitschuld am 2.WK gibt wegen des Hitler-Stalin-Paktes von 24.08.1939.
    Putin hat lediglich und wahrheitsmäßig darauf verwiesen, dass Russland das letzte in einer Reihe von Ländern war, welches mit Deutschland einen Vertrag abschloss.
    Mal davon abgesehen, dass eine Woche ganz sicher nicht ausreichend sein wird um einen WK anzufangen – die Vorbereitungen liefen über Jahre , darf man natürlich auch dem logischen Gedankengang folgen, dass Russland sich durch diesen Vertrag Zeit verschaffen wollte – denn Russland konnte damals ganz sicher keinen Krieg gebrauchen……

    Ansonsten sehr guter Artikel, sauber recherchiert – den sollte man den ÖR als Spende überreichen.

    • Genau, das ist das , was man auch zum KW I sagen muß, ohne jahrelange Aufrüstung und Vorbereitung ( auch ideologische ) kann man keinen Krieg anfangen. Wer also den Deutsch-Russischen-Nichtangriffspakt vom August 1939 als Krieggrund bzw.mitverantwortlich für den Überfall auf Polen benennt, der hat schlichtweg ' keine Ahnung' !
      Zur polnischen Politik kann man nur sagen, daß ich selbst schon in den 70- er Jahren mehrfach in Polen hörte, ' lieber vom Deutschen getreten , als vom Russen gestreichelt' ! ( unbfassbar eigentlich…- oder )

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