„Querfrontler“ – Ein demagogischer Vorwurf mit Geschichte

Fast die gesamte deutsche Medienlandschaft beteiligt sich am Mobbing diverser Aktivisten und alternativer Medienmacher. Ein beliebter Vorwurf ist die „Querfront“. Woher stammt er? Ein Blick in die Geschichte zeigt: Es geht vor allem darum, zu verleumden, zu entpolitisieren und ein moralistisch verdrehtes Bild von rechts und links zu implementieren.

von Susan Bonath.

Perfide Mordwaffen, brutale Kriege, Vertreibung, soziale Verelendung: Seit jeher bringt der Kapitalismus schlimmste Verbrechen hervor. Doch wer diese im Einzelnen näher beleuchtet und auch mal offizielle Versionen anzweifelt, begibt sich schnell auf dünnes Eis. Ebenso ergeht es jenen, die für Frieden, soziale Gerechtigkeit oder sonstige eher links zu verortende Ansinnen protestieren. Haben sich die Anmelder zuvor umfassend von allerlei Gesinnungen distanziert? Was ist, wenn auf derlei Demonstrationen eine Gruppe oder Einzelne auftauchen, die nicht so recht ins Schema passen? Wer legt das Schema fest?

Politisch-korrekte Sprache ist heute angesagt. Wer mal verbal daneben greift, ein „heikles“ Thema anspricht oder je Kontakt mit irgendeiner „Unperson“ hatte, bekommt ihn schnell zu spüren: den medialen Pranger. Beleidigungen, wie „Verschwörungsspinner“, „Aluhüte“ oder „Putin-Versteher“ kursieren längst in großen Mainstream-Medien. Mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten stempeln Journalisten Unliebsame öffentlich als „strukturelle Antisemiten“ oder „Amerika-Hasser“ ab, sobald sie nur zu laute oder zu drastische Kritik an Herrschaft und Macht üben. Damit gefährden sie nicht selten jemandes Existenz.

Mit solchen Vorwürfen werfen sowohl konservativ-bürgerliche wie linke Medien um sich. Einer davon ist die Unterstellung, ein „Querfrontler“ zu sein. Soll heißen: Linke und Rechte machten gemeinsame Sache. Der Begriff stammt aus der Geschichte und beschreibt eine (versuchte) partielle Zusammenarbeit zwischen Rechten und Linken. Ein Blick in diese soll zeigen, wie der Vorwurf heute demagogisch umgedeutet wird, um Kritiker an bestehenden Klassenverhältnissen mundtot zu machen. Dazu ist es notwendig, die Positionen links und rechts zu klären und einen Blick auf die Widersprüche der Klassengesellschaft zu werfen.

 Zuordnung in „links“ und „rechts“

Die Einteilung in links und rechts ist historisch eine ungenaue Kategorie. Sie wird auf den Beginn der französischen Republik 1789 zurückgeführt. Die damals verfassungsgebende Nationalversammlung teilte sich in politische Interessenlager ein, die sich in der Sitzordnung widerspiegelten: Die linke Seite beanspruchte die revolutionäre republikanische Stoßrichtung, die rechte vereinnahmten Verfechter der Monarchie. „Links“ wurden damals progressive, die Herrschaftsordnung hinterfragende Kräfte verortet, rechts hingegen jene, die zurück zur Macht des Adels wollten.

Damals lösten kapitalistische Strukturen die feudalistischen gerade ab. Dies war ein Jahrhunderte währender Prozess: Seit etwa dem 13. Jahrhundert lief ein neues Besitzbürgertum dem Adel den Rang ab. Der zunehmende Handel hatte einzelne Kaufleute immer reicher werden lassen. Mit der industriellen Revolution sammelte sich später nicht nur Handels- sondern auch Industriekapital in den Händen besitzender Bürger. Die Lohnarbeit löste die Leibeigenschaft von Bauern ab. Die maschinelle Massenproduktion machte sie nötig. Massenhafte Enteignungen kleiner Landbesitzer, die ihre Steuern nicht zahlen konnten, ermöglichte sie. Fürstentümer und Königreiche wurden ungeeignet als Regierungsform.

Die neue kapitalistische Produktionsweise musste entsprechend gemanagt werden. Das Bürgertum benötigte Einfluss in der Politik. Die heutigen Staaten sind das Produkt. Die französische Revolution erkämpfte dabei erstmals demokratische Rechte für Arme und Reiche – allerdings auf Basis der Herrschaft des besitzenden Bürgertums über Besitzlose. Letztere blieben gezwungen, ihre Arbeitskraft an Erstere zu verkaufen. Im Kapitalismus mehrt die Klasse der Besitzer der Produktionsmittel seither ihren Reichtum auf Kosten derer, die die Werte schaffen: Die Lohnarbeiter. Erstere schöpfen den Mehrwert ab.

Die Zuschreibung „links“ und „rechts“ ist demnach historisch zumindest an wesentliche Grundsätze gebunden. Vereinfacht ausgedrückt: „Linke“ stellen die Herrschaft des Menschen über den Menschen in Frage. Sie kämpfen für die Rechte der unterdrückten Klasse der Besitzlosen. Rechte stehen derweil für den Erhalt der Klassengesellschaft ein, ob bewusst oder unbewusst, sei dahin gestellt.

Einige Beispiele: Wer die NATO als bewaffnetes imperiales Bündnis der Herrschenden verteidigt, steht rechts. Wer sich indes gegen die NATO ausspricht, steht links, wie auch jener, der für die Rechte von Lohnabhängigen und ihre Solidarität untereinander eintritt. Wer hingegen die Spaltung der unterdrückten Schichten in ethnische oder soziale Gruppen will, bedient das rechte Spektrum.

Ebenso ist es mit den Nationalstaaten. Im Kapitalismus dienen ihre Apparate zwar auch für die Umsetzung von Bürgerrechten, letztlich aber im Sinne der marktführenden Konzerne. Denn diese bescheren den Staaten Steuereinnahmen, von ihnen sind sie abhängig. Wer also die Macht des Nationalstaats und ihren Ausbau verteidigt, steht rechts. Wer dagegen für eine Machtverschiebung zugunsten der unterdrückten Schichten eintritt, ist auf der linken Seite zu verorten.

Klassen und ihre Interessen

Doch es gibt ein Problem: Die Klassengesellschaft existiert zwar nach wie vor. Nur ist sie weitgehend aus dem Bewusstsein geraten. Ein Grund ist: Arbeiter in imperialen Zentren wie Deutschland leiden heute keine existenzielle Not mehr. Lohnarbeit gilt als Tugend, nicht als Ausbeutung. Den Fabrikbesitzer wie im 19. Jahrhundert gibt es heute kaum noch. In großen Konzernen bekommt der Arbeiter maximal noch einen Abteilungsleiter zu Gesicht. Wer kennt schon die Namen der Spitzenaktionäre, die am Ende vom Gewinn, den er selbst als Arbeiter produziert, abschöpfen?

Es mag scheinen, dass riesige Finanzmogule nur noch wenig mit der Realwirtschaft zu tun hätten, dass ihre Immobilien-, Kredit- und Spekulationsgeschäfte weit davon entfernt seien. Jedoch: Der Mensch existiert nicht von Geld in irgendeiner Form, sondern von der realen Produktion. Werte werden durch menschliche Arbeit geschaffen. Neue Technik muss erfunden, Maschinen müssen gebaut, Land für die ökonomische Verwertung urbar gemacht, Rohstoffe ausgegraben werden. Hinter jedem Gewinn, den sich irgendwer einsteckt, steckt am Ende Arbeit, die irgendwer verrichtet hat.

Tatsächlich sind die widerstreitenden Interessen zwischen Kapitalbesitzern und Lohnabhängigen so real wie vor 200 Jahren. Die Unternehmer und Aktionäre sind am größtmöglichen Gewinn interessiert. Damit verbunden sind möglichst geringe Löhne und wenig Arbeitsrechte. Die Beschäftigten hingegen wollen, berechtigterweise, an den Früchten ihrer Arbeit teilhaben. Wo die Produktionsmittel jedoch privaten Eignern gehören, deren Ziel es ist, möglichst hohe Profite zu generieren, kommen solche Rechte nicht von selbst.

Das aktuelle Bestreben von Teilen der deutschen Politik zugunsten des Großkapitals, Arbeitsrechte auszuhöhlen und den Niedriglohnsektor weiter auszubauen, ist nichts anderes als Klassenkampf von oben. Mit Streiks und Demonstrationen haben Arbeiter in der gesamten Geschichte des industriellen Kapitalismus dagegen gehalten. Das Streikrecht wurde, wie die bürgerliche Demokratie an sich, hart erkämpft.

Doch aktuell werden die Angriffe der Herrschenden darauf immer spürbarer. Mit Hartz IV hat es die deutsche Politik geschafft, einen riesigen Markt für Lohndumping zu etablieren. Sie zwingt Erwerbslose unter Androhung des Entzugs des Existenzminimums dazu, für jeden Preis zu arbeiten. Nicht einmal Mindestlohn gilt für Erwerbslose im ersten halben Jahr der Arbeitsaufnahme. Damit schüchtert sie zugleich die Jobbesitzer ein. Wer will schon im repressiven Hartz-IV-System landen?

Ähnliche Modelle werden gerade in Frankreich und Österreich vorbereitet. Das führt zu sozialer Spaltung. Um die so produzierte Kriminalität zu bekämpfen, agieren die Staaten zunehmend autoritärer. Armeen und Polizei werden aufgerüstet, um im härter werdenden Konkurrenzkampf zu bestehen.

Hinzu kommt: Der kriegerische Kampf um Märkte bestimmt zunehmend die Außenpolitik der Imperien. Die globale Kapitalakkumulation – das Grundprinzip des Kapitalismus – hat Monopole immer mächtiger werden lassen. Längst ist das Geld- mit dem Industriekapital und letzteres mit den Staatsapparaten verschmolzen.

Moralisierung des Politischen

Die mit Fortentwicklung des Kapitalismus zunehmende Unsichtbarkeit der Klassenverhältnisse macht demagogische Spiele mit den Begriffen „links“ und „rechts“ einfach. Die einst auf Klassenstandpunkten basierenden Kategorien werden moralisiert. „Rechts“ wird so zu „böse“, „links“ zu „irgendwie gut“.

Aus Klassenkampf, der wirtschaftlichen Eigentums- und Machtverhältnissen entspringt, wird so ein Kampf von Gut gegen Böse und Böse gegen Gut. Der Begriff „linke Gutmenschen“ ist nicht umsonst zum Kampfbegriff von Rechts gegen Links geworden. Auch „linksextrem“ gehört dazu. In diesem Wort spiegelt sich de facto die moralistische Umkehr der moralistischen Umkehr. Gemeint sind „Steinewerfer“ und „Randalierer“. Schließlich ist es „böse“, zu randalieren und Steine auf Polizisten zu werfen.

Anders herum wird die Beleidigung „Nazi“ inflationär gegen als „böse“ Verdammte gebraucht. Zu bedenken ist: „Nazi“ war die Selbstbezeichnung der deutschen Faschisten als Kurzform für „Nationalsozialisten“. Mit dem Begriff „Sozialismus“ waren damals Arbeiter zu ködern. Gleichwohl hatte das Ziel der Faschisten beileibe nichts mit irgendeiner Art Sozialismus zu tun. Sozialismus beschreibt im Marx’schen Ursprungssinn die „Diktatur der Arbeiterklasse über die Bourgeoisie“ als Übergangsform zu einer Gesellschaft ohne Herrschaft mit ausschließlich gesellschaftlichem Eigentum an Produktionsmitteln, ohne Staat und ohne Geld.

Die deutschen Faschisten hingegen verboten Gewerkschaften, zwangen Lohnabhängige zur Arbeit zu niedrigsten Löhnen, verfolgten und ermordeten politische Gegner, ethnische und religiöse Gruppen, allen voran die Juden. Von Enteignung betroffen war so gut wie nur jüdisches Kapital. Das deutsche Großkapital hingegen strich satte Profite durch auf die Spitze getriebene Ausbeutung ein. Ähnlich brutal-autoritär kapitalfreundlich agierten die Faschisten in allen Ländern. Im Faschismus ging es also immer darum, kapitalistische Herrschaft auf brutalste Weise gegen die Interessen der Lohnabhängigen durchzusetzen.

Die historische „Querfront“

Auf dieser Demagogie bezüglich links und rechts fußt der Vorwurf Querfront. Teile der Linkspartei-Spitze bezichtigen schon eigene Genossen, wie Sahra Wagenknecht, Diether Dehm und Wolfgang Gehrcke als „Querfrontler“. Auch KenFM und andere Medienportale werden regelmäßig mit dieser Keule bedacht. Tatsächlich geht der Begriff auf reale Ereignisse in der Weimarer Republik zurück. Er beschreibt Konzepte für eine partielle Zusammenarbeit rechtsnationaler und bürgerlich-liberaler Gruppen.

In politisch-ideologischen Diskursen tauchte der Begriff „Querfront-Strategie“ erstmals in der späten Weimarer Republik Anfang der 1930er Jahre auf. Hintergrund sind Konzepte der zwischen März 1930 und Januar 1933 weitgehend autoritär regierenden deutschen Reichskanzler Heinrich Brüning, Franz von Papen (beide damals in der Zentrumspartei) und Kurt von Schleicher. Keiner von ihnen konnte sich auf parlamentarische Mehrheiten oder breiten Rückhalt in der Bevölkerung stützen. Zwar begrüßten sowohl das rechtsnationale wie das bürgerliche Lager die Aushöhlung demokratischer Institutionen, etwa durch die Notstandsverordnung. Über ein einheitliches politisches Konzept verfügten sie jedoch nicht.

Nachdem von Papen im November 1932 mit einer neoaristokratischen unternehmerfreundlichen Politik gescheitert war, versuchte von Schleicher, breite Mehrheiten zu erlangen. Seine erklärte Idee war es, ein Bündnis aus Reichswehr, Gewerkschaften und dem „linken“ Flügel der NSDAP zu schmieden. Damit erhofften sich die Rechtsnationalen, die Weimarer Republik endgültig zu beseitigen. Basierend auf einem „Volkswillen“ sollte ein autoritärer Staat errichtet werden: Auf der einen Seite sollte dieser für den Abbau sozialer Rechte sorgen und bewaffnete Organe befugen. Auf der anderen Seite sollte er Schlüsselindustrien strenger staatlicher Kontrolle unterwerfen und notfalls mit Zwangsverwaltung an Steuern gelangen.

Tatsächlich war der „linke“ Flügel der NSDAP unter Gregor Strasser an einer solchen „Querfront“ interessiert. Bereits seit dem Beginn der 1930er Jahre konnten einzelne nationalistische Strömungen im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) Fuß fassen. Lange Zeit vermied man dort den Diskurs darüber, näherte sich Forderungen des Strasser-Flügels nach Programmen für Arbeitsbeschaffung an – zulasten der engen Bindungen mit der Gewerkschaften an die SPD. Es gab sogar Sondierungsgespräche zwischen Reichsregierung und ADGB-Führung, um die Option „Regierung aller Volkskreise“ unter Einbeziehung der NSDAP auszuloten. Allerdings scheiterte das von Schleicher verfolgte Konzept an Hitler und seinen Anhängern sowie am SPD-Einfluss innerhalb des ADGB.

 Ein Streik und eine Rede

In diese Zeit fällt auch der Berliner Verkehrsarbeiterstreik. Im November 1932 legte er alles lahm. Heute sprechen einige rückblickend auch hier von einer „Querfront“ zwischen KPD und NSDAP. Angeführt wurde der Streik vom KPD-Mitglied und ehemaligen Betriebsrat in den Verkehrsbetrieben, Albert Kayser.

Offensichtlich wollte die NSDAP den „Beweis“ erbringen, sich auch um Arbeiter zu kümmern. Sie mischte sich in den Streik ein. Kayser nahm sogar einige NSDAP-Mitglieder in die Streikleitung auf. Wie der KPD-Führer Ernst Thälmann später in einer Rede sagte, habe man dies praktiziert, um Arbeiter auf die Seite der Kommunisten zu ziehen. Eine weitere Zusammenarbeit war nie angedacht. Doch die SPD brach eine Hetzkampagne los. Sie warf der KPD eine „antirepublikanische Einheitsfront mit der NSDAP“ vor.

Einige bezichtigen auch den Kommunisten Karl Radek posthum der Querfront. Radek gehörte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) an und beriet im Auftrag der Kommunistischen Internationale die KPD in Deutschland. Bereits im Jahr 1923 hatte er den Nationalisten Albert Leo Schlageter in einer Rede gelobt. Schlageter gehörte der NSDAP-Tarnorganisation Großdeutsche Arbeiterpartei an. Er führte eine nationalistische Widerstandsgruppe in Essen an, um gegen die Franzosen zu kämpfen. Diese hatten das Ruhrgebiet besetzt, um Reparationen aus dem Ersten Weltkrieg einzutreiben.

Nach Anschlägen auf Bahnlinien nahmen die französischen Besatzer Schlageter fest, verurteilten ihn zum Tod, richteten ihn hin. Radek lobte Schlageter später als „mutigen Widerstandskämpfer gegen den französischen Imperialismus“. Er sei gescheitert, weil er nur Kleinbürger, aber keine Arbeiter am Start hatte. Zugleich rief er Bürgerliche dazu auf, sich mit der KPD und den Arbeitern zu verbünden. Erwähnt sei, dass die KPD zu dieser Zeit heftig darüber stritt, ob es Sinn ergebe, Arbeiter, die der NSDAP nachliefen, auf ihre Seite zu ziehen. Eine wirkliche Zusammenarbeit zwischen beiden Parteien gab es allerdings zu keiner Zeit.

 Klassenkämpfer von rechts?

Man kann also darüber streiten, ob es der KPD gelungen wäre, die Machtübernahme der NSDAP mit all ihren Folgen – wie dem industriellen Massenmord an Millionen Juden, an Kommunisten, Sozialisten, Roma und Sinti – zu verhindern, wenn es ihr gelungen wäre, mehr Arbeiter und Kleinbürger auf ihre Seite zu ziehen. Man kann ihr dagegen keineswegs vorwerfen, sich mit rechten Ideologen verbündet zu haben.

Allein das Ansinnen wirklich linker Politik, die Herrschaft des Menschen über den Menschen zu beseitigen, widerspricht so grundsätzlich den rechten Bestrebungen, die bestehenden Verhältnisse zu festigen, dass es schlicht keine gemeinsamen Ziele gibt. Es ist noch keine Zusammenarbeit, wenn Linke auf Arbeiter zugehen, die sich rechten Parteien angeschlossen haben.

Gleichwohl versuchen rechtsnationale Gruppen und Parteien immer wieder, mit klassenkämpferischen Parolen ähnlich wie einst die NSDAP bei Arbeitern und Erwerbslosen zu punkten. So praktiziert es etwa die AfD: Mitglieder dieser zwischen rechtskonservativ, neoliberal und christlich-fundamental schwankenden Partei wollen die Gewerkschaft „Zentrum Automobil“ in der Autobranche implementieren.

Das ist durchaus clever. Erfolgversprechend ist es vor allem deshalb, weil die IG Metall und andere Vertreter im Deutschen Gewerkschaftsbund längst eng mit den Interessen des Kapitals und der Politik verwoben sind. Statt Klassenkampf zu betreiben, führen sie eher Schönwetter-Verhandlungen mit Arbeitgeber-Verbänden. Unterprivilegierte, wie Leiharbeiter, profitieren kaum davon. Dennoch: So kämpferisch sich die AfD-Vertreter auch geben: Die Stoßrichtung dieser Partei setzt eben genau auf das Gegenteil: Vorteile für das deutsche Kapital. Rechter „Klassenkampf“ findet immer auf dieser Seite statt. Die Lohnabhängigen sollen sich anpassen. Was fehlt, ist eine wirklich linke Alternative – in jeder Hinsicht.

 Die „Querfront“ der Moralisten

Besonders abstrus mutet es an, dass die heutigen „Querfront“-Vorwürfe gerade aus dem gut situierten „links“-bürgerlichen Lager auf diverse Protagonisten einprasseln. Jüngst betätigte sich dahin gehend der Berliner Kultursenator Klaus Lederer. Der so Gescholtene war (erneut) Medienportal-Betreiber Ken Jebsen.

Dass Lederer selbst weit weniger mit der Klassenfrage am Hut hat als Jebsens Portal KenFM, ist unbestreitbar. Es ist nicht bekannt, dass Lederer als Kultursenator und seine mitregierenden Kollegen aus der Linkspartei jemals die verheerende Situation der Massen an Berliner Obdachlosen ernsthaft ins Visier genommen hätten. Die Jobcenter der Hauptstadt sind nach wie vor die härtesten Sanktionierer im bundesweiten Vergleich. Stattdessen macht Lederers Linke gut bezahlt gemeinsam Politik mit der SPD und den Grünen, also jenen Parteien, die Hartz IV eingeführt und bereits zahlreichen imperialen Kriegseinsätzen zugestimmt haben. Sie alle wollen eins ganz sicher nicht: Den Kapitalismus abschaffen.

Angesichts dieser Realpolitik sollte man sich vielmehr fragen: Wer gibt fälschlicher Weise vor, ein Linker zu sein, und wer handelt tatsächlich in einem linken Sinn? Und: Sitzt die Querfront nicht vielmehr dort, wo sich angebliche Kämpfer für soziale Rechte mit kapitalfreundlichen Rechten zusammentun, um einvernehmlich Meinungen zu unterdrücken, Ausbeutung zu negieren und Bildung zu verhindern?

Man kann durchaus von einer „Querfront der Moralisten“ sprechen. Die befördert letztlich genau das, was sie vorgibt zu bekämpfen: Den massenhaften Zulauf der realen Rechten aus den Kreisen der Arbeiterschaft. Wo echte linke Alternativen fehlen, haben echte Rechte ein leichtes Spiel.

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Dieser Beitrag erschien am 6.1.2018 bei RT-Deutsch.

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Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Textes.

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Fotohinweis: Gruppe von Arbeitern (Berlin, Deutschland, um 1930)

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36 Kommentare zu: “„Querfrontler“ – Ein demagogischer Vorwurf mit Geschichte

  1. Sehr geehrte Damen uns Herren,

    Der, Die, Das

    Alles fremde Menschen, alles Begriffe

    Wer sagt was…viele, viele Zitate, wer wann wo was gesagt hat

    Wo geschieht was und warum?

    Wo geschah was und warum?

    Sehen Sie, was Sie sehen?

    Hören Sie, was Sie hören?

    Schwierig? Nein

    Zeitaufwendig? Ja

    Lesen und hören Sie die Worte Ihrer Freunde und lesen Sie die Wort Ihrer Feinde!

    Lesen Sie und hören Sie genau, Wort für Wort

    Substantiv für Substantiv

    Adjektiv für Adjektiv

    Verb für Verb

    Und Sie werden sie entzaubern

    Machen Sie sich die Mühe

    Claudia Volke aus Dresden

    • Schön gesagt

      Noch eine kleine Anregung dazu – – – nicht an den Schalen der Wörter hängenbleiben
      Nicht an dem, wozu sie in der Geschichte verwendet wurden
      Nicht an dem, wohin sie verzerrt wurden
      Nicht an dem, wozu man sie drangsaliert hat
      Nicht an ihren abgetöteten Leibern hängen
      Nicht an der Fassade

      Hineinhören in die Wörter und das herausspüren, was der Sprechende in sie hineingelegt hat

      Im besten Fall mit jeder Faser seines Herzens

      Betrachten wir Frieden nicht länger als eine Pause zwischen zwei kriegerischen Auseinandersetzungen

      sondern als unseren natürlichen menschlichen Zustand

  2. „Ich habe mich am Ende gefragt, wieso ich überhaupt bis zum Ende gelesen habe, obwohl schon oben ihr Name drüberstand – und dann kein einziger kritischer Kommentar: ein Armutszeugnis, liebes Kenfm-Publikum!“

    Volle Zustimmung. Gegen diese Art der Propaganda habe ich unter drei Beiträgen der Autorin etwas geschrieben.
    Hat nicht das Geringste bewirkt. Also, wozu noch Energie vergeuden?
    (Führerimperialismus in Blau
    Tagesdosis vom 2.1.2018, Aufwiegeln und Spalten
    Roter Tisch vom 3.1.18)

    Ein Freund schrieb mir, daß er es mit Logik und Vernunft versucht hätte. Aber er meinte, daß man diesen historisch programmierten Verblendeten sogar ihre Köpfe gegen die Gitterstäbe stoßen könne, ohne daß sie die Gitterstäbe der mental-systemischen Blase sehen könnten, innerhalb derer sie denken.

    Also hat er aufgegeben und sich entfernt.

    Ich lasse inzwischen diese Artikel ganz aus, Und wie ich weiß, halten das sehr viele so.

    • Jetzt vergessen Sie aber, dass der Marxismus-Leninismus wasserdicht und quasi idiotensicher wissenschaftlich bewiesen ist. Es muss alles so kommen wie der Schwager des preussischen Innenministers prophezeit hat.
      Apropos Prophezeung, nach Marx ist ja die Apokalyse der kapitalistischen Ordnung nötig um zu einer Verbesserung der Welt zu gelangen. Vorher schon Dinge verbessern ist igitt, gegen die reine Lehre und Anbiederung ans Kapital.
      Lässt sich natürlich leicht fordern, wenn man Zeit Lebens von Erbschaften und geborgtem Geld lebt und nicht selbst in die Fabrik muss. Wer war das denn, der das Wirken mitfinanziert hat?
      Der Große Plan hat doch vor allem den Kapitalisten und dem System geholfen, ihre Monopole auf- und auszubauen, denn die Arbeiter haben sich mit unbrauchbarem Geschwurbel auf ein Paradiess vertrösten lassen.
      Außerdem hat er permanent Stunk gemacht und intregiert, damit ja keine wirklich geeinte Arbeiterschaft aufkommt.
      Zudem diese bis heute nicht zu verstehende Theoriegedöns, das ist doch pure Verwirrungstaktik.
      Aber alles wissenschaftlich astrein, behaupten die Jünger.

      Hat sich eigentlich schonmal jemand gefragt, warum der große Mann eigentlich ausgerechnet nach London ins Exil gegangen/geholt wurde? Ins Herz des Imperiums, des Imperialismus schlechthin?
      Hat man ihn da etwa schriftstellerisch oder geheimdienstlich geführt?
      Die gleichen Leute, die dann „seine“ Theorie gegen den Konkurrenten Russland in Stellung brachten?
      Wem hat denn diese „Volksrevolution“ 1917 wirklich Nutzen gebracht?
      Wer hat mit der Oktoberrevolution Kasse gemacht?

    • @Gloucester
      schön, jetzt haben Sie es also den Jüngern des Marxism-Leninismus mal so richtig gegeben. Aber ich wüßte gerne, wo die hier auf kenfm sind, könnten Sie mir da einen Hinweis geben?

      Und was die Kritik an Marx betrifft, lesen Sie doch mal, was er geschrieben hat. Dann müssen Sie nicht gegen etwas hetzen, was er nicht geschrieben hat. Zum Beispiel daß die Apokalypse der kapitalistischen Ordnung nötig sei um zu einer Verbesserung der Welt zu gelangen. Wo soll das denn stehen?

      Wischen Sie sich doch mal den Schaum vorm Mund weg. Hass, Angst und all diese negativen Gefühle schränken die Hirnfähigkeit ein. Ich denke, keiner kann übersehen, zu welch skurril verbrecherischen Ergebnissen die bisherigen Versuche der sozialistischen Revolution geführt haben. Nordkorea ist da ja nur das gegenwärtig krasseste Beispiel. Ich frage mich, warum Sie nicht mit der gleichen Wut gegen die Verteidiger der kapitalistischen Gesellschaftsordnung angeifern. Deren Verbrechen sind nicht getoppt und dauern an, werden mit jedem Tag schlimmer. Wenn ich mich das frage, meine ich damit nicht, daß Sie – egal gegen wen – weitergeifern sollen.

      Ich schlage vor: Kühlen Kopf behalten. Unsere heutige Gesellschaftsordnung studieren und da liefert Marx übrigens hervorragende Grundlagen und wie mit jeder Wissenschaft, sie ist nur der letzte Stand unserer Irrtümer (Bonmot). Deswegen verlieren alte Wahrheiten nicht an Wert. Man muß sie im Lichte ihrer Zeit sehen und ihre Gültigkeit/Nichtgültigkeit für heute prüfen. Genauso wie mit der Schwerkraft. Geniale Entdeckung von Newton. Mit Einstein sehen wir das heute ein wenig anders. Das machte Newton und die von ihm entdeckten Gesetze aber nicht wertlos.

      Ich denke, die meisten kenfm-Nutzer stehen dem Kapitalismus kritisch gegenüber, weil sie mit seinen Auswirkungen leben müssen und die Augen offen halten wollen. Die wenigsten werden deshalb gleich genau wissen, wie er funktioniert. Für dieses Wissen hat Frau Bonath schon einiges beigetragen (kenne kenfm erst seit weniger als 1 Jahr). Den o.a. Beitrag sehe ich nicht von Ihnen kritisiert. Hier schildert sie die verrückten Spaltungen, Irrungen etc. innerhalb der Linken mit für mich neuen Erkenntnissen. Die nehme ich erst mal so hin, weil ich es nicht besser weiß und hier auch keine entscheidende, fundierte und sachliche Kritik gefunden habe. Das ist aber nicht Kritiklosigkeit meinerseits, sondern Abwarten auf künftige Erkenntnisse, Abgleich ihrer Schilderung mit dem, was ich heute erlebe. Inwieweit war Ihr Beitrag dabei hilfreich? Fragen Sie sich das mal!

  3. Es ist 16:29 – wie lange braucht Ihr denn zum prüfen?

    hj_allemann sagt:
    9. Januar 2018 at 10:19

    Dein Kommentar wird gerade geprüft

    @Gloucester -Besitzende Klasse?
    Interessante Frage! Nur, wer hat denn etwas von einer besitzenden Klasse geschrieben und wo? Wenn man das weiß, kann man ja dort erst mal nachlesen, was der gemeint haben könnte. Hier habe ich jedenfalls einen solchen Begriff auch mit Ctrl-F nicht gefunden.

    • Na, HJ, immer noch in derselben Blase unterwegs und mit demselben Weltbild?
      Das gehört ja zu dieser Blase dazu: es dringt nichts anderes mehr ein, als das, was sie sowieso schon erfüllt.

      Ich bin Ihnen noch eine Antwort schuldig: Ich hatte geschrieben, daß der Beitrag von S.B. (die Tagesdosis vom 2.1.18) schon am nächsten Tag in der Versenkung verschwunden wäre. Sie hatten dem widersprochen mit Hinweis auf das Archiv der Tagesdosen.
      Was ich meinte ist das, was hier jetzt wieder passiert: eine Dosis, meist eine solche, wo die Kritik ausblieb, bleibt drei, vier, fünf, sechs, oder sogar sieben Tage auf der Titelseite von KenFM stehen, andere Tagesdosen hingegen, vornehmlich solche, in denen umfangreich kritisch widersprochen wurde und die Autorin widerlegt, verschwinden nach 24 Stunden von der Titelseite.
      Das würde ich unauffällige Zensur nennen, da offensichtlich nicht alle Beiträge gleich behandelt werden. Also sowas Unmarxistisches aber auch 😉
      Manche Tagesdosen sind eben gleicher als andere.

    • OMG…
      Jede Tagesdosis ist genau einen Tag auf der Titelseite, außer übers Wochenende! Soll ich mal tägliche Screenshots machen?

      Lieber überzeugter Andreas-AfD-Wähler 🙂
      du bist ein erklärter Gegner von Susan Bonath. Sie ist halt links! Du machst jede ihrer Tagesdosen runter, schwafelst von Gewalt und negativer Ausstrahlung und so nem Zeugs. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht von Blasen labern, in denen die Anderen unterwegs sind.

  4. Liebe Frau Bonath,
    wieder ein sehr guter Beitrag. Ich lese Ihre Artikel u Tagesdosen immer wieder gern und finde es wichtig, wieder und wieder auf den herrschenden Klassenkampf und alles was damit zusammenhängt hinzuweisen.

    • Was ist denn nun dieser Klassenkampf genau?
      Wenn so ein Unternehmer am Tropf der Geldwirtschaft oder wegen mir auch des Geldadels hängt, dann wird der doch auch nur ausgebeutet, oder nicht?

      Wer oder was ist denn die besitzende Klasse?

    • @Gloucester -Besitzende Klasse?
      Interessante Frage! Nur, wer hat denn etwas von einer besitzenden Klasse geschrieben und wo? Wenn man das weiß, kann man ja dort erst mal nachlesen, was der gemeint haben könnte. Hier habe ich jedenfalls einen solchen Begriff auch mit Ctrl-F nicht gefunden.

    • Come on… Nicht dein Ernst diese Frage, oder?
      Der arme arme unterdrückte Unternehmer. Eine Runde Mitleid bitte für den Geschundenen. Der Champagner in Moritz ist heuer lauwarm, der Porsche braucht neue Reifen und der Nerz muss in die Reinigung. Die Putzfrau hat ein Brötchen geklaut und die Temperatur im Chalet-Pool ist zu kalt. Die Nachbarin hat ne neue LouisVuitton und der Gatte schon alle Rolex im Schrank. Hach… Was für ein furchtbares Leben!

      Soll ich mal ne Namensliste anfangen? Ich glaub der Platz bei Ken würde nicht ausreichen. Aber sei’s drum:
      Quandt, Oetker, Albrecht, Swarowski, Schweinsteiger, Schumacher, ………….

      Da schreib ich ja morgen noch dran. Fahr nach Frankfurt/Goethestraße oder Düsseldorf/Kö und schau sie dir an, deine ausgebeuteten Unternehmer und Manager.

      DER REICHTUM WENIGER BASIERT IMMER AUF DER ARMUT VIELER!

    • Die Frage zielte eher auf die ganzen Kleinkrauter wie Herrn Thoma mit seinen Holzhäusern. Der ist auch Kapitalist und hat Angestellte. Ich sehe aber nicht, warum man mit ihm nicht gemeinsame Sache machen sollte, obwohl er nur einen Lohn zahlt, aber selbst vermutlich richtig Geld verdient.
      Am Ende ist auch Jebsen ein Inhaber einer Firma, Arbeitgeber und hat Angestellte. Ob er diese auch ausbeutet, weil er nur einen Lohn zahlt und diese nicht gleichberechtigt beteiligt?

      Wenn man so ganz links ist und das Kapital verachtet und enteignen will, dann muss man auch sagen können wen es alles betrifft und wie man es anstellen will, damit hinterher nicht alles in organisierter und selbstverwalteter Verantwortungslosigkeit dahinsiecht.

      Oder glauben Sie im Ernst, dass nach 30 Jahren RTL da draußen haufenweise mündige Arbeiten bereit sind für einen Sozialismus?

    • Herrn Thoma fand ich auch gut bei Positionen! Gegen kleine „Unternehmer“ hab ich auch nicht so viele Vorbehalte, obwohl auch dort gilt: Geld verdirbt den Charakter. Ich hab das leider am eigenen Leib erfahren und muss es heute noch mit ansehen in meinem alten Bekanntenkreis und in der Familie. Eine meiner Freundinnen ist eine dieser „kleinen“ Unternehmerinnen. Aber sie kauft lieber eine dritte und vierte Lederjacke, als ihren Angestellten den Lohn zu erhöhen. Ich war zu lange selbst in der sog. High Society unterwegs und weiß nur zu gut, wie man dort denkt. Je höher du kommst, desto tiefer wird der Dreck! Die Ansprüche steigen, die Moral nimmt ab, das Denken verändert sich mit den Lebensumständen.

      Das RTL-Argument zieht allerdings. Leider! Da hab ich auch keine schnelle Lösung parat. Richtige Bildung würde helfen, eine andere Erziehung würde helfen, echte Demokratie würde helfen. Verfall des Geldes statt Zinsen auf Guthaben würde helfen. Lohnobergrenzen würden helfen. Oder wie wärs einfach mit der Einhaltung des GG Art 14-2? Damit wär ich fürs erste schon echt zufrieden.

      Geld hat nun mal die erschreckende Eigenschaft süchtig zu machen und nur die Besten unter uns schaffen es, dieser Droge die Stirn zu bieten. Vielleicht gehört Herr Thoma dazu. Ich wünsche es ihm von Herzen!

      Ja, ich träume von einer gerechten Welt ohne Hunger, Krieg und Ausbeutung. Und eine solche Welt wird es mit dem Kapitalismus niemals geben können. Der Beweis spielt sich da draußen vor meiner Tür ab.

    • Gerechtigkeit ist ein subjektiver Begriff und ich zweifle, ob wir damit wirklich weiter kommen. Sicher wird man schnell Einigkeit erzielen, wenn man nicht mehr möchte, dass Menschen verhungern, im Krieg leben müssen oder von Bildung, Medizin, Kleidung und Kultur abgeschnitten sind/werden. (Sie können die Liste gerne verlängern, ich habe mich mal auf die vorerst wichtigen Punkte festgelegt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit etc.)
      Nun haben wir die Menschen wie sie heute nun einmal sind, ich weiß aber nicht im Ansatz, was das genau heißt. Es sind einfach zu viele mit ganz verschiedenen Wünschen und Bedürfnissen.
      Soll wieder der Staatsrat alter Männer entscheiden, was das Volk zu wünschen hat?

      Jedoch würden auch eine Reihe Kleinstunternehmer, die sich von meiner Warte aus auch nur totschuften, es nicht als Befreiung ansehen, würde man sie enteignen. Sie fänden das ungerecht. Andere wiederum würden ganz sicher aufatmen. Aber eben nicht alle. Was also tun?
      Und diese Menschen muss man mitnehmen in eine neue Ordnung. Sonst laufen die weg wie im Osten (und die Nulpen oder Karrieristen bleiben übrig) oder arbeiten von Anfang an gegen jeden Versuch eines Neuaufbaus; oder resignieren irgendwann, weil das System nicht ihrer Natur entspricht, denn nicht jeder ist geborener Arbeiter oder Angestellter oder Revolutionär. Manche wollen einfach nur ihre Ruhe. Andere sind nun mal Alpha-Tiere und bringen einen Betrieb oder ein Projekt voran. Das kennt doch jeder, dass man nicht mit jedem was auf die Beine stellen kann.
      Und man wird auch immer die Motivierten Antreiber und Schlauen brauchen, sonst endet es wirklich wie im Osten.

      Die Menschen sind nicht alle gleich, das wird auch nie so sein.
      Deshalb ist für mich das ereifern über Rechte im Augenblick vielleicht nachvollziehbar.
      Aber was bringt es, wenn man da nur spaltet?

      Und die kleinen und mittleren Betriebe leiden doch auch, denn die haben keine Rechtsabteilung aus London oder NY, welche die Knete sonstwo parkt und kommen im Prozess der Monopolbildung unter die Räder. Auch bei den Kapitalisten zahlen die Kleinen die Zeche, während oben die dicken Fische sich tot lachen, dass wir uns in rechts und links verhaken (lassen).

      Interessant ist ja, dass im Kapitalismus und im Sozialismus es zu einer Monopolwirtschaft kommt. Und beide liefern unterschiedlich schlechte Ergebnisse ab.

      Ist der der Staatssozialismus tatsächlich ein Projekt, das ausschließlich für die Menschen ist?
      Die Praxis spricht für mich da auch andere Bände. Oben stehen Psychopathen (wie immer, so auch hier) und die Masse wird irgendwann apathisch. Das kann ich für mich nicht zum Ziel erklären.
      Denn wenn man alles private aus em Spiel nimmt, dann müsste logischerweise auch Jebsen wieder zum Staatsfunk wechseln, denn privat wäre ja dann nicht. Und das will ich nicht.
      Das muss anders laufen!

    • Ich glaub da haben Sie was missverstanden. Ich bin kein Verfechter des DDR-Sozialismus. Um Himmels willen! Mal ganz davon abgesehen, dass dieses System DDR/UdssR den wirklichen Sozialismus in den Dreck gezogen hat und jetzt quasi immer gerne als Negativ-Beispiel herangezogen wird.

      Ich will direkte Demokratie ohne eine Herrscher-Clique, die uns ständig erzählen will, was wir zu tun und zu lassen haben und sich dabei die Taschen voll macht. Ich möchte einen ECHTEN Rechtsstaat, in dem auch die Ärmeren eine Chance auf ihr Recht haben. Eine Welt, in der nicht das Geld regiert. In dem ALLE die gleichen Rechte und Pflichten haben und nicht nur die Armen ausgebeutet werden und kuschen müssen, während man die wirklichen Verbrecher weder anklagt, noch zur Rechenschaft zieht.

      Ich hab nicht mal was gegen Eigentum. Aber, wie gesagt, GG14-2: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

      Und es wäre alles machbar. Steueroasen weg, unverschämten Reichtum abschaffen, solange noch ein einziger Mensch hungert. Gerechte Löhne, also die Krankenschwester muss mehr verdienen, als der Broker. Zinsen abschaffen und verhindern, dass Geld gehortet werden kann.

      Für diese Vision brauchen wir doch nicht wirklich eine neue Gesellschaft. Die Menschen wollen weder Krieg, noch sind sie glücklich in ihrer Ellenbogen-Ehrgeiz-Konkurrenz-Welt. Wir bräuchten nur einen Paradigmenwechsel. Drewermann z.B. hat dazu echt gute Lösungsideen.

    • Ich frage mich schon immer, wie man die Vorgabe, dass Eigentum verpflichtet, umsetzt.
      Ob das mit Absicht so schwammig formuliert wurde?
      Manchmal denke ich, dass eine dirkete Demokratie und Verwaltung nicht größer als ein Dorf sein dürfte, weil alles was größer ist schon in der Gefahr ist anonym zu werden und damit amoralisch, asozial und korrupt.
      Aber das ist dann der Flickenteppich, den die Nationalen so fürchten und die von der Fraktion des Weltkommunismus auch.
      Aber nur im Kleinen kann es besser werden. Und mit wem ich auch ins Gespräch komme, das ist einer der wenigen wirklichen gemeinsamen Nenner, die ich jetzt zu meinen Lebzeiten erkennen kann.

      Was früher mal zu Zeiten von Marx oder Lenin war ist mir genauso fremd und egal wie das, was in Zukunft sein wird, weil ich es nicht erahnen kann.

      Jetzt aber ist im Kleinen Veränderung möglich, weil es viele Menschen spüren. Aber die Menschen müssen aktiv mitmachen, sonst wird die Verantwortung wieder delegiert und bei einem Staat, einer partei einem Kader oder Rat abgegeben.

    • Wie man Eigentum verpflichtet umsetzt? Na zum Beispiel, indem man die Steuern bezahlt, die man bezahlen muss und nicht nach Irland oder Luxemburg damit flüchtet. Oder indem man die Kosten für Rückbau und Entsorgung (AKWs) auch übernimmt und nicht nur die Gewinne einsackt und die Kosten auf die Gemeinschaft umlegt. Das gleiche gilt dann auch für die Banker und ihre Zockerei. Nix mehr mit Gewinne behalten, Verluste vergesellschaften.

      Agrar-Riesen, die die Menschen vergiften, sollten für die Medizin aufkommen müssen. Pharmariesen würden erst bezahlt, wenn Heilung eingetreten wäre. Waffenfabrikanten und Ölmultis müssten Flüchtlinge unterbringen und ernähren usw usf…
      Aktiengesellschaften müssten ihren Aktionären (wenn man denn unbedingt dieses System beibehalten wollte) sagen, dass sie jetzt Anteilseigner sind, im wahrsten Sinne. Das es also auch sein kann, dass statt Dividende auch mal Kosten auf einen Eigner zukommen.

      Die Unternehmer argumentieren immer mir ihrer großen Verantwortung, die die hohen Gehälter begründet. Aber Verantwortung übernehmen tun sie dann nicht.

  5. Schon wieder eine der üblichen Belanglosigkeiten und krampfhaften Plattitüden von Frau Bonath (auch das Interview mit ihr war nicht grade ergiebig…), und manche finden das auch noch „wichtig“, „kenntnisreich“ und „super“ – oder war das alles ironisch gemeint? Ich habe mich am Ende gefragt, wieso ich überhaupt bis zum Ende gelesen habe, obwohl schon oben ihr Name drüberstand – und dann kein einziger kritischer Kommentar: ein Armutszeugnis, liebes Kenfm-Publikum!
    Und für die Kenfm-Redaktion: wie schafft diese Bonath es mit ihren seichten Sermonen bloß in alle möglichen Medien?
    (Da fällt mir noch der ab und zu abgedruckte Schwätzer ein, dessen Namen ich zum Glück vergessen hab, der u.a. zu „G20“ in Hamburg von seinen persönlichen Erfahrungen mit netten Bullen und Fischbrötchen berichtet hat…)

    • Ogott, jetzt hab ich auch noch die „Tagesdosis 8.1.“ angeklickt: schon wieder ein Bonath-Erguß aus den immerselben Versatzstücken… Gleich wieder ausgeschaltet!

    • PSI als Name hätte besser gepasst, wäre wenigstens ein Statement zur ideologischen Verortung. Ich verstehe ihre Argumentation nicht. Werden Geschichte und Fakten überbewertet?

    • Hallo Gloucester, sie erklärt den historischen Hintergrund des Begriffs „Querfront“. Dieser Artikel könnte den Protagonisten, die diesen Begriff gegen alles und jeden ins Feld führen, als Horizonterweiterung durch Bildung dienen. Wenn sie das denn wollen….

    • ich verstehe Sie nicht. Was Sie hier vorbringen ist die extreme Ablehnung von einem sachlichen sogar lehrreichen Artikel. Wenn Sie keine Butter mögen, nehmen Sie doch Margarine, aber lamentieren Sie nicht herum! Es sei denn mir wäre entgangen, das Sie einen wichtigen konstruktiven Beitrag geleistet hätten oder leisten wollten. Dann wäre ich gespannt. Denn Kontroverse Diskussionen liebe ich, sie machen mich nicht dümmer.

    • Ich bin weder gegen linksradikale Inhalte, noch gegen Marx als Kapitalismus-Analytiker oder gegen anarchistische Dezentralisation, und halte Bonaths Sermone auch nicht für „Propaganda“, wie der mich oben süffisant zitierende Herr Gesierich, sondern für folgenloses ewiggleiches Gejammer: jeder weiß, daß es „die da unten und die da oben“ gibt, daß die Grenze verschwommen ist und es trotzdem Oberschweine und „Klassenkampf von oben“ gibt, wie Kristina ganz neu feststellt ( was den Mondholz-Thoma betrifft, ist der uckermärkische Hanffaser-„Unternehmer“, Interview unter „Die Macher“, eher ein Beispiel: Umwandlung der Firma in eine Genossenschaft), daß das Problem der Kapitalismus ist, daß es Hunger, Kriege, Überwachung und Umweltzerstörung gibt usw. usw.
      Aber dieses Klagelied zu jedem beliebigen Thema mit immer denselben klassischen Schlagworten zu wiederholen, bringt Null & Nix, wie Bonaths Gestammel am „Roten Tisch“ genauso zeigt, wie der zusammenhanglose Artikel über das „Querfront“-Gelaber oder ihre „Orwell-Tagesdosis“: offenbar nur weitere hergeholte Anlässe für Bonaths übliche langweilige Stand(ard)-Predigt – das erinnert an R. Queneaus alte literarische „Stilübungen“ (eine banale Situation in zig verschiedenen Versionen wiederholt…).
      Aber es führt zu nichts – ist rein überflüssig: „Irgendwie gibt´s in Wirklichkeit doch noch Klassenkampf!“ – Kann schon sein: und dann? Natürlich im hiesigen Forum individual-theoretische Kleinkriege über Menschenbild, realen und utopischen Sozialismus und andere Schlagworte, statt Bonaths Artikel zu kommentieren oder zu kritisieren, geschweigedenn irgendwas zu bewegen – kurz; wozu Bonath?

  6. Zunächst einmal danke für diese kenntnisreiche Schilderung.

    Dazu möchte ich ergänzen – nicht weil es zu diesem Thema gehört, aber weil Sahra Wagenknecht es heute schrieb: „…die Chance für einen politischen Kurswechsel hin zur Wiederherstellung des Sozialstaats und einer friedlichen Außenpolitik gibt es erst mit…“ und darüber habe ich mich sehr geärgert.

    Das ist zwar keine Querfront, aber an einen Sozialstaat und eine friedliche Außenpolitik in der BRD kann ich (70 Jahre alter Besserwessi) mich nicht erinnern. Die soziale Lage in der BRD war in den 70ern zweifellos besser als heute, aber das verstehe ich nicht unter Sozialstaat. Und die Unterstützung des amerikanischen Imperialismus z.B.: in Vietnam kann ich auch nicht mit dem Prädikat friedlich versehen. Deswegen habe ich auch Schwierigkeiten, Leute wie Lafontaine als links zu begreifen. Links- und Rechtsverortung bleibt da ein schwieriges Thema.

    Nichts für ungut, ich habe die Linke wegen SW gewählt, um gegen die AfD anzustinken und würde das vielleicht auch trotz der diversen Lederers wieder tun. Aber das hat mehr Verzweiflungscharakter.

    • Ich bin zwar im „Osten“ groß geworden, sehe das aber ähnlich. Die „Soziale Marktwirtschaft“ war nur Opium für’s Volk um die Menschlichkeit des Kapitalismus und die Überlegenheit gegenüber anderen Gesellschaftssystemen belegen. Mit dem Wegfall des Ostblock’s ist das „soziale“ ineffektiv zur Gewinnmaximierung. Ich bin war damals schon nicht „parteigläubig“, leider hatten sie mit dem Wesen des Kapitalismus / Imperialismus Recht.

    • Sehr geehrter Herr Trautfetter, als erstes zur Ansprache, ich bin männlich.
      Ich habe den Link mit ihren Kommentaren gelesen, problematisch finde ich die Reaktion darauf. Ich habe keine gesehen. Ich bin auch bei Telepolis im Forum aktiv. Jedesmal wenn ich bei der sogenannten „Bomber Harris Fraktion“ und den Querfontdiffamierern mit Fakten, Quellen und sachlich begründeten Argumenten komme, ist die Reaktion: nicht auf die Argumente eingehen, relativieren oder „Schweigen im Walde“.
      Wie soll ich ideologisch argumentationsresistenten Diskutanten überzeugen? Ich befürchte, deren Weltbild steht fest (ist der Feind bekannt, hat der Tag Struktur), bzw. ich unterstelle Vorsatz. Ich habe diese Sorte von ideologisch motivierten Menschen vor und nach 89 in der DDR und dann in der BRD erlebt. Beispielgebend sind hierfür die Politiker aus den ehemaligen Splitterparteien (LDPD…). Ich will garnicht erst in die „alte BRD“ nach 45 zurückgehen, wo aus strammen „Deutschen“ lupenreine Demokraten wieder in Amt und Würden rutschten.
      Ich bin jetzt leicht abgeschweift, bei ideologischer Borniertheit ist meiner Meinung nach leider schwer ein Konsens zu erreichen.

    • Lieber Huhu,
      auf viele Fälle bezogen haben Sie auch aus meiner Erfahrung heraus Recht.
      Aber die, bei denen es Zweifel gibt, die möchte ich nicht voreilig wegstoßen.
      Bei direkter Kommunikation kann man leichter einschätzen, ob ein Gegenüber offene Ohren hat, oder ob die Konfliktspannung einen Austausch unmöglich macht. Dann ist Anstrengung mit an größerer Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vertane Liebesmüh oder brotlose Kunst. Wenn ich mir aber nicht sicher bin, was im Gegenüber abläuft, dann unterstelle ich ihm keinesfalls Vorsatz beim beziehen verletzender/spaltender… invalider Positionen.

    • Sehr geehrter Herr Trautvetter, danke für die ehrliche Antwort. Haben sie diesbezüglich schon Erfahrungen mit Herrn Lederer oder anderen Personen der Partei „Die Linke“ machen können, die sich in der Kritik um Herrn Jebsen verdient gemacht haben? Ich warte immernoch auf die „Beweise“ für die Anschuldigungen.

    • Lieber Huhu
      auf Seiten führender Kräfte derer, die ein (ähnliches) Vorgehen wie das von Herrn Lederer stützen/mit vollziehen, habe ich offiziell wenig selbst-korrigierende Reaktionen erfahren.
      Allerdings ist es hoffnungsspendend, dass (nicht nur) ich in diesen Spektren nicht mehr diffamiert oder ausgegrenzt werde, sondern z.T. sogar als Referent angefragt werde. Bündnisarbeit, die Bündnisarbeit ist, vollzieht sich schrittweise. Das war auch in der Friedensbewegung der 80er Jahre so, als es um die Frage ging, ob Kommunisten akzeptiert werden. EIn wichtiges Dokument für diese Bündnispolitik ist Heinrich Bölls Rede auf der ersten großen Hunderttausender-Friedensdemonstration in Bonn am 10.10.1981: http://archiv.friedenskooperative.de/netzwerk/histo117.htm

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