Rainer Mausfeld über Jordan Peterson, Grundeinkommen, Militarismus & individuelle Lösungen (Teil 2)

Ein Beitrag von acTVism Munich.

Im 2. Teil unseres exklusiven Interviews sprechen wir mit Dr. Rainer Mausfeld, Professor an der Universität Kiel, der bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung innehatte und Autor des Buches „Warum schweigen die Lämmer“ ist. Wir diskutieren Alternativen & Lösungen für den Einzelnen. Folgende Fragen werden behandelt:

  • Ist Kollektivismus eine Projektionsfläche für Menschen, die die persönliche Entwicklung verhindert, wie der klinische Psychologe Dr. Jordan Peterson behauptet?
  • Warum legt unsere Gesellschaft mehr Wert auf Materialismus & Eigentum statt auf ideelle Werte wie z.B. Empathie?
  • Wie kann der Einzelne Realitätstoleranz bzw. Mut aufbauen, um die Auswirkungen negativer Ereignisse und Nachrichten abzufedern? Was sind konstruktive Wege für den Umgang damit?
  • Wie kann der Einzelne Manipulation entgegenwirken?
  • Sollten die politisch linken und rechten Szenen miteinander diskutieren?
  • Warum verursacht Militarisierung finanzielle und soziale Schäden?

Haben Sie den 1. Teil verpasst? Wenn ja, dann klicken Sie hier.

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Dieser Beitrag erschien am 01.06.2019 bei acTVism Munich.

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5 Kommentare zu: “Rainer Mausfeld über Jordan Peterson, Grundeinkommen, Militarismus & individuelle Lösungen (Teil 2)

  1. „Erleuchtung erlangt man durch das Erkennen der eigenen Dunkelheit“
    Ich behaupte im Sinne von C. G. Jung das Gegenteil. Vertiefte Individuation und die Begegnung mit den eigenen Ängsten und Schatten macht erst fähig, von der Konkurrenz zur Kooperation zu gelangen.
    In einer Herde mitzulaufen ist kein Zeichen von besonderer geistiger Reife, das sehen wir allenthalben, wenn wir uns die Geschichte des 3. Reiches anschauen. Und wir sehen es jetzt leider wieder.
    So intelligent der Mensch als Einzelwesen sein kann, so dumm ist er in der Herde.
    Ein Ken Jebsen oder ein Daniele Ganser sind keine Herdentiere, sie wurden sozial, indem sie individuell wurden und das wiederum, indem sie ihre Angst überwanden.

    • Mein Text bezieht sich auf: „Kollektivismus verhindert die Entwicklung des Menschen.“ und die Aussage von Herrn Prof. Mausfeld dazu.

  2. Danke Herr Mausfeld für die immer wieder guten Analysen.

    Ein BGE sehe ich aktuell kritisch, obwohl ich es beführworte und auch aus einem gewissen Eigengewinn gerne nehmen würde, birgt es ja eine Freiheit die uns grundsätzlich gegeben sein sollte.
    Jedoch fehlt meiner Meinung nach einen ganz gewisser Aspekt, der vorher auf jeden Fall geschaffen werden muss.

    Alle Grundbedürfnisse der Gesellschaft müssen zuerst befriedigt sein und die Erzeugung in deren Händen, ohne dabei profitorientiert zu sein. Es muss geschaffen werden um Bedürfnisse zum Leben zu erfüllen und nicht mehr oder weniger.
    Dazu zählt alles von z.B. Post über ÖPNV, Wasser, Nahrung, Strom, Heizung, Wohnen und grundsätzliche Kleidung, wahrscheinlich auch ein Geldsystem das in der Hand der Gesellschaft liegt.

    Diese Dinge dürfen nicht privatisert sein und müssen in der Hand der Gesellschaft liegen. Dafür werden die Leute aber dennoch etwas tun müssen, um ein grundsätzliches, nicht auf Profit und damit Leistung und Verkauf seiner Arbeitskraft basierenden Grundsystem, vorzufinden. Und dafür gibt es dann das Grundeinkommen, was eben nicht absolut bedingungslos ist, sondern an an dem Teilhaben der grundsätzlichen Versorgung geknüpft ist. Bedingungslos kann es erst werden, wenn keine menschliche Arbeitsleitung dafür nötig ist.
    Wir sind zwar starl autoamtisiert, aber dennoch nicht vollständig, was die Grundbedürfnisse angeht.
    Also wird jeder Mensch sich ein wenig Einrbingen. Das ist zum Glück aber sehr sehr gering, eben weil wir alle sehr produktiv durch Fortschritt sind, effizienz und vieles weit automatisiert abläuft.

    Erst durch diese Absicherung, haben wir dann immer eine Wahl gegen den Markt und werden automatisch eine Wahl haben nein zu sagen, wenn uns darüber hinaus das Gehalt nicht gefällt, oder man z.B. keine Rüstungsindustrie unterstützen will. Was den Markt dann natürlich in die Gesellschaft eingliedert und nicht alles dem Markt untergeordnet wird. Aber er kann trotzdem in gewissen Bahnen frei sein, solange er nicht gegen die Menschen handelt, da das keiner mitmachen wird.

    Haben wir nicht diese grundsätzliche Kontrolle über das Grundsätzliche, ist ein BGE sehr schnell zum Scheitern verurteilt, oder wird vom kapitalistischen System, den neoliberalen System, aufgegriffen und so gewandelt das es nur eine Scheinfreiheit ist und der Markt dann den Rest erledigen wird und ein sehr bescheidenes Niveau hervorbringt. Und dann haben wir wieder das Problem dort rauszukommen, weil nachher das System sich auch auf ein BGE stützt um darüber Dumping zu betreiben z.B., es also ein Teil des Systems ausmacht und das kann man dann schlecht entfernen, wenn das System dann dadurch droht zu zerfallen.

  3. „Kollektivismus verhindert die Entwicklung des Menschen.“ Die Diagnose ist hier die Krankheit. Und genau das beschreibt Herr Mausfeld mit den Worten Unfug, Psychologisierung, Pathologisierung, unseriös, gefährlich und nichts erhellend. Wie gefährlich diese Aussage ist, das beantwortet die Frage, die Herr Mausfeld stellt, nämlich was damit intendiert wird. Jordan Peterson’s Menschenbild ist das des eigennützigen Menschen eines Jeremey Bentham, der durch das Panopticon eines sanktionierend Staates zum größtmöglichen Glück der größtmöglichen Zahl gezwungen werden muss. Peterson beschreibt sich selbst als „a classic British liberal“. Einer der vielen angelsächsischen Psychologen des Instinktivismus und Behaviorismus, mit denen Fromm in seinem Buch „Anatomie der menschlichen Destruktivität“ abrechnet.
    Erhellend: Fromm, Reich, Mausfeld. Verdunkelnd: Jordan Peterson. Das Verdunkeln beginnt schon mit der Wahl der Begriffe, die meist mit Ismus enden (und bei Gramsci eine wichtige Rolle spielen).

    Realismus kam hier vor. Realitätstoleranz. Spannungstoleranz. Störungstoleranz. Stresstoleranz. Was kann einer machen?
    Wie validiert „man“ ein Bild von der Realität?
    Ein valides Bild von der Realität – und da kommt das Wort „machen“ zur Geltung – ist, daß Realität gemacht wird, daß Realität ein Machtverhältnis ist: zwischen dem, was ich machen kann, und dem, was andere machen können. Realitätsverlust ist Machtverlust – Verlust der Fähigkeit, zu machen, der Handlungsraum schrumpft: Depression, Apathie.
    „Indem ich mein Bild von der gesellschaftlichen Realität mit anderen validiere“, indem ich mich an ein Kollektiv anschließe, indem ich kooperiere anstatt zu konkurrieren, so gewinne ich Anteil daran, Realität zu machen. Was von den Wortzauberern als Kollektivismus diffamiert wird, das machen sie in ihren Think Tanks, Lobby-Vereinen, Arbeitgebervereinen, etc.: sie predigen Konkurrenz und praktizieren Kooperation. Was die Entwicklung des Menschen verhindert: Die wenigen Prediger machen Realität.

    • PS: „Das, was Sie gerade schildern, das passiert auch in der Wissenschaft…“:

      gleichsatz.de – Kritische Philosophie / Mutterseite:

      Das Hauptübel unserer Zeit ist, wie in der Vergangenheit auch, der Aberglaube. Der einzige Unterschied ist der, daß seit etwa 200 Jahren die allgemein verbreiteten Vorstellungen von Wissen, Objektivität, Rationalität, Logik, Erkenntnis, Realität oder Wahrheit als eine Art „Intelligenzduselei“ offenbar werden. Diese Begriffe sind seit der Aufklärung die Abgötter einer idealisierten Geisteswelt, die als Machtinstrument verstanden werden muß.

      Das objektivistische „positive“ Denken beruth auf der Annahme, daß sich etwas wahrnehmen läßt [wie es „ist“]. Der „wissenschaftliche“ Beweis beruth auf Meßbarkeit in Zeit und Raum. Raum und Zeit als solche sind aber kein Gegenstand der Wahrnehmung, sondern erschlossen. „Empirisch“ heißt, daß etwas sinnlich gegeben ist, aber es ist nichts sinnlich gegeben. Auch die Empfindung ist schon Vorstellung, Abstraktion. Was verwortet wurde ist schon schematisiert. „Alles Vermittelte aber ist bezweckt“ [Gans-Ludassy]. Dasselbe gilt für die „Verzahlung“.
      Eine objektive Realität ist nichts anderes als ein Ausdruck für Macht, bzw. Ohnmacht, die sich in den Köpfen von Menschen breitgemacht hat. Es gibt nur soviel Wissenschaft, wie es Gleichschaltung gibt. Die scheinbare Neutralität der „wissenschaftlichen“ Meßmethoden in Zeit- und Raum nützt in fundamentaler Weise den herrschenden Machtverhältnissen und macht sie unangreifbar, weil „Realität“ und „Macht“ als zwei grundsätzlich verschiedene Paar Stiefel angesehen werden, von denen das eine nichts mit dem anderen zu tun hat. Was gemeinhin als „Wirklichkeit“ oder „Wahrheit“ bezeichnet wird, muß als „Interesse“, als „(Rationalitäts-)Bedürfnis“ verstanden werden, das jemand mehr oder weniger oder auch nicht haben kann.Der einzige Weg, der allein noch offen ist, ist ein „wertlogischer“.

      Das Ziel: ist es, den Objektivismus als Religion der Macht abzuschaffen und den Begriffen von Logik, Rationalität und Vernunft wieder einen glaubwürdigen Sinn zu verleihen, mit dem sich die geistige Verwirrung der meisten Menschen verdeutlichen und klären läßt. Das Zeitalter der Fakten und absoluten Wahrheiten ist vorüber. Es sind Interessen und Zwecke und damit die Macht, die das Geschehen auf dieser Welt bestimmt und die intellektuellen und seelischen Voraussetzungen, damit diese Macht auch „gut“ sein kann, sind erst noch zu schaffen. Dazu gehört auch die Erkenntnis, daß es nichts Gutes ansich gibt, so daß die Frage lauten muß: „Gut für wen oder was?“ Diesbezügliche Optimierungen in der Auffassung der Dinge sind in jedem Fall möglich. Der Wertgedanke ist dabei das geistige Band, das alle diese Bestrebungen zusammenhält. Die Umwertung aller Werte betrifft die Worte der Sprache. Sie sind nichts mehr wert, wenn die Bullshitter die Szene beherrschen.
      Das ist die Grundidee dieser Forschungsstation mit dem auf den ersten Blick etwas verwirrenden Namen „gleichsatz.de“.

      Objektive Realität ist eine Jllusion. Die Dinge werden zweckbedingt beurteilt und gewertet. Es gibt nämlich keine logische und auch keine kausale Verbindung zwischen Wahrnehmung [= Vorstellung] und Gegenstand und auch keine zwischen Individuum und Allgemeinheit. Zwischen beidem besteht keinerlei Proportion. Ein solches Verhältnis muß willentlich gestiftet werden. Empirismus, Positivismus, Materialismus, überhaupt Realismus sind nichts weiter als populärer Massenwahn. Der Faktismus ist die Pest dieser Zeit und war die Pest des vergangenen Jahrhunderts.

      trenner

      Die Dinge sind nicht ansich das oder das, sondern sie haben für jeden einzelnen Menschen eine ganz bestimmte Bedeutung. Ansich ist alles relativ, aber es gibt nichts ansich.

      Auf gleichsatz.de werden die logischen Voraussetzungen thematisiert, an denen eine vernünftige und damit friedliche Verständigung im Konflikt der Interessen bisher immer gescheitert ist. Eine nicht widersprüchliche Einsicht ist da unmöglich, wo Grundvoraussetzungen ungeklärt bleiben oder als selbstverständlich hingenommen werden, es aber nicht sind. Wo es keinen gemeinsamen Maßstab für das gibt, was als „rational“ oder „logisch“ gelten soll, bleibt am Ende nur die Gewalt zur Beendigung eines Streits und dabei spielt es keine große Rolle, ob diese Gewalt physisch oder psychisch ausgeübt wird.

      Es ist unmöglich, auf Verallgemeinerungen zu verzichten, denn damit würde auch jedes Denken aufhören, aber man sollte sich immer auch bewußt sein, daß hinter jedem Wort ein Wollen steckt, eine Richtung und ein Ziel, das man stets im Auge haben sollte, wenn das, was gemeint ist, auch verstanden werden soll. Noch so viele scheinbare Wahrheiten sind bedeutungslos, wenn es eigentlich um ganz was anderes geht. Ohne Verständnis ist das Geschehen auf dem Planeten Erde nichts weiter als eine Ansammlung von Dumm-, Bos- und Verücktheiten und es wird mit Sicherheit erheblich mehr Schaden angerichtet, als das Gegenteil der Fall ist. – Jede Menge Gesichtspunkte also, um – gegen den Strom der Zeit – sich das Kritikvermögen nicht einschläfern zu lassen. Die Realisten, Positivisten und Mathematiker-Philosophen sind der Feind. Realität ist Jllusion, fauler Zauber und wird in der Regel mit Logik verwechselt. Die Logik hat aber mit Wirklichkeit nichts zu tun und betrifft nur die Begriffe und Zahlen untereinander.

      Die meisten Menschen träumen ihren dogmatischen Schlummer vom Gegebenen und halten für real, was eigentlich eine mehr oder weniger willkürliche Konstruktion ist. Es ist nichts gegeben, auch kein Gott. Es wird alles nur angenommen und aufgegeben. Das Problem ist ein ethisches und damit des Wollens und nicht des objektiven Wissens. Das objektive Wissen ist selbst das Problem. Die Ideologie des Objektiven und Allgemeingültigen, das immer zweckbedingt konstruiert wird, bleibt verschleiert und wird zum heimlichen Problem, das sich auf alle möglichen Gebiete des menschlichen Lebens auswirkt, aber die Krise wird schöngeredet.

      Die unmenschliche Gleichgültigkeit dem Übel in dieser Welt gegenüber ist im Wesentlichen das Resultat eines Aberglaubens an den Zwang der Tatsachen. Tatsachen sind das sanfte Ruhekissen der bürgerlich-kleinkarierten Ignoranz und die Ursache des Fatalismus der Ungebildeten. Tatsachen sind aber in demselben Sinn keine Tatsachen, wie die Vernunft eine Hure sein kann.

      Wo von objektiver Wahrheit oder objektiver Realität die Rede ist, wird ein illegitimer Macht anspruch gerechtfertigt und geistige Gewalt ausgeübt. Alle Logik ist zweckrational. Und in diesem Sinn ist der Realitätsbegriff das wirkungsvollste Machtinstrument überhaupt, viel mächtiger als Geld, Gewalt oder Sex. Der Fortschritt der Menschheit liegt aber nicht in der Macht irgendetwas zu tun, sondern in der Erkenntnis dessen, was Irrtum ist. Ein Irrtum ist nichts abstraktes, nicht allgemeingültig, sondern wird individuell erfahren, im Verhältnis zu einer vorherigen Annahme, ist eine Form von Einsicht, die mich ganz persönlich betrifft.

      Der Vernunftbegriff der Aufklärung ist gescheitert. Er entpuupt sich immer mehr als Unvernunft und ist deshalb nicht in der Lage, die menschliche Irrationalität in den Griff zu bekommen. Sollen nicht Willkür und Gewalt das Geschehen regieren, sind die klugen Köpfe dieser Welt aufgefordert, den angerichteten Schaden zu beheben, indem sie legitimere Begründungen von Macht schaffen, als es die jetzigen „vernünftigen, rationalen, logischen“ sind. Pragmatismus, Marxismus, Phänomenologie, Psychoanalyse, Quantentheorie, Relativismus, Konstruktivismus, etc. sägen zurecht mit in weiten Teilen triftigen Analysen am herrschenden Realitäts-, Wissens- und Erkenntnisbegriff, lösen aber das eigentliche grundsätzliche Problem nicht [missing link zwischen Wort und Sache], ersetzen am Ende nur ein Übel durch ein anderes. Es gibt also viel zu tun!

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