KenFM im Gespräch mit: Ramsis Kilani

Ramsis Kilani verlor am 22. Juli 2014 sieben seiner Familienmitglieder. Während sich die Welt noch in den Nachwehen des WM-Rausches befand, wurden sein Vater, seine fünf Halbgeschwister und deren Mutter heimtückisch ermordet.

Sie starben beim Abendessen in einem Hochhaus, das Friedensturm genannt wurde und in Gaza stand. Die Bomben der israelischen Verteidigungsarmee schlugen ohne die stets behauptete Vorwarnung ein, und ließ das gesamte Hochhaus kollabieren. Alle Bewohner, Zivilisten, wurden unter den Trümmern begraben.

Der Vorfall war nur einer von vielen während des letzten Gaza-Krieges und ging in den deutschen Medien unter. Allein schon wegen der WM.

Insgesamt starben in Gaza während des Krieges rund 3.000 Menschen. Die meisten davon: Mütter und ihre Kinder. 18.000 Häuser wurden im wahrsten Sinne des Wortes platt gemacht und ergaben eine zähe Schicht aus Betonstaub, Möbeln und zerquetschten menschlichen Körpern. 100.000 Obdachlose und 25.000 Schwerverletzte sind die Bilanz der „einzigen Demokratie in Nahen Osten“.

Was wird aus Gaza? Wie geht das Volk der Palästinenser mit dieser letzten großen Demütigung um? Wer aus der israelischen Regierung wird für dieses Massenschlachten, die Kriegsverbrechen, den Völkermord zur Rechenschaft gezogen?

Aktuell niemand. Das könnte sich ändern, denn der 23-jährige Stundent Ramsis Kilani ist entschlossen, juristisch gegen den Mord an seiner Familie vorzugehen. Die Familie Kilani, die alle über deutsche Pässe verfügten, soll zum Symbol eines neuen Widerstandes werden.

Das könnte gelingen, denn dazu bedarf es vor allem mediale Präsenz, und die gibt es spätestens seit die beiden jüdischen Aktivisten Max Blumenthal und David Sheen versucht haben, Gregor Gysi im Paul-Löbe-Haus zur Rede zu stellen und dieser dabei auf das Herrenklo flüchtete.

Sheen und Blumenthal waren auf Einladung der Linken Politikerinnen Inge Höger und Annette Groth nach Berlin gekommen, um am 9. November, dem Tag der Deutschen Einheit aber auch Jahrestag der Pogromnacht, in der Volksbühne über die aktuellen Kriegsverbrechen der Israelischen Regierung in Gaza zu sprechen. Sie wollten dieses anhand der Familie Kilani den Besuchern verdeutlichen.

Zu der Veranstaltung kam es nicht, denn Gregor Gysi persönlich intervenierte und konnte die Betreiber der Volksbühne dazu bringen, die Veranstaltung abzusagen. Als Begründung berief sich Gysi dabei auf das Simon Wiesenthal Center (SWC) das z.B. Blumenthal 2013 auf der Top-10-Liste der „gefährlichsten Antisemiten der Welt“ auflistetet. In der selben Liste konnte man Jakob Augstein finden.

Nach der Absage und dem Antisemitismus-Vorwurf erhielten Sheen und Blumenthal jede Menge Morddrohungen. Besonders für Sheens Familie, die in Israel lebt, ist das extrem gefährlich.
Ihr könnte es ergehen wie der Familie Kilani, sie könnte einer rassistischen Politik zum Opfer fallen, die final auch Israel zerstört.

KenFM traf Ramsis Kilami und sprach mit ihm über das erlittene Schicksal und wie er sich seine Zukunft vorstellt. Wir erlebten einen brilianten Geist, der sowohl geopolitisch als auch was die komplizierte Geschichte und Kultur des nahen und mittleren Ostens angeht, genauestens bescheid wusste.

Ramsis Kilani ist ein Glücksfall für die Palästinenser. Er könnte zum Sprachrohr der in Deutschland lebenden und aufgewachsenen Palästinenser-Generation werden, auch oder gerade weil das nie seine Absicht war. Kilani studiert Deutsch und Englisch auf Lehramt in Siegen.

In den gesamten zurückliegenden KenFM-Interviews ist uns noch nie ein derart präsenter Mensch mit gerade mal 23 Jahren begegnet, dessen positive Power uns extrem beeindruckt hat.

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