Rebellunion #20 – Frankreich gegen das neue Arbeitsgesetz „Loi Khomri“

In Frankreich tobt der heftigste soziale Konflikt seit über 20 Jahren. Gegen das neue Arbeitsgesetz „Loi Khomri“ gehen hunderttausende Menschen seit 3 Monaten auf die Straße. Neben den Gewerkschaften entstand eine neue Bewegung „Nuit Debout“, ein demokratischer Aufbruch gegen die Oligarchie der politischen Kaste.

Wir haben und die Proteste vor Ort angeschaut und mit Aktivisten gesprochen. In dieser Folge von Rebellunion aus dem Place de la Republique in Paris wird der Stand der sozialen Kämpfe analysiert. Denn eines ist klar: das was in Frankreich passiert ist teil eines europäischen Prozesses, wo die EU ein neoliberales Programm überall durchsetzten will. Während die Eliten koordiniert vorgehen, schweigen die Medien über die Proteste und rücken sie nur ins Licht der Gewalt. Was wir brauchen ist eine faire Berichterstattung über das Engagement der Menschen. Darin können sich die Leute erkennen und Bündnisse schmieden: eine Koalition der Empörten in ganz Europa.

19 Kommentare zu: “Rebellunion #20 – Frankreich gegen das neue Arbeitsgesetz „Loi Khomri“

  1. ich erinnere mich an den Arbeiterskandal vor ein paar Jahren bei France Telecom: Die Bedingungen waren so schlimm, dass im Schnitt jeden Monat mindestens eine(r) Suicid beging. Der damalige Chef der F:T. war aber nur stinksauer, dass so viele so undiszipliniert seien, einfach Selbstmord zu begehen. Monty Pyton lässt grüßen. In China ist es wohl noch verschärfter. Da war in der „Monde Diplomatique“ vor 2010 irgendwann mal ein Artikel über eines der dortigen „Industriedörfer“, die nur aus riesigen Fabriken und Unterkünften für die Arbeiter/innen bestehen. Da sah man auf einem Foto ein Fabrikgebäude, an dem unter jedem Fenster eine große Hängematte angebracht war. Aber nicht etwa, damit die gestressten Arbeitskräfte mal in der frischen Luft ausruhen konnten, sondern um diejenigen aufzufangen die sich aus Verzweiflung immer wieder versucht hatten, aus dem Fenster zu stürzen! Und dann mussten die alle, bevor sie eingestellt wurden, unterschreiben, dass sie sich nicht mit einem Fenstersturz von der Arbeit davonstehlen würden. Man sieht also, dass es von Seiten der Macht jetzt schon lange keinerlei moralische Begrenzung gibt, nie gab, nirgends auf der Welt. in Indien haben die Engländer während ihrer Kolonialherrschaft die indischen Arbeiter vor vollen Kornspeichern verhungern lassen und die Aufmüpfigen vor die Kanonen gebunden. Ich ziehe daraus den Schluss, dass wir von den bestehenden Gesellschaftssystemen in dieser menschengemachten Hölle hier nichts, aber auch gar nichts weiter so betreiben dürfen wie bisher, nichts davon in eine eventuelle Neue Welt mit hinübertransportieren dürfen, weil dann genau der gleiche Teufelskreis nur wieder von vorn beginnt. Die degenerierte Menschheit hat die ganze natürliche Schöpfung auf den Kopf gestellt. Alle zusammen, ob sie nun mehr aktiv oder mehr als Opfer daran beteiligt waren. Mein Losungsspruch ist daher: An der Spießigkeit und am Traditionalismus geht die Welt zugrunde!
    Gewaltfreie Verweigerung auf der ganzen Linie! Wenn alle Arbeiter unisono zuhause blieben, fände ich das auch gut. Aber sich auf großen Plätzen zu treffen ist genauso notwendig, um sich persönlich zu begegnen und zu fühlen.

    • @ Veganislove: “ An der Spiessigkeit und am Traditionalismus geht die Welt zugrunde!“

      DESWEGEN: Bei Veganern zu Hause: „Schatz kommst Du ? Das Essen wird welk.“

    • @Michaela: Leider ist dieser Satz noch lange nicht welk, hat an Aktualität nichts verloren. Und es ist mein eigener.
      Du verwechselst Konsequenz mit Spießigkeit! Spießig ist, wenn man sich (geistig) an andere dranhängt.

    • @ veganislove

      “ geistig an andere dran hängen“ – das nennt man doch wahrheit- und Wahrheit muß schon sein ….
      😉

      Ironie aus….

  2. @ Ron @ Sebastian

    Vordenker/ Vorgedachtes gab und gibt es im selben Überfluß, wie es Produkte und Geld gibt, und schon darin besteht ein Problem. Zudem ist Gedachtes eher ein „Ladenhüter“.

    Sebastian: „Rückbesinnung auf kleine, überschaubare Märkte“. Ist schon in den 1970ern vom Ökonomen E.F. Schumacher gedacht worden. „Small is Beautiful“ ist eines seiner Bücher. Ökonomen wie ihm wurde der Maulkorb verpaßt, als Thatcher, Reagan und Kohl begannen, den Neoliberalismus zu etablieren. Alle Bücher von ihm lesen! Sein Motto: „Wirtschaften, als ob der Mensch zählt.“
    Das intellektuelle Niveau und Verhalten der maßgebenden „Denker“ und „Macher“ heute ist auf der Ebene des Kragenechsen. Sie blähen sich auf, um abzuschrecken.

    Zum Mittelstand:
    Ich war 20 Jahre lang erfolgreich als wissenschaftlicher Übersetzer mit eigenem Büro und Spracheninstitut und einigen freien Mitarbeitern. Dann kam 1989 und unmittelbar danach die Investoren. Es dauerte nicht lange, und langjährige Kunden erklärten mir, daß das neue Management in Zukunft Aufträge nur vergebe, wenn „das ganze Paket“ an einer Stelle erledigt würde, d.h. Mindest-Auftrag für 5-10 Sprachen und Menge statt Qualität. Ich kannte das schon: „Grow or go“ heißt das in Amerika. Ich wollte nicht das Schuldensystem mein restliches Leben als Schuldsklave bedienen. Ich entschied, aus dem Mittelstand auszusteigen und für einen globalen Konzern bis zur Rente zu arbeiten. So bleiben im Aquarium am Ende nur noch die ganz großen und die ganz kleinen Fische.
    Mitte wird überall abgebaut: Mittelstand, Mittelmanagement…Die großen Fische schaffen sich ein Aquarium mit ganz vielen kleinen Fischen.
    Anderes Beispiel: In den 80ern wurden viele alte Bahnhöfe, wo nur ein Blumenladen und ein Hotel mit Gasthaus bestand, modernisiert. Natürlich wurden Bäcker- und Metzgerladen an dieser 1a-Lage von Bäcker- und Metzgerkette aufgemacht, die schon in der Stadt an jeder Ecke und in jedem umliegenden Dorf einen Laden hatten. So wird Mittelstand zum Konzern und der Mittelstand wird ausgedünnt, obwohl ein junger Geselle an dieser 1a-Lage jeden Kredit leicht abgezahlt hätte. Aber je billiger das Geld, desto leichter fließt es dahin, wo schon viel ist.

    Rückbesinnung auf kleine Märkte wird nicht geschenkt werden.

    • „Zudem ist Gedachtes eher ein „Ladenhüter“.“

      Jain – es ist aller Anfang Anfang. Das problem ist, das man gedachtes umsetzen muß und dies meist alleine. Und da wird es schwierig, da ein Mensch eben nur soviel schaffen kann wie ein Mensch schaffen kann. Ohne genügend Mitmacher geht gar nichts mehr. Da kannste nur noch rumkrebsen.

    • @ souverän

      ja aber die Leute verstehens doch nicht mehr….selbst gute Ideen, werden zerfasert und weggeworfen.

      jetzt kann man sagen , wir sind ja eh alle manipuliert, aber so einfach isses nicht.

      ich glaub der Mensch braucht einfach die harte, leidende Tour …der bekommt seinen Arsch einfach nicht mehr hoch, wenns auf Dauer zu leicht geht…;-)

    • @ Sebastian

      „….den Arsch nicht mehr hoch, wenn’s auf Dauer zu leicht geht“.
      Mußte schmunzeln.

      So ist es! Der Frosch sitzt genüßlich im wohltemperierten Wasser. Das Wasser wird ganz langsam zum Kochen gebracht. Bevor der Frosch das mitkriegt, ist er schon gar! Würde er ins kochende Wasser gesetzt, würde er herausspringen.

    • @tony: >>Das intellektuelle Niveau und Verhalten der maßgebenden „Denker“ und „Macher“ heute ist auf der Ebene des Kragenechsen. Sie blähen sich auf, um abzuschrecken<<

      Da muss ich allerdings zustimmen. Diese als Beispiel angeführte "Denker" verdienen diese Bezeichnung natürlich nicht, Ich meinte andere. Einige kann man hier bei KenFm in den Gesprächen hören.
      Ihre geschilderten Erfahrungen bez. des Mittelstandes sind erschreckend. Ich als 0815 Angestellter hatte ähnliche Beobachtungen machen müssen. Alles dreht sich um Wachstum und Gewinn-"Optimierung". Ob sich allmählich eine viel vernünftigere Bedarfs(!)-Optimierung durchsetzen wird, kann ich nur hoffen. Auch dazu sind ja hier einige Gespräche zu hören.

      Seit einem halben Jahrhundert laufe ich nun vor Werbung davon (TV) . Kürzlich machte ich mal den Versuch, mir vorzustellen, wie wohl Außerirdische reagieren würden, wenn sie diese "Botschaften" auffingen.

    • @ Ron

      „Wie wohl Außerirdische reagieren würden…?
      Hab ich mich auch schon oft gefragt.
      Meine Antwort: Ihre Reaktion ist „nichts wie weg“. Daher die unscharfen „Erscheinungen“.

    • sind die Außerirdischen nicht schon da…Ahmanidechad….( oder wie der geschrieben wird)

      hat doch selbst gesagt, die USA würde von Außerirdischen regiert…und der russische ex Präsident medwedev, sagte doch im Interview, er könne der russischen Bevölkerung nicht sagen, wieviele Aliens schon unter uns leben , das würde nur Chaos stiften….;-))

    • Ich empfände es als wesentlich effektiver, wenn diese „1 Million“ einfach nur zu Hause bleiben. Dann 2 Millionen. Irgendwann reicht die Krisensitzung in den Chefetagen nicht mehr aus, weil man „erschrocken“ feststellt, dass die Produktion auf null ist. Gut. Dann erhöhen wir auf 3 Millionen. Keine Neuverhandlung über dieses Gesetz? Kein Problem: 4 Millionen bleiben zu Hause.
      Im Gegensatz zu Deutschland traue ich den Franzosen eine solche Maßnahme zu.

    • @ Ron

      Ja, Verweigerung. Aber auch da macht’s die Masse. Die kleinen Fische verstecken sich in der Masse der kleinen Fische, um nicht gefressen zu werden. Das haben die großen Fische längst verstanden.

    • Schon richtig. Man muß diesen „break even point“ erreichen an dessen Stelle es egal wird ob oder wieviele nicht mitmachen.

  3. Also etabliert sich in Frankreich allmählich ein Pulverfass…

    Vor einigen Tagen telefonierte ich mit einem Ex-Kollegen. Der berichtete mir, dass nicht nur hunderte von Stellen (wir reden von Deutschland) „abgebaut“ werden sollen, sondern alle anderen größtenteils in Fremdfirmen „ausgelagert“ werden sollen.

    Wenn ich zurückblende ins Jahr 1979, erinnere ich mich anlässlich einer Betriebsversammlung bei gleicher Firma daran, dass schon damals „unbedingt die Stückkosten gesenkt“ werden müssten. Das wird langsam langweilig. Dieses kapitalistische Wirtschafts- Gesellschafts-system taugt überhaupt nichts. Daran hat sich Jahrzehnte nichts geändert.
    – Die Arbeitgeber wollen oder können nicht mehr bezahlen
    – Die Arbeitnehmer laufen genau dagegen Sturm
    Das passt doch nicht. Seit Jahrzehnten ! Ich habe zwar auch keine Lösung, aber wo bleiben eigentlich die Vordenker, die diesen Dreck endlich mal dauerhaft beseitigen?

    • @ Ron.B.

      es muß eine Rückbesinnung auf kleine , überschaubare Märkte stattfinden.
      allen voran ist doch für ein deutsches Unternehmen der deutsche Markt entscheidend. ich kann doch nicht den Mittelstand durch gesetze und verordnungen permanent penetrieren, wachsen zu müssen und im weißmachen wollen, seine Zukunft läge im europäischen oder weltweitem Handel. seine Zukunft ist in aller erster instanz und mit höchster priorität der Binnenmarkt. und das trifft auf jedes Land zu, die arbeitserledigungskosten sollen stets sinken, um wettbewerbsfähig zu bleiben?! wo landet denn ein Großteil dieser abgezogenen Löhne…. auf der Straße…. dort werden euros um Euros verbrannt, um Ware „a“ nach Spanien etc. zu kutschieren und so den Spaniern ein Produkt zu liefern , welches 0,05 € geringere Stück kosten auf weißt , als ihr eigenes..und wenn dem LKW der Motor um die Ohren fliegt , ist die Rendite dahin….das kanns ja wohl nicht sein . das hat nix mit kalkuliertem Risiko ,noch mit anständigem wirtschaften zu tun.
      unsere Unternehmen und wir Verbraucher haben keinerlei empfinden mehr, wie Markt funktioniert , weil man sich kaum mehr direkt begegnet , sondern nur noch von Dienstleistern umringt ist. wenn wir zudem unsere Primärproduktion weiterhin so unterhöhlen und ausbeuten und unsere verarbeitungslinien weiter in diesem tempo zentralisieren , wird unsere dienstleistungsgesellschaft und jede landestypische kultur in europa implodieren , weil niemand mehr in der Lage sein wird, die Kosten , die durch unsere komplexen warenströme und der fortschreitenden spezialisierung entstehen , durch reale, physisch greifbare wertschöpfung, zu kompensieren.

      im Moment wird alles noch von billiger Energie und preiswerten rohstoffen sowie dem stetigen Abbau des sozialstaates getragen, aber keine Bange , das hält kein Wirtschaftssystem ewig durch.

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