Im Gespräch: Reiner Laux („Seele auf Eis: Ein Bankräuber rechnet ab.“)

„Um einen Staat zu beurteilen, muss man sich seine Gefängnisse von innen ansehen“ (Leo Tolstoi). Wie ist es also, aus dieser Warte betrachtet, um unseren aktuellen Staat bestellt?

Ein Mann, der dies besser beurteilen kann als die meisten unter uns, ist Reiner Laux.

Warum? Nun ja, Laux hat selbst jahrelang im Gefängnis gesessen. Der Grund dafür: Banküberfalle. Und zwar nicht nur einer, sondern insgesamt 13 Stück an der Zahl. Nachdem er infolge einer Denunziation in Lissabon festgenommen wurde, lernte er zunächst den portugiesischen und später den deutschen Gefängnisalltag aus nächster Nähe kennen.

Heute, über 15 Jahre nach seiner Freilassung, ist Laux Buchautor. Sein aktuelles Buch trägt den Titel: Seele auf Eis: Ein Bankräuber rechnet ab“. Hierin spricht der Autor über die desolaten Zustände der hiesigen Haftanstalten, wo in seinen Worten „Asozialisierung statt Resozialisierung“ stattfindet und wo auch Folter (Wie jetzt? Die gibt es doch noch nur auf Guantanamo?!) noch auf der Tagesordnung steht.

Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen, dass ein so smarter Typ wie Reiner Laux auf die Idee kommt, eine Bank zu überfallen? Wie ist das, sich mit 26 teils hochgefährlichen Männern eine 35 m² Gefängniszelle teilen zu müssen? Wie gefährlich ist eigentlich das Gefängnis-Personal? Und was hat es mit der Kunstfigur „Zorro, der Gentleman Bankräuber“ auf sich? Diesen und vielen weiteren Fragen gehen wir in einer neuen Ausgabe von Im Gespräch auf den Grund.

Inhaltsübersicht:

0:01:10 Reiner Laux – 13 Banküberfälle in 11 Jahren

0:05:43 Warum ein Banküberfall? – Von der Idee zum Überfall

0:22:01 Die Kunstfigur “Zorro” als Protestsymbol

0:41:04 Die Zeit im Gefängnis

0:56:05 Das Leben – Ein ewiger Protest?

1:17:07 Einblicke in den Gefängnisalltag

1:28:30 Deutsche Gefängnisse – Asozialisierung statt Resozialisierung

1:39:11 Erlernte Hilflosigkeit durch Inhaftierung

1:55:08 VIP-Gefangene

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37 Kommentare zu: “Im Gespräch: Reiner Laux („Seele auf Eis: Ein Bankräuber rechnet ab.“)

  1. Danke für das Buch, eine beeindruckende Schilderung der verschiedenen Alltage in den verschiedenen Gefängnissen. Als Außenstehender bleibt mir die Situation dennoch nicht wirklich vorstellbar, zu fremd ist dieses Ausgeliefertsein.

    Auch hier haben die bereits aus der Gesellschaft ausgegrenzten nur eine sehr schwache Lobby.

  2. Lieber Ken , ich schätze deine Arbeit und auch dein ganzes Engagement außerordentlich.

    Der Podcast mit Reiner Laux „Seele auf Eis: Ein Bankräuber rechnet ab.“
    ist trotz dessen unter aller Sau und belastend anzuhören.

    Die Menge der Unterstellungen gegenüber Reiner Laux zum Thema unbearbeitetes Vaterthema sind schier unerträglich.
    Reiner Laux antwortet nicht nur eloquent sondern auch inhaltlich folgerichtig.
    Immer und immer wurde von dir Ken Kampf und Krieg im Selbstbild von Reiner Laux attestiert.
    Das geht einfach zu weit und zieht diesen Podcast trotz seines interessanten Themas nach unten.
    An dieser Stelle und ob der Deutlichkeit wie oft diese Anspielung bei Reiner Laux erwähnt wurde attestiere
    Ích unfachmännisch folgendes : Ein Vaterproblem ,bei dir lieber Ken, das in Reiner Laux passend gespiegelt wird.

    Im Angesicht der allgemeinen Krise in der Menschheit ist meine Kritik natürlich zu relativieren in ihrer Größe.
    Diese Art der Gesprächsführung ist mir in noch keinem Podcast so untergekommen.
    Der gesamte Podcast hätte einen anderen Verlauf genommen wenn die Fixierung von dir Ken nicht dauerhaft in diese Richtung gelaufen wäre.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Preuss

  3. Die Psychologisierung ist ein Ueberschreiten der Zustaendigkeit des Interviewers, es entsteht ein Misston.
    Bedraengung und Steuerung sind allenfalls Werkzeuge, mit denen man einem Verschwoerer zu Leibe Ruecken kann. Bei Bill Gates duerfte Ken alles auffahren, um ihm das verlogene Grinsen aus dem Gesicht zu wischen. Aber solche Leute stellen sich nicht.
    Laux, ein interessanter Mann, ein interessantes, gut reflektiertes Leben und trotz Misston, ein erhellendes Interview.

  4. Sehr interessantes Gespräch.
    Mir kam die Entschuldigung in Richtung Opfer zu kurz.
    Mir ist aufgefallen, dass Kens Hinweis, die angesprochene neue Lebensweise /"Weisheit" des Herrn Laux sei eine immer noch andauernde Rebellion gegen den Vater bzw. die Umstände der Kindheit auch auf Ken zutrifft, wenn man Vater gegen Mainstream austauscht. Anscheinend hat er dir irgendwann wehgetan. Oder? Wachse aus diesem Schmerz noch mehr heraus und zwar unbewaffnet.
    Ken, mach einfach "dein Ding" und biete den machtgetriebenen Darstellern (dem Mainstream) keine Bühne / Beachtung.
    Es gibt keinen "Kampf".

  5. Was war los? Woher kommt diese Festlegung des anderen, suggestive und geschlossene Fragen, die eine Richtung vorgeben wollen. Ich habe es kaum ausgehalten, diesem Verhör zuzuhören. Mir ist die Wucht dessen und verbale Bedrängung schleierhaft. Schade, ich mag das Format eigentlich. Naja, aber wenn man möglicherweise selbst beginnt, sich mit psychologischen Zusammenhängen zu befassen (was ich immer sehr schön finde), stößt man zwangsläufig an die eigenen Themen und Wahrheiten. Hier ist Vorsicht im Umgang mit anderen geboten Offenheit, Neugier und Respekt. Es gibt schon zu viele Interviewer und Talkrunden, die in vorher festgelegte Richtungen steuern, wär schade, wenn es hier nun auch so laufen würde. Respekt an den Interviewten, ich glaub ich wäre irgendwann einfach aufgestanden und gegangen.

  6. Es gibt doch noch Vorbilder. Rainer Laux gehört dazu. Ein feiner Kerl. Mit Kinski konnte ich aber nie was anfangen. Ein Psychopath, wie er im Buche steht. Laux musste in den Knast, Kinski nicht.
    So sieht sie aus, unsere Gesellschaft. Widersprüchlich, krank.

    • Als Schauspieler war Kinski schon einmalig, der "Erdbeermund" bleibt unübertroffen.
      Hier ein aktuell passendes Stück: https://www.youtube.com/watch?v=w8ZIRXkJWpY

  7. Die seelenausbaldowerischen Elemente dieses Interviews sind ganz unerträglich. Für mein schlichtes Gemüt. Die ferndiagnostischen Interventionen. Das therapeutische Vatertheater. Die psychologische Urteilslust. So was geht eher gar nicht. Weil.

    Ein Gärtner kann wissen, was mit den Kartoffeln los ist. Aber doch wohl kein Mensch, wie sich das Umgreifende im jeweils anderen entlang der Zeit eingerichtet hat. Vor allem dann, wenn man ihn respektiert. Den anderen. Sollte man ihm zuhören. Können.

    Was ich verstanden habe, hört auf, mich etwas anzugehen. Schreibt Nietzsche. Irgendwo. Die intelligible Entsorgung biografischer Katastrophen sollte man den Hauptdarstellern von Leben selbst überlassen. Psychologie. Sollte man sich immer nur dann und selber antun, wenn man was in sich hervorheben und kalt machen, wenn man sich disziplinieren, konzentrieren und formieren will.

    Was aber im anderen geschehen ist und geschieht. Und gewirkt hat und wirkt. Kann man nie zuende wissen. Das ist das Heiligtum der Aufklärung. Das Unsissen. Daß man nichts zuende wissen kann. Der Urgrund aller Fragen. Auch und gerade aller sozialen Fragen. Daß man nichts zuende wissen kann.

    Normale Menschen können immer auch anders. Nur Geistesgestörte, Heilige und Menschen mit fixen Ideen … nie. Heißt es … im "Mann ohne Eigenschaften" von Musil. Psychologische Diagnostik … trifft für das soziale Geschehen immer nur dort zu, wo die Möglichkeiten abhanden gekommen sind. Je und je. Auch anders handeln zu können.

    Egal. Das erste für mich zuweilen eher unerträgliche Interview. Von Hunderten außerordentlich guten. Und am Sonnabend sehen wir uns alle bei der Demo gegen Corona. Peace.

  8. Die seelenausbaldowerischen Elemente dieses Interviews sind ganz unerträglich. Für mein schlichtes Gemüt. Die ferndiagnostischen Interventionen. Das therapeutische Vatertheater. Die psychologische Urteilslust. So was geht mir eher gegen den Strich. Auf den Geist. Weil.

    Ein Gärtner kann wissen, was mit den Karotten los ist. Aber doch wohl kein Mensch, wie sich das Umgreifende im jeweils anderen entlang der Zeit eingerichtet hat. Vor allem dann, wenn man ihn respektiert. Den anderen. Sollte man ihm zuhören. Können.

    Was ich verstanden habe, hört auf, mich etwas anzugehen. Schreibt Nietzsche. Irgendwo. Die intelligible Entsorgung biografischer Katastrophen sollte man den Hauptdarstellern von Leben selbst überlassen. Psychologie. Sollte man sich immer nur dann und selber antun, wenn man was in sich hervorheben oder kalt machen, wenn man sich disziplinieren, konzentrieren oder formieren will.

    Was aber im anderen geschehen ist und geschieht. Und gewirkt hat und wirkt. Kann man nie zuende wissen. Das ist das Heiligtum der Aufklärung. Das Unwissen. Daß man nichts zuende wissen kann. Der Urgrund aller Fragen. Auch und gerade aller sozialen Fragen. Daß man nichts zuende wissen kann.

    Normale Menschen können immer auch anders. Nur Geistesgestörte, Heilige und Menschen mit fixen Ideen … nie. Heißt es … im "Mann ohne Eigenschaften" von Musil. Psychologische Diagnostik … trifft für das soziale Geschehen immer nur dort zu, wo die Möglichkeiten abhanden gekommen sind. Je und je. Auch anders handeln zu können.

    Egal. Das erste für mich zuweilen eher unerträgliche Interview. Von Hunderten außerordentlich guten. Und am Sonnabend sehen wir uns alle bei der Demo gegen Corona. Peace.

  9. Lieber Ken
    Seit Jahren höre ich deine Interviews und fand sowohl die Gäste wie auch deine Fragen immer sehr spannend. Seit vielleicht einem halben Jahr hat sich dies leider verändert. Dein Tonfall agressiver, die Leute können kaum mehr ausreden, die Fragen sind immer ähnlich,so dass du zu hören bekommst,was du willst: dass die Medien keine Meinungsfreiheit zulassen und die Berichterstattung transatlantisch geprägt ist. Ich habe das verstanden und sehe es ähnlich. Aber sind deine Interviewpartner nicht da,um ihre Geschichten zu erzählen? Dabei geht es häufig um viel mehr, als “nur“ die Medien. Sonst lasse dich doch mal interviewen, dann kannst du deine Ansichten ausführlich darlegen.
    Der Tiefpunkt für mich war das Interview mit Herr Laux. Dieser Herr hätte bestimmt viele spannende Geschichten zu erzählen gehabt, das Interview wurde aber auf das System und seinen Vater reduziert. Ich wusste nicht,ob ich mich in einer Therapie Sitzung oder einem Interview befinde. Sehr schade, da ich früher sehr schätzte,wie du mit speziellen Fragen unerwartete Geschichten aus Menschen herauslocken konnte.
    Ich habe die Kommentare oben gelesen und höre viele ähnliche Stimmen heraus,die mit Kommentaren der Redaktion kurzerhand abgekanzelt werden. Natürlich trifft man nicht immer den Geschmack von allen und das Format muss hauptsächlich für euch stimmen. Aber vielleicht würde sich eine Diskussion und eine ehrliche Reflexion (inkl. Vielleicht Analyse der letzte 10 Interviews) doch auch lohnen. Ich hoffe,dass das nächste Interview wieder vor offenen und kreativen Fragen strotzt und grüsse dich herzlich, Annette

  10. Na ja, kann ja nicht schaden. Alle paar Jahre kommt immer wieder so eine Knastpublikation in Umlauf, hier sogar mit halbreißerischem Titel "Ein Bankräuber rechnet ab".
    In früheren Jahren gab es dann in Gutmenschenkreisen ein entrüstetes Geraune, folgende Diskussionen was zu tun sei und wie man gegensteuern müsste. Ähnlich wie bei so gut wie Allem. Heute passiert nicht einmal mehr das. "Gähn – Modus" ist angesagt. Mal wieder die Kindheit, der Vater, die Gesellschaft usw. – Alles auf übermäßig ausgetretenen Pfaden. Und wenn man sich dann fragt, so im Laufe der Jahrzehnte, ob all dies irgendetwas gebracht hat, dann lautet die Antwort ja.
    Das Meiste ist noch viel schlimmer geworden, da hat sich nichts verbessert. Ach doch, seit ca. Mitte der 90ziger Jahre dürfen Gefangene TV – Geräte besitzen. Was ein Erfolg – Respekt.

    Beispiel, von Schwarze Seele Verlag das Buch „Ratgeber für Gefangene“, ist glaube ich in der Erstausgabe Ende der 70ziger Jahre erschienen und wurde sofort verboten. Da konnte man schon vor 40 Jahren die Lügen und Tricksereien der sogenannten Resozialisierung nachlesen. Die natürlich nicht stattfindet, wie auch. Die Gefängnisse sind überbelegt, es ist kein Geld vorhanden – zumindest möchte man hier wohl keines ausgeben. Die Sprachbarrieren sind größtenteils nicht überwindbar(ich glaube mich zu erinnern, dass in der Berliner JVA Tegel Ende des Jahrtausends 180 Nationalitäten einsaßen(offiziell)).
    Anstatt qualifiziertem Fachpersonal wie Sozialarbeiter, findet man nur noch „Sachbearbeiter“. Mit Pseudosicherheitsbedenken wird jeglicher Resozialisierungsansatz abgewürgt.
    Die Anstalten sind überflutet von Gangs der verschiedensten Nationalitäten inklusive Machtkämpfe und Drogengeschäfte wie politischer Konkurrenz die auch drinnen ausgelebt wird.
    Es sind katastrophale Zustände, Drogenhandel, Prostitution, Körperverletzung wie sexueller Missbrauch und Erpressung von Angehörigen, um nur einige zu benennen. Vorgänge aus denen sich seit Jahrzehnten immer nur eines entwickelt. Noch mehr Elend, noch mehr Straftaten und eine Klientel die einen gesunden Hass auf die Normalbevölkerung entwickelt. Ständig, mit wiederkehrender Regelmäßigkeit, liest man von Korruption, von Beamten die bestechlich sind, die Drogen schmuggeln, sexuelle Dienstleistungen usw. Das Einzige was in den Knästen funktioniert sind die Mechanismen der Betreiber, die Verantwortung abzuwälzen, der Bevölkerung über die tatsächlichen Zustände in den Gefängnissen Sand in die Augen zu streuen. Auch hier wird die Bevölkerung dauerhaft und vorsätzlich fehlinformiert. Vorzeigeprojekte mit wenigen Gefangenen sind sehr beliebt, wer fragt da auch groß nach, wen interessiert das schon wirklich? Da die Meisten Wiederholungstäter sind, würde sich die Gefängnisadministration bei Resozialisierungserfolg ja selbst in die Arbeitslosigkeit entlassen.
    Doch gut, das ist ein zu weites Thema um es hier zu behandeln. Interessiert ja auch keinen, bis man dann selbst mal zum Opfer eines über Jahrzehnte brutalst hochgezüchteten Psycho – Straftäters und dessen Hass wird. Die Chancen stehen gut, es werden immer mehr und sie werden immer brutaler/gnadenloser. Ach ja, ich glaube die Systempresse berichtet darüber gar nicht mehr.
    Auch nicht über Misshandlungsauswüchse der Schließer. Hier kann ich mich aus Ende der 90ziger auch noch an ein Urteil der Berliner Justiz erinnern. Da wurde ein psychisch gestörter Asylant aus Afrika in den Bunker gesteckt, hat aber wohl ständig geschrien. Wurde dann im Bunker gefesselt, das Ende vom Lied war, das er dann mit eingeschlagenem Schädel tot aufgefunden wurde.
    Das gerechte Gericht kam damals zu der Feststellung, der Gefangen(der gefesselte) wäre mit seinem Kopf solange gegen die Knüppel der Schließer gesprungen, bis er dann einen Schädelbruch erlitt.
    Einzelne Stimmen/Berichte unter den Gefangenen erzählten aber von einem anderen Hergang.
    Offensichtlich hat das Geschrei die Schließer dermaßen genervt, dass mehrfach im Bunker waren und auf den psychisch gestörten Mann eingeprügelt haben, das ging wohl über einen halben Tag bis in die Nacht, dann war Ruhe. Sicher, mit eingeschlagenem Schädel schreit es sich schlecht.
    Das Urteil, einfach nur grotesk. Stand damals in der TAZ, als das noch halbwegs eine Zeitung war.
    Das gab es für die 18.500 Genossen/innen noch die Wahrheit zum mitdenken.
    Glaube auch eher nicht, bezüglich eines Beitrages hier, dass man von so einem Buch nun groß leben kann. Zum einen wird die Resonanz nicht dementsprechend sein(wir haben nicht mehr die 70ziger Jahre, beispielsweise Jacques Mesrine, mit seinem Buch "L'instinct de Mort") auf das sich Horden von Gutmenschen gestürzt haben, hier soll es in einem Kaufhaus, bei dem Endkampf an der Kasse um das letzte Exemplar in Hamburg, dazumal 5 Todesopfer gegeben haben.
    Nein, kleiner Gutmenschenscherz, natürlich nicht.

    In den Folgejahren gab es dann dazu eine Schwemme artgerechten Publikationen, also ich denke nicht dass das Thema noch wen "hinter den Ofen vor lockt", geschweige dann reichlich Geld einbringt. Hier hatte ich einmal gelesen, dass auch die meisten Autoreneinnahmen in den letzten Jahren, schwer gedrückt wurden von den Verlagen.
    Zum Interview, also schon der Anfang, das Geschichtchen mit dem Optionalsuizid durch Schreckschusspistole! Das Ausrufezeichen muss hier als Kommentierung ausreichen.
    Finde das auch immer gut wenn einige nach Jahren, selbst eigentlich sehr erstaunt, anscheinend
    im Nachhinein bezüglich der Motivation feststellen eigentlich unbewusst Widerstandskämpfer gewesen zu sein.
    Es ist schön sich ab und an mal informieren zu lassen, hat ja fast etwas von Unterhaltungskrimi.
    Schön auch dass im vorliegenden Fall niemand zu Schaden kam, Zorro mit dem System abgerechnet hat.
    Und ja, es läuft verdammt viel falsch in Haftanstalten, nicht nur in Deutschland. Man muss es aber auch sorgfältig abwägen, sonst führt diese Art Publikation und zugehörige Diskussion in die falsche Richtung. Da drinnen sitzen auch sehr gefährliche Menschen, ein Großteil gehört eigentlich in die Psychiatrie, aus Kostengründen sieht man davon ab.
    Es gäbe dazu so viel zu sagen, noch viel mehr zu tun. Wird aber nicht passieren. Insofern, schön dass das Thema mal wieder kurzzeitig Beachtung findet – passieren wird leider nichts. Das Geld für die Resozialisierung investiert man lieber in neue Haftanstalten die eigentlich überflüssig wären, würden die Herren Ihren Job anständig machen, und auch das nötige Geld in die Hand nehmen.
    Also viel Glück Reiner Laux, weiter so. Vielleicht legst Du ja ein drittes Buch vor, schaden kann es auf keinen Fall.

  11. Ein interessanter Gast und eine spannende Lebensgeschichte. Das Adrenalin mußte teuer bezahlt werden, Freundschaft aus Liebe und lange Knastzeit..

    Die Interviewführung ist sonst besser, aber vielleicht wollten Sie auch zeigen, Ken Jebsen, daß der Gast ziemlich souverän in sich ruht ; )
    (Aufstellungen sollte man nie allzu ernst nehmen, kommt es immer wieder zu Übertragungen. Wird auch gern genutzt um Gruppen zu emotionalisieren.)

    https://www.youtube.com/watch?v=Em-DAHKEpA8&list=PLpNi0Wmi7L81GVn0vhQdWF25vgSU4Gij-&index=9
    1:36ff (Zeichnung)

  12. Lieber Herr Jebsen, ich mag Ihre Sendungen. Aber bitte lernen Sie die Gäste ausreden zu lassen, keine Suggestivfragen zu stellen und mal den Gedanken der Gäste längere Zeit zu folgen. Ich verfolge gerne Ihre Sendungen aber das gedankliche Framing ist sehr vorhersehbar. Z.B. heben in fast jeder Sendung die Fragen auf die böse Presse ab. Das ist ja teilweise richtig, nur scheinen Sie dauerhaft das eigene Trauma zu aktivieren. Das ist nicht böse gemeint, ich spende ja auch; nur wird es ermüdend.
    Ihnen weiter viel Erfolg und Mut und DANKE.

    • Die Seite hier hat eine Mission, da macht es keinen Sinn, regelmäßig vom Thema abzudriften nur um abwechslungsreiche Themenkomplexe zu kreieren.
      KenFM ist keine Unterhaltungssendung, und sollte besser auch nicht so betrieben werden, obschon dies einige wohl so wahrnehmen, zumindest den Beiträgen folgend("es wird ermüdend").
      Die Presse ist nun einmal korrupt, mies und gekauft. Da kann man gar nicht oft genug drauf hinweisen.
      Hier jetzt in die Vergangenheit zu greifen, gar noch Traumata zu unterstellen, halte ich für böse unter der Gürtellinie – auch wenn es nicht SO gemeint ist.
      Jebsen ist derzeit voll ausgelastet mit Pinocchios Nasen amputieren, und das macht er für uns alle stellvertretend, auch wenn einige das nicht verstehen. Zumindest nehme ich das so war.
      Insofern sollte man die eigenen Befindlichkeiten/Unverträglichkeiten ein wenig hinten an stellen.
      Wenn es zu ermüdend wird kann ich Dir Teil III von "Ich baller Dir den Schädel weg" empfehlen, mit Pjotr Rotzmichanowitsch in der Hauptrolle, der ist actionlastig und abwechslungsreich.

    • Sorry Frank,
      aber hier den Wunsch nach purer Unterhaltung zu unterstellen, halte ich für fehlgeleitet.

      In gewisser Weise stimme ich MaRe zu; tatsächlich fiel mir während des eindringlichen Nachfragens Jebsens nach der Rolle des Vater-Sohn-Verhältnisses in diesem Interview wieder ein, als wie unpassend ich sein beharrliches Zurückkommen auf das Versagen der Mainstreammedien während der letzten Positionen-Sendung empfand. Und ja, nach meinem Eindruck scheint es bei dem Thema Presseversagen eine sehr hohe persönliche (biografische?) Involviertheit bei Ken Jebsen zu geben. Vielleicht war die Frage nach der Rolle des Vaters zuvorderst an sich selbst gestellt?

    • Hallo Kirsten,

      umgekehrt geht auch. Hier überwiegend auf persönliche Involviertheit hinzuweisen halte ich für fehlgeleitet.
      Und selbst wenn, das ist sein gutes Recht, nachdem was die mit ihm abgezogen haben.

      Und wie schon erwähnt, man kann gar nicht oft genug auf den Umstand hinweisen das der größte Teil der etablierten Medien fertig hat, und das nicht erst seit Corona. Die siebziger Jahre sind leider vorbei.

      Nun ja, so hat jeder seine Meinung, so soll es auch sein.

  13. sein Pech war, dass er solche eisigen Eltern hatte, die ihn weggeben wollten. Da sackt das Leben weg, denn er ist nur geduldet. Vielleicht ein Grund, warum er solche Leute wie den WG-Schmarozer, den Anwalt und die Freundin schützt. Ich hoffe, er kann sich von seinem Kindheits-Trauma lösen und findet sich selbst, denn er hat große Erfahrung, Wissen und Herz.
    Was sagt eigentlich unser Nicht-Kampf-Meister dazu?

  14. Lieber Ken, diese Experten (….ologen) sind meine (Ex-)Studienkollegen, das kann nicht anders laufen, denn die glauben irgendwie, dass sie was verstehen. Na ja, schaue ein wenig meinen Blog (blog.jvbc.ch), das kann Augen öffnen!

  15. Das jetzige System erzeugt die Zustände jetzt.

    Egal wo, überall wo wir einen Einblick in unsere gesellschaftlichen Verhältnisse nehmen, sehen wir Bedarf an mehr gelebter Mitmenschlichkeit., Würde, Wert.

    Ich finde inzwischen auch eher, das Banken, bzw. das Geldsystem dahinter, hoch kriminelle Zustände erzeugt.
    Ein Geldsystem, durch seine kriminelle Eigendynamik, immer wieder einen Zusammenbruch erlebt.
    So werden halt Banken dann auch Opfer krimineller Energie, eigentlich Opfer, der Energie, die sie selber erzeugen.

    Sondervollzugsrechte für VIPS ? Wäre ein Fall für Bundesverfassungsgericht. VIP sein, verstößt gegen das Gleichwertigkeitsgesetz. Ist ja wie beim kleinen Mann mit Bart, als er in Landsberg saß.

    Entweder alle Luxusknast oder keiner.

  16. Servus…ich finde der Interview Stil ist anders…hat ein wenig was von Respektlosigkeit und psychologisch "llehrmeisterischer Besserwisserheit" – sicher anders…leider. Musste abbrechen, weil das aus meiner Sicht N.i.o war…unterbrechen, unterstellen, interpretieren….das ist nicht die Staerke von Ken(FM) die ich sonst schaetze und achte …Liebe Gruesse Gerd

    • Es gibt auch Menschen die nicht grade "Quasselschüsseln" sind. Da macht es dann wohl schon Sinn, mit
      "erweiterten Vorgaben" zu arbeiten. Na ja, so zumindest meine Wahrnehmung.

    • sammelt euch und bildet doch ne Partei! Die "Anti-Fragen-Anti-Suggestiv-Fragen-Partei"
      Ken interessiert
      Ken interviewt
      Ken stellt Fragen
      Ken hakt nach
      Ken weiß
      Ken weiß nicht
      Ken hakt intensiver nach
      Ken zeigt
      Wo ist das Problem? Auch bei Suggestivfragen? Wo ist da das Problem?
      Wo ist überhaupt EURE ganz persönliche Position? Von wo aus kritisiert ihr?!
      Ihr unterstellt Verhalten.

    • DANKE, Charly.

      Mit dem Thema "Täter – Wegsperren oder Therapie?" tut man sich in der Tat schwer in DEU.
      Herr Dr. Bernd Borchard/Leiter Evaluation, Entwicklung und Qualitätssicherung aus Zürich sowie Stabsleitung im Justizvollzug ist da ein "einsamer Wolf" und weist seit Jahren darauf hin –> Ergenis in DEU: FEHLANZEIGE

  17. Das System hat nicht gewonnen? Ich muß doch sehr bitten! Kann doch nicht jeder ein Buch schreiben und davon leben. Die meisten Justizopfer verstecken sich irgendwo als seelische und oft auch körperliche Krüppel oder sind längst schon tot, und da wagst Du zu sagen, das System hat nicht gewonnen?
    Nicht gegen Dich, nein, aber damit bist Du zum Bestandteil des Systems geworden.
    Dein Vater hat nicht gewonnen.
    Das System hat keinen Vorteil vom Kampf gegen Dich gehabt. Und es hat Dich nicht überzeugt. Aber Widerstand gegen diese Machtfülle und Verachtung? Genugtuung? Ausgleich? Aussichtslos. Nur noch Glaubenssache.
    Aber wer weiß: Als Du das Geld hattest, vielleicht warst Du ja damals in Wirklichkeit ein A… Darüber wurde ja nie verhandelt.

    • Zu gerne wüsste ich, woher der – zugegeben sehr weit verbreitete – Irrtum stammt, Autoren könnten vom Bücherschreiben leben!
      Das gilt in eingeschränktem Maße sicher für langjährig erfolgreiche Autoren, die in ihren Verhandlungen mit den Verlagen eine gute Verhandlungsposition haben; Neulinge mit zwei Büchern wie Reiner Laux werden beim Erstlingswerk je nach Genre, Thema und Komplexität mit einem Honorar zwischen 1.000 und 6.000 Euro und einigen Freiexemplaren zum eigenen freien Verkauf entlohnt mit dem Argument, dass der Verlag das Risiko der Herstellungskosten bei unbekanntem Erfolg trägt. Weshalb sich bei einem zweiten Buch graduell besser verhandeln lässt, sofern das erste erfolgreich war und das Argument, dass das Thema sich erschöpft, nicht plausibel ist.
      Geld verdienen Autoren dann auf freien Lesereisen (abzüglich der mit dem Verlag vorab vereinbarten honorarfreien Promotionsauftritte) und Gastbeiträgen in anderen Medien, aber auch hier gilt: Es ist ein steiniger Weg, bis die eigene Bekanntheit zu ausreichend Umsatz führt, von dem man leben kann.

      Also kein Grund für Sozialneid.

  18. 500 000 in 10 Jahren? Was ist das schon für ein high life? Das ist in einem Stadtviertel mit Eigentumshäusern eher das Durchschnittseinkommen.
    Wenn ich natürlich mit meinen Elendsverhältnissen vergleiche, dann schon: 250E/Kopf nach Abzug der Fixkosten sind doch eine andere Größenordnung, als 4166 Mark bzw. 3300 nach Abzug der gleichen Fixkosten. Da kann man dann schon rund um den Monat normale Vergnügungen machen.

  19. Es stimmt schon: "Was ist schon der Einbruch in eine Bank, gegen den Besitz einer Bank?"
    Die Großaktionäre, die die Arbeiterschaft um den Mehrwert berauben, was in Form von Dividenden ihren Konten gut geschrieben wird, sich aber in Krisenzeiten "retten lassen", gehören in den Knast.
    Oder die Großaktionäre der großen Autohäuser, kassieren Dividenden, haben Milliarden auf der hohen Kante und fordern Unterstützung in der Krise vom Staat, also Steuerzahler.
    Wird Zeit, dass das Sklavensystem zusammenbricht.
    Das Laux sich 13 mal in 11 Jahren einen kleinen Teil des zu Unrecht kassierten Mehrwerts durch die Banken bei denen wieder abgeholt hat, wird ihm da keiner, der den Durchblick hat, über das was hier läuft, verübeln können.

  20. Friedrich Engels – Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie

    Der Kampf von Kapital gegen Kapital, Arbeit gegen Arbeit, Boden gegen Boden treibt die Produktion in eine Fieberhitze hinein, in der sie alle natürlichen und vernünftigen Verhältnisse auf den Kopf stellt.
    (…)
    Die Konkurrenz hat alle unsre Lebensverhältnisse durchdrungen und die gegenseitige Knechtschaft, in der die Menschen sich jetzt halten, vollendet. Die Konkurrenz ist die große Triebfeder, die unsre alt und schlaff werdende soziale Ordnung, oder vielmehr Unordnung, immer wieder zur Tätigkeit aufstachelt, aber bei jeder neuen Anstrengung auch einen Teil der sinkenden Kräfte verzehrt. Die Konkurrenz beherrscht den numerischen Fortschritt der Menschheit, sie beherrscht auch ihren sittlichen. Wer mit der Statistik des Verbrechens sich etwas bekannt gemacht hat, dem muss die eigentümliche Regelmäßigkeit aufgefallen sein, mit der das Verbrechen alljährlich fortschreitet, mit der gewisse Ursachen gewisse Verbrechen erzeugen. Die Ausdehnung des Fabriksystems hat überall eine Vermehrung der Verbrechen zur Folge. Man kann die Anzahl der Verhaftungen, Kriminalfälle, ja die Anzahl der Morde, der Einbrüche, der kleinen Diebstähle usw. für eine große Stadt oder einen Bezirk mit jedesmal zutreffender Genauigkeit alljährlich vorausbestimmen, wie dies in England oft genug geschehen ist. Diese Regelmäßigkeit beweist, dass auch das Verbrechen von der Konkurrenz regiert wird, dass die Gesellschaft eine Nachfrage nach Verbrechen erzeugt, der durch eine angemessene Zufuhr entsprochen wird, dass die Lücke, die durch die Verhaftung, Transportierung oder Hinrichtung einer Anzahl gemacht, sogleich durch andere wieder aufgefüllt wird, gerade wie jede Lücke in der Bevölkerung sogleich wieder durch neue Ankömmlinge aufgefüllt wird, mit andern Worten, dass das Verbrechen ebenso auf die Mittel der Bestrafung drückt wie die Völker auf die Mittel der Beschäftigung. Wie gerecht es unter diesen Umständen, abgesehen von allen andern, ist, Verbrecher zu bestrafen, überlasse ich dem Urteil meiner Leser. Mir kommt es hier bloß darauf an, die Ausdehnung der Konkurrenz auch auf das moralische Gebiet nachzuweisen und zu zeigen, zu welcher tiefen Degradation das Privateigentum den Menschen gebracht hat.

    Und:
    Her Majesty´s Prison Belmarsh
    11. Mai 2020 Christian Bunke

    Hochsicherheitsknast und Gesellschaftskrise

    Gefängnisse sagen viel aus über die Verfasstheit eines Landes. Wer sitzt dort ein? Warum und unter welchen Bedingungen? Die Mauern von HMP Belmarsh erzählen Geschichte und Geschichten über die verrotteten Zustände im Vereinigten Königreich. Ein Bericht des Justizausschusses im Londoner Unterhaus konstatierte im April 2019, dass die Anzahl der Gefängnisinsassen in England und Wales sich im Laufe der letzten 25 Jahre von 44.2546 auf 82.384 fast verdoppelt habe. Die Kapazitäten würden mit den Anforderungen nicht mithalten, viele Gefängnisse seien überbelegt. Die Gewerkschaft der Gefängniswärter POA weist inzwischen fast wöchentlich darauf hin, dass die Gefängnisse voll mit Menschen seien, die dort nicht hingehören. Vielmehr brauche es einen Ausbau psychosozialer Betreuungs- und Therapieangebote im Land.
    (…)
    Bei der Überbelegungskrise in den britischen Gefängnissen treffen die Auswirkungen jahrelanger Sparpolitik auf die Ergebnisse einer immer repressiveren Staatsdoktrin. Schon New Labour Premierminister Tony Blair versuchte mit dem Slogan: „hart gegen das Verbrechen, hart gegen die Ursachen von Verbrechen“ zu punkten. Gemeint war natürlich nicht das tägliche Verbrechen in den Wolkenkratzern der City of London. Als es im Sommer 2011 in verschiedenen englischen Großstädten zu Jugendunruhen kam, wurden hunderte junge Menschen oft wegen Lappalien für Monate eingesperrt. Schon der versuchte Ladendiebstahl einer Wasserflasche konnte in der damaligen Atmosphäre Knast bedeuten.

    Belmarsh ist eines von drei Gefängnissen mit Hochsicherheitstrakt in England und Wales. Laut einem Bericht des britischen Gefängnisinspektorats aus dem Jahr 2018 treffen hier „junge Erwachsene und Gefangene mit geringem Risiko“ auf rund 100 Gefangene mit „unbefristeten Haftstrafen“, darunter „einige der gefährlichsten Hochrisikogefangenen des Landes“. Ein in Großbritannien oft gehörter Satz über die dortigen Gefängnisse ist, dass es sich bei ihnen um „Universitäten des Verbrechens“ handelt. Wer nicht als Schwerverbrecher hineinkommt, kommt als voll ausgebildeter Berufsverbrecher wieder hinaus. Laut dem Gefängnisinspektorat verteilen sich die fast 900 Gefangenen in Belmarsh derzeit auf rund 120 „Gangs“, Tendenz steigend. Im Vergleich zur letzten Überprüfung im Jahr 2015 sei die Zahl gewaltsamer Vorfälle angestiegen. Einige davon seien „ernsthaft“ gewesen, es sei in Belmarsh aber nicht so schlimm wie in anderen Gefängnissen.
    (…)
    Für sich genommen sind all die oben beschriebenen Phänomene schon problematisch. In ihrer Gesamtheit werden sie zu einer Gefahr für Leib und Leben der Insassen. Laut Gefängnisinspektorat haben 91 Prozent der Inhaftierten „Probleme bei der Ankunft“ im Gefängnis gehabt. Diese Zahl sei höher als in anderen britischen Gefängnissen. 31 Prozent haben auf Befragung durch das Inspektorat angegeben, sich zum Zeitpunkt der Inspektion „unsicher“ gefühlt zu haben. 58 Prozent gaben an, sich zu bestimmten Zeitpunkten ihrer Haft „nicht sicher“ gefühlt zu haben. Eine wachsende Zahl von Gefangenen ziehe es vor, „sich selbst zu isolieren“, um Gefahren aus dem Weg zu gehen.
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    Isolationshaft, Folter und Protest

    Im Gegensatz zu anderen britischen Gefängnissen hat es in Belmarsh in den vergangenen Jahren kaum größere Unruhen und Aufstände gegeben. Wohl kommt es aufgrund der Zustände jedoch immer wieder zu so genannten „dirty protests“ – „Schmutzprotesten“. Dabei handelt es sich um eine von IRA-Häftlingen in Nordirland entwickelten Protestform: Man nutzt nicht mehr die Toilette, sondern verrichtet seine Notdurft auf dem Fußboden, erzeugt also „Schmutz“, um Forderungen durchzusetzen. Für 2018 sind in Belmarsh drei solcher „dirty protests“ dokumentiert.

    Dokumentiert ist auch der Einsatz von Belmarsh-Gefangenen für Julian Assange. Dessen Haftbedingungen in Belmarsh wurden vom UN-Sonderberichterstatter Nils Melzer als „psychologische Folter“ bezeichnet. Assange wurde zu 50 Wochen Haft in Belmarsh verurteilt, weil er gegen Kautionsauflagen verstoßen haben soll. Normalerweise gibt es für so etwas kleinere Geldstrafen. Doch für politische Gefangene – und ein solcher ist Assange – gelten andere Regeln.
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    Kennt man die alltäglichen Haftbedingungen in Belmarsh, so ist man fast geneigt, die Behandlung von Julian Assange für eine politische Zuspitzung des schlechten „Normalzustands“ im Gefängnis zu halten. Vielleicht dachte eine Gruppe von Mitgefangenen Ähnliches, als sie Anfang 2020 damit begann, sich für Hafterleichterungen für Assange einzusetzen. Insgesamt drei Petitionen an die Anstaltsleitung wurden verfasst. Mit Erfolg: Assange wurde im Februar aus der Isolation in einen anderen Gefängnisflügel verlegt.
    (lunapark21)

    • Danke für die Info, grade auch zu Julian Assange. Das geht alles zur Zeit unter im C – Rausch.
      Würde mich nicht wundern, wenn sie ihn jetzt schnell mit irgendeiner Begründungskonstruktion in die USA verschleppen.
      Der sicherste Platz für Kritiker scheint schon wieder Russland zu sein – hatten wir das nicht schon?

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