Prof. Dr. Rainer Rothfuß über westliche Interventionen und deren Kettenreaktionen

Prof. Dr. Rainer Rothfuß lehrte von 2009 bis 2015 an der Universität Tübingen im Forschungsbereich Geowissenschaften, Fachbereich Humangeographie. Wir sprachen Ende 2014 mit ihm unter anderem über westliche Interventionen, die meist der Konfliktlösung dienen sollen, oft jedoch Kettenreaktionen mit dem genauen Gegenteil hervorrufen. Das Gespräch, aus dem dieser Ausschnitt stammt, ist in voller Länge hier zu sehen: https://kenfm.de/rainer-rothfuss/

Rothfuß ist ebenfalls Gast in der vierten Ausgabe von ‚Positionen – Politik verstehen‘, die ab dem 21.2.2016 unter dem Titel ‚Kooperation oder Konkurrenz – Braucht der Mensch ein Feindbild?‘ auf KenFM abrufbar ist.

12 Kommentare zu: “Prof. Dr. Rainer Rothfuß über westliche Interventionen und deren Kettenreaktionen

  1. Vielen Dank für diesen erfreulichen Beitrag. Es lässt mich selbst wieder zuversichtlicher sein, dass ein rascher Wandel möglich wäre. Ich könnte mir vorstellen dass eine Gesprächsrunde mit Prof. Rainer Rothfuss, Dirk C. Fleck, Christina Mundlos und Ken Jebsen ein bereicherndes Prisma bezüglich Bewusstheit und Menschlichkeit für eine friedvolle Welt schenken könnten.
    Wenn nun noch die Nutzung der Zeitformen als Instrument für die Berichterstattung erkannt und hinzugefügt werden dürfte, würde sich meines Erachtens eine Kraft erkennen lassen, welcher sich keine Macht oder Schwäche entziehen könnte.

    • Ich fänd eine Gesprächsrunde mit : Werner Rügemer, Bazon Brock, Rainer Mausfeld und Bernhard Trautvetter gut.

      Oder auch : Eugen Drewermann, Gerald Hüther , Sahra Wagenknecht und Thilo Jung.

      Bin gespannt, welche interessanten Kombinationen in Zukunft kommen werde.

  2. „Kooperation oder Konkurrenz – Braucht der Mensch ein Feindbild?“

    Das sind in der Tat zwei interessante Fragen die sich damit verbinden. Braucht der Mensch ein Feindbild, wenn ja wozu. Wenn er damit Feinde und Freunde definiert wie geht er mit den jeweiligen Seiten um?
    Es ist in der Soziologie, Philosophie, Pädagogik, der Kulturwissenschaft und anderen angrenzenden Wissenschaftsgebieten lange klar das wir uns die Welt in Gegensätzlichkeiten erklären, Gruppen in abgrenzung zu anderen definieren und uns als Teil vieler Gruppen denen wir uns zugehörig fühlen oder eben nicht selbst definieren. (Ethnie, Religion, Nationalität, Geschmack, Vorlieben, Interessen, Fähigkeiten, Klasse oder Bildungsgrad um nur einige Gruppenspeziefische Merkmale zu nennen)

    Es gibt unzählige Namen für dieses Phänomen, z.B. „Othering“, aber eines ist klar, Neutral gibt es in diesem Sinne nicht. Wir sind alle Teil irgendeiner Gruppe die sich von anderen Gruppen unterscheidet und bestimmt wer wir glauben zu sein.

    Das hat nicht notwendigerweise mit Feindschaft zu tun das ist nur die Extremste und negativste Form dieses Prozesses. Man kann auch fragen ob wir Idole brauchen, das wäre das andere Extrem, Leute die wir vergöttern. Der Mensch neigt zu Vereinfachungen und muss das wohl auch um ein Weltbild zu entwickeln was er selbst noch fassen kann und mit sich im Reinen, im Gleichgewicht oder auch Äquilibrium steht, also ohne Schmerzhafte Kognitive Dissonanz.

    Die Entwicklung des selbst geschieht übrigens als Lernprozess durch das überwinden dieser Dissonanzen, Erlebnisse oder Wissen welche das Weltbild so erschüttern das eine Änderung des Weltbildes notwendig ist.

    Die zweite Frage ist wie das Individuum davon ausgehend mit wem wie verfährt, kooperativ oder konfrontativ.

    • Der Souverän sagt:
      20. Februar 2016 at 19:19

      „Braucht der Mensch ein Feindbild?“

      Natürlicherweise nicht – im Gegenteil.

      Es kommt auf die Sichtweise und Einstellung an.

      Wenn ich in der Öffentlichkeit systemimanent etwas erreichen möchte, brauche ich ein feines Gespür, was gerade von vielen Menschen gedacht wird.

      Da kann es „sinnvoll“ sein, der Karriere wegen, ein bestimmtes Feindbild zu reproduzieren.

      Auf lange Sicht ist das ein Nachteil. Aber auf persönliche Ego-Sicht kann das nutzvoll sein.

      Sinnvoller wäre: die Welt globaler zu sehen und jedem Menschen gleiche Rechte einzuräumen. Sobald dieser gedankliche Ansatz verfolgt wird, kann ich kein echtes Feindbild mehr aufrecht erhalten, was z.B. bestimmte Terrorgruppen angeht.

      Es gibt dann einzelne Gruppen von Menschen, die aus unterschiedlichen Motiven heraus terroristisch handeln. Aber so heuchlerische Aussagen wie „Kampf gegen den Terror “ ( wo vgl. z.B. Irakkrieg) gibt es dann nicht mehr. Der Krieg könnte bei einem ganzheitlichen Menschenbild zuende sein.

      Ein Krieg gegen eine Handvoll Terroristen zu führen, wäre direkt überproportioniert. Da gäb es andere Maßnahmen. Die NSA könnte dann mal beweisen, ob sie wirklich imstande ist, Terror zu verhindern.

      Passend zum Menschenbild :

      Der Philosoph Bazon Brock zu unlösbaren Problemen in Deutschland
      https://www.youtube.com/watch?v=jdOcxB_0E9w

      „Der Westen ist im permanenten Ausnahmezustand“ – Bazon Brock
      https://www.youtube.com/watch?v=52wplIxBH0o

      Oder auch Rainer Mausfeld zum Thema Folter und wie dort eben per Feindbild vieles möglich wird:

      Prof. Rainer Mausfeld im Dialog mit Michael Krons am 31.01.15
      https://www.youtube.com/watch?v=4WclOOZuyjA

      Wenn viele Menschen alleine diese Einstellung haben, dass es gleiche Rechte für alle gibt und eine innere Einstellung dazu einnehmen, kann es zu Veränderungen kommen.

    • Spooky sagt: 21. Februar 2016 at 12:00
      „Wenn ich in der Öffentlichkeit systemimanent etwas erreichen möchte, brauche ich ein feines Gespür, was gerade von vielen Menschen gedacht wird.“

      Ähhm – njein. Wenn man etwas (großes) erreichen möchte, muß man vielen Menschen klar machen was sie denken sollen. Auf Basis von Fakten, Wahrheit und die dadurch generierte Überzeugung.

      „Wenn viele Menschen alleine diese Einstellung haben, dass es gleiche Rechte für alle gibt und eine innere Einstellung dazu einnehmen, kann es zu Veränderungen kommen.“

      Ich glaube es liegt nicht an der Einstellung – denn die [rechtliche] Gleichstellung ist ja in sogenannten Rechtsstaaten verankert – es liegt an der Negierung seitens der Machthaber, Regierungen und ihren Organen. Faktisch gibt es diese gesetzlich verordnete Gleichstellung nur zum Teil und unterliegt im praktischen Leben der totalen Willkür.

    • Der Souverän sagt:
      21. Februar 2016 at 13:52

      Spooky sagt: 21. Februar 2016 at 12:00
      „Wenn ich in der Öffentlichkeit systemimanent etwas erreichen möchte, brauche ich ein feines Gespür, was gerade von vielen Menschen gedacht wird.“

      Ähhm – njein. Wenn man etwas (großes) erreichen möchte, muß man vielen Menschen klar machen was sie denken sollen. Auf Basis von Fakten, Wahrheit und die dadurch generierte Überzeugung.

      Das stimmt auch. Ich habe mich unklar artikuliert. Ich korrigiere: wenn ich Karriere machen möchte innerhalb einer Gesellschaftsschicht, z.B. Forschung, Journalismus etc.. – dann ist es günstig mit dem Strom zu stimmen. Strom heisst in dem Moment auch: wie ist die politische Ausrichtung möglicher Mäzen, oder Lobbyverbände in welchen ich mich zur Zeit befinde? Wie tickt mein Chef?

      Das wäre reine Logik, dann zu sagen : ich stelle fest, Vorgesetzter A) denkt politisch so…also wiederhole ich sein Denken und erhoffe mir dadurch Karrieresprünge…gepaart mit anderen Verhaltensweisen von mir gegenüber meinem Vorgesetzten.

      Richtig ist natürlich auch, was gesagt wurde:
      Wenn man etwas (großes) erreichen möchte, muß man vielen Menschen klar machen was sie denken sollen. Auf Basis von Fakten, Wahrheit und die dadurch generierte Überzeugung.

      Wobei : „klar machen, was sie denken sollen“ – klingt zu sehr nach Manpiluation im Sinne „Denken sollen“ – ein Spruch lautet “ Einen Gescheiten kann man
      überzeugen. Einen Dummen muß
      man überreden.“

      http://www.spruch.de/Spruch/88.htm

      Und in dem Zusammenhang könnte eine Liste von Vorteilen oder Nachteilen für den Krieg und Feindbilder erstellt werden, wo sich jeder seine Meinung bilden kann, ob er dafür oder dagegen ist ( mag ich gerade nicht ausführlicher auflisten: würde ein langer Beitrag werden).


      „Wenn viele Menschen alleine diese Einstellung haben, dass es gleiche Rechte für alle gibt und eine innere Einstellung dazu einnehmen, kann es zu Veränderungen kommen.“

      Ich glaube es liegt nicht an der Einstellung – denn die [rechtliche] Gleichstellung ist ja in sogenannten Rechtsstaaten verankert – es liegt an der Negierung seitens der Machthaber, Regierungen und ihren Organen. Faktisch gibt es diese gesetzlich verordnete Gleichstellung nur zum Teil und unterliegt im praktischen Leben der totalen Willkür.

      Das stimmt auch in Teilen. Einerseits werden Machthaber durch das Volk ( in den meisten Fällen) legitimiert. Anschließend schweigt oft das Volk, oder die Arbeiter in Kriegsunternehmen zu ihrer Tätigkeit, Waffen herzustellen, arbeiten weiter.

      Sollten viele Menschen in der Welt sich für eine globale Denkweise entscheiden und ein paar Industrieunternehmen für z.B. Photovoltaik direkte Jobangebote für Mitarbeiter in der Kriegsindustrie anbieten, könnte mit dem Produzieren von Waffen allmählich ein Schlußstrich erfolgen.

      Insofern: beides stimmt in gewisser Weise. Einerseits die Denke der Menschen generell. Aber auch das Verhalten der Machthaber und Regierungen, sowei Industrie in Kombination zu den Machthabern und Regierungen.

      Und lösungsorientiert bleibt es bei vielen Menschen als Einzelpersonen hängen( Ihr eigenes Denkmuster betreffend), sowie in größerer Vernetzung bei Unternehmen, die für oder gegen die Krieg in Industrie, Journalismus, Forschung, Politik, Schule Stimmung erzeugen – denn die erzeugte Stimmung der einzelnen Medien und Firmen wie Institutionen wirkt auf den Einzelnen ebenfalls.

      Es ist keine leichte Antwort möglich, da vieles verzahnt ist. Aber es ist ebensowenig keine unlösbare Aufgabe, da die Zustände auf der Welt von den Menschen selbst gemacht wurden, somit auch wieder durch den Menschen selbst gelöst werden können.

    • Spooky sagt: 21. Februar 2016 at 14:29
      „Das wäre reine Logik, dann zu sagen : ich stelle fest, Vorgesetzter A) denkt politisch so…also wiederhole ich sein Denken und erhoffe mir dadurch Karrieresprünge…gepaart mit anderen Verhaltensweisen von mir gegenüber meinem Vorgesetzten.“

      Das hat mit Logik nichts zu tun – das ist reine Arschkriecherei.

      “ Einen Gescheiten kann man überzeugen. Einen Dummen muß man überreden.“

      Wieder einer dieser vielen dummen Sprüche.
      Einsicht hat nichts mit gescheit oder weniger gescheit zu tun, sondern einem Mix aus Eigenschaften wie Bewusstsein, Selbstkritik, Lernwille und da vor allen Dingen Fehler sich selbst einzugestehen und auch öffentlich zuzugeben. Denn nur so besteht eine hohe Chance sie nicht immer zu wiederholen.

      Gerade die Gescheiten – hier ganz besonders die sich selbst für ach so gescheit halten – haben diese Eigenschaften nicht, oder nur andeutungsweise. Sie sind oft gedanklich festgelegt, zementiert und lassen infolge dessen nicht mal Fakten zu, geschweige denn eine andere Meinung. Wenn man einem weniger Gescheiten etwas verständlich erklärt, erkennt man oft ein „Aha-Erlebnis“.

      „Und in dem Zusammenhang könnte eine Liste von Vorteilen oder Nachteilen für den Krieg und Feindbilder erstellt werden,…“

      Es gibt keine Vorteile für oder von Krieg.

      „Sollten viele Menschen in der Welt sich für eine globale Denkweise entscheiden und ein paar Industrieunternehmen für z.B. Photovoltaik direkte Jobangebote für Mitarbeiter in der Kriegsindustrie anbieten, könnte mit dem Produzieren von Waffen allmählich ein Schlußstrich erfolgen.“

      Jau, so einfach ist die Welt – wenn da nicht die Vorteile von Krieg wären…

    • Spooky sagt: 21. Februar 2016 at 14:29
      „Wobei : „klar machen, was sie denken sollen“ – klingt zu sehr nach Manpiluation im Sinne „Denken sollen“…

      Stimmt – aber nur wenn man aus dem Kontext reißt.
      Denn das folgende
      „Auf Basis von Fakten, Wahrheit und die dadurch generierte Überzeugung.“
      egalisiert manipuliertes „sollen“ völlig. Wobei selbst ein in die Augen schauen schon manipulativ gewertet werden kann.

    • „Das wäre reine Logik, dann zu sagen : ich stelle fest, Vorgesetzter A) denkt politisch so…also wiederhole ich sein Denken und erhoffe mir dadurch Karrieresprünge…gepaart mit anderen Verhaltensweisen von mir gegenüber meinem Vorgesetzten.“

      Das hat mit Logik nichts zu tun – das ist reine Arschkriecherei.

      Wenn Sie es bewerten wollen, anstelle sich vorzustellen auf welcher Basis jemand gedanklich unterwegs sein könnte, kann ich diese Antwort verstehen.

      “ Einen Gescheiten kann man überzeugen. Einen Dummen muß man überreden.“

      Wieder einer dieser vielen dummen Sprüche.
      Einsicht hat nichts mit gescheit oder weniger gescheit zu tun, sondern einem Mix aus Eigenschaften wie Bewusstsein, Selbstkritik, Lernwille und da vor allen Dingen Fehler sich selbst einzugestehen und auch öffentlich zuzugeben. Denn nur so besteht eine hohe Chance sie nicht immer zu wiederholen.

      Das steht in keinem Widerspruch, wenn Sie das Folgende hinzu nehmen:

      „Und in dem Zusammenhang könnte eine Liste von Vorteilen oder Nachteilen für den Krieg und Feindbilder erstellt werden,…“

      Es gibt keine Vorteile für oder von Krieg.

      Hier widersprechen Sie sich gleich selbst:

      „Sollten viele Menschen in der Welt sich für eine globale Denkweise entscheiden und ein paar Industrieunternehmen für z.B. Photovoltaik direkte Jobangebote für Mitarbeiter in der Kriegsindustrie anbieten, könnte mit dem Produzieren von Waffen allmählich ein Schlußstrich erfolgen.“

      Jau, so einfach ist die Welt – wenn da nicht die Vorteile von Krieg wären…

      Erst meinen Sie, es gäbe keine Vorteile, dann meinen Sie es gebe welche. Und Ihre Wortwahl ist nun eher weniger sachlich, um es möglichst neutral zu formulieren.

      -> Sollen sich die anderen Leser eine Meinung machen, wem sie eher glauben schenken können und wollen.

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