RUBIKON: Im Gespräch: „Krieg ist heilbar!“ (Daniele Ganser und Franz Ruppert)

Krieg ist heilbar! Friedensforscher Daniele Ganser und Traumaforscher Franz Ruppert erklären im Rubikon-Interview, wie Frieden möglich ist.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

von Florian Ernst Kirner.

Der Rubikon interviewte Franz Ruppert und Daniele Ganser. Das Treffen zweier Forscher auf ganz unterschiedlichen Gebieten förderte erstaunliche Gemeinsamkeiten und echte Lösungsansätze zu Tage. Jetzt online auf dem Rubikon-YouTube-Kanal.

Mein eigener Weg zu Franz Ruppert führte über den hervorragenden YouTube-Kanal der Arbeiterkammer Vorarlberg. Dort gibt es eine Veranstaltungsreihe namens „Wissen fürs Leben“, die in der Regel exzellente Vorträge über psychologische und therapeutische Themen bringt. Ich hatte mich auf die Suche nach derlei Inhalten begeben, weil es mir schlecht ging. Mein Vater lag im Sterben und meine nunmehr elfte Beziehung auch. Beides, mein Vater und meine Beziehungsprobleme, hatten miteinander zu tun, soviel hatte ich inzwischen begriffen. Aber ich kam einer Auflösung der dahinterliegenden Muster einfach nicht näher.

Der Vortrag von Franz Ruppert, auf den ich stieß, war sein Referat über „Trauma, Angst und Liebe“. Rupperts Vortrag nähert sich, für ein solches Thema durchaus sensationell, den 300.000 Klicks. Und ich kann für mich persönlich sagen: Seine Analyse hat zwar nicht alle Probleme in meinem Beziehungsleben schlagartig gelöst – das kann man angesichts einer lebenslangen Prägung auch schlecht von einem einzelnen Input erwarten. Aber speziell die Erläuterungen Rupperts über die Langzeitwirkung früher Traumatisierungen haben mir entscheidenden Aufschluss gegeben, in welcher Richtung ich nach einer Lösung überhaupt suchen könnte. (Sehr empfehlenswert auch der Vortrag „Das Trauma der Identität“, der erst vor wenigen Tagen online ging.) In der Gründungsphase des Rubikon stellte sich dann heraus, dass auch Herausgeber Jens Wernicke in dieser Richtung gesucht und bei demselben Franz Ruppert fündig geworden war.

Wenige Monate später konnte ich Ruppert dann ein erstes Mal für das Magazin interviewen. Ich staunte, als Ruppert in diesem Interview von sich aus auf einen Herrn zu sprechen kam, der sich von Anbeginn im Beirat des Rubikon-Magazins fand: „Trauma heilt nicht von alleine. Es braucht Menschen, Einzelindividuen und viele kleine Netzwerke aus Individuen, die darauf aufmerksam machen und mutig genug sind, sich den Realitäten zu stellen und die für andere ein gutes Vorbild sind. So wie zum Beispiel Daniele Ganser, der uns in seiner geistigen Klarheit und Aufrichtigkeit deutlich zeigt, wie die ganze Welt mittlerweile eine ‚war zone’ geworden ist.“

Ganser und das Trauma

Anlässlich der Protestwoche gegen die Airbase Ramstein 2017 saß ich dann, zusammen mit einer neuen Beziehung, in der Versöhnungskirche zu Kaiserslautern.

Zuerst sprach Eugen Drewermann. Dass auch er schon mehrfach bei der Arbeiterkammer Vorarlberg zu Gast gewesen ist, überrascht eher nicht. Drewermann ist immerhin Psychoanalytiker. („Vertrauen statt Angst“, „Wendepunkte – Was eigentlich besagt das Christentum?“, „An den Grenzen der Medizin und des Lebens“ sowie „Wie Gott durch Grimm’sche Märchen geht“.)

Erstaunt war ich aber, als der zweite Redner des Abends, Daniele Ganser, wieder und wieder auf das Thema „Trauma“ zu sprechen kam. Für Historiker sind derlei psychologische Fragestellungen doch eher nicht die Regel.

Unter anderem stellte Ganser die großartige Vision in den Raum, wie friedlich wir die Welt gestalten könnten, wenn wir etwa die gesammelten Militärausgaben der NATO-Staaten nutzen würden, um Traumatherapeuten auszubilden und sie in den Krisengebieten der Welt einzusetzen. (Der ganze Vortrag hier.)

Der Weg Gansers von der Beschäftigung mit illegalen Kriegen, Massenmord und Kriegslügen zur Frage des Traumas, der Therapie und der Heilung ist jedoch sehr erklärlich, indem dieser höchst angenehme Mensch ja auch Friedensforscher ist.

Und sind nicht viele von uns irgendwann an die gleiche Grenze des Verstehens gestoßen? Wenn sich unmenschlichste Schrecklich- und Grausamkeiten immer wieder ereignen, und zwar unter den unterschiedlichsten historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen – muss es dann nicht eine gemeinsame Ursache geben? Und zwar eine Ursache, die unterhalb dieser historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Begebenheiten liegt?

Die Kernfrage unserer Zeit

Was ist nun diese dunkle Triebkraft, die offenbar auch unterhalb des Denkens und des scheinbar bewussten Fühlens ihre Wirkung entfaltet? Woher rührt sie? Wie kommt, mit anderen Worten, die Unmenschlichkeit in die Menschen? Und wie kann der Mensch sich heilen? Konkreter gefragt: Wie wurde Hitler zu Hitler? Was wissen wir eigentlich über das Kind Adolf Hitler?

Wir hatten in der Zwischenzeit auch Franz Ruppert angefragt, ob er dem Beirat des Rubikon beitreten wolle. Zu unserer großen Freude stimmte er ganz unkompliziert zu und steuerte gleich einen weiteren Text bei. Dessen Titel „Wirklicher Frieden setzt Heilung voraus“ wies erneut auf den Zusammenhang zwischen Krieg und individueller Traumatisierung hin.

Darüber hinaus kam uns sehr zupass, dass eine weitere Rubikonistin, Birgit Assel, in ihrem Seminarzentrum (Institut für Gesundheitsförderung und Therapeutische Verfahren) bereits seit Jahren Veranstaltungen sowohl mit Franz Ruppert als auch mit Daniele Ganser organisiert.

Dies tat sie vor wenigen Wochen erneut, diesmal kamen beide gemeinsam auf die Bühne, moderiert von Ken Jebsen. Wir ergriffen unsere Chance und es kam zu einem, wie Daniele Ganser meinte, „total abgefahrenen“ Zusammentreffen zwischen dem Traumaforscher und dem Friedensforscher.

Die Fragen stellten Jens Lehrich und meine Geringfügigkeit.

Wir wünschen viel Spaß und Erhellung!

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Dieser VideoBeitrag erschien am 16.06.2018 bei RubikonMagazin, dem YouTube Channel von Rubikon. 

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12 Kommentare zu: “RUBIKON: Im Gespräch: „Krieg ist heilbar!“ (Daniele Ganser und Franz Ruppert)

  1. Eine kleine Anmerkung im Interesse des klaren Denkens:

    Wenn bis zu 100% einer Bevölkerung an einem Trauma leiden sollen – jedenfalls ein ganz erheblicher Prozentsatz -, dann verliert der Begriff „Trauma“ seine wissenschaftliche Trennschärfe und kann seine wissenschaftliche Funktion, das Normale vom Veränderten zu unterscheiden, nicht mehr wahrnehmen.

    Wir alle sind in unserem Denken durch Ideologien eingeschränkt und es ist das Wesen von Wissenschaft, den daraus erwachsenden Denkfallen zu entkommen. Wenn einem die Ideologie verbietet, kulturelle Unterschiede zwischen Menschen zu benennen, dann übersieht man leicht den Tatbestand, dass die Formen der Erziehung – und auch das vorgeburtliche Verhalten der Mutter – Mustern genügt, die natürlich den gesellschaftlichen Traditionen geprägt sind und geltenden Herrschaftsstrukturen gehorchen. Man kann das Verhalten der Eltern natürlich als individuelles Trauma deuten, das sie an ihre Kinder weiter geben. Man übersieht dabei aber, dass es dann aber allgemein verbreitet ist und als der Normalfall gilt. Dies wäre übrigens eine Arbeitshypothese, um die kulturellen Unterschiede zwischen Bevölkerungen zu erklären.

    Mir scheint der Ansatz verfehlt, alles auf ein Trauma zu schieben. Es erwächst aus dem modisch ideologischen Ansatz, das Individuum für alles und jedes verantwortlich zu machen. Dabei übersieht man aber alle kollektiven Phänomene wie Gruppenbildung, Gesellschaften, geschichtliche und kulturelle Entwicklung etc..

    Abgesehen von der wissenschaftlichen Korrektheit arbeitet man auch denen in die Hände, die in der Vereinzelung des Menschen eine Herrschaftsstrategie sehen, die eine Solidarität von unten gegen die da oben verhindern wollen.

  2. Habe darüber nachgedacht, wie man
    einerseits gemeinsam und öffentlich eine Erinnerungs- und
    Vergangenheitsbewältigungskultur anstoßen,
    andererseits aber der Einzelne mit seinen persönlichen
    Erfahrungen dennoch anonym bleiben könnte

    Eine Tradition solchen Erinnerns könnte entstehen, wenn man
    den Volkstrauertag inhaltlich mit neuem Leben füllt. Wenn dann
    alle von kleinauf ganz selbstverständlich mitmachen, wäre schon
    mal eine gute Grundlage gelegt.

    Ein Katalog von möglichen Kriegserfahrungen mit ihren späteren
    Traumata und ihre Bewältigung, der jedem zugänglich wäre, könnte
    Erinnerungs- und Nachdenkhilfe sein, um eigenes Nachdenken
    und Nachfragen in der Familie anzustoßen.
    Die Katholiken haben/hatten einen Beichtspiegel, anhand dessen
    sie Stichwörter zum Nachdenken über die eigenen Verfehlungen
    erhielten.
    So eine Gedächtnisstütze /-anregung könnte hilfreich sein.

    Die Tradition in Russland, dass das Paar vor der Eheschließung
    das Ehrenmal für die Opfer des Krieges aufsucht, schien mir erst
    befremdlich. Jetzt sehe ich aber darin einen Anstoß für die ’neue
    Verwandtschaft‘, Gespräche darüber zu führen, welche Verwandten
    noch geladen und anwesend wären, wenn sie nicht – direkt oder
    indirekt – Opfer der Kriege geworden wären. Die jeweils andere
    Familie würde erfahren, welche Kriegstoten die Gegenseite zu
    beklagen hat, und so kämen die Familien auch darüber ins Gespräch.

    Ein Anstoß zu einem solchen Gedenktag könnte aus der Friedens-
    bewegung kommen, natürlich zusätzlich zu den spezifischen Anlass-
    Aktionen.

    • Krieg spielen in Syrien nur Show für das dumme Volk

      Das Gezampel zwischen Trump und Putin um Syrien ist nur gespielt und alle untergebenen Politiker auf beiden Seiten machen mit. Zu dieser Erkenntnis muß man gelangen, wenn man sich die leeren Ankündigungen und Drohungen beider Finanz-Oligarchen an denen die „Staats“-Chefs zappeln genauer betrachtet. Beim vorletzten NATO-Angriff mit 59 Marschflugkörpern auf einen syrischen Flughafen blieb die russische Luftabwehr in Syrien deaktiviert, wie auch beim jüngsten westlichen Angriff mit 115 Marschflugkörpern.

      Die Drohung der Russen jeden Marschflugkörper mit ihrer Luftabwehr zu vernichten, sowie jede NATO-Waffenträgerplattform, die Marschflugkörper gegen Syrien verschiesst, zu zerstören ist ebenfalls wieder heiße Luft geblieben, war also wieder mal nur eine erbärmliche Lüge. Nicht ein einziges Bomberflugzeug, Lenkwaffenzerstörer, Lenkwaffenkreuzer, U-Boot oder Flugzeugträger der NATO wurde von den Russen zerstört oder versenkt.

      Das Schickal Syriens ist vermutlich schon längst besiegelt und die Nachrichten-Portale „RTdeutsch“ und „Sputnik“, die übrigens auffällig oft Bildmaterial von REUTERS verwenden, sind immer mehr zu Schein-Propaganda-Gazetten geworden, um den Völkern ein Feindbild, was es so nicht gibt, ins Hirn zu hämmern, obwohl die Ressourcen-Ausplünderung Syriens schon längst beschlossene Sache ist.

      Wenn Russland dem syrischen Volk wirklich opportun wäre, dann hätten die Jagd-U-Boote der russischen Marine die Lenkwaffenzerstörer, Lenkwaffenkreuzer und U-Boote der NATO von denen aus die Marschflugkörper gestartet worden sind, schon längst versenkt. Da sie es nicht getan haben, zeigt mal wieder wie sehr ihnen das syrische Volk ebenso, wie den Zionisten, am Arsch vorbei geht.

  3. Wir fangen also bei uns an.
    Angenommen man macht so um die 40 eine Therapie (Anlässe
    wie Todesfall in der Familie, Trennung/Scheidung, veranlassen
    uns dazu, oder auch eine chronische, unheilbare Erkrankung,
    vielleicht mit psychosomatischen Ursachen).
    Wir setzen uns also mit unseren Traumata auseinander und
    sind so um die 60 so weit, dass wir sagen können wir sind aufgeklärte,
    innerlich freie Menschen.
    Überspitzt gesagt, wir sind o.k. kurz bevor wir ‚ins Gras beißen‘.
    Das ist doch irgendwie unbefriedigend.
    Müsste nicht vielmehr v o r der Partnerschaft, v o r der Elternschaft,
    v o r der Führungs-Leitungsfunktion, v o r der Lehrpraxis an den
    Schulen und Universitäten eine solche Auseinandersetzung mit der
    eigenen Vergangenheit stattfinden?
    Auch und gerade dann, wenn wir ’nicht schwächeln‘?

    • Sehe ich auch so. Daß dies nicht stattfindet, ist ein großer gesellschaftlicher Mangel, der für viel Leid verantwortlich ist. Leider wird die enome Chance, die in einer reflektierenden und solidarischen Gesellschaft liegt, von nur wenigen gesehen. Wir könnten alle glücklich sein, wenn die Gesellschaft auf Konstruktivität und nicht auf Geld ausgerichtet wäre.

    • Auf unserem Planeten tobt ein Krieg der Zins-Befürworter gegen die Zins-Verweigerer

      Außer den kulturellen und sprachlichen Unterschieden sehe ich da ein Problem, daß in den Medien kaum Beachtung findet. Was passiert, wenn Millionen Zuwanderer aus der islamischen Welt, wo Zinsen absolut verboten sind, plötzlich mit unserer westlichen Welt, wo überall Zinsen in den Preisen, Steuern, Mieten und in der Geldschöpfung selbst stecken in Berührung kommen? Wenn das mal gut geht! Die Situation erinnert mich stark an eine Film-Szene mit Otto, der bei einem Kredithai einfach alles unterschreibt ohne zu wissen, was er da eigentlich unterschreibt …

      Banker : „Kein Job, kein Geld, keine Ahnung, wie es weitergehen soll? Da sind Sie genau richtig bei mir. Hier ist Ihr Vertrag!“

      Otto (nimmt den Vertrag und liest) : „Hiermit bestätige ich den Erhalt von viel Geld. Dafür verpflichte ich mich unwiderruflich zu …“

      Banker (unterbricht) : „Das Kleingedruckte sollten Sie besser nicht lesen, mein Freund.“

      Otto : „Ja aber warum denn nicht?“

      Banker : „Das ist schlecht für die Augen.“

      Otto : „Ach so, das ist prima! Ja und jetzt?“

      Banker : „Jetzt bekomme ich noch eine schöne gut leserliche Unterschrift von Ihnen.“

      Otto unterschreibt.

      Der Banker steht auf und holt einen Stapel Geldscheine aus dem Tresor.

      Banker : „Ihr Geld!“

      Otto : „Soviel?“

      Banker : „Nicht ganz! Denn es geht ab : Bearbeitungsgebühr, Stempelgeld und meine Treueprämie.“

      Otto : „Aber das ist alles für mich?“

      Banker : „Und, wenn ich Ihnen noch einen guten Rat geben dürfte. Seien Sie erfolgreich!“

  4. Das ist natürlich der wichtigste Ansatz zur Heilung dieser aus Traumen zusammengeschusterten Welt: Unser aller persönliche Traumata zu bearbeiten. So einfach, so wahr. Wenn Herr Ruppert spricht, berührt mich das, weil ich sein Mitgefühl spüre. Das „Mitleid“ oder „Mitempfinden“ ist überhaupt bei all unserer „Intelligenz“, unserer hoch geschraubten „Intellektualität“ das wichtigste Element. Ohne dieses bewegt sich gar nichts mehr in der richtigen Richtung. Nur durch dieses können sich Traumata wieder auflösen. Wir brauchen am nötigsten unser gegenseitiges Mitgefühl, um zu überleben.
    Unsere gesamte Gefühlswelt ist mit der kulturellen Entwicklung hin zum technischen und technologischen Denken vernachlässigt und sogar letztendlich diskriminiert worden. Diese Welt leidet am meisten durch genau diese Diskriminierung.
    Und das ist deshalb so tödlich, weil das Empfinden ja überhaupt der Urgrund unseres wahren Erlebens ist. Wer sich von seiner Empfindungswelt abkapselt, ist am Absterben und vergiftet mit diesem seelischen „Verwesungsprozess“ seine Mitmenschen mit. Hier schrieb ein user neulich, dass unsere Politiker an „Gehirnverwesung“ leiden. Ja, aber eigentlich muss dieses allgemeine heutige Menschheitsproblem „Gefühlsverwesung“ genannt werden.

    • Lieber Grummel, volle Zustimmung. Das haben ich und andere hier vor ein, zwei Jahren im Zusammenhang mit Mitgefühl für die Tiere auch ausgedrückt. Damals gab es dazu viel Contra von den „Gefühlsverwesten“. Siehe rechts „Top-Beitrag: Von der Würde der Tiere“.

    • Lieber Torsten! Ich weiß. Die Gefühlsverwesung fängt natürlich schon bei der Mitgefühlsverweigerung gegenüber unseren stimmlosen, wehrlosen, unschuldigen Mitgeschöpfen an. Dort wird sie in der Praxis eingeübt- Tag für Tag – und geht dann fast nahtlos über in alle zwischenmenschlichen Bereiche, denn Mitgefühl ist unzerteilbar. Wer sich hier sein Mitgefühl abgewöhnen liess, wird auch dort nicht mehr intensiv mitfühlen können. Erkennst Du mich jetzt?

    • Das Problem ist, daß die Philosophie des Westens schon seit den alten Griechen den Logos, also die Vernunft, über die Emotionalität stellt. Daher ist es in der westlichen Welt auch so angesehen, rational zu denken und zu entscheiden.
      Im mittleren Osten wird viel emotionaler gedacht und gehandelt, was aber genauso negative Folgen haben kann. Hass und Wut sind nunmal auch Emotionen, genau wie Mitgefühl und Liebe. In meinem empfinden, ist es ein Mix aus diesen Philosophien. Mit der Vernunft erkennt man, daß Liebe und Frieden etwas Gutes ist, da dieses schafft, der Hass aber zerstört. Also muss man das was der Gesellschaft hilft, fördern, das was zerstört muss man regulieren oder im Sinne der Emotionen ein geeignetes Ventil schaffen. Denn es ist ein Trugschluss, das Hass und Wut keine Daseinsberechtigung haben.
      Also ist es eine Frage der Ideologie und des Menschenbildes, bzw eine Frage von Wahrnehmung der Emotionen. Wir können die Kriege nur verhindern, wenn wir anfangen die Natur des Menschen anders zu betrachten als stets nur analytisch. Ein „Revival of Instinkt“ das wieder aufleben der Entscheidungen nach Bauchgefühl wurde das gut beschreiben. Dr. Dr. Zitelmann hat da etwas schönes herausgefunden, die meisten superreichen sagen von sich selbst, dass sie die meisten Entscheidungen nach Gefühl treffen. Da diese Menschen damit scheinbar erfolgreicher sind als andere, sollten wir uns das vielleicht zum Vorbild nehmen. Und vor allem sollten wir aufhören fachfremde Personen diese Entscheidungen treffen zu lassen (Bsp Verteidigungsministerium). Außerdem ist es natürlich wichtig eine tatsächliche Demokratie zu installieren. Pro Volksentscheid 🙂

  5. Erst wollte ich widersprechen: Nein! Es sind nicht nur die „Sieger“mächte, die weiter Krieg führen… aber dann hab ich mich eines besseren belehrt, denn schließlich sind die Herrschenden in einem Krieg immer die Sieger und diejenigen aus der Arbeiterklasse, die sich haben hinreißen oder die die Opfer geworden sind, sind schließlich immer die Verlierer…
    Ohne eine föderalistisch, selbst-organisierte weltweit vernetzte Arbeiterklasse, die die Abschaffung der gesellschaftlichen Klassen durch Stand und Eigentum erkämpft, wird es weiter Krieg geben – die Schritte hin zu einem wahren Frieden, auch zwischen Klassen, bedeutet ihre Abschaffung und die Errichtung einer Gesellschaft, die den Namen verdient.

    Bei all der lauen bis mittel-guten Kritik an den Kriegen, die in ihrer Analyse sehr rückschrittlich ist, hier bei KENFM, fehlen die Zukunftsvisionen komplett.
    Man löst sich in Trendworten auf und beschwört immer wieder abstrakte Worthülsen, wie „links“, „rechts“, „Frieden“ und Marx blablabla, aber quer durch die Bank sind die Beiträge hier zu feige und bürgerlich.

    KenFM steht in der historischen Analyse weit hinter den revolutionären Autoren der Weimarer Republik-Zeit zurück.
    Zwar sieht das hier alles schön aus und ist professionell designed, aber sonst kommt da nicht viel an Inhalt. Das meiste zu Israel hat Finkelstein schon gesagt, Lösungen kommen hier auch keine. Und die Gesellschaftsanalyse ist wie gesagt schon bei den Föderalisten Europas vor dem Zweiten Weltkrieg weiter gewesen… hier werden nur Fehler der Linken und der Alternativen Bewegungen wiederholt.

    Ich hoffe für die ganze Kraft und die Kohle die hier reingeflossen ist, dass sich da noch was tut – eine radikale Abkehr von bürgerlichem Neusprech und eine wirklich radikale Zukunfstvision müssen dazu angefasst werden.
    Dieses Rumdümpeln ohne Klassenperspektive und Kampf gegen den Zentralismus in all seinen Schattierungen… das wird über kurz oder lang nur die Menschen wie durch einen Durchlauferhitzer schleusen.
    An dieser Unentschlossenheit werden die Macher und MitarbeiterInnen von KenFM auch letztendlich ermüden.

    • @Jean Heffner, schnallst Du es immer noch nicht? Ach ja, ich vergaß, Du willst es nicht begreifen. Leute wie Du machen mich wütend, weil Leute wie Du immer noch glauben, dass andere zu Deiner Lösung etwas anderes beitragen sollen, als einen Tipp. DU BIST DIE LÖSUNG! Seit Jahren schreiben hier Ke nFM die Schreiber, und bis vor zwei Jahren fast Ken Jebsen ganz llein und ziemlich penetrant, dass kein anderer Deine Probleme lösen kann ausser Du selbst. LÖSUNGEN? Wenn hier Lösungenb beschrieben werden, dann sind hier viele pikiert, WEIL ES NICHT DIE ÜBLICHEN LÖSUNGEN SIND. Nämlich die, dass sie keinerlei eigener Anstrengungsbereitschaft benötigen. Franz Rupert hat die Lösung,. ja sogar Deine Lösung benannt. Aber Du hörst sie nicht, willst sie nicht verstehen. Noch einmal: Du bist die und Deine Methode zur Lösung Deiner Probleme, Und Du bist es selbst dann, wenn die äußeren Umstände so sind, wie sie sind. So, und jetzt kannst Du wieder auf Lenz schimpfen und ihm sonst was vorwerfen. Da bin ich dann aber wie Franz Rupert: es geht mir am sonstwas vorbei, weil nämlich ich mein Leben Problemgelöst habe.

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