Sanders vs Clinton: Politische Revolution gegen den Status Quo?

Sanders vs Clinton: Politische Revolution gegen den Status Quo?

Die von wenigen vorausgesehenen Erfolge von Bernie Sanders bei den Vorwahlen in Iowa und New Hampshire werfen Fragen auf: Kann Sanders in einer korrupten demokratischen Partei überhaupt gegen Hillary Clinton gewinnen? Hätte der selbsterklärte „demokratische Sozialist“ Sanders eine Chance bei den Präsidentschaftswahlen? Und am wichtigsten: macht Sanders einfach nur den Obama und schlägt im Wahlkampf radikale Töne an, um hinterher die Hoffnungen seiner Wähler zu betrügen?

Von Prinz Chaos II.

„There is something going on, and you don’t know, what it is – do you, Mr. Jones?“ – diesen Song von Bob Dylan hörten Bobby Seale und Huye P. Newton rauf und runter, 1968 in einem heruntergekommenen Appartement in Chicago. Sie waren dabei, die „Black Panther Party“ zu gründen: die radikalste schwarze Organisation der modernen US-amerikanischen Geschichte.

„Da draußen passiert etwas und Du weißt nicht, was es ist – oder doch, Frau Clinton?“ – so könnte der Text im Jahre 2016 lauten. Und nicht nur Hillary Clinton scheint dieser Tage fassungslos über das, was in den USA geschieht.

Sozialismus! Natürlich ist das, was Bernie Sanders unter Sozialismus versteht, nicht der Sozialismus von Marx, Engels, Lenin und Rosa Luxemburg. Sander fordert nicht die Enteignung der Produktionsmittel oder eine Rätedemokratie.

Der „Sozialismus“ Marke Sanders entspricht eher der Reformvision der klassischen Sozialdemokratie vor ihrem historischen Verrat: funktionierende soziale Sicherungssysteme, Umverteilung des Wohlstands, eine Steuer auf Börsenspekulation, Abschaffung der in den USA aberwitzig hohen Studiengebühren etc.

Aber immerhin fordert Sanders auch: die Zerschlagung der Großbanken! Er verfolgt eine antimonopolistische Agenda – und dass jemand unter dem Label „Sozialist“ in den USA überhaupt reüssieren kann, ist eine Sensation, auch und gerade innerhalb der Demokratischen Partei.

Und Sanders kommt machtvoll nach vorne. Bei der Vorwahl in New Hampshire holte er 60% der Stimmen, was einen historischen Rekord bedeutet. Der 74jährige gewann dabei 75% der Wähler unter 45 Jahren. Er lag unter Frauen mit 11% vorn Hillary Clinton und gewann überhaupt in jeder demographischen Gruppe – mit einer einzigen Ausnahme: nur Wähler, die mehr als 200.000$ im Jahr verdienen, votierten mehrheitlich für Clinton.

Clintons Kampagne hat derweil massive Probleme. Die Strategie scheint chaotisch. Unter dem Druck von Sanders ist Clinton weit nach links gerückt und kopiert geradezu seine Message. Aber Clinton hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Kann man einer Politikerin, die alleine 2015 mehr als 600.000$ für Reden bei Goldman Sachs und Konsorten eingestrichen hat, zutrauen, den Kriminellen an der Wall Street das Handwerk zu legen?

Die Idee jedenfalls, nur Clinton könne einen Sieg über die Republikaner im nächsten Herbst garantieren, ist zwar populär, aber durch die Daten keineswegs abgestützt. Hillary ist seit Jahrzehnten in der Politik. Aber ihre Beliebtheitswerte sind weit im negativen Bereich, während Sanders als einziger von allen Kandidaten beider Parteien positive Werte aufweist. Auch im direkten Vergleich mit Donald Trump, Ted Cruz und Marco Rubio schneidet Sanders weit besser ab als Clinton.

Vor allem aber kommt es darauf an, wer die bessere Kampagne „on the ground“ hat. Denn das Wahlsystem in den USA ist darauf zugeschnitten, ärmeren Bevölkerungsschichten den Zugang zu den Wahllokalen möglichst zu erschweren. US-Bürger haben nicht einfach Wahlrecht. Sie müssen sich in einem komplizierten Prozess erst als Wähler registrieren. Der Schlüssel zum Obama-Sieg 2008 waren deshalb die Hunderttausenden Freiwilligen in einer perfekt organisierten Kampagne, die Millionen neuer Wähler registrierten und am Wahltag mit Fahrgemeinschaften und Sammeltaxis zu den Wahllokalen mobilisierten.

Obama, 2008… Der Wahlkampf von Bernie Sanders erinnert in vielem an die mitreißende Kampagne des Anfangs unbekannten Senators aus Ilinois. Auch er versprach einen radikalen Wandel, wenn er auch nicht,wie Sanders, eine „politische Revolution“ in Aussicht stellte. Auch Obama finanzierte sich zunächst durch unzählige Kleinspenden – um am Ende die großen Geldbündel der Wall Street in Empfang zu nehmen und Wall-Street-Botschafter wie Timothy Geithner ins Kabinett zu holen.

Wird Sanders die gleiche Nummer abziehen?

Dagegen spricht, dass Bernie Sanders seit Jahrzehnten in der Politik ist und seine Haltungen mehr als einmal unter Beweis gestellt hat. Er hat die Kriege von Bush und Obama ausnahmslos abgelehnt. Seine antimonopolistische Agenda betreibt er seit Jahrzehnten. Er gewinnt seine Wahlkämpfe seit jeher ohne Spenden aus der Großindustrie und dem Finanzwesen.

Einiges spricht dafür, dass Sanders es ernst meint.

Wichtiger als Sanders selbst ist aber sind die gewaltigen Verschiebungen im Diskurs und in der politischen Kultur, die wir derzeit in den USA erleben und denen Sanders Erfolge ein Gesicht verleihen. Was 2008 im Obama-Wahlkampf begonnen und später verraten hat, was mit Occupy Wall Street wieder sichtbar und massenwirksam wurde, bricht sich jetzt auf breiter Front Bahn: die Wut über die Machenschaften des Monopolkapitals!

Diese Stimmung, dass es endlich reicht, schlägt sich nicht nur in den Vorwahlen nieder, sondern etwa auch in Wilden Streiks an den Häfen von New York und New Jersey, in erbitterten Lehrerstreiks in Chicago und einem allgemeinen Aufschwung sozialer Kämpfe. Die afro-amerikanische Community politisiert sich auf breiter Front über den mörderischen Polizeirassismus und die massenhafte Versklavung schwarzer Jugendlicher im privatisierten Gefängnissystem.

Natürlich geht ein großer Teil der Unzufriedenheit auch in eine ganz andere Richtung. Donald Trump und Ted Cruz stehen für eine Politik, die noch die Präsidentschaft des Georg W. Bush in den Schatten stellen könnte. Sie vertreten offenen Rassismus, den totalen Sicherheitsstaat und ein Programm der aggressiven Aufrüstung.

Und es ist keineswegs gesagt, dass Sanders die Nominierung der Demokraten gewinnt. Die Vorwahlen der „Demokraten“ sind alles andere als demokratisch. In New Hampshire holte Sanders 60% und Clinton 38% – aber er bekam dafür nur 15 Delegierte zugesprochen und sie 14…

Die Parteimaschine der Demokraten steht hinter Clinton und wird zu jedem Betrug bereit sein, um Sanders zu stoppen. Und das letzte Mal, als ein erklärter Sozialist bei den Demokraten reüssierte, 1938, als der Schriftsteller Upton Sinclair zur Governeurswahl in Kalifornien antrat, spaltete sich der rechte Flügel der Demokraten ab und verhalf dem Kandidaten der Republikaner ins Amt.

Der Prozess ist also völlig offen und der Ausgang ungewiss. Aber schon das ist, gegen die angeblich „unvermeidliche“ Präsidentschaftskandidatin Clinton, ein unerhörter Erfolg.

Demnächst werden übrigens die etablierten Medien dazu übergehen, auf Sanders einzudreschen. Aber auch in den USA hat sich eine massive, alternative Medienszene im Netz entwickelt. Der progressive Youtubesender „The Young Turks“ von Cenk Uygur etwa hat auf Youtube 2,5 Millionen Abonnenten und eine Gesamtklickzahl von einigen Milliarden. Und das Internet, soviel steht fest, unterstützt im wesentlichen Bernie Sanders.

Es wird spannend, im Herzen der Bestie.

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

8 Kommentare zu: “Sanders vs Clinton: Politische Revolution gegen den Status Quo?

  1. „Amerika darf nicht sozialdemokratisch werden

    Der Sozialist Bernie Sanders mischt den US-Vorwahlkampf auf. Europas überbordender Wohlfahrtsstaat ist sein Vorbild. Sollten nun auch noch die USA diesen Weg einschlagen, hätte das schlimme Folgen.“

    von Dorothea Siems

    Quelle: www.welt.de/debatte/kommentare/article152186101/Amerika-darf-nicht-sozialdemokratisch-werden.html

  2. „Wichtiger als Sanders selbst ist aber sind die gewaltigen Verschiebungen im Diskurs und in der politischen Kultur“

    Genau das sagt Sanders auch selbst. Sinngemäß, es ist völlig egal, wer Präsident wird, das Kapital ist stärker. Lasst uns eine politische Graswurzelbewegung aufbauen. Das ist sehr weit entfernt von dem, was Obama im Wahlkampf gesagt hat.

    https://www.youtube.com/watch?v=j5UUReRUu7s

  3. Macht Sanders den Obama?

    Diese Frage habe ich mir auch gestellt, und zwar fast sofort, nachdem ich überhaupt mitbekommen habe, daß da wieder ein Präsidentenkandidat am Start ist, der den Leuten das Blaue vom Himmel verspricht. Schließlich ist mir nur zu gut in Erinnerung geblieben, wie Obama vor den Wahlen hochgelobt wurde, weil er verprach, „alles“ anders zu machen. Das Fazit seiner nunmehr bald 8 Jahre währenden US-Präsidentschaft: Die Foltergefängnisse gibt es noch immer, es wird weiter gefoltert, weiterhin werden Kriege angezettelt, die Drohnenangriffe haben zugenommen, Whistleblower werden schärfer verfolgt und strenger bestraft und überhaupt hat die Repression in den christlich-fundamentalistischen USA ganz allgemein zugenommen (Liste unvollständig). Die Strategen in den USA wissen ganz genau, wie sie einen Kandidaten zu verkaufen haben. Zudem sind die Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten marginal, die stecken letztendlich aller unter der Decke der global agierenden Finanzoligarchie, die nach der Weltherrschaft greift.

    Man entgegnete mir bei Telepolis, als ich diese Bedenken äußerte, daß Sanders ganz anders sei, was ich schon einmal gehört hatte, als es um die Begeisterung für Obama ging. Das Anderssein von Sanders geben Leute zu wissen vor, die Sanders weder persönlich kennen noch überhaupt jemals in den USA waren und aus meiner Sicht einfach der Wahlpropaganda erliegen. Wenn man das sagt, fühlen sie sich natürlich sofort angegriffen. Das wird wie selbstverständlich abgewehrt, ohne es auch nur im Ansatz einmal in Betracht zu ziehen. So funktioniert das mit den Argumenten, wenn die dargestellte Überzeugung nicht wirklich die eigene, sondern eine mehr oder weniger kritiklos übernommene ist. Kritiklos übernommene Darstellungen, gewöhnlich aus dem Mainstreammedien, dienen den meisten Leuten als Gerüst ihrer nach außen dargestellten Person (= Maske). Deshalb dürfen diese Darstellungen auch nicht kritisiert werden, weil sonst die Maske verrutscht (Schwoaisfuass). Wir spielen nämlich alle Theater, das wußte bereits

    Ich kenne Sanders auch nicht persönlich und kann mir daher nicht einmal ein ungefähres Bild seines Charakters machen. Und in den USA war ich auch noch nie. Aber ich lasse mich auch nicht blenden von Wahlversprechen, dazu bin ich inzwischen zu alt, will ich mal sagen, dazu habe ich viel zu viele leere Wahlversprechen hüben wie drüben miterlebt. Was sollte es mir auch bringen, irgend einer Hoffnung hinterher zu hüpfen, die dann vielleicht doch enttäuscht wird? Hab ich alles schon hinter mir, das dürft ihr mir glauben (müßt es aber nicht).

    Aber ich habe auch noch etwas anderes gelernt aus der jahrelangen Beobachtung der Massenmedien, mehr hüben wie drüben, zugegeben: Wenn du die vordergründige Manipulation einer Nachricht durchschaust, bedeutet das nicht, daß du damit alle mit dieser Nachricht verbundenen Manipulationsversuche erkannt hast. Wie sorgt man dafür, daß ein gut vorbereiteter Typ wie Obama dann auch tatsächlich gewählt wird? Ganz einfach: Man treibt ihm das „Wahlvieh“ regelrecht in die Arme, indem man ihm eine abschreckende Alternative gegenüberstellt. Sanders abschreckende Alternative könnte durchaus Hillary Clinton und Donald Trump heißen. So ist gewährleistet, daß der vorbereitete Kandidat mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnt. Geriete dessen Nominierung dennoch in Gefahr, kann man immer noch die eine oder andere Wahlfälschung/Wahlbetrug durchziehen, wie das bei Bush junior gelaufen ist. Der mußte ja schließlich schon wegen der Vorbereitungen auf den 11. September unbedingt Präsident werden, ohne ihn wäre das nicht gelaufen, da bin ich mir sicher.

    Wie auch bei Telepolis möchte ich hier einen Auszug aus dem Buch „Die Eroberung Europas durch
    die USA“ von Wolfgang Bittner zitieren, um noch deutlicher zu machen, warum ich diese Wahlpropaganda nicht glaube:

    Barack Obama, der einstige Hoffnungsträger, entwickelt sich mehr und mehr zu einer Ausgeburt des Schreckens für die ganze Welt. Waren die Bush-Präsidenten schon furchtbar, scheint er sie inzwischen zu übertreffen. Er wird uns am 3. Juni 2014 vor einem amerikanischen Kampfjet auf polnischem Territorium präsentiert und er warnt Russland vor einer militärischen Intervention gegen westliche Staaten, für die es jedoch keinerlei Anzeichen gibt. Er verspricht eine Milliarde Dollar für die zusätzliche Stationierung von Truppen in osteuropäischen Ländern (in die Destabilisierung der Ukraine wurden bis Dezember 2013 bereits fünf Milliarden Dollar »investiert«), während die Verelendung im eigenen Land zunimmt und die Staatsverschuldung auf die unvorstellbare Summe von 17,8 Billionen US-Dollar angewachsen ist. Er schwadroniert von Freiheit als kostbarem Gut, verspricht Polen, Litauen und Rumänien, die USA als »stärkste Militärmacht der Welt« und die NATO stünden an ihrer Seite. Wir dürfen uns fragen: Zu welchem Zweck? Und was haben Obama und seine Militärmacht in Polen, im Baltikum und in Rumänien zu suchen? Wie kommen die USA und Deutschland dazu, Kriegsschiffe ins Schwarze Meer vor die Küste Russlands zu schicken und dort Manöver abzuhalten? Aber die westlichen Politiker und ihre Sprachrohre verkehren die Tatsachen und sprechen von einer Bedrohung durch Russland.

    Maßgebend ist in allem die US-Regierung, deren katastrophale Außenpolitik zu immer neuen Krisen führt, die dann mit militärischen Mitteln eingegrenzt werden sollen (so auch wieder gegen die sogenannte IS, deren Erstarken die USA erst ermöglicht haben). Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, so schreibt van Wolferen, sei die US-amerikanische Politik eine »Geschichte wirklich atemberaubender Lügen: Über Panama, Afghanistan, Irak, Syrien, Venezuela, Libyen und Nordkorea; ihre Statistik gestürzter Regierungen; ihre geheimen und unter falscher Flagge geführten Operationen; und ihre verstohlenen Besetzungen des Planeten mit einigen tausend Militärbasen.« Das alles werde »praktisch nicht mit in die Betrachtung einbezogen«. Wimmer spricht von »Restbeständen der Demokratie«. Es ist zu befürchten, dass er recht hat. Die US-Regierung mit der Rüstungs- und Erdöl-Lobby im Rücken geht im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen. Aufstände
    in Bahrain werden mit westlicher Waffentechnik niedergeschlagen, Massendemonstrationen in der Türkei sind kaum der Rede wert, Obama lügt und grinst in die Kamera. Und obwohl viele der Lügen entlarvt, viele der Verbrechen aufgedeckt werden, ändert das nichts.

    Nach neueren statistischen Erhebungen machen sich 72 Prozent der deutschen Bevölkerung Sorgen wegen der aktuellen Politik Putins, und 43 Prozent haben Angst vor Russland, was aufgrund der fast einhelligen Medienhetze kein Wunder ist. Aber betrachten wir die Fakten, gibt es heute »gute Gründe dafür, vor den USA Angst zu haben, vermutlich mehr Angst zu haben als vor Russland« – so Albrecht Müller. Er schreibt: »Das hat viel mit der inneren Entwicklung der USA zu tun – mit dem Vormarsch der Neokonservativen und der Rechten im Umfeld der Teaparty. Obama ist der Präsident, aber er bestimmt offensichtlich nicht alleine die Linie der Politik und der damit verbundenen Verlautbarungen. Das Land ist kaputt, voller Gewalt …«

    Der US-amerikanische Soziologe Norman Birnbaum schreibt über den Präsidenten und die USA: »Obama, der in den Anfängen seiner Karriere in Deutschland und Europa so positiv gesehen wurde, ist Gefangener des Imperiums. In gewisser Weise ist er ein widerwilliger (und zunehmend müder) Gefangener. Vielleicht will er sich zu befreien versuchen, vielleicht nicht. Die Frage ist unbeantwortet, aber es ist klar, dass die Europäer (und allen voran die Deutschen) ihm genau dabei helfen könnten, indem sie gegen seinen Rückzug in imperialistische Abenteuer opponieren. Es gibt, selbst in Washington, einen erheblichen Anteil Amerikaner, die eine Demonstration europäischer Unabhängigkeit begrüßen würden.

    Wer mehr von diesem Buch lesen möchte, bevor er sich’s im Buchhandel besorgt, kann es hier als PDF-Datei herunterladen:
    http://www.irwish.de/pdf/Bittner_Eroberung_Europas_durch_USA.pdf

    Für mich besteht kein Zweifel daran, daß es seit Kennedy kein US-Präsidenten mehr hatte, eigenständige Politik zu betreiben. Der jeweilige US-Präsident ist heutzutage nur noch eine Marionette, die in Wirklichkeit nichts zu sagen hat. Tatsächlich bestimmt die Finanzoligarchie, wo’s lang geht. Zur Finanzmafia gehört eindeutig auch der militärisch-industrielle Komplex. Die Mainstream-Medien weltweit gehören weitgehend der Finanzmafia, Print wie Funk. Das Weltbild der Menschen wird noch immer maßgeblich von den Medien bestimmt.

    Die Präsidentschaftswahlkämpfe werden mit Sponsorengeldern der Finanzmafia geführt. Niemand besitzt ein einklagbares Recht auf Erfüllung der Wahlversprechen, auch bei uns nicht, wie uns Frau Dr. Merkel selbstherrlich offenbart hat. Wahlversprechen dienen der Verführung und Überredung. Die Wahlbeteiligung in den USA liegt bei etwas über 50 Prozent. Man hatte mir bei Telepolis zwar versichert und bewiesen, daß Sanders‘ Wahlkampfpropaganda nicht von der Wallstreet finanziert würde, sondern aus unzähligen Kleinspenden, aber das war bei Obama anfangs auch nicht anders. Am Ende hat er daber dann doch die Millionen der Wallstreet genommen.

    Hier noch ein Schmankerl aus den Gleichsatz-Seiten vom Seitenbetreiber höchstpersönlich, der hat’s nämlich auch mehr als faustdick zwischen den Ohren:

    Niemand soll glauben, daß in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts mehr sogenannte Wahrheit für die breite Masse zur Verfügung steht, als in den Jahrhunderten zuvor. Es kursieren zwar jede Menge Daten, aber die sind in der Regel für den Sender viel wertvoller, als für die Empfänger. Wissen hat nach wie vor wenig mit so etwas wie Wahrheit oder Vernunft zu tun, sondern wie zu allen Zeiten weit mehr mit im Grunde ungerechtfertigter Macht. Um Informationen für eine bestimmte Gruppe von Leuten nützlich zu machen, ist es erforderlich, daß dieses Wissen bei einer anderen Gruppe von Menschen Handlungen auslöst, die den Erfolg einer Ansage bestätigen.

    Die Erwerbsdenker geben sich auch gern den Anschein des Wohltäters, um sich ihr Gewissen zu erleichtern, aber allzu tief schürft so ein Gewissen in der Regel nicht. Letztlich findet im gesellschaftlichen Miteinander in weit größerem Maß ein Rekurs auf primitive animalische Überlebensstrategien statt. Wohlwollen und Zuneigung beschränken sich dabei bestenfalls auf private Beziehungen. Von diesem steinzeitlichen Durcheinander profitieren heute, wie zu allen Zeiten, die Mächtigen dieser Erde, denn wo keine Klarheit und damit Verstand herrscht, suchen die Leute ihre Sicherheit in der Macht, bei der richtig und falsch dann weniger eine Rolle spielen, als der Umstand, daß man sich auf das, was passiert, auch verlassen kann. Zuerst kommt das „Fressen“ und dann die Moral, womit sich dann auch problemlos Waffenexporte, irgendwelche „Umweltsünden“ oder sonstige kleinere oder größere „Untaten“ rechtfertigen lassen.

    Eine derartige Tyrannei der Verhältnisse, wie sie eine Politik der Sachzwänge vorgaukelt, hat mit einem demokratischen Gemeinwesen nichts zu tun, denn die Ideale einer moralischen Verfassung sind in einem solchen System nur Fassade und Wolkenkino, in dem der Aberglaube der breiten Bevölkerung an eine im Grunde rationale Weltordnung, die für alle Menschen gleichermaßen gültig ist, zugunsten weniger „Bestimmer“ ausgenutzt wird. Soll eine demokratische Gesellschaftsordnung nicht nur ein täuschendes Manöver einer verschworenen Pseudo-Elite sein, die auf „Erfolg“ geeicht ist, dann muß die große Mehrheit der Staatsbürger über eine Bildung verfügen, die es ihr erlaubt, das für sie relevante Geschehen von betrügerischem Informationsmüll zu unterscheiden. Das gelingt nicht ohne die bewußte Aufarbeitung vieler Widersprüche, von denen die Gesellschaften der westlichen Industrieländer durchsetzt sind und von denen der wirkungsvollste in Form einer logisch-formalen Allgemeingültigkeit kursiert, die aus dem Hut gezaubert ist.

    Weiterlesen und Quelle: http://www.gleichsatz.de/b-u-t/can/sprachk.html

    Bereits Erving Goffman wußte 1959, als er in seinem Buch „Wir alles spielen Theater“ über die Selbstdarstellung im Alltag schrieb, daß die dargestellte Person in der Regel nicht dem dahinter verborgenen Menschen entspricht:
    Wenn der Einzelne eine Rolle spielt, fordert er damit seine Zuschauer auf, den Eindruck, den er bei ihnen hervorruft, ernst zu nehmen. Sie sind aufgerufen zu glauben, die Gestalt, die sie sehen, besitze wirklich die Eigenschaften, die sie zu besitzen scheint, die Handlungen, die sie vollführt, hätten wirklich die implizit geforderten Konsequenzen, und es verhalte sich überhaupt alles so, wie es scheint. Dem entspricht die allgemein verbreitete Meinung, daß der Einzelne seine Rolle für die anderen spiele und seine Vorstellung nur für sie inszeniere. Für unsere Analyse derartiger Darstellungen wird es sich als nützlich erweisen, von der entgegengesetzten Fragestellung auszugehen, und zu untersuchen, wieweit der Einzelne selbst an den Anschein der Wirklichkeit glaubt, den er bei seiner Umgebung hervorzurufen trachtet.
    Da finden wir auf der einen Seite den Darsteller, der vollständig von seinem eigenen Spiel gefangengenommen wird; er kann ehrlich davon überzeugt sein, daß der Eindruck von Realität, den er inszeniert, »wirkliche« Realität sei. Teilt sein Publikum diesen Glauben an sein Spiel – und das scheint der Normalfall zu sein –, so wird wenigstens für den Augenblick nur noch der Soziologe oder der sozial Desillusionierte irgendwelche Zweifel an der »Realität« des Dargestellten hegen.
    Auf der anderen Seite steht der Darsteller, den seine eigene Rolle überhaupt nicht zu überzeugen vermag. Diese Möglichkeit wird daraus verständlich, daß sich kein anderer Beobachter in einer auch nur annähernd so günstigen Lage befindet, das Spiel zu durchschauen, wie derjenige, der es inszeniert. Weiterhin ist es möglich, daß der Darsteller nur mittelbar und zu anderen Zwecken daran interessiert ist, die Überzeugungen seines Publikums zu beeinflussen, so daß ihm letztlich die Auffassung, mit der es ihm und seiner Situation gegenübersteht, gleichgültig ist. Ist der Darsteller nicht von seiner eigenen Rolle überzeugt und nicht ernsthaft an den Überzeugungen seines Publikums interessiert, mögen wir ihn »zynisch« nennen, während wir den Ausdruck »aufrichtig« für Darsteller reservieren, die an den Eindruck glauben, den ihre eigene Vorstellung hervorruft. Wir dürfen nicht vergessen, daß der zynische Darsteller bei allem bestehenden Desinteresse doch auch von seiner Maskerade befriedigt sein kann, wenn er die Tatsache, nach Belieben mit etwas spielen zu können, was sein Publikum ernst nehmen muß, als belebende geistige Aggression erfährt.

    http://www.irwish.de/pdf/Gofman.zip

  4. Ich hoffe auf Sanders, zwar bin ich skeptisch ob das Konzept Sozialdemokratie in den USA eine Chance hat. Ich meine in LA z.Bsp. hat der Bürgermeister gerade ein Programm gegen Obdachlosigkeit am laufen. Er verspricht einen 5 Jahresplan, billigere Wohnungen, mit fetter Presse. Draußen wird der Besitz von Obdachlosen konfisziert und gestohlen, von der Stadtreinigung. Sicher die EU ist auch nicht gerade die Heimat der „Sozialen Wärme“ doch in den USA steht vieles nochmal auf einer anderen Stufe. Z.Bsp. verspricht LA Sanitäranlagen auf großen Parkplätzen, wo Obdachlose dann in ihren PKW schlafen und wohnen können. Soll kein Antiamerikanismus sein, nur eines von vielen Beispielen, dass sich die USA sehr stark von Europa unterscheidet. Bei aller Kritik an Obama, die Idee einer sozialeren Gesunsheitspolitik wäre ja nicht übel gewesen, es war und ist aber schwierig die Amerikaner daovn zu überzeugen.

    Hier mehr zum Thema mit den Obdachosen in LA
    https://www.change.org/p/mayor-the-right-to-thrive-and-better-your-position-if-homeless-f1f74182-ef01-4755-a4fd-4956adabc3f3?source_location=petitions_share_skip

    Ich bin nur froh über jeden Kandidaten der Clinton verhindert, ich habe persönlich nix gegen diese Frau, aber Clinton ist genau eine Figur, die den unkritischen Kuschelkurs der Europäischen Politik und Medienlandschaft noch mehr begünstigen würde. Wie Trump von sich in den USA behauptet, so würde ich sagen Clinton würde in Europa mit einem Mord durchkommen, oder mit vielen Morden.

    Und das traurige, genau jene Medien, die dem Durchschnittsbürger ständig Rassismus und Antifeminismus oder Frauenfeindlichkeit vorwerfen, können es dann Jahrelang nicht fassen, dass ein Schwarzer oder eine Frau auch ein Präsident sein kann. Den meisten Durchschnittsbürgern war das schon seit längerer Zeit klar. Und genau die sind es dann auch, die solche PolitikerInnen oder Personen der Öffentlichkeit vor allem auf Frisur und Kleidung beschränken, das ist bitte KEIN SEXISMUS… Das ist ähm Journalismus.

    Die USA rüstet in Deutschland und in Osteuropa auf, machen auf deutschem Boden viel (Rammstein, und Lagerung von Atomwaffen) was den Menschen in Deutschland nicht passt, ein Präsident der bei den Medien nicht auf dem Schoß sitzt wäre wichtig, damit endlich auch ein Politischer Protest aufsteht. Ich denke mal wären Bush und Rumsfeld noch am Ruder, wären die Berichterstattung und die Proteste viel ausgeprägter.

    Ich kann mich noch erinnern dass ich bei Zeppelin (Caterpillar Vertretung) einmal 4 Stunden warten musste, auf eine Hydraulikschlauchkupplung, weil Linke gegen den Händler des amerikanischen Maschinenherstellers demonstriert haben, weil der Hersteller Maschinen für Pioniereinheiten und das Militär umrüstet (in den USA, Israel und anderswo).
    Kann man ja machen von mir aus, doch heute umgehen Deutsche WAFFENHERSTELLER, das Lieferverbot von DIREKT TODBRINGENDEN SCHUSSWAFFEN in Diktaturen in dem sie dort Niederlassungen gründen oder unter Lizenz fertigen lassen.
    Die Proteste halten sich in Grenzen. Es reicht auch wenn die Frau Verteidigungsministerin (Kitas pflastern ihren Weg) sich um deutsche Kinder kümmert, für die von Uranwaffen verstrahlten Kinder von Basra fühlen sich Medien und Politik nicht zuständig. das ist auch KEIN RASSISMUS, sondern Journalismus

    Die ganzen Medienlandschaft klammert Waffen, Krieg, und Kriegstote aus. Darum bitte liebe Amerikaner, denkt an uns in Europa und wählt nicht Clinton.

    Schöne Grüße

  5. Falls Sanders tatsächlich gewählt werden sollte, was angesichts der Funktionsweise der Demokratischen Partei und der Zuteilung von Wahlmännerstimmen alles andere als transparent und demokratisch abläuft, wird aus meiner Sicht besonders interessant sein, wie er sein Vorgehen gegen die Finanzkonzerne der Wall Street in politische Koalitionen umsetzt. Schon jetzt warnt der CEO von Goldman Sachs vor der Wahl von Sanders, was angesichts der offenen Kritik an deren Geschäftsmodell (Sanders nannte Blankfein selbst eine Charaktermaske für das kriminelle Vorgehen der Finanzkonzerne) nachvollziehbar ist. Ich frage mich auch, ob sich dann die Wahlkampfstrategen von Clinton mit diesen Konzernen, vor denen Clinton ja nachweislich zahlreiche hochdotierte „Vorträge“ gehalten hat, zusammentun werden. Schon jetzt wird Clinton außerordentlich von intransparenten PACs finanziert, Spendensammelstellen, hinter denen sich Unternehmensspenden und Zuwendungen reicher Einzelpersonen verstecken. Sanders hingegen kann auf eine grundlegend crodw-finanzierte Kampagne zurückgreifen. Da es bisher das Finanzierungsmodell der Wall Street war, mögliche Kandidaten vorweg mit Geld zuzuschmeißen, gibt es aus Sicht von Sanders zumindest keine finanzielle Abhängigkeit (was ihn nur in diesem Punkt mit dem Multi-Milliardär Trump gleichstellt).

    Wahrscheinlich steht zu erwarten, dass das Clinton-Lager in den nächsten Wochen vor dem sogenannten „Super-Dienstag“, an dem in vielen Bundesstaaten parallel abgestimmt wird, vor allem nicht-ökonomische Themen platzieren wird. Bislang hielt sie ihre vermeintliche „Erfahrung“ hoch (gerade so, als ob vier Jahre im Außenministerium, das Obama ihr zwangsvermittelt zugestehen musste) irgendeinen Unterschied in der falschen Lagebeurteilung machen. Nun wäre jedoch vorstellbar, dass noch stärker das Thema „Frau als Präsidentin“ hochgehalten wird, nachdem die Kampagne gegen Sanders vermeintlich zu hohes Alter nicht verfing. Wenn alle Stricke reißen, dann wird noch irgendein Sexismus-Vorwurf rausgeholt. Nur eines scheint momentan ungewiss: Ein Vorwurf auf nachrichtendienstlicher Ebene, da Clinton selbst permanent mit ihrer E-Mail-Affäre konfrontiert wird.

    Vermutlich das Militär sogar wenig Probleme mit einem Commander in Chief Sanders, weil dieser sich in der letzten Legislatur zusammen mit John McCain (dem republik. Kandidaten gegen Obama 2008) zusammengesetzt hat, um eine Reform der Kriegsveteranenfürsorge zu bewerkstelligen. Das wird Sanders parteiübergreifend und von Militärvertretern hoch angerechnet. Und wenn man dann noch bedenkt, dass er seine Steuerpläne mit Verweisen auf die Steuersätze unter dem ehem. republikanischen Präsidenten und US-General Dwight D. Eisenhower spickt (Grenzsteuersätze für Top-Einkommen von 90 Prozent), mag bei manchen Wählern eine Erinnerung an die prosperierende Nachkriegszeit durchschimmern.

  6. Zu Ihren Ausführungen bezüglich Trump und Cruz:
    Ich halte es in keinster Weise für gegeben, dass Trump die Politik Bushs fortsetzen würde. Angekündigt, und zwar sehr deutlich, hat er das genaue Gegenteil, nämlich einen pragmatischen Kooperationskurs mit Russland, eine Einbindung Chinas in politischer Hinsicht gegenüber Nordkorea. Trump stimmte übrigens auch gegen den Irakkrieg. Trump steht außenpolitisch für eine wirkliche Alternative zur derzeitigen US-Politik, und das spricht meines Erachtens eindeutig für ihn. Da hierzulande eine richtige Hetzkampagne gegen Trump in den Mainstreammedien läuft, wird das völlig übergangen.
    Ich sehe übrigens weder bei Trump noch bei Cruz Rassismus und halte einen Rassismusvorwurf für ziemlich schwerwiegend, ich finde es fragwürdig, wenn diese ähnlich wie der Antisemitismusvorwurf einfach ‚rausgehauen‘ wird, um politische Gegner zu diskreditieren. Der Rechts-Populismus Trumps ist offensichtlich nicht rassistisch begründet, und Cruz ist zwar ein radikaler Rechtskonservativer, sagt aber ungefähr in jedem zweiten Satz, dass ihm die Verfassung sehr wichtig ist. Sicherheitspolitisch steht Cruz eindeutig und glaubwürdig für das Recht, Waffen zu tragen, und er ist meines Wissens eindeutig gegen die Wehrpflicht. Außenpolitisch polemisiert er gegen ‚radical Islamic terrorism‘ per se und wundert sich regelmäßig, warum die USA diesen nicht ‚beim Namen nennt‘. Nun ja, das könnte daran liegen, dass die aktuelle US-Regierung so wie ein Großteil des Parteiestablishments der Republikaner sehr gerne Bündnisse mit radikalen Islamisten eingeht. Trotz seiner Androhung von ‚Bombenteppichen‘ ist die außenpolitische Position von Cruz keineswegs die gleiche wie die der Bush-Regierung, wobei ich bei Cruz Zweifel habe, ob er diese Linie halten könnte.

  7. Sanders gegen Clinton ist jedenfalls eine sehr viel grundsätzlichere Auseinandersetzung als es auf den ersten Blick scheint. Sanders ist wie Trump ein wirklich unabhängiger Kandidat, er ist nicht einmal Mitglied der demokratischen Partei. Er hat sich wirklich immer weiter ‚durchgearbeitet‘ mit seinen sozialdemokratischen Themen, nachdem er zunächst nach mehreren Versuchen als Bürgermeister politisch ‚anfing‘. Clinton hingegen steht vor allem für die aktuelle Kriegspolitik, die sinnlos-gefährliche militärische Konfrontationspolitik gegen Russland bei gleichzeitigem Bündnis mit massiven Diktaturen und ist eng mit der Wall Street verbunden. Allerdings ist fraglich, ob Sanders außenpolitisch überhaupt vorhat, etwas zu ändern.

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