Schaut nicht auf die Uhr, sondern schaut euch um

von Dirk C. Fleck.

In keinem Land der Welt gibt es pro Einwohner mehr Uhren im öffentlichen Raum als in Deutschland. Was sagt uns das? Dass es zu unseren Grundbedürfnissen gehört, immer zu wissen, was die Stunde geschlagen hat? Wohl kaum. Dass wir ohne die permanente zeitliche Verortung unsere Orientierung verlieren? Ich weiß es nicht. Welche Orientierung gäbe es denn zu verlieren? Es würde ja bedeuten, dass wir ein Ziel hätten, dass wir wüssten wohin die Reise gehen soll.

Mal ehrlich, haben Sie den Eindruck, dass unsere zerrissene, dem Abgrund entgegen taumelnde Gesellschaft ein solches Ziel auch nur ansatzweise ins Auge gefasst hat? Gerechtigkeit zum Beispiel. Frieden mit sich und der Natur. Oder Toleranz und Mitgefühl, um etwas kleinere Brötchen zu backen. Angesichts einer Situation, in der unsere von Psychopathen manipulierte Mediengesellschaft das Wort Krieg wieder prüfend in ihren Händen wiegt wie einen Kohlrabi auf dem Gemüsemarkt, ist der Wille, einen gemeinsamen Weg aus dem Dilemma zu finden, beim besten Willen nicht zu erkennen.

Was also könnte der Grund dafür sein, dass wir Menschen die von unseren Sinnen ganz anders wahrgenommene Wirklichkeit unter einem Zeitraster von Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen, Wochen, Monaten und Jahren ersticken, sie sozusagen in ein DIN-Format pressen, in eine Einheitsnorm, die dem wilden Treiben des Lebens nicht ansatzweise gerecht wird. Warum glauben wir so unerschütterlich daran, dass Zeit eine objektive, messbare Größe ist, während unter den Zifferblättern ein Ozean unterschiedlichster Ereignisse und Empfindungen brodelt, die uns in jedem Moment bestätigen, was der griechische Philosoph Heraklit (520 v. Chr. – 460 v. Chr.) in der populären Kurzformel panta rhei („Alles fließt“) zusammen fasste. „Man steigt niemals zweimal in denselben Fluss,“ lautete seine simple Erkenntnis.

Und tatsächlich ist das Zeitempfinden eines jeden Menschen einzigartig und in keiner Weise mit dem eines anderen Menschen vergleichbar. Für jemanden, der auf dem elektrischen Stuhl schmort, fühlt sich eine Minute anders an als für jemanden, der sich vor dem Fernseher einen Werbespot reinzieht.

Der Autofahrer, der selbst bei Regen eine extreme Bodenhaftung verspürt, nimmt die Sekunden eines Überholvorgangs anders wahr, als sein Hintermann, der in die mit Wasser gefüllten Spurrillen geraten ist und nun die Kontrolle über sein Fahrzeug zu verlieren droht. Wenn zwei nebeneinander sitzende Fußballfans das selbe Spiel sehen, wobei der eine den Abpfiff herbeisehnt, weil sein Team mit einem Tor in Front liegt, während dem anderen die Nachspielzeit nicht lang genug sein kann, ist das Zeitempfinden der beiden zwar aufregend, aber in keiner Weise miteinander vergleichbar. Das gilt für alles, das gilt für jeden, das gilt immer. Man kann neben seiner Freundin bei geschlossenen Augen auf einer Frühlingswiese liegen und im gleichen Rhythmus atmen, wirklich  beieinander ist man in der Außenwelt nie. Es braucht sich nur eine Wespe kreiselnd zu nähern, und schon ist es vorbei mit der meditativen Muße, die allein in der Lage wäre, uns in einen zeitlichen Gleichklang zu bringen. Das passiert aber nicht, selbst wenn die Bedingungen günstig sind. Der Liebsten beginnt nämlich der Magen zu knurren, was ihr peinlich ist. Man glaubt gar nicht, wieviel Aufmerksamkeit und Energie so ein Knurren absorbiert, wie es einen aus der Zeit tragen kann …

„Wie spät ist es, Schatz?“ – „Halb drei.“ – „Dann sollten wir zurück zum Haus, deine Mutter wartet sicher schon“. – „Was?“ wundert sich die Mutter, „ihr seid schon wieder da?! Der Kuchen ist noch im Ofen…“

UND DOCH IST ES IMMER JETZT

Das Licht der Sonne braucht 8 Minuten, um die Erde zu erreichen. Wenn ich die Sonne ansehe, blicke ich also zurück in die Vergangenheit. Merkwüdig, alles braucht seine Zeit und doch ist es immer JETZT. Ich betrachte die Palme, die mir eine Freundin vor acht Jahren geschenkt hat. Damals war die Yucca fünfzig Zentimeter hoch, jetzt stößt sie mit den Spitzen an die Decke. Drei Meter ist sie gewachsen. Seltsam, der Wachstumsprozess war mir zu keiner Zeit bewusst geworden. Die Palme war immer so groß, wie ich sie gerade vorfand. Angenommen, man hätte sie über acht Jahre hinweg gefilmt, dann stünden jetzt 70 000 Stunden Material zur Verfügung. Aufschluss über ihr Wachstum aber gäbe der Film nicht. Eine Menge anderer Dinge würde man in der Wiederholung sehen. Mich zum Beispiel, ich wohne ja hier. Ich würde ständig durchs Bild laufen, man würde mich essen, arbeiten und lieben sehen, man würde Tage und Nächte vorbei streichen sehen, ganze Jahre, immer schön synchron, aber die Palme würde man nicht erblühen sehen. Dazu müsste man den Film durch den Zeitraffer jagen. Erst wenn man die acht Jahre auf eine Stunde verdichtete, könnte man die Yucca wachsen sehen. Das wäre dann immer noch ein bedächtiges Aufbäumen. Zentimeter für Zentimeter würde die Pflanze ihre Größe entfalten, während die reale Zeit zu einem nervösen Lichtgeflacker verkommen wäre. Von mir, die ich mit der Palme gelebt habe, fehlte gar jede Spur. Meine Bewegungen wären nicht registriert. Sie wären allenfalls ein dubioser Nebel, der sich kreisend über das Bild bewegte, ich  wäre ausgelöscht in der Welt des behutsamen Wachstums. Obwohl doch beide, die Pflanze und ich, zwei körperliche Wesen sind, obwohl wir beide in derselben Zeit am selben Ort existieren, wäre ich im Zeitraffer unsichtbar. Für die Yucca bin ich eine Ahnung, ein Hauch, mehr nicht. Sicher gibt es auch für uns Menschen handfeste Wesen, die wir auf Grund ihrer anders gearteten Geschwindigkeit nicht zu erkennen vermögen, während sie ihrerseits ganz praktisch mit uns umgehen. Wir nennen sie Geister…

Das Zeitraster, das wir unserer schillernden und nicht zu fassenden, weil im stetigen Wandel befindlichen Wirklichkeit übergeworfen haben, schafft seine eigene Realität. Das hilft uns, den Apfel vom Baum zu pflücken, den wir fürs überleben brauchen, wie der Quantenphysiker Walter Thurner sagt. Realität kommt vom lateinischen Res – das Ding. Der Mensch lebt in einer dinglichen Wirklichkeit. Aber die Wirklichkeit ist viel mehr als das.

Die Uhren hingegen lehren uns, dass das Leben linear verläuft. Daran glauben wir, daran halten wir fest, damit lässt sich alles berechnen und steuern, was unsere leistungsorientierte Konkurrenzgesellschaft an Willfährigkeit braucht, um weiter funktionieren zu können.

NICHTWISSEN – DER ZEMENT DER WAHRHEIT

Unsere Kultur (kann man überhaupt von einer solchen sprechen?) kennt keine Geheimnisse mehr. Der französische Dramatiker Antonin Artaud (1896 – 1948) unternahm 1936 eine Reise nach Mexiko, wo er einige Monate bei den Tarahumara-Indianern lebte. In seinem Buch „Revolutionäre Botschaften“  schreibt er: „Die Kultur ist ein raffinierter Erguss des Lebens im wachen Organismus des Menschen. Und das Leben – noch nie hat jemand sagen können, was das ist. Wenn man also versichert, im Menschen blühe ein ewiger Geist der Kultur, läuft das auf die Feststellung hinaus, der Mensch wisse nichts von den Quellen seines wahren Lebens. Gerade diese Demut bildet die Grundlage des Wissens. Mehr noch als Wissen stachelt Nichtwissen an, denn es legt eindringlicher als alles andere nahe, sich vor  Täuschungen in acht zu nehmen. Das Nichtwissen, aber ein erleuchtetes und bewusstes Nichtwissen, ist der Zement der Wahrheit“.

Wow! Dann lasst uns doch mal eine Kelle bewusstes Nichtwissen auf die Wahrheitsplastik klatschen. Die Zeit verläuft nicht linear, behaupte ich mal, sie ist kein Bindfaden, auf den wir die Daten unserer Geschichte aufreihen.

Die Zeit ist eine Kugel. Wenn eine Seele nach einem neuen Körper angelt, kann sie die Zeit betreten, wo sie will. Ich persönlich mag die Zeit nicht. Sie ist ein Parasit, sie braucht den materiellen Nachschub, damit sie überhaupt sichtbar wird.

Sie hängt den Körpern und Dingen wie eine Würgeschlange um den Hals. Im Meer der unendlichen Möglichkeiten, wie die Quantenphysik das allumfassende Ganze nennt, in dem alles gespeichert ist, was jemals von irgendeiner Kreatur gedacht oder gefühlt wurde oder noch gedacht oder gefühlt werden wird, spielt die Zeit keine Rolle, nicht die geringste.

„Das Leben zeichnet sich durch ständige Veränderung aus. Das gilt auch für unser Denken. Es ist häufig ebenso kurzlebig, ambivalent, kreativ und voller Möglichkeiten wie die Elementarteilchen,“ sagt Christine Mann, zweitjüngste Tochter des Physiknobelpreisträgers Werner Heisenberg, in ihrem Buch „Es werde Licht“. Das Buch, das sie zusammen mit Frido Mann, dem Enkel des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, geschrieben hat, will sie die Quantenphysik ins Zentrum einer neuen Gesellschaftsphilosophie rücken.

Ich formuliere da etwas schlichter. Der Tipp an meine Zeitgenossen lautet: Schaut nicht auf die Uhr, sondern schaut euch um. Schaut genau hin, denn bald gibt es euch nicht mehr. Nicht in dieser Form. Dann ist die Chance dahin, eure Seele mit purer irdischer Schönheit zu füttern und damit euch selbst. Denn eines ist klar: ihr lebt nicht in eurem Körper, euer Körper lebt und stirbt in euch. Und was er an Sinneseindrücken liefert, bestimmt die Leichtigkeit eures jetzigen und zukünftigen Seins.

EPILOG IN STICHWORTEN

Zeitabschnitt, Zeitachse, Zeitalter, Zeitansage, Zeitarbeit, Zeitdokument, Zeitdruck, Zeiteinheit, Zeitenwende, Zeitfahren, Zeitgeist, Zeitgeschäft, Zeitgeschmack, Zeitgewinn, Zeitlupe, Zeitnehmer, Zeitnot, Zeitpunkt, Zeitraffer, Zeitrahmen, Zeitrechnung, Zeitspanne, Zeitstudie, Zeitvertreib, Zeitzeuge, Zeitzone, keine Zeit haben, kommt Zeit komm Rat, zeitgenössisch, zeitgemäß, zeitgeschichtlich, zeitgleich, zeitlebens, deine Zeit ist gekommen.
ALLES EINE FRAGE DER ZEIT …

+++

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

+++

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

19 Kommentare zu: “Schaut nicht auf die Uhr, sondern schaut euch um

  1. Man muss Zeit musikalisch sehen. Die Tonika ist Nichts und Alles. Ein Ton beginnt und endet kugelförmig im Raum, seine Frequenz verhält sich als Ganzes zu seinen Teilen. Die Tonika sieht aus wie eine Uhr mit 5 Oktaven à 12 Tönen. Rhythmus verdichtet sich zeitlich als Frequenz. Polyrhythmen bilden Harmonien. Auf der Uhr entsteht um kurz nach 7 eine dominante Quinte in perfekter Harmonie. In perfekten Die Uhr zählt Rhythmen: Lichtjahre, Stunden, Sekunden, Nanosekunden…egal, Hauptsache die Verhältnisse stimmen.

    • Kennen Sie „Kosmischer Humanismus und Welteinheit“ von Oliver L. Reiser, 1978?, Fischer TB.
      Kapitel: Sphärenmusik und der Spiralpfad. Die Musik des Leuchtenden Fremden.

  2. Die „Entseelung“ dieser Zivilisation wurde wahrscheinlich mit der Erfindung des mechanischen Uhrwerks im 17. Jahrhundert von Europa aus besiegelt. Fritjof Capra in seinem Buch „Wendezeit“(aus den 1980ern):

    „Vor 1500 betrachtete man in Europa und in den meisten anderen Zivilisationen die Welt organisch. Die Menschen lebten in kleinen, zusammenhängenden Gemeinschaften und erlebten die Natur als organische Beziehungen, charakterisiert durch die wechselseitige Abhängigkeit spiritueller und materieller Phänomene und die Unterordnung der Bedürfnisse des einzelnen unter die Gemeinschaft….Diese mittelalterliche Anschauung änderte sich im 16. und im 17. jahrhundert radikal. Die Vorstellung von einem organischen, lebenden und spirituellen Universum wurde durch das Bild von der Welt als Maschine ersetzt, und die Weltmaschine wurde zur Metapher der modernen Ära. Diese Entwicklung ergab sich aus revolutionären Entwicklungen in der Physik und Astronomie, die in den großen Leistungen von Kopernikus, Galilei und Newton ihren Höhepunkt fanden. Die Wissenschaft des 17. jahrhunderts beruhte auf einer neuen Forschungsmethode, die von Francis Bacon nachdrücklich verteten wurde, und zwar unter Einbeziehung der mathematischen Naturbeschreibung und analytischen Denkmethode, die der Genius von Descartes ersonnen hatte. In Anerkennung dieser ganz entscheidenden Rolle der Naturwissenschaft, die diese weitreichenden Wandlungen in Gang brachte, bezeichnen die Historiker das 16. und 17. jahrhundert als das Zeitalter der Wissenschaftlichen Revolution.“

    Der Physiker Capra schrieb sein Buch „Wendezeit“ in den 1980er Jahren und verknüpfte es merklich mit der Hoffnung, dass diese notwendige Wende nun eintreten werde. Sicher hat die weiterhin katastrophale Entwicklung seitdem nicht seinen damaligen Vorstellungen und Hoffnungen entsprochen und vielleicht würde er heute über die Geschichte der Wissenschaft ein wenig anders schreiben, wenn auch seine damalige Beschreibung der Fakten der Wirklichkeit entsprach. Weiter schreibt er:
    „Auf Kopernikus folgte Johannes Keppler, ein Wissenschaftler und Mystiker, der nach der Harmonie der Sphären suchte und nach mühevoller Arbeit mit astronomischen Tabellen seine berühmten empirischen Gesetze von der Bewegung der Planeten formulierte, die ihrerseits das Kopernikanische System stützten.
    Der Wirkliche Wandel in der Wissenschaftlichen Weltanschauung war jedoch das Werk von Galileo Galilei, der schon als Entdecker der Fallgesetze berühmt war, als er sich der Astronomie zuwandte. (….) Um es den Wissenschaftlern zu ermöglichen, die Natur mathematisch zu beschreiben, forderte Galilei sie auf, sich auf das Studium der wesentlichen Eigenschaften materieller Körper zu beschränken- Formen, Zahlen und Bewegung-, die gemessen und quantifiziert werden konnten. Andere Eigenschaften, wie etwa Farbe, Klang, Geschmack oder Geruch, waren für ihn nur subjektive Projektionen des Geistes, die aus dem Forschungsbereich der Wissenschaft ausgeschlossen werden mussten.“

    Diese Strategie hat sich zwar in der Entwicklung der modernen Technik und der Technologien als äusserst nützlich erwiesen, aber auch einen hohen Tribut verlangt, den der Psychiater H.D. Laing z.B. so kommentiert:
    „Dahin schwinden Sicht, Klang, Geschmack, Berührung und Geruch, und mit ihnen sind seither dahin Ästhetik und moralische Empfindsamkeit, Werte, Qualität, Form; dahin sind auch alle Gefühle, Motive, Absichten, Seele, Bewusstsein, Geist. Die Erfahrung an sich ist aus dem wissenschaftlichen Bereich ausgestossen worden.“ Seiner Ansicht nach hat kaum etwas (…) unsere Welt so verändert wie die Besessenheit der Wissenschaftler von Berechnungen und Quantifizierungen.“

    Zu der Besessenheit von der Zeitbemessung fiel mir gerade noch ein kleiner Spruch ein, von wem auch immer er geprägt worden sein mag:

    ALS DER MENSCH DIE Zeit ZU Geld GEMACHT, HAT DER TEUFEL HELLE AUFGELACHT.

    • „…I now can see that it was Heisenberg who planted the seed that would mature , more than a decade later, in my systematic investigation of the limitations of the Cartesian world view. „The Cartesian partition“, wrote Heisenberg, „has penetrated deeply into the human mind during the three centuries following Descartes, and it will take a long time for it to be replaced by a really different attitude toward the problem of reality.“
      Aus Fritjof Capra, Uncommon Wisdom, Conversations with Remarkable People“. (Heisenberg, Krishnamurti, Geoffry Chew, Gregory Bateson, Stanislav Grof, R.D.Laing, Carl Simonton, Margret Lock, E.F. Schumacher, Hazel Henderson…).
      Auch aus den 80ern, ebenso: „The Tao of Physics“.

      Von einer Erkältung sagt man, sie komme drei Tage, bleibe drei Tage und gehe drei Tage. Danach kann es noch einige Jahrhunderte dauern. Hoffen wir, der Vergleich mit einer Erkältung hinkt.

    • Das „Tao der Physik“ war das Herzenswerk Capras. „Wendezeit“ hater auf Anraten seines Verlegers geschrieben und ich finde, dass dieses Anraten sehr gute Gründe gehabt haben muss, denn hier wird ein wichtiger Teil unserer Europäischen Geistesgerschichte beschrieben, den ich so nirgends anders gefunden habe. Vielleicht der Wichtigste überhaupt. Nur schade, dass sich heute nicht mehr mit all dem auseinander gesetzt wird, was da beschrieben ist. Das „Tao der Physik“ geht mehr punktuell auf die tieferen Erkenntnise der Physik ein und offenbart uns, dass unsere bekanntesten Physiker um Einstein mit ihrer „Neuen Physik“ nur eine uralte Erkenntnis wiederbelebt haben, die in der fernöstlichen Philosophie, in den altindischen religiösen Schriften, schon längst Gewissheit gewesen war. Der ewig tanzende Gott Shiva z.B. symbolisiert diese unergründliche und unanhaltbare Bewegung des Lebens, die unsere Physiker bei der Spaltung des Atoms entdeckt hatten, was ihnen zunächst „wie den Boden unter den Füssen wegzog“. Dieser „Boden“ war aber der fundamentale Irrtum der westlichen Welt gewesen, die im späten Mittelalter glaubte, die Welt, das ganze Weltall, sei eine Art Mega-Maschine, zusammengesetzt von „Gott“ aus den „Gottesteilchen“, von denen man dachte, dass sie die letzten, festesten unteilbaren Materieteilchen seien. Leider hat sich dieser fundamentale Irrtum scheinbar bis heute immer noch nicht kollektiv herumgesprochen, denn man behandelt in der Wissenschaft die Welt und sogar das ganz offensichtlich empfindsame Leben in ihr immer noch so, als ob es alles in erster Linie Materie sei.
      Man könnte dies als das „satanische Prinzip“ bezeichnen. Dieses „satanische Prinzip“ findet sich z.B. ganz deutlich bei 2 der einflussreichsten Denker des 17. Jahrhunderts, die ich aus meiner heutigen Sicht als Psychopathen bezeichnen muss: Francis Bacon Renee Descartes.
      Hier Originalaussagen als Beispiele, Capra schreibt, bei aller Anerkennung der denkerischen Leistungen Bacons auch folgendes über ihn:
      Die Ausdrücke, mit denen Bacon seine neuen empirischen Forschungsmethode empfahl, waren nicht nur leidenschaftlich, sondern oft richtig gehen bösartig. Nach seiner Ansicht sollte man die Natur „auf ihren Irrwegen mit Hunden hetzen“, man sollte sie „sich gefügig und zur Sklavin machen“. Man sollte sie „unter Druck setzen“ und das Ziel des Wissenschaftlers sei, „die Natur auf die Folter zu spannen, bis sie ihre Geheimnisse preisgibt“.
      Viele von diesen brutalen Bildern scheinen von den Hexenprozessen inspiriert zu sein, von denen es viele zu Lebzeiten Bacons gab. Als Generalstaatsanwalt von König James I. war Bacon mit diesen Hexenprozessen sehr vertraut, und da die Natur allgemein als weibliches Wesen angesehen wurde, überrascht es gar nicht, dass er seine im Gerichtssaal verwendeten Metaphern auch auf seine wissenschaftlichen Schriften übertrug. In der Tat erinnert seine Anschauung von der Natur als einem weiblichen Wesen, dem man seine Geheimnisse mittels mechanischer Folterwerkzeuge entreissen müsse, stark an die weit verbreiteten Folterungen von Frauen in den Hexenprozessen des frühen 17. Jahrhunderts.
      So ist das Werk von Bacon ein hervorragendes Beispiel für den Einfluss patriarchalischer Verhaltensweisen auf das wissenschaftliche Denken.
      So weit Capra.
      Viel mehr noch denke ich, dass die patriarchalische Unterdrückung des Weiblichen bis heute noch längst nicht kollektiv bewusst ist, geschweige denn, aufgearbeitet. Es ist den meisten Menschen gar nicht bewusst, dass wir bis heute in einer vom patriarchalischen Denken verzerrten Welt leben.
      Anstatt immer wieder bis zum Überdruss das 3. Reich und die bösen Nazis für „erhellende“ Diskussionen aufgetischt zu haben, hätte man besser diese Energie schon längst dafür verwenden sollen, den wahren Grund dessen zu erforschen, was wir heute „Faschismus“ nennen und in kleingeistiger, oberflächlicher Weise meistens nur mit einem verirrten und als nützlichen Idioten benutzen Psychopathen namens Hitler in Verbindung bringen. Erschreckend billig das.

    • Renee Descartes hat seine „wissenschaftlichen Erkenntnisse“ nicht minder mit Blut besudelt, als Francis Bacon.
      Sein Spruch, dass das Jaulen eines Hundes nichts anderes sei als das Quitschen von Rädern ist ja bekannt. Weniger bekannt ist wohl , dass er selber blutige, tödliche „wissenschaftliche Expeimente“ an Hunden durchführte.
      „Wenn man bei einem lebenden Hund die Spitze des Herzens abschneidet“ schreibt er, „und den Finger von unten dort hineinsteckt..“usw. Es kann einem dabei als Leser nur noch übel werden. Aber er beschreibt es so, als ob das von allgemeinem Interesse sein müsse und jeder das gern auch mal ausprobieren würde.

    • Es fällt auf, dass patriarchalische Unterdrückung ihre Heimat sehr oft in der Compania Jesu hat. Auch Descartes war Jesuitenschüler. Diese Art von patriarchalischer Unterdrückung wirkte weltweit und nicht nur als Unterdrückung des Weiblichen. Patriachalische Unterdrückung des Weiblichen hat ihren Ursprung m. E. in der nicht endenden Adoleszenz des Mannes. Da bin ich sehr einverstanden mit Branko Bokun, Man: The Fallen Ape. Er postuliert, dass wir Nachkommen einer inferioren Spezies von Primaten sind, wobei Woman ihren Ursprung in einer anderen Spezies hat und eher überlebt – solange Woman der Versuchung männlicher Abstraktion widersteht. Sie fanden in Wendezeit, was Sie woanders nicht fanden. Ich denke, mit diesem Buch wird es Ihnen ähnlich gehen. Sicher gibt es auch eine deutsche Übersetzung. Meine englische Ausgabe ist von 1979. Ein interessantes Buch, für Männer UND Frauen: Sam Keen, Feuer im Bauch. Zitat: „Das grösste unterentwickelte Land der Welt liegt in der Psyche erfolgreicher Männer.“

    • Ich glaube nicht, dass männliche und weibliche Ausführung unserer Art verschiedenen Ursprungs sind. Und die patriarchale Gewaltherrschaft gab es schon lange vor dem Christentum. Am allerwenigsten hat sie mit Jesus von Nazareth etwas zu tun, denn das war soz. ein „matriarchaler“(=gleichheitlich denkender) Mensch. Die patriarchale Gewaltherrschaft tauchte überall dort auf, wo aus irgend welchen Gründen die Menschen es für nötig hielten, Krieg zu führen. Schon die vedische Kultur in Indien war eine Pyramide patriarchaler Herrschaft mit der Priesterkaste an der Spitze. Und ebenso Ägypten und Kulturen davor. Ich finde es schade, dass sich nirgendwo ernsthaft Gedanken um ihre Entstehung in der Welt gemacht wird und so getan wird, als sei sie ein zwingendes Naturgesetz(oder auch gar nicht erst vorhanden). Wenn wir zu den Wurzeln des Faschismus vordringen wollen, dann müssen wir schauen, wer wo und warum in dieser Welt unterdrückt wurde und wem die Herkunft des Bösen angedichtet wurde. Das ist eigentlich ganz einfach: zuunterst rangieren diejenigen Lebewesen, die sich am wenigsten wehren können und das sind erst einmal die Tiere. Um etwas permanent zu unterdrücken, muss man einüben, es als minderwertig oder schlecht anzusehen. Das nächst Folgende, was sich schlechter wehren kann als der Mann, ist die Frau. Bei beiden kann man diese Schlecht-und Minderwertigmachung durch die gesamte bekannte Menschheitsgeschichte verfolgen, bis heute, wie z.B. im immer noch frauenfeindlichen Islam. Im Christentum trieb sie mit der Hexenverfolgung im Mittelalter ihre vermutlich giftigste Blüte, wo bei vor keiner noch so primitiven, ungerechten und unlogischen Verteufelung zurückgeschreckt wurde. So wurden die Brüste der Frauen z.B. nicht selten als „Teufelskugeln“ bezeichnet. Dass die Frau die sündhafte Verführerin sein soll, ist ja schon im AT in der Paradiesgeschichte manifestiert worden von denjenigen mächtigen Männern, die die „Heiligen Schriften“ in Auftrag gegeben hatten.
      Anscheinend war in der Welt, die wir bisher kennen, der Trieb zu Herrschaft und Gewalt dem ebenso natürlichen menschlichen Bedürfnis zur Entwicklung seiner Geistesgaben seit mindestens 10 000 Jahren immer wieder überlegen. Man verortet den Ursprung dieses Zerstörungstriebes heute oft und gern bei unseren Vorfahren, den Primaten. Man geht also davon aus, dass es etwas zwingend natürliches sei. Ich sehe das aber eher so, dass äussere Umstände Primaten oder Menschen in Gewalthandlungen treiben können. Die angebliche Aggressivität, die man bei Schimpansen z.B. beobachtet haben will, wurde in der Regel in von Menschen besetzten und kontrollierten Reservaten beobachtet. Ebenso besteht beim Menschen die Möglichkeit, dass Überbevölkerung bzw. Nahrungsknappheit wegen Dürren oder Eiszeiten zu diesem Drang nach Eroberungskriegen geführt haben könnten. Oder sogar Phronschaft durch Außerirdische. Wir wissen es nicht. Aber es werden auch wenig Anstrengungen gemacht, diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Zum Beispiel wird die Matriarchatsforschung, die mehr Licht in diese Vorzeiten bringen könnte, bis heute behindert und diskriminiert. (Buch:“Die Diskriminierung der Matriarchatsforschung – eine moderne Hexenjagd“.)

    • @ Manni
      Sie sollen ja auch nicht „glauben“, „dass männliche und weibliche Ausführung unserer Art verschiedenen Ursprungs sind“. Das ist ja nur eine These von Branko Bokun, basierend auf Indizien, wie alle anderen Thesen vom Ursprung des Menschen und des Universums, die immer wieder überprüft werden durch neue Thesen.
      Ein paar Anmerkungen noch:
      1. Eine Aussage über die Jesuiten beinhaltet keine Aussage über Jesus. Der Name Jesus wurde nicht nur von den Jesuiten gebraucht und missbraucht, im Guten wie im Bösen.
      2. Eine Aussage über die patriarchalische Herrschaft durch Jesuiten schließt nicht aus, dass es andere Formen von patriarchalischer Herrschaft lange vor den Jesuiten und Jesus gab. Das gab es, und ich denke mit Branko Bokun (und anderen, welche diese These teilen), dass dies der unvollendeten Adoleszenz, dem Nicht-Erwachsen-Werden des Mannes, geschuldet ist, wie ich schon sagte. An dieser Stelle möchte ich noch hinzufügen, dass Frauen (Mütter und Ehefrauen) daran nicht ganz unbeteiligt sind! Und das bietet die Überleitung zu
      3. Zu historischen Matriarchat-Systemen gibt es m.W. auch nur historische Überlieferungen, die ähnlich zu lesen sind wie Übersetzungen aus dem Griechischen/Lateinischen zur Jesusgeschichte (Erasmus erinnerte daran, dass Griechisch die Ursprache der Bibel ist). Thesen stehen jüngere Fakten gegenüber: Ehefrau von Nicolae Ceausescu, Ehefrau von Mao , Ehefrau des albanischen Enver Hoxha. Nicht zu vergessen: die Frauen der RAF und die Frauen der gegenwärtigen Politik (unsere Kriegsministerin) und Frauen im Management. Und nur noch ein Beispiel aus der Geschichte: Kleopatra. Die Liste liesse sich leicht verlängern.
      4. Klar wird Matriarchatsforschung diskriminiert. Aber mit Hexenjagd lässt sich eben Geld verdienen: Von denen, die Diskriminierung anmahnen sowie von denen, die sie betreiben.

    • Tony, wenn Sie schreiben, dass es auffällt, dass patriarchalische Unterdrückung sehr oft in der Compania Jesu ihre Heimat habe, so ist das deshalb falsch, weil patriarchale Unterdrückung seit Beginn dieser Zivilisation existiert und natürlich immer besonders stark, wo diese Macht durch kollektive Glaubensbereitschaft-oder -Erzwingung möglich gemacht wird. Wenn Sie da die Compania Jesu herausgreifen, ist dies zumindest sehr missverständlich und musste korrigiert werden. Heute fällt z.B. die Frauenunterdrückung immer noch am meisten in der islamischen Kultur auf. Woanders hat man wenigstens eine ansatzweise Überwindung hinbekommen, denn unbestreitbar haben die Frauen in den christlichen Kulturen mehr Rechte, als die Frauen im Islam. Und dies haben wir nicht zuletzt dem Einfluss eines Erleuchteten zu verdanken, nämlich Jesus von Nazareth.
      Was die ursprünglich menschlichen Qualitäten betrifft, schließe ich maßgebliche graduelle Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowieso aus. Da brauchten sie die Negativ -Beispiele gar nicht anführen, das ist ja offen sichtlich für jeden klarsichtigen, halbwegs informierten Menschen. Es ist ja auch nicht so, dass die sog. „patriarchalische Unterdrückung“ etwa nur Frauen unterdrückt. Sie ist einfach die Grundform des Fachismus und Faschismus unterdrückt alles, was unterdrückbar ist. Zum Beispiel auch und vor allem das menschliche Zartgefühl, das, was wir im Grunde mit dem Wort „Menschlichkeit“ ausdrücken. Im Grunde unterdrückt also die Menschheit sich selbst, stranguliert sich selbst. Und das ist ja eben das Rätsel.

  3. Zeit totschlagen! Eine der vielen dummen Sprüche „unserer“ Zeit, die sich selbst als christlich, aufgeklärt, zivilisiert, modern bezeichnet. Es ist jedoch die Zeit, die den Tsunami ins Meer zurückholt, das Feuer löscht, das Beben der Erde, den Sturm der Lüfte, Ende und Anfang, Leben und Tod, beherrscht. Die Zeit: die Mächtigste aller Gewalten. (Daher wird es wohl auch nie wirkliche Zeitreisen geben, also nicht solche wie unsere Geschichten von Vergangenheit und Zukunft).
    „Es ist immer dasselbe, Lebendes wie Totes, Waches wie Schlafendes, Junges wie Altes. Das eine schlägt um in das andere, das andere wiederum schlägt in das eine um.“ „Sie verstehen nicht, wie das Auseinandergehende mit sich selbst zusammengeht: gegenspännige Zusammenfügung wie von Bogen und Leier.“ – Heraklit, 5. Jh. v. Chr.

    „Dank“ sei der Christianisierung der (griechischen) Heiden, dem Gregorianischen Kalender, der protestantischen Ethik…
    Der Mensch soll nicht philosophieren, er soll glauben: an die eine und einzige Theologie, an das Opfer am Kreuz, daran dass er die Zeit, Gegenwart und Zukunft, beherrscht; dass er Ewiges Leben im Jenseits für gläubiges Leben im Diesseits „erntet“. Das Kreuz sollte uns jedoch besser mahnen, wozu wir fähig sind, wenn wir glauben, alles beherrschen zu können und zu müssen. Dieses „Macht Euch die Erde untertan!“

    Was täten die Menschen, wenn sie erkennen würden, dass es keine Gegenwart und keine Zukunft gibt? Dass alles Werdende im Augenblick des Werdens vergeht. Auch wir. Wie sähe unsere Welt aus, wenn die Menschen täglich mit diesem Bewusstsein lebten? Vielleicht gäbe es dann wieder mehr philosophische Heiden und weniger christliche und sonstige Gläubige.

  4. Da Sie hier u.a. die Tarahumaras erwähnen, hätten wir auch etwas beiztragen und zwar aus dem Büchlein „Geheimarchiv der Ernährugslehre“ von Dr. Ralf Bircher(einem verwandten von Max Bircher -Benner).
    „Im WENDEPUNKT(Mai 1970) erschien ein kurzer Bericht über das Tarahumara-Phänomen…Inzwischen ist die Originalveröffentlichung eingetroffen, die wir vom Autor – William R. Hood, Ph.D., University of Oklahoma Health Centre- erbaten. Wird sie im „Geheimarchiv“ landen oder doch vielleicht endlich ein Anstoß für die so arg überfällige Wandlung der offiziellen Ernährungslehre werden? …“ (natürlich ist auch dieser Bericht aus der breiten Öffentlichkeit verschwunden.).
    Die Tarahumara leben hauptsächlich von Mais und Böhnchen- der uralten Idio-Kost Mexicos. Fleischnahrung bildet eine seltene Ausnahme(z. B. bei Festen) und Molkereiprodukte kommen gar nicht vor.
    Trotzdem, besser gesagt, gerade deshalb, sind diese Menschen, deren Männer in der Regel nicht mehr als 60 Kilo wiegen, zu körperlichen Leistungen fähig, die locker mit denen unsrer bekanntesten Höchstleistungssportlern mithalten können, ein Beispiel: „Sie halten häufig „Fußball-Rennen“ ab. Zwei Mannschaften rennen im Wettbewerb
    miteinander 24 bis 48 Std. ohne Rast und Unterbrechung hinter dem Ball her und legen dabei bis zu 300 Kilometer zurück…
    Es ist etwas Gewöhnliches, wenn ein junger Mann eine Zentnerlast auf dem Rücken 177 Kilomenter weit(in 70 Std,)trägt und wenn ganze Familien 250 km wandern, um einen Besuch zu machen oder an eiiner Fiesta teilzunehmen. Auch Frauen und Kinder nehmen an solchen Leistungen teil: ein 15jähriges Mädchen gewann ein 65km-Rennen. Dabei führen diese Rennen über äusserst rauhe Gebirgspfade auf und ab, und ist solche Leistungsfähigkeit keineswegs auf die erste Lebenshälfte beschränkt. Ein 43.jähriger rannte eine solche Gebirgsstrecke von 65 km in 6 Std. und 52 Minuten. Es ist da etwas ganz gewöhnliches, wenn Erwachsene derartige Gebirgsstrecken mit einer Stundengeschwindigkeit von 10 -13 km hinter sich bringen.
    Diese Leistungen(aus reiner Freude an der Bewegung vollbracht) sprengen nach BALKE&SNOW alle bisherigen Begriffe von menschlicher Fähigkeit über längere Strecken und machen eine Revision der physiologischen Begriffe über die Höchstleistungfähigkeit des Menschen nötig.“

    Man kann nur daraus schliessen, dass unsere Ziviisationskost mit täglich Fleisch und Milchprodukten nicht der Kräftigung des menschlichen Organismus dient, sondern vielmehr eine Belastung und somit Schwächung für ihn bedeutet. Und diese Tarahumaras sind natürlich nicht das einzige Volk, das solche erstaunlichen Beweise von Gesundheit und Körperkraft aufweist bei veganer Alltagskost. Man hat z.B. das Blut von alten Männern eines so lebenden Volkes im Himalaya untersucht und festgestellt, dass die Werte vergleichbar waren mit den Blutwerten von jungen Männern aus westlichen Industriestaaten.

    • Ralph Bircher schreibt dazu zuletzt noch:
      „Die vorliegenden Befunde und Hypothesen sind natürlich ein erster Anfang. Es gälte nun, sich dahinter zu machen. Aber daran hat freilich weder die Physiologie der Konsumgesellschaft, noch irgend eine Nahrungsmittelindustrie noch ein Chemie-Konzern irgend ein Interesse. Der Anstoß müsste von der WHO kommen…“

  5. Was ist Zeit wenn der Mensch als ein Lebewesen sie als das Bewusste wahrnimmt nicht existiert? Nichts? Da wir aber existieren und sie auch bewusst wahrnehmen (Sonnenaufgang, Sonnenuntergang,Tage, Monate, Jahreszeiten), scheint die Zeit alles zu sein.
    Wie kann etwas Nichts und zugleich alles sein? Ein Relativum Mysterium.

    Zeit ist wie das Wasser, man kann sie in Einheiten definieren, von der kleinsten Attosekunde bis zu Äonen oder Unendlichkeit, beim Wasser von der Molekularstruktur hin zum Glas Wasser, zum Fluss, See bis hin zum Ozean.
    Die Zeit kann langsam fließen oder zu reißenden Fluss werden. Manchmal als stiller Ozean und dennoch oft zum wütenden Ungeheuer der stürmischen See werden.
    An der Zeit kann es nicht liegen, dass ich mich der Natur entfremde, sondern vielmehr meine Ansichten oder Absichten.
    Will ich in den wüteden Stromschnellen des Zeitflusses, entweder gegen schwimmen oder von ihm mitgerissen werden, dann steige ich in diesen hinein (sollte ich auf heilsamer weise davon gerettet worden sein, so steige ich als vernunftbegabter Mensch dort kein zweites Mal hinein). Ich kann aber auch so gut in die Stille des ruhigen Ozeanes hineintauchen und in der endlosen Ruhe schwimmen, mich in Gelassenheit umhüllen und im Seelenfrieden treiben lassen.

    Als Wesen mit Bewusstsein kann ich sowohl eine definierte Einheit als Hilfsmittel für meine Lebensorientierung nutzbar machen als auch in meiner Verwirrung und Entfremdung mich darin verfangen und diese definierte Größe zur absoluten Bestimmung über mein Leben geschehen lassen.
    Was heilsam und was krank macht, wissen Einige bewusst und viele ahnen es unbewusst.

  6. „Die Planeten in unserem Sonnensystem, die Sterne und sogar der leere Raum dazwischen – alles ist erfüllt von Leben und Bewusstsein. Dreidimensionales Leben ist universell gesehen als Ausnahme zu betrachten, nicht als Regel.»

    Christina von Dreien

    *****************************

    „Time is on my side.
    …..
    Because I got the real love“,

    tönte vollmundig einer der rollenden Steine.

    ************

    Wunderbarer Weckruf, Ihr Text, Herr Fleck.

  7. Während in Deutschland über die Zeit abgestimmt (!) wird, werden europäische Truppen zur größten nachkriegs Manöver-Übung an die östliche Nato-Grenze verlegt. Deutschland mit der stärksten Gruppenbeteiligung! Starkes Deutschland- armes Deutschland.

    Tolle Demokratie in unseren ach so freiem Land. Wir sollten über die Zeit nach denken in der wir leben.
    Es ist unsere Lebenszeit die wir zur Verfügung stellen und uns für falsche Interessen anbieten.

    • Berlin (dpa)
      Die Bundeswehr schickt 8000 Soldaten, etwa 100 Panzer und insgesamt mehr als 2000 Fahrzeuge in das vielleicht größte Nato-Manöver seit dem Ende des Kalten Krieges.

      Damit zählt Deutschland zu den größten Truppenstellern bei der Übung «Trident Juncture» mit insgesamt mehr als 40.000 Soldaten aus etwa 30 Nato- und Partnerstaaten. Die Übung soll vom 25. Oktober bis 7. November in Norwegen stattfinden. Beim letzten vergleichbaren Großmanöver der Nato war die Bundeswehr 2015 nur mit etwa 3000 Soldaten vertreten.

      Wegen «Trident Juncture» (Dreizackiger Verbindungspunkt) steigt die deutsche Beteiligung an internationalen Übungen in diesem Jahr auf die Rekordzahl von 12.000 Soldaten – das sind drei Mal so viel wie im vergangenen Jahr. Die Kosten für die Übungen liegen nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums bei 90 Millionen Euro.

      Anfang September beteiligt sich die Bundeswehr auch wieder an einem von den US-Streitkräften geführten Manöver, das auf besonders viel Kritik aus Moskau stößt: «Rapid Trident» (schneller Dreizack) in der Ukraine. Dort werden allerdings nur maximal fünf deutsche Soldaten für die Leitung und Auswertung der Übung eingesetzt, die ganz im Westen der Ukraine in der Nähe von Lemberg stattfindet. Insgesamt sind 14 Länder mit rund 2300 Soldaten beteiligt.

      Die Nato hat ihre Übungen seit Beginn der Ukraine-Krise 2014 massiv ausgebaut. Sie dienen auch der Abschreckung Russlands, durch das sich vor allem die östlichen Nato-Mitgliedstaaten Polen, Estland, Litauen und Lettland bedroht fühlen. Mit Norwegen findet die diesjährige Nato-Großübung «Trident Juncture» in einem der fünf Mitgliedstaaten statt, die an Russland grenzen. Ob es die größte Nato-Übung seit dem Ende des Kalten Krieges werden wird, ist noch nicht klar. 2002 fand mit «Strong Resolve» (Starke Entschlossenheit) ein Manöver in derselben Größenordnung statt.

      Moskau hat seine Übungen in der Nähe zum Nato-Bündnisgebiet seit 2014 ebenfalls verstärkt. Für Aufsehen sorgte vor einem Jahr das Manöver «Sapad» in Weißrussland, das an die Nato-Staaten Litauen, Lettland und Polen grenzt. Nach russischen Angaben waren 12.700 Soldaten beteiligt, nach westlichen Zählungen waren es 60.000 bis 80.000.

      Bei «Trident Juncture» erwartet die Nato derzeit mehr als 40.000 Soldaten, etwa 120 Flugzeuge, 70
      dpa-Meldung:

      Schiffe und bis zu 10.000 Fahrzeuge. Die Planungen laufen bereits seit Januar 2017. Dass die Bundeswehr so stark beteiligt ist liegt daran, dass sie ab Anfang 2019 die Führung der schnellen Eingreiftruppe der Nato (Very High Readiness Joint Task Force – VJTF) übernehmen soll.

      Deswegen sind allein mehrere tausend Soldaten der Panzerlehrbrigade 9 aus dem niedersächsischen Munster dabei. Sie wollen nach jetzigem Stand 30 «Leopard 2»-Kampfpanzer, etwa 75 Schützenpanzer der Typen «Marder» und «Boxer» sowie zehn Panzerhaubitzen 2000 mitnehmen. Die Bundeswehr stellt aber auch 1000 Gebirgsjäger aus dem bayerischen Bischofswiesen, die in dem Manöver die feindlichen Streitkräfte darstellen sollen.

Hinterlasse eine Antwort