Schöne neue Bitcoin-Welt | Von Rüdiger Rauls

Ein Standpunkt von Rüdiger Rauls.

Der Bitcoin eilt von einem Hoch zum andern. Erdacht als demokratisches Zahlungsmittel, ist er zum Spielball einer Elite von Spekulanten geworden.

Kinderjahre

Als Folge der Finanzkrise, die im Jahre 2007 begonnen hatte, erblickte der Bitcoin Ende 2008 das Licht der Welt, von Sathoshi Nakamoto aus der Taufe gehoben. Unter der Bezeichnung „Peer-to-Peer Electronic Cash System“ sollte er eine demokratische Alternative zum bestehenden Geldsystem sein.

Am Anfang stand eine Idee. Um es biblisch auszudrücken: „Am Anfang war das Wort.“ Tieferes Verständnis über Kapitalismus und das Geldsystem wurde ersetzt durch Idealismus. Man sah, dass „Banken und gar ganze Staaten durch ein falsch gestricktes Geld- und Finanzsystem wankten“(1). Sie waren nicht die einzigen, die sich diese Verwerfungen mit dem Augenscheinlichen erklärten, dem Geldsystem. Dieser Glaube wurde verstärkt durch die Geldschwemme, mit der die Märkte geflutet wurden zur Rettung der Banken.

Doch trotz dieser Bedrohung, die vom Geldsystem auszugehen schien, atmete die Menschheit nicht auf, als ihr im Bitcoin eine Alternative angeboten wurde. Der Idealismus der Wenigen kam in der Realität der Vielen nicht an. Im März 2010 gab es eine erste Notierung des Bitcoins. Sein Wert in Dollar betrug damals nur 0,003 Cent (2). Es gab also wenig Bereitschaft, den Dollar, auch wenn er auf noch so tönernen Füßen stand, gegen eine Währung zu tauschen, die sich als Alternative zum kapitalistischen Geldsystem verstand.

Im Februar 2011 wurde dann erstmals ein Dollar für den Bitcoin bezahlt und in 2013 waren es bereits einhundert Dollar. Der Bitcoin fand zunehmend Interesse. Aber er war keine Alltagswährung wie Dollar oder Euro. Dafür waren die Kursschwankungen zu hoch und die Zahlungsabwicklung zu umständlich.

Nicht alltagstauglich

Denn für den Alltagsgebrauch der meisten Menschen waren Dollar, Euro und all die herkömmlichen Währungen nicht durch den Bitcoin zu ersetzen. Wie bedeutungslos er für die überwiegende Mehrheit der Bürger war, zeigte sich am ersten Warenaustausch, der auf Bitcoin-Basis stattgefunden hatte. Am 22. Mai 2010 wurden für 2 Pizzen 10.000 Bitcoin gezahlt.

Den Normal-Bürgern brachte die Alternativ-Währung keinen Vorteil gegenüber denen des eigenen Währungsraums. Denn alle Waren und Leistungen des täglichen Bedarfs waren mit den herkömmlichen Währungen leichter abzuwickeln und inzwischen bieten auch die Geschäftsbanken Echtzeit-Überweisungssysteme an, die den Zahlungsverkehr enorm beschleunigt haben. Bei den meisten Verbrauchern besteht nicht einmal für das viel diskutierte digitale Geld der Zentralbanken Nachfrage.

Das Argument vieler Inflationstheoretiker, dass es aufgrund von Entwertung für das Geld nichts mehr gebe, geht an der Wirklichkeit vorbei. Obwohl diese das Geld als wertlos bezeichnen, erhält der Konsument weiterhin für dieses Geld alle Waren und Dienstleistungen, die er für seinen Lebensunterhalt braucht. Insofern ist die Behauptung des Wertverlustes sachlich falsch. Denn angesichts fallender Inflationsraten verliert nicht das Geld an Wert, sondern gerade die Waren, für die immer weniger Geld gegeben werden muss.

Für die überwiegende Mehrheit der Menschen ist die Währung ohnehin egal, solange sie ihre eigentliche Funktion erfüllt, die Sicherstellung des Warenaustauschs und die damit verbundene Sicherung der Lebensgrundlagen. Meistens sind sie sowieso nicht in der Lage, über das verfügbare Einkommen hinaus Rücklagen oder Vermögen zu bilden. Das aber erst wäre die Voraussetzung, um in Bitcoin wie auch in andere Anlagen zu investieren.

Investieren und spekulieren kann nur, wer über den Alltagsbedarf hinaus noch finanzielle Überschüsse hat. Angst um den Wertverlust des Geldes hat nur, wer für sein Geld immer weniger Zinsen bekommt, und nur wer Vermögen hat, sucht nach Möglichkeiten, dieses gegen die sogenannte Inflation zu sichern oder es durch Investition zu vermehren. Den Vermögenden geht es also mit der alternativen Währung wie mit den herkömmlichen Geldanlagen auch: Sie suchen nach Anlagemöglichkeiten angesichts des Anlagenotstandes, der durch den Verfall der Zinsen und Renditen entstanden war.

Spekulationsobjekt Bitcoin

Hatte es sich bei den ersten Erwerbern von Bitcoin noch weitgehend um Idealisten gehandelt, die ein Projekt unterstützen wollten, so entwickelte sich bald auch eine kleinere Gemeinde erster Spekulanten. Sie waren denjenigen, die sich mit dem Thema beschäftigt hatten, auch vielleicht von der Idee begeistert waren, aber auch die ersten Wertsteigerungen des Bitcoin bereits mitverfolgt hatten.

Mit steigenden Notierungen wuchs das Interesse der Anleger. Im November 2017 erreichte der Bitcoin erstmals die 10.000-Dollar-Marke. Von da an fand er die breitere Aufmerksamkeit von Investoren und Spekulanten, auch wenn die erste Spekulationswelle bald darauf zusammenbrach. Bis zum Ende des Jahres 2018 kam die Alternativ-Währung auf Werte um die 4.000 Dollar zurück.

Aber der Bitcoin war in der Welt, auch wenn er in der Praxis für die meisten Menschen kaum zu gebrauchen war. In der Hoffnung auf eine Erholung der Kurse hatten viele Investoren ihre Bitcoin gehalten. Indem er aber trotz dieses Einbruchs nicht von den Finanzmärkten verschwunden war, hatte er diese erste Bewährungsprobe bestanden. Zunehmend wurden nun auch große Adressen auf ihn aufmerksam.

Angesichts der ausufernden Geldmengen rückte ein Vorteil des Bitcoin immer mehr in den Vordergrund: Seine Bestände waren aufgrund des unterlegten Algorithmus auf 21 Millionen Stück begrenzt. Er kann demnach ähnlich wie Gold und im Gegensatz zum Geld der Zentralbanken nicht beliebig vermehrt werden. Wenn auch schon ein großer Teil dieser Maximalmenge geschaffen worden ist, so ist mit dem Schürfen des letzten Bitcoin erst um das Jahr 2150 zu rechnen. Es liegen also noch weit über hundert Jahre an sicheren und stabilen Verhältnissen vor den Investoren.

Der aktuelle Anstieg des Bitcoin zu immer neuen Höchstständen ist vom Einstieg großer Adressen und Investorengruppen geprägt. Mittlerweile hat er eine Marktkapitalisierung von über einer halben Billion US-Dollar erreicht und bewegt sich damit, wäre er ein Staat, an 26. Stelle des Brutto-Inlands-Produktes aller Nationalstaaten, noch vor Österreich.

Dieser Zustrom von Investorengeldern erfolgt einerseits als Direkt-Investitionen. Namhafte US-Unternehmen haben erhebliche Mengen an Bitcoin erworben: der amerikanische Versicherer MassMutual für 100 Millionen US-Dollar, der Hedgefonds Guggenheim für 500 Millionen US-Dollar oder aktuell der Nachkauf vom Krypto-Vermögensverwalter Grayscale über 542 Millionen. „Praktisch täglich kaufen institutionelle Investoren auf der ganzen Welt die Bitcoin-Bestände leer“(3).

Darüber hinaus bieten auch immer mehr Banken und Investment-Gesellschaften Derivate auf den Bitcoin an. Sie ermöglichen es Kleinanlegern unter geringerem Kapitaleinsatz, als es der direkte Kauf von Bitcoin darstellt, an der Goldgräberstimmung teilzunehmen. Die Nachfrage steigt und treibt angesichts des knappen Angebot den Preis des Bitcoin in jenen Währungen hoch, die er eigentlich hatte überflüssig machen sollen.

Entgegen den gut gemeinten Absichten seiner intellektuellen Väter ist der Bitcoin zu einem bevorzugten Spekulationsobjekt geworden. Die Ideale kommen nicht an gegen die Gegebenheit der Realität. Diese zu erkennen, ist die Grundlage für die Veränderung der Verhältnisse, nicht das Ausdenken idealistischer Modelle.

Um es wieder mit der Bibel auszudrücken: Das Wort ist Fleisch geworden. Der Investor erkannte, dass eine Idee Rendite brachte, sie blieb nicht länger nur eine gutgemeinte Idee. Der Bitcoin wirft nun auch Dollars ab. Darauf kommt es Investoren an. Sie wollen keine Alternativ-Währung, sie wollen Rendite. Dabei spielt das Mittel, mit dem diese Rendite erwirtschaftet wird, keine Rolle. Es kann eine Alternativ-Währung sein, notfalls sogar die Werke von Marx, Engels und Lenin, wenn sie sich nur gut verkaufen lassen.

Kapitalismus setzt sich durch

Aber auch in anderer Hinsicht wird offensichtlich, dass der Bitcoin den hehren Idealen seiner intellektuellen Väter immer weniger gerecht wird. Selbst in der Schöpfung des Bitcoin, dem sogenannten Mining, setzten sich die Mechanismen des kapitalistischen Wirtschaftssystems durch.

Der Miner wird für Rechenoperationen bezahlt, die zur Schaffung von Blöcken führen, aus denen sich dann wieder eine Blockchain zusammensetzt. Diese stellt eine fälschungssichere und zugleich transparente Dokumentation von wirtschaftlichen und administrativen Vorgängen dar wie Verträgen, Bank- und anderen Geschäften, Beurkundungen usw. Mit jedem neuen Block werden auch Bitcoins geschaffen. Diese werden demjenigen Miner zugesprochen, der als erster einen neuen Block in die Blockchain eingefügt hat.

In den Kinderjahren des Bitcoin war es noch unter geringen Kosten möglich, mit der entsprechenden Software Bitcoin zu schürfen – sozusagen im Home-office. Um jedoch den Anstieg der Bitcoin-Menge aus Angst vor Inflation zu verlangsamen, halbiert der Bitcoin-Code in regelmäßigen Abständen die Entlohnung für die geleistete Arbeit. Dieses sogenannte Halving führt dazu, dass der Ertrag pro geschürftem Block von 50 Bitcoin in der Anfangszeit auf derzeit 6,25 Bitcoin zurückging.

Somit sank mit jedem Halving der Preis für die erbrachte Rechenleistung, während die Kosten der Rechenarbeit gleich blieben oder sogar noch stiegen. Was also gut gemeint war, wirkte sich zum Nachteil derjenigen aus, die die Arbeit erbrachten. Zudem stieg mit der Bekanntheit des Bitcoin und seinem Preis auch die Zahl der Miner. Die Erhöhung der Produktionskapazitäten durch die Zunahme der Miner führte zu einem Absinken von Ertrag und Produktivität für den einzelnen.

Um weiterhin profitabel zu sein, geschah, was in jedem herkömmlichen kapitalistischen Unternehmen auch geschieht, wenn der Ertrag der Arbeit sinkt, man investiert und erhöht damit die Produktivität, den Ertrag der Arbeitskraft. Das ist ein Vorgang, der im Kapitalismus unumgänglich ist, unabhängig von moralischen und idealistischen Vorstellungen. Wer in der Konkurrenz mithalten will, muss die Produktivität erhöhen oder scheidet aus dem Markt aus. Das ist die bittere Wahrheit des kapitalistischen Systems.

Dementsprechend rüsteten auch die Miner ihre Hardware auf. Zuerst kamen schnellere Grafikkarten zum Einsatz, die durch mehr Rechenoperation höhere Blockzahlen und Bitcoin-Erträge schufen. Später sprangen die Computerhersteller auf den Bitcoin-Zug auf und boten eigens für das Mining hergestellte ASIC-Rechner an.

Diese verdrängten die frühen Formen des Mining, das sogenannte CPU- und GPU-Mining, die heute praktisch ausgestorben sind. Der weitere Konzentrationsprozess führte zur Errichtung von Mining-Farmen, die sich nur die Kapitalkräftigen leisten konnten. Derzeit rüsten „große Player wie Riot Blockchain und Marathon ihre Mining-Hardware-Bestände aggressiv auf“ (4).

Der Konzentrationsprozess im Bitcoin-Mining schreitet also voran entsprechend der kapitalistischen Logik. Damit unterscheidet sich die Gesetzmäßigkeit der Bitcoin-Produktion, der eigentlich als Alternativmodell angetreten war, nicht von den Gesetzen in den restlichen Bereichen des kapitalistischen Produktionsablaufs.

Kopfgeburten

Der Bitcoin war geschaffen worden als Reaktion auf die Geldschwemme der Notenbanken, die nach den Theorien der Wirtschaftswissenschaften, der herkömmlichen wie auch der alternativen, zwangsläufig zur Inflation führt. Nun ist es aber gerade der Bitcoin selbst, der mit seinen gewaltigen Preissteigerungen auffällt. Wenn man Inflation als Preissteigerung versteht, so sind nirgendwo die inflationären Tendenzen stärker als bei dem Medium, das sich gerade einer solchen Entwicklung entziehen und sie bekämpfen wollte.

Nun werden einige Verschwörungstheoretiker dahinter sicher wieder Anhaltspunkte für das Wirken von Eliten und ihren hinterhältigen Plänen zur Erringung der Weltherrschaft und Versklavung der Menschheit finden. Angesichts der kapitalstarken Investoren, die sich nun des Bitcoins bemächtigen, wären solche Sichtweisen sogar nachvollziehbar.

Aber das grundlegende Problem ist das mangelnde Wissen über Inflation, Geldsystem und das Funktionieren des kapitalistischen Systems (5). Seltene Einigkeit besteht unter den Inflationstheoretikern darüber, dass Inflation ein Problem der Geldmenge ist. Diese Theorie war abgeleitet worden aus der deutschen Inflation des Jahres 1923. Sie scheint auch heute noch zu stimmen für Länder wie Zimbabwe, Venezuela und andere. Hier herrschen tatsächlich inflationäre Inflationsraten.

Aber in den entwickelten kapitalistischen Staaten ist die Entwicklung gerade umgekehrt. Trotz der ausufernden Geldmengen stagnieren die Inflationsraten oder sinken gar, in Japan sogar seit über dreißig Jahren. Das ist mit der herkömmlichen Inflationstheorie nicht zu erklären. Diesen offensichtlichen Widerspruch scheinen die Hohepriester der Inflation von Ernst Wolff bis zu Hans-Werner Sinn nicht zu erkennen oder wollen ihn nicht wahrhaben. Stattdessen malen sie weiterhin das Menetekel der nahenden Inflation an die Wand – und das nun schon seit über zehn Jahren.

Inflation hat nur vordergründig mit Geldmengen zu tun. Es scheint so, weil Geldmengen ansteigen. Jedoch hat das derzeitige Geldmengenwachstum in den entwickelten kapitalistischen Staaten andere Hintergründe als das des Deutschen Reichs von 1923 oder solcher Staaten wie Zimbabwe und Venezuela heute (6).

Die Geldmenge in den entwickelten Staaten steigt, weil die Notenbanken die Konjunktur stützen müssen. Sie glauben, dass höhere Geldmengen die Banken zu höherer Kreditvergabe anregen, wodurch die Investitionstätigkeit der Unternehmen wächst. Diese Argumentationskette hatte bei den ersten Wirtschaftskrisen nach dem Zweiten Weltkrieg scheinbar gestimmt, führte sie doch zu einer Ausweitung der Produktionskapazitäten.

Kapitalistische Realität

Heute aber besteht das Problem der Unternehmen nicht mehr in den ungenügenden Produktionskapazitäten zur Bedienung der Marktnachfrage. Heute besteht das Problem vielmehr in der mangelnden Marktnachfrage. Die Ausweitung der Produktionskapazitäten hatte im Verlauf der Jahre zu einem Überhang des Angebots über die Nachfrage geführt. Die Märkte sind gesättigt. Die Wirtschaftskrisen des Kapitalismus sind Ergebnis von Überproduktion, nicht von Mangel.

Weitere Investitionen in den Aufbau von Produktionskapazitäten führte unter diesen Umständen nur zu weiterem Überangebot, verbunden mit nachlassender Rendite. Da können die Zinsen noch so niedrig sein, kein Unternehmer investiert nur um der niedrigen Zinsen willen, wenn keine Aussicht auf angemessenen Ertrag auf einem Markt besteht. Je höher der Produktionsausstoß, der einen Markt überflutet, um so mehr neigen die Preise zum Nachgeben. Das ist so bei Brötchen. Das ist aber auch bei Kapital so.

Je mehr Geld die Notenbanken in den Markt pumpen, je mehr Kapital die Banken für Kredite vorrätig halten, um so mehr sinkt der Brötchenpreis der Banken, der Zins. Das ist die aktuelle Lage in den entwickelten kapitalistischen Staaten, die sich fundamental von denen von Staaten wie Venezuela, Zimbabwe und anderen unterscheidet.

Das Kapital der Banken trifft hierzulande auf gesättigte Märkte. Die Unternehmen investieren weniger als an Kapital zur Verfügung steht. Da aber Regierungen und Notenbanken in der Steigerung der Investitionstätigkeit der Unternehmen den Ausweg aus der Krise sehen, erhöhen sie ständig die Dosis der Kapitalinfusionen. Der Kapitalismus beginnt zu hyperventilieren, und Abhilfe ist mit den bisherigen Mitteln der Krisenbewältigung nicht in Sicht. Da hilft auch kein Bitcoin.

Da die Nachfrage vonseiten der Märkte gemessen an den Produktionskapazitäten zu niedrig ist, sinken die Preise der Verbrauchsgüter tendenziell. Das äußert sich in Preisnachlässen bei höherwertigen Produkten wie Autos, aber auch in den Rabattschlachten der Discounter, Supermärkte und Warenhäuser sowie in der Flut von Sonderangeboten und Anlässen für Sonderangebote. Damit sinken die Preise im Warenkorb der Inflationsberechnung und in deren Folge die Inflationsraten. All das hat mit der Geldmenge wenig zu tun.

Bewusstsein statt Idealismus

Wie das Beispiel des Bitcoin zeigt, lassen sich die Wirkkräfte des Kapitalismus auch mit noch so ausgeklügelten Modellen, Konzepten, Ideen, also mit der Kraft des Intellekts, nicht austricksen. An den Triebkräften des Kapitalismus kommt innerhalb des kapitalistischen Systems niemand vorbei. Wer glaubt, den Kapitalismus mit den Mitteln des Kapitalismus überwinden zu können, täuscht nicht nur sein Publikum sondern auch sich selbst.

Es ist nicht klar, in wieweit bei den intellektuellen Väter des Bitcoin antikapitalistischer Idealismus eine Rolle gespielt hat. Sollte es aber der Fall gewesen sein, so muss festgestellt werden, dass der Kapitalismus dieses Projekt voll und ganz unter seine Kontrolle gebracht hat. Auch wenn seine Erschaffer anderes wollten, der Bitcoin war von Anfang an ein Spekulationsobjekt, eine Kopfgeburt. Denn für die Realwirtschaft hatte und hat er so gut wie keine Bedeutung. Diese funktionierte trotz ausufernder Geldmengen weiterhin mit den altbekannten Währungen.

Kapitalismus ist nicht mit Moral, Empörung oder intellektueller Überlegenheit zu überwinden, sondern nur mit einem anderen politischen Bewusstsein, das sich auf das Wissen über die gesellschaftlichen Zusammenhänge und die inneren Triebkräfte des Kapitalismus stützt. Das bedarf der materialistischen Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse. Wunschdenken ist da fehl am Platze.

Aber das Wissen alleine genügt nicht, es bedarf auch einer gesellschaftlichen Kraft, die sich auf dieses Bewusstsein gründet. Diese Kraft sind nicht die Alternativen und Intellektuellen sondern die wenig beachtete und teilweise verachtete Mehrheit der Gesellschaft, die werktätige Bevölkerung. Wenn sie sich auch selbst nicht dieser besonderen Stellung bewusst ist, so ist sie doch aufgrund ihres Fachwissens alleine in der Lage, die gesellschaftlichen Funktionen aufrecht zu erhalten.

Quellen und Anmerkungen:

  1. Mmnews: Bitcoin über 100-000?
  2. Mmnews: Bitcoin über 100-000?
  3. btc-echo: Bitcoinkurs explodiert über 28.000- Dollar-Marke
  4. bitcoin-echo: Bitcoin-Rausch: BTC Miner verdienen eine Million US-Dollar pro Stunde
  5. siehe dazu Rüdiger Rauls: Irrlehren der Wirtschaftswissenschaft
  6. siehe dazu Rüdiger Rauls: Wie funktioniert Geld?

Rüdiger Rauls Buchveröffentlichungen:
Krieg um Syrien
Wie funktioniert Geld?
Kolonie Konzern Krieg – Stationen kapitalistischer Entwicklung
Zukunft Sozialismus oder die Grenzen des Kapitalismus
Die Entwicklung der frühen Gesellschaften-Die Geschichte Afghanistans
Was braucht mein Kind?
Späte Wahrheit (Prosa)

Herausgeber von:
Imre Szabo: Die Hintermänner ( ein politischer Krimi)
Imre Szabo: Die Unsichtbaren ( ein politischer Krimi)

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle:   Iaremenko Sergii/ shutterstock

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21 Kommentare zu: “Schöne neue Bitcoin-Welt | Von Rüdiger Rauls

  1. Peter Mallm sagt:

    Ich werde es immer wieder sagen, trotz aller Lobpreisungen auf Krypto Währung(en), die in sie gesetzt Erwartungen nicht erfüllen können. Ein clever ausgedachtes System, dessen Initiatoren aber vollkommen verschleiern, daß mit den immer weiter ansteigenden Anforderung an IT Power nicht anderes geschaffen wird als dezentrale KI-Steuerungszentralen. Insofern ist der Artikel auch wieder nur eine lange und ausführliche journalistische Selbstbefriedigung, am eigentliche Thema vorbei. Setzen 6. !
    Nutzt nicht KenFM.de Krypto-Währung als Spenden Zuwendungssystem? Aha…ein Schelm der Böses dabei denkt…..

  2. severin sagt:

    "Wie das Beispiel des Bitcoin zeigt, lassen sich die Wirkkräfte des Kapitalismus auch mit noch so ausgeklügelten Modellen, Konzepten, Ideen, also mit der Kraft des Intellekts, nicht austricksen. An den Triebkräften des Kapitalismus kommt innerhalb des kapitalistischen Systems niemand vorbei. Wer glaubt, den Kapitalismus mit den Mitteln des Kapitalismus überwinden zu können, täuscht nicht nur sein Publikum sondern auch sich selbst."

    Bitcoin ist nicht dazu gedacht den Kapitalismus auszutricksen. Bitcoin ist das Gegenteil von Gewaltherrschaft, es ist digitale Freiheit. Jeder kann daran teilnehmen, egal wie alt, welches Geschlecht, Herkunft, persönliche Ansichten.
    Das westliche Problem ist nicht der Kapitalismus sondern die Planwirtschaft. Die Staatspropaganda belügt die Menschen und lässt sie im Glauben wir hätten einen fairen Wettbewerb. Klar gibt es große Kartelle und Konzerne, das weiß jeder. Aber im Prinzip könnte ich eben auch eine Firma gründen, ein besseres Produkt anbieten und damit zum Branchenführer werden. Informierte wissen leider auch, dass gerade große Konzerne(Automobilindustrie oder z.B. sehr aktuell Lufthansa) vom Staat subventioniert werden. Direkt und indirekt durch staatlich subventionierten Niedriglohnsektor oder vieles mehr. Das ist aber bei weitem nicht das größte Problem:
    Wir haben auf sämtlichen Ländern der Welt ein herrschendes Kartell, das mithilfe von Polizeigewalt und Propaganda ein Monopol auf den wichtigsten Bereich der Volkswirtschaft hält. Es handelt sich dabei um das Geldmonopol. Die Zentralbanken und Privatbanken halten das alleinige Monopol auf die Erschaffung von Geld. Eben auch die Privatbanken. Wenn eine Privatbank einen Kredit vergibt schafft sie damit Geld, "Wer regiert das Geld? von Paul Schreyer" zum weiterlesen, es gibt dazu aber viele gute Literatur. Die Zentralbanken steuern aber über die Schaffung von Zentralbankgeld(falls Sie den Unterschied nicht kennen zum normalen Geld bitte Schreyer lesen) ihrerseits die Privatbanken. Und das verrückte ist sogar, dass der Staat selbst wenn er Schulden aufnimmt dabei von der Zentralbank abhängig ist.
    „Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht!“
    ―Amschel Mayer Rothschild
    Es sollte jedem bewusst sein, dass die Kontrolle über die Geldschöpfung mit purer Macht verbunden ist. Die Geldschöpfung ist das Herz einer jeden Volkswirtschaft, ganz gleich ob es sich um Länder wie China, die USA, UK, Russland, Deutschland, Venezuela, Frankreich usw. handelt. Die Wahrheit über die "kapitalistische" Weltordnung ist: In jedem Land der Welt ist der wichtigste Markt, der Geldmarkt, planwirtschaftlich organisiert. Das bedeutet absolute Zentralisierung der wirtschaftlichen Macht und damit auch der politischen.
    Eine Rückkehr zum Goldstandard kann Abhilfe schaffen aber Gold hat ein paar sehr große Probleme. Die größten sind: Es ist praktisch unmöglich Transaktionen mit entfernten Handelspartnern ohne Mittelsmänner durchzuführen. Und diese Mittelsmänner wären dann wieder eine Art Zentralbank. Und ein anderes großes Problem ist, dass Gold sehr einfach zu konfiszieren ist. Dadurch ist es für den Staat viel einfacher zu kontrollieren als z.B. Bitcoin. Trotz allem hat Gold einen großen Vorteil: Seine Existenz ist nicht an das Internet gebunden.
    Ich empfehle jedem der sich für Bitcoin interessiert Satoshis White Paper, wer das nicht verstanden hat weiß überhaupt nicht worum es bei Bitcoin geht. Als Teaser hier das Abstract:
    Abstract. A purely peer-to-peer version of electronic cash would allow online
    payments to be sent directly from one party to another without going through a
    financial institution. Digital signatures provide part of the solution, but the main
    benefits are lost if a trusted third party is still required to prevent double-spending.
    We propose a solution to the double-spending problem using a peer-to-peer network.
    The network timestamps transactions by hashing them into an ongoing chain of
    hash-based proof-of-work, forming a record that cannot be changed without redoing
    the proof-of-work. The longest chain not only serves as proof of the sequence of
    events witnessed, but proof that it came from the largest pool of CPU power. As
    long as a majority of CPU power is controlled by nodes that are not cooperating to
    attack the network, they'll generate the longest chain and outpace attackers. The
    network itself requires minimal structure. Messages are broadcast on a best effort
    basis, and nodes can leave and rejoin the network at will, accepting the longest
    proof-of-work chain as proof of what happened while they were gone.
    https://bitcoin.org/bitcoin.pdf

    P.S.: Grüße gehen raus an den Raul 😉

    P.P.S.: Geldmonopol allein beim Staat ist auch keine Lösung, dadurch wäre der Staat noch mächtiger -> Turbokommunismus.

  3. Manic sagt:

    An dieser Stelle ist der Artikel etwas irreführend:
    „Nun ist es aber gerade der Bitcoin selbst, der mit seinen gewaltigen Preissteigerungen auffällt. Wenn man Inflation als Preissteigerung versteht, so sind nirgendwo die inflationären Tendenzen stärker als bei dem Medium, das sich gerade einer solchen Entwicklung entziehen und sie bekämpfen wollte.“

    Bei dem Wort Preis meint man normalerweise den Preis einer Ware, einer Flasche Wein, einem Brot, einem Auto oder irgend einen anderen Gegenstand der Begierde. Hier spricht Rüder Sauls aber von dem Preis des Alternativ Geldes Bitcoin. Betrachten wir es als Anlagegut, dann habe wir die altbekannte Asset Preis Inflation. Man kann es es eine Blase nennen, wie am neuen Markt oder meinetwegen bei der Tulpenmanie vergangener Zeiten, aber man kann es nicht damit vergleichen dass ein Brot irgendwann Millionen kostet. Bitcoins kann man nicht Essen genauso wenig wie meinetwegen auch Tulpenzwiebeln. Aber man kann mit einem Bitcoin im Moment recht viel Brot kaufen. Wenn ich den Bitcoin als Geld sehe ist hier Cash King, wir haben also Deflation und nicht Inflation. An der Stelle hat sich Rüdiger Sauls vergallopiert.

  4. wasserader sagt:

    Das Herausragende an Bitcoin ist seine PR .
    "erblickte der Bitcoin Ende 2008 das Licht der Welt, von Sathoshi Nakamoto aus der Taufe gehoben"
    ist Teil dieser PR .
    Dass es antikapitalistisch sei und demokratisch, ist PR .
    Die ausgeklügelte PR weist auf einen gutgepolsterten breiten Hintergrund .
    Den Betreibern von Bitcoin war zweifellos klar, dass Bitcoin anfangs praktisch kostenlos zu haben sind
    und diese kostenlosen Bitcoin mit entsprechender PR zu einem großen Vermögen aufgeblasen werden können .

    Bitcoin ist ein Programm, das begabte Programmierer eben schreiben können,
    ein Programm , hinter dem abseits von PR geschaffenem Vertrauen aber kein Wert steht .

  5. Ancastor.gardian sagt:

    Interessante Wahrheit die mit dem Text übermittelt wird.

    Denn wir brauchen das Geld so gesehen gar nicht mehr wirklich, um einen Kreislauf der Lebenssicherung aufrecht zu erhalten, da die Maschinenarbeit uns davon löst.
    Das Geld hat eher noch die alte Funktion uns zu trennen, zu kategorisieren und wenige Menschen zu bevorteilen, aber in Wahrheit lebt das System durch den Fortschritt stetig selbst weiter, da die Maschinen eben einen Großteil der grundlegenden systemrelevanten Arbeit machen und solange dieses System gepflegt wird, halten die Menschen auch ihre Sicherheit in den Händen, darüber existieren zu können. Schaltet man die Stromwerke ab und legt die Wasserversorgung lahm, wirds schnell brenzlich, aber der Kreislauf ist auch schnell wieder in Gang gesetzt, eben weil für diese Dinge gar nicht mehr soviele Leute gebraucht werden. Dafür sitzen massiv viele Bürokraten in Tischen und betreiben Papierkrieg und nennen dies Arbeit, die eigentlich nicht gebraucht wird, aber eben die alte Ordnung aufrecht erhält.
    Denn am Ende wird ja für die Stromerzeugung niemand mehr gezwungen jeden Tag Kohle in den Ofen zu schippen. Es passiert einfach durch gewisse Abläufe. Die meiste Arbeit heute ist eher sinnlose Bürokratie, um dieses Monster am Leben zu erhalten, so scheint mir.

    Man stellt sich auch die Frage, warum gehe ich eigentlich und für was gehe ich eigentlich noch genau diesen Job machen, er scheint mir nur Beschäftigung und Mittel zu sein, Steuern einzutreiben.
    Das ist natürlich nicht bei allen Jobs so, sondern viele sind systemrelevant wie ein Müllfahrer, der aber behandelt wird, als sei der selbst der Abfall den er in großen Mengen überall abholt.
    Jedoch gehen massiv viele Leute auch einfach nur noch an einen Schreibtisch und tippen Zahlen in PCs ein, die für die Gesellschaft selbst, kaum bis keinen Wert haben und diskutieren über Scheinrealitäten, die auch entfallen könnten, ohne gravierende Auswirkungen, eher die Situation für alle bessern würden. Dazu auch immernoch in einem zeitlichen Rahmen, der gar kein echtes eigenes Leben zulässt, sondern den Status fleischlicher Roboter, und das auch nur, weil die Arbeit nicht aufgeteilt wird, sondern Profite maximiert werden sollen.

    Das Geldkonstrukt selbst offenbart stetig mehr seinen Unnutzen und als künstliches Konstrukt welches es ist, um darüber die ganze Gesellschaft zu steuern. Ein Kontrollmittel, das selbst aber im Grunde keiner braucht und je weniger, desto mehr das grundlegende System sich selbst stützt.
    Maschinen müssen nicht bezahlt werden und werden sie auch nciht, nicht mal besteuert für die Tätigkeit wie der Mensch, die machen einfach das was vorgesehen ist und zwar rund um die Uhr und x-Mal produktiver als am Ende 10, 100, 1000 oder 10 000 Leute zusammen… Die davon befreit sind und sich dann hinter irgendwelchen neuen Jobs in Vollzeit(wie schrecklich) an Schreibtische setzen müssen, weil sie dazu gezwungen werden über das Geldsystem, was anderen hilft immer reicher zu werden und man eben genau am Ende nicht mehr arbeiten geht, um wirklich seinen Verbrauch zu decken und wichtige DInge für den Systemerhalt zu tun, sondern um Konten der Herrschenden zu füllen und in deren Konstrukt gefangen zu bleiben.
    Daher auch stetig der Drang neue Arbeit zu erschaffen und uns zu Klickern im Home Office zu machen.

    Bitcoin hat wirklich für viele Leute keinen echten Sinn, weil es noch viel zu kompliziet und unpraktisch ist, damit zu "hantieren".
    Mein Vater ist fast 80, viele meiner Mitmenschen älteren Jahrgangs überweisen noch mit Überweisungsscheinen und nicht mit Onlinebanking.. die wissen nicht mal wie man ins Internet kommt und die wollen sich damit auch nicht befassen..

    Was will man mit x Millionen Leuten machen, die dieses Konstrukt nicht mehr verstehen wollen und können?
    Den kann man nicht auferlegen sich nun mit der Komplexität einer virtuellen Geldrealität im Internet auseinanderzusetzen.

    Das ist auch der Punkt warum es die digitalen Währungen nicht so recht schaffen Fuß zu fassen. Sie sind zu weit von der Wirklichkeit entfernt.
    Selbst diese Kartenzahlungen machen das Geld irgendwie nur noch zu einem gestaltlosen Wesen.
    Wir hantieren am Ende nur noch mit Zahlen über Bildschirmen und sollen darin etwas wichtiges erkennen?
    Ja das tun wir, die offensichtlichen Mechanismen und zeigen, das Geld selbst gar nicht nötig ist. Wir brauchen es um Zwang aufzubauen, daher auch die Knappheit bei etwas, das eigentlich nur eine Zahl ist und gar keiner Knappheit unterliegt.
    Es unterliegen die wahren Werte der Knappeit, die aber im Überfluß in Mülltonnen landen, weil die sich nicht mehr verkaufen lassen, aber verkauft werden müssen, um Wachstum zu erzeugen..

    Das ganze System ist so wie es ist nicht mehr haltbar, aber eine Änderung bedroht eben die alte Ordnung der Klassengesssellschaft, die genau über Geld erzeugt wird.
    Gehen wir eben in einen Kontrollstaat und lassen und über das Arbeitssystem wieder zu sinnlosen neuen "Jobs" erpressen vor den PCs, um darüber das Geldsystem und die Pyramide weiterleben zu lassen und alle die rausfallen, sind dann böse Menschen und immer selbst schuld an ihrer Situation.

    Mal sehen, wie weit sich dies noch steigert, bis es zusammenbricht und wie der Zusammenbruch aussehen wird. Eigentlich will er nicht so recht kommen. Wenn er kommt, kommt er sicherlich über das Geldsystem, nicht weil die echte Welt da draußen dies hervorruft. Denn es ist ales aufgebaut und die Abläufe sind da, weil die Maschinen nunmal da sind.
    Es wird das Geld sein, welches die Trennung, Probleme und Krisen künstlich hervorruft.
    Am Ende wird sich eher die Frage nach den Ressourcen stellen. Wo bekommen wir die her für die Stromerzeugung?
    Und je mehr wir autark werden durch alternative Systeme wie Sonnenenergie, Wind, Wasser etc. und dieses Konstrukt erstmal steht, desto freier werden wir wieder werden.

    Wenn wir dann noch um unsere Städte und Dörfer alles voller Obstbäume, Sträucher, Nußbäume und Gemüsehallen errichten, desto sicherer ist auch unsere Nahrungszufuhr und die Unabhängigkeit gegenüber anderen.

    Die Chancen sind alle da. Es geht doch am Ende nur um ein kluges System, das uns nicht gegeneinander handeln lässt, sondern wir miteinander friedlich und sicher leben und daran und dadurch wachsen können. Nicht bei einer Karriere, sondern als Mensch, als Gemeinschaft und am Ende als Menschheit, vor allem auch in höheren geistigen Sphären.

  6. Eddi sagt:

    Es wird nur 21Mio Bitcoins geben. Punkt! Damit müssen alle – auch die Supergeldigen – leben. Punkt!

    Wer früh für fast nix Bitcoins gekauft oder gemint hat, wird halt jetzt mit FiatGeld zugeschissen. Jetzt wollen dann doch auch die ganz Großen viele Bitcoins haben. Bitcoins sind denn doch was wert, wen wunderts? Ein Geld muss aber auch definitiv irgendwie für ALLE da sein, sonst kann es bestimmt kein Geld sein. Es muss also auch für die Geldsäcke funktionieren.

    Aber: Die Bitcoinmenge ist genau so begrenzt, wie die Resoursen dieser Welt. Aus technischer Sicht, kann Bitcoin durchaus Geld für alle werden, aber nicht einfach aus dem Nichts … Mehr.

    Dass die von den Vereinigten Schurkenstaaten von Amerika gebeutelte Nationen mittlerweile ihren Außenhandel mit Bitcoin bestreiten können, ist meiner Ansicht nach, deutlich besser, als wenn man sein Bier in einer Kneipe damit bezahlen kann. Dafür, dass das aber auch gehen soll, gibt es durchaus technische Lösungen. Lass' es uns tun!

    Eine Welt, ein Geld. Es wird kaum anders gehen.

  7. addcc sagt:

    Zitat: "…von Sathoshi Nakamoto aus der Taufe gehoben"

    🙂
    Ah ja, Herr Rauls, wie wäre es mit einem Exklusiv-Interview mit Herrn Nakamoto?
    Der Pulitzer-Preis wäre Ihnen sicher! 🙂

  8. addcc sagt:

    Zitat: „Erdacht als demokratisches Zahlungsmittel, ist er [der Bitcoin] zum Spielball einer Elite von Spekulanten geworden.“
    Nein. Wozu der Bitcoin erdacht wurde, müssten Sie schon die Schöpfer fragen. Die aber liegen im Dunkeln.

    Zitat:“Angesichts der ausufernden Geldmengen rückte ein Vorteil des Bitcoin immer mehr in den Vordergrund: Seine Bestände waren aufgrund des unterlegten Algorithmus auf 21 Millionen Stück begrenzt. Er kann demnach ähnlich wie Gold und im Gegensatz zum Geld der Zentralbanken nicht beliebig vermehrt werden.“
    Nein. Diese technische Legitimierung wird gerne mit einem Goldstandard gleichgesetzt. Aber das ist Blödsinn. Der Bitcoin ist nicht die einzige Krypto-Währung und man kann unzählige weitere „erfinden“. Womit sich dieser Vorteil verflüchtigt.

    Die Technologien, die hinter den Krypto-Währungen stecken, sind wohl die Zukunft. Insofern sind Bitcoin & Co. eine Art Versuchsballone, die, von wem auch immer gestartet, von den Regierungen/Zentralbanken eingefangen und durch Digitales Zentralbankgeld ersetzt werden.

    Regulierungen und Verbote werden das bewerkstelligen. Frankreich macht ja schon mal den Anfang:
    https://www.finanzen.net/nachricht/devisen/know-your-customer-regeln-frankreich-verschaerft-regeln-fuer-krypto-broker-ist-das-das-ende-der-anonymitaet-9619054

    Man konnte auch schon mal durch Tulpenzwiebeln reich werden. Oder arm. Der Zeitpunkt des Absprungs ist entscheidend.

    • A.B. sagt:

      Wahrscheinlich erdacht, wozu er heute vor allem verwendet wird: Darknet-Handel mit Waffen, Drogen und Schlimmerem.

  9. UrImpuls sagt:

    Habe unveraendert Null Ahnung, was einem Bitcoin hinterlegt ist oder nicht. Aber auch nicht, was "KAPITALISMUS" eigentlich sein soll. Genauer: eigentlich interessiert es mich auch nicht.
    Es scheint eher ein Art Wortfetischismus zu geben. Irgend jemand bezeichnet die Kombination seiner welchen Sinneseindruecke mi einem Sprachbegriff und ab nun glaubt jemand anderes, dieser Sprachbegriff stehe fuer was Analoges, Tatsaechliches.
    Dem ist natuerlich nicht so. Es ist nur Fetischismus, sonst nix.
    Dem Bitcoin gets so. Dem Kapitalismus. Gott und die Welt. Es sind Hirngespinste, die nur dadurch auffaellig werden, dass mehrere oder einer, der sich fuer wichtig haelt, dem eine besondere Aufmerksamkeit widmen.

    • Bernhard sagt:

      Super Kommentar. Wortfetischismus anstatt Beschreibung von Wirkungen. Sonst würde H. Rauls erklären, was mit der wachsenden Flut von Schuldscheinen passieren muss. Geld ist ein Tauschobjekt für Waren und Dienstleistungen und nicht von Schuldscheinen.

  10. Mike Ahrend sagt:

    Das schreit nach einer neuen Sendung "Positionen" Thema: Das Geldsystem.
    Herr Rauls und Herr Wolff sind gesetzt, danach ist es schade dass nur noch zwei Plätze frei sind. Paul Schreyer? Max Otte? Christoph Pfluger? Norbert Häring? Thomas Mayer? Markus Krall?….

  11. Fabrice Töpfer sagt:

    Ich bezweifle, dass die Bitcoinentwickler jemals behauptet haben, das kapitalistische System ablösen zu wollen. BTC soll vorrangig als alternative Währung dienen, die ohne Vermittler (Bank) funktioniert. Das tut er auch tadellos. Natürlich sind die Märkte volatil, natürlich springen jetzt große Institutionelle mit auf den Zug auf. Vielleicht weil sie merken, dass der Wert sich langfristig über viele Jahre hinweg noch deutlich steigern wird. War ja die letzten 12 Jahre auch so, man muss sich den Kurs nur anschauen. Jedenfalls ist durch die enormen Preisschwankungen und die manchmal hohen Gebühren im Netzwerk der Bitcoin als Zahlungsmittel derzeit unbrauchbar. Aber je mehr Leute einsteigen desto stabiler wird das Netzwerk und damit auch der Preis. Das wird noch locker 10 Jahre dauern, wenn nicht länger. Es zeichnet sich aber ab, dass dieser Sachverhalt von den Bitcoinvätern aller Wahrscheinlichkeit so geplant war. Irgendwann sind aber alle Bitcoins gemined und es wird denke ich zu einer stabileren Phase kommen. Klar kann ein Bitcoin dann mehrere 100tsd kosten, aber es gibt ja im Gegensatz zum Dollar noch acht Stellen hinterm Komma. Investieren kann also jeder und hätte es der deutsche Michel mal vor 4, 5 Jahren gemacht statt blöd darüber zu meckern, dann würde er die Sache jetzt auch positiver sehen.

    Wie gesagt diesen zerstörerischen Kapitalismus und die Umweltverschmutzung die damit einhergeht kann der Bitcoin wohl nicht aufhalten. Die Menschen müssen schon selber entscheiden, welche Produkte sie konsumieren wollen/ können und welche sie eigentlich tatsächlich wirklich brauchen. Mit einer deflationären Währung wie Bitcoin, könnte man dem Ziel aber ein Stück näher kommen.

    Es ist doch so: Portale die der Aufklärung dienen gibt es doch schon seit Menschen Gedenken. Was haben wir bisher an dem egozentrischen Weltbild des Menschen geändert? Nicht so viel oder? Also könnte man zumindest versuchen, durch eine technologische Lösung mehr Demokratie in das Gründübel, nämlich unser Geldsystem, zu bringen. Das und nichts anderes versucht Bitcoin. Es ist nur ein Frage ob wir es annehmen, oder lieber weiter lamentieren.

    • Rüdiger Rauls sagt:

      Sie widersprechen sich selbst: "BTC soll vorrangig als alternative Währung dienen, die ohne Vermittler (Bank) funktioniert. Das tut er auch tadellos" und wenig später heißt es dann: " Jedenfalls ist durch die enormen Preisschwankungen und die manchmal hohen Gebühren im Netzwerk der Bitcoin als Zahlungsmittel derzeit unbrauchbar."
      Noch besser "Irgendwann sind aber alle Bitcoins gemined und es wird denke ich zu einer stabileren Phase kommen." Wenn Sie den Text gelesen und nicht nur nach Haaren in der Suppe gesucht haben, hätten Sie erfahren können, dass dieses "Irgendwann" etwa um das Jahr 2150 zu verorten ist. D.h. weder Sie noch ich werden diese stabilere Phase erleben. Und für ein tadeloses Funktonieren würde ich mich als Nutzer nicht gerne über 100 Jahre vertrösten lassen. Also, was wollen Sie denn nun mit Ihrem Beitrag gesagt haben? Oder sehen Sie sich bemüßigt und berufen, den Bitcoin gegen mich zu verteidigen. Da kann ich Ihnen leider nur sagen, dass das vergebene Liebesmüh ist. Denn ich will ihn gar nicht verurteilen. Was anscheinend viele nicht verstehen: Man verurteilt nicht, nur weil man Umstände und Zusammenhänge darstellt.
      Es geht mir nur um die Darstellung der Realität, wie ich sie sehe. Aber das zerstört natürlich manchmal auch Ideale oder Wünschträume. Das mag nicht jeder oder jede.

    • Fabrice Töpfer sagt:

      Danke für Ihre Antwort Herr Rauls!

      Zunächst eins vorweg: Ich habe keine meiner Ideale oder Wunschträume im Bitcoin gesehen. Ich fühle mich daher auch nicht angegriffen und wollte auch Sie nicht angreifen. Ich stimme Ihrer Kernaussage sogar zu.

      Mir geht es eher darum, dass wir als Nicht-High-Society-Bevölkerung nur gemeinsam schaffen können, das Finanzsystem und damit die Welt ein wenig gerechter zu gestalten. Wir können also weiter unser Geld auf dem Sparkonto behalten (falls überhaupt noch wer eins hat) und in naher Zukunft Negativzinsen darauf zahlen. Oder wir versuchen es einfach mal mit einem anderem System, bei dem die Allgemeinheit und nicht die Zentralbanken bestimmen ob die Währung in ihrer Menge begrenzt ist oder nicht.
      Zur Phase der Preisstabilität kann man nur mutmaßen, aber ich bezweifle, dass diese erst eintritt wenn wirklich alle Bitcoins gemined wurden. Der Halvingprozess ruft auf natürliche Weise ein parabolisches Verhalten vor. Daher glaube ich, dass wir bereits eher als in 30 Jahren auf eine bessere Nutzbarkeit des Bitcoin als Währung hoffen dürfen. Aber selbst als Wertspeicher, der wirklich für jeden Menschen mit Internetzugang nutzbar ist, erfüllt Bitcoin doch schon eine Funktion. Nämlich den Wert seiner Arbeit an den Fängen des Staates vorbei in eine aus meiner Sicht sinnvolle Anlage zu stecken.

      Mir ist schon bewusst, dass sie Bitcoin auch gar nicht kritisieren wollten. Aber da KenFM ja auch spenden in Bitcoin annimmt und damit in jüngster Zeit sicher gut profitiert hat, wollte ich noch ein paar weitere Aspekte aufzeigen.

      Jeder ist selber gefragt was er davon hält. Ich sehe das Thema zugegebenermaßen ziemlich positiv. Extreme Geld- und Machtkonzentration wird es leider auch mit Bitcoin weiter geben.

  12. Ania sagt:

    Interessanterweise war schon die Einführung des Papiergelds (ähnlich wie heute die befürchtete Abschaffung des Bargelds) des Teufels oder jedenfalls mit dem Teufel assoziiert. In Goethes „Faust“ ist sie im wahrsten Sinne des Wortes Teufelswerk, nämlich das Werk des Teufels Mephisto. Habe ich jedenfalls einem FAZ-Artikel aus dem Jahr 2012 entnommen. Hier ein Auszug daraus:

    „Die Lage im Staat ist ernst. Hemmungsloser Egoismus, Parteilichkeit ohne jeden Gemeinsinn und allgemeine Korruption herrschen allenthalben. Am Hofe wird das Geld mit vollen Händen ausgegeben und exzessiv geprasst. Der Finanzminister kann seine Rechnungen nicht mehr bezahlen und seine Kredite nicht mehr bedienen. Wie so oft in der Geschichte hat sich ein Staat völlig übernommen und kann seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Unaufhaltsam naht der Staatsbankrott.
    Wir befinden uns im ersten Akt von Goethes ‚Faust, der Tragödie zweiter Teil‘. Mephistopheles braucht nicht viel Phantasie, um das Problem beim Namen zu nennen: ‚Wo fehlts nicht irgendwo auf dieser Welt? Dem dies, dem das, hier aber fehlts am Geld.‘ Das lässt sich der Staatschef nicht zwei Mal sagen und nimmt Mephisto in die Pflicht: ‚Es fehlt an Geld. Nun gut so schaff’ es denn.‘ (…)
    Nicht etwa durch eine Einschränkung der Staatsausgaben soll das kaiserliche Land gerettet werden, sondern über die Erschließung neuer Geldquellen (‚monetäre Staatsfinanzierung‘ nennt man das heute).
    Faust und Mephisto machen dem Kaiser ein verführerisches Angebot: Wir werfen die Notenpresse an. Genial ist die Idee deshalb, weil es bis dahin noch kein Papier-, sondern nur Münzgeld gab, welches knapp und teuer war (freilich durch Verschlechterung der Münzqualität auch gestreckt werden könnte). Papiergeld dagegen ist quasi eine simple Geldschöpfung aus dem Nichts.
    ‚Zu wissen sei es jedem, ders begehrt: Der Zettel hier ist tausend Kronen wert‘, lässt der Kanzler den Kaiser triumphierend wissen. Man kann jeden gewünschten Betrag auf ein einfaches Stück Papier schreiben oder drucken. Und schon ist wieder Geld vorhanden, ganz nach Belieben der Regenten, wie viel man will und braucht. Zur Legitimation reicht die Unterschrift des Kaisers und das Versprechen, der Zettel sei mit den ‚ungehobenen Schätzen des Landes‘ gedeckt. Leicht und bequem ist die Papierinnovation obendrein: ‚Man wird sich nicht mit Börs’ und Beutel plagen/Ein Blättchen ist im Busen leicht zu tragen.‘“
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/schuldenkrise-die-faust-mephisto-ag-11883932.html

    Ich glaube, Goethes Idee dahinter war damals schon, dass das Ersetzen von Talern und Gold durch Papiergeld und das Drucken desselben in die Inflation führe… Der Beginn der herkömmlichen Inflationstheorie, die Ihrem Artikel zufolge heute wohl nicht mehr zutrifft?

    • Rüdiger Rauls sagt:

      hallo Ania, so sehr ich Ihre Ansichten hier schätze, so muss ich Ihnen in diesem Fall widersprechen. Das Ersetzen von Taler und Gold durch Papiergeld führt NICHT in die Inflation. Die Darstellung des Geldes, ob als Metall, Papier oder Digitalgeld hat mit seinem Wert nichts zu tun. Der Wert des Geldes liegt nicht in seiner Darstellungsform, dann wären die Plastikmünzen der untergegangenen DDR ja immer noch Zahlungsmittel. Auch Gold und Silber, die doch als so werthaltig gelten, unterlagen der Inflation. Es konnte zwar nicht beliebig durch Münzprägung vermehrt werden. Aber es konnte beliebig durch Verschneiden vermehrt werden, indem Silber- und Goldgehalt verfälscht wurden.
      Darin lag ja gerade die Crux der Metallwährungen. Edelmetalle waren Mangelware. Und das war auch der tiefere Grund, weshalb die Golddeckung in den 1970er Jahren aufgehoben wurde. Es gab zu wenig Gold, das als Deckung für Währungen und damit für die Kreditvergabe hätte dienen können. Die Folge war ein gewaltiger Anstieg der Zinsen in den 1970er und zu Beginn der 1980er Jahre im Westen. Der Mangel an Deckung und der damit verbundene Anstieg der Zinsen brachte die wirtschatliche Entwicklung zum Stillstand, bekannt unter dem Begirff "Stagflation". D.h. in den golden Zeiten der Golddeckung waren die Zinsen nachher so hoch, dass Investitionen in der Realwirtschaft sich kaum noch lohnten. Die Unternehmen versuchten, die hohen Zinsen durch Preissteigerungen an den Verbraucher weiter zu geben. Aber das ging nur begrenzt, weil die Verbraucher entweder das Geld nicht hatten oder aber die Portemonnaies zuhielten. Die Preissteiguerngen waren zeitweise zweistellig. Also gerade das Ideal eines Jeden Kritikers des Geldsystems, die Golddeckung, verursachte Zinsen und Inflationsraten, bei denen die meisten Inflations-Propheten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden.
      Das Problem sind nicht die Geldmengen, die in das System eingelassen werden. Das Problem ist vielmehr: Wie bekommt man das Geld wieder aus dem System heraus, ohne dass die Zinsen in einem Ausmaß steigen, dass verschuldete Staaten und Unternehmen unter der Last steigender Zinsen zusammenbrechen. Da ist die derzeitige Situation, die ja eigentlich für den Verbraucher sogar fast paradiesisch ist, gegenüber dem, was an Grausamkeiten auf die Bürger zukommen kann, ein Zuckerschlecken. Selbst die Notenbanken haben derzeit keinen Plan, wie der Abbau ihrer Wertpapierbestände und das Abschmelzen ihrer Bilanzen so gestaltet werden kann, dass es nicht zum Kollaps von Wirtschaft und Staat kommt. Denn ein solches Szenario hat es meines Wissens in der Menschheitsgeschichte noch nicht gegeben.
      Natürlich stellt sich auch die Frage, wie lange diese Geldinfusionen noch weiter betrieben werden können. Auch darauf weiß die herrschende Wirtschaftwissenschaft keine Antwort. Alle bisherigen Antworten und Grenzen sind inzwischen gegenstandlos geworden. Die Theorien sind durch die Wirktlichkeit eines Besseren belehrt worden. Aber wer interessiert sich denn heute noch für die Wirklichkeit, wo es doch so viele schöne Theorien gibt.

    • Ania sagt:

      Hallo Rüdiger Rauls, das Geldsystem finde ich eine sehr schwierige Materie, schwer zu verstehen. Wenn Sie schreiben, die herrschende Wirtschaftswissenschaft habe auch keine Antworten und alle bisherigen Antworten und Grenzen seien inzwischen gegenstandslos geworden, wird das wohl stimmen. Es entspricht meinem laienhaften Empfinden. Eine Wirtschaft am Leben zu halten, indem man irrwitzige Geldsummen da reinpumpt, die durch nichts gedeckt sind (oder?), kann irgendwie nicht gutgehen. Für mich fühlt sich das wie ein Tanz auf dem Vulkan an. Und das betrifft nicht nur die nachfolgenden Generationen, sondern auch uns. Ziemlich bald, denke ich.

      Ich sehe so gut wie gar nicht das Szenario, das hier auf KenFm immer wieder auftaucht: der „Neue Mensch“, der in der „Schönen neuen Welt“ wie ein Cyborg funktioniert. Ich meine, für eine solche Form der Herrschaft, wo die Menschen zombiegleich widerspruchslos funktionieren, gibt es keinerlei reale, materielle Grundlage. Vielmehr ist die materielle Grundlage des bestehenden Systems aus den Fugen geraten, und die Entwicklung könnte viel eher in Richtung eines Kollaps von Wirtschaft und Staat gehen (davon sprechen Sie ja auch). Diese Gefahr scheint der Grund zu sein, weswegen die riesigen Geldmengen da reingepumpt werden.

      Neben der Corona-Krise und der Wirtschaftskrise gibt es andere Krisen, etwa die Klima- und Umweltkrise, die multiplen Krisen überlagen einander und es entstehen daraus Dynamiken, die für meine Begriffe auch mit noch so großen Geldinfusionen kaum zu stoppen sind. Meine Befürchtung ist nicht, dass irgendwelche globalen Eliten im Hintergrund die Fäden ziehen und ihren großen Plan verwirklichen, sondern eher, dass sie keinen Plan haben. Dass das WEF genauso wenig in der Lage ist, diese Dynamiken des Zerfalls und Kollaps zu steuern und in den Griff zu kriegen, wie irgendwer sonst. Wo ist denn die stabile, tragfähig ökonomische Grundlage für den „Great Reset“, also die Neugestaltung sozialer und wirtschaftlicher Systeme nach Corona? Worin sollte die bestehen?

      Und ein Kollaps wäre dann ja kein Übergang in eine neue, bessere Gesellschaftsform, sondern erstmal ein Zusammenbruch, der viele Menschen – und gerade die armen oder verarmten – mit sich in Chaos und Untergang reißen kann. Dann hätten wir evtl. Zustände wie in den sog. „failed states“, in denen der Staat seine grundlegenden Funktionen nicht mehr erfüllen kann und in denen dann das Recht des Stärkeren herrscht, in Form von Warlords, Bürgerkriegsparteien, dem organisierten Verbrechen usw. Vielleicht sehe ich das zu pessimistisch, da der Kapitalismus historisch eine bemerkenswerte Fähigkeit bewiesen hat, sich immer wieder auf neuer Stufe zu reorganisieren. Aber tatsächlich scheint mir die jetzige Situation historisch beispiellos zu sein…

    • Rüdiger Rauls sagt:

      hallo Ania, schön dass es hier auch noch Kommentatoren mit klarem Verstand gibt.
      Das Geldsystem ist nicht so schwer zu verstehen, wie es scheint. Es gibt halt eben nur so viele verwirrende Theorien darüber, die sich weniger an der Wirklichkeit orientieren sondern am Wunschdenken derer, die sie aufstellen, und an Interessen.
      Mein Sohn macht z.Z, im dualen Studium BWL an der IHK. Auch er muss noch immer den Quatsch mit den Geldmengen und der Inflation über sich ergehen lassen. Selbst die Dozenten teilen diese Sichtweisen aufgrund ihrer praktischen Erfahrung nicht, müssen sie aber so unterrichten, weil diese Thorien auf dem Lehrplan stehen. So setzen sich die Irrlehren fort. Aber es macht ja auch nichts. Denn anders als bei den exakten Wissenschaften bricht keine Brücke zusammen, nur weil der Statiker falschen Theorien aufgesessen ist. Ob man wirres Zeug über die Inflation verbreitet oder nicht, auf die Entwicklung der Inflation hat das keinen Einfluss. Die unterliegt nämlich anderen Gesetzen.
      Eine Ex meines Sohnes studiert VWL an der UNi. Ich fragte sie neulich, wie denn ihre Professoren den Widerspruch erklären, dass trotz ständig wachsender Geldmengen die Inflationsraten fallen. Die Profs ignorieren das. Sie reden sich raus, dass es im Moment noch kein Modell für diese Situation gibt und lehren weiter, was sich seit mehr als zehn Jahren als falsch oder zumindest zweifelhaft zeigt. Aber was sollen sie auch machen? Erklären, dass sie Jahre lang falsch gelegen haben, Unsinn gelehrt haben? Was soll geschehen mit den Lehrveranstaltungen? Sie müssten alle neu ausgerichtet werden von denselben Profs, die bisher den Geldmengen gehuldigt haben. Vermutlich können die das noch nicht einmal, weil sie ja selbst überrascht sind, dass die Wirklichkeit anders ist, als sie nach ihren Theorien sein sollte. Und was ist mit den Büchern, die seit Jahrzehnten zu dem Thema geschrieben, gedruckt und verkauft wurden und das Mantra der Geldmengen immer wieder vor sich hergebrabbelt haben? Welcher Prof will seine eigenen Bücher umschreiben und damit erklären, dass er sich geirrt hat. Dann belässt man lieber alles beim Alten und behauptet weiter, dass die Erde eine Scheibe ist. Zumal es ja auch keinen Unterschied macht, denn es fällt niemand herunter. Und die Geldmengen? Nunja die wachsen und wachsen; aber wirklich etwas Gravierendes geschieht ja auch nicht. Bisher wenigtstens.
      Ansonsten teile ich Ihre Sichtweisen in den folgenden Absätzen Ihres Textes voll und ganz. Das Gerede der apokalyptischen Reiter von den geheimen Kreisen und ihren hinterhältigen Plänen, was unter dem Begriff "Tiefer Staat" einen pseudowissenschaftlichen Anstrich bekommen hat, ist Quatsch. Sie haben vollkommen recht: Es gibt dafür keine materialistische Grundlage, keine Hinweise, geschweige denn gar Beweise. Was da einige zusammenfantasieren, wäre in seiner Umsetzung viel zu aufwendig und lohnt sich nicht. Es läuft doch alles bestens für die Herrschenden. Die Menschen sind ruhig, die meisten zufrieden, wenn auch ncht glücklich. Sie konsumieren brav und revoltieren nicht, bis auf einpaar Aufmüpfige. Aber das hat der Staat im Griff. Da muss noch nicht einmal großes Geschütz aufgefahren werden. Da ist doch nirgendwo eine Gefahr für die herrschenden Verhältnisse, weit und breit nicht. Also warum sollten die Herrschenden schlafende Hunde wecken? Was macht das für einen Sinn?
      Sie liegen vollkommen richtig mit Ihren Zweifeln, "dass irgendwelche globalen Eliten im Hintergrund die Fäden ziehen und ihren großen Plan verwirklichen, sondern eher, dass sie keinen Plan haben" Genau so ist es. Sie haben ebenso wenig einen Plan, wie die sich auftürmenden Probleme zu lösen sind, wie diejenigen, die da glauben, dass es irgendwelche streng geheimen Pläne geben muss. Die einen wie die anderen verstehen nicht, was in der Gesellschaft vorgeht. Vielleicht verstehen die sogenannten Eliten etwas mehr davon als ihre Kritiker. Schließlich sind sie näher dran an den geschehnissen und haben auch zum Teil die Hände im Spiel. Aber auch ihnen fällt keine Lösung z.B. für die ausufernden Geldmengen ein und für die nachlassende Produktivität des Kapitalismus.
      Hier meine Mailadresse, damit wir nicht immer über dieses Forum und per Zufall unsere Meinungen austauschen müssen. Wenn Sie Interesse haben: rueruerue@web.de

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