Sieben Gründe, die Armee abzuschaffen

Von Rob Kenius.

Die Rüstung wird vorangetrieben, um Exporte und die Versorgung mit Rohstoffen zu sichern oder um Grenzen zu schützen oder, eine besonders perfide Begründung, um Verantwortung zu zeigen. Wir sollten einmal fragen, ob es nicht verantwortungsvoller wäre, neutral zu sein, wie die Schweiz und Österreich, und uns darauf besinnen, dass Deutschland historisch und geografisch eine Sonderstellung hat und deshalb sogar auf Rüstung und Armee völlig verzichten kann.

1. Grund, warum wir keine Armee brauchen:

Die Bundeswehr wurde uns aufgezwungen

Es war Anfang der 1950er Jahre schwierig für die Regierung Adenauer, deutsche Soldaten auf Wunsch der westlichen Alliierten aufzustellen. Die Mehrheit der Bevölkerung war strikt dagegen, nach dem Motto: „Nie wieder Krieg!“

Doch bereits 1950 begann man mit den (jahrelang geheim gehaltenen und später verschleierten) Vorbereitungen zur Aufstellung der Bundeswehr. Bereits 1956 wurde die allgemeine Wehrpflicht beschlossen und 1957 sind die ersten Rekruten eingerückt. Die Stimmung in der Bevölkerung blieb negativ.

Zeitlich leicht verschoben hat man in der DDR die Nationale Volksarmee NVA aufgebaut. Eine echte Feindschaft zwischen den deutschen Streitkräften hat nie bestanden. Das Feindbild war der Kommunismus, also eine Ideologie, keine Armee. Die NVA war, so lange sie bestanden hat, nie an einem Krieg beteiligt.

Es dauerte fast 50 Jahre, bis, nach der Wiedervereinigung und der Auflösung der NVA, zum ersten mal deutsche Soldaten im Ausland eingesetzt wurden. Am 30. Juni 1995 beschloss der Bundestag, Soldaten nach Jugoslawien zu schicken und dort zu bombardieren.

Dieser Krieg war völkerrechtlich illegal, aber durch internationale Propaganda intensiv vorbereitet. Wie das im Einzelnen gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt wurde, darüber sind Bände geschrieben worden. Tatsache ist: Dieser Kriegseinsatz, wie auch der in Afghanistan, wurde uns von den USA und von der NATO aufgedrängt. Eine Mehrheit der Bevölkerung war dagegen.

Die rotgrüne Regierung unter Gerhard Schröder und Joschka Fischer hätte mutig „Nein“ sagen können und hat das feige „Ja“ zu verantworten. Seitdem ist auch nicht mehr sicher, dass die Grüne Partei gegen Rüstung und Krieg eingestellt ist, und mit der Zustimmung zum Kriegseinsatz der Bundeswehr hat Joschka Fischer die Chance vertan, als großer Politiker in die Geschichte einzugehen.

2. Grund, warum wir keine Armee brauchen:

Deutschland hat keine Feinde mehr

Deutschland liegt, mit einigen anderen Ländern, in der Mitte Europas. Unsere unmittelbaren Nachbarn sind Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Alle diese Länder haben eine Armee, sogar Luxemburg hat eine leicht bewaffnete Truppe von etwa 1000 Mann – aber keins dieser Länder ist uns feindlich gesinnt.

In Polen gibt es vielleicht antideutsche Stimmungen, die aber nicht auf militärische Aggression hinaus laufen, sondern auf Geldforderungen. Es gibt auf jeden Fall auch keine Feindschaft Russlands. Es ist umgekehrt: Feindseligkeiten, Rüstung und Manöver auf Seiten der NATO, die gegen Russland gerichtet sind. Daran muss Deutschland nach der Wiedervereinigung sich aber nicht mehr beteiligen.

Die größte Bedrohung unserer Souveränität geht von den USA aus. Sie haben Militär in Deutschland stationiert, das im kriegerischen Einsatz ist, und man droht uns mit Sanktionen gegen den Bau der Pipeline für russisches Erdgas Nord Stream 2. Militärischer Druck ist in Zukunft nicht ausgeschlossen. Bei dem irrwitzigen Kräfteverhältnis aber ist eine deutsche Armee gegen die USA völlig nutzlos und damit überflüssig.

Es gibt auch Stimmen, welche die Souveränität Deutschlands gegenüber den USA anzweifeln und behaupten, dass unsere Regierung nur Befehlsempfänger ist. Da ist wohl etwas dran. Unsere Politiker bewegen sich auf einer rutschigen, teils schmierigen, schiefen Ebene und die NATO spielt als Kraftfeld eine entscheidende Rolle, indem sie uns in Auseinandersetzungen hinein zieht. Am unteren Ende dieser Rutschbahn ist das NATO-Mitglied Türkei, das jetzt einen Teil von Syrien erobert hat.

Deutsche Berufspolitiker/innen wagen nicht, die NATO-Mitgliedschaft in Frage zu stellen. Aber wer steht uns näher? Die Türkei Erdogans oder die Nachbarn Schweiz und Österreich, die keine NATO-Mitglieder sind und trotzdem unbehelligt bleiben?

3. Grund, warum wir keine Armee brauchen:

Die Eroberung von Kolonien ist beendet

Der vorübergehende Reichtum vieler Europäischer Länder basiert auf Eroberungen, die sie mit WaffeC      kjngewalt in anderen Teilen der Welt durchgefochten haben. Zuerst waren Spanier und Portugiesen mit Segelschiffen und Kanonen unterwegs. Dann kam England mit Dampfschiffen und zähen Soldaten, sie schlugen die Armada und beherrschten die Meere bis ins 20. Jahrhundert.

Den Prunk und Protz aus Stein und Eisen, der unter Queen Victoria seinen Höhepunkt fand, kann jeder in London heute noch bestaunen.

Auch Frankreich, die Niederlande, Belgien und Deutschland eroberten mit ihren Waffen Länder, Gebiete und Inseln auf dem ganzen Globus und machten sie zu Kolonien. Kolonialisierung bedeutet Ausbeutung aller Ressourcen und Vernichtung oder Unterdrückung der Ureinwohner.

Das Überlegenheitsgefühl der weißen Rasse resultiert aus der überlegenen Waffentechnik gegenüber relativ unbewaffneten Völkern und eine heimliche Form von Rassismus ist Voraussetzung, um das alles zu rechtfertigen.

Die Analyse des menschlichen Genoms hat aber gezeigt, wie nahe die Menschen miteinander verwandt sind; es existiert keine genetische Schranke und keine rassische Überlegenheit. Außerdem gibt es heute auf der Welt nichts mehr zu erobern, auch wenn die USA sich auf eine Rückeroberung der alten Welt vorzubereiten scheinen. Das ist Irrsinn, an dem wir uns nicht mit einer einzigen Waffe und einem einzigen Soldaten beteiligen sollten.

Eine Armee zur Eroberung anderer Länder brauchen wir nicht, weil es für uns nichts zu erobern gibt.

4. Grund, warum wir keine Armee brauchen:

Für die Wirtschaft ist Rüstung kontraproduktiv

Die freie globale Wirtschaft hat die Eroberungen auf eine andere Ebene verlagert. Es geht um Wirtschaftsmacht und um die Macht des Geldes. Auch hier zeigt uns ein Blick auf die USA, wie man es am besten nicht machen soll. Dort hat der Finanzsektor die reale Wirtschaft weit überflügelt.

Es ist viel leichter Geld mit Geld zu verdienen als mit der Produktion von Wirtschaftsgütern, die einer globalen Konkurrenz ausgesetzt sind. Die Amerikanische Wirtschaft hat nur noch wenige Produkte zu bieten, die führend sind oder wenigstens mit europäischen und asiatischen Produkten konkurrieren können.

Eine Ausnahme ist die Rüstungsindustrie, dort konzentriert sich die technische Entwicklung der USA. In Deutschland und Japan war es nach dem Krieg genau umgekehrt: Die Rüstung wurde eingestellt, die zivile Technik und Industrie sind aufgeblüht. Es ist eine empirische Tatsache, dass starkes Militär die zivile Produktion beeinträchtigt. Frankreich und Großbritannien schneiden da, gegenüber Deutschland und Japan, schlecht ab.

Die USA wollen ihre Handelsbilanz durch den Export von Waffen verbessern. Sie fordern zur Rüstung auf und schüren Konflikte. Unsere Volkswirtschaft dagegen ist gesund, sie braucht das nicht, die Industrie ist auch ohne militärische Produktion und ohne eine bedrohliche Armee stark genug. Für die Entwicklung einer zivilen Wirtschaft sind Rüstung und Armee kontraproduktiv, ebenso für den Klimaschutz.

Die Energie- und Ökobilanz des Militärs ist katastrophal. Man verschwendet Energie und erzeugt CO2 mit Jagdflugzeugen, Helikoptern, Schwertransportern, Panzern und Dieselmotoren aller Art, ganz besonders bei Manövern und Truppen-Verlagerungen. Vom Kriegseinsatz ganz zu schweigen.

5. Grund, warum wir keine Armee brauchen:

Wiedervereinigung macht Armee überflüssig

Die Wiedervereinigung Deutschlands wurde nach außen schnell vollzogen, nach innen aber noch nicht abgeschlossen. Die Regierung Kohl machte aus der Wiedervereinigung Deutschlands den Beitritt neuer Länder zur Bundesrepublik. Das war gegen das Grundgesetz, welches als Provisorium gedacht war und noch keine Legitimation durch das Volk besaß.

Helmut Kohl aber, in seiner Selbstgefälligkeit und protzigen Überheblichkeit, ging über alle demokratischen Forderungen hinweg, tat so, als hätte er die DDR erobert und mischte sich sogar, bei völliger Inkompetenz, in die Angliederung der Planwirtschaft ein, die hopplahopp ziemlich daneben ging. Angeblich war damals keine Zeit zum Nachdenken.

Sehr vieles hätte mit Anwendung von etwas mehr Verstand besser laufen können, doch in der Politik zählt nur das Faktische. Das wusste Helmut Kohl, es ist nichts Besonderes, das zu erkennen, und so hat er uns die miese Situation im Osten, mangels Sachkenntnis, eingebrockt.

Es wäre elegant gewesen, mit der NVA auch gleichzeitig die Bundeswehr abzuschaffen, als Zeichen für die Welt, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen soll.

Die Tatsache der Wiedervereinigung mit Zustimmung von Gorbatschow und den westlichen Alliierten macht eine deutsche Armee überflüssig. Artikel 87a, Grundgesetz sagt im ersten Satz: Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf. Zur Verteidigung! Gegen wen soll uns die Armee nach der Wiedervereinigung (mit Einverständnis der ehemaligen Gegner) noch verteidigen?

Mit ein wenig mehr geistigem Aufwand hätte man 1990 auch die Pflicht erfüllen können, endlich eine gültige, vom Volk legitimierte, Verfassung zustande zu bringen und in dieser Verfassung festzulegen, dass Deutschland keine Armee aufstellt. So steht es in der Verfassung von Costa Rica, ein viel schwächeres Land, in einer Region die wesentlich unruhiger ist. Die Bürger dieses Landes sind glücklich damit.

6. Grund, warum wir keine Armee brauchen:

Frauen sind gegen Krieg und Rüstung

Die Gleichberechtigung der Frauen hat in Deutschland in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Worauf aber geht die zu Recht bekämpfte Dominanz der Männer zurück? Auf das Tragen von Waffen, den Kampf mit Waffen und auf die Struktur des Militärs, die in viele zivile Organisationen eingedrungen ist.

Ein Beispiel: Die Rundfunk- und Fernseh-Anstalten des öffentlichen Rechts sind wie das Militär strikt hierarchisch organisiert, demokratische Strukturen und Gleichberechtigung sind nicht erkennbar.

Die große Mehrheit aller Frauen wollen mit Waffen und militärischen Befehlspyramiden nichts zu tun haben. Sie sind emotional und rational gegen Krieg eingestellt, gegen Rüstung, gegen Männerorganisationen und gegen Militär.

Das könnte übrigens der Grund sein, weshalb über Krieg und Frieden, über Rüstung und Abrüstung, über Angriff oder Verteidigung nie und nirgendwo vom ganzen Volk abgestimmt wird. Die regierenden Männer ahnen, dass sie jede dieser Abstimmungen verlieren würden.

Die wenigen Frauen, die für Aggression, Rüstung und Armee sind, würden bei so einer Abstimmung leicht durch männliche Kriegsdienstverweigerer, Pazifisten und Vernunftmenschen kompensiert. Eine Mehrheit gegen den Krieg wäre sicher. Rüstungslobby, Militaristen und Russenhasser würden glatt überstimmt.

Eins ist jedoch verwunderlich: Die christlichen Parteien der Bundesrepublik haben es geschafft, dass zwei Frauen aus ihren Reihen Rüstung und Geld für Rüstung auf nationaler und auf EU-Ebene propagieren und dass Queen Angela zustimmend schweigt. Wenn Spitzenpolitikerinnen aber das Lied der Falken pfeifen, hat das mit Gleichberechtigung nichts zu tun.

Gleichberechtigung bedeutet, dass die Wünsche fast aller Frauen gegenüber den Ambitionen der Männer klar zur Geltung kommen. Die meisten (deutschen) Frauen wollen keinen Krieg, keine Waffen, keine Rüstung und keine Armee. Ein Teil der Männer denkt genau so und die Mehrheit steht. Frauen entscheiden in diesem Fall, was die Mehrheit will.

7. Grund, warum wir keine Armee brauchen:

Zwei verheerende Kriege sind genug

Der Zweite Weltkrieg war ein Angriffskrieg Hitlers gegen Polen, Belgien, Frankreich, Niederlande und gegen die Sowjetunion. Es war die größte Katastrophe dieser Art in der Geschichte und das Deutsche Reich und das Deutsche Volk tragen die Schuld.

Doch das ist noch nicht genug. Als das Blatt sich wendete und der Sieg der Roten Armee sich trotz riesiger Verluste anbahnte, als die deutschen Soldaten nicht mehr töten konnten, sondern in Stalingrad getötet und gefangen wurden, da heizten die Verbrecher in der Berliner Regierung die Verbrennungsöfen erst richtig an und mordeten bis 1945 noch Millionen unschuldiger Menschen.

Das ist das größte mir bekannte Verbrechen in der Geschichte. Und wer sagt, die deutsche Wehrmacht hätte nichts damit zu tun gehabt, der lügt.

Trotzdem wurde später von den westlichen Alliierten ein genereller Persilschein für deutsche Soldaten ausgestellt. Das geschah, damit beim Aufbau der Bundeswehr ohne große Untersuchungen Offiziere der Wehrmacht übernommen werden konnten. Sie wurden mit höheren Dienstgraden wieder eingestellt. Daraus erklärt sich die Legende von der Unschuld der deutschen Wehrmacht an den Verbrechen in Polen und Russland.

Bei all dem müssten wir längst das friedlichste Volk der Erde sein und die Mitte Europas das Zentrum einer waffenfreien Zone. Keine Waffenproduktion, keine Rüstung, keine Armee und nie wieder Krieg. Muss das ewig eine Wunschvorstellung bleiben? Wann geht der Wahn der Rüstung zu Ende? Welches Land ist denn mehr dazu prädestiniert endlich Schluss zu machen?

Was wäre, wenn wir wirklich Demokratie hätten, am besten direkte Demokratie? Wir wären friedlich und neutral wie die Schweiz und Österreich und bestimmt glücklicher.

Rob Kenius ist freier Autor und betreibt die Webseite kritlit.de mit systemkritischen Texten, wo auch dieser Artikel zuerst erschienen ist.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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9 Kommentare zu: “Sieben Gründe, die Armee abzuschaffen

  1. Gewalt ist keine Option für den Homo sapiens. Temporäre Überforderung auszuhalten, ohne gewalttätig zu werden, ist die Gießkanne für das Gehirn, von der Gerald Hüther spricht. Der Crashkurs der Zeitenwende ist für viele Menschen, besonders für die Ältesten und Mächtigsten, eine temporäre Überforderung, auf die sie nun mit Machtsicherung und Bewaffnung antworten. Sie sind überfordert und neigen zu Gewalt, statt zu meditieren, Gelassenheit zu üben und neue Nervenzellen zu bilden. Erst wenn das Gehirn kein Schwert mehr besitzt, den gordischen Knoten einfach zu zerschlagen, wird das große Problem wirklich durch Einfallsreichtum und Dazulernen gelöst werden. Goethe sagt, dass Staunen der höchste Grad von Bewusstsein ist. Staunen, als wäre man gerade erst geboren und alles ganz neu, wäre für die Gehirne der vielen machtvollen Greise auf diesem Planeten, der größtmögliche Segen. Diese Gelegenheit bietet sich gerade. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind da. Stattdessen rüsten sie auf, wie die ewigen Narren, um das Beton in ihren Köpfen noch ein bisschen haltbarer zu machen. Aufrüstung ist und bleibt Dummheit, egal mit wie viel Macht, Pomp und Rechthaberei es daherkommt. Die nötigen neuronalen Neuverknüpfungen der Menschheit werden nur angeregt im Zustand der Gewaltlosigkeit. Alleine das Vorhandensein von Armeen unterminiert diesen nötigen Lernprozess.

  2. @M.G.T
    Nun, danke für die Blumen, aber ideologisch ist das, was sie schreiben genau so. Aus der Nummer kommt eh keiner raus denke ich.
    "KEINE Armee zu haben für ein Land kann nur funktionieren wenn ALLE Länder KEINE Armee haben!": Ein Ausrufezeichen ist kein Beweis. Innerer und äußerer Frieden sind stark proportional, soll heißen ein Land mit einem starken inneren Frieden, also großer Solidarität, einer starken Zivilgesellschaft und somit auch großer Renitenz und Resilienz gegenüber versuchen, eine solche Gesellschaft zu usurpieren, sind sehr teuer auszubeuten. Länder mit einer schwachen Zivilgesellschaft (und korrespondierend einem starken Militär) sind aus kapitalistischer Beute-Perspektive ein lohnenswertes Objekt zur Usurpation. Dies lässt sich an der Geschichte des 20. Jahrhunderts auch sehr schön ablesen, den meisten "Aneignungskriegen" ging eine oft jahrelange starke Schwächung der Zivilgesellschaft voraus, sei es über "NGOs" oder eben direktem Terror. Eine starke solidarische Zivilgesellschaft macht ein Militär und insbesondere eine Berufsarmee weitestgehend obsolet. So wie es die deutsche Nachkriegs-Verfassung einst vorgesehen hatte. Leider entfernen wir uns davon immer weiter, insofern haben sie vielleicht doch ein wenig Recht, gemessen am Status Quo haben wir in D eine Armee vielleicht tatsächlich nötig.
    Höchste Zeit, das zu ändern …

    • "ideologisch" – da heben Sie sicher recht – ich nehme die 1. Variante von Ideologie: "Grundeinstellungen und Werte, die wichtig sind und die zusammen eine Art Weltanschauung bilden für das gesellschaftliche Miteinander…
      die 2.Variante: "ein System von Meinungen und Haltungen, die eine Art politische Theorie bilden, wie ein Staat aufgebaut, regiert usw. sein sollte" – lehne ich da eher ab.
      Ein Ausrufezeichen sollte auch kein Beweis darstellen – den erbringt das Leben in tausenden von Jahren und der daraus bekannten Geschichte der Menschheit.
      Das ist fast wie mit dem "Kommunismus" – 'ne feine Sache wenn es allen Menschen gleich gut gehen soll – nur waren die "Erfinder" zumindest so klug zu wissen, dass es sich um eine Utopie handelt – eine positive aber es bleibt eine – denn die Menschen mögen "Vernunftbegabt" geboren werden – aber wie bekannt, erkennen die wenigsten ihre Begabung und machen etwas draus…. und wenn es keine Regeln gibt und die Durchsetzung derer – ja von "Ordnungskräften" wie z.B. Polizei oder Armee gäbe es Anarchie & Chaos, keine Staaten, keine Gesellschaften und wahrscheinlich wesentlich mehr Kriege im Kleinen wie im Großen…..

  3. Nur mal als eine weitere Perspektive – schon der alte Wilhelm Busch wußte es:
    "Fuchs und Igel
    Ganz unverhofft an einem Hügel
    sind sich begegnet Fuchs und Igel.
    »Halt!« rief der Fuchs, »du Bösewicht,
    kennst du des Königs Order nicht?
    Ist nicht der Friede längst verkündigt,
    und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
    der immer noch gerüstet geht?
    Im Namen Seiner Majestät –
    geh her und übergib dein Fell!«
    Der Igel sprach: »Nur nicht so schnell!
    Laß dir erst deine Zähne brechen;
    dann wollen wir uns weiter sprechen.«
    Und alsogleich macht er sich rund,
    schließt seinen dichten Stachelbund
    und trotzt getrost der ganzen Welt,
    bewaffnet, doch als Friedensheld."

  4. Warum WIR keine Armee brauchen?

    Wer ist den WIR? Alle Deutschen? Und ist Armee = Bundeswehr?

    Immer wieder kann man auf kenfm lesen, dass wir eine Fassadendemokratie haben. Könnte es sein, dass die Bundeswehr von denen gebraucht wird, die die Kulissen dieser Fassade schieben? Für die könnten ja alle die Gründe, die hier aufgezeigt werden, überhaupt nicht gelten. Zum Beispiel die Rüstungsindustrie aufgeben? Bei den Profiten? Kommt nicht in Frage!

    Nebenbei gesagt, der 6. Grund (Frauen sind gegen Krieg und Rüstung) ist purer Gender-Blödsinn. Killary Clinton, Maggie Thatcher, Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Annegret Kampf Knarrenbauer -> alles Männer? Wer hat die gewählt? Nur Männer? In kriegerischer Absicht?

    Angenommen, wir hätten eine wirkliche Demokratie und das deutsche Volk würde sich für Maßnahmen entscheiden, die den Eliten maßgebliche Teile ihrer Privilegien wegnimmt (z.B.: Eigentumsverpflichtung lt. Grundgesetz), es müsste noch nicht mal eine Revolution gegeben haben. Wie sicher wären wir dann vor Angriffen solcher Staaten, die imperiale Absichten haben und deren Eliten in Deutschland investiert haben?

    Die USA belegen Firmen mit Sanktionen, weil die sich das Recht auf den "heiligen" freien Handel herausnehmen, sei es in Venezuela, Deutschland oder sonstwo. Das ist Wirtschaftskrieg. In der Geschichte war das nicht selten der Vorläufer für einen richtigen Krieg.

    Nur mal angenommen, die EU würde plötzlich demokratisch betrieben und keine Armee haben. Was würde Erdogan machen, wann stünde der vor Wien?

    Aber die Welt ist nun mal nicht, wie angenommen. Unsere Welt ist voll von Psychopathen, Kriegstreibern und ähnlichen Leuten. Männlich oder weiblich. Das war schon immer so. Der Kapitalismus und der militärisch-industrielle Komplex ist obendrein eine heftige Triebfeder.

    Ich möchte auf alle Fälle auch durch eine Armee geschützt sein. Die Frage ist, was für eine, denn der Zweck der Bundeswehr ist nicht durchgängig der Schutz der deutschen Bevölkerung. Es ist nicht "meine/unsere" Armee.

    Ich gebe zu, dass ich da auch keine fertige Antwort habe. Aber Pazifismus à la Zeugen Jehovas ist keine Lösung. Wäre doch mal ein interessantes Thema auf kenfm. Vielleicht gibt es militärische Experten mit Ideen für eine demokratisch geführte Armee?

  5. Warum muss man immer von einem Extrem ins Andere fallen?
    Deutschland sollte eine Armee haben und als Land braucht man auch eine Armee!
    Leider sind die aufgezählten Gründe teils an den Haaren herbei gezogen oder stehen auf wackligen Füßen.
    1. aufgezwungen? Glaubt man tatsächlich, dass Deutschland nach dem 2.WK keine Armee gebraucht hätte?
    Die Armee hatte nicht den Krieg begonnen – verantwortlich dafür waren die Herrschenden und deren Hofschranzen – hätte man da auch gleich keine Regierenden gebraucht?
    2.keine Feinde? Länder haben Interessen und eben keine Freunde – da wird eher ein Schuh draus und leider sind eben NICHT alle Menschen & Völker gleich – denn sonst würde es ja gar keine Kriege auf der Welt geben – die "Feinde" werden ja gerne erfunden! Und gut ist, wenn ein Land sich VERTEIDIGEN kann!
    3. Eroberung von Kolonien? – DAS soll DER Grund für eine Armee sein? Das ist heute sicher ziemlich weit hergeholt….
    4. Rüstungsproduktion? – Für die reale Wirtschaft wäre es besser wenn die "Finanzwirtschaft" – spricht das globale Spielcasino unter Kontrolle gebracht würde – man sich eher auf Binnenhandel und später in Zusammenarbeit mit anderen Ländern auf internationalen Handel verständigen könnte……
    5.Wiedervereinigung? – Kohl ist doch nicht alleine schuld! Gorbatschow hat leider oder aus Dummheit alle Trümpfe aus der Hand gegeben. Deutschland hätte definitiv gar nicht selbstständig die Entscheidung ob Armee oder nicht treffen können.
    Gorbatschow konnte ja nicht mal durchsetzen, dass die Amerikaner aus dem vereinigten Deutschland abziehen!
    6.Frauen sind gegen Krieg? – Sorry – aus welchem Märchenbuch ist das denn? Man darf sich doch unsere Damenriege mal anschauen – wer da alles FÜR Krieg trommelt? Eventuell – wenn es Gleichberechtigung auf dem Schlachtfeld gibt – also die Damen der Schöpfung sich dort auch tummeln MÜSSEN – vielleicht sind sie dann wieder gegen Krieg!
    7. Der Krieg wurde nicht durch die Soldaten bestimmt – hier macht der Autor gerne auch wieder den Fehler, die Kleinen hängen zu wollen und die Großen laufen zu lassen!

    Das Traurige ist, dass die Menschen in Deutschland heute noch genau so dumm sind wie damals – sie lassen sich von den Möchtegern-Eliten und deren "Qualitäts-Medien – Propagandisten" in Hass und Hetze gegen andere tagtäglich einlullen und merken nicht, dass die Kriegstreiber längst das Kostüm gewechselt haben!

    Eine Armee bedeutet nicht einfach Krieg – das ist sehr eindimensional gedacht! Schade

    • @M.G.T
      "als Land braucht man auch eine Armee" ? Wieso das, wer hat in den letzten 70 Jahren versucht uns anzugreifen ?
      Das einzige, wofür man Armeen in dieser Zeit in D sinnvoll eingesetzt hat, war der Katastrophenschutz (z.B. Hochwasser), das könnte man weitaus besser mit einem erweiterten Katastrophenschutz z.B. in Verbindung mit einem sozialen Jahr hinbekommen. Und ja, eine Armee bedeutet Krieg, denn das ist ihr Zweck. Das wird schon aus juristischer Sicht klar, denn Armeen unterliegen in der Regel nicht dem Zivilrecht und können für ihre Handlungen nicht belangt werden. Und ja. der Militärapparat hat bis jetzt in jedem Krieg die entscheidenden Impulsein Bezug auf Planung und Ausführung gegeben (natürlich nicht der "einfache" Soldat), in der Regel haben Offiziere und Generäle die Politiker überzeugt Kriege zu führen und nicht umgekehrt. Ein Faktum, welches auch in Bezug auf die deutsche Geschichte gerne Unterschlagen wird weil es so schön einfach ist, die ganze "Schuld" auf die "irren" Nationalsozialisten abzuwälzen, so als hätte der Militärapparat in dieser Zeit nichts damit zu tun gehabt.

    • Man kann davon ausgehen, dass ein Land länger als 70 Jahre existiert und bisher haben die Bewohner dieses Planeten bewiesen, dass sie nicht nur gut sind – KEINE Armee zu haben für ein Land kann nur funktionieren wenn ALLE Länder KEINE Armee haben! Denn eine Armee ist ja nicht NUR zum "Krieg anfangen" gedacht sondern sie ist eigentlich zur Landesverteidigung auserkoren – man muss die Regierung nur beim Wort nehmen!
      Die NVA hat z.B. keinen Krieg begonnen – war sie deshalb überflüssig oder war sie tatsächlich eine Verteidigungsarmee?
      Wer nun wen überzeugte Krieg zu beginnen bleibt mal dahin gestellt – das sind die "irren Politiker" Fünf Pfennige wert und die Generäle einen Sechser – das Problem ist Macht UND Geld…..
      Es ist sehr gut möglich die Armee in Gesetze und damit justiziabel zu machen – man muss aber wollen können!
      Oder haben Sie in DE schon durch einen Militärputsch die Machtverhältnisse geändert?

      Leider ist das ideologisches Parteilehrjahr- Gedöns….

    • @M.G.T
      Nun, danke für die Blumen, aber ideologisch ist das, was sie schreiben genau so. Aus der Nummer kommt eh keiner raus denke ich.
      "KEINE Armee zu haben für ein Land kann nur funktionieren wenn ALLE Länder KEINE Armee haben!": Ein Ausrufezeichen ist kein Beweis. Innerer und äußerer Frieden sind stark proportional, soll heißen ein Land mit einem starken inneren Frieden, also großer Solidarität, einer starken Zivilgesellschaft und somit auch großer Renitenz und Resilienz gegenüber versuchen, eine solche Gesellschaft zu usurpieren, sind sehr teuer auszubeuten. Länder mit einer schwachen Zivilgesellschaft (und korrespondierend einem starken Militär) sind aus kapitalistischer Beute-Perspektive ein lohnenswertes Objekt zur Usurpation. Dies lässt sich an der Geschichte des 20. Jahrhunderts auch sehr schön ablesen, den meisten "Aneignungskriegen" ging eine oft jahrelange starke Schwächung der Zivilgesellschaft voraus, sei es über "NGOs" oder eben direktem Terror. Eine starke solidarische Zivilgesellschaft macht ein Militär und insbesondere eine Berufsarmee weitestgehend obsolet. So wie es die deutsche Nachkriegs-Verfassung einst vorgesehen hatte. Leider entfernen wir uns davon immer weiter, insofern haben sie vielleicht doch ein wenig Recht, gemessen am Status Quo haben wir in D eine Armee vielleicht tatsächlich nötig.
      Höchste Zeit, das zu ändern …

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