STANDPUNKTE • 97-prozentiger Klimakonsens? Analyse des zweiten Teils der Cook-Studie (Podcast)

Ein Standpunkt von Markus Fiedler.

Im letzten Artikel habe ich mich ausführlich zur Cook-Studie
„Quantifying the consensus on anthropogenic global warming in the
scientific literature “ von 2013 und deren sehr kreativen Umgang
mit Zahlen ausgelassen.

Weil dieses Ergebnis nicht mit der zusammenfassenden Aussage von Cook et
al. übereinstimmte, dass ganze 97,1% aller Arbeiten dem
„Klimakonsens“ des überwiegend menschgemachten Klimawandels
zustimmten, war es wert, dazu eine Veröffentlichung  zu machen. Der
14 Din A4 Seiten umfassende Artikel wurde ausnahmsweise als Gastartikel
auf der Seite anti-spiegel veröffentlicht.

Auf KenFM wurde zu meinem Text ein vielbeachteter Kommentar von Thomas
Röper als „Standpunkte-Podcast“ gesendet, der zahlreiche Reaktionen
provozierte.

Thomas Röper von Anti-Spiegel bestätigte mir inzwischen,
dass mein Artikel der meistgelesene Artikel seiner Seite sei. Alleine
schon wegen des starken öffentlichen Interesses lohnt es sich, das
Thema weiter zu vertiefen was ich hiermit mache. Diese für einen
Podcast optimierte Veröffentlichung basiert auf einem neuen Artikel mit
gleicher Überschrift, der ebenfalls auf anti-spiegel.ru als
Gastkommentar einsehbar ist. Dieser Kommentar enthält Abbildungen und
weiterführende Links zu Unterlangen als Nachweise, die in dieser Form
in einem Audio-Podcast nicht erbracht werden können. Interessenten
verweise ich daher auf die schriftliche Form des Artikels.

In Summe kam ich zur ersten Hälfte der Cook-Studie zu folgendem
Ergebnis:

In 99,46 % aller wissenschaftlichen Arbeiten ist eine Zustimmung zur
These des überwiegenden Anteils des Menschen am Klimawandel NICHT
ERKENNBAR. Viele halten den Anteil des Menschen für geringer oder
macht keine klare Aussage dazu. Die überwiegende Mehrheit von mehr
als 66% macht keine Aussage zu dieser Fragestellung. Ein geringer Teil
lehnt gar einen überwiegenden oder wenigstens maßgeblichen
menschlichen Anteil am Klimawandel eindeutig ab.

LEDIGLICH 0,54% ALLER VERÖFFENTLICHUNGEN BEHAUPTEN EINEN
ÜBERWIEGENDEN ANTEIL DES MENSCHEN AM KLIMAGESCHEHEN.

Außerdem ist die Datenbasis der Studie fehlerbehaftet, zahlreiche
Veröffentlichungen sind in falsche Kategorien eingeordnet, was eine
Stichprobe ergab. Das könnte bei nochmaliger Prüfung die ermittelten
Anteile der Veröffentlichungen deutlich zu Gunsten der Ablehner des
überwiegenden Anteils den Menschen verschieben.

FEHLER

Es ist bei so vielen Lesern nachvollziehbar, dass mich viele Briefe
erreichten. Neben sehr viel Zuspruch waren da auch einige kritische
Zuschriften, die zu Recht bemängelten, dass ich selbst Fehler bei der
Neueinordnung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen gemacht habe.

Diese Fehler sind inzwischen in der tabellarischen Zusammenfassung der
Abstracts im Artikel auf meiner Homepage behoben und dort in den
aktualisierten Artikel eingeflossen. Dort wurden auch die Korrekturen am
Ende des Artikels dokumentiert.

Der alte Artikel ist in seiner ursprünglichen Form bei
„anti-spiegel  einsehbar.

FALSCH INS DEUTSCHE ÜBERSETZT?

Ein weiterer Kritikpunkt war, dass ich die Zustimmungsgruppen von Cook
et al. und ein Zitat aus dem „Handbuch zum Konsens“ falsch
übersetzt hätte bzw., dass die Übersetzung in der deutschen Version
des Handbuchs falsch sein solle.

Diese Kritikpunkte sind leider noch nicht einmal im Ansatz korrekt.

Die von mir übersetzten Zustimmunsgkategorien stammen aus dem
Rohdatensatz der Cook-Studie. Inhaltlich unterscheiden sich diese nicht
von den Zustimmungskategorien in der veröffentlichten Studie.

Es gibt zusätzlich Streit über folgenden Satz aus der Einleitung von
Cooks Studie:

Among abstracts expressing a position on AGW, 97.1% endorsed the
consensus position that humans are causing global warming.

Heißt dieser Satz übersetzt nun:

Unter den Abstracts, die eine Position zur menschgemachten bzw.
anthropogenen globalen Erwärmung (AGW) ausdrücken, befürworten
97,1% den Konsens, dass Menschen DIE globale Erwärmung verursachen.

Oder aber soll es lediglich heißen:

„… dass Menschen globale Erwärmung verursachen. „

(Gemeint ist hier nur ein Teil der globalen Erwärmung)

In der Tat drücken sich Cook et al. hier nicht eindeutig aus.

Vergleicht man jedoch diese Äußerung mit anderen Äußerungen aus der
von Cook authorisierten deutschen Übersetzung  zum
„Konsens-Handbuch „ , dann findet man darin sehr eindeutige
Ausformulierungen zu dieser Fragestellung:

Zum Beispiel das Zitat:

97% der Klimaforscher haben aus der Beweislage geschlossen, dass der
Mensch DEN aktuellen Klimawandel verursacht.

oder aber:

Den aktuellen Stand des wissenschaftlichen Konsenses (97%) zu
vermitteln, erhöht nicht nur den wahrgenommenen Konsens. Es steigert
auch die Akzeptanz der Tatsache, dass DIE GLOBALE ERWÄRMUNG REAL UND
MENSCHENGEMACHT IST und ein ernsthaftes Problem darstellt.

Jetzt könnte man argumentieren, dass hier der Übersetzer abermals
fehlerhaft gearbeitet hat. Das kann man aber so nicht stehen lassen.
Denn wir lesen u.a. folgendes in der deutschen Fassung des Handbuchs:

Deutsche Übersetzung: Bärbel Winkler, Timo Lubitz, Thomas Traill

Die an erster Stelle genannte Bärbel Winkler, die hier als
Hauptverantwortliche für die Übersetzung angegeben ist, ist die
gleiche Bärbel Winkler, die auch an der Studie mitgewirkt hat. Ein
Leser darf hier davon ausgehen, dass zwischen Frau Winkler und Herrn
Cook ein so enger Austausch stattfindet, dass die wichtigste und
zentrale Aussage der Studie sauber übersetzt wurde.

Und John Cook und sein Team setzen hier noch einen drauf.

„Lassen Sie sich das auf Ihrer Kleinhirnrinde zergehen“, würde Ken
Jebsen an dieser Stelle sagen. Hören Sie einmal genau hin:

97% der Klimaforscher haben aus der Beweislage geschlossen, dass der
Mensch DEN aktuellen Klimawandel verursacht.

Es gäbe also demnach einen Konsens, der besagte, dass der Mensch nicht
nur den überwiegenden Anteil am Klimawandel zu verantworten hätte
(also mehr als 50%) sondern er hätte _DEN_ Klimawandel zu verantworten.
Die Menschheit hätte demnach die gesamte globale Erwärmung alleinig zu
verantworten! Das entspräche 100% menschlichem Einfluss.

Das ist eine Aussage, die die Studie von Cook und Kollegen mit ihrer
Methodik gar nicht erbringen kann, denn darin wurde maximal ein
Zustimmungsgruppe abgefragt, die dem Menschen einen Anteil von über 50%
am Klimageschehen zuschreibt. Hier wird also sehr flexibel mit den
Studienergebnissen in dem Handbuch zum Klimakonsens umgegangen.

Und es bleibt hier die Befürchtung, dass diese uneindeutige und
sprachlich sehr sportliche Wortwahl volle Absicht sein könnte. Ich
komme am Ende nochmal auf diesen Punkt zu sprechen.

Die zentrale Fragestellung bleibt:

IST ES WISSENSCHAFTLICH ZULÄSSIG, FOLGENDE DREI KATEGORIEN (BZW. ZUSTIMMUNSGGRUPPEN) UNTER DEM STATEMENT “ UNTER DEN ABSTRACTS, DIE EINE POSITION ZU AGW (ANTHROPOGENEN GLOBALEN ERWÄRMUNG) AUSDRÜCKEN, BEFÜRWORTEN 97,1% DEN KONSENS, DASS MENSCHEN DIE GLOBALE ERWÄRMUNG VERURSACHEN. “ ZUSAMMENZUFASSEN?

Gruppe Eins: Explizite Bestätigung mit Quantifizierung – Stellt
ausdrücklich fest, dass der Mensch die Hauptursache der jüngsten
globalen Erwärmung ist

Gruppe zwei: Explizite Bestätigung ohne Quantifizierung – Ausdrücklich
heißt es, dass Menschen globale Erwärmung verursachen oder dass die
anthropogene globale Erwärmung / der Klimawandel eine bekannte Tatsache
ist

Gruppe drei: Implizite Bestätigung – Impliziert, dass Menschen die
globale Erwärmung verursachen. Die Forschung geht beispielsweise davon
aus, dass Treibhausgasemissionen eine Erwärmung verursachen, ohne
explizit anzugeben, dass Menschen die Ursache sind

Nach meiner Kontrolle der Kategorie 2 mit einer nicht repräsentativen
Stichprobe von inzwischen 98 Arbeiten kann ich mit Sicherheit sagen,
dass keiner der von mir gefundenen Abstracts aussagt, dass der
überwiegende Anteil des Klimawandels vom Menschen erzeugt ist, schon
gar nicht, dass 100% des Klimageschehens menschliche Ursachen hätte.

In Kategorie 3 finden wir noch schwammigere Formulierungen. Auch hier
sind offenbar nur wissenschaftliche Veröffentlichungen abgelegt, die
zwar irgendwie einen Anteil des Menschen am Klimawandel indirekt
postulieren aber nichts genaues zur Größe dieses Anteils aussagen,
oder aber noch nicht einmal explizit den Menschen als (eine) Ursache
(von vielen) des Klimawandels erwähnen. Letztere wurden dann vom Team
um John Cook so interpretiert, dass da eine klimakonsensbefürwortende
Aussage drin wäre.

Unterm Strich bleibt also die ernüchternde Feststellung: NEIN, ES IST
NICHT ZULÄSSIG, DIESE DREI KATEGORIEN IN EINEN TOPF ZU WERFEN.

Diese Zusammenfassung von Kategorien 1 bis 3 gab es wohl nur, um eine
größtmögliche Menge an wissenschaftlichen Veröffentlichungen wider
aller Logik und wahrheitsgemäßer Aussage unter dem Satz…

Unter den Abstracts, die eine Position zu AGW ausdrücken,
befürworten 97,1% den Konsens, dass Menschen DIE globale Erwärmung
verursachen.

… zusammenzufassen. Das ist kein sauberes wissenschaftliches Vorgehen
und eine vorsätzliche Täuschung des Lesers.

DER ZWEITE TEIL DER COOK-STUDIE

Ich habe in meiner ersten Veröffentlichung zum Klimakonsens auf den
zweiten Teil der Cook Studie keinen Bezug genommen.

Der Grund: Ich hatte zu dem Zeitupunkt dazu schlicht keine Rohdaten
gefunden. „Keine Rohdaten“ heißt automatisch, dass man hier nichts
überprüfen kann. Die Nicht-Erwähnung wurde mir zum Vorwurf gemacht,
sie sei unentschuldbar zumal der zweite Teil der Studie ja die
gefundenen 97% Konsens des ersten Teils bestätigen würden. Abgesehen
davon, dass ich in allen Interviews auf den zweiten Teil hingewiesen
habe, ist dieser Vorwurf in jedem Fall Nonsens: Der Rechenweg und das
daraus resultierende Ergebnis im ersten Teil von Cooks Arbeit wurden von
mir beanstandet. Die Leser ignorieren die offensichtlichen Fehler des
ersten Teils der Studie und behaupten einfach, dass der zweite Teil ja
die Richtigkeit des ersten Teils bestätigte. Selbst wenn der zweite
Teil richtig gerechnet wäre und zum gleichen Ergebnis führen würde,
ist das keine Bestätigung des Ergebnisses des ersten Teils.

Aber hätten sich die Kritiker meines Artikels einmal vorher Cooks
Rohdaten zum zweiten Teil wirklich durchgelesen…

Cook et al. behaupten zum zweiten Teil:

In einer zweiten Phase dieser Studie haben wir Autoren eingeladen,
ihre eigenen Arbeiten zu bewerten. Im Vergleich zu abstrakten Ratings
äußerte ein geringerer Prozentsatz der selbstbewerteten Papiere
keine Position zu AGW (35,5%). Unter den selbstbewerteten Beiträgen,
die eine Position zu AGW ausdrücken, befürworten 97,2% den Konsens.

Die Glaubwürdigkeit dieser Aussage leidet daran, dass wir bereits
wissen, dass der erste Teil der Cook-Studie zum Klimakonsens eine
vollkommen irreführende Zusammenfassung enthält.

GRUNDLEGENDE REGEL IN DER NATURWISSENSCHAFT IST: ERGEBNISSE MÜSSEN
NACHPRÜFBAR UND UNTER GEGEBENEN BEDINGUNGEN WIEDERHOLBAR SEIN.

Zur Überprüfbarkeit gehört auch, dass man die Rohdaten zu einer
Arbeit veröffentlicht.

Nachdem meine Anfrage zum ersten Teil der Arbeit von John Cook ignoriert
wurde habe ich jetzt nach einer schriftlichen Anfrage zu den Rohdaten
des zweiten Teils innerhalb weniger Minuten eine Antwort-Email erhalten.
die mich zu den Rohdaten leitete, zu finden auf der Internetpräsenz
„skepticalscience.com“.

Wer sich diesen Datensatz durchliest findet dies hier:

Year Abstract Self

1991 4 3.0000

1991 4 1.0000

Es folgt eine nicht enden wollende Schlange gleichartiger Datensätze.

Sie verstehen hier nur „Bahnhof“? Cook et al. erklären dazu, dass
die Daten anonymisiert sind. Den Grund dafür habe ich auf die Schnelle
auf den Seiten von Cook et al. nicht finden können. Wie plausibel so
eine Anonymisierung oder ein Datenschutz ist, überlasse ich dem Urteil
des Lesers.

Im Datensatz sehen Sie folgendes: Die erste Zahl ist das
Veröffentlichungsjahr der Studie, die zweite Zahl die Eingruppierung
von Cook et al. und die dritte Zahl die Selbstbewertung der
Wissenschaftler inkl. der Nachkommastellen.

Durch die Anonymisierung kann man nicht mehr nachvollziehen, auf welche
Studien sich hier die Bewertungen im Einzelnen beziehen. Hier kann man
alles behaupten und irgendwelche Zahlen nach Gutdünken eintippen, mit
anderen Worten: In diesem Datensatz gibt es massive Möglichkeiten zur
Manipulation. Ich unterstelle das dem Team von John Cook nicht. Aber
durch die Datenamputation setzen sie sich dem Vorwurf aus, dass man im
Nachhinein die Richtigkeit des Datensatzes als solches nicht mehr
nachprüfen kann. Warum also wurden hier Daten gelöscht?

Durch diese amputierten Datenkolonnen sind eigentlich alle Bemühungen
und Arbeitsstunden von John Cook und Kollegen für den zweiten Teil
hinfällig. Wegen der nachträglich gelöschten Daten und der damit
einhergehenden Unmöglichkeit, diesen Teil der Arbeit nachzuprüfen
stellt sich für mich ganz grundsätzlich der Wille zum
wissenschaftlichen Vorgehen von Cooks Arbeitsgruppe in Frage.

METHODEN

Ich habe mir dennoch die Daten in mein Tabellenkalkulationsprogramm
geladen und nachgeprüft, wie viele der einzelnen Arbeiten in welche
Zustimmungsgruppe (bzw. -Kategorie, wie ich es im letztem Artikel
genannt habe) zugeordnet wurden.

ERGEBNIS

Die Selbsteinschätzung von 1189 Autoren, die sich auf 2142 Studien
beziehen, erbrachte folgendes Ergebnis:

Immerhin 10,58% der Autoren sind diesmal der Meinung, dass der Mensch
den überwiegenden Anteil am Klimageschehen zu verantworten hätte.
(Gruppe 1) Aber nicht 97,2% !

25,8% der Autoren meinen, dass der Mensch einen Anteil am Klimageschehen
hat, nennen aber nicht die Höhe des Anteils. (Gruppe 2)

Und 25,37% der Autoren meinen irgendwie implizit erwähnt zu haben, dass
der Mensch verantwortlich am Klimageschehen ist. (Gruppe 3)

Diesmal wollen sich 36,42% nicht zu dem Thema festlegen, gehören also
laut Cook in Gruppe 4.

DISKUSSION

Das klingt abermals nicht nach 97,2% wie von Cook et al. einleitend
behauptet.

Fassen wir die ersten drei Zustimmungsgruppen zusammen kommen wir laut
eigener Daten auf 61,75%.

Vergleichen Sie hierzu die Tabelle 4 aus Cooks Arbeit: dann entspricht
das ziemlich genau den 62,7% die Cook in seiner Tabelle als Zustimmung
zum Konsens der anthropogenen globalen Erwärmung angibt. Ich kann mir
nicht erklären, wie die leichte Abweichung in den Prozentwerten
zustande kommt.

Der aufmerksame Zuhörer wird es aber schon ahnen. Cook und Kollegen
haben abermals die ersten drei Zustimmungsgruppen wider aller Logik
zusammengefasst und einfach irreführend behauptet, alle diese Gruppen
würden einem Konsens zustimmen, dass der Mensch den ÜBERWIEGENDEN
Anteil am aktuellen Klimawandel hat.

Und abschließend haben sie die Gruppe 4 (diejenigen, die keine Aussage
machen) wieder aus der Stichprobengröße herausgerechnet, was am Ende
zu den sagenhaften 97,2% Konsens führt.

Was ich davon halte, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Mein
Amüsement hält sich in engen Grenzen.

Man bedenke, dass die 11944 wissenschaftlichen Artikel, die Cooks
Arbeitsgruppe untersucht hat nur in die engere Auswahl kamen, weil sie
das Ergebnis einer Stichwortsuche nach ‚_global warming_‚ (= globale
Erwärmung) oder ‚_global climate change_‘ (= globale Klimaänderung)
waren.

Im Nachhinein die Stichprobengröße zu verkleinern und einzelne Artikel
von den Berechnungen auszuschließen, weil sie keine eindeutige Position
zum Thema geäußert hätten geht hier nicht. Es handelt sich bei den
Artikeln bereits um eine Auswahl, denn gelistet sind nur solche, die
sich mit dem Thema ‚Klimawandel‘ beschäftigen. Wenn Wissenschaftler
zum Thema keine klare Aussage machen, hat das seine Gründe. Auch das
muss dokumentiert werden.

Aber selbst wenn man die Arbeiten ohne Meinungsbekundung zum Klimawandel
von der Stichprobe ausschließt und die Anzahl der jeweils
eingruppierten Arbeiten auf die verkleinerte Stichprobengröße bezieht,
kommt man im ersten Teil lediglich auf einen Anteil 1,59% an Arbeiten,
die dem Klimakonsens vom über 50%igen Anteil des Menschen am
Klimawandel zustimmen. Das ist ebenso weit von 97% entfernt.

Es macht einfach unendlich fassungslos, zu sehen, wie leichtfertig hier
mit Zahlen umgegangen wird. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren,
dass diese Studie einzig dazu dient, Material für Debatten mit
sogenannten „Klimaleugnern“ zu liefern.

Und Klimaleugner sind laut dem Wikipedianer Andol alle, die irgendwie
skeptisch sind, was auch nur einzelne Teile der offiziellen
Verlautbarungen vom IPCC anbelangt. Andol ist der Wikipedianer, der sich
nur zu gerne am Material von Cook bedient.

Und Andol hat im Wikipediaartikel namens „Leugnung der
menschengemachten globalen Erwärmung [8]“ 22 von 29 Einträgen des
Namens „Cook“ vorgenommen. Womit ausschließlich der hier
thematiserte John Cook gemeint ist. Und ja, Andol ist fast alleiniger
Autor dieses Artikels mit über 88% Textanteil Offenbar hat Andol eine
besondere Zuneigung zu John Cooks Arbeiten. All das dient nicht zur
neutralen Unterrichtung des Lesers, sondern zur politischen
Meinungsbeeinflussung.

DIE GEZIELTE BEEINFLUSSUNG DER MEINUNGSBILDUNG IM POLITISCHEN DISKURS
IST WEDER DIE AUFGABE VON WISSENSCHAFT NOCH DIE AUFGABE EINES LEXIKONS.
Sie sollen allenfalls neutrale Daten liefern. Mehr nicht!

Und diese angeblichen 97,2% Konsens werden grafisch sehr schön
dargestellt, damit auch der lesefaulste Zuschauer gleich begreift, dass
er als Skeptiker klar in der Minderheit wäre: Gerne werden Arbeiten in
ein dubioses Lager eingeordnet, die zum gleichen desaströsen Ergebnis
bzgl. der Cook-Studie kommen. Das geschieht auch in den Medien, die ich
regelmäßig konsumiere, also KenFM, Rubikon, Free21, etc. Andere
Veröffentlichungen, die  zu einem ähnlichen Ergebnis wie Cook kommen,
werden hingegen als wichtig betont. Es wird dabei nicht kontrolliert, ob
da evtl. ähnliche Zahlenmanipulationen vorliegen könnten. Das ist
Polemik und hat in Sachdiskussionen nichts verloren. Hier findet keine
inhaltliche Auseinandersetzung mit den Texten statt, stattdessen urteilt
man über die Qualität der Texte mittels eines angeblichen
gesellschaftlichen oder wissenschaftlichen Ansehens der Verfasser oder
dem Umfeld, in dem die Texte veröffentlicht werden. Das ist nicht gut
und ist das Gegenteil von der Aufforderung zum selbstständigen Denken.

Eine fehlerbehaftete Cook-Studie sagt nichts über den Wahrheitsgehalt
anderer Arbeiten aus, die auf dem gleichen Gebiet zu ähnlichen
Ergebnissen kommen. Man darf einen Anfangsverdacht äußern, dass da die
restlichen Studien genauer unter die Lupe genommen werden sollten, mehr
aber auch nicht.

Auch umgekehrt sagt das Ergebnis anderer Studien nichts über die
Richtigkeit der Cook-Studie aus. Hierzu ausnahmsweise eine Analogie: Ein
Schüler, der in einer Mathearbeit zum angenommenen richtigen Ergebnis
kommt, aber im Rechenweg an vielen Stellen grobe Fehler gemacht hat,
wird dafür kaum einen nennenswerten Teil der zu vergebenden Rohpunkte
bekommen. Noch problematischer wird es, wenn er zwar das Ergebnis seines
Nachbarn abgeschrieben hat, jedoch nicht erkannt hat, dass dieser eine
andere Variante der Mathearbeit zu schreiben hatte.

Es wurde mehrfach der Eindruck in verschiedenen Kommentaren erweckt, ich
hätte gar nicht erwähnt, dass es andere Studien zum Thema
„Klima-Konsens“ gäbe. Dazu verweise ich auf folgenden Absatz meines
ersten Artikels:

Wie ist es den anderen sieben bekannten Studien zum angeblichen
Klimakonsens möglich, auf Zustimmungswerte bis 99% zu kommen? Die
Cook-Studie deckt hier mit 11.944 untersuchten Veröffentlichungen
bereits eine ziemlich große Menge an wissenschaftlichen Arbeiten und
damit auch Äußerungen zum Klimawandel ab. Wenn wir hier einen nur
verschwindend geringen Anteil an Zustimmung zum angeblichen
Klimakonsens des IPCC finden, auf welcher Datenbasis kommen dann die
anderen Studien zu 99%? Es ergibt sich hier ein erster
Anfangsverdacht, dass auch mit diesen Studien etwas nicht stimmen
kann. „Further research has to be done.“

Den Eindruck zu erwecken, ich hätte gar keinen Bezug auf andere Studien
genommen ist also grob verfälschend. Oder aber man hat diesen Abschnitt
einfach überlesen.

HAT DIE ARBEITSGRUPPE UM JOHN COOK SAUBER GEARBEITET? NEIN, HAT SIE NICHT! WEDER IM ERSTEN NOCH IM ZWEITEN TEIL DER STUDIE.

Ich bin gespannt, was man noch alles an dem nicht anonymisierten
Datensatz zum zweiten Teil herausfinden könnte, wenn man ihn denn
irgendwo auftreiben könnte.

VORSCHAU AUF EINEN WEITEREN ARTIKEL ZUM THEMA

Mich erreichten zahlreiche Tipps und Zuschriften auf meinen letzten
Artikel, die sich im Tenor einig waren, dass der Artikel nur an der
obersten Spitze des Eisbergs kratzte, und da noch mehr Ungereimtheiten
im Verborgenen liegen.

Auch Prof. Bandelt, der schon den ersten meiner Texte auf Fehler
überprüft hat, übersendete Schriften von namhaften Wissenschaftlern,
die massive Kritik an der Cook-Studie üben. Ich habe mir diese
durchgelesen und befinde diese Artikel für äußerst wichtige Beiträge
zum Thema.

Hervorheben möchte ich an dieser Stelle zwei ausführliche Beiträge
von

* Richard Tol (einer der führenden Ökonomen und ehemaliger
Mitarbeiter beim IPCC = „Weltklimarat“ )
* Andrew Montford (einem Chemiker und Publizist, der zahlreiche
Prozesse der Klimaforschung auf seinem bekannten Bishop-Hill-Blog
kritisch begleitet.)

Richard Tol und Andrew Montford erheben noch weitergehende Vorwürfe zur
Cook-Studie. Sie beleuchten sehr wichtige Dinge, die ich hier nicht
besprochen habe. Diese werde ich in einem weiteren Artikel zum Thema
prüfen und zusammenfassen.

Besonders die Fragestellung, ob die
Cook-Studie ergebnisoffen durchgeführt wurde wird von den genannten
Autoren näher beleuchtet.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Dieser Beitrag erschien zuerst am 03.02.2020 auf anti-Spiegel

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Bildquelle:   / Shutterstock

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