STANDPUNKTE • Vorsicht Kamera. Überwachung oder Sicherheit?

Das digitale Zeitalter und seine Hürden.

Ein Standpunkt von Sean Henschel.

Die heftige Erregung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über das Start-up Clearview AI hat gezeigt, dass genügend Bürger der unkontrollierten und unwissentlichen Totalüberwachung eher negativ und skeptisch gegenüberstehen. „Daten sind das neue Öl“ schrieb Bernhard Loyen in seiner Tagesdosis „Clearview Al. George Orwell würde herzhaft lachen“ vom 23.01.2020. Wer sich tiefer mit der Materie beschäftigen möchte, ist eingeladen die Tagesdosis inklusive Quellen nachzulesen, bzw. nachzuhören. Der Beitrag ist verlinkt (1).

Ja, wir leben in Zeiten der Kontrolle. Die Stadt London führt in Europa, wenn es um die Anzahl der Überwachungskameras je 1.000 Einwohner geht (2). Insgesamt an die 627.000 Kameras sind in der britischen Metropole vorzufinden. Berlin hat sich mit knapp 40.000 Überwachungskameras auf Platz 2 der europäischen Rangliste avanciert. Wer durch die Straßen Londons flaniert, wird es schwer haben, die ganzen Kameras aufzuzählen, die einen umgeben.

Die Kameras sind überall und zeigen in alle Richtungen. Egal ob man in der U-Bahn sitzt, vorm Kiosk steht oder einfach nur auf einer öffentlichen Bank Platz nimmt. Selbst in der Universität, beispielsweise in der Kantine oder in den Gemeinschaftsräumen des King’s College London, können die Studenten und Besucher sich der dauerhaften Überwachung nicht entziehen. Ist das freie Denken im modernen Panopticon noch möglich? Der einzige Weg sicher zu sein, dass man nicht gefilmt wird, ist sich auf die Toilette zu verabschieden.

Die Frage lautet: Wie können wir damit umgehen? Und auf Loyen zurückzukommen, geht es um Orwells Big-Brother-Staat oder Huxleys Schöne neue Welt? Oder vielleicht um eine Kombination aus beiden? Entwickeln wir uns zu einer Gesellschaft, in der ein Teil der Bürger die Überwachung und Kontrolle als unterdrückend und totalitär empfinden, während ein anderer Teil diese sogar zu lieben gelernt hat und aus Bequemlichkeit oder Sicherheitsgefühl die Privatsphäre gerne aufzugeben bereit ist?

In Deutschland besitzt fast jeder Bürger ein Smartphone, Computer oder Fernseher. Die Geräte ermöglichen problemlos den Zugang zur digitalen Welt. Wer Teil dieser digitalen Welt wird, hinterlässt Spuren, die sorgfältig von Privatunternehmen und Geheimdiensten analysiert und ausgewertet werden. Die freiwillige Nutzung von Sprachassistenten nimmt ebenfalls kontinuierlich zu.

Der Sprachassistent übernimmt im Privathaushalt schon die Rolle eines Familienmitglieds und fungiert als direkter Schlüssel zum Kauf von Waren und Dienstleistungen jeglicher Art. Die Kunden können sich über die Einfachheit der neuen Systeme freuen, während die Anbieter beachtliche Gewinne einstreichen. Die digitale von der analogen Welt zu unterscheiden wird in der Zukunft eine immer schwierigere Herausforderung werden. Die Vorteile, die solche Systeme mit sich bringen, werden selten zu den Gefahren in Relation gesetzt.

Die fortschreitende Digitalisierung zielt darauf ab, den Bürgern Zeit zu ersparen und Verantwortung abzunehmen, mit der Hoffnung das Geschäft des Jahrhunderts zu machen. Verantwortlichkeiten abzubauen bedeutet aber auch neue Abhängigkeitsverhältnisse zu schaffen und zu einer Infantilisierung der Gesellschaft beizutragen.

Wenn alle Lebensbereiche immer mehr auf das Bedienen von Knöpfen reduziert wird, ist die zwanghafte Verwandlung vom unabhängigen zum passiven Vollzeitkonsumenten nicht mehr weit.

Davon abgesehen, dass die tägliche Blaulichteinwirkung gesundheitliche Risiken birgt, bietet die digitale Welt viele Vorteile im Rahmen einer grenzüberschreitenden Kommunikation und Informationsbeschaffung, vorausgesetzt man lernt damit umzugehen. Generell bereit ist sich die Digitale Kompetenz auch aneignen zu wollen. (gestrichen)

Überwachungssysteme sind für eine freiheitliche demokratische Gesellschaftsordnung eine ernst zu nehmende Bedrohung und eine kritische Auseinandersetzung mit diesen ist dringend notwendig. Was die Installation von Überwachungskameras mit Gesichtserkennungssoftware anbetrifft, bleibt wohl nur noch der öffentliche Protest und Boykott. Sich in einer Großstadt der Kameraüberwachung zu entziehen ist kaum noch möglich.

Ob der Weg der „CamOver“ Bewegung (3) der richtige ist, kann dahinstehen, aber er ist auf jeden Fall nachvollziehbar. Unter dem Slogan „CamOver“ (4) haben sog. Aktivisten 2013 in England und Deutschland (hier als Protest zum damals stattfindenden Polizeikongress) hinsichtlich der generellen Massenüberwachung im öffentlichen Raum zur Zerstörung von Überwachungskameras aufgerufen.

Zum Thema Tracking ein praktischer Hinweis, am Beispiel Youtube. Wer dort bei den Datenschutzeinstellungen einfach unbedacht weiterklickt wird feststellen, dass man Videos vorgeschlagen bekommt, mit denen man irgendwie in Verbindung steht oder die Themenbereiche abdecken, mit denen man herkömmlicherweise konfrontiert wird.

Dies kann manchmal nützlich sein, aber führt auch unmittelbar zur Schaffung sogenannter Filterblasen. Der User fühlt sich besonders gut informiert und merkt nicht, dass sein Digitalverhalten effektiv manipulierbar ist.

Die eigenen Meinungen und bekannten Vorlieben bestätigt zu bekommen mag sich schön anfühlen, kann aber auf Dauer die Einseitigkeit des Denkens zur Folge haben und die Möglichkeit, der digitalen Welt neugierig zu begegnen erheblich einschränken.

Unter den Datenschutzeinstellungen gibt es drei verschiedene Kategorien:

  1. Sucheinstellungen bearbeiten. Dort geht es um die Suchanpassung. Zitat: „Deine Suchanfragen über google.de in diesem Browser werden verwendet, damit Google dir relevantere Ergebnisse und Empfehlungen zur Verfügung stellen kann.“
  2. Einstellungen für Werbung bearbeiten. Hier geht es um die personalisierte Werbung in der Google-Suche und der personalisierten Werbung im Web. Zitat: „In der Google-Suche relevantere Werbung sehen“ und “Relevantere Werbung auf YouTube und über zwei Millionen Websites sehen, deren Betreiber bei der Einblendung von Werbeanzeigen mit Google zusammenarbeiten“.
  3. YouTube-Personalisierung. Hier geht um die Beeinflussung der YouTube Empfehlungen basierend auf  YouTube-Suchanfragen und Wiedergabeaktivität.

Wer diese Datenschutzeinstellungen entsprechend nutzt, also dreimal deaktiviert, wird merken, dass die YouTube Erfahrung sich offenkundig verändert. Auch wenn die Überwachung im World Wide Web nicht ohne weiteres verhindert werden kann, ist die ungewollte Beeinflussung, manuell zu einem gewissen Grad regulierbar.

Dies ist zumindest eine Möglichkeit die man vorerst ergreifen kann.

Quellen:

  1. https://kenfm.de/tagesdosis-23-1-2020-clearview-ai-george-orwell-wuerde-herzhaft-lachen-2/
  2. https://de.statista.com/infografik/19247/top-10-staedte-in-europa-nach-anzahl-der-ueeberwachungskameras-je-1000-einwohner/
  3. https://www.youtube.com/watch?v=9GCsd2TJKjQ
  4. https://www.heise.de/tp/news/Cam-over-Geraten-in-Berlin-nach-den-Autos-jetzt-die-Kameras-ins-Visier-2017952.html

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle:  Nadya So/ Shutterstock

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13 Kommentare zu: “STANDPUNKTE • Vorsicht Kamera. Überwachung oder Sicherheit?

  1. Wenn man allein beobachtet, mit welcher Begeisterung immer mehr Leute inzwischen

    den Einkauf per Handy bezahlen oder ihre Kreditkarte einfach nur noch vor das Lesegerät halten,

    verliert man ganz schnell den Glauben an Vernunft und KritiKfähigkeit der Mitmenschen.

    Tut mir sehr Leid…

  2. Blaulicht war noch nie was, über das man sich freut. 😉

    Zum Thema Tracking…
    Das Gegenteil ist der Fall. Ich krieg eben NICHTS mehr vorgeschlagen von YT, was meiner Filterblase entsprechen würde. Die ist wahrscheinlich viel zu Aluhutig. Stattdessen bombardiert mich YT mit Vorschlägen von Arte und Phoenix. Jetzt musste ich alle Kanäle, die normalerweise in den Vorschlägen automatisch auftauchten (Janich zB) abonnieren. Dann kriegen die Aluhutträger nicht nur Klicks, sondern auch noch Abo's. Irgendwie nicht in Herrscherleins Sinne. 😉

    • PS: Wir müssen uns überhaupt nicht mit google rumärgern und auch nicht mit Werbung!

      https://duckduckgo.com/?q=&t=ffsb (Suchmaschine ohne Tracker)
      https://www.kaspersky.de/internet-security (gar keine Werbung, nicht mal bei yt)

      Einziger "Nachteil" vom Kaspersky… Man muss wikipedia als sichere Seite extra einstellen, sonst lässt der Trojanerfänger seit ca 3 Monaten die wiki-Seite nicht mehr zu. Bööööser Ivan. 😉

    • Das Handbuch für Subkulturen

      2017 geisterte im deutschsprachigen Raum das „Handbuch für Medienguerillas“ durchs Internet. Dessen Inhalt war inspiriert von den Methoden, vor allem den Erfolgen, wie in den USA Graswurzelbewegungen und Subkulturen unterwandert und gekapert worden waren. Auch in diesem Handbuch wird versucht, Menschen anzusprechen, die schon eine kritische Distanz zu Machteliten haben, aber noch beeinflussbar genug sind. Ihre aktiv-revolutionäre Haltung soll in eine passiv-rebellische umgeformt werden.

      Nicht das System wird hinterfragt, sondern es sollen nur die Machthaber und Machthaberinnen ausgetauscht werden. Das Rad wird nicht zerschlagen, es wird nur weitergedreht. So heißt es beispielsweise in diesem Handbuch:

      „Wir alle verarschen gerne Opfer im Internet. Die Bezeichnungen dafür sind vielfältig: Trollen, shitposten, ficken, memetische Kriegsführung oder einfach nur verarschen. Hier ein kleines Handbuch, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.“

      Das Handbuch zeigt deutlich, wie skrupellos und mit welchen Strategien Internetaktivisten, die eher dem rechten Spektrum zuzuordnen sind, diejenigen „angreifen“, die sie für politische Gegner halten. Hier sollen die Leser dümmlichem Doppeldenk und Neusprech auf den Leim gehen, was relativ einfach zu erkennen ist. Das gilt vor allem für diejenigen, die 2015 im Rahmen der sogenannten Flüchtlingskrise beschlossen hatten — vor Angst und Panik —, nicht mehr mit offenen Sinnen ihr Leben zu gestalten und ebenso offen und kritisch mit Medien umzugehen.

      Das „Handbuch für Medienguerillas“ setzt nämlich genau da an: Es nutzt die breite Verunsicherung der Bevölkerung hemmungslos aus, die die Medien durch die auf Hochglanz inszenierte Flüchtlingskrise geschürt hatten.
      (…)
      Absichtlich entstanden ist auf jeden Fall ein Netzwerk rund um Jürgen Elsässer, Oliver Janich, Martin Sellner, Hagen Grell, Naomi Seibt, Gerhard Wisnevski und andere selbsternannte Aufklärer. Diese Gruppe spielt sich koordiniert Themen zu und versucht — ebenfalls abgesprochen —, aktuellen Ereignissen einen Spin zu geben, der die Politik der von ihnen protegierten Partei unterstützt. Noch weniger subtil, als es Jan Böhmermann für die SPD macht — aber um noch einiges scheinheiliger und doppelzüngiger. Denn derartige Absprachen werden bei den etablierten Medien zu Recht kritisiert und aufzudecken versucht.

      Komplett nachzulesen hier:
      Samstag, 19. Oktober 2019, 15:58 Uhr
      ~10 Minuten Lesezeit
      Die Manipulation im Hintergrund
      In den sozialen Medien tobt ein Krieg um die Deutungshoheit in Sachen menschengemachtem Klimawandel.
      von Stephan Bartunek
      (rubikon)

      Und um's abzurunden, manche der im Artikel von Herrn Bartunek genannten "Protagonisten," gegenüber den genannten "Antagonisten," sind mindestens ebenso suspekt. Stichworte "white- und greenwashing."

      Frau Thunberg (nicht im Artikel), brachte nun in Davos die allseits beliebte Floskel der Reaktion, "weder rechts noch links" (was sie absurderweise allein auf Parteien bezog), ergänzt noch durch "auch nicht Mitte." Sie sprach damit einer reinen Technokratie das Wort, versinnbildlicht wohl auch durch den Tesla den sie stets zum Chauffieren hat.

      Greta Thunberg’s Remarks at the Davos Economic Forum (Transcript)
      (The New York Times)
      https://www.nytimes.com/2020/01/21/climate/greta-thunberg-davos-transcript.html

      Also sollte man doch wohl stets achtsam sein und nicht blind installierten Galionsfiguren vertrauen.

      Ergänzend:
      Wenn Thunberg und Co. auf einem Elitentreffen für die ideologiefreie Wissenschaft eintreten, ist das eine Einladung an die Kapitalvertreter, sich als die Stimme der Vernunft und Rationalität auszugeben. Trump gibt das Gesicht des fossilen Kapitalismus mit nationalistischem Einschlag und Thunberg steht für den modernen, nichtfossilen Kapitalismus, der Umweltbewusstsein auf seine Fahnen schreibt. Dabei geht es beiden Formen des Kapitalismus natürlich um Mehrwertproduktion und Ausbeutung von Arbeitskraft.

      Aus:
      Trump und Thunberg – zwei Gesichter des Kapitalismus
      22. Januar 2020 Peter Nowak
      Die Inszenierung in Davos zeigte, wie in Zeiten des Ökologismus radikale Kritik und Opposition gegen die herrschenden Verhältnisse marginalisiert wird. Wie werden die linken Klimaaktivisten darauf reagieren?
      (heise/Telepolis)

      Dazu:
      Das gilt übrigens allgemein. Ein Trump-Hass und eine Obama-Begeisterung sind lediglich zwei Seiten derselben Verblendungsmedaille. Beide Personalisierungs-Affekte machen blind für die Art und für das Funktionieren tatsächlicher Machtstrukturen. Für eine Analyse politischer Machtverhältnisse ist es ebenso wenig relevant, ob ihre Repräsentanten in kultivierter oder in vulgärer Maske auftreten, wie es für die Opfer eines Verbrechers relevant ist, ob der Täter bei seiner Tat bürgerlich-kultivierte Manieren gezeigt hat oder nicht. Personalisierungen erzeugen stets eine Art Affektverschiebung auf Ablenkziele und sind genau aus diesem Grund ein bewährtes Mittel zur Spaltung und Zersetzung von emanzipatorischen Bewegungen.

      Unabhängig von diesen Personalisierungen zum Zwecke der Spaltung/Steuerung:
      Rainer Mausfeld: Die Fridays for Future-Bewegung und andere Klimabewegungen sind notwendig, erfreulich und begrüßenswert! Es erscheint mir wichtig, das zunächst festzuhalten, weil sich das, was sich im Moment in einigen sozialen Medien gegen diese Bewegung entlädt, nur als Diskursverrohung bezeichnen lässt.

      In der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation, die durch eine große ideologische Homogenisierung, eine Entleerung des politischen Raumes und einen massiven Abbau mühsam errungener demokratischer Substanz gekennzeichnet ist, ist jede Form außerparlamentarischer emanzipatorischer Bewegungen zu begrüßen.

      Bei dem lange verdrängten Thema einer drohenden Klimakatastrophe haben die Fridays for Future- und die Extinction Rebellion-Bewegung überhaupt erst wieder für die erforderliche mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Zugleich haben sie in der jüngeren Generation eine erfreuliche Repolitisierung bewirkt.

      Bereits das gibt Anlass zur Hoffnung. Denn immer größere Teile der Bevölkerung haben das Gefühl, dass ihre gesellschaftlichen Veränderungsbedürfnisse keine Adressaten mehr in der Politik haben. Dass nun gerade die jüngere Generation mit ihrer Revolte Wege zu einer demokratischen Selbstermächtigung sucht, sollte eigentlich nicht überraschen.

      Aus:
      Dienstag, 08. Oktober 2019, 15:58 Uhr
      ~26 Minuten Lesezeit
      Die neue Arche
      Im Interview mit Rubikon-Herausgeber Jens Wernicke klärt Elitenkritiker Rainer Mausfeld über aktuelle Massenmanipulationen rund um die Themen globale Erwärmung und Umweltzerstörung auf.
      von Rainer Mausfeld, Jens Wernicke
      (rubikon)

      P.S.: YouTube werbefrei bekommen sie auch über installierte kostenfreie Adblocker

    • Hey Box

      Dass Janich und Co "speziell" zu betrachten sind, ist mir durchaus klar. Trotzdem bieten diese Leute oft Anregungen zum Weiterdenken, auf die ich vlt gar nicht gleich gekommen wäre. Und ich will wissen, was da so abgeht an Themen und Theorien. Vieles hab ich nur entdeckt, weil ich Wisnewskis Gelaber widerlegen wollte. 😉 Wenn ich genauso in der linken Filterblase stecken würde, wie meine Genossen, wär mir so einiges entgangen. Es gibt Themen, die hat Links einfach nicht aufm Plan. Wichtig sind sie aber trotzdem. Gutes Beispiel ist die Organspendendiskussion. Man war ich dankbar für die AfD. Echt blöd das sagen zu müssen…. Aber genau da sind wir. Wir haben nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera.

      Heutzutage bringt es gar nix mehr in eine bestimmte Richtung zu starren, weil alle Möglichkeiten (von rechts über grün nach links) vom System unterwandert sind. Und weil jede Seite ein bisschen was Gutes beinhaltet, denkt jeder er könne mit seiner Seite die Welt retten. Das ist divide et impera in Perfektion.

    • Tatsächlich? Schon krass, daß die einzig positive Erwähnung in ihrem Beitrag sich auf die pseudooppositionelle AfD bezieht. Zuvor war die einzige Nennung Herr janich. Recht(s) einseitige Bsp. sind das. Im Übrigen braucht man rechts nicht zu unterwandern, da die Herrschaften und ihre Steigbügelhalter bereits rechts sind.

      Hr. Mausfeld: Also das Rechts im Sinne … alle Kategorien stammen aus der Zeit der Aufklärung, Liberalismus, Sozialismus, Konservatismus, waren alles Dinge die zu der Zeit entstanden sind.
      Und rechts und konservativ heißt eigentlich, den Status quo bewahren, auch den Politischen. Die waren eben für Monarchie, für die Herrschaft der Kirche, für all so etwas. Insofern ist irgend eine Art dieser Zweiteilung in jeder Gesellschaft da. Ein Teil setzt auf eine emanzipatorische Weiterentwicklung einer Gesellschaft. Das waren dann die die sich links nannten. Und ein Teil setzt auf die Bewahrung des Vorhandenen.
      (Rainer Mausfeld zu den „Gelbwesten“, Neoliberalismus, Migration und Elitendemokratie)

      Also wo stehen wir jetzt? Genosse(!)

    • Owei… Entknote mal dein Hirn. Ich bin weder dein Feind, noch en AfD-Fan. Immernoch nicht, obwohl ich mir (uuuhhhh schlimm) ihre Statements anhöre.

      Wir stehen genau da, wo wir auch schon standen, bevor Kristana hier in Ungnade gefallen war. 😉 Aber ich bin nunmal weder en Affe, noch ne Maschine und solange links die spirituelle Wahrheit dieses Universums negiert… Sorry, da informier ich mich eben umfassend. Fraktionszwang war noch nie mein Ding.

    • Aber Hera, wie können Sie sich erfrechen noch selbst zu denken, gar Widerrede zu führen, eingedenkt der Gnade, mit der ein gewisserr Box samt der Allzweck- und Universalwaffe namens Mausfeld im Mentaltornister schon alles Weltwissen über uns Unwürdige mit wärmster Zuneigung ausgegossen hat?

      Und vermutlich auszugießen bereits ist ad infinitum?

    • Apropos Herr Mausfeld:

      Rainer Mausfeld: Wir müssen natürlich Kritik und Diffamierung unterscheiden. Kritik zielt auf die Sache, Diffamierung auf die Person. Kritik beruht auf Argumenten, Diffamierung arbeitet mit einem Diffamierungsvokabular. Worum geht es mir in meinen politischen Beiträgen in der Sache? In meinen Vorträgen geht es mir weniger um Vermittlungen konkreter Inhalte und Positionen. Denn hier gibt es wie stets bei der Betrachtung komplexer Systeme einen großen Spielraum für unterschiedliche Perspektiven; ich lege jedoch in meinen Beiträgen stets offen, dass meine Perspektive durch die radikaldemokratische Tradition der Aufklärung geprägt ist.

      Mir geht es in meinen Vorträgen vor allem um die Vermittlung einer Denkmethodologie, also gleichsam um das Handwerk des Denkens, mit der wir unsere alltäglichen politischen Erfahrungen wieder in einen Sinnzusammenhang einordnen können. Denn nur so können wir wieder ein Stück Autonomie gewinnen und angemessene Handlungskonsequenzen aus unseren Erfahrungen ziehen.
      (…)
      Das heißt, Vorwürfe wie "geschlossenes Weltbild" oder "Verschwörungstheorie" kommen für Sie nicht gerade unerwartet?

      Rainer Mausfeld: Da meine Vorträge darauf zielen, Denkmethoden aufzuzeigen, mit denen sich die Diskrepanz zwischen Ideologie und Realität besser sichtbar machen lässt, und da die Machtausübenden gerade darauf angewiesen sind, politischen Dissens in Bahnen zu halten, die für sie risikofrei sind, überrascht es mich nicht, zum Ziel von Diffamierungsbemühungen zu werden.

      Da sich ihre Urheber in den von Ihnen genannten Fällen nicht einmal die Mühe machen, etwas anzuführen, das sie als Argumente oder Belege ansehen, haben diese Anwürfe mit mir und den Inhalten, die ich zu vermitteln suche, nichts zu tun. Das ist eigentlich für jeden, der sich ernsthaft mit meinen Beiträgen beschäftigt, klar erkennbar. Wer nun dennoch meint, eine ernsthafte Auseinandersetzung durch ein paar hingeworfene Schmähwörter ersetzen zu können, wird mit einer solchen intellektuellen Selbstauskunft leben müssen.

      Aus:
      "Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung"
      02. Oktober 2018 Paul Schreyer
      Der Psychologe Rainer Mausfeld über die Illusion des Informiertseins, eine "Verachtung des Volkes" und Journalisten und Intellektuelle, "die sich wie Eisenspäne in den Kraftfeldern der Macht ausrichten"
      (heise/Telepolis)

      Und:
      „Dennoch ist unsere Partei nicht verzweifelt. Letztendlich hat der Zusammenbruch der DDR den historischen Bankrott des Stalinismus, nicht des Sozialismus, offenbart“, erklärte North weiter. „Wir waren absolut zuversichtlich, dass es unweigerlich zu einer neuen Bewegung für den Sozialismus kommen wird; dass die vielen Versprechen über die glorreiche Zukunft, die die Wiedereinführung des Kapitalismus mit sich bringen würde, entlarvt werden; dass die Widersprüche des kapitalistischen Systems sich verschärfen und zu einer neuen Welle revolutionärer Kämpfe führen werden.“

      Betrachte man die letzten 30 Jahre, zeige sich, wie korrekt diese Einschätzung gewesen sei, betonte North. Der Kapitalismus zeige wieder sein wahres Gesicht. In sozialer Hinsicht dominiere eine beispiellose Ungleichheit, in außenpolitischer Hinsicht eine neue imperialistische Kolonialpolitik, in philosophischer Hinsicht ein extremer Irrationalismus und in politischer Hinsicht die Wiederbelebung des Faschismus. Dies sei nicht nur in Deutschland der Fall, sondern überall auf der Welt.

      Aus:
      Sozialistische Gleichheitspartei
      Erfolgreiche Veranstaltung zum Jahrestag des Mauerfalls
      Von unseren Korrespondenten
      11. November 2019
      (WSWS)

      Und:
      Die Bedeutungszunahme des »modernisierten« rechten Denkens ist in ihrer Intensität erst durch eine Verschiebung der politischen Koordinaten möglich geworden: Viele Auffassungen, die früher als eindeutig rechts empfunden wurden, gelten heute als erwägenswerte Positionen innerhalb einer »pluralen Meinungsvielfalt«. Auch in linken Kreisen gibt es neuerdings die Einstellung, dass »man durchaus einmal miteinander reden« könne. Aber diese »Gesprächsbereitschaft« ist ein Spiel mit dem Feuer, weil »Diskursverschiebungen« fester Bestandteil der Ausdehnungsstrategie der »Neuen Rechten« sind: »Begrifflichkeiten werden in den Szenemedien, auf den Protestbühnen und in den Theoriezirkeln erdacht und sollen im nächsten Schritt über etablierte Medien und Politiker in die Mehrheitsgesellschaft getragen werden.«³

      Aus: Ausgabe vom 04.01.2020, Seite 12 / Thema
      Postmodernes Denken und Faschismus
      Gefährliche Nähe
      Verteidiger des Irrationalismus. Die »Neue Rechte« und die Sprachlosigkeit der postmodernen Intelligenz. (Teil I)
      Von Werner Seppmann
      (jungeWelt)

      Es bleibt dabei, außer zwei Beifallsbekundungen, für Herrn Janich und die AfD, dem reaktionären weder rechts noch links und Schmähungen war von ihrer Seite nichts.

    • Box

      Du bist leider zu einem herausragend schlechten Beispiel negativen Denkens geworden. SO kriegst du niemanden mehr dazu dir zuzuhören.

      Ich behalte meinen eigenen Kopf. Und egal wie weit links der tickt, wenn links Schei*e baut (und das tun sie im Moment ständig), dann sag ich das und ich sage auch, wenn rechts was Gutes dabei hat. Dogmatismus ist nicht förderlich, frag die Kirchen.

    • Hat sich noch nie jemand gefragt, wo plötzlich die vielen „Berater“ herkamen? Ein schier unüberschaubarer Markt an Beratungs- und Bildungsangeboten hat sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt. Dabei fällt eines auf: Überall werden die gleichen Sätze, die gleichen Aufforderungen und Gleichschaltungsmechanismen eingesetzt. Ein Großteil der insbesondere an Unternehmer und Arbeitnehmer adressierten Bereiche entstand aus der Idee des „Positiven Denkens“. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zwischen manchen — in den USA sehr erfolgreichen — Predigern, namhaften Psychologen, den Vertretern der neuen Propagandatechniken und den Entwicklern der Ideologie des Neoliberalismus zu einem weitreichenden Schulterschluss.

      Das Durchdringen aller gesellschaftlichen Ebenen auf Basis niederschwelliger Botschaften, übermittelt von unverdächtigen Intellektuellen aus den Bereichen Bildung und Beratung, ermöglichte die flächendeckende Verbreitung solcher Botschaften. Ihr Erfolg entwickelte sich langsam, aber stetig. Zu diesem Zweck wurde eine Vielzahl an Problemlösungsstrategien in Form von Tools entwickelt, wie wir sie heute alle kennen. Am Anfang stand das so genannte Neurolinguistische Programmieren (NLP).

      In zahlreiche Quellen wird die Verquickung von Wirtschaft, Public Relations und Psychologie mit der neoliberalen Ideologie angemerkt. Dennoch muss man heute mit heftigem Gegenwind rechnen, wenn man Solches behauptet. Aus diesem Grund war es mir wichtig, auf möglichst viele Quellen hinzuweisen und die Frage zu stellen. Hätte sich die neoliberale Ideologie genauso erfolgreich entwickeln können, wenn die Vertreter erziehender und beratender Berufe nicht über Jahrzehnte im selben Geist ausgebildet worden wären und ihn auf scheinbar unverdächtige Weise an unzählige Menschen herangetragen hätten?

      Auserwählte und Verdammte

      Nach den Lehren des Johannes Calvin aus Genf wurden die Menschen von Gott noch vor der Erschaffung der Welt in Auserwählte und ewig Verdammte geschieden. An diesem vorbestimmten Schicksal könne, so Calvin, kein Mensch etwas ändern, weder durch gute Taten noch durch Glauben. Allerdings könne der einzelne Mensch auch nie mit Sicherheit wissen, zu welcher Gruppe er gehört. Daher sei er auf Zeichen angewiesen – und das deutlichste Zeichen dafür, zu den Auserwählten zu gehören, ist laut Calvin wirtschaftlicher Erfolg. Die Spaltung der Menschheit in Auserwählte und Verdammte, wie sie die Johannes-Offenbarung verkündet, wurde auf das Wirtschaftsgeschehen projiziert, göttliche Ordnung und Marktlogik wurden eins (1).

      Aus:
      Donnerstag, 29. März 2018, 12:02 Uhr
      ~17 Minuten Lesezeit
      Kapitalismus im Kopf
      Eine ganze Industrie arbeitet daran, unseren Verstand zu manipulieren.
      von Ulrike Orso
      (Rubikon)

      Und:
      In der Sache sind links und rechts in der Tat Gegenpole und können daher in der Substanz so wenig Berührungspunkte miteinander haben wie Aufklärung und Gegenaufklärung oder wie Demokratie und Elitenherrschaft. Blickt man jedoch statt auf die Sache auf die Ebene einzelner Personen oder auf die Ebene konkreter politischer Gruppierungen, die sich als links bezeichnen, so lassen sich aus naheliegenden Gründen alle möglichen Konstellationen von Haltungen finden, die in der Sache völlig unvereinbar miteinander sind. Das war auch zur Zeit der Aufklärung nicht anders. Beispielsweise gilt der große schottische Philosoph David Hume als zur Aufklärung gehörig; gleichwohl sah er Schwarze „von Natur aus den Weißen unterlegen“ an, vertrat also rassistische Auffassungen. Auf der Ebene einzelner Personen können also Überzeugungen gleichzeitig nebeneinander bestehen, die in der Sache völlig unverträglich miteinander sind. Das ist eine Konsequenz unserer beschränkten Rationalität und anderer Eigenschaften unseres Geistes. Wir sind oft nicht in der Lage zu erkennen, dass einige unserer Überzeugungen in der Sache miteinander unverträglich sind. Beispielsweise können uns bestimmte Affekte daran hindern, derartige Unverträglichkeiten zu bemerken.So war Hume einerseits von den Leitidealen der Aufklärung fasziniert; zugleich vertrat er – weil er eine mögliche Gefährdung seiner eigenen privilegierten Lebensform fürchtete – ein gesellschaftliches Weltbild, das die damalige gesellschaftliche und kolonialistische Praxis rechtfertigte. Doch auch unter denjenigen, die sich aufrichtig und konsequent der radikalen Aufklärung und den genannten Leitidealen verpflichtet fühlten, fanden sich zahlreiche, die Bedenken hatten, das Volk über diese Leitdeale aufzuklären, weil sie fürchteten, durch den dadurch möglicherweise ausgelösten gesellschaftlichen Transformationsprozess Nachteile hinsichtlich ihres privilegierten Status quo zu erleiden. Erst kommt bei den Privilegierten eben die Sicherung des eigenen gesellschaftlichen Status quo, dann kommt die Moral.
      (NachDenkSeiten – Die kritische WebsiteTitel: Die Links-Rechts-Demagogie. Ein Interview mit Rainer Mausfeld)

      Im Übrigen geht es mir nicht um ihre Befindlichkeit, sondern um die Aufklärung von Propaganda und Subversion.

  3. Bundespolizeigesetz: Seehofer opfert Gesichtserkennung für Staatstrojaner

    Der Innenminister verzichtet nicht nur wegen offener Fragen auf biometrische Fahndung bei der Bundespolizei. Er will andere Überwachungsbefugnisse durchbringen.

    25.01.2020 13:07 Uhr
    Von Stefan Krempl

    Überraschend hat Bundesinnenminister Horst Seehofer einen besonders umstrittenen Passus aus seinem jüngsten Entwurf zur Reform des Bundespolizeigesetzes gestrichen, der den Beamten etwa an 135 Bahnhöfen den Einsatz von Videoüberwachung mit automatisierter Gesichtserkennung erlaubt hätte. Es seien noch "einige Fragen" vor allem rund um die gesellschaftliche Akzeptanz der Fahndungstechnik offen geblieben, ließen der CSU-Politiker und das von ihm geführte Haus am Freitag durchblicken. Doch im Kern geht es bei dem Schachzug vor allem darum, den Ermittlern zumindest andere neue Überwachungsinstrumente rasch an die Hand zu geben.

    Mit Bundestrojaner Kommunikation belauschen

    Dem Minister lag insbesondere daran, die geplante Novelle nach langen internen Debatten in das Abstimmungsverfahren mit den anderen Ressorts zu geben, um die Initiative zeitnah durchs Bundeskabinett und anschließend durch den Bundestag zu bringen. "Ich muss jetzt endlich mal das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren eröffnen", betonte Seehofer bei einem informellen Treffen mit Kollegen aus der EU in Zagreb. Biometrische Gesichtserkennung sei zwar "keine ganz nebensächliche Angelegenheit". Andere Punkte des Vorhabens scheinen dem Bayern derzeit aber dringlicher.

    Mit dem Entwurf wolle Seehofer unter anderem die Kompetenzen der Bundespolizei ausweiten, damit diese verschlüsselte Kommunikation belauschen könne, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Ermittler sollen also den Bundestrojaner einsetzen dürfen, um die Quellen-Telekommunikationsüberwachung durchführen zu können. Dabei geht es um den Zugriff auf die laufende Kommunikation etwa über Messenger wie WhatsApp vor einer Ver- beziehungsweise nach einer Entschlüsselung auf dem Endgerät.

    Heimliche Online-Durchsuchungen und erweiterter Grenzschutz

    Auch eine Befugnis für noch weitergehende heimliche Online-Durchsuchungen von IT-Systemen soll mit der Initiative verknüpft sein. Zudem gilt es dringend, Vorgaben aus der EU-Datenschutzrichtlinie für die Justiz und Polizei umzusetzen. Ferner will Seehofer, dass die Bundespolizei Kontrollen wegen unerlaubter Einreise auch außerhalb ihres bisherigen Einsatzgebiets von 30 Kilometer hinter der Grenze durchführen darf. Hätte der Minister zusätzlich noch auf die biometrische Gesichtserkennung beharrt, wäre er Gefahr gelaufen, dass der Koalitionspartner das gesamte Unterfangen blockiert hätte.
    (heise)

  4. Bei Fragen zur Benutzung von EDV/Kommunikation in Punkto Datenschutz ist https://www.kuketz-blog.de/ ein gute Quelle.
    Z.b.für PC und Firefox https://www.kuketz-blog.de/firefox-ein-browser-fuer-datenschutzbewusste-firefox-kompendium-teil1/

    Ansonsten gilt für den Menschen mit echtem Demokratieanspruch heute:
    – die Großstädte im allgemeinen meiden. PUNKT.
    – Öffentliche Verkehrsmittel wegen Überwachung meiden. PUNKT.
    – etc

    Der Autor hat schon Recht. Wenn jeder es mit dem Datenschutz ernst meinte den er selbst beinflussen kann, wäre schon viel erreicht. Stichwort Whatsapp, Smartmobil.

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