STANDPUNKTE • Wenn zwei sich streiten, freut sich immer ein Dritter (Podcast)

Ein Standpunkt von Sean Henschel.

Es gibt wohl kaum ein Thema das gegenwärtig derart emotional geführt wird, wie die Klimadebatte. Nicht nur im Mainstream wird 24/7 darüber berichtet, sondern auch längst in der alternativen Presselandschaft kontrovers diskutiert. Im Grunde genommen werden vier Standpunkte vertreten. Während die einen behaupten, es gibt einen Klimawandel, behaupten die anderen es gibt ihn nicht. Während die einen behaupten der Klimawandel wäre menschengemacht, behaupten die anderen der Mensch hätte gar keinen Einfluss darauf. Während die einen behaupten der Mensch wäre die Hauptursache für den Klimawandel, behaupten die anderen der Mensch würde nur eine marginale Rolle spielen.

Halten wir eines fest: Es wird immer Menschen geben, die eine andere Meinung vertreten und anders denken. Es gibt die einen die glauben sie haben absolut Recht und es gibt diejenigen die wissen sie haben absolut Recht. Dann gibt es jene die wissen, dass sie nur glauben und diejenigen die glauben nur zu wissen. Nur was ist wirklich Wissen? Und wer weiß wirklich etwas? Dieses Problem wird schon lange diskutiert (das sog. Gettier-Problem (1))

Wie soll jetzt der eine auf den anderen reagieren? Beide gehen davon aus, Recht zu haben. Die eine Möglichkeit wäre auf den anderen einzuschlagen und sich dann über den Sieg zu freuen. In diesem Spiel gewinnt der stärkere, der skrupelloseste und hinterhältigste. Und dann?

Die andere Möglichkeit wäre sich an einem gemeinsamen Tisch zu setzen und miteinander zu reden. Respektvoll und mit Achtung gegenüber dem anderen. In dem Moment, wo man den anderen Gesprächspartner kein Gehör mehr schenkt, negiert man unausweichlich seine Urteilsfähigkeit. Wer die Urteilsfähigkeit negiert, negiert zugleich die Vernunft des anderen. Wer die Vernunft des anderen nicht anerkennt, ist nicht weit davon entfernt, den anderen nur noch als Mittel zu sehen.

Was ist denn wirklich der gemeinsame Nenner? Nun ja, der Mensch ist von Natur aus ein philosophisches Wesen, ein Wesen das Fragen stellt und nach der Wahrheit sucht, wohlwissend, dass er die absolute Wahrheit nie finden wird. Der Mensch staunt über die Dinge. Der Mensch versucht zu verstehen. Wir wollen alle einfach nur reden und unsere Gedanken austauschen. Wir hoffen insgeheim darauf, mehr Licht in die dunklen, verborgenen Schubladen unserer Existenz zu bringen. Auch wenn vieles nur Zerstreuung ist. Die ruhelose Geschäftigkeit des Menschen zeigt uns allen, dass wir eigentlich nur versuchen mit uns selbst klarzukommen, der Langeweile zu entkommen und einen Sinn in unseren Handlungen zu finden. Das Thema Klimawandel ist nicht ausgenommen. Die Motive sich mit etwas zu beschäftigen können vielfältig sein, aber im tiefen Inneren geht es um dasselbe.

Kommen wir zurück zur menschlichen Kommunikation. Ich möchte hier keine persönliche Stellungnahme abgeben, sondern versuchen die beobachteten Probleme aufzuzeigen.

Am 30.08.2019 veröffentlichte KenFM den Beitrag Klimabetrug: Gerichtsurteil stürzt CO2-Papst vom Thron von Rainer Rupp (2). In dieser Tagesdosis äußerte sich der Autor über eine Zivilrechtsstreitigkeit zwischen dem amerikanischen Klimaforscher Michael Mann und Timothy Ball. Im groben ging es um eine Klage des Michael Mann gegen Timothy Ball. Timothy Ball soll  in einem Interview Mann beleidigt/verleumdet haben.

In Deutschland ist die Verleumdung z.B. in § 187 StGB geregelt: Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe (…) bestraft.

Der Autor Rainer Rupp verweist diesbezüglich auf die Anklageschrift. Daraufhin spricht R.Rupp von gehackten Emails, die aufzeigen würden, dass die gegenwärtige Klimaforschung stark manipuliert wird. Rupp weist auf die starke Vermutung hin, dass die IPCC akkreditierten CO2-Wissenschaftler Absprachen treffen und bei Notwendigkeit, die tatsächlichen Ergebnisse den erhofften Ergebnissen anpassen würden.

Um es einfach zu formulieren: R.Rupp stellt die gehackten Emails, als Beweis für Manipulation zu Gunsten der mehrheitlich in der Öffentlichkeit propagierten Meinung dar (der Klimawandel wäre menschengemacht und vom CO2 Gehalt in der Luft abhängig. Profiteur dieser Einschätzungen wäre dann die Industrie). Rupp spricht von einem „CO2 getriebenen Investitionsboom.“

R.Rupps Beschreibung der Umstände stellt eine Meinungsäußerung und zugleich eine Tatsachenbehauptung dar. Beides ist oftmals juristisch schwer zu trennen. Bei einem Dafürhalten, würde man eher von einer Meinungsaüßerung ausgehen. Bei Tatsachenbehauptungen geht es um Geschehnisse, die dem Beweis zugänglich sind. Eine Tatsachenbehauptung kann aber auch zugleich eine Meinung beinhalten. Vieles hängt vom Kontext der Äußerung ab.

R.Rupp stellt leider keine Quellen zu den Emails zur Verfügung. Die einzige Möglichkeit die Schlüssigkeit der Behauptungen festzustellen, wäre eine Lektüre der „gehackten“ Emails. Was R.Rupp geschrieben hat kann stimmen, muss aber nicht.

Weiterhin behauptet R.Rupp, Michael Mann hätte vor Gericht sich geweigert seine Methodik (seine rohen, unbehandelten Kimamessdaten vorzulegen usw) offenzulegen. Dies stellt eine Tatsache, die sich einfach aus den Dokumenten über das Gerichtsverfahren ergeben müsste (Urteilsfindung, Anträge, Protokoll). Jedoch fehlen leider die jeweiligen Quellen.

R.Rupp geht schließlich auch davon aus, dass das Gericht aufgrund der fehlenden Verweigerung die jeweiligen Informationen über die Arbeitsmethode zur Verfügung zu stellen, zu dem Schluss gekommen sei, diese Informationen müssten dementsprechend manipuliert und gefälscht worden sein. Ob dies eine Meinung oder eine Tatsachenbehauptung darstellt, lässt sich schwer sagen. Die Antwort müsste sich ebenfalls aus den Dokumenten über das Gerichtsverfahren ergeben.

R.Rupp geht weiterhin davon aus, dass die Verweigerung Manns, die jeweiligen Informationen über seine Arbeitsmethode zur Verfügung zu stellen, den materiellen Beweis liefern würde, dass das Ganze ein „krimineller Betrug“ gewesen sei. Dies stellt eine Meinungsäußerung dar und muss dementsprechend immer mit einer gewissen einkalkulierten Spekulation verstanden werden.

Sein Fazit: eine Gruppe von bekannten Wissenschaftlern, vor allem Michael Mann, haben gewaltig Dreck am stecken und verheimlichen wichtige Informationen. Die Presse spielt mit und alles wird versucht, die Story unter den Tisch zu kehren. Michael Mann hat sich laut Rupp durch sein gerichtliches Vorgehen selbst ins Bein geschossen, da er unvorhergesehenerweise aufgefordert wurde seine Arbeitsmethode vorzulegen.

Egal wie man jetzt zu dem Text steht, der Text hat öffentlich für enorme Resonanz gesorgt. Positiv wie auch negativ. Während manche Rainer Rupp für seine Ehrlichkeit loben, scheinen andere ihn regelrecht dafür zu hassen. Im Endeffekt hat er nur das geschrieben was er denkt.

R.Rupp hat seine Meinung zu diesem Thema geäußert und Tatsachen behauptet, die er bislang nicht mit Quellen untermauert hat. Ob die behaupteten Tatsachen stimmen oder nicht, lässt sich nur feststellen, wenn man die Quellen heranzieht. Dies wäre zum einen die gehackten Emails, sowie die gerichtlichen Dokumente selbst.

Wie kontrovers der Text in der „alternativen“ Presselandschaft gesehen wird, zeigt sich gut an dem Beitrag von Mathias Bröckers : Die Anti-Umwelt-Demagogie (3), die auf seiner Homepage, später bei Rubikon (4) veröffentlicht worden ist und als Reaktion auf den Text von Rupp geschrieben wurde.

Mathias Bröckers versucht in seinem Text die Aussagen Rupps zu widerlegen und seinen Standpunkt darzustellen. Während Rupp behauptet, Mann würde die Kosten für den Rechtstreit tragen, widerpricht Bröckers und verweist auf den Twitteraccount von Michael Mann selbst.

Mathias Bröckers versucht ebenfalls die Aussagen Rupps über die Erkenntnisse des Gerichts zu widerlegen. Dabei geht es vordergründig um diesen Satz: „Dr. Manns Totalverweigerung ließ auch für das Gericht nur den Schluss zu, dass die Hockeyschläger-Daten manipuliert und gefälscht sind.“

Zugegebenermaßen ist dieser Satz durchaus interpretierungsfähig. Er könnte einerseits bedeuten, Rupp meint das Gericht hat die Hockeyschläger-Daten überprüft und verworfen wie Bröckers die Aussage versteht. Andererseits könnte es aber auch derart gemeint sein, dass das Gericht die Hockeyschläger-Daten tatsächlich nicht überprüft und verworfen hat und aus der reinen Verweigerung Michael Manns, die Arbeitsweise, also die Informationen über die Methodik die zu den Hockeyschläger-Daten geführt haben herauszurücken, den Schluss gezogen hat, diese könnte dementsprechend nur gefälscht oder manipuliert worden sein. Nach dem Motto: Wer Informationen über die eigene Arbeitsweise geheim hält, manipuliert und verfälscht seine Ergebnisse. Ich denke letzteres wollte Rupp sagen. Letzteres wäre aus dem was Rupp vorher behauptet auch schlüssig, auch wenn die Aussage nicht stimmen mag, weil sie auf einer möglicherweise falschen Annahme beruht. Es ist durchaus möglich logisch zu argumentieren, auch wenn das Ergebnis falsch ist.

Um Klarheit darüber zu bekommen, müsste man mehr Quellen zur Verfügung haben. Und am besten direkte Quellen und keine Verweise auf anderweitige Artikel.

Bröckers nimmt in vielerlei Hinsicht eine entgegenstellende Sichtweise ein, aber eine Überprüfung der Aussagen ist ebenfalls schwierig.

In Hinblick auf die Gerichtsverhandlungen, ob jetzt das Gericht X oder Y überprüft, nicht überprüft, verworfen, nicht verworfen hat, müsste sich ebenfalls aus den gerichtlichen Dokumenten ergeben.

Unabhängig davon, was man für glaubwürdig hält, kommt man an einer Überprüfung der Inhalte nicht vorbei. Beide Texte lassen ausführliche Quellenangaben vermissen. Gewiss handelt es sich um Kommentare und dementsprechend gehört es dazu mehr zu interpretieren als zu beweisen. Dennoch fällt momentan einiges an dieser ganzen Debatte auf, nämlich, dass sie mit wenig Respekt und der Achtung vor dem anderen geführt wird. Man versucht den anderen zu diskreditieren indem man den anderen sofort verurteilt, unterstellt, als Trottel darstellt. Wie Debatten geführt werden sollten ist schon lange ein philosophisches Thema gewesen und wurde schon oft diskutiert. Vielleicht wäre es hilfreich sich an (Karl) Popper (5) und (John Stuart) Mill (6) zu orientieren. Vielleicht wäre es hilfreich sich an dem Dalai Lama oder Gandhi zu orientieren. Mit einer aggressiven Haltung vermag man niemanden zu überzeugen. Allianzen zu schmieden und gegen den anderen zu obsiegen ist ebenfalls wenig erfolgsversprechend. Der Mensch ist widersprüchlich und irrt sich ebenfalls. Wer wirklich an einer Veränderung interessiert ist und ein friedliches Leben wünscht, muss erstmal friedlich werden und Neid, Hass und Eitelkeit bei Seite legen.

Und zu guter letzt ein Zitat zur Pressefreiheit: „Ich lehne ab, was Sie sagen, aber ich werde bis auf den Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.“ Voltaire

Wer schon die reine Meinungsäußerung anderer vehement unter Beschuss nimmt und mit Wut reagiert, ist nicht mehr weit von der Zensur und nicht mehr weit von der Gedankenpolizei entfernt. Die Meinungsäußerung findet auch in Deutschland seine Grenzen (Persönlichkeitsrecht anderer), aber das Recht seine Meinung erstmalig frei zu äußern, ohne dafür verhaftet zu werden ist ein über Jahre umkämpftes Privileg, was manche immer wieder gerne vergessen.

Kleine Anekdote: Als Jean-Paul Sartre in den Knast gehen sollte, weil er sich vehement gegen den Algerienkrieg einsetzte, soll der damalige französische Präsident Charles de Gaulle daraufhin gesagt haben: „on n‘emprisonne pas Voltaire „ – Voltaire ist nicht inhaftiert.

Wer andere dafür hasst, für das was sie denken und öffentlich sagen und daraufhin versucht diesen möglichst effektiv mundtot zu machen, ist bereits im Inneren totalitär geworden. 

Die Geschichte hat oft gezeigt, was passiert wenn man nicht miteinander redet und alles mit Argwohn betrachtet.

Verantwortungsbewusst handeln, bedeutet einen Waffenstillstand zu vereinbaren und sich wieder an den Verhandlungstisch zu setzen. Sei es privat oder öffentlich. Den anderen zu verletzen hat noch nie jemals genützt. Ein giftiges Klima beizubehalten ist ebenfalls keine Lösung gewesen. Ist es nicht genau das, was an (Egon) Bahrs und (Willy) Brandts Ostpolitik so bemerkenswert war? Die Fähigkeit und der Mut die andere Seite verstehen zu wollen und an die Gemeinsamkeiten zu appellieren. Den anderen trotz großer Differenzen erstmal respektvoll wahrzunehmen und zu achten? Man sollte den anderen nicht vorschnell aufgeben.

Sich zu streiten ist normal, die entscheidende Frage ist aber wie dieser Streit geführt wird. Dies gilt ausnahmslos für alle Bereiche des Lebens.

Quellen:

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Gettier-Problem
  2. https://kenfm.de/tagesdosis-30-8-2019-klimabetrug-gerichturteil-stuerzt-co2-papst-vom-thron/
  3. https://www.broeckers.com/2019/09/03/immer-dieselben/
  4. https://www.rubikon.news/artikel/die-anti-umwelt-demagogie
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Offene_Gesellschaft
  6. https://books.google.de/books/about/%C3%9Cber_die_Freiheit.html?id=AzKytAEACAAJ&source=kp_book_description&redir_esc=y

Bildquelle:  KieferPix/shutterstock

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4 Kommentare zu: “STANDPUNKTE • Wenn zwei sich streiten, freut sich immer ein Dritter (Podcast)

  1. Ich muß Ihnen grundsätzlich Recht geben. Möchte nur hinzufügen, dass mich "persönlich Angriffe und Diffamierungsversuche" nicht unbedingt "in die Theorien des Opfers" treiben, sondern – und möglicherweise meinen Sie es auch nicht anders – sie "treiben" mich dazu, mich mit diesen Theorien etwas eingehender zu befassen. Eine Motivation, die ich bisher glaubte auch und besonders bei Dirk Pohlmann zugrunde legen zu dürfen. Wofür auch fast alle seiner bisherigen Veröffentlichungen sprechen. Das Bild des "Opfers" mag sich bei ihm verschoben haben und er sieht tatsächlich als Opfer die Menschheit und die Erde und sieht sich deshalb berechtigt, alle die diese Perspektive nicht eins zu eins übernehmen, mit persönlichen Angriffen und Diffamierungen zu bedenken.

  2. Danke, mich treiben persönlich Angriffe und Diffamierungsversuche eher in die Theorien des Opfers da ich annehmen muss, wer zu solchen Mitteln greifen muss, dessen Ansicht bzw Theorie fehlt die Substanz, die Robustheit gegenüber gegenläufigen Theorien.
    Und fügt eine menschliche Komponente hinzu die, meiner Meinung nach, auch die Glaubwürdigkeit des persönlich Angreifenden schwer beschädigt.

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