STANDPUNKTE • Wir müssen uns jetzt entscheiden.

Ein Standpunkt von Sean Henschel.

Der Homo sapiens tötet gegenwärtig mehr Tiere als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Der Fleischkonsum steigt weltweit stetig an, mit rasant steigender Tendenz in Asien. Jedes Jahr schlachtet die Gattung Mensch über 75 Milliarden Tiere ab (1), (2), (3).

Es sind nicht nur die Zusammenhänge zwischen dem exzessiven Fleischkonsum und dem Klimawandel, der eine Debatte über die Rechtfertigung einer massenhaften Domestizierung anderer Lebewesen immer mehr in den Fokus gesellschaftspolitischer Debatten rückt, sondern zunehmend auch die Infragestellung der gängigen Moralvorstellungen durch die neue Generation @.

Der bis heute mehrheitlich befürwortete Speziesismus (5), der schon in der griechischen Antike und später durch die katholische Kirche stark beworben wurde, gerät immer mehr ins philosophische Straucheln. Wie kann der Mensch die Tötung eines nichtmenschlichen Tieres zum Eigennutz rechtfertigen? Darf der Mensch ganze Wälder abholzen, um Platz für Viehfutter zu schaffen, Millionen von Tonnen Wasser verbrauchen, nur um ein Stück Fleisch zu verzehren? Darf der Mensch Millionen von Tieren durch künstliche Besamung züchten, um diese später für Tierversuche zu nutzen (4) ? Können wir uns unter diesen Umständen immer noch als moderne und zivilisierte Lebewesen betrachten, ohne als Heuchler dazustehen? Führt der Mensch nicht regelrecht einen Krieg gegen die Tierwelt?

Der Kaiser ist nackt. Mit dem Internet werden die Menschen immer schneller und einfacher an die tatsächlichen Zustände der industriellen Massentierhaltung herangeführt. Der Glaube an die glückliche Kuh, die auf der Wiese grast, oder das nette Schweinchen, das glücklich herumturnt, ist ein durch die Werbung sehr gerne propagiertes Kindermärchen. Nur bei knapp 1% der weltweiten Tierhaltung trifft dies wirklich zu. Alle anderen Tiere werden in sogenannten „factory farms“ gehalten, wo sie mittels hochentwickelter Technik bis ins kleinste Detail maximal ausgebeutet werden (6), (7).

Ziel ist es, mit dem allergeringsten menschlichen Aufwand, den allermeisten Ertrag aus dem Tier herauszuholen. Profitmaximierung um jeden Preis. Tiere werden vorsätzlich verstümmelt, auf engstem Raum gehalten und regelmäßig mit Hormonen und Antibiotika Spritzen versorgt. Wer nicht nach der menschlichen Pfeife tanzen möchte, wird auf brutalste Weise zusammengeschlagen und misshandelt. Nicht nur die dort lebenden Tiere werden wissentlich krank gehalten und ständigem Leiden ausgesetzt, sondern auch die Peiniger dieser Farmen selbst, die meist nur ein Jahr aushalten und später mit posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen haben. Nur wer emotional abgestumpft ist und seine natürliche Empathie Fähigkeit zuhause im Keller gelassen hat, überlebt dieses Massaker.

Am 08.06.2019 fand in Paris am Platz der Republik eine von der Tierschutzorganisation L214 organisierte Demonstration für die Abschaffung der Schlachthöfe statt. Knapp 3600 Menschen kamen zusammen und füllten den Platz (8). Darauf folgend hielt die Mitbegründerin der Organisation Brigitte Gothière einen längeren Vortrag, in dem sie das Leid der Tiere aufs Schärfste anprangerte und für mehr Menschlichkeit und weniger Barbarei warb. Es war ein klares Statement an die lokale Bevölkerung und an die ganze Welt. Es folgte ein dreistündiger Marsch der Entschlossen durch die Pariser Straßen, vorbei an vielen Schaulustigen und Interessierten, denen Informations-Flyer ausgeteilt wurden.

Zudem versammelten sich diverse französische Tierschutzorganisationen und vegane Unternehmer am Platz der Republik, um vegane Alternativen anzubieten und schmackhaft zu machen. Ein Pendant zur bekannten VeggieWorld (9).

Es gibt wohl kaum ein Thema, welches so kontrovers diskutiert wird, wie die eigene Ernährungsweise und die eigene Beziehung zu Tieren. Um eine konstruktive Debatte in Gang zu setzen, müssen wir zuerst unsere Vorurteile bei Seite legen und anfangen, ganz einfache Fragen zu stellen. Vielleicht ist es hilfreicher auf die Gemeinsamkeiten zu achten, als auf die Unterschiede. Wer Tiere zum Eigennutz isst oder an ihnen Tierversuche ausübt, kommt früher oder später nicht an der folgenden Frage vorbei: Wie lässt sich dies moralisch rechtfertigen?

Der Philosoph und Ethiker Peter Singer (10), der von Jeremy Bentham beeinflusst wurde, macht, wenn es um die Rechtfertigung der Tötung von Tieren zum Eigennutz geht, auf eine Problematik aufmerksam. Wer behauptet, der Mensch sei das einzige Lebewesen auf dem Planeten, das vernunftbegabt ist und somit von Natur aus besser und höher einzustufen sei als jedes andere nichtmenschliche Tier, stößt auf folgendes Problem.

Wenn nur die Vernunft entscheidend sein soll, was tun mit den Menschen, die keine Vernunft im Sinne einer funktionierenden Urteilskraft besitzen? Die Rede wäre dann von geistig schwerbehinderten Menschen und von Säuglingen. Heißt dies, dass wir das Recht darauf haben müssten zu Gunsten der rationalen Menschen geistig Schwerbehinderte und Säuglinge zu töten, um diese anschließend zu verzehren oder an ihnen Menschenexperimente auszuführen? Würde man dann nicht zwangsläufig in einen Widerspruch verfallen, wenn man die Tötung eines Schweins oder eines Schimpansen bevorzugen würde, obwohl allgemein bekannt ist, dass Schweine und Schimpansen einen höheren Intelligenzgrad haben als Säuglinge oder geistig schwerbehinderte Menschen?

Wie man sieht, gerät man schnell in ein ethisches und philosophisches Dilemma. Wir können heute auf die Menschenwürde verweisen und somit die Tötung von geistig schwerbehinderten Menschen oder Säuglinge als moralisch verwerflich einstufen. Die Menschenwürde ist ein moralisches Konstrukt, das besagt, dass der Mensch einen inhärenten Wert besitzt, der unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht oder Alter ist. Peter Singer zeigt zudem, dass das Thema Tierrechte und Tierschutz eine starke Parallele mit dem Thema Rassismus oder Feminismus aufweist.

Kein Mensch ist gleich und es wäre absurd zu denken, alle Menschen müssten die gleichen Rechte haben. Das Recht der Abtreibung kann logischerweise nur eine Frau innehaben und ein Recht auf Asyl nur ein ausländischer Staatsbürger. Das Recht auf Gleichbehandlung ist ein vom Menschen geschaffenes Konstrukt, auf dessen Einhaltung sich eine Gesellschaft geeinigt hat.

In Deutschland besagt der Gleichheitsgrundsatz (Art. 3 GG, (11)) um es einfach zu formulieren, dass wesentlich gleiche Sachverhalte gleich behandelt werden müssen und wesentlich ungleiche Sachverhalte unterschiedlich. Es geht darum, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Dass das Recht auf Gleichbehandlung eine Idee ist und keine natürlich Tatsache beweist schon der Umstand, dass man auf der Welt grundlegend verschiedene Zustände vorfindet. Wo hierzulande Frauen alle Rechte zugesprochen werden, werden anderswo Frauen rechtlich regelrecht unterdrückt und offiziell als minderwertiges Geschlecht eingestuft.

Wir haben uns also darauf geeinigt, dass die Vernunft beim Menschen nicht herangezogen werden darf, um die Menschenwürde zu bewerten. Wenn es unter uns Menschen nicht um die Vernunft geht, warum sollte dies bei nichtmenschlichen Tieren anders sein? Die Anerkennung der Menschenwürde basiert auf der Akzeptanz einer grundlegenden Gemeinsamkeit aller Menschen.

Als Jeremy Bentham bemerkte, dass die menschliche Vernunft als maßgebliches Unterscheidungsmerkmal im Rahmen einer philosophischen Debatte nicht wirklich überzeugen konnte, sowie einfache Fragen nicht erfolgreich abzuwehren vermochte, suchte er nach Tatsachen, die allen Menschen und allen Tieren grundsätzlich gemein ist.

Nach seiner Auffassung war diese Tatsache im Leiden zu finden. Jeder Mensch und jedes nichtmenschliche Tier hat die Fähigkeit zu leiden und strebt von Natur aus ein schmerzfreies Leben an.

Das ist die grundlegende Gemeinsamkeit. Die entscheidende Frage war somit nicht, ob ein Tier Vernunft besitzt oder ob ein Tier eine Sprache hat, sondern ob ein Tier leiden kann. Nach dem heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand, verfügen Tiere auch über ein Nervensystem und haben die Fähigkeit, in ähnlicher Weise wie wir Menschen Schmerz zu empfinden. Die Möglichkeit Schmerz zu empfinden und somit zu Leiden, wird als grundlegendes Bewertungskriterium für das eigene moralische Handeln herangezogen.

Nach dieser Auffassung wäre es moralisch inkonsequent, nichtmenschlichen Tieren unnötig Leiden zuzufügen. Wer bei Menschen die Zufügung von unnötigem Leid moralisch ablehnt, müsste dies ebenfalls bei mitfühlenden Tieren ablehnen. Es geht um die Einhaltung einer argumentativen Stringenz. Wenn der Mensch im Rahmen seiner privaten Lebensführung nicht gelernt hat seine doppelmoralischen Handlungsweisen zu hinterfragen, wie lässt sich dann die Erwartung aufrechterhalten derselbe Mensch besäße die Fähigkeit dies auf einer außenpolitischen Ebene zu tun?

Es geht hier nicht darum, für Vegetarismus oder Veganismus zu werben oder gar anderen Menschen diese Lebensweise aufzuoktroyieren. Das Ausmaß der Massentierhaltung hat sich jedoch seit dem letzten Jahrhundert derart ausgeweitet, dass die Leugnung philosophischer und ethischer Fragestellungen nicht ohne Weiteres ignoriert oder gar verdrängt werden kann. Es geht vielmehr darum, die elementaren Fragen erneut zu stellen und wieder in den Vordergrund rücken zu lassen. Zudem gilt es zu verstehen, dass die Beziehung des Menschen mit dem nichtmenschlichen Tier auch Auswirkungen auf die Beziehung des Menschen mit anderen Menschen entfaltet. Zudem rückt der Klimawandel immer näher, sodass eine Auseinandersetzung mit der heutigen Lebensführung zur Pflicht werden wird, wenn der Homo Sapiens noch ein Jahrhundert auf dieser Erde überleben will.

Leo Tolstoi soll mal gesagt haben, dass solange es Schlachthöfe gibt, es auch Schlachtfelder geben wird. Über die Stichhaltigkeit dieser Aussage lässt sich durchaus streiten. Eines wollte Tolstoi aber klarmachen: Solange der Mensch nicht in der Lage ist, gegenüber den hilflosesten Lebewesen genügend Achtung zu zeigen und über elementare Werte wie Menschlichkeit und Mitgefühl nachzudenken, wie kann man von ihm erwarten, dies gegenüber Seinesgleichen zu tun?

Unser Glaube an etwas bestimmt unser Handeln. Über die Jahrhunderte sind genügend Menschen gestorben und es haben genügend Menschen gelitten, damit wir heute einen gewissen Standard an Menschenrechten vorfinden. Der Glaube an die Menschenrechte reicht für deren Weiterbestehen jedoch nicht aus. Wir müssen immer wieder aufs Neue die Durchsetzung dieser Rechte einfordern und für deren Einhaltung kämpfen. Ansonsten bleibt es bei einfachen Sätzen, geschrieben auf ein Stück Papier.

Wer das Thema Tierrechte, Tierschutz und Umweltschutz in den Mund nimmt, kommt nicht herum, diese Werte auch aktiv zu leben und ihnen zur tatsächlichen Geltung zu verhelfen. Aktivist zu sein bedeutet sein Handeln zu steuern und wohlbewusst Entscheidungen zu treffen. Entweder man tut etwas oder man tut etwas nicht. Egal wofür man sich schlussendlich entscheidet, eine Entscheidung bleibt es trotzdem. Diese Entscheidung muss jeder für sich alleine treffen. Der Mensch ist regelrecht zur Freiheit verurteilt!

Bildquelle: S.Henschel /privat

Quellen:

  1. http://www.db.zs-intern.de/uploads/1541755718-2018FAOOutlookNov.pdf
  2. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/02/PD19_043_413.html
  3. https://faunalytics.org/global-animal-slaughter-statistics-and-charts/
  4. https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/infos/statistiken/22-tierversuchsstatistik
  5. https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/speziesismus/62560
  6. https://www.youtube.com/watch?v=LQRAfJyEsko&feature=youtu.be
  7. https://vimeo.com/209647801
  8. https://france3-regions.francetvinfo.fr/paris-ile-de-france/paris/manifestation-paris-fermeture-abattoirs-1271069.html
  9. https://veggieworld.de
  10. https://www.haraldfischerverlag.de/hfv/buecher/befreiung-der-tiere.php
  11. https://dejure.org/gesetze/GG/3.html

+++

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

+++

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

+++

Jetzt kannst Du uns auch mit Bitcoins unterstützen.

BitCoin Adresse: 18FpEnH1Dh83GXXGpRNqSoW5TL1z1PZgZK

12 Kommentare zu: “STANDPUNKTE • Wir müssen uns jetzt entscheiden.

  1. Ich schaue mir seit einiger Zeit keine Tierfilme mehr an. Denn dabei wurde mir immer mehr klar, dass das ganze Leben aus fressen und gefressen werden besteht. Sehe ich einen Film z.B. über den Eisvogel mit Brutaufzucht, sehe ich wie er Insekten erbeutet. Da ich mich mit dem Eisvogel identifizieren soll, muss ich hoffen, dass er für seine Jungen viele Insekten fängt. Doch das bereitet mir mittlerweile Unbehagen. Denn ich sah einen anderen Film über den Lebenszyklus einer Libelle. Das Lebensziel der Libelle sei es, sich zu entwickeln und dann fortzupflanzen. Pech, wenn ein Eisvogel daherkommt. Das Leben vorzeitig als Beute eines anderen Fressers zu verlieren ist schlimm. Viel, sehr viel schlimmer ist es natürlich, wenn das Leben bis zur Schlachtung nur aus Qual bedeutet. Massentierhaltung und am Ende eine fürchterliche Tötung sind grausam.
    Ich bin mit Herz und Seele Gärtnerin. Bei mir kann der Rasen im Sommer zur Wiese werden. Ich säe zusätzlich z.B. Bienenweide. Und auch manche ‚Unkräuter‘, die in meinen Blumenbeeten schön wachsen, dürfen stehenbleiben. Trotz allem funktioniert gärtnern nur, wenn man gestaltet und kultiviert. Das bedeutet aber immer auch, bestimmte Kräuter einzudämmen, Pflanzen zurückzuschneiden usw. Zwischen meine Blumen setze ich auch Salat. Wenn ich den Salatkopf abschneide, ist mir auch klar, dass ich Leben töte. Der Salat will einen Achstrieb entwickeln, Blüten und Samen ansetzen und sich vermehren. Wenn ich Lavendel zurückschneide, damit er kompakt und schön bleibt, spürt er das auch. Es gibt ein Buch ‚das geheime Leben der Pflanzen‘, darin wird beschrieben, wie ein Wissenschaftler Versuche an Pflanzen mit Lügendetektoren gemacht hat. Pflanzen erkennen z.B. Menschen, die Blätter an ihnen abreißen. Mittlerweile ist bekannt, dass Bäume unterirdisch über ihre Wurzeln kommunizieren, Informationen austauschen. Wenn man das im Hinterkopf hat, was bedeutet dann z.B. landwirtschaftliche Monokultur mit riesigen Feldern, die nur aus denselben Pflanzen bestehen? Spargelfelder, über die Spargelstecher herfallen! Zu den sieben sogenannten Todsünden gehört die Völlerei. Wenn man bedenkt, dass jedes Lebewesen sich nur ernähren kann, wenn es andere Lebewesen frißt, bedeutet Essen ohne Hunger, bzw. nur aus Lust, Lebewesen ohne Not zu töten. Aber ich kann beim besten Willen nicht moralisch zwischen Allesfressern, Vegetariern oder Veganern unterscheiden. Die Frage ist nur, wie gehe ich mit Mitgeschöpfen um, die ich essen will (muss)? Die profitorientierte, konventionelle Landwirtschaft foltert und quält. Was ist von einer Regierung zu halten, die das Schreddern von Küken für eine bestimmte Übergangszeit für zulässig hält. Wenn der zuständige deutsche Minister im EU-Parlament für die weitere Zulassung von Glyphosat stimmt? Wenn hormonelle Blutprodukte in der Schweineaufzucht verwendet in Deutschland werden dürfen, die das gleichzeitige abferkeln begünstigen (ist rationeller)? Diese Hormonmedizinprodukte werden hergestellt, in dem trächtigen Wildpferden in z.B. Argentinien auf bestialische Weise Blut aus der Halsschlagader entnommen wird. (googeln nach ‚Blutfarmen‘) Unsere Landwirtschaftsminister/innen werden von Lobbyverbänden beeinflusst. Je größer ein landwirtschaftlicher Betrieb ist, umso mehr Zusschüsse kann er erhalten und Steuern sparen. Wir müssten wieder zu bäuerlichen Kleinbetrieben wechseln. Wir müssen einen Sinn für die gesamte Mitwelt entwickeln.

    • „…bedeutet Essen ohne Hunger, bzw. nur aus Lust, Lebewesen ohne Not zu töten.“

      Nicht aus Lust sondern Not töteten Angehörige sog. primitiver Gesellschaften, z.B. die Indianer Amerikas, ihre Bisons, bei deren Seele sie sich bedankten und um Verzeihung baten. Die Europäer töteten die Bisons bis fast keine mehr da waren, nur aus Gründen der Nützlichkeit und des größtmöglichen Glücks für die größtmögliche Zahl. Und die Indianer zählten am Ende nicht mehr zur größtmöglichen Zahl. Im Hinduismus und Buddhismus ist man sich des Leidens aller Kreaturen und der Pflanzenwelt bewusst, worin sie sich vom Christentum unterscheiden. Das Gebet am Tisch ist inhaltsloses Ritual.
      Eine humanistische, aufgeklärte Weltsicht, wie die von Goethe, sagt: „Als ich einmal eine Spinne erschlagen, / dacht ich, ob ich das gesollt? / Hat Gott ihr doch wie mir gewollt / einen Anteil an diesen Tagen!“

  2. Sich auf Bentham und Singer zu beziehen ist ein fraglicher Standpunkt. Bedenklich gar, weil der ganze Bentham und der ganze Singer ignoriert werden.
    Ein weiser Mann meinte mal, sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist. Ähnliches meint: „Birds of a feather flock together“ (Gleich und Gleich gesellt sich gern).

    Sich vom ganzen Bentham den Teil als Mittel zum Zweck (ganz im Sinne der Nützlichkeit und damit im Sinne Benthams!) dienlich zu machen, der seinem Anliegen nützt, aber den ganzen Bentham zu ignorieren, das macht verdächtig. In mehrfachem Sinne: Verdächtig im Sinne Benthams, für den der Mensch ein reiner Nutzenmaximierer ist, der ohne jede Rücksicht auf seine Mitmenschen seine partikularen Interessen verfolgt. Verdächtig im Sinne der Manipulation. Verdächtig im Sinne der Halbbildung.

    Die Vernunft wird einerseits verworfen, aber dann doch andererseits zur Garantie des Glücks der größten Zahl, eine nach rationalen!!! Kriterien konzipierte systematische Strafgesetzgebung mit Sanktionen für den Bürger propagiert. Wer wissen will, was er sich darunter vorstellte, der sollte sich über den ganzen Bentham, vor allem über seinen Entwurf des „Panopticon“ schlau machen.
    Und wer sich den ganzen Bentham vornimmt, der stellt fest, dass sich seine liberale Haltung auf die Wirtschaftspolitik beschränkte. Jenseits der Wirtschaftspolitik ist Folter legitim, also sind es auch Wucherzinsen, denn jenseits der Wirtschaftspolitik ist der „dumme eigennützige“ Bürger, der sich über die Absichten von Handlungen keine Gedanken machen soll. Dabei hat das Gesetz die Funktion, die Bürger zur Allgemeindienlichkeit zu zwingen. Weil eine Handlung nicht nach ihren Absichten beurteilt werden soll, wird die Frage der Allgemeindienlichkeit und des Zwangs dazu
    sowie die Frage „für wen?“ nicht gestellt. Wer sich die Frage „für wen“ ensthaft vornimmt, der muss sie so beantworten: Der Bürger, der sich über Absichten von Handlungen keine Gedanken machen soll, ist „allgemein dienlich“ für „den homo econimicus.

    Ganz ähnlich bei einem anderen „Liberalen“:

    Mill, On Liberty, Einführung:

    „Es ist kaum nötig zu sagen, daß diese Lehre nur für Menschen in der Reife ihrer Fähigkeiten gilt. Wir sprechen nicht von Kindern…Aus denselben Gründen bleibt die Betrachtung jener rückständigen Zustände der Gesellschaft außerhalb des Rahmens unserer Untersuchung, in denen sich das Menschengeschlecht im Zustand der Unreife befindet… Der Despotismus ist für die Barbaren die legitime Regierungsmethode, vorausgesetzt, der Zweck ist die Verbesserung ihres Zustandes. Freiheit als Prinzip wird erst dann anwendbar, wenn die Menschheit der Verbesserung mit Hilfe freier und gleicher Diskussion fähig geworden ist. Bis dahin gibt es für sie nur implizite Unterwerfung unter einen Akbar, einen Karl, wenn sie glücklich genug sind, einen solchen Führer zu finden.“

    Western Liberalism, A history in documents from Locke to Croce. Ed. Brramsted/Melhuish, p.
    243:
    „Completely unhistorically, Bentham denied that all men were born free. All rights were derivative, none of them could be anterior to the State as every right presupposed a sanctioning authority. There was, however one principle which forms the foundation of any State or society: Self-Interest. `The cell of moral and political sociiety is for him not man as the possessor of rights but homo economicus…‘.“

    Goethe bezeichnete Bentham als „radikalen Narren“ und Marx nannte ihn ein „Genie in der bürgerlichen Dummheit“.

    Bürgerliche Dummheit wäre es in der Tat, aufgrund des Mitleids am Leid jeder Kreatur dem homo economicus den Schlüssel für das Panopticon zu geben.

    Hier noch ein aktueller Bentham: versteckt im Plädoyer des homo economicus Friedrich Merz, im Sinne des Glücks der größtmöglichen Zahl alle Bürger zu Börsenspekulanten zu machen – für den homo economicus.
    Übrigens: Dem Glück der größtmöglichen Zahl fehlt der qualitative Aspekt vollkommen.

    Der Mensch ist heute Erzeuger und Verbraucher von Tieren UND Menschen in einer Gesellschaft des Übergangs von der industriellen zur digitalen Serien- und Überschussproduktion, in der alles Lebendige dem Prinzip der Nützlichkeit und des größtmöglichen Glücks der größtmöglichen Zahl geopfert wird. Fromm spricht hier von Nekrophilie. In diesem Sinne verfehlt der Artikel das Thema.

    Und die Frage der größtmöglichen Zahl spricht ein Kommentator hier an mit dem Satz: „Simpel: wer das Leid auf dem Planeten reduzieren will, muss die Zahl der Menschen reduzieren.“

    Interessant ist, wie dieses Thema im britischen Königshaus gesehen wird. Da hat einer wohl (nicht) den ganzen Bentham gelesen? Da will einer als Virus reinkarniert werden, um die Menschheit zu reduzieren.

    „Der Liberalismus kredenzt ein Abspülwasser als Lebenstrank.“ (Karl Kraus)

    • Das Recht auf Leben als Prämisse ist ein Falle .
      Zum einen ist dieses Recht in der Praxis relativ, und es wird heute zum schweren Schaden der Menschheit
      machtpolitisch missbraucht .

  3. Meine Schweinchen
    Sophie Scholl – Lisa Fitz und Egon Bahr sind nicht zum Essen da.
    Versuche an Menschen .?
    Ist doch all Gegenwertig man siehe 1G – 2G – 3G – 4G – 5G – Geoengineering – Haarp – Quecksilber & Aluminium in Impfstoffen.
    Aspertam & Glutamat & Glyphosat in der Nahrung.
    Ich könnte noch lange so weiter machen.

    Klimawandel Prrrrrrrrrrrrrrrrrrr.!
    Wer heute Abend mal den Himmel beobachtet hat wird die Vorbereitung mit (Geoengineering & Haarp) für ein Gewitter gesehen haben und ihr nennt es Klimawandel.

  4. Ich fresse mein Leid frei gelebtes Fleisch. Nicht weil mir das Tier sonst Leid tun würde, sondern weil ich es mir Wert bin. Ich versuche mit der Natur, von der Natur UND durch die Natur zu leben 😉

  5. Ein wichtiges Thema für den aufgeklärten Menschen den Verzehr von „Mitbewohnern des Planeten“ zu überdenken. Ich benutze bewusst nicht das abwertende Wort „Tiere“.

    Wenn seltenere Exemplare der ca. 200 Paarhufer (wissenschaftlich Artyodactyla) exotisch genug sind dann schwärmen wir. Wir fahren zum „Walewatching“ oder bestaunen die Giraffe oder das Flusspferd. Geht denn einer zu Weide und ist begeistert im Angesicht der Kuh? Nichts am Fleischverzehr ist in heutiger Zeit natürlich, wir sind nur damit aufgewachsen und hinterfragen es zu wenig. Wie verheerend es ist hat Tolstoi so gut auf den Punkt gebracht.

    Wer heftig dagegen arbeitet ist die Fleischindustrie, denn Fleisch ist angeblich ein „Stück Lebenskraft“. Als Beispiel sei genannt: Das von unaufgeklärten männlichen Geschlecht so beliebte Steak was angeblich für mehr Kraft/Potenz sorgt. Werbewirksam ist das im Unterbewusstsein verankert – wie der dickere Auspuff.

    Mittlerweile habe ich immer mehr Respekt vor anders aussehenden A -l i e n s oder anderen „Mitbewohnern des Planeten“. Gerade mal ein kleiner Anfang ist, ALLEM was Haut und Fell hat und die Nachkommen säugt menschenähnliche Gefühle zuzugestehen. Wer Völkerrecht missachtet der verachtet auch Menschenrecht und Tierrecht.

    Link: albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/das-rufen-der-kuhe

Hinterlasse eine Antwort