STANDPUNKTE • Wo sollen wir anfangen?

Ein Standpunkt von Sean Henschel.

Wir leben in einer kranken Gesellschaft wo die Verrückten die Blinden führen. Der sogenannte moderne Mensch ist fettleibig und kriegt schon beim Treppensteigen nicht genügend Luft, seine Haut ist unrein und er ist zudem süchtig nach allerlei Dingen. Er inhaliert täglich toxische Stoffe, trinkt giftige Substanzen und kriegt nach fünf Stunden Zuckerentzug schlechte Laune. Er hat regelmäßig Rückenschmerzen und Knieschmerzen, vorgezogene Schultern, Hammerzehe und einen unangenehmen Beckenschiefstand. 

Ein gesunder Gang ist nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme. Gesunde zwischenmenschliche Beziehungen werden immer seltener und Persönlichkeitsstörungen verschiedener Art häufen sich. Es gehört zwar zum Menschsein dazu, Grenzen zu überschreiten und irrationales Verhalten an den Tag zu legen. Selbst Schmerz und geistliche Verwirrung kann seinen Reiz haben. Aber wenn dies zur Normalität wird, hat der Mensch ein ernstzunehmendes Problem.

Selbstverständlich finden sich Ausnahmen, aber diese sind stark unterrepräsentiert. Die westliche Welt gilt als hochentwickelt und in hohem Grade technisiert. Eine Welt die die Beherrschung und Unterwerfung der Natur als Heilmittel preist aber nicht in der Lage ist grundlegende Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen. Der Mensch wird permanent überwacht und wird in naher Zukunft in einer bargeldlosen Gesellschaft zur biometrischen Gesichtserkennung gedrängt werden.

Man könnte so ewig weitermachen…

Der Status Quo ist derart schockierend, dass man schnell den Mut verliert und sich nur noch ins Private zurückzieht. Die gesellschaftlichen Probleme lösen sich aber nicht durch Untätigkeit in Luft auf und wer in einer Demokratie schläft, wacht in einer Diktatur auf. Der Mensch kann sich ein ständiges Jammern nicht mehr leisten. Wer sich aber entscheidet sein eigenes Leben schrittweise zu verändern, wird mit einem Zustand konfrontiert, der dem Menschen von Natur aus Probleme bereitet, die Isolation und die Einsamkeit. Der Mensch als soziales Wesen tut sich damit schwer aber es nützt leider wenig, in einer kranken Gesellschaft der Angepasste zu sein. 

Wir müssen selber denken und dann müssen wir selber handeln. Handeln ohne zu Denken ist gefährlich und Denken ohne zu Handeln führt zu nichts.

Fangen wir damit an, Verantwortung zu übernehmen und die kleinen veränderbaren Dinge in den Blick zu nehmen. Der Fokus sollte auf das gerichtet sein, was der Mensch Schritt für Schritt verbessern kann und auf die er unmittelbaren Einfluss hat. 

Das Konsumverhalten ist einer der wichtigsten und stärksten Machtmittel, die noch in der Hand der Bevölkerung liegt. Es sind nicht die Eliten, die mehrheitlich bei Großkonzernen ihr Geld lassen. Sie sind lieber Eigentümer als Kunden. In vielen Fällen ist es das Geld der Masse, die als Gewinnausschüttung nach Oben abfließt. Der Imperialismus ist überall sichtbar. 

Er findet sich auf dem Essteller, im Badezimmer, im Kühlschrank, an der Garderobe und im Schlafzimmer wieder. Der Mensch trägt den Imperialismus zur Schau und nimmt ihn tagtäglich in den Mund. Er sortiert gesellschaftskritische Bücher in Regale ein die von Unternehmen produziert werden, die kaum Steuern zahlen und zudem qualitativ mangelhafte Produkte verkaufen. Er bevorzugt neues zu kaufen, anstatt altes zu restaurieren. Ausgerechnet die Vermögenslosen, handeln am widersprüchlichsten. Die Kette von Kausalzusammenhängen wird bedauerlicherweise selten offengelegt. 

Unsere Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsfähigkeit verkürzt sich immer mehr und wir beschäftigen uns mit Belanglosigkeiten. Es macht keinen wesentlichen Unterschied ob wir Germany’s Next Topmodel angucken oder die Bundespressekonferenz um sich anschließend über die politische Farce zu echauffieren. Wir beschäftigen uns mit Ereignissen, die wir nicht ändern können und die uns keineswegs weiterhelfen. Solange wir damit beschäftigt sind, die alte Welt zu bekämpfen, anstatt diese zu ersetzen, werden wir keinen Schritt weiterkommen. 

Der Mensch hat die Chance mit den gegenwärtigen Kommunikationsmitteln, schnell und effektiv alternative Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Wir haben die Wahl. Wir können Kommentare fassen, die es uns gemeinsam ermöglichen in einen konstruktiven Diskurs über Lösungsvorschläge einzutreten. Wir können persönliche Anekdoten hinzufügen und zielgerichtet Vorurteile aus der Welt schaffen und auf wichtige Informationsquellen verweisen.

Der konstruktive Diskurs über unser alltägliches Konsumverhalten ist schon ein sehr wertvoller Schritt in die richtige Richtung. 

Tauschen wir uns aus. Abschließend ein Zitat von dem Theologen und Philosophen Reinhold Niebuhr: 

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ 

Über diesen Satz lässt sich gut nachdenken, unabhängig davon ob man an Gott glaubt oder nicht.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: beeboys / Shutterstock

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31 Kommentare zu: “STANDPUNKTE • Wo sollen wir anfangen?

  1. Arbeiten – Gehorchen – Saufen – Konsumieren – Echauffieren – Buckeln – Treten – Denunzieren – Hetzen !

    Das sind auf den ersten Gedanken die Dinge, die das System von uns fordert. Tust du das nicht, bist du ein böses Kind. Die Erziehungsmaßnahmen für die Funktionsäffchen (danke an Albrecht Müller für diesen Begriff) werden ganz deutlich, sobald man die Glotze anmacht. SO musst du sein, sonst Psychopharmaka oder Hunger.

    Es braucht schon ein bisschen kriminelle Energie, um diesem System das Futter zu nehmen. Wer mit Kriminellen spielt, muss ihre Regeln adaptieren. 😉 Aber es ist machbar, wenn man sich von den gefälligst zu habenden Bedürfnissen verabschiedet und sich aufs Wesentliche konzentriert.

    NOCH hat jeder von uns die Chance nach SGB2 vom Staat zu bekommen, statt zu funktionieren. Nutzt doch endlich diese Chance, bevor man uns das auch noch wegnimmt. Aber in Deutschland macht ja Arbeit bekanntlich frei.

  2. Eine kurze Geschichte unserer drei Waschmaschinen:

    Unsere erst Waschmaschine funktionierte ziemlich genau 30 Jahre. Sie war ein Produkt des VEB Waschgerätewerkes Schwarzenberg (DDR).
    Es war ein sog „Halbautomat“, d.h. ohne Schleudergang, das hatte den Charme eines vergleichsweise geringen Gewichtes und daher einer leichteren Transportierbarkeit. Wir hatten dazu eine kleine Schleuder vom gleichen Hersteller – Das „ Umladen“ war sicher nicht ausgesprochen „komfortabel“ aber kein Problem, an dem auch nur den kleinsten Gedanken zu verschwenden, sich lohnte.
    Im übrigen verfügte sie über die auch heute noch typischen „Waschprogramme“. Die Steuerung war eine sog. „elektromechanische“, das war ein kleines technisches Wunderwerk in Form und Funktionsweise einer größeren mechanischen Taschenuhr. Die soll zu DDR-Zeiten auch ab und zu kaputt gegangen sein, bei uns nicht, sie war zudem problemlos ersetzbar.
    Wir konnten bei diesem Gerät zu jedem x-beliebigen Programmzeitpunkt „einsteigen“, die Temperatur zwischen 0 und 90 Grad „frei“ wählen, man konnte zwecks Reinigung die Waschtrommel problemlos herausheben, usw., usw..

    Im Jahre 2006 gab das gute Stück seinen Geist auf – kaputt war die Laugenpumpe, das am meisten belastete Teil.
    Nun hätten wir da sicher bei unseren „bastlerischen Fähigkeiten“ irgend etwas Ähnliches verbauen können, aber wir waren schlicht zu faul. Wir dachten, gut sie hat ihr Geld verdient, kaufen wir uns etwas Neues.

    Und wir kauften nicht das „Billigste“, einen „Vollautomat“ (anderes gab es da nicht mehr). Daß dieses Gerät selbstverständlich über eine „elektronische“ Steuerung verfügte, die uns in der bisher gewohnten „Freiheit“ doch erheblich einschränkte, sei nur am Rande vermerkt – zur Not gewöhnt man sich an alles.
    Und wir leisteten uns da noch eine „Zusatzgarantie“ für weiter 5 Jahre (ein geradezu typisches Exempel dafür, daß sich Juristen in eigener Sache auch wie Idioten verhalten), so daß wir insgesamt 7 Jahre relativ und vermeintlich „sorgenfrei“, waschen zu können glaubten.
    Das konnten wir auch.
    Nach genau 7 ½ Jahren verabschiedete sich allerdings – der Leser ahnte es – die elektronische Steuerung. Nach Auskunft hinzugezogener Fachkräfte sei da der „Prozessor“ hinüber, die Steuerung nicht ersetzbar, weil nicht mehr hergestellt etc., etc. – kurz und schmerzlos – diese an sich in ihren „waschwesentlichen“ Bestandteilen voll funktionsfähige Waschmaschine wanderte auf den Schrott.

    Nun haben wir unser drittes Exemplar – mit einer elektronischen Steuerung, die uns nebenbei noch mehr in unserer Handlungsfreiheit einschränkt und die zudem über einige Funktionen verfügt, die mit „schwachsinnig“ geradezu wohlwollend umschrieben sind. Irgendwann möchten wir einmal wissen, wie der Idiot aussieht, der sich diese „Programme“ ausdenkt.

    Und nun harren wir der nächste „elektronischen Störung“.

    So liebe Brüder und Schwestern, derartige Geschichten ließen sich endlos und „warenübergreifend“ fortschreiben – z.B.: Wir bauen heute Autos, in die wir im Gegensatz zu früher nicht mehr einsteigen können, ohne vorher die „Bedienungsanleitung“ studiert zu haben, weil die elektronische Ausstattung das Instrumentenbrett wie das Cockpit eines Passagierflugzeuges erscheinen läßt – was zu allem Überfluß auch noch als der erstrebenswerte Gipfel eines „fahrenden Büros“ u. ä. beworben wird… Man steigt ein, dreht den „Zündschlüssel“ und meint, sich in einer dieser früheren „Großraumdiskos“ zu befinden.

    Im Jahre 2015 mußten wir bei unseren Eltern eine defekt Leuchte wechseln. Es war eine sog. Energiesparlampe. Als wir auf den Sockel schauten, sind wir fast von der Leiter gefallen. Da stand doch tatsächlich "VEB NARVA" (ein 1991 liquidierter DDR-Leuchtmittelhersteller). In der Zeit haben wir schon mehrere dieser Produkte einer freiheitlich demokratischen Marktwirtschaft wechseln müssen.

    Um ehrlich zu sein – wir haben es satt, und das Wort „smart“ löst bei uns nur noch Ekel aus.

    Wenn mir angesichts dieses „Elends“ ein Schwätzer „Konsumverhalten“ als Ursache allen Übels zu verklickern geruht, nun der hat, mit Verlaub, nicht alle Tassen im Schrank.

    Jedoch das eigentlich erschreckende – alle fallen darauf herein.

    • Hallo Hummel,

      danke Ihren persönlichen Bericht. Die Schlussfolgerung halte ich aber nicht unbedingt für schlüssig. Das eigene Konsumverhalten als Machtmittel zu begreifen hat durchaus seine Berechtigung. Das dies nicht in allen Bereichen funktioniert ist verständlich, aber dennoch gibt es sehr viele Bereiche wo die kritische und durchdachte Einstellung Erfolg verspricht. Nehmen das Beispiel einer Trinkflasche. Sie können wenn Sie unterwegs sind jedes mal eine neue Wasserflasche kaufen für umgerechnet 19-30 Cent oder Sie können beispielsweise eine Trinkflasche aus Stahl kaufen. Die Stahlflasche hat zwar seinen Preis, aber diese rentiert sich schon nach 6 Monaten. Dies gilt ebenfalls für Bekleidung. Es besteht die Möglichkeit qualitativ hochwertige Kleidung second hand zu erwerben oder sogar customized mit Garantie. Bei der ersten Variation bezahlen sie genauso viel oder sogar weniger, die zweite Variante ist zwar teuerer aber auch nachhaltiger. Wenn man bedenkt, dass jeder Durchschnittskonsument jede 2 Jahre eine neue Hose kauft, rentieren sich die anderen Varianten schon innerhalb 2-4 Jahren. Durch die Wahl wo Sie ihr Geld lassen, also ob Sie den Kaffee bei der kleinen Rösterei um die Ecke kaufen oder bei Aldi, ob Sie ihr Bankkonto bei einer nachhaltigen Filialbank oder bei der Deutschen Bank haben usw. Das Gegenstände kaputt gehen ist normal, Verschleiß ist normal. Aber es gibt viele Möglichkeiten, viel weniger Geld auszugeben und die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Es ist auf jeden Fall etwas, was jeder unmittelbar beeinflussen kann. Darauf kommt es erstmalig an.

      Gruß

    • Flassbeck äußert jn mehreren, seiner Vorträge : „Wir haben das (ökonomische) System nicht verstanden, in dem wir leben.“ Da hat der Mann recht.
      _______________________

      „56 Prozent der Deutschen sind überzeugt, dass die Digitalisierung beim Kampf gegen den Klimawandel helfen kann.

      https://www.epo.de/index.php?option=com_content&view=article&id=15558:klimawandel-jeder-zweite-sieht-digitalisierung-als-problemloeser&catid=15&Itemid=85

      Nun sind derartigen Umfragen „interessierter Kreise“ mit Vorsicht zu genießen. Nur rein intuitiv würde ich in diesem Falle sagen: Das könnte hinkommen.

      Wir schaffen permanent, und wieder und wieder „mehr Ordnung“ und glauben heute, dadurch weniger Energie einsetzten zu müssen.

      Na dann gutes Gelingen.

  3. Guter Artikel, danke.

    Auch die Kommentare dazu sind teils sehr gut und erweitern noch das Gesagte.

    Ich persönlich sehe diese ganzen Mißstände eine ganze Weile und frage mich immer wieder, warum die Menschen es nicht schaffen dort auszubrechen.
    Selbst wenn man sich mit ihnen unterhält, sind die kaputt und sagen einem unterschwellig das sie ausbrechen wollen und der Lottogewinn und dann weg und raus usw.

    Aber warum dackeln sie immer wieder brav wie abgerichtete Tiere vor den Karren und lassen sich ihre Leben ruinieren und wegnehmen, vor allem für eigentlich nichts.

    Es bleibt mir ein Rätsel, das dies vor allem bis in alle Winkel des Systems funktioniert.
    Ok irgendwelche Leute die vom System profitieren kann man ja noch verstehen. Jedoch reicht der Wahnsinn bis zu den Schwächsten und es gibt nichmal groß Konflikte. Müsste auf den Jobcentern und in Zeitarbeitsbuden nicht Mord und Gewalt jeden Tag in Massen vorkommen? Müssten die Jobcenter-MA nicht selbst erkennen was sie da anrichten und langfristig ja somit auch gegen sich selbst und ihr eigenes persönliches Umfeld und Bekannten und Verwandten?

    Müssten die Mitarbeiter von den ganzen Konzernstellen nicht sehen, dass sie jeden Tag massig Essen, Kleidung, Waren wegwerfen und ein haufen neuen Krams reinräumen und sich mal Fragen was hier nicht stimmt usw.

    Warum ich frag mich immer wieder geht nicht stetig absoluter ungehorsam und im Zusammenschluss die Kraft für Widerstand los?
    Da behalten alle gerne ihre Maske auf und nach dem sie fast ihre gamze Lebensenergie am Tag für andere verbraucht haben am Abend heim und sind verbittert und mögen den nächsten eigentlich wunderbaren Tag nicht, weil ihr Leben nicht ihnen gehört.

    • Ich glaube schon, dass es nicht wenige gibt, die sich die Unterdrückung nicht gefallen lassen wollen. Aber sie laufen ins Leere, stechen in Watte oder wie man es nennen will. Denn alle hierarchischen Organisationen, ob private Wirtschaftsunternehmen oder staatliche Behörden, sind auf raffinierte Weise so konstruiert, dass der Einzelne gar keinen direkten Ansprechpartner hat, gegen den er seinen berechtigten Zorn richten könnte. Beamte und Angestellte von Behörden können sich immer darauf hinausreden, dass sie nur Anweisungen befolgen. Indem sie sich auf Vorschriften und außerdem auf ihre Vorgesetzten berufen, sich hinter ihnen verschanzen, sind sie fein raus, denn sie persönlich können ja nichts dafür, wenn sie den Bürger so behandeln müssen. Ihr Vorgesetzter, wenn man ihn denn erreicht, beruft sich auf seine höheren Vorgesetzten. Die höchsten Vorgesetzten berufen sich darauf, dass sie ja die Gesetze nicht gemacht haben (obwohl sie über ihre Lobbyisten diese Gesetze oft genug sehr wohl veranlasst haben). Und diejenigen, die die Gesetze gemacht haben, berufen sich letztlich (repräsentative Demokratie!) auf den Willen des Volkes, das ihnen in demokratischen Wahlen die Kompetenz übertragen habe, diese Gesetze zu beschließen. Also ist es am Ende das Volk selbst, gegen das sich jeglicher Zorn richten muss. Es ist ganz einfach: Jede(r) von uns ist selber schuld, wenn ihm Unrecht widerfährt😜. Und die großen Wirtschaftsunternehmen sind jederzeit gleich bei der Hand mit dem probaten Mittel, Entlassungen anzudrohen und die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Welcher Politiker knickt da nicht sogleich pflichtschuldigst ein?

    • Moin, Ancastor,
      „(…) und frage mich immer wieder, warum die Menschen es nicht schaffen dort auszubrechen.“
      Wie ich in meinem Post (27.11. at 20.48) versuchte zu entwickeln, geht es nicht in einer Welt, die von den Herrschenden die Individualisierung zum obersten Prinzip erhoben haben, mit gleicher Muenze heimzuzahlen. Wir, die Menschen, die in dem System leben haben nichts anderes, als ihre Arbeitskraft, und die bieten wir/sie täglich an, um nicht verhungern zu muessen.
      Ich kann schon verstehen, dass man depressiv wird unter diesen Bedingungen, aber dagegen bietet das System eine Reihe von TV Folgen an, die sich dann jeder anschauen kann und träumen kann… „irgendwann einmal, ja dann….“
      Wir muessen, wollen wir erfolgreich aus diesem Sumpf entfliehen, uns organisieren, anders wird es nichts.

      mfG

    • "Wie ich in meinem Post (27.11. at 20.48) versuchte zu entwickeln, geht es nicht in einer Welt, die von den Herrschenden die Individualisierung zum obersten Prinzip erhoben hat, mit gleicher Muenze heimzuzahlen."

      Hog1951, wie kommst Du auf die Idee, dass die Herrschenden die Individualisierung zum obersten Prinzip erhoben haben ????
      Sie tun alles, um uns zu vereinzeln. Und deshalb sie tun sie alles, um unsere Individualisierung zu verhindern. Wie Du ja schreibst " …bietet das System eine Reihe von TV Folgen an, die sich dann jeder anschauen kann und träumen kann… „irgendwann einmal, ja dann….“ So sorgt die Unterhaltungsindustrie dafür, dass keiner sich nach Feierabend eigene Gedanken machen muss.

  4. Möglicherweise noch von Interesse:

    Frau Hartmann, was hat es mit Greenwashing auf sich und wer sind die Protagonisten?

    Kathrin Hartmann: Greenwashing ist eine Ableitung des Begriffs Whitewashing und meint, dass große Konzerne, deren Geschäfte alles andere als sozial, gerecht und umweltverträglich sind, diese unter einem grünen Begriffs-Mäntelchen verstecken. Sei es, dass ein Konzern wie zum Beispiel BP eine ganze Kampagne startet und den Namen von British Petrol zu Beyond Petrolium geändert haben, um ihr Engagement an der Solarenergie hervorzukehren, während das Unternehmen tatsächlich an ihrem Kerngeschäft Erdöl festhält.
    Sei es, dass sie mit marktkonformen NGO's wie dem WWF zusammenarbeiten, sei es dass sie irgendwelche Umwelt- oder Sozial-Projekte machen. Das ist nie ganz gelogen, aber es betrifft nie das eigentliche zerstörerische Kerngeschäft, dass ihnen den riesigen Profit beschert.
    (…)
    Hat Greenwashing eine ideologische Funktion?

    Ja. Die gemeinste Folge am Greenwashing ist nämlich, dass es Menschen zu Konsumenten degradiert und die Verantwortung auf sie abschiebt: Sie seien die "Schuldigen", sie kauften die Dinge ja auch. Greenwashing verstärkt so das individuelle schlechte Gewissen und das Gefühl von Machtlosigkeit. Das führt nicht zu Protest oder Widerstand, sondern endet im Supermarkt.
    Das erfahre ich selber auf meinen Lesereisen immer und immer wieder: So viele Leute denken, dass sie als Konsumenten an den Zuständen dieser Welt schuld sind und dass es an ihnen liegt, die Problem via ethischem Konsum zu lösen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr sich dieses Denken durchgesetzt hat.
    (…)
    "Die Industrie hat sämtliche Forderungen verwässert"

    Können Sie ein Beispiel geben?

    Kathrin Hartmann: Ein Beispiel ist das "Textilbündnis" mit der Bekleidungsindustrie, das der Entwicklungshilfeminister Gerd Müller ins Leben gerufen hat, nachdem in Bangladesch das Gebäude Rana Plaza eingestürzt war, in dem Textilfabriken untergebracht waren. Mehr als 1100 Menschen sind dabei gestorben. Obwohl die Industrie sämtliche Forderungen darin komplett verwässert hat, verspricht Müller nun für kommendes Jahr das Siegel "Grüner Knopf" , das garantiere, das die Kleidung sozial einwandfrei hergestellt wurde.
    Das wird nicht funktionieren. Gerade in der Bekleidungsindustrie ist die freiwillige Unternehmensverantwortung komplett gescheitert. Das belegt die Katastrophe von Rana Plaza. Wenige Monate vor dem Einsturz des Gebäudes kontrollierte der TÜV Rheinland im Auftrag des freiwilligen Industrie-Bündnisses Business Social Compliance Initiative (BSCI) eine der Textilfabriken. Im Prüfbericht tauchten weder die Arbeitsrechtsverletzungen auf noch die Sicherheitsmängel. Die Bauqualität des Gebäudes wurde als gut bezeichnet.
    Verschiedene NGOs machten die Prüforganisation mitverantwortlich und reichten bei der OECD Beschwerde gegen den TÜV Rheinland ein. Der wiederum hat die Gespräche vor Kurzem einfach abgebrochen. Ist ja alles nur freiwillig – kein einziges Markenunternehmen, das in den Fabriken herstellen ließ, wurde zur Verantwortung gezogen – und die Bedingungen in den Fabriken haben sich deshalb auch nicht wesentlich verbessert.
    (…)
    "Die Sichtweise der Mächtigen wird freiwillig angenommen"

    Was hat das Konzept der kulturellen Hegemonie damit zu tun?

    Kathrin Hartmann: Unser Lebensstil mit viel Konsum, hoher Mobilität, Besitz, also die imperiale Lebensweise, wie die Politikwissenschaftler Ulrich Brand und Markus Wissen sie nennen, ist mittlerweile hegemonial geworden. Sie erscheint legitim, weil es alle tun, wir es gar nicht anders kennen, sie uns als erstrebenswert gilt und politisch abgesichert ist.
    Man wird also nicht von den Mächtigen dazu verdonnert, ihre Sichtweise zu teilen, sondern sie wird freiwillig angenommen. Und genau die Schicht, die davon profitiert und mit ihrem aufwendigen Lebensstil die Zustände vorantreibt, die über ein hohes Einkommen und eine hohe Bildung verfügt, glaubt gleichzeitig daran, dass sie das höchste Umweltbewusstsein besitzt.

    "Diese Zielgruppe ist extrem empfänglich für grüne Lügen"

    Diese Schicht ist also für Greenwashing besonders empfänglich?

    Kathrin Hartmann: Ja. Denn Greenwashing bestärkt die imperiale Lebensweise, weil es besagt, dass alles bleiben kann, wie es ist, ja, dass die kapitalistische Wirtschaftsweise nicht das Problem sei, sondern die Lösung. Es müsste also nur an ein paar Stellschrauben gedreht werden. In dieser Logik sind dann auch die Zerstörer unsere Retter. Das macht die Gehirnwäsche des Greenwashing so wahnsinnig erfolgreich. Und deshalb ist gerade diese Zielgruppe so empfänglich für grüne Lügen.

    Aus:
    "Greenwashing ist ein Ablasshandel für die Reichen"
    17. Juli 2018 Reinhard Jellen

    Kathrin Hartmann über einen Ideologie-Apparat
    (heise/Telepolis)

    Zum Schluß noch: Durch marktkonformes Rebellentum wird nichts anders werden, sondern trotzdem.

  5. Endlich! Hervorragender Beitrag von Sean Henschel. Ich bitte um Nachsicht, wenn ich mich wiederhole:

    1.
    „… Isolation… Einsamkeit. Der Mensch als soziales Wesen tut sich damit schwer aber es nützt leider wenig, in einer kranken Gesellschaft der Angepasste zu sein.“
    Die Freiheit und Unabhängigkeit des Individuums hat immerhin den Vorteil, dass sie es vor Gruppenzwängen bewahrt. Diese sind zwangsläufig erforderlich zur Integration des Einzelnen in eine Gruppe. Wie gut eine Gruppe als solche funktioniert, hängt davon ab, inwieweit es gelingt, das Individuum in die Gruppe zu integrieren, mit anderen Worten, es zu veranlassen, sich ein Stück weit selbst aufzugeben, indem es ein Stück seiner Individualität aufgibt. Massenbewegungen sind daher in ihrer Dynamik für die Herrschenden oft berechenbarer als einzelne, die selbstständig denken und handeln.
    Mit Einzelgängertum allein ist es aber nicht getan. Denn es bedarf auch der Solidarität, um gemeinsam umso stärker zu sein. Deshalb sind hierarchiefreie Gruppierungen wichtig, die sich z.B. im Internet bilden. Die so ermöglichten Netzwerke sind ein wesentliches Instrument, um gemeinsam und solidarisch handeln zu können. Der dazu erforderliche Grundkonsens und damit die erforderliche Gemeinschaft entsteht aber nur durch eine sachliche Auseinandersetzung und diskursive Weiterentwicklung der eigenen Ideen und nur, wenn man seinen Diskussionspartner respektiert, nicht jedoch mit eigensinnigem, unfreundlichem Beharren auf der eigenen Meinung unter Abwertung des Gegenübers. Und wenn ich mir ansehe, wie leicht man missverstehen kann, was jemand, den man nicht persönlich kennt, via Internet schreibt, halte ich es unbedingt für erforderlich, dass man sich auch persönlich kennenlernt, und sei es nur über Skype, Line o.ä. (Und wenn hier im Forum immer mal wieder von "Trollen" die Rede ist: Sie könnten im persönlichen Gespräch wesentlich leichter entlarvt werden, ohne dass man hierüber seiten- und stundenlange Spekulationen anstellen müsste, die vielleicht doch nur in die Irre gehen.)

    2.
    „Wir müssen selber denken und dann müssen wir selber handeln. Handeln ohne zu Denken ist gefährlich und Denken ohne zu Handeln führt zu nichts.“
    Die Geschehnisse dürfen uns nicht derart in ihren Bann ziehen, dass wir uns dadurch am Nachdenken über Veränderungen und am entsprechenden Handeln hindern. Denn dann haben diejenigen, die ein Interesse daran haben, uns wirkungsvoll ausgeschaltet. Unsere Erkenntnisse und Analysen müssen vielmehr ein Energieschub sein, der einen dauernd antreibt, nach Lösungen und neuen Wegen zu suchen. Und ich will einfach nicht glauben, dass wir tatsächlich bösen Mächten für alle Zeiten hilflos ausgeliefert sind, dass wir von bösen, reichen Menschen und ihren Handlangern so total beherrschbar sind. Denn wenn Superreiche und Mächtige sich nicht selbst schaden wollen, müssen sie, wenn schon nicht auf andere, so doch wenigstens auf sich selbst Rücksicht nehmen. Sie werden deshalb schon dafür sorgen, dass sie sich ihre Hotspots nicht selbst zerstören durch Kriegshandlungen oder klimatische Katastrophen. Sie wollen in ihren Superyachten (die immer mehr Kriegsschiffen ähneln) über die Weltmeere fahren und dabei nicht in popeligen Teppichen von Plastikabfällen einen ganz banalen Motorschaden erleiden oder kläglich an einer atomar verseuchten Trauminsel stranden. Sie haben ebenso wie wir realistischerweise und auf absehbare Zeit nur diesen einen Planeten.

    3.
    „Fangen wir damit an, Verantwortung zu übernehmen und die kleinen veränderbaren Dinge in den Blick zu nehmen. Der Fokus sollte auf das gerichtet sein, was der Mensch Schritt für Schritt verbessern kann und auf die er unmittelbaren Einfluss hat.“
    Wie klein machen wir uns eigentlich, wenn wir uns ängstlich und verschreckt immer nur die monströse Macht der Herrschenden vor Augen halten, anstatt selbstbewusst einfach zu tun, was in unseren Möglichkeiten liegt? Das Kaninchen, das in Todesangst auf die Schlange starrt, verharrt bewegungslos in lähmendem Entsetzen. Wann gibt uns das endlich einmal zu denken? Stattdessen müssen wir überlegen, was der einzelne, ganz normale Mensch, der weder prominent noch begütert noch einflussreich ist, sondern mit den tagtäglichen Herausforderungen seines Lebens kämpft, was dieser normale Mensch ganz konkret in seinem ganz spezifischen (kleinen) Bereich zur Lösung der Probleme tun kann. Pessimismus und die ewige Besserwisserei nach dem Muster „das geht sowieso nicht, weil…“ bringt uns nicht weiter, sondern nur Mut und Optimismus. Denn ohne hoffnungsvolle Ansätze bringt der Mensch die ganz erhebliche Energie nicht auf, die erforderlich ist, um bestehende Verhältnisse zum Besseren zu wenden.

    4.
    „Das Konsumverhalten ist einer der wichtigsten und stärksten Machtmittel, die noch in der Hand der Bevölkerung liegt.“
    Ist man frei und unabhängig, wenn man nach Geld und Status strebt und dabei zwangsläufig die Gesetze derjenigen akzeptieren muss, die einem dieses Geld und diesen Status verschaffen sollen? Hohe Gehälter bekommt man fürs Funktionieren, nicht für seine eigene Überzeugung. Je weniger man funktioniert, desto weniger weit „oben“ ist man brauchbar. „Oben“ funktionieren dann nur noch alle. Da verwundert es nicht, dass man „dort oben“ für alles, was außerhalb dieses Funktionsmechanismus liegt, keinen Handlungsbedarf sieht bzw. sein Handeln überheblich für alternativlos hält. Was haben wir dem als praktikable Lebensform und taugliche Handlungsanleitung entgegenzusetzen, wenn weiterhin nur das Haben-Wollen regiert und nicht das Sein-Wollen, wenn nicht endlich das Sein im Vordergrund steht und das Haben seine Faszination verliert?
    Je weiter man sich unabhängig macht von den Machtstrukturen der Politik und der Wirtschaft, desto weniger muss man sich ihnen unterordnen und kann eigene Wege finden, die für einen gangbar sind. Man bewahrt sich die dazu nötige Fantasie, zu der man hingegen im Zustand der Unterordnung und Unterdrückung nicht mehr fähig ist. Die Kunst des sinnvollen Weglassens: das wäre der Schlüssel zu einer Unabhängigkeit des Menschen, mit der er frei wird, so dass er sich nicht mehr wegen irgendwelcher Dinge, die er meint unbedingt haben zu müssen, in Abhängigkeit begibt von jenen, die ihn unterdrücken wollen, um ihm ihren Willen aufzuzwingen, damit er nur noch in ihrem Sinne handelt und nicht mehr nach dem, was er selber will. So lässt man sich kaufen. Sicher haben viele bei den alternativen Medien einen Lebensentwurf, der solcher Anpassung genau entgegengesetzt ist. Sie sollten ihre Erfahrungen weitergeben. Wenn z.B. jemand mit wenig Startkapital seine selbstständige Existenz aus dem Nichts aus dem Boden gestampft hat, ist er in der Lage, wohlstandsverwöhnten jüngeren Leuten zu zeigen, was man alles nicht braucht, auf welche Konsumartikel und Statussymbole man getrost verzichten kann, als Preis für den erheblichen Zugewinn an Freiheit und Unabhängigkeit.

    5.
    Die heutigen Medien ermöglichen andere, neue Formen des Widerstands als immer nur die gute alte Demo und die Revolution. Im Zeitalter der raffiniert verfälschenden Berichterstattung über Ereignisse im öffentlichen Raum sind Rezepte aus der demokratischen Frühzeit, wie z.B. Demonstrationen, fraglich geworden. „Demonstrieren gehen auf der Straße, ist kurzzeitig ein Effekt, aber fürs Gesamtsystem bedeutungslos. Das sitzt das System locker aus, denn am Montag müssen sie eh wieder arbeiten gehen“ (so Roland Düringer bei TREE.TV5 vom 9.10.2019). Und Revolution verbietet sich, bitteschön, von vornherein, da sie ja doch immer nur in Mord und Totschlag endet und dabei auch noch ihre Kinder frisst. Selbst die berühmte friedliche Wende 1989 war in Wirklichkeit keine Revolution, sondern eben nur eine (wie auch immer entstandene) „Wende“, wie wir heute wissen.

  6. Danke für den knackigen Artikel!

    Hinweis:
    … "wer in einer Demokratie schläft, wacht in einer Diktatur auf".

    ist ein Zitat von: Rosemarie Buchner

    Und noch etwas: ……anstatt altes zu restaurieren…

    Die Sichtweise mit Unterlassungs-Schuldzuteilung teile ich nicht, seit "Obsoleszenz" in den Produktionsprozess eingebaut ist und immer weniger Menschen (besonders z.B. Kassiererinnen, Leiharbeiter, Werkvertragsarbeiter, ) noch Zeit haben sich die Kenntnisse anzueignen geschweige denn das Werkzeug haben! Bei den Wenigsten liegt neben der Schere und dem Lineal auch ein Torx Schraubendreher Set in der Schublade, um z.B. das iPhone selbst zu reparieren. Und selbst wer einen Drehmomentschlüssel in der Garage hat, hat noch lange nicht den Werkstattcomputer zum Einstellen.

    • Link dazu:

      faszinationmensch.com/2018/04/18/weltherrschaft-usa-uk-russland-china-vatikan-jesuiten-malteser-nwo-alles-ist-so-schoen-bunt-hier/

    • Hallo Luise,

      sie haben durchaus Recht, wenn Sie die geplante "Obsoleszenz" ansprechen oder die Hürden bei der Reparatur eines iPhones. Ob überhaupt Produkte Sollbruchstellen eingebaut gekommen, ist eine Frage der Qualität und dies lässt sich über das Konsumverhalten zum Teil steuern. Anstatt ein iPhone zu kaufen, kann man auch ein Fairphone erwerben. Anstatt günstig bei einer großen Kette jedes Jahr neue Hosen zu kaufen, kann man auch beim Schneider um die Ecke seine Hose günstig reparieren lassen oder sogar eine qualitativ hochwertige kaufen. Es gibt durchaus Wege, kleine Schritte zu machen und sein Verhalten langsam anzupassen.

      Gruß

    • "wer in einer Demokratie schläft, wacht in einer Diktatur auf".

      Hoeren "wir" mal auf nichtssagende Parolen nachzuplappern. Dass wir nicht in einer Demokratie leben weiss jeder auf kenfm. Beginnen "wir" lieber uns mit der Taeuschung durch Worte und Begriffe auseinanderzusetzen. Das betrifft auch insbesondere das hier auf kenfm haeufig bemuehte "soziale". Die Verwendung von Begriffen die keinerlei Korrelat in der Realitaet haben fuehrt lediglich zu ellenlangen und zu nichts fuehrenden Artikeln und Kommentaren wo jeder aus seiner Perspektive versteht was er lustig ist.

      Backen "wir" mal kleine Broetchen und Brote und backen wir sie selber. Hoeren "wir" auf Industrienahrung zu konsumieren und "wir" werden erkennen zahlreiche der im Artikel angefuehrten Probleme verschwinden wie von Geisterhand. Aber nicht um gestresst die "Menschheit" zu retten sondern sich selber.

  7. Moin, Sean Henschel, in einem System, das den Individualismus fuer das allein selig machende hält und in dem schon das sich Organisieren in Gewerkschaften als anruechig begriffen wird, ist folgendes:

    „Der Fokus sollte auf das gerichtet sein, was der Mensch Schritt für Schritt verbessern kann und auf die er unmittelbaren Einfluss hat.“

    m.M.n. kein Schritt nach vorne, sondern wiederholt nur, was das System uns vorgibt.
    Beim individuellen Kaufen:
    „Das Konsumverhalten ist einer der wichtigsten und stärksten Machtmittel, die noch in der Hand der Bevölkerung liegt.“
    Hier käme jetzt eigentlich der Hinweis auf „Bioprodukte“ oder Produkte aus dem näheren Umland.

    Nein, das ist nichts, was uns voran bringt. Wir brauchen keine neuen Graswurzler! Wir benötigen gemeinsames, organisiertes Handeln. Wie wollen wir gegen den Imperialismus anstinken, wenn uns als Alternative nur wieder die inividuelle Gegenmassnahme (jeder ueberpruefe seine Kaufgewohnheit) empfohlen wird? Die Imperialisten, oder von mir aus der Tiefe Staat, besteht aus wenigen Entscheidungsträgern. Die einigen sich in Sekundenschnelle ueber neue Massnahmen gegen uns. Solange wir nicht organisiert dagen halten, haben wir schon verloren.
    Die Ereignisse um die Gelbwesten in Frankreich zeigen sehr deutlich, dass es so nicht geht. Ein oder zwei Sprecher der Bewegung, das wars. So hat Macron ein leichtes Spiel.

    mfG

    • Ich glaube Sie unterschätzen den Einfluss einfacher Kaufentscheidungen. Organisation setzt erstmal voraus, dass es Möglichkeiten gibt, überhaupt effektiv Kommunizieren zu können. Dies ist davon abhängig welche Alternativen es zu den herkömmlichen sozialen Netzwerken gibt. Es gibt Alternativen, die aber nur stärker werden, wenn jeder selbst sich daran beteiligt. Dies gilt für vieles im Leben. Wie wollen Sie andere von Alternativen überzeugen, wenn Sie selbst nicht daran glauben oder nicht daran handeln. Sie haben die 100% Kontrolle über die Art und Weise wie und wo Sie ihr Geld ausgeben. Ihr Umfeld wird die Veränderungen zur Kenntnis nehmen und ebenfalls beeinflusst werden. Das eine führt zum anderen.

    • Hog1951, bisher sind alle Organisationen, die sich gegen die Herrschenden aufbauten, zeitig von denen wahrgenommen, unterwandert, gespalten und unwirksam gemacht worden. Bekanntlich ist die Überwachung von Allen heute die stärkste, die es je gab. Vergiss also die von Dir offensichtlich gewünschte mächtige Gegenorganisation von uns. Allein schon aus den genannten Gründen. Hinzu kommt die Erfahrung der letzten Jahrzehnte, dass wir alle unterschiedliche Vorstellungen haben, wie wir aus der Misere herauskommen können. Es ist tatsächlich das Zeitalter des Individualismus da. Jeder ist auf sich gestellt und ist herausgefordert, für sich das zu finden, was ihm wirklich wichtig ist und das zu tun. Verbindende e m a n z i p a t o r i s c h e Autoritäten gibt es nicht mehr.
      Für die Herrschenden aber ist jeder eine Gefahr, der aus der Reihe tanzt. Deswegen wollen sie das Bargeld abschaffen, 5G einführen, uns womöglich alle chipen. Das machen sie nicht aus Bosheit, sondern aus Angst. Jeder, der sich ihrer Kontrolle entzieht, ist gefährlich für sie. Sie wollen jeden von uns kontrollieren.
      Noch können sie das nicht lückenlos. Das ist die Chance, die wir ergreifen können. Natürlich ist es dabei möglich, sich in kleinen Gruppen zu organisieren. Und notwendig. Z. B. um BI s zu bilden gegen 5 G, die in ihren Kommunen den Ausbau von Glasfaser fordern, aber den Stop von 5 G. Wir können Abstand schaffen vom System, z. B. wie Wolf Dieter Storl vorschlägt: mehr auf Konsum verzichten, einen Garten anlegen und Bäume pflanzen. Das schon ist nicht so leicht, aber für jeden in Reichweite, wenn er wirklich will.

    • Richtig, Josef Gabriel Twickel, erst einmal "Abstand schaffen vom System" anstatt immer nur zu träumen vom Abschaffen des Systems.
      Zum Steuern der "Masse" gehören immer zwei, die Gruppe, die steuert, und die Gruppe, die sich steuern lässt. Je weniger sich steuern lassen, desto weniger wirkt das System. Damit man sich nicht steuern lässt, muss man lernen, was man wirklich braucht. Ich brauche ebenso wenig, was anderen Leuten schadet (z.B. wegen Ausbeutung, Umweltzerstörung oder gesundheitsschädlicher Produktionsprozesse in der dritten Welt), wie das, was nur den Falschen nützt (weil es lediglich deren Vermögen mehrt, ohne sonstigen Nutzen). Um zu lernen, was man wirklich braucht, benötigt man Informationen aus Quellen, denen wirkliche Aufklärung am Herzen liegt und nicht nur Desinformation. Und um für sich die richtigen Informationen auszuwählen, braucht es ein gesundes, möglichst unangepasstes Selbstbewusstsein, damit man gefeit ist gegen Verführungen, mit denen sie einen kaufen wollen. Und es braucht ein Unterscheidungsvermögen, damit man nicht jeder Manipulation auf den Leim geht. So gesehen leben wir doch eigentlich im richtigen Zeitalter. Denn noch nie bestand wie heute die Möglichkeit, den Menschen eine solche Fülle richtiger Informationen zukommen zu lassen. Ja: "Es ist tatsächlich das Zeitalter des Individualismus da. Jeder ist auf sich gestellt und ist herausgefordert, für sich das zu finden, was ihm wirklich wichtig ist und das zu tun." Je mehr Individualisten es gibt, desto weniger greifen Überwachungsbestrebungen derer, die genau vor dieser Individualisierung Angst haben, weil sie sehr wohl das Potential sehen, das darin steckt und das ihre Macht untergräbt.

    • Genau das ist doch auch der Grund, warum der Mainstream heute so viel Wert darauf legt, Emotionen zu schüren, die er an die Stelle der Informationen setzt: weil er Angst hat vor der Wirkmächtigkeit wahrheitsgemäßer Information.

    • Aber wenn ich mir das so überlege, hat die Sache einen Haken: die Individualisierung in dem von uns hier verstandenen Sinne ist möglicherweise nur einem relativ kleinen Teil der Bevölkerung zugänglich, der in der Lage ist, sich kritisch ein eigenes Urteil zu bilden. Viel zu viele andere können das wohl nicht und sind und bleiben daher leicht manipulier- und verführbar. Für die müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen, wenn sich insgesamt etwas zum Besseren ändern soll und nicht für eine kleine Minderheit, die man als marginale Größe vernachlässigen kann.

    • Bin mit Deinen Kommentaren voll einverstanden citoyen invisible !
      Ob wir uns aber "für `die´ etwas anderes einfallen lassen müssen" ? Ist das "für die" nicht dabei, wenn ich wirklich etwas für mich tue ? Ich denke, dass es so läuft: indem ich immer mehr das finde und tue, was meinen Fähigkeiten entspricht und sie entfaltet, wird mein Tun freud- und liebevoller. Ich tu ja das, was ich kann und will. Und das wird dann auch von außen gefragt, nachgefragt. Damit bin ich voll ausgelastet und wirke natürlich nach draußen, mit anderen und für andere. Wobei das "nach außen" auch das Wirken mit unserer übrigen Natur und für sie ist.

    • Josef Gabriel Twickel, ich wiederhole es jetzt einfach nur, um es damit zu unterstreichen: "Indem ich immer mehr das finde und tue, was meinen Fähigkeiten entspricht und sie entfaltet, wird mein Tun freud- und liebevoller. Ich tu ja das, was ich kann und will. Und das wird dann auch von außen gefragt, nachgefragt. Damit bin ich voll ausgelastet und wirke natürlich nach draußen, mit anderen und für andere. Wobei das "nach außen" auch das Wirken mit unserer übrigen Natur und für sie ist."
      Ja, man unterschätzt wohl allzu oft, was man für eine Wirkung hat, so dass man gar nicht ahnt, was man alles bewirkt. Umso mehr ist ein gesundes Selbstbewusstsein angebracht – und Achtsamkeit. Stimmt, man ist eigentlich voll ausgelastet, wenn man das ernst nimmt, und muss dann gar nicht streben nach immer noch mehr Breitenwirkung über den eigenen Bereich hinaus. Denn dieser Bereich ist schon groß genug. Und die Breitenwirkung entsteht ohnehin, wenn immer mehr Leute das beherzigen.

  8. Wir sind gerade dabei einen Gesprächskreis Gleichgesinnter aufzubauen. Wie Sie, wollen wie Schritt für Schritt ins konstruktive Handeln kommen. Wir beobachten sowohl in den Massenmedien wie auch in den alternativen Medien Prokrastination – freilich auf hohem Niveau und passend zum Lebensstil der jeweiligen Zielgruppe. Aus dieser Denkfalle wollen wir raus. Wir wollen gemeinsam überlegen, welche kleinen Schritte wir gehen können, diese dann auch tun, anschließend das Erlebte reflektieren, den nächsten Schritt planen usw. Dabei wollen wir versuchen, unsere Erfahrungen zu sammeln und zu systematisieren und unsere Erfahrungen mit anderen Gesprächskreisen teilen. Das wäre doch ein Anfang, oder?

    • Danke für dein Kommentar. Ja es gibt die Möglichkeit sich auszutauschen und sein Konsumverhalten einer Analyse zu unterziehen. Als erster Schritt ist es durchaus sinnvoll, eine Liste der wesentlichen Sachen zu erstellen, die für das Leben von wirklicher Bedeutung ist. Mit einer Reduktion des Unnötigen, schafft man mehr Freiraum, mehr Kapital und mehr Zeit.

  9. Danke für den Artikel,

    is schon krass, was da so an Gebrechlichkeiten und Unzulänglichkeiten zusammen kommt! Da kann man gar nicht wiedersprechen und wundert sich über das Gesamtbild, wenn die Teile mal so, wie in diesem Artike,l in konzentrierter Form zusammengesetzt werden: eine ziemlich kläglich erscheinende Kreatur Mensch . . . . .
    und ich bin auch der Meinung, dass wir heute soweit fortgeschrittene Möglichkeiten der Kommunikation und Informationsaufbereitung haben, die wir nicht ansatzweise konstruktiv für die anzugehenden Probleme nutzen (gerade was das dezentrale und/oder regionale Versorgen und wirtschaften angeht). Anstelle dessen wird alles in Überwachung, Militärtechnik und Automatiserung (die den Menschen obsolet werden lässt) investiert.

    @Box: danke für Zitat von Jean Ziegler

  10. Anmerkung:

    Das vorgeschlagene Rebellentum des spezifischen, des "bewußten" Konsumierens ist bereits integraler Bestandteil der heutigen Ordnung und hat den Zweck der Beruhigung. Dieses ausschließlich für Jene die sich das auch leisten können.

    Unnötig zu erwähnen daß diese Personengruppe gerade abnimmt, was die Gesellschaft gerade ziemlich anspannt.

    Sie sehen wie schwer es ist, Ökologisches von Sozialem zu trennen?

    Und, man bleibt über Kauf und Verkauf strikt innerhalb der vorgegeben systemischen Rahmenbedingungen. Man bleibt reduziert auf die Rolle des Konsumenten und wird weiterhin nicht als das angenommen was man ist, ein ganzheitlicher Mensch.

    Unabhängig davon, man macht das meiste Geld mit Geld.

    Geld, eine feine Sache, für Jene die es kontrollieren. Eine Last für den Rest. Ein besseres Kontrollinstrument konnte man sich kaum ausdenken.

    "Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen: dies ist mein und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Not und Elend und wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: „Hütet euch, auf diesen Betrüger zu hören; ihr seid verloren, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte allen gehören und die Erde niemandem.“
    (Jean Ziegler, Was ist so schlimm am Kapitalismus? – Antworten auf die Fragen meiner Enkelin, S. 34/35)

    P.S.: Was änderbar ist und was nicht, hängt ab von der Anzahl und der Entschlossenheit derer die mitmachen.

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