Stellungnahme zum militärischen Teil des CDU/CSU+SPD Koalitonsvertrages aus friedenspolitscher Sicht

Von Bernhard Trautvetter.

Mainstream-Medien lenken die Öffentlichkeit mit einer Berichterstattung über das Personalkarussell und die Verteilung der Ministerien auf die GroKo-Parteien von den Inhalten abzulenken. In der SPD werben Befürworter des Vertrages für ihn unter anderem mit der Behauptung, wer dagegen stimmt, wende sich z. B. gegen Verbesserungen bei der Rente und beim Wohnungsbau. Andrea Nahles warf den GroKo-Gegnern vor, „es mit den Fakten nicht so genau zu nehmen“.1)

Die Friedensbewegung nimmt es mit den Fakten sehr genau. Wir haben den Vertragstext mit wachsender Besorgnis gelesen und müssen vor den Konsequenzen warnen:

1. Situations-Verortung

Über allem steht die Gefahr einer weiteren Aufrüstung um bis zu 30 Mrd. Euro bei der Verwirklichung der Nato-Vorgabe, zwei Prozent der Wirtschaftsleistung ins Militär zu stecken. Dagegen wendet sich der Appell ‚Abrüsten statt aufrüsten‘ statt2), der davor warnt, dass dann noch mehr Mittel im zivilen Bereich fehlen würden, so in der Bildung, im sozialen Wohnungsbau, in Krankenhäusern, im öffentlichem Nahverkehr, bei der kommunalen Infrastruktur, der Alterssicherung, dem ökologischem Umbau und Klimaschutz sowie der internationalen Hilfe zur Selbsthilfe.

Der Koalitionsvertrag geht auf nationale und internationale Verwerfungen in seiner Präambel kurz ein: „Wir erleben neue politische Zeiten mit vielfältigen Herausforderungen für Deutschland – sowohl international als auch national“. Weiter unten spricht der Text im Bereich militärpolitischer Aussagen in klarerer Sprache über die globalen Bedrohungen: Es ist da von „weltweiten Krisen … – sowohl in der Außen- und Verteidigungspolitik wie in der Entwicklungszusammenarbeit“ die Rede.

2. Manipulative Wortwahl

Der Text ist von der manipulativen Methode der ‚Strategischen Kommunikation‘ geprägt, die das Angenehme an den Anfang stellt, sodass später angesprochene Absichten und Interessen der Aufmerksamkeit vieler Bürger/innen leicht entgleiten können.

Die Präambel wendet diese Methode mit dem Satz an: „Mit unserem internationalen Engagement wollen wir einen größeren Beitrag leisten, um weltweit zu besseren Lebensbedingungen beizutragen sowie Frieden wiederherzustellen und zu sichern.“ Die Absicht wird dann Zeile 75 deutlicher: „Deutschland wird auch künftig einen angemessenen Beitrag zum Erhalt der Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses und zu einer starken europäischen Verteidigung leisten.“

Konkret wird hier der von der Nato vorgegebene Steigerung der Militärausgaben auf 2% der Wirtschaftsleistung des jeweiligen Landes keine Absage erteilt.

3. Konkreta

3.1 Offen deklarierter Zweck der Aufrüstung und das Verfassungsgebot

Die Zunahme des Militäretats kündigt sich noch konkreter weiter hinten im Abschnitt ab Zeile 6809 an: „In diesem Rahmen bleibt die Bundeswehr … ein unverzichtbarer Bestandteil deutscher Sicherheitspolitik. Unsere Politik … dient unseren Interessen.“ Hier verabschiedet sich der Koalitionsvertrag vom Grundgesetz, heißt es doch, die Bundeswehr diene den Interessen Deutschlands, wohingegen Art. 87a Grundgesetz den Einsatz der Bundeswehr an den Verteidigungsfall bindet:

>>(1) Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf. … . (2) Außer zur Verteidigung dürfen die Streitkräfte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es ausdrücklich zulässt.<<

3.1.1 Umfang der Aufrüstung

Quantifizierte Summen staatlicher Ausgaben kommen im Koalitionstext anders als im Sondierungspapier3)  nicht vor; allerdings sind die Prioritäten der Haushaltsplanungen aus friedens-, sozial-, bildungs- und umweltpolitischer Perspektive alarmierend, wie der Vertrag ab Zeile 6866 steht: „Ab 2018 bis 2021 wird die Koalition zusätzlich entstehende Haushaltsspielräume prioritär dazu nutzen, neben den Verteidigungsausgaben … Mittel für Krisenprävention, humanitäre Hilfe, auswärtige Kultur- und Bildungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit … angemessen zu erhöhen im Verhältnis von eins zu eins beim Verteidigungshaushalt zu Ausgaben im Rahmen der ODA-Quote (Krisenprävention, humanitäre Hilfe, Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit). Diese Erhöhungen dienen der Schließung von Fähigkeitslücken der Bundeswehr und der Stärkung der europäischen Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich wie auch … der Stärkung der zivilen Instrumente der Außenpolitik und Entwicklungszusammenarbeit.“ Hier ist die Tür zur Umsetzung der Nato-Vorgaben in die Richtung der 2% des BIP fürs Militärische offen.

Passend heißt es ab Zeile 7008: „Deutschland wird auch künftig einen angemessenen Beitrag zum Erhalt der Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses und zu einer starken europäischen Verteidigung leisten.“  Und ab Zeile 75161 heißt es: „Wir werden neben der Sicherstellung der nachhaltigen Finanzierung der Bundeswehr die notwendigen Voraussetzungen schaffen zur Gewährleistung überjähriger Planungs- und Finanzierungssicherheit für Rüstungsinvestitionen.“

3.2 Auslandseinsätze der Bundeswehr, nach Herrn von Gutenberg ‚umgangssprachlich Krieg‘

Die Finanzen betreffen auch Kriegseinsätze – teils verharmlosend ‚Auslandseinsätze‘ genannt –  der Bundeswehr, die nach >Spiegel-online< vom 16.2.2016 bis vor einem Jahr ca. 17 Mrd. Euro gekostet hatten. Verharmlosend spricht der Koalitionsvertrag in diesem Zusammenhang von einem „Bedarf für Einsätze bzw. einsatzgleiche Verpflichtungen“ (Zeile 7573)

Diese Formulierung bereitet eine weitere Verstärkung der Rolle der Bundeswehr als Interventionsarmee vor: „Folgen des Klimawandels, Risiken von Handelskriegen, Rüstungswettläufen und bewaffneten Konflikten, Instabilität im Nahen und Mittleren Osten, Fluchtbewegungen, sowie neue aggressive Nationalismen innerhalb und außerhalb Europas fordern uns heraus und wirken bis in unsere Gesellschaften hinein.“

Hier wird die Absicht etwas konkreter: „Wir brauchen eine neue Kultur der Verantwortung, die die Glaubwürdigkeit Europas als Partner in der westlichen Welt erhöht und unsere Position gegenüber aufstrebenden Mächten stärkt.“ Das erinnert an die dreistimmige Werbung für Einsätze der Armee auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2015 Steinmeier/v.d.Leyen/Gauck unter dem Stichwort „Verantwortung, zur Not auch militärisch“, an den Frau von der Leyen letztes Jahr anknüpfte: on der Leyen lenkte den Blick auch auf den deutschen Beitrag zur von ihr so genannten internationalen Sicherheitspolitik  (die allerdings selbst zum Gegenteil des deklarierten Zieles führt): „Wir Deutsche haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass auf uns Verlass ist. Wir haben unser Engagement erheblich ausgebaut, bei Weitem nicht nur, aber auch militärisch…“4)

Der Koalitionsvertrag, steht – wie bereis dargelegt – beim Thema Kriegseinsätze im Widerspruch zum Grundgesetz, wenn er weiter festlegt: „Gleichzeitig wollen wir die Bindung an die USA festigen… und europäischer werden. Wir brauchen eine entschlossene und substanzielle Außen-, Sicherheits-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik aus einem Guss.“ [Zeilen 6846 f.] Was ‚entschlossen‘ heißt, wenn es um die sogenannte ‚Sicherheitspolitik‘ geht, wird aktuell konkret, wenn Militärs und Regierungskreise verlautbaren, dass in Deutschland ein neues Hauptquartier entstehen soll:5)

Die Unhaltbarkeit der Legitimationsargumente der Militaristen wird erneut im Irak deutlich, wo die Bundes“verteidigungs“ministerin aus Balance-Gründen die Kurden im Norden und die z. T. offen gegen sie operierende Zentralregierung unterstützen will.

3.3 EU-Militarisierung

Die EU-Militarisierung ist in bereits zitierten Stellen zur europäischen Militärpolitik in den Abschnitten 2 , 3.1 und 3.2 thematisiert. Das ist deshalb hochbrisant, weil 23 Staaten im Oktober 2017 einen neuen Militärpakt >Pesco< gründeten6) Die Pesco-Mitgliedstaaten „haben einen Ausbau der Tätigkeit … in diesem Bereich vereinbart und anerkannt, dass mehr Investitionen in die Verteidigung und die Zusammenarbeit bei der Entwicklung der Verteidigungsfähigkeiten eine wesentliche Voraussetzung sind… .“7) Die EU-Militarisierung wird teuer, und sie steigert auch die internationalen Zerfallserscheinungen, wie man am von Frankreich forcierten Völkerrechtsbruch im Krieg von 2011 gegen Libyen nachvollziehen kann, der die Destabilisierung Nordafrikas forciert und den Mail-Krieg nach sich gezogen hat. Der Völkerrechtsbruch ergab sich aus der Überreizung des Weltsicherheitsratsbeschlusses 1973, den die Aggressoren für einen Regime-Change missbrauchten, auf den der Zerfall des Landes folgte.

3.4 Drohnen

Beim Thema Drohnen begünstigt der Koalitionsvertrag die Fernsteuerung und Automatisierung vom Kriegen: „Vor einer zukünftigen Beschaffung von bewaffnungsfertigen Drohnen sind die konzeptionellen Grundlagen für deren Einsatz zu schaffen.  Völkerrechtswidrige Tötungen lehnen wir kategorisch ab, auch durch Drohnen.“ Zur Drohnen-Kriegs-Strategie der Nato-, gehört, dass sie in Staaten auch ohne Kriegserklärung einfallen und die Bevölkerung in den angegriffenen Gebieten im Verlauf gezielter Tötungen ohne Gerichtsbeschluss traumatisieren und dabei viel mehr Zivilisten zu töten, als die US-Armee anzugeben bereit ist.8) Es geht auch um bewaffnungsfähige Drohnen, die in der ersten Phase in Israel stationiert sein sollen.9)

3.5 Rüstungsexport

Der Koalitionsvertrag verbindet den Rüstungsexport mit der EU-Orientierung: „… streben wir … eine gemeinsame europäische Rüstungsexportpolitik an und wollen den gemeinsamen Standpunkt der EU fortentwickeln.“ (Zeile 7081) Man findet im Koalitionsvertrag zugleich hoffnungsvoll restriktive Worte zum Rüstungsexport: „Wir schärfen noch im Jahr 2018 die Rüstungssexportrichtlinien aus dem Jahr 2000 und reagieren damit auf die veränderten Gegebenheiten…“ (Zeile 7072)

Allein nach in den zurückliegenden Jahren gebrochenen ähnlichen Versprechungen ist hier Zweifel Ausdruck von Realismus – Siehe dazu diese Anmerkungen von Ottfried Nassauer: „Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel betont gewöhnlich nur zu gerne, dass er eine restriktivere Genehmigungspolitik für Rüstungsexporte will und praktiziert. Doch was macht der Minister, wenn er zugeben muss, dass er im letzten Jahr weit mehr Exporte genehmigt hat, als je irgendeiner seiner Vorgänger? Das war am 19. Februar während einer Pressekonferenz in Berlin zu beobachten. Sigmar Gabriel verkaufte das Allzeithoch der Genehmigungen als Halbzeitbilanz einer erfolgreichen, restriktiven Genehmigungspolitik… und rundete seinen Vortrag mit dem Argument ab, letztlich komme es doch gar nicht auf die Höhe der Zahlen an, sondern vor allem auf die Qualität der genehmigten Waffenexporte und die Art der Empfänger.“10)

3.6 Nuklearrüstung

In Zeile 7048f. heißt es: „Solange Kernwaffen als Instrument der Abschreckung im Strategischen Konzept der NATO eine Rolle spielen, hat Deutschland ein Interesse daran, an den strategischen … Planungsprozessen teilzuhaben.  Erfolgreiche Abrüstungsgespräche schaffen die Voraussetzung für einen Abzug der in Deutschland und Europa stationierten taktischen Nuklearwaffen.“ Diese Formulierung erinnert an die Nicht-Unterstützung des UNO-Verbotes der Nuklearrüstung durch die Bundesregierung. Der Friedensnobelpreisträger von 2017, die Organisation ICAN (Internationale Kampagne zur Abschaffung der Atomwaffen) kommentiert: „Damit handelt künftig auch die Bundesregierung mit der … Verfügung über US-Atomwaffen in Deutschland gegen geltendes Völkerrecht.“11)

Diese Formulierung eröffnet der Bundesregierung, die Zusage zur weiteren Absenkung der Schwelle zum Nuklearkrieg durch die geplante Stationierung neu entwickelter Nuklear-Systeme in Büchel aufrecht zu erhalten, über die die Initiative Büchel atomwaffenfrei schrieb: „Die USA planen, ihre …neue Bombe B 61-12, … 2020 sollen deren Serienproduktion und Stationierung beginnen. Die … Bomben sollen eine geringere Sprengkraft haben als die meisten heute verwendeten, aber wesentlich treffgenauer sein. Das würde ihren militärischen Nutzen und die Einsetzbarkeit erhöhen…“12) In anderen Worten, die Militärs und sie unterstützende Politiker/innen auch in der geplanten großen Koalition nehmen den nukleare Untergang der Zivilisation bewusst in Kauf.

Es zeigt sich, die Aktionen gegen die Nuklearrüstung in Büchel und anderswo sind so überlebenswichtig wie auch der Appell ‚Abrüsten statt aufrüsten‘.

  1. [https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/brennpunkte_nt/article172590951/Nervoese-Genossen-GroKo-Konflikt-in-SPD-spitzt-sich-zu.html]
  2. https://abruesten.jetzt/
  3. https://www.tagesschau.de/inland/ergebnis-sondierungen-101.pdf, 16, Betonungen: B.T.
  4. http://www.india.diplo.de/Vertretung/indien/de/__pr/Politik/MSC__Closing__2017.html
  5. http://www.sueddeutsche.de/politik/sicherheitspolitik-bundeswehr-soll-neues-nato-hauptquartier-in-deutschland-aufbauen-1.3858907
  6. http://www.tagesbote.at/2017/11/14/vana-zu-pesco-schwarz-rot-blau-sagt-geldregen-fuer-ruestungsindustrie-zu/
  7. https://eeas.europa.eu/sites/eeas/files/pesco_factsheet_16-11-2017_de.pdf
  8. http://www.tagesspiegel.de/politik/leak-zu-us-drohnenkrieg-die-meisten-toten-sind-unschuldige-zivilsten/12460084.html
  9. http://augengeradeaus.net/2016/01/dronewatch-israelische-drohnen-fuer-die-bundeswehr-mit-bewaffnung-zusammenfassung/
  10. http://das-blaettchen.de/2016/02/ruestungsexport-wie-man-einen-rekord-beichtet-35388.html
  11. http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-verabschiedet-atomwaffenverbot-a-1156583.html
  12. http://www.buechel-atomwaffenfrei.de/hintergrund/fliegerhorst-und-jagdbombergeschwader/

Hier der komplette Text des Koalitionsvertrages: http://www.tagesschau.de/multimedia/koaltionsvertrag-101.pdf

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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8 Kommentare zu: “Stellungnahme zum militärischen Teil des CDU/CSU+SPD Koalitonsvertrages aus friedenspolitscher Sicht

  1. Die EU plant den Aufbau und die Stärkung einer Europäischen Rüstungsindustrie. Das spiegelt sich auch im Koalitionsvertrag wieder. Der Gedanke ist grundfalsch und extrem gefährlich!
    Zum einen will ja jeder vernünftige Mensch die Rüstungsexporte vermindern, was dazu ja im deutlichen Gegensatz steht. Zum anderem, und viel schlimmer, haben wir danach eine zur Schlüsselindustrie ausgebaute Rüstungsproduktion, die zum weiteren Gedeihen die Politik zu permanenten Kriegen zwingt. Diese Situation ist in den USA durch den 2. Weltkrieg entstanden und dauert bis heute an.

  2. Wievielen Menschen könnte man in Deutschland 400 Euro mehr im Monat auszahlen, wenn man die 30 Milliarden Euro nicht für den militärisch industriellen Komplex ausgeben würde ? Eine einfache Rechnung 30 Milliarden (30.000.000.000:400=75.000.000). Also summa summarum 75 Millionen Menschen hätten deutlich mehr Geld für Ihr Leben zur Verfügung – stattdessen gibt man es aus für sinnloses Hochrüsten aus und großzügiges Finanzieren der „Kriegs-Elite“. Da fällt einem wirklich nichts mehr ein …

    • Naja, wenn man dann noch die durchschnittlich 100 Milliarden Euro hinzunimmt, die laut dem Bund der Steuerzahler jährlich generell verschwendet werden, werden es schon 27 Millionen mit 400€ Plus 😉

      Aber das ist nicht der Punkt.
      Als klar wurde, dass die Flüchtlingssituation jährlich ein Mehraufkommen von 50-100 Milliarden verlangen würde, war das überhaupt keine Diskussion wert – das Geld war plötzlich offensichtlich ‚verfügbar‘!?

      Wenn für eine Stadt ein Bauprojekt in der Verteuerung aus dem Ruder läuft in Größenordnungen von etlichen Milliarden, (BER, Stuttgart 21, Elbphilharmonie et.al.) ist das auch kein ‚Problem‘!
      Wie geht das also, wenn dann bei HartzIV um 5€ gefeilscht werden muss?

  3. Dankesehr für den Beitrag, Herr Trautvetter.

    Am liebsten würde ich drölf fake accounts erstellen und Ihren Artikel inklusive Quellenangaben über alle populären Netzwerken teilen, die den Anschein erwecken aktuell über den Koalitionsvertrag zu diskutieren. Vielleicht mach ich das auch einfach. Nicht als Schlag ins Gesicht der Heuchler, die diese Portale betreiben, sondern um einen von Hunderten Lesern zu animieren aktiv zu werden oder wenigstens dazu zu inspirieren mal über den Tellerrand zu gucken.

    @Nick: Geld, Krieg und das System in dem wir leben stehen komplementär zueinander. Ein Teufelskreis. Der Kapitalismus / Neoliberalismus kann ohne Krieg nicht überleben, wie jeder weiß. Das FIAT Money ist lange nicht mehr an Gold gebunden, in privater Hand und gibt Staaten gerne immer mehr davon.

    Gibt es überhaupt ein europäisches Land, das einen Schuldenberg hat, den das entsprechende Land realistisch irgendwann ausbezahlen kann? Bezweifle ich stark.

    Mir war ehrlich gesagt vorher nicht klar, wie (relativ) eindeutig die militärischen Ziele der nahen Zukunft in diesem Papier stehen. Empören sich so wenige Deutsche/Deutschsprachler darüber, weil der 8k-zeilige Schinken aus political-correctness, gefühlt 80% Geschwafel und ausformulierten Euphemismen besteht und deshalb so absztrakkt – so schlecht greifbar – erscheint?

    • @ Alex

      Als ich noch politisch hochaktiv war, musste ich in der überwiegenden Anzahl der Fälle feststellen, dass die Parteikollegen noch nicht mal das eigene Programm gelesen hatten!!!‘
      Geschweige denn das von anderen.
      Wenn noch nicht mal die politisch Engagierten, Ambitionierten das Minimum leisten, wie soll man das von anderen erwarten???

      Das ständige Wiederholen von ‚Wollen‘, das bewusst Schwammige und I-Wortbrei-Zerfließen vernichtet jede Verbindlichkeit und jede echte Information.
      Es geht nur um eine diffuse Emotionalisierung, die den Verantwortlichen ausreichend erscheint, um sich jederzeit gediegen und wortreich aus jedweder Verantwortungsaffäre entziehen zu können.

      Jeder, der schon mal mit Projektmanagement zu tun hatte, WEISS GANZ GENAU wie echte Planung (aka Absichtserklärung) aussieht!
      SO NICHT.

      Umkehrschluss: nichts von dem ist real beabsichtigt, sonst könnte man es so sagen und zudem projektorientiert ausformulieren bzw. organisatorisch fundiert plausibel machen.

      Da den Beteiligten jegliche politische Intelligenz abzusprechen ist, verbleibt, wie in jedem minderwertigen Auseinandersetzungsfalle, statt Argumenten und strategischem Verwaltungsgeschick nur die Gewalt – hier halt die militärischen Optionen.

  4. Es ist schon ‚lustig‘, dass von all den hemmungslos verblödeten Stahlhelmfraktionen zwar die militärische Option als ‚irgendwas befreiende, verbessernde‘ Option, als primäres politisches Mittel ins Kalkül einbezogen wird, aber jegliche Nachbereitungskonzeptionen völlig fehlen bzw. dort, wo sie bisher rudimentär an’gedacht‘ und ansatzweise gewirkt worden waren, völlig versagt haben.

    In all unseren Partien hier in D ist nicht eine einzige dabei, die mit diesem Thema auch nur ansatzweise korrekt umzugehen versteht, bzw. so viel Sachverstand und Fachkompetenz aufbieten kann, dass man das Thema dort in guten Händen wüßte!

    Krieg kostet.
    Und zwar eine Menge allein an reinem Geld.
    Hitler kann ein Lied davon singen:
    1933-1939 in der Vorbereitungsphase zum Kriege wurden 62 Milliarden Reichsmark aufgewendet.
    1939-1945 in dem Krieg stiegen die ‚Unterhaltskosten‘ auf gigantische 1,5 Billionen Reichsmark, also das 25-fache im selben Zeitraum!
    Da sind die sonstigen Verluste außerhalb der reinen Militärkosten noch gar nicht mit eingerechnet.

    Der Vietnamkrieg hat die USA 660 Milliarden Dollar gekostet.
    Für den ‚War against terror‘ haben sie die Summe seit 2001 bereits deutlich überschritten. Wohlgemerkt: allein die USA.

    Wer also militärische Milchmädchenrechnungen aufmacht und der Aufrüstung das Wort redet, der muss auch gleichzeitig erklären wo nicht nur das Geld für die zusätzlichen Prozentpunkte kommen soll, sondern auch, wie er den geplanten Einsatz verrechnen möchte, respektive wie er gedenkt die zu erwartenden horrenden Kosten eines möglichen Kriegseinsatzes mit welchem ‚Gewinn‘ zu verrechnen!!!

    Spätestens bei einer korrekten Rechnung verabschiedet sich allein deswegen jegliche Begründbarkeit eines so elementar saudummen Vorgehens….

    • Das können sich nur kranke Gehirne ausdenken!
      Wie man durch eine gemeinsame wachsende europäische Rüstungsexportpolitik die EU für die Menschen attraktiv machen will, geht nicht in meinen Kopf.
      Das Gegenteil wird passieren. Vor allem wenn man bedenkt wo überall Defizite bestehen.
      Für die dringlichen Sachen ist dann kein Geld mehr da. Im Gegenteil – da wird gekürzt.

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