Tagesdosis 03.05.2018 – Parallelwelten: Marina Abramović und ihr Spirit Cooking

Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Performance Kunst hat nur ein vorrangiges Ziel. Die strikte Selbstdarstellung und damit verbundener, im Bestfall finanzieller, Erfolg. Eine der vermeintlich wichtigsten Persönlichkeiten dieses Genre heißt Marina Abramović. Die gebürtige Serbin, 71jährig, erhält aktuell in der Bundeskunsthalle zu Bonn, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur & Medien, ihre große Werkschau.

Die Dame war mir unbekannt. Durch die Sendung 3sat Kulturzeit vom 20.April, wurde ich aufmerksam: Ein Mega Star wird erwartet. Marina Abramović, sie ist die Mutter der Performance. Ein Weltstar. So enthusiastisch lautete die Anmoderation(1).

Befassen wir uns mit der Künstlerin. Was macht sie zum vermeintlichen Star, zur Ausnahme? Abramović verarbeitet über ihre Kunst eine von Traumen geprägte Kindheit & Jugend. In ähnlich heroischen Besprechungen zur Veröffentlichung ihrer Biografie vor zwei Jahren, folgende Zitate aus damaligen Interviews: Die Erzählungen aus Ihrer Kindheit lesen sich düster wie Grimmsche Märchen. Eine Mutter, die das Mädchen schlägt, bis sein Körper übersät ist mit dunklen Flecken… Empfinden Sie Wut gegenüber Ihrer Mutter, die Sie nachts mit Ohrfeigen weckte, wenn Sie nicht ordentlich im Bett lagen? …Ihre frühen Performances kreisen um einen selbst zugefügten Schmerz. Sie haben sich mit einem Metallkamm gekämmt, bis alles schmerzte. Sie haben sich 1975 in Innsbruck blutig gepeitscht, zwei Stunden lang, Sie haben in Belgrad 1975 geschrien, bis Ihre Stimme verstummte, drei Stunden hat es gedauert… In Neapel boten Sie 1974 den Zuschauern 72 Werkzeuge an, Sägen und Hämmer und Äxte, mit denen Sie, aufgebahrt, verletzt werden konnten. Es wurde eine sechsstündige Tortur. Sie starben fast. Sie wären beinahe verblutet… Sie haben Trauma erfolgreich in Kunst verwandelt. War es das wert, dieses ganze Unglück? (2)(3)

Verstörend, nicht wahr? Trotzdem ist die Kunstwelt, inklusive der Fangemeinde anscheinend von Abramović  beeindruckt, entzückt, regelrecht begeistert: Eine ihrer extremsten Arbeiten ist „The Artist is Present’’ im Jahre 2010, für die sie im New Yorker MoMA zweieinhalb Monate lang von morgens bis abends auf einem Stuhl saß und Menschen einlud, sich ihr gegenüber zu setzen und sie anzuschauen. Rund 800.000 Menschen kamen zu dieser erfolgreichsten Performance aller Zeiten(2). Wo liegt der Unterschied zwischen Therapie und Kunst? , fragte 2016 die Zeitung Zeit im Interview. Abramovićs Antwort: Im Kontext. Wenn Sie es im Kontext einer Kunstperformance tun, dann ist es Kunst. So wie Joseph Beuys Brot gebacken hat – im Museum. Hätte er es in einer Bäckerei gemacht, wäre es – Brotbacken gewesen. Nun ja, Joseph Beuys hat 1965 auch tote Hasen herum getragen[4]. Kontext, Provokation, oder Therapie?

Kommen wir nun zum eigentlichen Grund dieser Tagesdosis. In keinem der heroischen Besprechungen, Texte, oder Beiträge über Mariana Abramović wird auf ein sehr fragwürdiges Detail ihrer Biografie hingewiesen. Die von ihr zelebrierte Veranstaltung Spirit Cooking. In Teilen ihrer Performances deutete sie die Inhalte indirekt an. Leider wird es jetzt unangenehm, aber diese Frau bekommt gerade höchste Ehren in der Bundeskunsthalle und Lobpreisungen diverser Medien.

Eines ihrer sehr schwer nachvollziehbaren, aber anscheinend weltweit umjubelten Wandschriften lautet übersetzt aus dem Englischen: Vermische Milch aus der Brust, mit frischer Spermamilch, zu trinken an Erdbeben Abenden. Schneide mit einem scharfen Messer in deinen Mittelfinger der linken Hand und verspeise den Schmerz [7]. Neben der Tatsache regelmäßig, ob provokativ oder identifizierend, mit Darstellungen des Okkultismus zu irritieren, regelmäßig mit blutähnlichen, bzw. blutgleichen Flüssigkeiten zu arbeiten, findet sich bei erwähnter Performance auch der Begriff Spirit Cooking(6).

Auf den von ihr nun initiierten Gala Diners, empfängt den erwartungsvollen Gast in blut-, bzw. blutähnlich gefüllten Wannen liegende nackte Frauen. Diese müssen ertragen, von den anwesenden Gästen betrachtet zu werden. Jeder Gast nascht von dem Wanneninhalt, sozusagen als kleine Vorspeise (6). Zum Hauptgericht werden wiederum stilisierte nackte essbare Menschen hereingetragen, die dann zur großen Begeisterung der Anwesenden seziert und zum Mahl gereicht werden.

Ich ende hier mit den Erläuterungen. Es stellen sich Fragen. Das US A-Prominenz, wie Lady Gaga, Gwen Stefani, oder John Waters solche Veranstaltungen besuchen sind Privatentscheidungen. Nun wurde jedoch Abramović im Jahre 2015 Bestandteil von Enthüllungen auf Wikileaks[8]. Es gelangten Mails in die Öffentlichkeit, die Abramovic in den engsten Bekanntenkreis von John Podesta rücken. Podesta war Kampagnenleiter von Bill und Hillary Clinton. In diesen Unterlagen geht es um den vom FBI, wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch, angeklagten Anthony Weiner. Der ist wiederum Ehepartner von Huma Abedin. Diese taucht in Mail Korrespondenz im Zusammenhang mit Spirit Cooking Veranstaltungen auf und war – von 2008 bis 2013 COS (Stabschefin) im Büro Hillary Clinton(13). John Podesta und sein Bruder Tony tauchen in FBI Unterlagen in Verbindung mit der in New York ansässigen Comet Ping Pong Pizzeria auf. Das damit verbundene Stichwort lautet – Pizzagate (9). Eine mit schwersten Vorhängeschlössern gesicherte Parallelwelt.

Warum werden diese Tatsachen in glorifizierenden Artikeln nicht erwähnt? Warum auch diesmal, wie schon 2016, diese völlig absurde Begeisterung für surreale Parallelwelten z.B. bei der Zeit(10), beim ZDF(11), bei der FAZ(12) und oben erwähntem 3sat Beitrag. Keinerlei Hinweise in der Bonner Bundeskunsthalle, ausser dieser im Ausstellungstext: In Vorbereitung auf Ihren Besuch möchten wir Sie darauf hinweisen, dass manche der gezeigten Kunstwerke verstörend wirken können und manche Kunstwerke und Re-Performances von Marina Abramović Szenen von Nacktheit, Sexualität, Fruchtbarkeitsritualen und schmerzhaften Grenzerfahrungen an ihrem eigenen Körper enthalten. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren haben nur in Begleitung ihrer Eltern / Erziehungsberechtigten Zutritt (14).

Dürfen also Kinder, bzw. Jugendliche über 16 Jahren völlig verantwortungslos in diese Ausstellung und sich mit den erwähnten Themen unbegleitet konfrontiert sehen? Worum geht es schlussendlich bei dieser fragwürdigen Begeisterung für diese Frau? Man möchte vier Monate lang publicityträchtig, zu Gunsten von winkenden Besucherzahlen und Erfolgsausstellungen, flankiert von Auflagen & Klickzahl heischenden Medien, schlicht mit provozierendem Schwachsinn höchstmögliche Aufmerksamkeit gewinnen. Ekelhaft, wie die Performance Kunst von Marina Abramović .

 

(1) – http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=73126

(2) – https://www.zeit.de/2016/46/marina-abramovic-autobiografie-kuenstlerin-performance-new-york

(3) – http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/marina-abramovic-autobiografie-nackter-schmerz-a-1121805.html

(4) – https://www.youtube.com/watch?v=2wIYTmZ-W3Q

(5) – https://www.theguardian.com/artanddesign/2016/nov/04/marina-abramovic-podesta-clinton-emails-satanism-accusations

(6) – http://www.truefreethinker.com/articles/hell%E2%80%99s-kitchen-spirit-cooking-john-podesta-marina-abramovic

(7) – https://www.youtube.com/watch?v=3EsJLNGVJ7E

(8) – https://wikileaks.org/podesta-emails/emailid/15893

(9) – http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2016/11/was-ist-pizzagate-und-wer-ist-involviert.html

(10) – https://www.zeit.de/news/2018-04/19/bundeskunsthalle-in-bonn-zeigt-werk-von-marina-abramovic-180419-99-964963

(11) – https://www.zdf.de/nachrichten/zdf-mittagsmagazin/videos/abramovic-ausstellung-in-bonn-100.html

(12) – http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/marina-abramovi-bei-ihrer-retrospektive-in-bonn-15553913-p2.html

(13) – https://www.youtube.com/watch?v=9NnD3nCXA5g

(14) – https://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/marina-abramovic.html

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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81 Kommentare zu: “Tagesdosis 03.05.2018 – Parallelwelten: Marina Abramović und ihr Spirit Cooking

    • Hmm…Niki de St. Phalle – ich liebe die Nanas – hat versucht, die Vergewaltigungen durch ihren Vater, in ihrer Kunst zu verarbeiten…Nur als sie die „Schießbilder“ machte, ging es ihr körperlich und psychisch gut. Über das, was mit ihr passiert ist, konnte sie erst reden, als sie 62 Jahre alt war.

      Furchtbar, was ihr in ihrer Kindheit passiert ist… Ich höre häufig, dass gerade die Traumabiografie der Künstler zu ihrer Kunst führe – ohne Traumabiografie gäbe es keine Kunst…daran mag ich nicht glauben!

      Jeder Mensch hat besondere, einzigartige Fähigkeiten und wir wissen nicht, was für eine Künstlerin Niki de St. Phalle geworden wäre, hätte ihr Vater sie nicht vergewaltigt?

    • Ich finde es wunderbar, wie Niki de St.Phalle ihr kindliches Trauma verarbeitet hat und letzlich der Welt so wunderschöne liebevolle und lebensfreudige bleibende Intallationen schenken konnte. Ihr Alterswerk, das auch den Indianern gewidmet war, hat mir am allerbesten gefallen.
      Ihr gesamtes Werk repräsentiert für mich die Berechtigung und den guten Sinn der sog. „Kunst“. Ich finde es persönlich sehr inspirierend. Kann alles mit erleben. Irgendwie kennen wir doch alle den Unterschied zwischen missbraucht und angenommen werden. Niki wurde zwar von ihrem Vater als erfjährige missbraucht, aber sie hat auch sehr viel Liebe in ihrem Leben erfahren. Ich sehe ihr Leben gar nicht mehr als etwas Düsteres, ganz im Gegenteil. Sie hat das Düstere abgewehrt und dann die Liebe sprechen lassen. Ich kann immer wieder auch herzlich lachen, wenn ich ihre Sachen sehe.

    • Edward Bach, Entdecker der Blüten, die die Seele heilen, hat u.a. (sinngemäß)geschrieben, dass psychische Störungen sich immer dann manifestieren, wenn der Mensch zu egoistisch nur auf sich bezogen lebt. Daran werde ich immer wieder erinnert, wie jetzt durch Abramovic und es erscheint mir als wahr. Das schlimmste in der Psychiatrie ist für mich deshalb die Behandlung mit Psycho- Drogen, weil dann genau das abgebloggt wird, womit der Kranke sich eigentlich dringend auseinander setzen müsste. Ich habe als junger Mensch inmitten derjenigen, die zu Aufputsch-und Wahrnehmungserweiternden Drogen Zuflucht nahmen, Valium genommen und habe damit entsprechende Erfahrung gemacht. Ich hatte eher die Ruhe gesucht und habe dabei fälschlicherweise die Wirkung des „wie in Watte gepackt Seins“ zunächst als echten Schutz empfunden. Heute halte ich synthetische Drogen generell für sehr schädlich und hoch gefährlich für die Seele. Diese eine Erfahrung hat mir gereicht.

    • Unsere Bildende Kunst ist auch ein Seismosgraph für das jeweils herrschende Weltbewusstsein.

  1. Es scheint so, als ob die größte Verführungsmacht dieser Welt in der Verlockung „Machtzugewinn“ besteht. Dies möchte ich in diesem Fall auch zu bedenken geben. Es stellt sich die Frage, ob Abramovic wirklich nur mutig zur Aufklärung beitragen will, wie „Mamomi“ und andere glauben möchten.

    • Als wirklich (todes)mutig und echt aufklärerisch würde ich dagegen z.B. das Schriftwerk „Transformation of Amerika“ des ehemaligen Missbrauchsopfers Cathy O‘ Brian bezeichnen.

    • Wenn man davon ausgeht, dass Abramovic Selbstheilung oder Aufklärung betreiben will, stellt sich außerdem die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt. Wer meint, dass in der Kunst aus diesen Gründen alle Mittel verwendet werden dürfen, der könnte dann logischerweise auch akzeptieren, wenn als Kunst ein lebender Hund ausgestellt wird, dem die Kunstbesucher beim Verhungern zusehen dürfen gegen Eintrittspreis. So, wie es auch schon geschehen ist. Der Künstler könnte sich damit rechtfertigt haben, dass er auf den Welthunger aufmerksam machten wollte.
      Letztendlich könnten dann logischerweise die Morde von Jürgen Bartsch auch als Kunst gelten, weil sie ja ohne Frage sehr anschaulich auf seinen eigenen schweren Missbrauch hinweisen.
      Und ich muss mir die ekligen Blut-Sperma- und Muttermilch- Schmiereien nicht ansehen, um zu wissen, dass durch Missbrauch und Gewalt alles Gute und Schöne zerstört werden kann.

      Mich bewegt dieses Thema sehr, aber nicht, weil ich jemanden verurteilen will, oder „sensationslüstern“ bin, sondern weil das, was wir mangels anderer Ausdrucksmöglichkeiten als „Satanismus“ bezeichnen, unser aller Welt bedroht. Es ist wohl das deutlichste Zeichen der Degeneration der Menschheit. Und dass damit auf allen Ebenen Macht ausgeübt wird, zwingt uns im Grunde alle, uns damit zu befassen. Ob wir das wollen, oder nicht.

  2. Für mein Gefühl ist Marina Abramović ein Opfer von schwerer körperlicher und psychischer Gewalt. Möglicherweise auch im Kontext von ritueller Gewalt. Da ich Opfer von ritueller Gewalt kenne, bin ich eher erschüttert, als das ich mir anmaße, dass was sie tut, zu verurteilen. Wer Informationen sucht zu ritueller Gewalt, findet sie hier:
    https://lichtstrahlen-oldenburg.de/lichtstrahlen/projekte/in-gedenken

    Opfer von ritueller Gewalt finden nur wenig Hilfe, weil die meisten Psychotherapeuten schnell in eine Überforderung kommen, oftmals besteht noch aktiver Täterkontakt, weil das die einzige Bindung ist, die die Opfer kennen. Sie werden von ihnen gequält und gefoltert und in gleichen Maße wieder gerettet, das ist das perverse.

    Inzwischen sind die Täterkreise dermaßen vernetzt untereinander, da es immer nur die Spitze des Eisbergers ist, wenn mal wieder ein Pädophilen-Kreis aufliegt… In diesen Kreisen geht es nicht um Pädophile, sondern es geht um Macht! Es geht nicht einmal um Geld, obwohl massenhaft Geld verdient wird. Doch das ist nur ein angenehmes Nebenprodukt.

    Die Filme „Operation Zucker“ oder die „Jagdgesellschaft“ geben einen gewissen Einblick und auch der Tatort „Wegwerfmädchen“…

    Das Buch von Allison Miller „Jenseits des Vorstellbaren: Therapie bei Ritueller Gewalt und Mind Control“ kann ich ebenfalls für Interessierte empfehlen. Nur Menschen, die den Mut und die Kraft haben auszusteigen, können helfen, Licht in diesen Wahnsinn bringen. Doch ihre Psyche wurde dermaßen gespalten, dass es unglaublich schwer ist, überhaupt Informationen über die Täterkreise zu bekommen…Jeder Verrat wird sofort geahndet, auch dann, wenn schon längst kein Täterkontakt mehr besteht, weil die die „Programme“ trotzdem weiter aktiv sind: Suizidprogramme, Flashbackprogramme, Rückholprogramme…
    Opfer, die sich in Therapie begeben, wurden entweder von Tätern geschickt, um Traumatherapeuten zu diskreditieren, sie unglaubwürdig zu machen, oder weil es zu einem „Betriebsunfall“ gekommen ist – also die Programmierung nicht zu 100 % geklappt hat. Diese „Betriebsunfälle“ müssen möglichst beseitigt werden, weil sie eine Gefahr für die Täterkreise sind. Und damit werden die Traumatherapeuten konfrontiert, weil sie in ständiger Angst leben, dass sich die Betroffenen suizidieren, sich massiv selbst verletzen oder ständige Flashbacks haben…Jede therapeutische Sitzung droht anschließend zu eskalieren, weil etwas ans Licht gekommen ist, was eigentlich verborgen bleiben sollte…

    Es ist für mich schwer auszuhalten, wenn hier über „Satanismus“ geschrieben und kommentiert wird, ohne sich eine Vorstellung zu machen, um was es eigentlich wirklich geht…das kommt mir vor wie Sensationslust! Oh ja, was die Marina Abramović ist ein Skandal, das ist „entartete Kunst“…wie kann man nur, wie schrecklich…

    Um zu verstehen, ist es vielleicht wirklich hilfreich, einmal eine Ausstellung von ihr zu besuchen…Kunst soll aufrütteln, soll bewusst machen, soll in die Glieder fahren…und das schafft Marina Abramović anscheinend!

    Ich kannte sie nicht…das ist jetzt anders! Und alles, was ich von ihr jetzt gesehen und gelesen habe, ist mir in die Glieder gefahren…Mir kommt es so vor, als wenn sie die „Parallelwelt“, in der wir leben, enttarnt und niemand es wirklich bemerkt…Sie macht das „Unvorstellbare“ öffentlich, weil sie sehr wahrscheinlich eine „Wissende“ ist…Es ist vielleicht ihre Art zu überleben…und ja, dafür habe ich Verständnis und vielleicht ist darin sogar eine Chance verborgen, die heute für viele noch nicht erahnbar ist! Eine unglaublich mutige Frau…, wenn meine Hypothesen stimmen sollten!

    • Nachtrag: das Buch von Marilyn Van Derbur „Tagkind – Nachtkind“ kann ich in diesem Kontext auch emfpfehlen…

    • Noch ein Nachtrag: Und Danke an Andreas G., der auf seine Weise versucht hat, Verständnis für Marina Abramović aufzubringen…etwas wahrgenommen hat, was die meisten Menschen nicht wahrnehmen können…sondern stattdessen lieber in ihren eigenen Weltbildern und Ideologien verharren…und das ist kein Vorwurf, sondern für mich durchaus verständlich! Mir wäre es auch lieber gewesen, keinen Kontakt zu dieser Prallelwelt bekommen zu haben…

      Das Geschenk was ich bekommen habe: das ich meine „Welt“ viel mehr zu schätzen weiß, das ich genussfähiger und dankbarer geworden für das, was mir mein „Leben“ geschenkt hat…und immer noch schenkt!

    • Wir sind heute alle Opfer von Gewalt. Direkt oder indirekt. So oder so. Aber wir können uns daraus befreien, indem wir es erkennen, diese Gewalt überall herausspüren und NICHT akzeptieren. Dieses NICHT AKZEPTIEREN von Gewalt in dieser Zivilisation fängt mit unserer Ernährungsauswahl an. Das steht jedem Menschen frei. Niemand zwingt irgend jemanden, blutige Qual-Nahrung zu sich zu nehmen. Und doch tut es immer noch die Mehrheit.

    • Gut, dass Sie das so nochmal in die Diskussion bringen! Ich schrieb ja auch weiter unten schon, dass diese Frau krank ist. Dass diese Krankheit heute als große Kunst gefeiert wird von manchen, ist noch einmal eine andere Frage.

    • der Fall Jürgen Bartsch steht als Beispiel für viele andere für Kindsmisshandlung. Sie kennen ja sicher seine Geschichte aus „Die schwarze Erziehung“. . Dass er schon als adoptiertes Baby ständig überall Blutergüsse von Schlägen aufwies. Es müssen sich alle bewusst werden, dass diese Zivilisation von Grund auf auf Gewalt aufgebaut ist und diese Gewalt muss überall aufgedeckt werden. Bis jetzt glaubt ja noch eine gefühlte Mehrheit, dass unser Leben ohne Gewaltanwendung gar nicht möglich sei.

    • Was Ihre Hypothesen betrifft, bin ich da vorsichtiger. Immerhin pflegt sie intimen Kontakt zu „Höchsten Kreisen“ um Clinton. Und was Clinton angeht, sollten Sie vielleicht auch das Buch von Kathie O’Brian lesen „Transformation of America“.

    • Hallo Jele Votava
      ich kenne das Buch von Kathie O’Brian und auch ihre Geschichte. Und selbstverständlich ist mir die „schwarze Pädagogik“ vertraut unter der zumindest mein Jahrgang noch sehr gelitten hat. Das Buch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer wurde millionfach verkauft und stand fast in jedem deutschen Haushalt. Was Jürgen Bartsch erleiden musste, ist ausführlich in dem Buch von Alice Miller „Am Anfang war Erziehung“ zu lesen.

      Den großen „Gegenspieler“ mit dem Traumatherapeuten zu kämpfen haben, ist die „False Memory Foundation“ https://www.false-memory.de/ Es gibt die Vermutung, dass diese Gemeinschaft von Täterkreisen gegründet wurde, lt. Martha Schalleck http://www.martha-schalleck.de/7.html in „Rotkäppchens Schweigen“.

      Und ich gebe Ihnen Recht, dass wir erst einmal überhaupt zulassen müssen, dass es diesen Irrsinn in mitten unserer Gesellschaft gibt und keine Erfindung von den Therapeuten ist.

      Das Marina Abramović noch Kontakt zu möglichen Täterkreisen hat und diesen auch pflegt, wundert mich nicht. Wäre das nicht so, wäre sie wohl schon längst tot.

      Die Beweislage ist unglaublich schwer, bis fast unmöglich! Und das ist das eigentlich Unerträgliche! Therapeuten können eigentlich nur dafür sorgen, ihre betroffenen Klienten in Sicherheit zu bringen, so dass sie nicht mehr gequält und gefoltert werden…doch die Qual ist dann noch lange nicht zu Ende. Opfer wurden immer auch in die Täterschaft gezwungen, so bleiben sie erpressbar. Das Erkennen der eigenen Täterschaft ist für die Betroffenen grausam, es macht sie fassungslos…

      „Wir sind heute alle Opfer von Gewalt. Direkt oder indirekt. So oder so. Aber wir können uns daraus befreien, indem wir es erkennen, diese Gewalt überall herausspüren und NICHT akzeptieren.“

      Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu! Wir können das und sollten das auch tun! Die Entscheidung, dass kein Tier mehr gefoltert und gequält wird, um mir als Nahrungsquelle zu dienen, ist ein erster sehr guter Schritt, doch dabei können wir es nicht belassen. Wir müssen auch aufhören unsere Kinder zu „erziehen“. Nach meiner Definition von Erziehung ist „Erziehung“ auch Gewalt – diese Erkenntnis habe ich noch nicht so lange! Das geht dann weiter über die Zwangsbeschulung u.u.u. Jeder sollte da anfangen, wo er für sich eine Möglichkeit sieht, etwas in seinem Leben zu ändern. Jede Veränderung verändert mich und auch die Welt.

      Ich habe irgendwann versucht aufzuhören gegen etwas zu kämpfen – gelingt mir leider nicht immer – sondern lieber FÜR etwas zu sein. Zu meiner inzwischen tierfreien Ernährung kommt, dass ich gemeinsam mit meiner Tochter eine freie Dorfschule gründe. Und es ist einfach wunderbar, wie viel Zuspruch und Unterstützung wir erhalten! Wenn wir darüber berichten, ernten wir immer großes Erstaunen: wie… ihr gründet eine Schule, geht das überhaupt? Ja es geht! Doch die Lösung ist das auch noch nicht. Bertrand Stern sagt ganz richtig: Gründer einer Freien Schule leben immer noch im System. Weil die Kinder auch in einer Freien Schule Anwesenheitspflicht haben. Schule und Freiheit passen nicht zusammen…Er will, dass Kinder sich frei bilden können und hat das wunderbare Buch „Saat der Freiheit – Impulse für blühende Bildungslandschaften“ geschrieben…
      Nachdem Aida S. Rodriguez http://elternmorphose.de/ im letzten Jahr bei uns zu Besuch war, war ihr nächster Blogbeitrag: http://elternmorphose.de/vegan-ueber-nacht-und-was-unerzogen-damit-zu-tun-hat/ Ihr wurde klar, dass „Unerzogen“ und sich von Tieren zu ernähren nicht zusammen passen kann 😊

  3. Mit Fleisch und Blut und Körpersekreten herum zu hantieren ist nach meinem Empfinden immer soz. „schwarz-magisch“, also niederträchtig, egal, wo, wobei, wozu wofür oder weshalb. Und das ganze Unglück der Menschheit ist meiner Ansicht nach die Folge der Akzeptanz von nackter, d.h. blutiger Gewalt. Diese kennt von sich aus keine Grenzen mehr.

  4. Ein Hungerkünstler (1924)
    Textdaten
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    Autor: Franz Kafka
    Titel: Ein Hungerkünstler
    aus: Ein Hungerkünstler. Vier Geschichten.
    Entstehungsdatum: 1. Hj. 1922
    Erscheinungsdatum: 1924
    Verlag: Die Schmiede
    Erscheinungsort: Berlin
    Quelle: Commons
    Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia

    „EIN HUNGERKÜNSTLER Franz Kafka

    In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an Hungerkünstlern sehr zurückgegangen. Während es sich früher gut lohnte, große derartige Vorführungen in eigener Regie zu veranstalten, ist dies heute völlig unmöglich. Es waren andere Zeiten. Damals beschäftigte sich die ganze Stadt mit dem Hungerkünstler; von Hungertag zu Hungertag stieg die Teilnahme; jeder wollte den Hungerkünstler zumindest einmal täglich sehn; an den spätern Tagen gab es Abonnenten, welche tagelang vor dem kleinen Gitterkäfig saßen; auch in der Nacht fanden Besichtigungen statt, zur Erhöhung der Wirkung bei Fackelschein; an schönen Tagen wurde der Käfig ins Freie getragen, und nun waren es besonders die Kinder, denen der Hungerkünstler gezeigt wurde; während er für die Erwachsenen oft nur ein Spaß war, an dem sie der Mode halber [32] teilnahmen, sahen die Kinder staunend, mit offenem Mund, der Sicherheit halber einander bei der Hand haltend, zu, wie er bleich, im schwarzen Trikot, mit mächtig vortretenden Rippen, sogar einen Sessel verschmähend, auf hingestreutem Stroh saß, einmal höflich nickend, angestrengt lächelnd Fragen beantwortete, auch durch das Gitter den Arm streckte, um seine Magerkeit befühlen zu lassen, dann aber wieder ganz in sich selbst versank, um niemanden sich kümmerte, nicht einmal um den für ihn so wichtigen Schlag der Uhr, die das einzige Möbelstück des Käfigs war, sondern nur vor sich hinsah mit fast geschlossenen Augen und hie und da aus einem winzigen Gläschen Wasser nippte, um sich die Lippen zu feuchten.

    Außer den wechselnden Zuschauern waren auch ständige, vom Publikum gewählte Wächter da, merkwürdigerweise gewöhnlich Fleischhauer, welche, immer drei gleichzeitig, die Aufgabe hatten, Tag und Nacht den Hungerkünstler zu beobachten, damit er nicht etwa auf irgendeine heimliche Weise doch Nahrung zu sich nehme. Es war das aber lediglich eine Formalität, eingeführt zur Beruhigung der Massen, denn die Eingeweihten [33] wußten wohl, daß der Hungerkünstler während der Hungerzeit niemals, unter keinen Umständen, selbst unter Zwang nicht, auch das Geringste nur gegessen hätte; die Ehre seiner Kunst verbot dies. Freilich, nicht jeder Wächter konnte das begreifen, es fanden sich manchmal nächtliche Wachgruppen, welche die Bewachung sehr lax durchführten, absichtlich in eine ferne Ecke sich zusammensetzten und dort sich ins Kartenspiel vertieften, in der offenbaren Absicht, dem Hungerkünstler eine kleine Erfrischung zu gönnen, die er ihrer Meinung nach aus irgendwelchen geheimen Vorräten hervorholen konnte. Nichts war dem Hungerkünstler quälender als solche Wächter; sie machten ihn trübselig; sie machten ihm das Hungern entsetzlich schwer; manchmal überwand er seine Schwäche und sang während dieser Wachzeit, solange er es nur aushielt, um den Leuten zu zeigen, wie ungerecht sie ihn verdächtigten. Doch half das wenig; sie wunderten sich dann nur über seine Geschicklichkeit, selbst während des Singens zu essen. Viel lieber waren ihm die Wächter, welche sich eng zum Gitter setzten, mit der trüben Nachtbeleuchtung des Saales sich nicht begnügten, sondern [34] ihn mit den elektrischen Taschenlampen bestrahlten, die ihnen der Impresario zur Verfügung stellte. Das grelle Licht störte ihn gar nicht, schlafen konnte er ja überhaupt nicht, und ein wenig hindämmern konnte er immer, bei jeder Beleuchtung und zu jeder Stunde, auch im übervollen, lärmenden Saal. Er war sehr gerne bereit, mit solchen Wächtern die Nacht gänzlich ohne Schlaf zu verbringen; er war bereit, mit ihnen zu scherzen, ihnen Geschichten aus seinem Wanderleben zu erzählen, dann wieder ihre Erzählungen anzuhören, alles nur um sie wachzuhalten, um ihnen immer wieder zeigen zu können, daß er nichts Eßbares im Käfig hatte und daß er hungerte, wie keiner von ihnen es könnte. Am glücklichsten aber war er, wenn dann der Morgen kam, und ihnen auf seine Rechnung ein überreiches Frühstück gebracht wurde, auf das sie sich warfen mit dem Appetit gesunder Männer nach einer mühevoll durchwachten Nacht. Es gab zwar sogar Leute, die in diesem Frühstück eine ungebührliche Beeinflussung der Wächter sehen wollten, aber das ging doch zu weit, und wenn man sie fragte, ob etwa sie nur um der Sache willen ohne Frühstück die [35] Nachtwache übernehmen wollten, verzogen sie sich, aber bei ihren Verdächtigungen blieben sie dennoch.

    Dieses allerdings gehörte schon zu den vom Hungern überhaupt nicht zu trennenden Verdächtigungen. Niemand war ja imstande, alle die Tage und Nächte beim Hungerkünstler ununterbrochen als Wächter zu verbringen, niemand also konnte aus eigener Anschauung wissen, ob wirklich ununterbrochen, fehlerlos gehungert worden war; nur der Hungerkünstler selbst konnte das wissen, nur er also gleichzeitig der von seinem Hungern vollkommen befriedigte Zuschauer sein. Er aber war wieder aus einem andern Grunde niemals befriedigt; vielleicht war er gar nicht vom Hungern so sehr abgemagert, daß manche zu ihrem Bedauern den Vorführungen fernbleiben mußten, weil sie seinen Anblick nicht ertrugen, sondern er war nur so abgemagert aus Unzufriedenheit mit sich selbst. Er allein nämlich wußte, auch kein Eingeweihter sonst wußte das, wie leicht das Hungern war. Es war die leichteste Sache von der Welt. Er verschwieg es auch nicht, aber man glaubte ihm nicht, hielt ihn günstigstenfalls für [36] bescheiden, meist aber für reklamesüchtig oder gar für einen Schwindler, dem das Hungern allerdings leicht war, weil er es sich leicht zu machen verstand, und der auch noch die Stirn hatte, es halb zu gestehn. Das alles mußte er hinnehmen, hatte sich auch im Laufe der Jahre daran gewöhnt, aber innerlich nagte diese Unbefriedigtheit immer an ihm, und noch niemals, nach keiner Hungerperiode – dieses Zeugnis mußte man ihm ausstellen – hatte er freiwillig den Käfig verlassen. Als Höchstzeit für das Hungern hatte der Impresario vierzig Tage festgesetzt, darüber hinaus ließ er niemals hungern, auch in den Weltstädten nicht, und zwar aus gutem Grund. Vierzig Tage etwa konnte man erfahrungsgemäß durch allmählich sich steigernde Reklame das Interesse einer Stadt immer mehr aufstacheln, dann aber versagte das Publikum, eine wesentliche Abnahme des Zuspruchs war festzustellen; es bestanden natürlich in dieser Hinsicht kleine Unterschiede zwischen den Städten und Ländern, als Regel aber galt, daß vierzig Tage die Höchstzeit war. Dann also am vierzigsten Tage wurde die Tür des mit Blumen umkränzten Käfigs geöffnet, eine begeisterte Zuschauerschaft [37] erfüllte das Amphitheater, eine Militärkapelle spielte, zwei Ärzte betraten den Käfig, um die nötigen Messungen am Hungerkünstler vorzunehmen, durch ein Megaphon wurden die Resultate dem Saale verkündet, und schließlich kamen zwei junge Damen, glücklich darüber, daß gerade sie ausgelost worden waren, und wollten den Hungerkünstler aus dem Käfig ein paar Stufen hinabführen, wo auf einem kleinen Tischchen eine sorgfältig ausgewählte Krankenmahlzeit serviert war. Und in diesem Augenblick wehrte sich der Hungerkünstler immer. Zwar legte er noch freiwillig seine Knochenarme in die hilfsbereit ausgestreckten Hände der zu ihm hinabgebeugten Damen, aber aufstehen wollte er nicht. Warum gerade jetzt nach vierzig Tagen aufhören? Er hätte es noch lange, unbeschränkt lange ausgehalten; warum gerade jetzt aufhören, wo er im besten, ja noch nicht einmal im besten Hungern war? Warum wollte man ihn des Ruhmes berauben, weiter zu hungern, nicht nur der größte Hungerkünstler aller Zeiten zu werden, der er ja wahrscheinlich schon war, aber auch noch sich selbst zu übertreffen bis ins Unbegreifliche, denn für seine Fähigkeit zu [38] hungern fühlte er keine Grenzen. Warum hatte diese Menge, die ihn so sehr zu bewundern vorgab, so wenig Geduld mit ihm; wenn er es aushielt, noch weiter zu hungern, warum wollte sie es nicht aushalten? Auch war er müde, saß gut im Stroh und sollte sich nun hoch und lang aufrichten und zu dem Essen gehn, das ihm schon allein in der Vorstellung Übelkeiten verursachte, deren Äußerung er nur mit Rücksicht auf die Damen mühselig unterdrückte. Und er blickte empor in die Augen der scheinbar so freundlichen, in Wirklichkeit so grausamen Damen und schüttelte den auf dem schwachen Halse überschweren Kopf. Aber dann geschah, was immer geschah. Der Impresario kam, hob stumm – die Musik machte das Reden unmöglich – die Arme über dem Hungerkünstler, so, als lade er den Himmel ein, sich sein Werk hier auf dem Stroh einmal anzusehn, diesen bedauernswerten Märtyrer, welcher der Hungerkünstler allerdings war, nur in ganz anderem Sinn; faßte den Hungerkünstler um die dünne Taille, wobei er durch übertriebene Vorsicht glaubhaft machen wollte, mit einem wie gebrechlichen Ding er es hier zu tun habe; und übergab ihn – nicht ohne [39] ihn im geheimen ein wenig zu schütteln, so daß der Hungerkünstler mit den Beinen und dem Oberkörper unbeherrscht hin und her schwankte – den inzwischen totenbleich gewordenen Damen. Nun duldete der Hungerkünstler alles; der Kopf lag auf der Brust, es war, als sei er hingerollt und halte sich dort unerklärlich; der Leib war ausgehöhlt; die Beine drückten sich im Selbsterhaltungstrieb fest in den Knien aneinander, scharrten aber doch den Boden, so, als sei es nicht der wirkliche, den wirklichen suchten sie erst; und die ganze, allerdings sehr kleine Last des Körpers lag auf einer der Damen, welche hilfesuchend, mit fliegendem Atem – so hatte sie sich dieses Ehrenamt nicht vorgestellt – zuerst den Hals möglichst streckte, um wenigstens das Gesicht vor der Berührung mit dem Hungerkünstler zu bewahren, dann aber, da ihr dies nicht gelang und ihre glücklichere Gefährtin ihr nicht zu Hilfe kam, sondern sich damit begnügte, zitternd die Hand des Hungerkünstlers, dieses kleine Knochenbündel, vor sich herzutragen, unter dem entzückten Gelächter des Saales in Weinen ausbrach und von einem längst bereitgestellten Diener abgelöst werden mußte. Dann [40] kam das Essen, von dem der Impresario dem Hungerkünstler während eines ohnmachtähnlichen Halbschlafes ein wenig einflößte, unter lustigem Plaudern, das die Aufmerksamkeit vom Zustand des Hungerkünstlers ablenken sollte; dann wurde noch ein Trinkspruch auf das Publikum ausgebracht, welcher dem Impresario angeblich vom Hungerkünstler zugeflüstert worden war; das Orchester bekräftigte alles durch einen großen Tusch, man ging auseinander, und niemand hatte das Recht, mit dem Gesehenen unzufrieden zu sein, niemand, nur der Hungerkünstler, immer nur er.

    So lebte er mit regelmäßigen kleinen Ruhepausen viele Jahre, in scheinbarem Glanz, von der Welt geehrt, bei alledem aber meist in trüber Laune, die immer noch trüber wurde dadurch, daß niemand sie ernst zu nehmen verstand. Womit sollte man ihn auch trösten? Was blieb ihm zu wünschen übrig? Und wenn sich einmal ein Gutmütiger fand, der ihn bedauerte und ihm erklären wollte, daß seine Traurigkeit wahrscheinlich von dem Hungern käme, konnte es, besonders bei vorgeschrittener Hungerzeit, geschehn, daß der Hungerkünstler mit einem Wutausbruch antwortete [41] und zum Schrecken aller wie ein Tier an dem Gitter zu rütteln begann. Doch hatte für solche Zustände der Impresario ein Strafmittel, das er gern anwandte. Er entschuldigte den Hungerkünstler vor versammeltem Publikum, gab zu, daß nur die durch das Hungern hervorgerufene, für satte Menschen nicht ohne weiteres begreifliche Reizbarkeit das Benehmen des Hungerkünstlers verzeihlich machen könne; kam dann im Zusammenhang damit auch auf die ebenso zu erklärende Behauptung des Hungerkünstlers zu sprechen, er könnte noch viel länger hungern, als er hungere; lobte das hohe Streben, den guten Willen, die große Selbstverleugnung, die gewiß auch in dieser Behauptung enthalten seien; suchte dann aber die Behauptung einfach genug durch Vorzeigen von Photographien, die gleichzeitig verkauft wurden, zu widerlegen, denn auf den Bildern sah man den Hungerkünstler an einem vierzigsten Hungertag, im Bett, fast verlöscht vor Entkräftung. Diese dem Hungerkünstler zwar wohlbekannte, immer aber von neuem ihn entnervende Verdrehung der Wahrheit war ihm zu viel. Was die Folge der vorzeitigen Beendigung des Hungerns war, stellte [42] man hier als die Ursache dar! Gegen diesen Unverstand, gegen diese Welt des Unverstandes zu kämpfen, war unmöglich. Noch hatte er immer wieder in gutem Glauben begierig am Gitter dem Impresario zugehört, beim Erscheinen der Photographien aber ließ er das Gitter jedesmal los, sank mit Seufzen ins Stroh zurück, und das beruhigte Publikum konnte wieder herankommen und ihn besichtigen.

    Wenn die Zeugen solcher Szenen ein paar Jahre später daran zurückdachten, wurden sie sich oft selbst unverständlich. Denn inzwischen war jener erwähnte Umschwung eingetreten; fast plötzlich war das geschehen; es mochte tiefere Gründe haben, aber wem lag daran, sie aufzufinden; jedenfalls sah sich eines Tages der verwöhnte Hungerkünstler von der vergnügungssüchtigen Menge verlassen, die lieber zu anderen Schaustellungen strömte. Noch einmal jagte der Impresario mit ihm durch halb Europa, um zu sehn, ob sich nicht noch hie und da das alte Interesse wiederfände; alles vergeblich; wie in einem geheimen Einverständnis hatte sich überall geradezu eine Abneigung gegen das Schauhungern ausgebildet. Natürlich hatte das [43] in Wirklichkeit nicht plötzlich so kommen können, und man erinnerte sich jetzt nachträglich an manche zu ihrer Zeit im Rausch der Erfolge nicht genügend beachtete, nicht genügend unterdrückte Vorboten, aber jetzt etwas dagegen zu unternehmen, war zu spät. Zwar war es sicher, daß einmal auch für das Hungern wieder die Zeit kommen werde, aber für die Lebenden war das kein Trost. Was sollte nun der Hungerkünstler tun? Der, welchen Tausende umjubelt hatten, konnte sich nicht in Schaubuden auf kleinen Jahrmärkten zeigen, und um einen andern Beruf zu ergreifen, war der Hungerkünstler nicht nur zu alt, sondern vor allem dem Hungern allzu fanatisch ergeben. So verabschiedete er denn den Impresario, den Genossen einer Laufbahn ohnegleichen, und ließ sich von einem großen Zirkus engagieren; um seine Empfindlichkeit zu schonen, sah er die Vertragsbedingungen gar nicht an.

    Ein großer Zirkus mit seiner Unzahl von einander immer wieder ausgleichenden und ergänzenden Menschen und Tieren und Apparaten kann jeden und zu jeder Zeit gebrauchen, auch einen Hungerkünstler, bei entsprechend bescheidenen [44] Ansprüchen natürlich, und außerdem war es ja in diesem besonderen Fall nicht nur der Hungerkünstler selbst, der engagiert wurde, sondern auch sein alter berühmter Name, ja man konnte bei der Eigenart dieser im zunehmenden Alter nicht abnehmenden Kunst nicht einmal sagen, daß ein ausgedienter, nicht mehr auf der Höhe seines Könnens stehender Künstler sich in einen ruhigen Zirkusposten flüchten wolle, im Gegenteil, der Hungerkünstler versicherte, daß er, was durchaus glaubwürdig war, ebensogut hungere wie früher, ja er behauptete sogar, er werde, wenn man ihm seinen Willen lasse, und dies versprach man ihm ohne weiteres, eigentlich erst jetzt die Welt in berechtigtes Erstaunen setzen, eine Behauptung allerdings, die mit Rücksicht auf die Zeitstimmung, welche der Hungerkünstler im Eifer leicht vergaß, bei den Fachleuten nur ein Lächeln hervorrief.

    Im Grunde aber verlor auch der Hungerkünstler den Blick für die wirklichen Verhältnisse nicht und nahm es als selbstverständlich hin, daß man ihn mit seinem Käfig nicht etwa als Glanznummer mitten in die Manege stellte, sondern draußen an einem im übrigen recht gut zugänglichen Ort in [45] der Nähe der Stallungen unterbrachte. Große, bunt gemalte Aufschriften umrahmten den Käfig und verkündeten, was dort zu sehen war. Wenn das Publikum in den Pausen der Vorstellung zu den Ställen drängte, um die Tiere zu besichtigen, war es fast unvermeidlich, daß es beim Hungerkünstler vorüberkam und ein wenig dort haltmachte, man wäre vielleicht länger bei ihm geblieben, wenn nicht in dem schmalen Gang die Nachdrängenden, welche diesen Aufenthalt auf dem Weg zu den ersehnten Ställen nicht verstanden, eine längere ruhige Betrachtung unmöglich gemacht hätten. Dieses war auch der Grund, warum der Hungerkünstler vor diesen Besuchszeiten, die er als seinen Lebenszweck natürlich herbeiwünschte, doch auch wieder zitterte. In der ersten Zeit hatte er die Vorstellungspausen kaum erwarten können; entzückt hatte er der sich heranwälzenden Menge entgegengesehn, bis er sich nur zu bald – auch die hartnäckigste, fast bewußte Selbsttäuschung hielt den Erfahrungen nicht stand – davon überzeugte, daß es zumeist der Absicht nach, immer wieder, ausnahmslos, lauter Stallbesucher waren. Und dieser Anblick von der Ferne [46] blieb noch immer der schönste. Denn wenn sie bis zu ihm herangekommen waren, umtobte ihn sofort Geschrei und Schimpfen der ununterbrochen neu sich bildenden Parteien, jener, welche – sie wurde dem Hungerkünstler bald die peinlichere – ihn bequem ansehen wollte, nicht etwa aus Verständnis, sondern aus Laune und Trotz, und jener zweiten, die zunächst nur nach den Ställen verlangte. War der große Haufe vorüber, dann kamen die Nachzügler, und diese allerdings, denen es nicht mehr verwehrt war, stehen zu bleiben, solange sie nur Lust hatten, eilten mit langen Schritten, fast ohne Seitenblick, vorüber, um rechtzeitig zu den Tieren zu kommen. Und es war kein allzu häufiger Glücksfall, daß ein Familienvater mit seinen Kindern kam, mit dem Finger auf den Hungerkünstler zeigte, ausführlich erklärte, um was es sich hier handelte, von früheren Jahren erzählte, wo er bei ähnlichen, aber unvergleichlich großartigeren Vorführungen gewesen war, und dann die Kinder, wegen ihrer ungenügenden Vorbereitung von Schule und Leben her, zwar immer noch verständnislos blieben – was war ihnen Hungern? – aber doch in dem Glanz ihrer forschenden Augen etwas von neuen, [47] kommenden, gnädigeren Zeiten verrieten. Vielleicht, so sagte sich der Hungerkünstler dann manchmal, würde alles doch ein wenig besser werden, wenn sein Standort nicht gar so nahe bei den Ställen wäre. Den Leuten wurde dadurch die Wahl zu leicht gemacht, nicht zu reden davon, daß ihn die Ausdünstungen der Ställe, die Unruhe der Tiere in der Nacht, das Vorübertragen der rohen Fleischstücke für die Raubtiere, die Schreie bei der Fütterung sehr verletzten und dauernd bedrückten. Aber bei der Direktion vorstellig zu werden, wagte er nicht; immerhin verdankte er ja den Tieren die Menge der Besucher, unter denen sich hie und da auch ein für ihn Bestimmter finden konnte, und wer wußte, wohin man ihn verstecken würde, wenn er an seine Existenz erinnern wollte und damit auch daran, daß er, genau genommen, nur ein Hindernis auf dem Weg zu den Ställen war.

    Ein kleines Hindernis allerdings, ein immer kleiner werdendes Hindernis. Man gewöhnte sich an die Sonderbarkeit, in den heutigen Zeiten Aufmerksamkeit für einen Hungerkünstler beanspruchen zu wollen, und mit dieser Gewöhnung war das Urteil über ihn gesprochen. Er mochte so gut [48] hungern, als er nur konnte, und er tat es, aber nichts konnte ihn mehr retten, man ging an ihm vorüber. Versuche, jemandem die Hungerkunst zu erklären! Wer es nicht fühlt, dem kann man es nicht begreiflich machen. Die schönen Aufschriften wurden schmutzig und unleserlich, man riß sie herunter, niemandem fiel es ein, sie zu ersetzen; das Täfelchen mit der Ziffer der abgeleisteten Hungertage, das in der ersten Zeit sorgfältig täglich erneut worden war, blieb schon längst immer das gleiche, denn nach den ersten Wochen war das Personal selbst dieser kleinen Arbeit überdrüssig geworden; und so hungerte zwar der Hungerkünstler weiter, wie er es früher einmal erträumt hatte, und es gelang ihm ohne Mühe ganz so, wie er es damals vorausgesagt hatte, aber niemand zählte die Tage, niemand, nicht einmal der Hungerkünstler selbst wußte, wie groß die Leistung schon war, und sein Herz wurde schwer. Und wenn einmal in der Zeit ein Müßiggänger stehen blieb, sich über die alte Ziffer lustig machte und von Schwindel sprach, so war das in diesem Sinn die dümmste Lüge, welche Gleichgültigkeit und eingeborene Bösartigkeit erfinden konnte, denn nicht der [49] Hungerkünstler betrog, er arbeitete ehrlich, aber die Welt betrog ihn um seinen Lohn.

    Doch vergingen wieder viele Tage, und auch das nahm ein Ende. Einmal fiel einem Aufseher der Käfig auf, und er fragte die Diener, warum man hier diesen gut brauchbaren Käfig mit dem verfaulten Stroh drinnen unbenützt stehen lasse; niemand wußte es, bis sich einer mit Hilfe der Ziffertafel an den Hungerkünstler erinnerte. Man rührte mit Stangen das Stroh auf und fand den Hungerkünstler darin. „Du hungerst noch immer?“ fragte der Aufseher, „wann wirst du denn endlich aufhören?“ „Verzeiht mir alle“, flüsterte der Hungerkünstler; nur der Aufseher, der das Ohr ans Gitter hielt, verstand ihn. „Gewiß,“ sagte der Aufseher und legte den Finger an die Stirn, um damit den Zustand des Hungerkünstlers dem Personal anzudeuten, „wir verzeihen dir.“ „Immerfort wollte ich, daß ihr mein Hungern bewundert“, sagte der Hungerkünstler. „Wir bewundern es auch“, sagte der Aufseher entgegenkommend. „Ihr sollte es aber nicht bewundern“, sagte der Hungerkünstler. „Nun, dann bewundern wir es [50] also nicht,“ sagte der Aufseher, „warum sollen wir es denn nicht bewundern?“ „Weil ich hungern muß, ich kann nicht anders“, sagte der Hungerkünstler. „Da sieh mal einer,“ sagte der Aufseher, „warum kannst du denn nicht anders?“ „Weil ich,“ sagte der Hungerkünstler, hob das Köpfchen ein wenig und sprach mit wie zum Kuß gespitzten Lippen gerade in das Ohr des Aufsehers hinein, damit nichts verloren ginge, „weil ich nicht die Speise finden konnte, die mir schmeckt. Hätte ich sie gefunden, glaube mir, ich hätte kein Aufsehen gemacht und mich vollgegessen wie du und alle.“ Das waren die letzten Worte, aber noch in seinen gebrochenen Augen war die feste, wenn auch nicht mehr stolze Überzeugung, daß er weiterhungre.

    „Nun macht aber Ordnung!“ sagte der Aufseher, und man begrub den Hungerkünstler samt dem Stroh. In den Käfig aber gab man einen jungen Panther. Es war eine selbst dem stumpfsten Sinn fühlbare Erholung, in dem so lange öden Käfig dieses wilde Tier sich herumwerfen zu sehn. Ihm fehlte nichts. Die Nahrung, die ihm schmeckte, brachten ihm ohne langes Nachdenken die Wächter; nicht einmal die Freiheit schien er [51] zu vermissen; dieser edle, mit allem Nötigen bis knapp zum Zerreißen ausgestattete Körper schien auch die Freiheit mit sich herumzutragen; irgendwo im Gebiß schien sie zu stecken; und die Freude am Leben kam mit derart starker Glut aus seinem Rachen, daß es für die Zuschauer nicht leicht war, ihr standzuhalten. Aber sie überwanden sich, umdrängten den Käfig und wollten sich gar nicht fortrühren.“

    • Die einen wollen sich vergöttlichen- die anderen verteuflichen. Vermenschlichen liegt wohl nicht mehr drin.

    • Schwarzweißdenken.

      a) Vergöttlichen IST Vermenschlichen. Das mit dem Ebenbild, nach dem wir erschaffen wurden.
      b) Integraler als ich argumentiere (alles einschließend, alles umarmend, überschreiten und bewahren, alles transformierend), kann ja wohl eine goldene, beide Pole transzendierende Mitte nicht mehr ins Bild gesetzt werden.

  5. Ich stelle nicht in Frage, wie der Autor, ob etwas „Kunst“ ist, oder nicht, denn das liegt immer im Auge des jeweiligen Betrachters. Insofern, als etwas nicht von Natur aus so ist, sondern von Menschen mit menschlicher Zielsetzung geschaffen oder zusammen gestellt wurde, ist es „künstlich“, also Kunst. Insofern ist das, was Abramovic macht auch Kunst, ohne Frage. Die Frage ist nur, ob sie (mir) gut tut, ob sie mir gefällt. Und das tut sie nicht.

    • Und es tut sich logischerweise auch die Frage auf, ob heute ein derart von den Eliten gefeierter und monetär unterstützter Kunst-schaffender Mensch nicht zwangsläufig dem Satanismus zugeneigt oder selber Satanist sein muss. Ich brauche dazu eigentlich gar keine „Beweise“. Man vergleiche dazu auch mal die Kunstdarbietung zur Eröffnung des Gotthard-Tunnels (bei Querdenken TV).
      Egomanische Selbstdarstellung bis zum Abwinken, wer braucht so etwas?

    • Wenn Abramovic ein schwächlich aussendes, unscheinbares Frauchen wäre, würde vermutlich kein Hahn danach krähen. Ihre Erscheinung ist ja doch imposant. Aber der Mensch kann eben alle seine Gaben auch missbrauchen.
      Große Gaben können leicht zu Eitelkeit und Egomanismus verleiten.

  6. Andreas G.,
    ich bin auch diesem LINK zur 150 % Affirmation gefolgt.
    Ich versuche einmal den Unterschied auszumachen.
    Also wenn ich mich einen Tag lang als Affe verkleidet im Zoo mit den Primaten einschließen lassen würde, um damit auf das Leid der Tiere in Gefangenschaft aufmerksam zu machen, dann bleibe ich ganz und gar wer ich bin. Meine Menschenwürde nähme dadurch keinen Schaden. Ich wäre Teilnehmer einer Performance, mehr nicht. Würde ich mich im Kölner Karneval als Affe verkleiden, wäre das reine Gaudi, also ohne eine politische Botschaft; meine Menschenwürde wäre auch nicht beschädigt.
    Würde Marina Abramovic ihren Körper bemalen, um so auf Leid, Folter und Unterdrückung aufmerksam zu machen, blieb ihre menschliche Würde ebenfalls unverletzt.
    Sie verletzt sich aber selbst, macht sich total unterwürfig, bestimmt nicht mehr die Distanz zwischen sich und anderen, fast hat man das Gefühl sie löscht sich selbst aus als Mensch.
    Das ist keine Demonstration für oder gegen etwas, auch kein Spiel, sondern blutiger Ernst.

    • (Zusätzlich zur PN doch noch etwas)

      Ja. Sie haben Recht. Blutiger Ernst. Höchste Zeit, aufzuwachen. Da platzt die bürgerliche Distanzblase jeglicher Moral und alle falsche Zurückhaltung wird als das gesehen, was sie ist: Angst, Feigheit, Unaufrichtigkeit, falschverstandenes Gutmenschentum.

      Die Würde des Menschen ist unantastbar.
      Wer meine Würde verletzt, das bestimme ich.
      Gebe ich niemandem die Macht dazu,
      dann kann meine Würde nicht verletzt werden.

      Abramovic ist auch in Opferrollen immer die Täterin und in der vollständigen Verantwortung. Wenn es um Auslöschung geht, dann um die von Mauern, von Grenzen, von Ego, von Anhaftung am Tierkörper, von Bigotterie.

      Ich sehe M.Abramovic in der Tradition der Surrealisten. (Bunuel, Breton …)
      Und wer so viel Zeit wie sie mit Aboriginees, Ureinwohnern und Schamanen verbracht hat,
      und vor allem: verbringen KONNTE – – – den würde ich auch nicht so vorschnell verurteilen, wie das
      hier in vielen Kommentaren geschehen ist.

      Zu Franz Marc soll mal jemand gesagt haben: Aber Pferde sind doch gar nicht blau!
      Seine Antwort, sinngemäß: Das sind ja auch keine Pferde. Das ist ein Bild.

    • @ A.G .
      Das Ich ist ein zentraler Bestandteil des Menschen ,
      das ihn von aktuellen Definitionen wie Humankapital abhebt .
      Es ist in der globalistisachen Massengesellschaft die Auflösung des Ich vorgesehen .
      Wer in dieser total nivelierten und entpersönlichten und entgrenzten Massengesellschaft ein Ziel sieht, huldigt einem ultimativen Unterwerfungskult — Der Pyramidenbau als Lebensinhalt . Nicht zu vergessen : Eine Pyramide hat immer einen Meister – und er ist es , der auch das Opfer fordert .

      Heute scheint ein grosses Rennen um das Zentrum eines Opferkultes im Gange , um die Auslöschung des Ichs .
      Verständlich nach der Überbetonung des Ego in den 1960er Jahren schiesst die Entindividualisierung in diesen Opferkulten über jedes erträgliche und sinnvolle Mass hinaus .
      Die Kriege, die die Opferbereitschaft fordern sind gut im Fortschritt und so ist das Humankapital die Idealform für Produktion und Konsumation .

    • Man merkt, Wasserader, daß Sie das, was Sie als Versuche bezeichnen das „Ich“ auszulöschen, nur von außen kennen; aus Berichten, Beschreibungen und ihren Interpretationen derselben; und nicht aus eigener Erfahrung.

      Aus meinem eigenen Leben weiß ich: Je weniger Ich (ahankar, Stolz, Ego) da waren, desto individueller bin ich geworden. Die totale Auslöschung des falschen Ich ist gleichzeitig die größtmögliche Individualisierung, die ich mir vorstellen kann. Und das hat weder mit Pyramidensystemen noch mit den „bösen“ Meistern etwas zu tun.

    • @A.G.
      Das falsche Ich ?
      Wir haben die Auslöschung des Ich durch kollektive Erziehung und Integration
      die durch die nutzniesserische Individualisierung durch konditionierte Eigene Meinung und Individuellen Konsum kompensiert wird .
      Nachdem wir in – Der Besten Aller Welten – leben ,
      kann nach gängiger tragender Ideologie ein Fehler nur am Individuum hängen …. Amen .

    • Schwer, nach diesem abwürgenden „Amen“ noch zu antworten.

      Fühlen Sie mal in Ihren Solarplexus rein. Also dorthin, wo sich in diesem Moment alles zusammenballt und hart macht.
      Das meine ich mit falschem Ich.
      Alles andere sind Kopfgeburten und Konzeptwelten, die uns gar nirgendwohin führen.

      Ich sach ma tshüss…..

  7. Der Unterschied zwischen Beuys und Abramovic ist der, dass von Beuys eine gute Energie ausging, die man auch sogar ganz bewusst körperlich spüren konnte in seinen Installationen, während von Abramovic’s Installationen Energie abgezogen wird.

  8. Ich kann mir nicht vorstellen, dass solche Art von Performance einen guten Zweck verfolgt, und selbst dann, wenn sie das täte, gilt für mich Kants „Der Mensch sei Zweck, nie Mittel.“
    Und als ich mir den LINK von Andreas G. antat, also der LINK zu dem Video, in welchem sich
    Marina Abramovic in die Nähe von Joseph Beuys bringt. Da verspürte ich ein Würgen im Hals. Nicht zu fassen! Da fehlen mir die Worte, irgendwas wie „Blasphemie“ wäre passend.

    Joseph Beuys, ein wirklich ganz Großer: Künstler, Menschenfreund, Aufklärer, einer der ersten Grünen, mutiger Streiter in politischen Debatten, Vorbild.

    Frau Abramovic hat ganz früh ‚Zuwendung‘ in Form von Schlägen und Schlimmerem erlebt. So wurde sie wohl konditioniert. Und jetzt macht sie sich?/ machen andere sie? zum Objekt durch
    Zertrampeln ihrer Menschenwürde.

  9. Es ist nicht alles Kunst was als solches verkauft wird.
    Demnächst auf dieser ART Speisekarte:

    Ausscheidungen!

    Und als Vorspeise: Süße Säuglinge unter 10 Monaten.

    Demnaechst kommt bestimmt jemand und erhebt künstlerischen Anspruch auf die im Detail geplante Anordnung und Koordination von Bombenangriffen. Brave New World!

  10. Mit der Kunst der Marina Abramovic
    zelebriert sich die Machtelite . Es ist ihr Kult .
    In der Umgebung ist Kindesmissbrauch vielfältig und konsequent .
    Es ist die Welt, die über uns bestimmt .
    Trump wollte Pizza Gate als auch 9.11 aufklären – er wird in die Enge gedrängt .

  11. Hallöchen,
    herr Loyen hat offenbar keine ahnung von kunst, sonst hätte er Marina Abramovic bereits vor der ausstellung in der bundeskunsthalle gekannt. sie ist durchaus weltführend, was performance betrifft und ich persönlich finde es anmassend, etwas als ekelhaft zu bezeichnen, von dem man keine ahnung hat. die definition von performance ist auch falsch, da es nicht um selbstdarstellung und geld geht.
    viellecht wissen Sie über politik besser bescheid, herr Loyen, das kann schon sein. für mich stellt sich aber daduch leider die gesamte KenFm hp in frage, wenn man solche statements als tagesdosis ins netz stellt, unqualifiziert.
    echt schade!
    Steffi

    • Marina Abramovic ist mir schon seit einigen Jahren bekannt. Auch wenn sie auf ihrem Gebiet weltführend sein sollte, muss man das doch nicht mögen was sie macht.
      Ich höre gerne Jazz oder Frank Zappa und trotzdem gibt Leute, die bei dieser Musik die Hände über den Kopf zusammen schlagen.
      Marina Abramovic ist in den Blickpunkt einiger politisch interessierten vor allem mit „Spirit Cooking“, Pizzagate in Verbindung mit Podesta und Hillary Clinton gerückt.
      Wer darüber spricht, gilt in Deutschland als Verschwörungstheoretiker.
      Ein offener Austausch ist in der Öffentlichkeit kaum möglich.
      Will sagen, Kunst ist nicht gerade Schwerpunkt in diesem Forum.
      Herr Loyens private Meinung über Kunst ist seine private Meinung.

    • Liebe Steffi,
      auch mir stehen die Haare zu Berge angesichts dieses nicht besonders intelligenten Artikels und ich stimme dir im Grunde zu.
      Aber deshalb kenfm gleich ganz in Frage stellen? Immerhin liegt bei kenfm die Betonung immer auf einer grundsätzlichen Offenheit der Meinungen, die ich persönlich befürworte, selbst wenn dann mal Unsinn wie dieser hier zu lesen ist.
      Aber ja: ich teile dein ungutes Gefühl absolut!
      Pipelette

    • Ich weiß von M.A. auch schon seit etwa 20 jahren. Ich erinnere mich, dass sie damals mit ihrer Körper-Kunst bei mir eine vage und irgendwie dunkle Mischung von Mitleid und leichtem Ekel ausgelöst hat und ich mich gefragt habe, wieso jemand so leidenssüchtig sein oder werden kann. Es hatte mich durch seine Extremität und Konsequenz aber irgendwie beeindruckt. Und sie benutzte damals ausschließlich ihren eigenen Körper. Mir war damals auch nicht so klar, dass Masochismus und Sadismus zwei Seiten der selben Medaille sind. Ihre heutigen ekelerregenden Installationen z.B. mit Blut, Sperma und Muttermilch und ihre Sprüche dazu finde ich nur noch abstoßend und sadistisch. Warum sich heute Menschen, wie auch Sie, „steffi“ und „Pipette“ dafür so begeistern können, ist mir ein Rätsel. Vielleicht können Sie das ja hier einmal den usern erklären? Dass Sie es als große Kunst ansehen, sagt uns ja jetzt nichts weiter.

    • Es geht doch nicht darum, für welche Kunst ich persönlich mich begeistern kann (darum geht es auch bei Steffi nicht), sondern um die Unangemesswnheit, über etwas zu urteilen, ohne es zu kennen und sich in der Tiefe (auch durch eigene Anschauung, z.B. Besuch einer ihrer Performances) damit auseinandergesetzt zu haben. Dann noch gleich am Rande Joseph Beuys mit in einem Atemzug zu nennen, erzeugt bei mir ein ebenso ungutes Gefühl wie der Link zu Pizzagate (dem ich gefolgt bin, um nicht auf neue Erkenntnisse sondern auf verworrene Verdächtigungen, wie sie schon im Artikel auftauchen à la „irgendwie hat sie damit zu tun“ zu stoßen).
      Die „Begeisterung“, die Sie gern von mir erklärt hätten, können Sie in der Presse (ist ja auch im Artikel selbst genannt) nachlesen: ich selbst bin nämlich nicht von M. Abramovic begeistert, sondern stehe ihrer Kunst sehr zwiespältig gegenüber.
      Mein Name ist nicht Pipette, sondern Pipelette

    • Joseph Beuys hatte damals recht, als er sagte:“Jeder Mensch ist ein Künstler“ und er hat dafür viel Prügel bekommen, weil damit vielen Leuten wie der Stuhl unterm Hintern weggezogen wurde. Vielleicht hätten Sie damals auch zu diesen gehört? Ich finde den heutigen Kunstbetrieb schon lange pervertiert und interessiere mich auch nicht mehr dafür. Etwa ab Beuys ist es mehr und weniger nur noch eine Geld-und- Prestige-Umsetzungs- Maschinerie.

    • „Joseph Beuy sagte:“Jeder Mensch ist ein Künstler“ und er hat dafür viel Prügel bekommen, weil damit vielen Leuten wie der Stuhl unterm Hintern weggezogen wurde. Vielleicht hätten Sie damals auch zu diesen gehört?“

      Das war von mir anders gemeint; ich schätze Beuys sehr (offenbar im Gegensatz zum Verfasser des Artikels).

    • Da geb ich Ihnen recht, dass der Verfasser sich offensichtlich nie näher mit dem Phänomen „Kunst“ in der Menschengesellschaft auseinander gesetzt hat. Aber muss er ja auch nicht unbedingt, um einen Artikel über Abramovic zu schreiben. Immerhin Hat’s hier mal jemand gemacht und ist ja auch auf großes Interesse gestoßen, wie die Anzahl der Kommentare es beweist.

    • Unter dem einfluß meiner gedanken zu der überlegung von herrn dr. ganser „ verbinden – aufwerten – respektieren,
      bemerke ich, das „kunst“ gerne und oft für reibungspunkte sorgt. ein quellennachweis: picasso´s guernica

  12. Ich stimme weitgehend mit den hier geäußerten Meinungen überein: eine anscheinend kranke, zumindest psychisch
    angeschlagene Person die mit ihrem pervers wirkendem Auftreten die sogenannten Bildungsbürger anlockt …
    Jedoch: was ist so „ansprechend“ für ihr Publikum in der Kunsthalle ?
    Sehen die Betrachter vielleicht ihre eigenen verletzten, unterdrückten, mitunter zur Perversität neigenden Gefühlswelten –
    die hier ein anderer (zudem noch eine weibliche Person) auf drastische Weise im Außen ihnen widerspiegelt ?
    (ähnlich wie „50 shades of grey“ – ein Kino-Hit )
    Im Übrigen gehe ich davon aus, dass das Wort „Kunst“ nicht unbedingt vom etymologischen Wortstamm „können“ (auch kennen, wissen) entspringt, sondern als zusätzliche Variante auch das Wort „künden“ beinhaltet.
    Was außer extreme Ich-Bezogenheit gibt’s hier zu ver-künden ?
    Was also ist die message der „Künstlerin“ und vor allem: der Veranstalter und der Medien !

  13. (Ich warte gerade auf die Freischaltung eines Kommentars weiter unten. Über die affirmative Strategie des zeitgenössischen Künstlers.)
    Abramovic versucht, meiner Meinung nach, uns den permanenten Ausnahmezustand der westlichen Zivilisation vor Augen zu führen.
    Und uns mit diesem in Kontakt zu bringen.
    Über diesen kannst Du nachdenken und dann Deine Schlüsse daraus ziehen.
    Du kannst versuchen, Deine Kinder davor zu schützen.
    Du kannst versuchen, ihn zu verdammen.
    Und dann, vielleicht, Deine Essgewohnheiten ändern.
    Wenn Du jedoch in eine ihrer Ausstellungen gehst, dann kannst Du Dich mit Nachdenken nicht mehr aufhalten.
    Du wirst direkt in die Hölle geworfen, die unsere Welt ist.
    Ekelhaft!??
    Krank?
    Halleluja!

    • Ob das die Eliten auch so sehen?
      Ein einem Land, in dem wir gut und gerne leben + permanenten Ausnahmezustand der westlichen Zivilisation.
      Da beisst sich doch was.
      Bleiben wir mal bei dem Begriff „Kunst“, die ja auch immer verschieden interpretiert werden kann.
      Da Marina Abramović noch lebt, könnte Sie ja mal Licht ins Dunkel bringen. Gibt es da Andeutungen von ihr?
      Sonst ist es doch verwirrend.
      Bleibt die Frage, ob das zu Ihrem Konzept gehört.

    • Wer ist denn so stumpfsinnig, dass er durch blutige und perverse Intallationen erst erklärt bekommen muss, dass hier die Hölle los ist? Du? Kunst liegt doch immer im Auge des Betrachters. Oder maßt Du Dir an, zu beurteilen, was für andere Kunst zu sein hat?
      Es geht anscheinend nur darum, dass „der Göttliche“ ja niemals irren kann. Das ist Dein Problem.

    • Mir kommen bei M. A. jedenfalls keinerlei persönliche Erinnerungen aus meinem Leben. Dem Himmel sei Dank.

  14. Abramovic ist, was die Perversität und Obszönität anbelangt, in einer Klasse mit Hermann Nitsch. Ich verzichte bewusst auf das Einfügen einschlägiger Links – für mich hat das NICHTS mit Kunst, aber ALLES mit Satanismus zu tun. Widerwärtig, pervers, ekelhaft…

    • …..hallo Vegan4Life……….
      🙂
      vor 1o Jahren – 2008 – ließ man einen Hund an der Kette verhungern. Vielleicht war es der Louvre. Tierschützer weltweit protestierten. Das Publikum gaffte. Das war doch nicht diese Frau Künstlerin ?

    • Liebe Matti! Ich wusste das nicht. War geschockt. Aber das war ein grausam aussehender Südamerikanischer „Künstler“gewesen. Mir graut sowieso schon lange vor diesem ganzen hoch gestochenen Kunstbetrieb. Joseph Beuys hatte recht, als er ihn unbeabsichtigt von seinem arroganten Sockel gestoßen hat, indem er damals sagte:
      „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Dafür hatte er viel Prügel bekommen.

    • oder hier — falls es noch jemanden interessiert:

      Juanita Bermúdez, the director of the Códice Gallery, stated that the animal was fed regularly and was only tied up for three hours on one day before it escaped. Vargas himself refused to comment on the fate of the dog, but noted that no one tried to free the dog, give it food, call the police, or do anything for the dog.

      Vargas stated that the exhibit and the surrounding controversy highlight people’s hypocrisy because no one cares about a dog that starves to death in the street. In an interview with El Tiempo, Vargas explained that he was inspired by the death of Natividad Canda, an indigent Nicaraguan addict, who was killed by two Rottweilers in Cartago Province, Costa Rica, while being filmed by the news media in the presence of police, firefighters, and security guards.

      Upon conducting a probe, the Humane Society of the United States was informed that the dog was in a state of starvation when it was captured and escaped after one day of captivity; however, the organization also categorically condemned „the use of live animals in exhibits such as this.“ The World Society for the Protection of Animals (WSPA) also investigated the exhibit. WSPA found the information regarding the issue to be „inconsistent“ and met with sponsors of the Honduras Bienal to ensure that no animals would be abused at the 2008 exhibit.

  15. Nun, dann sind wir hier wieder bei den, von Frau Bonath am Montag, angesprochenen Zuständen angelangt.

    „Und doch sind diese repressiven Ansinnen nur das Resultat der sich verschärfenden systemischen Widersprüche. Die moralische Verrohung ist das Ergebnis des auf die Spitze getriebenen Wettbewerbs, in dem Statusakrobaten verzweifelt gegeneinander ringen. Es ist der Ausfluss der strukturellen Gewalt, mit der jeder Staat in dieser Wirtschaftsordnung die Interessen des Großkapitals vertritt.
    (…)
    Am Ende jeder Herrschaft steht immer rohe Gewalt, und zwar gegen alle, die nicht von Kapitalbesitz und fremder Arbeit leben können. Wäre es anders, wäre die heutige global agierende und national Zwang ausübende Herrschaftsordnung längst gescheitert.“
    https://kenfm.de/tagesdosis-03-05-2018-parallelwelten-marina-abramovic-und-ihr-spirit-cooking/

    Daß eine weitere Verrohung der Gesellschaft angestrebt wird, daß die Gewalt, das Vergnügen daran, in der breiten Masse ankommen möge, können sie in fast der gesamten Kunst- und Unterhaltungsbranche beobachten.

    Eine Kultivierung der Gewalt.

    In aktuellen Serien und Filmen, finden sie das gesamte Repertoire, dazu gehört Folter, dazu gehört Vergewaltigung, ebenso wie, Gewalt gegen Kinder. Zelebriert und nicht in Frage gestellt.

    Der Zirkus Maximus ist doch wesentlich spannender, wenn nicht nur Bälle getreten werden und dazu hebt oder senkt man, oben in der Loge, den Daumen.

    Diesen noch da’s auch um Kunst ging:

    Dienstag, 27. März 2018, 12:09 Uhr
    ~15 Minuten Lesezeit
    Triumph des Hässlichen
    Der Paradigmenwechsel in moderner Kunst und zeitgenössischem Regietheater ist zerstörerisch.
    von Bernd Weikl

    Kultur sollte für die Menschen da sein und wird auch zum großen Teil von den Bürgern über Steuern bezahlt. Neuere Entwicklungen haben aus Oper, Theater und bildender Kunst jedoch eine Spielwiese der Eitelkeit und Skurrilität einiger Akteure gemacht. Das Hässliche, das Schrille und Gewalttätige schwingt das Zepter auf den Bühnen, obwohl die Gesetze der Wahrnehmung nach Harmonie und Schönheit verlangen würden. Wie im Märchen von „Des Kaisers neuen Kleidern“ täuschen viele Zuschauer Verständnis vor, um nicht als ungebildet abgekanzelt zu werden. Die Politik, unter dem Eindruck eines vom Publikum völlig abgehobenen Feuilletons, unterstützt den Verfall unserer Kultur.
    https://www.rubikon.news/artikel/triumph-des-hasslichen

    Zum Schluß noch ein „nahe dran“ Abschiedsbrief:

    „An Nero, Imperator von Rom, Herren der Welt, göttlichen Oberpriester,

    ich weiß mein Tod bedeutet für dich eine Enttäuschung, da du mir einen solchen Dienst selbst zu erweisen wünschtest.
    Unter deiner Herrschaft geboren zu sein, ist ein, ein Rechenfehler, aber zu sterben unter ihr, ist eine Lust.
    Ich kann dir den Mord an deiner Frau und deiner Mutter verzeihen und den Brand unseren geliebten Roms. Auch daß du unser sauberes Land verunreinigt hast, mit dem Gestank deiner Verbrechen.
    Aber eines kann ich dir nicht vergeben, die Langeweile beim Anhören deiner Verse, deiner zweitklassigen Lieder, deiner mittelmäßigen Schauspielerei.
    Sei treu nur deinen besonderen Gaben Nero, Mord und Brand, Verrat und Terror.
    Verstümmle deine Untergebenen wenn du mußt, aber mit meinem letzten Atem flehe ich, verstümmle nicht mehr die Künste.

    Lebe Wohl, aber komponiere keine Musik mehr, brutalisiere das Volk, aber doch langweile es nicht, wie du zu Tode gelangweilt hast, deinen Freund Gaius Petronius.“
    (Quo Vadis, USA, 1951)

  16. Was „Kunst“ ist und was nicht, darüber kann man sich trefflich streiten. Für mich liegt der Werte-Maßstab dafür nicht in der Form, in der Präsentation oder am Ort, wo sie statt findet,, sondern in dem Inhaltlichen, was sie mir vermittelt.
    Joseph Beuys war für mich nicht nur ein Künstler, sondern eine Art Schamane, Seher und Heilsbringer. Alles, was er machte, war Kunst. Ich habe z.B. auch in meinem ganzen Leben noch nie jemanden so konzentriert sprechen sehen und hören, wie ihn bei seinem Vortrag, den ich als junge Frau das Glück hatte, besuchen zu können. Damals erlebte ich zum ersten mal, wie ein Mensch in riesigen Zeiträumen über Jahrtausende dachte. Ein ewig erhellendes Erlebnis.

    Diese kranke Frau hier vermittelt mir von weitem schon nur Ekel und Grauen. Es ist ein sozialpsychologisches Problem, dass so etwas heute gefeiert wird.

    • Ich bin mir auch sicher, das die Frau krank ist.
      Ihre wiederholten Performances machen aber nicht den Anschein sich selbst zu heilen.
      Oder ist das alles nur eine Show, bis zu eigenen Erschöpfung?
      Ob finanzieller- oder herbei geschriebener Erfolg oder beides Ihre Triebfeder ist bzw. geworden, weis ich nicht.
      Präsentiert sie sich und ihre eigene Welt und füttert damit ihr Ego?
      Eventuell kann ihr tun ein Therapeut besser beurteilen.
      Der sogenannte Kulturbetrieb nutzt sie aus und versucht sich mit ihr zu profilieren.
      Das trifft auch für bestimmte Eliten zu.
      Aber das macht man ja schon immer.
      Was wirklich davon mal bleibt, ist momentan unwichtig.

    • Ich kann an dem Filmschnitzel nichts anstößiges finden.
      2 Personen sitzen sich gegenüber, was dann passiert, sieht jeder selbst.

      Ob das nun Kunst ist oder Therapie ist, ist ne ganz andere Frage.

      Ich weis nicht, auf was Sie hinaus wollen.

    • Der grauhaarige Herr ist ja auch ihr ehemaliger Geliebter, der sie vor längerem verlassen hatte. Warum man sich das Wiedersehen der beiden nun als Kunst ansehen soll? Ist jede intime Gefühlsregung etwas, was jetzt öffentlich als Kunst bestaunt werden muss?
      Man sollte sich auch als A. Gesierich erst einmal umfassend informieren, ehe man gleich so allwissend los schreibt. finde ich.

    • Ich finde eher, das ist ein öffentliches, zahlungspflichtiges „Spannen“. Die Amis können eben mit allem Geld machen. Vielleicht ist das ja auch die wahre Kunst dahinter.

    • Das der grauhaarige Herr ihr ehemaliger Geliebter ist – wer soll das wissen?
      Wenn ich mich in meinem Umfeld so umschaue – wer kennt den Namen Marina Abramović geschweige denn ihre verflossenen Liebhaber?
      Woher wissen sie denn das?
      Wenn dem so sein sollte (was ich nicht bezweifle) ist die Situation eine etwas andere.
      Ich glaube aber zu wissen, das es auch bei anderen Personen, die ihr gegenüber saßen zu Gefühlsausbrüchen kam.
      Als Kunst könnte man das dann schon betrachten, wenn die Personen ihr gegenüber, so etwas wie Schauspieler sind.
      Ob das so war, weis ich nicht.

    • Ach ja, großer Seufzer.
      Ich beobachte hier schon seit längerem einige Kommentatoren, die sich aus dem Kampf, dem Streit, dem Konflikt, dem Krieg ihre Lebensenergie ziehen.
      Ich würde sie als Energievampire bezeichnen.

      Stell Dir vor, Du bist unter den Augen von, sagen wir, 850 000 Menschen, fast drei Monate lang mit Menschen in unmittelbarem Kontakt, indem Du ihnen einfach urteilsfrei in die Augen schaust.
      Du stellst keine Gedanken zwischen Dich und sie.
      Du stellst keine Barrieren welcher Art auch immer auf.
      Du gehst direkt in Kontakt.
      Und Du behauptest nichts dazu.
      Du läßt es einfach geschehen.

      Wer kann das?
      Wer kann überhaupt nur einem einzigen Menschen ohne zu sprechen, unverstellt in die Augen schauen?
      Die meisten von uns würden sich in die Hosen machen.
      Und dann dieses Ausmaß.
      Dieser Umfang.
      Diese Dauer.
      Diese Intensität.
      Drei Monate lang mit jedem, der bereit ist, Dir zu begegnen, Dich ohne intellektuelle Distanz zu verbinden?

      Ich würde mal behaupten, daß das niemand tun kann, der nicht etwas Tieferes, etwas sehr viel Tieferes in sich entdeckt hat und darin verankert ist. Sonst würde er/sie nämlich ganz schnell krank werden. Oder durchdrehen.

      Desweiteren: in dieser Schutzlosigkeit, in diesem Sich-Ausliefern mit derart vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Das deutet für mich auf einen Mut, der nicht an jeder Ecke zu finden ist. Und ich vermute mal, daß sie in diesen drei Monaten über die Menschen mehr gelernt hat, als andere in zwanzig Jahren in Bibliotheken.

      Vielleicht muß man selbst künstlerisch veranlagt sein, um das, was Abramovic versucht, nachvollziehen zu können. Wenn es ihr um Bekanntheit ginge, müßte sie sich nicht mehr derart ausliefern.
      Die hat sie schon.

      Bazon Brock war, meines Wissens, der erste, der die zeitgenössische künstlerische Strategie der Affirmation erkannt und theoretisch begründet hat.
      Affirmation: Ich übertreibe das, was ich als falsch erkannt habe, selbst auf eine Weise, daß auch noch dem letzten Schlafschaf aufgeht, daß da etwas nicht in Ordnung ist.

      Und durch was für Schichten von Ignoranz, Abwehr, Ekel, Widerstand, Verleumdung, Irrtum …. sich ein Künstlerheiler heute durchzuarbeiten hat – – – das führt uns direkt in den Ausnahmezustand, der im Westen schon ganz normal geworden ist.

      Ich fühle keinerlei Ekel bei dem, was die Abramovic tut.
      Nicht im Geringsten.

      Es mag schon sein, daß eine gewisse exhibitionistische Veranlagung, und auch ein gewisser Masochismus dazu gehören, das zu tun, was Abramovic seit vierzig Jahren tut.

      Aber mal ehrlich: Gibt es denn sehr viele Menschen, die sich über eine derart lange Zeispanne hinweg so treu geblieben sind wie sie?

      Sie zeigt uns, was diese Gesellschaft, unter den Schutzschilden von Ekel, Verachtung und Besserwisserei in sich trägt.

      Sie zeigt es uns.
      Ungeschminkt.
      Und das ist unerträglich.

      Tötet sie doch einfach!

      In Euren Texten tut Ihr das ja sowieso schon.

      Nur zu!

      Und dann?

      https://www.youtube.com/watch?v=52wplIxBH0o

    • Wer will Sie denn töten?
      Das ist doch Blödsinn.
      Wenn Sie uns auf den Ausnahmezustand des Westens aufmerksam machen will, ist das an mir vorüber gegangen.
      Andreas G, ich finde es ja gut, das du uns Deine Sicht der Dinge mitteilst.
      Wenn ich deiner Argumentation folge, geht es nicht nur um den Westen, das gilt fast weltweit.

    • Andreas

      Wie isn das? Differenzierst du bei deinem Veganismus? Menschen essen ist ok, da siehst du Liebe?
      Auch ne Philosophie… Jeder wie er mag!

  17. „Wenn Sie es im Kontext einer Kunstperformance tun, dann ist es Kunst. So wie Joseph Beuys Brot gebacken hat – im Museum. Hätte er es in einer Bäckerei gemacht, wäre es – Brotbacken gewesen.“

    Wenn Joseph Behufs Brot in einer Bäckerei gebacken hätte, wäre es wohl auch Kunst gewesen, wenn es als Kunstperformance angekündigt worden wäre. Kunst hat doch nichts unmittelbar mit dem Ort zu tun, wo Sie gemacht wird.

    Wenn Sie einen Namen haben, können Sie auch das trinken einer Kiste Bier zur Kunst erklären. Sie brauchen nur mediale Aufmerksamkeit, egal in welcher Räumlichkeit, für den Künstler herstellen.

    Was Kunst ist, liegt im Auge des Betrachters. Viele orientieren sich, wie auch auf anderen Gebieten, an der veröffentlichten Meinung. („Expertenmeinung“)

    Ich käme nicht auf die Idee, ein Museum aufzusuchen und mir eine Performers von Marina Abramović anzuschauen, weil mir so etwas nicht gefällt.
    Auch die „Körperwelten“ Gunther von Hagens rufen bei mir Unbehagen aus.

    Ob das Kunst ist, ist mir egal.

  18. Oha… Jetzt muss ich mich aber schwer beherrschen, um nicht in eine Verschwörungstheorie zu geraten. Finsteres Thema, aber wir sind tief im US-Satanismus angekommen. Mag nicht alles niederschreiben, was ich weiß. Würde auch ein Roman werden, da ich mich schon seit ein paar Jahren immer mal wieder mit diesem Thema beschäftige. Soll jeder selbst recherchieren, zusammenfügen und sein Köpfchen anstrengen. Ein paar Stichworte, wie Pizzagate, wurden ja im Artikel schon genannt. Jetzt fehlen noch die Stichworte Dutroux, Wewelsburg und die ARD-Doku „Höllenleben“, ein bisschen Kombinationsgabe und für die hartgesottenen das Buch von Cathy O’Brien, ein bisschen Wissen über die Forschungen von Mengele, MK Ultra, vielleicht noch ein paar yt-Vids mit Interviews von ehemaligen Kinderstars… Und dann wird langsam ein Bild aus dem Ganzen.

    Warum es von unseren Psychopathen (die fälschlicherweise als Eliten bezeichnet werden) und ihren Medien gehypt wird? Aus demselben Grund, warum Lady Gaga’s Videos so abstoßend sind, warum Telefonistinnen eine Ehrendoktorwürde verliehen bekommen und die Welt in dem Zustand ist, in dem sie nunmal ist!

    Da ist eine zutiefst perverse Herrscherkaste am Werk, deren oberstes Ziel ist die Maximierung von Leid! Die die Menschen zu brutalen, abgestumpften, entsolidarisierten Zombie-Arbeitssklaven machen wollen. Und jeder Krieg, jedes Chaos, jeder Streit, jede Träne zementiert deren Macht immer mehr.

    Wenn das Grauen groß genug ist, wird es unsichtbar. (Hab vergessen, wer das gesagt hat.)

    • Das Buch „Der Himmel bleibt offen“ enthält 4 wahre Geschichten, die anonym von Menschen erzählt werden, die satanischen Kindsmissbrauch überlebt haben. Alles Patienten der Psycho-Therapuetin Dagmar Neubronner, die auch dieses Buch zusammengestellt und verlegt hat. Als ich es gelesen hatte, konnte ich erst einmal tagelang noch nicht einmal mit meinem Lebenspartner darüber sprechen, dem ich sonst immer ganz spontan alles erzähle.
      Jetzt hat es sich schon wieder eingereiht in die alltäglichen Schrecklichkeiten, mit denen man jeden Tag bombardiert wird. Ich muss immer wieder an die Worte von Lisa Fitz denken: „Jede neue Recherche öffnet ein neues Höllentor“. Dagmar Neubronner sagte einmal, dass der beste Schutz der Satanisten sei, dass kaum jemand darüber sprechen möchte oder sich überhaupt damit befassen möchte. Angst ist das sicherste Siegel für die geheimen satanischen Verbrechen.

    • Danke für den Buchtipp! Mir ging es bei Cathy’s „Tranceformation of America“ ähnlich. Hab immer nur 20 min lesen können und musste dann aufhören, weil es so unfassbar gruselig ist, dass man sich weigern möchte, es zu glauben. Erst die weiterführenden Recherchen und die dabei auftauchenden immer gleichen Grausamkeiten haben es vermocht, dass ich überhaupt ernsthaft angefangen hab zu glauben, dass es so etwas geben kann. Bin mal gespannt auf die Kommentare hier. YT explodiert schon… 🙂

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