Tagesdosis 04.05.2018 – Mit Kindermorden den Widerstand der Palästinenser brechen (Podcast)

Ein Kommentar von Rainer Rupp.

Israelischer General erklärt, Erschießung palästinensischer Kinder durch Scharfschützen der Armee geschah auf Grund klarer und spezifischer Befehle.

Am 20. April dieses Jahres wurden in Gaza vier unbewaffnete, palästinensische Kindern durch Scharfschützen der heldenhaften israelischen Selbstverteidigungsarmee (SDF) gezielt getötet. Man hätte eigentlich erwarten können, dass die gut dokumentierten Berichte über dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit unseren Konzern- und staatsnahen Medien wenigsten ein paar kritische Zeilen Wert gewesen wären. Zumal es sich bei diesen gezielten Tötungen der palästinensischen Kinder (Fotos und Hintergründe hier) nicht um das Versagen irgendwelcher durchgedrehter Scharfschützen handelt. Das hat der israelische General Zvika Fogel einen Tag später, am Samstag den 21. April,  im israelischen öffentlich-rechtlichen „Kan“ – Radiosender klar gemacht.

Stolz erklärte Fogel, dass es sich bei der Erschießung der Kinder um die Ausführung von „klaren und spezifischen Befehlen“ von oben gehandelt habe. In dem Radiointerview beschreibt Brigadegeneral Fogel, wie ein Scharfschütze den „kleinen Körper“ eines Kindes identifiziert und dann nach sorgfältiger Prüfung von oben die Erlaubnis erhält zu schießen. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Regierung Israels nicht einmal mehr vor Kindermorden zurückschreckt, um den Widerstandswillen der Palästinenser gegen die Besatzung zu brechen.

Hier General Fogel im O-Ton:

Ich bin Zvika Fogel. Ich weiß, wie diese Befehle erteilt werden. Ich weiß, wie ein Scharfschütze das Schießen vorbereitet. Ich weiß, wie viele Genehmigungen es braucht, bevor er eine Feuergenehmigung erhält. Es ist nicht die Laune des einen oder anderen Scharfschützen, der jetzt den kleinen Körper eines Kindes identifiziert und entscheidet, dass er schießen wird. Jemand markiert das Ziel sehr sorgfältig und sagt dem Scharfschützen genau, warum man schießen muss und welche Bedrohung von diesem Individuum ausgeht. Und zu meinem großen Leid, manchmal, wenn sie auf einen kleinen Körper schießen und sie beabsichtigten, seinen Arm oder Schulter zu treffen, geht der Schuss höher. Das ergibt kein schönes Bild. Aber wenn das der Preis ist, den wir bezahlen müssen, um die Sicherheit und Lebensqualität der Bewohner des Staates Israel zu erhalten, dann ist das der Preis.“

Verwundert fragte der „Kan“ Interviewer Ron Nesiel den General, es habe doch immer geheißen, dass „scharfe Munition nur benutzt wird, wenn die Soldaten einer unmittelbaren Gefahr ausgesetzt sind?“ Und das war ja bei den Kindern offensichtlich nicht der Fall. Darauf antwortete der General:

Jede Person, die sich dem Grenzzaun nähert, jeder, der eine potentielle Bedrohung für den Staat Israel und seine Bewohner sein könnte, sollte einen Preis für diese Verletzung tragen. Wenn dieses Kind oder jemand anderes nahe an den Zaun kommt, um einen Sprengkörper zu verstecken oder um zu überprüfen, ob dort eine tote (nicht einsehbare) Zone ist oder er den Zaun durchschneiden will, damit jemand das Territorium des Staates Israels infiltrieren kann, um uns zu töten … „

„Dann bedeutet das für ihn die Todesstrafe?“ unterbricht Ron Nesiel den israelischen General. Und Fogel bekräftigt:

„Seine Strafe ist der Tod. Was mich betrifft, geht das in Ordnung. Wenn ihm jemand nur ins Bein oder den Arm schießt, um ihn zu stoppen, – großartig. Aber wenn es dann doch mehr ist? Was wollen sie eigentlich mit mir klären? Wessen Blut dicker ist? Unseres oder das der anderen?

(Hier ist die englische Übersetzung des Fogel Interviews und wer will, kann das in Hebräisch geführte Original Interview hier anhören, ab 6‘:52‘‘.)

Auch von einem israelischen Minister bekommen die Kinder mordenden Scharfschützen der israelischen Armee Unterstützung. Bildungsminister Naftali Bennett erklärte, der 15-jährige Mohammed Ayoub (einer der vier Opfer vom 20. April), wäre nicht erschossen worden, wenn er statt am Zaun zu demonstrieren in der Schule gewesen wäre. „Wenn er zur Schule gegangen wäre, wie jedes andere Kind, hätte es kein Problem gegeben“, so Minister Bennett. Die Antworten von Fogel und Bennet, beide Vertreter der israelischen Macht, enthüllen eine weitaus schrecklichere Wahrheit als die Morde selbst.

Neben den am 20. April getöteten vier Kindern hat die gefeierte israelische Armee am selben Tag auch noch 30 Erwachsene umgebracht, als sie mit scharfer Munition in die Menge von unbewaffneten Palästinensern schoss, die in Gaza vor dem illegalen israelischen „Grenzzaun“ demonstrierten. Neben den Toten wurden 1600 Menschen teils schwer verletzt. Leider sollte es nicht dabei bleiben. Die palästinensischen Proteste gingen seither weiter und die israelischen Soldaten schossen weiter mit scharfer Munition in die Menge. Von all dem hat man in den deutschen Medien kaum etwas mitbekommen. Es gab auch keine scharfe diplomatische Demarche aus Berlin gegen diese israelischen Massaker an wehrlosen und unterdrückten Menschen. Stattdessen überschlug sich das Strichmännchen im Außenministerium in Berlin mit dusseliger Lobhudelei anlässlich des 70. Jahrestags der Gründung des Apartheits- und Terrorstaates.

Mit der deutschen Euphorie über die israelische Staatsgründung vor 70 Jahren hat man natürlich die Nakba glatt vergessen. An einem solchen Festtag erinnert man sich nicht gerne an die dunklen und erschreckend brutalen Seiten der Gründung der allseits bewunderten, „einzigen Demokratie“ im Nahen Osten. Das Niederbrennen ganzer palästinensischer Dörfer, die Massenmorde und andere Gräueltaten leiteten die Vertreibung großer Teile der alteingesessenen palästinensischen Bevölkerung ein. Deren Grund und Boden sind nun seit Jahrzehnten israelisches Territorium. Aber all dies ist längst in Deutschlands offiziellem Gedächtnisloch entsorgt. Ganz unbesorgt können daher die Politiker aller Parteien um den Ersten Platz als „Israels Bester Freund“ wetteiferten. Dabei werden sie nicht müde, pathetisch ihre unbegrenzte Solidarität mit dem rassistischen Netanjahu-Regime zu bekunden und sich für die Sicherheit des Staates Israel stark zu machen.

Dieser Auszug aus dem Antrag der Linksfraktion an den Bundestag zu „70 Jahre Israel“ ist ein Musterbeispiel für unterwürfige Lobhudelei:

„(…) Dass Israel seine demokratischen und rechtsstaatlichen Strukturen in einer Weltregion geschaffen und erhalten hat, deren Staaten ansonsten von autoritären, autokratischen und diktatorischen Regimen beherrscht wurden, die Israel zumeist feindlich gegenüberstanden und -stehen, ist eine historische Errungenschaft. In Israel finden Jüdinnen und Juden aus der ganzen Welt einen Schutzraum, in dem sie sicher vor Antisemitismus sind und frei und selbstbestimmt leben können. Israel blickt heute mit Stolz auf 70 Jahre Demokratie mit einer lebendigen und pluralistischen Zivilgesellschaft und einer immensen Vielfalt in den Formen des Zusammenlebens. (…)“

Wie schwachsinnig müssen unsere Politiker sein, wenn sie die Sicherheit eines anderen Staates zu unserem „nationalen Interesse“ machen, eines Staates, der sich standhaft weigert, seine eigenen Staatsgrenzen auszuweisen. Offiziell hat Israel nämlich keine Grenzen! Der Grund liegt in den weiteren Expansionsgelüsten der Zionisten. Denn wenn man jetzt die eigenen Grenzen benennen würde, vergäbe man die Chance, früher oder später die völkerrechtswidrigen, jüdischen Siedlungen in den palästinensischen Gebieten klammheimlich Israel einzuverleiben. Außerdem sehen die meisten israelischen Landräuber auch das wasserreiche und fruchtbare Gebiet des besetzten syrischen Golan bereits als ihr ureigenes israelisches Eigentum an. Zum Beispiel verkaufen sie auf dem Golan produzierten Wein auch in deutschen Supermärkten als israelisches Produkt.

Darüber hinaus schließen die israelischen Begehrlichkeiten auch Teile des Süd-Libanon mit ein, speziell das Gebiet von der „provisorischen“ israelischen Grenze bis hin zum Litani-Fluß, dessen Wassermengen die Zionisten viel dringender für ihre Swimmingpools und ihre Landwirtschaft brauchen, als die „faulen Araber“, die das Wasser einfach nur ins Meer fließen lassen. Auch die gerne erzählten Mär, dass der Landraub der Zionisten in Palästina deshalb moralisch gerechtfertigt sei, weil „die jüdischen Siedler durch ihren Fleiß die Wüste fruchtbar gemacht haben“, ist ein oft gehörtes Argument, das vor allem von Anhängern der „anti-deutschen“ und der „atlanti-fa“-Bewegung aber auch von sonstigen deutschen Dummbürgern nachgeplappert wird. Dabei ist es egal, ob Letztere aus dem konservativen oder linken politischen Spektrum kommen.

Wie bekloppt muss man sein, die Sicherheit eines anderen Staates zur eigenen „Staatsraison“ zur erklären, wenn dieser Staat ständig seine Nachbarn mit Krieg bedroht oder sie sogar angreift. Ein Staat, der es als sein Gott gegebenes Rechts ansieht, jederzeit nach Belieben seine Nachbarn zu bombardieren oder politische Gegner im Ausland liquidiert, dem darf trotz der unvorstellbaren Verbrechen der NAZIS keine Solidarität ausgesprochen werden. Denn Unterstützung bestärkt das israelische Unrechts-Regime nur noch in seinem kriminellen Tun.

Die faschistoide Netanjahu-Regierung mit ihrem zum Kriegsminister mutierten ehemaligen Nachtclub-Rausschmeißer Avigdor Lieberman ist dabei, ihre Angriffe in Syrien gefährlich zu eskalieren. Die Möglichkeit einer direkten militärischen Konfrontation mit russischem Militär kann immer weniger ausgeschlossen werden. Und was wird passieren, wenn Russland zurückschießt, z.B. auf israelische Militärbasen im „Heiligen Land“, erklärt dann Deutschland Moskau den Krieg, weil Israels Sicherheit deutsche Staatsraison ist?

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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