Tagesdosis 08.05.2018 – Die Skripal Kabale

Ein Kommentar von Dirk Pohlmann.

Der Fall Skripal ist kriminalistisch, zwei Monate nach dem Nervengiftangriff auf den russischen Doppelagenten, so unklar wie zu Beginn. Trotzdem hat er dafür gesorgt, dass die Beziehungen zwischen Russland und den NATO Staaten so schlecht sind, wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Möglicherweise, nein wahrscheinlich, weil das die Absicht dahinter ist.

So rasant und rabiat, wie sich die britische Regierung ein Loch gegraben hat, aus dem sie jetzt nicht mehr herauskommt, kann man zu keinem anderem Schluss kommen. Der Außenminister Boris Johnson hatte gleich zu Beginn der Ermittlungen allen Ernstes behauptet, dass nur Russland dahinter stecken könne, weil nur Russland das „Motiv, die Fähigkeit und den Leumund“ für so ein Verbrechen hätte. Diese Beschreibung trifft zwar auf Großbritannien und die USA noch mehr als auf Russland zu, insbesondere was die Motive betrifft, aber auch die Fähigkeiten und erst recht was den Leumund angeht, aber zu solch feiner Ironie ist Johnson nicht fähig. Er ist ein Mann für´s Dumme und Grobe.

In vieler Weise erinnert der Fall Skripal an die Dreyfus Affäre. 1894 war der französische Hauptmann Alfred Dreyfus von einem Kriegsgericht in Paris wegen Landesverrats verurteilt worden. Die Beweislage war mehr als dünn und die Indizien wiesen auf einen anderen Schuldigen, den Major Esterhazy. Der Fall Dreyfus hatte die Bevölkerung Frankreichs in zwei Lager gespalten.

Die einen waren sicher, dass der jüdische Elsässer Dreyfus schuldig sein musste, weil ihr „Blut“, ihr Gefühl, ihre Liebe zum Vaterland ihnen das sagte. Und sie hatten die zeitgenössischen McMedien auf ihrer Seite. Die Sache war klar, weil nur der Jude Dreyfus das Motiv, die Fähigkeit und den Leumund für einen Verrat hatte.

Dagegen stand das Lager, die seine Unschuld nachzuweisen versuchte, mit Logik, kriminalistischer Akribie und unter Verweis auf die Ideale der Aufklärung. Ihre Betonung des Rationalen in dem Skandal ließ einen neuen Begriff entstehen: Sie nannten sich selbst und wurden von den Gegnern als „Intellektuelle“ bezeichnet und verleumdet. Intellektueller war damals ein Kampfbegriff wie heute „Verschwörungstheoretiker“.

Die „Intellektuellen“ waren gehirngetriebene Wesen, denen die Vernunft wichtiger war als Blut und „Rasse“. Das einige der klügsten Köpfe Frankreichs Dreyfus’ Unschuld verteidigten und auf die skandalöse Berichterstattung der bürgerlichen und „patriotischen“ Presse hinwiesen, darunter zuvorderst Emile Zola, der mit seinem berühmten Artikel „J’Accuse…!“ die Unschuld des  Alfred Dreyfus und Schuld des französischen Majors Ferdinand Walsin-Esterházy beteuerte, fachte die Wut auf den Verräter und seine Trollarmee nur weiter an. Dadurch wurde Zola selbst zum Ziel der juristischen Hetzjagd gegen Dreyfus. Auch er wurde vor Gericht verurteilt. Zu Zolas Unterstützern gehörten die Schriftsteller Anatole France, der Maler Claude Monet, der Soziologe Emile Durkheim, die Schauspielerin Sarah Bernhardt, der Mathematiker Henri Poincare, der Politiker Georges Clemenceau und viele andere, eben die „Intellektuellen“.

Wie schwer sich ein Staat und seine Institutionen damit tun, die Wahrheit einzugestehen, auch das demonstriert der Fall Dreyfus. Obwohl Dreyfus 1906 freigesprochen wurde, hat die französische Armee erst 1995 offiziell die Unschuld des Alfred Dreyfus öffentlich bestätigt.

Ganz ähnlich wie im Fall Dreyfus wird auch im Fall Skripal von einer Fraktion gefordert, ohne Beweise auf der Grundlage einer angeblichen Plausibilität, eines angeblichen Gesamtbildes im Sinne der staatlichen Anklage zu urteilen und die Indizien zu übersehen, während die Gegenseite fordert, mit kühler Sachlichkeit zu ermitteln und die Verurteilung nicht vor der Beweisaufnahme durchzuführen.

So sind Skripal und seine Tochter nach offizieller Lesart durch Einschmieren des Türknaufs seiner Wohnung vergiftet worden. Wie soll man sich das vorstellen? Hat Skripal die Tür seines Hauses verschlossen und seine Tochter hat dann noch mal an den Türgriff gefasst? Machen Sie das auch so, wenn sie ihr Haus verlassen? Ihr Partner fasst noch mal an die Tür? Wirklich? Immer? Weil sonst wäre das ja keine gute Methode, um zwei Menschen umzubringen. Und wenn man nicht Skripal und seine Tochter umbringen wollte, warum wartet man dann, bis Julia ihren Vater besucht? Das ist nur ein Beispiel für die löchrige Logik dieses Falles.

Es sind nicht nur die kriminalistischen Details der angeblichen Nervenkampfstoff-Vergiftung, die genauso zum Himmel stinken, wie die kriminalistischen Details in der Dreyfus-Affäre. Die Regeln des Rechtsstaates, die Unschuldsvermutung, werden von den Mitgliedern der modernen Anti-Dreyfus Fraktion wie Theresa May und Norbert Röttgen als Unsinn bezeichnet,  sie sagen allen Ernstes, dass jedem NATO-Patrioten klar sein müsse, dass „der Russe“ schuld sein müsse, weil es nur der Russe gewesen sein könne – so wie damals der Jude schuld war.

Die neueste Volte in diesem Fall führt noch tiefer in die Leichenkeller der westlichen Wertegemeinschaft. Der tschechische Präsident Milos Zeman hat in einem Fernsehinterview gesagt (4), dass tschechische Militärchemiker im letzten Jahr (!) einen Nervenkampfstoff des Typs „Nowitschok“ hergestellt hätten. Zeman ist eher russlandfreundlich. Der tschechische Putin- und Russland-Feind Premierminister Andrej Babis hat ihm jetzt widersprochen (5). Erstens seien es nur minimale Mengen für Tests gewesen, noch dazu eines anderen Nowitschok Giftes, nicht des „britischen“, die überdies sofort zerstört worden seien, zum anderen schade solcher Geheimnisverrat den Beziehungen zu Großbritannien und anderen NATO Staaten.

Nun wurde dem erstaunten Publikum ja zu Beginn der Skripal-Kabale versichert, dass bereits der Name des Giftes ein Beweis für die  Urheber des versuchten Mordes im Kreml sei, weil nur Russen Nowitschok hergestellt hätten und herstellen könnten.

Kabale, auch das sei erwähnt, ist ein altertümliches Wort für Intrige und Verschwörung und damit ein Hinweis, dass es Verschwörungen tatsächlich bis in die jüngste Vergangenheit gegeben hat. Bevor sie rückstandsfrei ausstarben und von der florierenden „Verschwörungstheorie“ abgelöst wurden.

Die einzig mögliche russische Urheberschaft des Nervenkampfstoffes war und ist kompletter Unsinn, wie einige „intellektuelle“ Chemiker und andere Intellektuelle nicht müde wurden zu beteuern, die Formel hatte einer der Urheber der Nowitschok genannten verschiedenen Nervengifte in einem Buch veröffentlicht und jeder akademisch ausgebildete Chemiker, dem ein Forschungslabor mit Abzugshaube zur Verfügung steht, also so gut wie jeder Chemiker, könnte es herstellen.

Ganz sicher jeder Militär Chemiker der ehemaligen Tschechoslowakei. Denn die waren im Warschauer Pakt, neben den Sowjets, die unangefochtenen Spezialisten für Chemiewaffen. Wie ich bei den Recherchen für meine Arte/ZDF Dokumentation „Mengeles Erben“ (1)feststellen musste. Die CSSR war im Kalten Krieg nicht nur der weltgrößte Produzent von LSD, seine Geheimdienste und das Militär experimentierten und nutzten analog zu den MK-Ultra Versuchen der USA die damals in Entwicklung befindlichen Psychopharmaka für militärische und geheimdienstliche Zwecke, setzten sie als Verhördrogen ein, sie setzten Raketenoffiziere unter LSD und filmten die Effekte, die tschechoslowakischen Militärchemiker beschäftigten sich dezidiert mit der Anwendung von chemischen Waffen gegen Individuen und feindliche Streitkräfte. Ich fand sogar Material, dass von einer Untersuchungskommision der USA stammte, die sich mit tödlichen Versuchen an US Kriegsgefangenen des Vietnamkrieges beschäftigte, die in die CSSR gebracht worden waren, wie auch der tschechosolwakische Überläufer General Jan Sejna 1968 in den USA ausgesagt hatte. Die Untersuchungskommission hatte einen Zeugen gefilmt, der unter Drogen gesetzte US Soldaten im Todestrakt eines Gefängnisses gesehen hatte. Vor Ort, in dem Gefängnis, in dem der Zeuge als politischer Gefangener inhaftiert war.

Das Material war mir zugespielt worden, weil es nie in einer offiziellen Untersuchung verwendet wurde, sondern beseitigt werden sollte.

Denn zwischen den ehemaligen Chemiewaffenexperten der CSSR und den USA gab es, wahrscheinlich, einen Deal. Beweisen kann ich es nicht, es ist nur plausibel. Die tschechischen Chemiewaffen Spezialisten hatten sehr schnell die Seiten gewechselt. Sie waren bereits 1991 im ersten Golfkrieg als Mitglieder der „Koalition der Willigen“ im Einsatz gegen Saddam Hussein im Irak. Der Wert der tschechischen Truppen war immens, denn CSSR Experten hatten weltweit befreundete Militärs in der Produktion, der Lagerung und im Einsatz von Chemiewaffen ausgebildet und wussten besser als irgendjemand sonst, womit im Irak zu rechnen war, sie hatten die Analysemethoden und Detektoren für die entsprechenden Kampfstoffe.

Ähnliche Deals gab es nach dem zweiten Weltkrieg mit den Kriegsverbrechern der Einheit 731 (3), die unter Shiro Ishii vor allem Bio- aber auch Chemiewaffen- und andere Versuche mit etwa 3.000 Gefangenen (2), meist Chinesen, durchgeführt hatte. Insgesamt fielen den Biowaffenversuchen 300.000 Menschen zum Opfer. So akribisch wissenschaftlich wurden die 3000 Gefangenen von den japanischen „Ärzten“ sadistisch als Meerschweinchenersatz verbraucht, mit Pest und Milzbrand in Labor und Freilandversuchen infiziert und teilweise bei lebendigem Leib seziert, darunter auch einige US Bomberbesatzungen, dass die US Geheimdienstler von der Exaktheit der Ergebnisse völlig begeistert waren. Solche validen Ergebnisse hatten die deutschen KZ-Ärzte nicht zu bieten.

Man beschloss, die japanischen Mengeles gegen Übergabe ihrer Daten straffrei davonkommen zu lassen. Ein entsprechender Deal fand statt, während in Deutschland etwa ein Drittel der in den Nürnberger Ärzteprozessen angeklagten KZ-Ärzte gehängt wurden.

Ähnliche Deals gab es aber auch mit deutschen Wissenschaftlern, die wertvolle Ergebnisse zu Verhördrogen weitergeben konnten. Diese Experten bauten übrigens auf Wissen auf, dass bereits vor dem Krieg in der Tschechoslowakei erworben worden war – und führten skrupellos weitere Versuche durch. Es wurde z.B. mit Meskalin und anderen natürlichen Drogen experimentiert.

Man kann also getrost davon ausgehen, dass insbesondere in der ehemaligen CSSR Experten sitzen, für die Nowitschok kein Buch mit sieben Siegeln ist. Man sollte aber nicht davon ausgehen, dass die moralischen und  menschenrechtlichen Wahrheits-Standards westlicher Regierungen den Anforderungen entsprechen, die sie an Russland oder Syrien anlegen. Oder den eigenen Anforderungen an sich selbst.

Und Geheimdienste sind Geheimdienste sind Geheimdienste.

Quellen

(1) –  https://www.youtube.com/watch?v=3o4dNQh62KY

(2) –  http://www.chinadaily.com.cn/china/2017-11/13/content_34464722.htm

(3) –  https://de.wikipedia.org/wiki/Einheit_731

(4) –  http://praguemonitor.com/2018/05/07/experts-challenge-release-secret-information-zeman

(5) –  https://deutsch.rt.com/europa/69374-prasident-zeman-auch-tschechien-hat-nowitschok-geforscht/

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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7 Kommentare zu: “Tagesdosis 08.05.2018 – Die Skripal Kabale

  1. Ja , das Volk, die Völker werden dreist und unverschämt ausgeraubt. Oder besser gesagt, sie lassen sich freiwillig ausrauben!
    Ein Gedanke der mir schön öfters durch den Kopf ging ist, dass sich die Lohnabhängigen (alle!!) organisieren, vernetzen müssten! Wir haben alle Möglichkeiten! Noch nie war es so realistisch, dass sich eine unbeschreiblich große Masse an Menschen organisieren konnte.
    Ich meine, die Gewekschaften sind ja offensichtlich längs unterwandert und korrumpiert. Die letzten Lohnabschlüsse waren eine Unverschämtheit und die Gewekschaftsspitzen verkaufen das noch dummdreist als Erfolg. 6% !!!!!!! dass diese paar Prozente auf 3 Jahre laufen wird leise dazu gesagt…
    Merken die Menschen nicht, dass sie mit den Gewekschaften den Gegner in den eigenen Reihen haben?!?!
    Also: was passieren müsste ist eine Bewegung der sich ALLE Lohnabhängigen anschließen können. Auch könnte man „Beitrittshürden“ (horrende Beiträge für die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft die ohne keinen Finger rührt), (zumindest horrend für Menschen die präker beschäftigt sind!) einfach weglassen. Es wäre nur eine Vernetzung der Lohnabhängigen.
    Die könnte man mit relativ wenig finanziellen Aufwand bewerkstelligen. Ich meine, wenn irgend etwas triviales passiert weiß es doch auch gleich die ganze Gesellschaft. Warum sollte das auf diesem Weg nicht funktionieren.
    Wenn sich ALLE (oder ein Großteil) der Lohabhängigen vernetzt und organisiert haben, könnte man forderungen stellen. Werden sie nicht eingelößt gibt es empfindliche Konsequenzen.
    Das wäre die Macht des Volkes!
    Man müsste sich nur über das Internet in eine Liste eintragen (kostenfrei, mit freiwiliger Spende für die Sache), ein Zähler der Mitglieder eingebaut (wie bei Petitionen) und wenn der eine gewisse Zahl erreicht hat, wird es zum Selbstläufer, die Mächtigen würden zu zittern beginnen.
    Man könnte so auch leicht etwas wie einen Generalstreik einleiten, müsste man halt anders nennen, zB. freiwillige Teilnahme…
    Warum geht in diese Richtung nichts?!

  2. Zitat aus dem Text: „So akribisch wissenschaftlich wurden die 3000 Gefangenen von den japanischen „Ärzten“ sadistisch als Meerschweinchenersatz verbraucht, mit Pest und Milzbrand in Labor und Freilandversuchen infiziert und teilweise bei lebendigem Leib seziert.“
    Das klingt so, als ob es mit Meerschwinchen ok gewesen wäre. Wäre es aber nicht, auch Meerschweinchen haben so eine Hölle nicht verdient. Das muß ganz klar sein.
    Trotzdem findet es jeden Tag millionenmal statt, besonders oft mit Mäusen.

  3. Es gibt auch diese französische Fall
    Vincent Reynouard, ‘Die Wahrheit über Oradour, Rekonstruktion und Forschungsbericht eines Franzosen, Was geschah am 10. Juni 1944 wirklich ?’, Stegen am Ammersee, 2005 (Le Massacre d’Oradour, Antwerpen 1997)
    Frankreich schloss die Akten bis 2053.

  4. Dazu:

    07 Apr 2018
    Beweise, bitte!
    Eine nüchterne Analyse des Mordversuchs an Sergej und Yulia Skripal
    von Andreas von Westphalen

    Nach dem Mordversuch an dem ehemaligen russischen Spion Sergej Skripal und seiner Tochter Yulia sieht Großbritannien in Russland den Schuldigen. Außenminister Johnson klagt den russischen Präsidenten Wladimir Putin sogar persönlich an. Und die Medien? Statt aufzuklären werfen sie – ohne jeden Beleg für eine russische Schuld – die Frage auf, ob die Vorkommnisse nicht längst den NATO-Bündnisfall ausgelöst hätten haben müssen. Rechtsstaatlichkeit sieht anders aus.
    (…)
    Betrachtet man die genannten Fakten nüchtern, bleibt die Frage bestehen: Aus welchem Grund sollte Russland nun den Tod Skripals wünschen, der sein inzwischen veraltetes Wissen über die Identität von russischen Spionen bereits vor mehr als einem Jahrzehnt dem MI6 preisgegeben hatte? Was ist das Motiv?
    (…)
    „Skripal war Teil eines Agentenaustauschs; über seinen Fall haben die britische wie die russische Seite ein Protokoll unterzeichnet. In der Theorie heißt es, wer Teil eines Agentenaustauschs war, ist geschützt vor Attacken der anderen Seite. Ich sehe hier vier Alternativen. Entweder der Kreml hat beschlossen, dieses Protokoll bewusst zu missachten, was ich für unwahrscheinlich halte. Oder innerhalb des russischen Geheimdienstes hat jemand auf eigene Faust gehandelt. Oder es war ein anderer Geheimdienst. Oder Skripal selbst hat das Protokoll missachtet und war wieder geheimdienstlich tätig geworden.“ [7]
    (…)
    Stattdessen hat Großbritannien den UN-Sicherheitsrat angerufen. [15] Interessanterweise besteht Russland wiederum genau auf dieser Einhaltung des Verfahrens. Daher erklärte der russische Botschafter bei der OPCW: „Unsere britischen Kollegen sollten sich daran erinnern, dass Russland und das Vereinigte Königreich Mitglieder der OPCW sind, welches einer der erfolgreichsten und wirksamsten Mechanismen zur Abrüstung und Nicht-Weiterverbreitung darstellt. Wir rufen sie auf, die Ultimaten und Drohungen zu unterlassen und zum rechtlichen Rahmen der Chemiewaffenkonvention zurückzukehren, der es ermöglicht, diese Art von Situation zu lösen. Wenn London ernsthafte Gründe für den Verdacht hat, Russland würde die CWC (Chemical Weapons Convention) verletzen – und die Erklärung des angesehenen Botschafters Peter Wilson zeigt, dass dem so ist –, empfehlen wir, dass Großbritannien sofort das Verfahren nach Absatz 2 von Artikel 9 der CWC in Anspruch nimmt. Dieses ermöglicht es, uns auf einer bilateralen Grundlage offiziell zu kontaktieren, um Fragen, Zweifel oder Bedenken jeglicher Art auszuräumen.“ [16]
    (…)
    Ansonsten Anthrax

    Leider viel zu schnell ist der Anthrax-Fall in den USA nach dem 11. September in allgemeine Vergessenheit geraten. Fünf Menschen kamen ums Leben und 17 wurden verletzt. Zuerst galt Al-Qaida als eindeutiger Verdächtiger, dann der Irak.

    Das FBI leitete die größte Untersuchung in seiner Geschichte ein. Schließlich fiel der Verdacht auf einen US-Amerikaner, auf einen US-amerikanischen Mikrobiologen, der schließlich Selbstmord beging. Später reichte niemand anders als der Leiter der zwischen 2002 und 2006 erfolgten FBI-Untersuchung Klage gegen einige Mitarbeiter des US-Justizministeriums und des FBI ein. Bis heute sind die Anthrax-Morde, die so eindeutig erschienen, noch immer nicht geklärt. [36]
    (…)
    Ein kleine Satire

    Craig Murray versucht es unterdessen mit Humor und einer kleinen Anekdote:

    „Genosse Putin, wir haben nun erfolgreich zehn Jahre lang insgeheim Nowitschok gehortet und konnten es vor den OPCW-Inspektoren verbergen. Wir haben unsere Agenten in geheimen Mordanschlagstechniken mit Nowitschok trainiert. Das Programm hat mehrere Hundert Millionen Dollar gekostet, aber nun sind wir bereit. Natürlich werden wir, wenn wir es zum ersten Mal einsetzen, unser Geheimnis preisgeben und massive internationale Rückschläge erleiden. Also, wer soll unser erstes Ziel sein? Der Leiter eines fremden Nachrichtendienstes? Ein führender Jihadist in Syrien? Ein wichtiger Nuklearwissenschaftler? Vielleicht sogar ein Staatenlenker?“

    „Nein, Tovarisch, nimm‘ den alten Kerl, der da im Ruhestand in Salisbury lebt, Du weißt schon, den wir damals vor ein paar Jahren aus dem Gefängnis entlassen haben… .“ [37]
    http://www.free21.org/beweise-bitte/

    Und hier, gehört ja dazu:

    Samstag, 28. April 2018, 15:58 Uhr
    ~12 Minuten Lesezeit
    Die Besorgten und das Giftgas
    Giftgas wird vor allem als Propaganda-Waffe benutzt.
    von Peter Frey

    Die moralische Entrüstung über den „sehr wahrscheinlichen Einsatz von Giftgas durch das Assad-Regime“ bekommt sich in Politik und Massenmedien kaum noch ein — und überträgt sich damit auf die Bevölkerung. Es scheint mir angebracht, nochmals darauf aufmerksam zu machen, dass es sich dabei um eine Maskierung sehr profaner Interessen handelt. Mit der Erzeugung von Hass und Feindbildern wird ein Großteil der Bevölkerung immer aufs Neue im Sinne dieser Interessen manipuliert.

    Emotionen sind es, die unser Denken und Handeln bestimmen. Sie haben ihren Sinn, die Emotionen, aber sie lassen sich auch jederzeit provozieren. Das Unbewusste kann bewusst in uns angeregt werden. Die in diesem Sinne Bewussten arbeiten zielorientiert und sie können sich sicher fühlen, dabei erfolgreich zu sein. Kurzfristig gelingt es fast immer, mittel- und langfristig außerdem dann, wenn die Opfer ihr eigenes Verhalten nicht in der Lage sind zu reflektieren.

    Deshalb funktioniert das mit dem Giftgas auch so schön.
    (…)
    Würden Politiker und Medienschaffende ab heute mit Inbrunst das Thema Uranmunition zur Sprache bringen, Tag für Tag, garniert mit den Bildern verkrüppelter, kaum als Menschen erkennbarer kleiner Babies. Erführen Sie jeden Tag über neue Berichte des wiederholten Einsatzes solcher Waffen; realitätsnah und beklemmend. Dann würde Sie das genauso treffen, wie die Berichte von „Assads Giftgas“.
    (…)
    Das „Giftgas des Diktators“ wurde als gesellschaftliches Trauma verankert; die massenhafte Verwendung von Uranmunition dagegen nicht (2), die Verwendung von Handfeuerwaffen in Kriegsgebieten ebenso wenig.

    Wie wir das in der Realität erkennen?

    Wenn Sie neugierig genug und bereit sind, entsprechend Zeit zu investieren, dann recherchieren Sie doch mal folgendes: das durch die jeweiligen Kampfmittel verursachte Leid in den vergangenen hundert Jahren:

    – durch Giftgas,
    – durch Napalm,
    – durch Handfeuerwaffen,
    – durch Atomwaffen,
    – durch mit Uran angereicherte Munition.

    Fassen Sie die groben Opferzahlen (es geht hier nur um die Verhältnismäßigkeit) zusammen und ordnen sie die den Verursachern zu. Wenn es Sie interessiert, differenzieren Sie noch zwischen direkten und indirekten Verursachern.

    Bemühen Sie nun eine grobe Untersuchung der Online-Plattform der ARD-Tagesschau und versuchen Sie die Wichtung zu erfassen, mit der dort die eingesetzten Tötungsmittel, Opferzahlen und Verursacher thematisiert werden. Dabei werden Sie etwas lernen:

    Die Geschichten, welche Sie hören und speichern, stehen in keinem Verhältnis zur Realität „draußen“. Das Weltbild in Ihrem Kopf hat keinen Sinn dafür, dass das Thema „Assads Giftgas“ dort unverhältnismäßig viel Platz einnimmt, ja in Form eines Traumas gespeichert ist!
    (…)
    Was ist es, was fehlt, wenn die Massenmedien doch einmal von Kleinwaffen berichten; oder auch über Bordwaffen von Kampfflugzeugen (Bomben, Raketen und Maschinenkanonen), die in den letzten drei Jahrzehnten viele zehntausend Menschen, vorrangig Zivilisten, töteten?

    Geht es um den Einsatz von Massenvernichtungswaffen der westlichen Wertegemeinschaft, dann fehlt sie nämlich, die unmissverständliche Aufforderung an Sie, rote Linien zu überschreiten. Es fehlt das Erzeugen von Gefühlen in Ihnen, dass Sie SCHULDIG sind, wenn Sie nicht eine rasche, gewaltsame Lösung unterstützen. Eine Lösung, die Ihnen mit Bedacht als „Vorschlag“ gleich mit untergeschoben wurde. Eine Lösung, die Ihre geweckten Emotionen in gewünschter Weise kanalisiert.
    https://www.rubikon.news/artikel/die-besorgten-und-das-giftgas

    Aus Frankreich wurde die „Rote Linie“ gerade wieder erneuert:

    Frankreichs Angriff auf Syrien möglich? Verteidigungsministerin nimmt Stellung
    10:46 08.05.2018

    Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly hat gegenüber dem Radiosender RTL nicht ausgeschlossen, dass neue Angriffe auf Syrien im Fall eines Chemiewaffeneinsatzes verübt werden könnten.

    Der Angriff vom 14. April gelte als „Warnung“.

    „Falls die ,rote Linieʻ überschritten wird, folgt darauf eine Reaktion“, sagte sie.

    Zuvor hatte der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian erklärt: „Hinsichtlich der chemischen Waffen gibt es eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf“. Er fügte hinzu: „Wenn sie überschritten wird, gibt es eine weitere Intervention.“
    https://de.sputniknews.com/politik/20180508320619025-frankreich-angriff-syrien-verteidigungsministerin/

    Vielleicht liegt’s ja daran, daß wenn man Mäzene wie Rothschild im Rücken hat, sich fühlt wie das Zentralgestirn, Ludwig XIV.
    Obwohl Herr Macron derzeit, in den Augen vieler Franzosen, eher den Anschein von Ludwig XVI. erwecken dürfte und vielleicht ist deshalb die Fixierung auf einen äußeren Feind recht nützlich.

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